The Tallis Scholars - im Anfang war der Klang

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  • The Tallis Scholars - im Anfang war der Klang


    The Sixteen, The Cardinall's Musick, The Clerks, The Binchois Consort, Trinity Baroque, the Gabrieli Consort, the Brabant Ensemble, stile antico: alles einschlägig bekannte Ensembles, wenn es um Vokalpolyphonie des 15. und 16. Jahrhunderts geht. Gab es schon immer eine solche Vielfalt auf diesem Sektor? Wo liegen die Anfänge dieser Bewegung, wenn man sie denn so nennen mag, die sich der Entdeckung und der Pflege dieser für die Mehrzahl der Hörer immer noch fernen Welt verschrieben hat? Wie war das? Am Anfang war in diesem nicht das Wort, am Anfang waren in diesem Fall die Tallis Scholars - wenn es so etwas wie einen Fixpunkt für solche Entwicklungen überhaupt gibt ;+)


    Gegründet wurde das Ensemble im Jahr 1973 von ihrem künstlerischen Leiter Peter Philipps. Peter Philipps hat sich völlig der Musik der Renaissance verschrieben, mit Leib und Seele. Nachdem Philipps 1972 ein Stipendium für Oxford erhalten hatte, studierte er gemeinsam mit David Wulstan und Denis Arnold Renaissance Musik und sammelte in dieser Zeit Erfahrungen mit der Leitung kleinerer Vokalensembles und unternahm Ausflüge in die abgelegeneren Bereiche des Repertoires. Diese Arbeit mündete 1973 in die Gründung der Tallis Scholars. Inzwischen hat das Ensemble 1600 Konzerte absolviert und über 50 Aufnahmen vorgelegt. 1980 gründeten Peter Philipps und Steve Smith Gimell Records, dessen erste Produktion am 22. und 23. März 1980 in der Kapelle des Merton College in Oxford. Sämtliche Aufnahmen der Tallis Scholars sind seither bei diesem Label erschienen.


    Die Tallis-Scholars bestehen aus einem Kern von zehn Sängern und Sängerinnen, der je nach Bedarf auch erweitert wird. Was für mich den besonderen Klang der Tallis-Scholars ausmacht? Ein ausgesprochen klarer, reiner Klang, eine unglaublich saubere Intonation. Aber hier kann vielleicht noch einer unserer Chorspezialisten genauere Beschreibungen liefern ;+)


    Eine meiner Lieblingsaufnahmen des Ensembles ist diese hier:



    Es handelt sich hier um die Aufzeichnung eines Konzert, dass in Santa Maria Maggiore in Rom entstand. Im Mittelpunkt stehen Allegris Miserere und die Missa Papae Marcelli Palaestrinas. Wenn man die Tallis-Scholars kennenlernen möchte, kann ich mir keinen besseren Einstieg denken ;+)


    Aufnahmen des Ensembles gibt es in Hülle und Fülle. Welches sind Eure Lieblingsaufnahmen?


    :wink: :wink:


    Christian

    Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

    Cato der Ältere

  • Spperlot!


    Kaum ausgesprochen, schon werden hier Eröffnungen aus dem Ärmel geschüttelt.


    So schnell kann man ja selbst kaum einen klaren Gedanken fassen.


    Tatsächlich habe ich einige Schwierigkeiten, mich überhaupt für Aufnahmen zu entscheiden, die den Höhenkamm der Interpretationskunst der Tallis Scholars bezeichnen sollen. Schließlich ist das alles irgendwie Höhenkamm.
    Also schmeiße ich jetzt erst einmal wahllos drei Cover in den Raum, höre die Scheiben in der nächsten Zeit und äußere mich dann ausführlicher:


     



    Danke für die Eröffnung!


    :wink: Agravain


    Und: Beim Werbepartner ist eine Reihe der Aufnahmen der Tallis-Scholars für lächerliche 3,99 € zu haben. Unfassbar.

