Jazz mit Laser und Nadel: Gerade goutiert

  • Tscha, was soll isch da sagen? Da reichen Worte nicht hin. Hört euch das an (in toller Tonqualität - endlich!). Und manche Leute glauben, dass “Prince” oder die “Beatles” irgendwie wichtig wären. :D Das hier ist Musik mit dem Tod und dem Leben und der Ewigkeit und der Endlichkeit im Auge. On the edge. Existenziell eben.

    Die politisch korrekte Antwort lautet vermutlich ungefähr so: "Du, Algabal, Du, ich find das unglaublich toll, dass Dir der Albert so gut gefällt. Aber Du, Algabal, Du, weißt Du, Du findest Albert toll, andere finden Prince oder den Paul McCartney oder Nicole oder die Wildecker Herzbuben toll. Das ist doch ok. Der Kevin mag dies und die Schantall mag das, das muss uns doch nicht trennen. Das macht uns doch reicher, wenn jemand/fraud Nicole mag und jemand/fraud anderster lieber den Flohrian Silbereisen. Wie siehst'n Du das? Du, Algabal, weißt Du, neulich hat sogar jemand gesagt, ABBA und ein Streichquartett, das wär irgendwie total ähnlich. Oder war's Tschaikowsky und dieser Sänger mit den komischen Zähnen? Weiß nicht mehr, is ja auch egal, aber ich fand das auch unglaublich toll. So als Einsicht, weißt Du. Aber, Algabal, Du, ich find das toll, dass Du den Albert so magst. Ganz toll."

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Also ich habe gerade diese laufen...scheint eine Kurzversion zu sein mit nur 8 tracks.


    In Heart only

    Spirits

    Holy Family

    Spirits rejoice

    Truth is marching in

    Universal message

    Spiritual Reunion

    Music is the healing force of the universe



    Ist schon cool. Der spirituelle Anspruch ist mir allerdings etwas peinlich...makes me cringe. Aber kann ich ausblenden.

    Als jemand, dem seine Aufnahmen von 1964 (›Spiritual Unity‹, ›Hilversum Session‹) besser gefallen als seine späteren Sachen (›New Grass‹, ›The Last Album‹). Wo ist dieses Konzert einzuordnen?

    Nach den Track Titeln zu gehen, eher wie die früheren, die dir gefallen. In Hilversum Session habe ich gerade reingehört und ja, es scheint ähnlich. Sage ich als Jazz-neuling.

    Einmal editiert, zuletzt von Amethyst ()

  • Diese Aylerbox ist noch auf dem Postweg. Wenn sie hier ist berichte ich.


    Lasse: da diese Sachen ein halbes Jahr vor seinem Tod erst aufgenommen wurden und da Mary Parks eine wohl entscheidende Rolle spielt wird das, schätz ich mal, für den Liebhaber des frühen Albert Ayler wohl einiges an Schockmomenten bereithalten... Allerdings kenne ich von Ayler in der Spätphase nur Studioaufnahmen mit reichlich produktionsbedingten Spielereien, aber dies hier ist live und allein schon daher ein ungeheuer wichtiges Dokument. Denn was Ayler live gegens Ende hinbekommen hatte war ja gar nicht wirklich dokumentiert bislang...


    Ich bin jedenfalls elektrisiert und ungeheuer gespannt...

    "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
    (Shunryu Suzuki)

  • Algabal:

    Ich finde ja ebenfalls, dass er ein großartiger Musiker ist, aaaber ... ich kann leider überhaupt nichts mit Marsch- und Zirkusmusik anfangen. Hast du evtl. einen Tipp bzw. kannst du mir Alben/ Stücke nennen, in denen diese Elemente fehlen? Was ich so auf Wikipedia (über Ayler) gelesen habe, finde ich ansonsten nämlich ganz interessant.

    Don' t feed the troll!



  • Ich finde ja ebenfalls, dass er ein großartiger Musiker ist, aaaber ... ich kann leider überhaupt nichts mit Marsch- und Zirkusmusik anfangen.

