Bartók, Béla: Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta

  • Bartók, Béla: Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta

    Die “Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta” (im folgenden mit “MfSSuC” abgekürzt) komponierte Bartók 1936. Sie war von dem Dirigenten Paul Sacher für dessen Baseler Kammerorchester in Auftrag gegeben worden. Die Beziehung zwischen Bartók und Sacher begann ein Jahr zu vor mit einer gemeinsamen Aufführung des Zweiten Klavierkonzerts. Der darauf erfolgende Auftrag für die MfSSuC erfolgte in Hinblick auf das anstehende zehnjährige Jubiläum des Baseler Kammerorchesters. Aus der Zusammenarbeit mit Sacher gingen zwei weitere Werke Bartóks hervor: Die “Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug” (Uraufgeführt von Bartók und seiner Frau an den beiden Klavieren, sowie von Baseler Schlagzeugern) und das “Divertimento für Streichorchester”.


    Die MfSSuC gilt gemeinhin eines der größten Werke nicht nur Bartóks, sondern des gesamten 20. Jahrhunderts überhaupt. Sein Rang scheint nicht angezweifelt zu werden.


    Die Besetzung:
    Zwei fünfstimmige Streichergruppen in der üblichen Zusammensetzung,
    Harfe,
    Klavier,
    Celesta (der Celestaspieler wird bisweilen zum vierhändigen Klavierspiel herangezogen),
    Schlagzeug (Pauke, Xylophon, kleine Trommel senza corda und con corda, große Trommel Becken, Tam-tam; es werden 4 Spieler benötigt).


    Bartók hat die Aufstellung des Orchesters angegeben: Links die erste, rechts die zweite Streichergruppe, mit Ausnahme der Kontrabässe, die hinten in der Mitte aufgestellt sind. Die übrigen Instrumente sind von den Streichern eingerahmt.


    Wenn das Klavier auch eindeutig zu den Saiteninstrumenten gehört, wird es in diesem Werk vielmehr wie ein Schlaginstrument behandelt. Dies ist für Bartok durchaus üblich, wie man z.B. an der Klaviersonate, der Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug (mit etwas gutem Willen folglich als erstes Werk nur für Schlagzeug anzusehen) oder den Klavierkonzerten sehen kann.


    Das Werk hat vier Sätze. Wie üblich hat Bartók die jeweiligen Aufführungsdauern bis auf die Sekunde festgelegt: 6'30'' – 6'55''– 6'35'' – 5'40''. Das ergiebt eine Gesamtdauer von 25'40''. Die
    beiden mir bekannten Aufnahmen – Fricsay/RIAS und Solti/CSO – überschreiten diese Zahlen im Schnitt um etwa 30''.



    Der 1. Satz ist eine klarstrukturierte Fuge.


    Das Thema ist sehr chromatisch angelegt. Es beginnt auf dem Ton A. Die weiteren Einsätze beginnen jeweils eine Quint höher. Es ergibt sich eine beachtliche Steigerung, die zu einem Höhepunkt führt, wenn der dem Anfangston A am meisten entfernte Ton erreicht ist: Es.


    Gegen Ende dieser Steigerung kommt es zum einzigen Schlagzeugeinsatz dieses Satzes: Jeweils Zwei Wirbel der Pauken und des Beckens, beim Höhepunkt ein Schlag der Großen Trommel. Interessant ist, dass der Paukenwirbel, der auf den Höhepunkt hinführt, auf dem Ton A erfolgt, der ja, wie gesagt, vom anstehenden Es weitestmöglich entfernt ist. Es folgt beim Es-Dur-Höhepunkt, parralel zum Schlag der Großen Trommel, ein Paukenschlag. In der mir vorliegenden Partitur schlägt die Pauke das E, nicht auf Es. Ich kann mir vorstellen, dass hier ein Druckfehler vorliegt und die Pauke ein Es zu schlagen hat. Ich wäre sehr dankbar, wenn dies jemand aufklären könnte.


    Nach dem Höhepunkt beruhigt sich die Musik allmählich wieder und wird zurück zur Ausgangstonart A geführt. Nun wird die Fuge jedoch mit der Umkehrung des Hauptthemas bestritten. Gegen Schluss, wenn der Streicherklang schon sehr ausgedünnt ist, spielt die Celesta Arpeggien darüber.