  • Zwei sehr schöne Aufnahmen der Tallis Scholars sind diese beiden::




    Es sind kleine Sammelboxen mit je 2 CDs, insofern auch zu diesen Preisen empfehlenswert.
    Beide Boxen zeigen Querschnitte durch die Aufnahmen - in der ersten, oben gezeigten Box geistliche Werke außer Messen, in der zweiten Box Messen, darunter auch die wunderbare Messe
    Missa Et ecce terrae motus von Antoine Brumel:



    Außerdem gibt es auch noch 3 neue Jubiläumsboxen zu je 4 CDs in denen z.B die Missa et ecce terrae motus ebenfalls enthalten ist. Und alles auch mit ordentlichen Booklets.
    Die Jubiläumsboxen werden hier sicher auch noch vorgestellt, die sollte man sich keinesfalls entgehen lassen.


    lg vom eifelplatz, Chris.

  • Zwei Links möchte ich an dieser Stelle noch ergänzen:


    Die Homepage der Tallis-Scholars:


    "Tallis-Scholars - Homepage"


    Der Internet-Auftritt des Labels Gimell:


    "Gimell"


    Dort gibt es übrigens einen Überlick über die von Chris erwähnten Jubiläumsboxen ;+)


    Pro Box zahlt man bei Direktbestellung 23,75 Euro. Die Lieferung erfolgt frei Haus, wenn ich mich nicht verlesen habe.


    :wink: :wink:


    Christian

    Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

    Cato der Ältere


  • Western Wind Masses.


    Taverner greift hier eine Idee von europäischen Festland auf, wo Komponisten eine weltliche Melodie als Grundlage einer Messe nehmen wie z.B, die L'Homme armé-Messen oder solche auf die Chanson Mille regretz. Tye und Shepard sind diesen Weg dann weitergegangen.


    Text und Melodie des Liebesliedes "Westron wynde when wyll thow blow" waren am Hof Heinrichs VIII. sehr beliebt, aber ob dieses Lied, möglicherweise von Taverner selbst, Grundlage dieser Messen war, wird inzwischen bezweifelt.


    lg vom eifelplatz, Chris.

  • Ich habe mir eben die folgenden drei Boxen gegönnt - als Download direkt bei Gimell (FLAC-Format, CD-Qualität, verlustfrei komprimiert) sind sie noch günstiger als die CD's:


     



    Was da an meine Ohren dringt, ist tief beeindruckend - ich werde in den nächsten Tagen sicher noch etwas dazu schreiben, wenn ich mehr gehört habe.


    Viele Grüße,
    Fugato


  • Die Jubiläumsboxen werden hier sicher auch noch vorgestellt, die sollte man sich keinesfalls entgehen lassen.


    Gimell hat auf Grund des dreißigjährigen Jubiläums drei Boxen mit Aufnahmen der Tallis Scholars auf den Markt gebracht, eine Box für jedes Jahrzehnt:



     



    Jede Box enthält vier CD´s, zum Preis von 27,99 Euro bei unserem Partner mit den drei Buchstaben, bezieht man die Aufnahmen direkt über Gimell muss man 23,99 Euro berappen. Ferner ist der Download (inclusive Booklet als PDF) in drei Formaten möglich: MP 3, WMA und FLAC


    Zitat

    The box set contains 4 CDs and 4 booklets, one in English, one in French, one in German and one with the sung texts and translations in all three languages.
    The Download comes with a 110-page PDF booklet with the notes, sung texts and translations in English, French and German.


    Die Boxen sind auf jeden Fall sehr empfehlenswert, insbesondere wenn man noch keine Aufnahmen mit den Tallis Scholars hat, oder einen Einstieg in die Musik dieser Zeit sucht. Ich muss mir noch überlegen, welche der Boxen ich mir letztendlich kaufe, denn ich habe die eine oder andere CD des Ensembles ;+)


    :wink: :wink:


    Christian

    Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

    Cato der Ältere

  • Ich muss mir noch überlegen, welche der Boxen ich mir letztendlich kaufe, denn ich habe die eine oder andere CD des Ensembles ;+)

    Oha, da haben sich unsere Postings wohl überschnitten...


    Ich hatte bisher nur eine einzige CD mit den Tallis Scholars, deswegen brauchte ich nicht lange zu überlegen :D


    Wenn man sich für den Download entscheidet, kann man übrigens auch einzelne Tracks kaufen und so das ausklammern, was man bereits hat.


    Viele Grüße,
    Fugato


  • Als ich im Jahre 2000 ein Konzert der Tallis Scholars in der spätromanischen Basilika St. Godehard zu Hildesheim hören und besprechen sollte, war ich vorbereitet - und meine Erwartungshaltung war entsprechend hoch. Ich kannte nicht viel von ihnen, die Allegri-CD war aber darunter und das berühmte „Miserere“ sollte Teil und gleichzeitig Höhepunkt des Konzertes sein.


