Benjamin Lazar - Die Opernarbeiten auf DVD

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  • Benjamin Lazar - Die Opernarbeiten auf DVD

    Als Schüler von Eugène Green, der sich seit Jahrzenten der historisierenden Aufführungspraxis des französischen Barocktheaters widmet, macht Benjamin Lazar eigentlich genau das Gegenteil von dem, was ich vom modernen Musiktheater erwarte. Historisierende Kostüme und Bühnenbilder, inklusive barocker Bühnenmaschinerie, bis hin zur ausschließlichen Beleuchtung der Bühne mit Kerzen. Dazu Rekonstruktion der hoch stilisierten Gesten und Bewegungen der Personen, und Rückgriff auf die historische Aussprache des Französischen und Wiedererweckung eines barocken Deklamationsstils.


    Das klingt für mich erstmal abschreckend und nach Museumstheater. Dann passiert aber Erstaunliches: Die Aufführungen wirken auf den modernen Zuschauer wegen der ungewohnten Stilmittel stark verfremdet, durch die ungewöhnliche Aussprache und das kodifizierte Bewegungsrepertoire sehr abstrakt. Und man hat das Gefühl, an einem modernen und auch lebendigen Theaterexperiment teilzunehmen, keineswegs einer blutleeren Rekonstruktion.


    Auf DVD sind drei Inszenierungen Lazars verfügbar.


    Le Bourgeois Gentilhomme ist zwar keine Oper, sei aber hier trotzdem genannt:



    Alleine Lullys Musik, gespielt vom Poème Harmonique unter Vincent Dumestre ist schon die Anschaffung wert. Vorsicht aber: Versuch einer Rekonstruktion der französischen Aussprache des 17. Jahrhunderts - daher dem Französisch lernenden nicht zu empfehlen: Es könnte bleibender Schaden entstehen 8+) .


    Cadmus & Hermione ist die erste der Tragédie Lyrique Lullys - quasi die Geburt der französischen Oper. Wieder musiziert Le Poème Harmonique.





    Und schließlich Stefano Landi: Il Sant' Alessio, William Christie dirigiert. Alle Rollen in dieser Heiligenlegende werden von Männern gesungen, 8 Countertenöre sind am Werk. Wirklich fabelhaft sind darunter Philippe Jaroussky in der Titelrolle und Max Emanuel Cencic als seine Braut.




    Im März wird Lazar in Paris an der Opéra Comique eine Oper von Massenet inszenieren. Keine Ahnung, ob er auch dafür einen historisierenden Ansatz wählen wird.



    Michel :wink:

    Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)

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