    So einfach und klar strukturiert wie sich diese Fuge anhört, mag man beim ersten Ablick des Notenbildes durchaus überrascht sein. Beinahe mit jedem Takt ändert sich die Taktzahl. Das Hauptthema ist (die Achtel des Auftaks nicht mitgerechnet) in einen 8/8-Takt, einem 12/8-Takt, einem weiteren 8/8-Takt und einen 7/8-Takt.unterteilt. Diese Taktreihenfolge wiederholt sich zunächst, ab dem vierten Einsatz des Themas (in den Kontrabässen) kommen jedoch andere Taktarten hinzu.


    Im Notenbild überraschen gepunktete Taktstriche, welche das Hauptthema in Sinnabschnitte jenseits des Taktes zu unterteilen scheint. Das Hauptthema ist auf diese Weise in 9 Sinnabschnitte unterteilt, die jeweils die folgende Anzahl an Achtelnoten enthalten: 3-3-5-3-3-6-3-6-3. (Die Achtel des Auftakts ist wiederum nicht mitgezählt). Diese gepunkteten Taktstriche sind nur gesetzt, wo das Thema in seiner Reinform oder nach dem Höhepunkt in seiner Umkehrung auftritt. bei den komplizierter gearbeiteten Stellen der Fuge fehlen sie.



    Der 2. Satz ist ein wuchtiger und klanglich äußerst vielfältiger Sonatensatz. Ein größerer Kontrast zum 1. Satz ließe sich kaum denken. Das Klavier spielt eine bedeutende Rolle. Von diesem Satz an sind die beiden Streichergruppen in getrennten Blöcken notiert (im ersten Satz ist dies noch nicht der Fall. Dort stehen oben die vier Violinen, unten die beiden Kontrabässe). Gerade das erste Thema des zweiten Satzes lebt vom Wechselspiel der beiden Streichergruppen. Auch in diesem Satz sind Feinheiten verborgen, die sich den ersten Höreindrücken
    kaum zeigen: Während das Hauptthema in der Exposition durchgehed im 2/4-Takt steht, kommt es in der Reprise zunächst zu vielfachen Taktwechseln, bis es sich im 3/8-Takt festfährt. Noch dazu spielen die beiden Streichergruppen in der Reprise die selben Stimmen, das antiphone Wechselspiel ist aufgehoben. Dadurch wirkt die Reprise um einiges wuchtiger als die Exposition. Augrund der rhythmische Verkomplzierung wirkt sie aber keinesfalls einfacher.



    Der 3. Satz ist ein stimmungsvolles Adagio, jedoch ohne irgendwelche romantischen Übertreibungen und Ausuferungen, wie sie Bartók gar nicht mochte. Dieser Satz beinhaltet die klanglich auffälligsten Stellen des Werkes. Er beginnt mir rhythmisch freien Xylophonschlägen auf immer demselben Ton, bald begleitet von Paukenglissandi, später noch von Pauke und Tam-tam. Diese Schlagzeugstelle kehrt mehrmals wieder und kann als tragendes Element des Satzes bezeichnet werden. Einen besonderen Klang geben außerdem gedämpfte Geigenglissandi über trillernden Streicherklängen in hoher Lage zu einer Melodie von zwei Sologeigen und der Celesta. Es kommt bisweilen zu Anspielungen des Fugenthemas des 1. Satzes. In der Mitte des Satzes gibt es eine enorme Steigerung hin zu erschreckenden Schlagzeugklänen über Streichertremoli, die gerade im Kontrast zu dem ätherischen aber keinesfalls gefühlsduseigen Charakter des bisherigen Satzes ihre Wirkung erzielen.