    Ich weiß noch, was mich damals im positiven Sinne erschütterte. Es war die unfassbare Perfektion des Ensembles, und zwar sowohl rein technisch als auch gestalterisch und interpretatorisch. Kurz: Die Aufführung hörte sich an, als würde die entsprechende CD laufen.


    Ich kann daher nicht umhin einzugestehen, dass das Ensemble klanglich eines der kultiviertesten ist, das sich auf dem weiten Feld der alten Musik tummelt. Da werden die Töne durchweg weich, aber doch prägnant angesetzt, der Ton ist immer sofort da, gerade so als sänge "es" von ganz allein. Bei Vokalanlauten hat man das Gefühl, der Glottisschlag sei eine Erfindung übereifriger Chorleiter. Dann die Melismen. Sie werden immer präsent geführt, auch wenn chorisch geatmet wird. Da wackelt nichts im Klang, es kommt zu keiner Veränderung im Klangcharakter, alles gleitet voran, strömt natürlich weiter, auch an einer so heiklen Stelle wie dem hohen C im ersten Sopran im vierstimmigen Chor des „Miserere“. Die Sängerinnen klingen, als sei das gar keine Schwierigkeit, pflücken diesen Ton aus dem Raum heraus, ohne Kraft, ohne Vibrato, sondern glatt, rund und weich. Ich denke da immer an das Finale des ersten Aktes von Wagners „Parsifal“. Aus voller Höhe der Kuppel sollen die Knaben da singen. Und ja: Das hat schon etwas Sphärisches. Doch die Musik, die hier durch die Mitglieder der Tallis Scholars singt, scheint bisweilen aus noch höheren Höhen zu kommen. Mittlerweile ist es so weit, dass ich das von keinem anderen Ensemble mehr hören möchte.


    Daneben steht die wunderbare Arbeit an der Sprache. Jedes Wort ist zu verstehen, die Betonung der schwachen und starken Silben ist immer richtig, die Fokussierung einzelner Begriffe immer sinnhaft, nachvollziehbar. Das Wunder, das mir beim Hören der Tallis Scholars mit schon fast unheimlicher Regelmäßigkeit widerfährt, manifestiert sich in dem Gefühl, ich befände mich nicht beim Hören einer CD oder eines Konzertes, von dem ich vielleicht vorsichtig sagen könnte, dass es sich der Komponist vielleicht so vorgestellt haben könnte. Ich erlebe etwas, das sich - in Anlehnung an Kleist – als „allmähliche Verfertigung der Musik beim Komponieren“ beschreiben lässt, ist es doch gerade so, als befände ich mich mitten im Haupte des Komponisten, der seine Musik im Inneren hört. Und dafür bin ich diesem Ensemble dankbar. Wenn der junge Mozart Allegris Werk in einer solchen Perfektion gehört haben sollte, dann kann ich seine Faszination völlig verstehen.


    :wink: Agravain

  • Da wackelt nichts im Klang, es kommt zu keiner Veränderung im Klangcharakter, alles gleitet voran, strömt natürlich weiter, auch an einer so heiklen wie Stelle wie dem hohen C im ersten Sopran im vierstimmigen Chor des „Miserere“. Die Sängerinnen klingen, als sei das gar keine Schwierigkeit, pflücken diesen Ton aus dem Raum heraus, ohne Kraft, ohne Vibrato, sondern glatt, rund und weich.



    Danke Agravain für diesen ebeno profunden wie schönen Bericht!


    Auf der Aufnahme aus Santa Maria Maggiore aus dem Jahr 1994 singt Deborah Roberts dieses Sopransolo - da meint man dann wirklich die Engel singen zu hören :D so schwerelos, so völlig mühelos und rein ist das gesungen. Schöner geht es nicht. Zumindest empfinde ich das so.


    :wink: :wink:


    Christian

    Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

    Cato der Ältere

  • Und nun höre ich diese CD:



    Auch eine unbedingte Empfehlung! Die Transparenz der Musik, die Verflechtung der Stimmen, die zu schweben scheinen - all das kommt hier mustergültig zur Entfaltung.


    Ich denke, dies ist auch eine CD, um diese Musik kennenzulernen. Beim Ensemble Graindelavoix, das ich auch sehr schätze, keine Frage, scheint mir dass schwerer zu sein.


    lg vom eifelplatz, Chris.

  • Da wackelt nichts im Klang, es kommt zu keiner Veränderung im Klangcharakter, alles gleitet voran, strömt natürlich weiter, auch an einer so heiklen Stelle wie dem hohen C im ersten Sopran im vierstimmigen Chor des „Miserere“.


    Die Tallis Scholars haben das "Miserere" im Jahr 2005 erneut aufgenommen, zu der betreffenden Passage, die Agravain hier beschreibt, merkt Peter Phillips an:


    Zitat

    It seems likely that the embellishments got more and more effective as the decades passed until by the end of the nineteenth century the best of them had also been written down and become part of the composition. By then they included the high C which has so characterized the piece in recent times. For modern performers there remains the option of adding extra embellishments to the ‘established embellishments', which is what Deborah Roberts has done in the second version in this recording (track 9; track 1 presents the familiar version). They are published in the CD booklet as she sings them, the fruit of her experiments across most of the 300 performances that The Tallis Scholars have given. She and I acknowledge the irony of writing down these improvisations, but if making them available in print means that yet more dazzling roulades will be invented by subsequent performers then we are probably only doing what the Papal singers did when they listened to each other centuries ago.



    Man hört die Unterschiede deutlich, wenn man die Aufnahmen von 1980, 1994 und 2005 vergleicht - welche Version man vorzieht ist Geschmackssache ;+)


    Eine andere Veränderung im Vergleich zur "alten" Aufnahme, betrifft die Choralverse:


    Zitat

    In our landmark 1980 recording of the Miserere we followed standard practice by singing the chant verses to Tone 2. Eventually it was noticed that the higher of the two soprano parts in the five-voice choir parodies Tonus Peregrinus, the so-called ‘wandering tone'. It was the action of a moment for the cantor on this recording, Andrew Carwood, to restore the beautiful contours of Tonus Peregrinus to the nine chant verses, and so give the music a flow it has never fully had, at least in modern times.



    :wink: :wink:


    Christian

    Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

    Cato der Ältere

  • So, es gibt eine Neuerscheinung zu vermelden. Die Tallis Scholars haben eine CD mit Werken Jean Moutons. Eine Name, der mir zwar nichts sagt - aber das wird mich nicht hindern die CD zu kaufen, um diese Lücke zu schließen. Im Gimell-Online-Shop kann man unter einer Vielzahl von Dateiformaten wählen, da sollte für jeden Geschmack etwas dabei sein ;+)




    Jean Mouton lebte von 1459 - 1522. Folgt man den Anmerkungen zu dieser Aufnahme - diese sind online - kann man lesen, dass Mouton mehr von der französischen Seite geprägt war, als von der Flämischen Schule. Mouton sei ein klassischer Fall, so Peter Philipps:


    "In my ambition to put before the public Renaissance composers who deserve to be better known, Jean Mouton (before 1459- 1522) is a classic case. With a musical language quite distinct from everyone else, he was nonetheless routinely compared with Josquin in his lifetime on account of his astonishing technique."


    Folgendes ist auf der CD enthalten:



    1. Dictes moy toutes voz pensées - Compère

    2. Missa Dictes moy toutes voz pensées - Kyrie - Mouton

    3. Missa Dictes moy toutes voz pensées - Gloria - Mouton

    4. Missa Dictes moy toutes voz pensées - Credo - Mouton

    5. Missa Dictes moy toutes voz pensées - Sanctus & Benedictus - Mouton


    6. Missa Dictes moy toutes voz pensées - Agnus Dei I, II & III - Mouton

    7. Quis dabit oculis? (Lament for Anna) - Mouton

    8. Ave Maria … benedicta tu - Mouton

    9. Salva nos, Domine - Mouton

    10. Ave Maria … virgo serena - Mouton

    11. Nesciens mater - Mouton


    :wink: :wink:


    Christian

    Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

    Cato der Ältere

  • Das ist super, denn von Jean Mouton gibt es zwar einiges an erhaltenen Werken, aber seine Diskographie ist sehr zersplittert. Er gehört zu den Komponisten der Renaissance, denen selten eine komplette CD gewidmet wurde (vielleicht 2-3 mit dieser dazugezählt). Ansonsten sind seine Werke immer nur vereinzelt auf anderen CDs zu finden - sehr schade.