    Der fetzige 4. Satz mag vor allem zu Beginn einige Rausschmeißerqualitäten haben. Die Pauke spielt immer wieder Auftakte in Funktion und
    Charakter der üblichen Quartsprung-Auftakte. Jedoch ist das Intervall dabei nie eine Quart. Zu Beginn des Satzes ist es zum Beispiel eine kleine Terz. (Ein Quartauftakt für das lydischen Hauptthem währe wahrscheinlich auch deplaziert (???)). Der Satz entwickelt sich zu einer fast wahnhaften Accelerando-Partie, worauf in einem plötzlichen molto moderato das Fugenthema des 1. Satzes wiederkehrt. Jedoch nicht, wie dort, chromatisch, sondern diatonisch gestreckt. (Ein ähnliches Verfahren wendet Bartók in seinem Vierten Streichquartett an). Das Fugenthema kann sich jedoch nicht aufraffen wie im ersten Satz, sondern es zerfließt bis irgendwann kaum noch seine Strukturen zu hören sind. Nach einem kurzen Cello-Solo entwickelt sie der Satz dann zu einer schmissigen, aber immer wieder durch retardierende Momente kontrastrierten Schluss.





    Wie bei Barók nicht anders zu erwarten ist die MfSSuC sicherlich keine leichte Kost. Sie gehört zu den Werken, von denen ich nicht weiß, ob sie sich mir ohne das Mitlesen der Noten und einiger Erläuterungen jemals erschlossen hätten. Man findet in ihr sicherlich keine Zugeständnisse an irgendeine intendierte Breitenwirkung. Sie hat jedoch auch ihre unmittelbar ansprechenden Stellen, am stärksten vielleicht in den faszinierenden Klangsphären des Dritten Satzes. Man wird jedoch reich belohnt, wenn man sich ein gutes Stück in Bartóks Kompromisslssihgkeit vorzwagt. Die MfSSuC gehört sicherlich zu den Werken, die man niemals erschöpfend kennengelernt hat, sondern aus der sich immer wieder etwas neues heraushören lässt.

  • Die guten Aufnahmen

    Hallo Fallstaff,


    Danke für deinen ausführlichen Beitrag zu diesem großen Werk des 20.Jahrhunderts. Ich dachte es wäre längst ein Thread zu MfSSuC (wie Du es so passend abkürzt) vorhanden - es war aber der Thread für das Konzert für Orchester.


    Das nächste Thema wären nun die lohnenden Aufnahmen:


    Zunächst steht für mich schonmal fest, dass ich klangtechnisch gute Aufnahmen wegen den dynamikunterschieden vorziehe, wovon mehr als genug von allen möglichen bedeutenden Dirigenten vorliegen. Eine historische Monoaufnahme kann dem Werk (und nicht nur diesem) einfach nicht gerecht werden.


    **** Kennengelernt habe ich das Werk in der TOP-Aufnahme mit Dorati / Detroit SO (Decca, 1983, DDD), die bis heute mein Favorit geblieben ist.


    :thumbup: Werk und Interpretation haben bei mir damals eingeschlagen wie eine Bombe. Was Durchsichtigkeit (audiophilen Klang), Spannung und Emphase anbetrifft, habe ich selten etwas präziseres gehört. An dieser sollten sich bei mir alle folgenden Messen.


    ** Meine Boulez-Aufnahme mit dem BBC SO (CBS, 1969, AAD), die ich damals schon parallel hatte, konnte mit Dorati klangtechnisch nicht mithalten. Dieses undurchsichtige "Rauschkonzert" habe ich mir dann auch nicht mehr angetan. Allerdings befindet sich auf gleicher CBS-CD die wohl beste Aufnahme des KfO mit Boulez/New Yorker PH ! Boulez hat dann später auf DG ein auch klanglich weit packenderes Bild für MfSSuC abgeliefert, die auch klangtechnisch voll brauchbar/Spitzenklasse ist. Auf CD habe ich diese aber nicht erworben.


    **** Eine Aufnahme die mit Dorati mithalten kann ist Solti / Chicago SO (Decca, 1990, DDD), der das Werk etwas zügiger gestaltet, aber nicht weniger packend als Dorati.


    **** Eine ganz große Aufnahme ist auch Reiner / Chicago SO (RCA, 1958, ADD) die ich mir sogar als SACD gegönnt habe. Jeder hat ja seinen Geschmack und gewisse Vorstellungen - für die Meisten wird diese Aufnahme die referenzwürdigste sein !?! Hätte ich Reiner zuerst gehört, würde sie bei mir viellecht auch vor Dorati stehen. Aber ich war halt bereits vprgeprägt. Die Stereo-Aufnahmequalitätwar bereits 1958 in dieser Aufnahme sehr durchsichtig (sogar beim KfO auf gleicher SACD in der Aufnahme von 1955 !). Der rauschteppich konnte durch das Remasteruing erstaunlich gering gehalten werden.
    :!: Bei dieser SACD habe ich festgestellt, das die etwas härtere CD-Spur für meinen geschmack noch besser klingt (Was soll auch die SACD bei so einer alten Aufnahme noch bringen ? SACD llohnt IMO nur für neuere Aufnahmen in Mehrkanal !).