    Von ihm gibt es auch viel zu entdecken.



    Links:
    "http://de.wikipedia.org/wiki/Jean_Mouton"



    jd :wink:

    "Interpretation ist mein Gemüse."
    Hudebux

    "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
    Jean Paul

  • Danke für den Link, Josquin - ich schaue mir das gleich einmal an. Ich habe mir gestern übrigens noch die Aufnahme heruntergeladen - allein zum Hören bin ich noch nicht gekommen. Den Informationstext auf der Internetseite fand ich sehr illustrativ.


    :wink: :wink:


    Christian

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    Cato der Ältere


  • Mit freundlicher Genehmigung der Threadstarterin wurde der Beitrag aus "Eben gehört - Alte Musik" kopiert.


    Für die Moderation:


    Caesar73






    Jean Mouton (vor 1459 - 1518)
    Missa Dictes moy toutes voz pensèes
    The Tallis Scholars
    Peter Phillips, dir.


    Auch bei mir gibts heute Mouton (s. auch den Beitrag 565 von Josquin Dufay in "Eben gehört - Alte Musik") zu hören; ich nehme an, dass alle Hardcore-Renaissance-Fans diese Aufnahme schon ihr eigen nennen, weil sie ja als Renaissance-Fans auch Fans der TallisScholars sind oder umgekehrt.


    Diese CD enthält ebenfalls das berühmte Nesciens mater und neben der im Titel genannten Messe noch einige Motetten sowie ein kurzes Werk von Loyset Compère. Es ist eine sehr schöne Aufnahme, sie gefällt mir wesentlich besser als die Mouton-CD des Brabant-Ensembles, (die natürlich auch das Nesciens mater enthält).


    Jean Mouton war Mitglied der Hofkapelle von Anne de Bretagne , sicher eine der mächtigsten Frauen ihrer Zeit; ihre Titel füllen den ersten Abschnitt des Wikipedia-Beitrags.


    Als 14jähriges Kind wurde Anne mit dem späteren Kaiser Maximilian per procurationem verheiratet (d.h. er war bei der Trauung nicht anwesend sondern schickte einen Stellvertreter). Maximilians Tochter Margarete war als dreijähriges Kind mit Karl VIII. von Frankreich verheiratet worden und wurde am französischen Hof erzogen.
    Nun schienen Karl die nahen Ländereien von Anne de Bretagne größeren Reichtum und Macht zu versprechen als das ferne Flandern. Und so jagte er Margarete vom Hof (nicht direkt, sie musste noch so lange bleiben, bis Karl Erfolg bei Anne hatte.) Dadurch ergab sich die Situation, dass Maximilians Schwiegersohn mit seiner Frau ... Schwierige Familienverhältnisse. Natürlich hat man Mittel und Wege gefunden, die Ehen zu annullieren.


    Die Hofkapellen dienten der Repräsentation und waren auch ein Statussymbol. Gute Musiker versuchten die Dienstherren mit Pfründen und Gescjhenken am Hof zu halten. Auch Anne lagen die Mitglieder ihrer Kapelle am Herzen. Sie bemühte sich für Mouton um eine Pfründe in Grenoble.
    Die Musiker vergalten es ihr mit Werken zu ihrem Gedenken. Mouton schrieb ein Lamento Quis dabit oculis für Anne de Bretagne; es ist auf dieser CD die Nr. 7.



    lg vom eifelplatz, Chris.

  • Beim Stöbern in Youtube fand ich folgendes Konzert der Tallis Scholars aus dem Jahr 2010 von dem Festival de l´Epau. Auf dem Programm standen Kompositionen von Palaestina, Lotti, Pärt und Allegri:


    "http://www.youtube.com/watch?v=a6Iot26q11s"


    :wink: :wink:


    Christian

    Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

    Cato der Ältere


  • Ich wollte die Gelegenheit nutzen, Chris noch einmal für den oben zitierten Beitrag zu danken - es wäre schön wieder einmal von Dir eine solche Besprechung zu lesen - ich würde mich freuen. Andere User mit Sicherheit ebenso ;+)



    Herzliche Grüße


    Christian

    Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

    Cato der Ältere

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