    ** Eine Aufnahme die mich etwas enttäuscht hat (wie auch eine Menge weitere Interpretationen in der BOX) findet sich in der Bartok-Orchesterwerke-Box mit Adam Fischer / Hungarian State Orchestra (Brillant, 1992, DDD). Adam Fischer sieht das Werk mehr aus folkloristischer Sicht, statt es expressiv aufzuladen. :huh: Ich finde da bleibt die Spannung auf der Strecke.


    (***) Was dies anbetrifft herrscht bei Mrawinsky / Leningrader PH ( Brillant (Melodiya), 1965LIVE, ADD) kein Mangel an Spannung. Jedoch ist die Live - Aufnahme von 1965, die sich in der Mrawinsky-10CD-Box findet, klangtechnisch so desolat, dass es keinen Spass macht diese zu hören. Lautes Husten, starkes Rauschen, undurchsichtiger und unnatürlicher, gedeckter Mono-Klang. Schade das keine angemessenen Aufnahmegeräte für diese Live-Session zur Verfügung standen - Change für das jahr 1965 verpasst ! (Deshalb die Sterne in Klammern. )


    Hier die Cover der Aufnahmen:


    Dorati:  


    Solti :


    Reiner:


    Fischer:

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    Gruß aus Bonn


    Wolfgang

  • Jedoch ist die Live - Aufnahme von 1965, die sich in der Mrawinsky-10CD-Box findet, klangtechnisch so desolat, dass es keinen Spass macht diese zu hören. Lautes Husten, starkes Rauschen, undurchsichtiger und unnatürlicher, gedeckter Mono-Klang. Schade das keine angemessenen Aufnahmegeräte für diese Live-Session zur Verfügung standen - Change für das jahr 1965 verpasst !


    Mravinsky hat dieses Werk sehr häufig aufgeführt, und so haben sich auch mehrere Live-Aufnahmen erhalten. Von denen, die mir vorliegen, finde ich die in der Melodya-Mravinskyedition wiederveröffentlichte vom 28.2.1965 (entstanden also fünf Tage nach der von Brilliant wiederveröffentlichten, wenn man den Angaben von Brilliant trauen kann, was man oft nicht kann; siehe hier - nehmen wir aber einfach mal an, dass sie beim selben Konzertzyklus entstand) klanglich am genießbarsten; deutlich besser als die von teleton genannte. (Zwei weitere Aufnahmen, die ich habe, datieren von 1967 und 1970.) Die Chance ist also nicht verpasst, nicht mal für 1965.



    Was die Spannung und den tiefen Ernst der Interpretation angeht, finde ich diese Aufnahmen sehr bemerkenswert. Die Unerbittlichkeit der Mravinskyschen Lesart ist sicher nicht jedermanns Sache, aber es lohnt auf jeden Fall, sie zur Kenntnis zu nehmen!


    Grüße
    vom Don

  • RE: Mrawinsky und Brillant

    Hallo Don,


    es ist schon manchmal eine Zumutung was Brillant wiederveröffentlicht, nur um eine Brillant - Box mit 10CD voll zu bekommen. Da wird eine lausig klingender Livemitschnitt in Mono (und das im Jahre 1965) noch schnell auf einer CD untergebracht, obwohl aus dem gleichen Zeitraum brauchbare (gem deiner Angabe) Aufnahmen existieren. Vermutlich sogar ist Stereo, wenn von 1965 !?!


    :thumbup: Es ist klar das Mrawinsky solche Werke von der Interpretation her angemessen und nicht langweilig rüber bringt - das hatte ich ja auch geschrieben.


    :!: Ein anderes Beispiel für weiteren "Brillant - Murks" ist die ansonsten hoch empfehglenswerte Swetlanow-10CD-Box. da sind ebenfalls Edelsteine enthalrten - aber auch Unverschämtheiten (so etwas auf CD zu brennen) von Brillant:


    Auf CD8 befindet sich die hörenswerte Aufnahme der Boiko: Sinfonie Nr.2. Danach die tolle Sinfonische Suite aus Peter Chimes (13Sätze). ;( ?( Hier werden einzelne Sätze einfach mittendrinn abgeschnitten, während die Musik noch spielt; der Nächste einfach mitteldrinn eingeblendet.


    :cursing: lausiger Zusammenschnitt ohne Rücksicht draufgepappt. Und das die Aufnahmedaten sehr ungenau nund unzuverlässig sind, das habe ich auch schon mehrfach gelesen. Das sind echte Blödmänner bei Brillant !



    ;+) Andererseits wundert mich, dass hier nur auf negative Eindrücke eingegangen wird.


    :?: Auf die wirklich guten und lohnenden Aufnahmen geht hier keiner ein ? :wacko:

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    Gruß aus Bonn


    Wolfgang

  • Stanley Kubrick: The Shining

    Die ungewöhnlichen Klänge des Adagios hat Kubrick übrigens an mehreren Stellen in seinem Film "The Shining" verwendet.


    Einmal hier: "http://www.youtube.com/watch?v=Ley9k94GoZU"


    Und hier: "http://www.youtube.com/watch?v=3t60oY0TbTU"


    und an einer dritten Stelle, die mir aber gerade nicht präsent ist.



    Wie meist bei Kubrick gehen hier Bild und Musik eine beeindruckende Symbiose ein - so, als wäre die Musik genau für diese Szene geschrieben worden.



    Michel :wink:

    Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)

  • Meine favorisierte Aufnahme, die ich auch momentan oft höre, ist


    ANTAL DORATI, LONDON SYMPHONY ORCHESTRA


    MERCURY LIVING PRESENCE (MLP)


    Leider ist sie mal wieder offiziell nicht erhältlich, aber es gibt sie in zwei Ausgaben:


    1.)


    2.)


    Aufgenommen wurde am 05. und 06. Juni 1960 in der Wembley Town Hall vom bewährten Team Wilma Cozart / C. Robert Fine.


    Ich besitze zum Glück beide o. g. Ausgaben, denn ich habe das Gefühl bzw. den starken Eindruck, dass sie klanglich unterschiedlich abgemischt wurden oder es wurden unterschiedliche Masterbänder verwendet. Beide Ausgaben sind sehr gut und werden Werk wie Interpretation gerecht.


    Die ungeheuere Intensität, Feurigkeit und Rasanz, die das Orchester unter Dorati entfacht, habe ich so nie wieder gehört. Die fast durchdrehenden Streicherläufe besonders im Finalsatz sind wahrhaft atemberaubend und am Ende habe ich immer das Gefühl eines Zusammenbrechens nach einer wilden Jagd. Das hat Dorati so auch nicht mehr in seiner dreiundzwanzig Jahre später entstandenen Einspielung in Detroit hinbekommen bzw. verfolgt er da m. E. einen ganz anderen Ansatz. Ich hätte nie vermutet, dass hier derselbe Dirigent tätig ist.

  • Die Musik für Saiteninstrumente & Co. mit dem LSO habe ich leider nicht von Doráti, nur das Konzert für Orchester. Die Aufnahme mit den Detroitern ist tatsächlich eher unter ruhigeren. Allerdings bin ich nicht so sicher, ob das auf eine generell veränderte Bartóksicht Dorátis zurückgeht, denn der Wunderbare Mandarin mit den Detroitern ist die affenschärfste Aufnhame des Werks, die ich kenne...

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Doratis Spätaufnahmen in den 1980ern sind wirklich sehr unterschiedlich ausgefallen. Temperament hatte er natürlich immer noch, wie besonders seine Aufnahme der Slawischen Tänze von 1983 zeigt.
    Aber die "MSSC" aus Detroit ist ziemlich "breit" geraten, mächtig dahinfliessend und auch eine Spitzenaufnahme in ihrer Art.
    Der Mandarin, da gebe ich Dir Recht, Felix, ist superscharf. Er gefällt mir sogar besser als seine MLP-Aufnahme mit dem BBC Symphony Orchestra (hätte er doch lieber mal das London Symphony Orchestra genommen).
    Aber zum Glück hat Dorati das "Konzert für Orchester" auch mit dem LSO aufgenommen, und es ist genauso gut wie die "MSSC". Diese Aufnahmen sind Glücksfälle der Schallplattengeschichte.

  • Dorátis Bartók ist wirklich fast immer sehr überzeugend (bis auf das VKII mit Menuhin, damit kann ich nichts anfangen)! Ich werde nach der alten Aufnahme der Saitenmusik jedenfalls Ausschau halten. Vielleicht wird sie irgendwann mal wieder aufgelegt. Danke für den Tipp!

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Ja, das VKII mit Menuhin gefällt mir auch nicht so. Da ist auch das Minneapolis SO nicht in gutem Zustand.
    Sehr gut sind ausserdem noch "Der holzgeschnitzte Prinz" und "Herzog Blaubarts Burg" (beide mit dem LSO).
    Dass die MLP-Aufnahmen so schlecht erhältlich sind, ist leider ein altes Problem. Die drei Boxen, die in den letzten Jahren erschienen sind, gibt es auch schon fast nicht mehr. In der zweiten Box findet man jedenfalls auch einige von Doratis Bartok-Aufnahmen:


  • Ja, Blaubarts Burg mit Székely und Szönyi ist meine absolute Lieblingsaufnahme dieses Werks. Bis jetzt habe ich keine Aufnahme gehört, die ähnlich intensiv ist.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Dorati / LSO

    Die ungeheuere Intensität, Feurigkeit und Rasanz, die das Orchester unter Dorati entfacht, habe ich so nie wieder gehört. Die fast durchdrehenden Streicherläufe besonders im Finalsatz sind wahrhaft atemberaubend und am Ende habe ich immer das Gefühl eines Zusammenbrechens nach einer wilden Jagd. Das hat Dorati so auch nicht mehr in seiner dreiundzwanzig Jahre später entstandenen Einspielung in Detroit hinbekommen bzw. verfolgt er da m. E. einen ganz anderen Ansatz. Ich hätte nie vermutet, dass hier derselbe Dirigent tätig ist.

    Nachdem ich die positive Kritik unseres Ex-Capricios IE gelesen hatte, habe ich eine Quelle gesucht die abgebildete CD (die recht teuer ist) preiswert irgendwo abzustauben. Die CD lag nun nach mienem Urlaub in der Post :thumbup:
    * Die 5CDC-Box mit den entsprechenden frühen Bartok-Dorati-Aufnahmen (Mercury) wollte ich mir nicht zulegen, weil ich mir dann Doppel einkaufen und Herzog Blaubart brauche ich nur einmal mit Kertesz ...


    Die Dorati-Int mit dem London SO ist tatsächlich ausgezeichnet, denn Dorati betont auch hier wieder, neben der Virtuosität, die ungarischen Element in dieser Musik.
    Kann mich aber aus folgenden Gründen der Einschätzung von IE nicht vollumfänglich anschliessen:
    1. Die Pauken (die auch während des spielens stellenweise tonal in ihrer Tonhöhe gestellt werden müssen) sind aufnahmetechnisch recht weit entfernt, was mich besonders im 1. und 2.Satz sehr stört. Erst im 4.Satz ist der Auftakt in den Pauken voll präsent.
    Ich vermute Dorati hat diesen Umstand erkannt und hat so besonderes Augenmerk auf die Aufnahmequalität seiner späteren Aufnahme aus Detroit gelegt, die dort nicht nur im Schlagzeugbereich mustergültig gelungen ist.
    2. Das Tempo ist durchweg auch nicht so forsch, wie in den Favoritenaufnahmen mit Solti (Decca), Reiner (RCA) und auch Dorati´s späterer Aufnahme mit dem Detroit SO (Decca), was die genannte Feurigkeit und Rasanz schon von der Seite in Frage stelllen sollte. Sie ist aber dennoch ausreichend gegeben ... denn viele Worte sagen mehr als nötig = es ist eine weit überdurchschnittlich gute Aufnahme.


    *** Aber es hilft alles nichts ... die spätere Dorati-Aufnahme mit dem Detroit SO (Decca, 1983) geht einfach in allen Punkten mehr an mich.



    Mercury, 1960 (MSSC), 1964 (Prinz), ADD


    :alter1: Die CD ist aber eine ganz grosse Empfehlung wegen dem Ballett - Der hölzerne Prinz, das ich so ausgeladen mit Hochspannung in den Höhepunkten, mit so viel Gefühl und Emotionen noch in keiner anderen Aufnahme gehört habe: Ich bin hin und weg - :verbeugung1:

    ______________


    Gruß aus Bonn


    Wolfgang

  • Diese Aufnahme



    wurde bisher hier nur am Rande erwähnt. Ich möchte sie aber sehr empfehlen. Das CSO ist auf Höchstniveau, und Boulez liefert "erwartungsgemäß" eine schnörkellose und klare Darstellung.



    maticus

    Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
    Und wer Herr Reichelt ist, weiß ich auch erst seit Montag. --- Prof. Dr. Christian Drosten

  • RE: Boulez / CSO

    Hallo Maticus,


    ich habe aus dieser Boulez-Bartok-Serie der DG andere Bartok-Orchesterwerke. 8o Mit Deinem Beitrag hast Du mich neugierig gemacht.


    Da die alte Boulez-Aufnahme der MSSC mit dem BBC-SO (SONY) alleine wegen des Klanges nicht gerade "ein Ruhmesblatt" ist, kann diese auf DG nur noch besser sein. :!: Das ganz im Gegensatz zu Boulez anderen SONY-Aufnahmen,die ich seinen späteren DG-Aufnahmen klar vorziehe.
    *** Vor allem das Konzert für Orchster mit den New Yorker PH / Boulez (SONY) ist mein absoluter Favorit für das Werk und seine spätere DG-Aufnahme mit dem CSO gefällt mir deutlich weniger ... das mag auch an meiner Prägung für seine New Yorker-Aufnahme liegen !


    :alter1: Die DG-Hochpreis-CD (Abb Vorbeitrag) habe ich mir gerade für den Hammerpreis 2-3€ bei den Medimöpsen bestellt ... bin gespannt und werde berichten.
    Der Mandarin auf der CD soll laut den Kritiken auch der Hammer sein ... must have ... ;) solche Werke entfachen bei mir nur in audiophiler Klangtechnik (übrigens auch bei Mercury mit Dorati gegeben !) richtig Hörspass !

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    Gruß aus Bonn


    Wolfgang

  • Hallo Wolfgang,

    bin gespannt und werde berichten.

    Das erwarte ich ;)

    Der Mandarin auf der CD soll laut den Kritiken auch der Hammer sein

    Würde ich sagen.



    :wink: maticus

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  • Klar, das man als Fan dieser Musik die klassischen Einspielungen haben muss,
    also Reiner, Ansermet, Dorati, Fricsay und seit einiger Zeit auch Mrawinsky.
    Das sollte genügen, würden die Orchester dieser Welt nicht jedes Jahr neue Aufführungen bewerkstelligen.
    Ich habe zwei weitere Aufnahmen und damit bin ich gut versorgt.
    Peter Eötvös 2012 CONCERT ARCHIVE 04688 London Symphony Orchestra und
    von 2011:
    CONCERT ARCHIVE 03570 Philharmonia Orchestra/Salonen
    Das reicht mir fürs erste.
    Boulez, dessen Verdienste um neue Musik nicht vergessen werden dürfen, ist mir zu aseptisch. Da lobe ich mir Eötvös und Salonen, aber auch den allzu strengen Mrawinski.
    Gruß aus Kiel

    Schäffer beißt in einen Veggieburger:

    "Ohne Fleisch? Schmeckt aber fast wie Fleisch, da kann man es auch gleich aus Fleisch machen" (Mord mit Aussicht Staffel 2, Folge 5)


  • ... bin gespannt und werde berichten.

    Hallo Teleton,


    Da bin ich auch gespannt auf deinen Bericht. Die Hörschnipsel haben mir zugesagt. Und ich habe überhaupt nur eine Aufnahme, mit Michael Gielen, die mich nicht so vom Hocker reißt.

    Viele Grüße, Michael

  • Boulez / Chicago SO - verdammt perfekt !

    Für solche Meisterwerke des 20.Jhd lohnt es sich wirklich, wenn mann davon mehrere Aufnahmen hat. maticus hat mich dankenswerterweise ( :schnaps1: :wink: ) durch seine Empfehlung darauf gebracht, dass mir gerade diese Bartok - Boulez - CD (DG) noch fehlte (die Anderen von Bartok unter Boulez habe ich nämlich).


    Der Klang der DG-CD ist recht dunkel abgemischt. Selbst mit meinem sehr neutralen AKG K-702 kommt das Bassfundament sehr ausgeprägt über den KH. Ansonsten ist die Aufnahmequalität vorbildlich mit audiophilem Anspruch gelungen.
    Boulez, der Präzisionsfanatiker lässt keine Orchesterstimme unterbelichtet und beleuchtet alles sehr farbig. Ich höre Orchesterfarben an bestimmten Stellen, die mir bisher so ausgeprägt verborgen blieben. Auch geht die Präzision diesesmal bei Boulez nicht zulasten einer emotionsgeladenen Darstellung, denn Boulez bietet Power und Biss, wo es besonders in den Sätzen 2 und 4 gefragt ist.
    :thumbup: Die Pauken sind vorbildlich präsent in ihren gesamten Frequenzspektrum aufgenommen und nicht wie bei Dorati´s alter Aufnahme mit dem LSO (Mercury) zu sehr im Hintergrund. Damit ähnlich perfekt, wie in Dorati´s später Aufnahme mit dem Detroit SO (Decca), bei der ebenfalls das Schwingen der Felle nicht nur glänzend deutlich hörbar, sondern auch fühlbar ist .... kurzum auch hier = erste Klasse !


    Einzige Kritik an der Boulez-Aufnahme wäre sein gewähltes Tempo, das ich mir insgesamt und nicht nur in den beiden langsamen Sätzen etwas zügiger gewünscht hätte: 7:56 - 7:35 - 7:27 - 7:27
    :!: Bei noch mehr Leidenschaft, wie es Fritz Reiner (RCA) und Georg Solti (Decca); auch Dorati (Mercury und Decca) mit ungarischem Temprament vorgemacht haben, kommt dann automatisch eine zügigere Spielzeit zustande.


    *** Trotzdem eine volle Empfehlung für diese ausgezeichnete DG-CD, denn auch der Wunderbare Mandarin erfährt hier eine packende Darstellung mit der gleichen o.g. herausragenden Klangnote und orchestralem Glanz, an der keine Kritik und nur volles Lob auszusprechen ist.
    Das Chicago SO lieferte im Laufe der Jahre unter Reiner - Solti - Boulez eine besten Aufnahmen dieses Meisterwerkes MSSC.



    DG, 12/1994, DDD

    ______________


    Gruß aus Bonn


    Wolfgang

  • Ich habe mich anlässlich der neuen Diskussion hier wieder mit der MSSC intensiv auseinandergesetzt und muss Teleton absolut widersprechen. Es stimmt, dass es bei der alten Boulezaufnahme ein leicht störendes Hintergrundrauschen gibt. Aber wer darüber hinweghören kann, kommt in den Genuss einer absolut singulären Aufnahme. Diese Interpretation stellt in puncto Gruselfaktor und Durchhörbarkeit eine Ausnahme dar. Und: selbst der letzte Satz ist ins Negative, Manische verkehrt. Der erste Satz ist unfassbar transparent und in einem größeren dynamischen Bogen gespielt als in jeder anderen Aufnahme, die ich kenne. Es handelt sich also definitiv um ein "Ruhmesblatt". Ich kann diese Einspielung wirklich jedem empfehlen, der sich für dieses Werk interessiert. Man mag sich schließlich für eine "humanere" Interpretation entscheiden, aber die rein negative Energie der frühen Boulezeinspielung ist schlichtweg faszinierend.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • VIelen Dank an Felix Meritis für diese Klarstellung aus seiner Sicht!


    Nun sind wir gerne tonträgerfixiert - wer Felicis Aussagen überprüfen möchte, hat hier die günstige Gelegenheit dazu - und bekommt etilches Hörfutter dazu:



    Gruß
    MB


    :wink:

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

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