    Aus der aber eine Menge in den Jazz eingeflossen ist. Ayler hat sich immer zur Tradition bekannt, daher sind solche Alben von ihm (auch mit Spirituals, etc. hat er sich ja gründlich beschäftigt) sicher nicht unwichtig. Höre Dir doch einfach mal Teile davon auf Youtube an, ohne gleich an Zirkus-oder Marschmusik zu denken. Ich käme bei ihm nicht auf den Gedanken, dass er sowas hatte einfließen lassen, dafür ist er als Gesamtpaket für mich nicht zu verstehen.

    Viele Grüße sendet Maurice

    Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)

  • Vielleicht noch ein Hinweis darauf, dass auch Monk und Charles Mingus auf ihre Art die Tradition haben in ihre Stile einfließen lassen. Beide übrigens mit klaren Hinweisen zu Duke Ellington (Mingus hat ja auch mit ihm gespielt, nicht nur auf der Platte, sondern auch kurzzeitig in seiner Band 1953 oder 1954).


    Mingus spielte noch mit Freddie Keppard und Kid Ory, zwei typischen Musikern aus New Orleans, Anfang der 1940-er Jahre, Monk kam vom Stride Piano der 1920-er Jahre her, wenn auch bei ihm das Ganze nur sehr abstrakt zum Ausdruck kam.

    Viele Grüße sendet Maurice

    Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)

  • Ich weiss nicht, wie verlässlich diese Quelle ist, aber interessant ist einiges davon schon, was dort steht.

    zB

    "At 1970’s Maeght Foundation concerts, performed under a geodesic dome in St.-Paul-de-Vence, Ayler chose not to showcase his electric rock/soul/jazz fusion and instead entertained the European crowds with his old spiritualized style."


    Spirits, Ghosts, Witches & Devils: The Life And Death Of Albert Ayler - Magnet Magazine
    Saxophonist Albert Ayler was a big part of the free-jazz movement in New York City during the 1960s. Once considered heir apparent to John Coltrane, his life…
    magnetmagazine.com


    Ich würde das dem reinen Hören nach bestätigen, aber wie gesagt, ich bin kein Jazz-kenner und kann nur hinhören. Besonders marschartig finde ich es auch nicht. Die Melodie eines Marsches zu verwenden bedeutet nicht, dass ein Marsch dabei herauskommt. Aber gut, ich kennen nun nur 8 Tracks der CD, die Algabal gepostet hat.

  • Eigentlich wollte ich mir ja nicht mehr so viele CDs kaufen oder wenigstens warten, bis sie im Preis gesunken sind. Aber andererseits, die Inflation… Egal!

  • Das hier ist Musik mit dem Tod und dem Leben und der Ewigkeit und der Endlichkeit im Auge. On the edge. Existenziell eben.

    Bei dieser hymnischen Anpreisung, ist natürlich die Neugier geweckt. Da werde ich bei passender Stimmung mal reinhören.

  • Ich würde das auch bestätigen. Die beiden Konzerte haben, trotz des Mitwirkens von Mary Parks und auch wenn eine ganze Reihe von Stücken der Impulse-Studioplatten gespielt werden, wenig mit dem Stil der drei letzten Studio-Alben zu tun. Das erste Konzert ist in Triobesetzung (+ Mary Parks) und kommt damit dem Sound der Alben mit Peacock/Murray nahe, beim zweiten Konzert ist ein Klavier ergänzt.


    Newbie69


    Versuch doch mal dies hier:


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    Ansonsten würde ich zum Einstieg immer das “Live in Greenwich Village”- Album empfehlen.


    Adieu

    Algabal

    Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.

    Einmal editiert, zuletzt von Algabal ()

  • Besonders marschartig finde ich es auch nicht. Die Melodie eines Marsches zu verwenden bedeutet nicht, dass ein Marsch dabei herauskommt.

    Naja, so Marching Band-Reminiszenzen gibts bei Ayler tatsächlich immer mal wieder. Aber mit einem “Marsch” im europäischen Sinne hat das naklar nix zu tun.


    Adieu

    Algabal

    Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.

  • Besonders marschartig finde ich es auch nicht. Die Melodie eines Marsches zu verwenden bedeutet nicht, dass ein Marsch dabei herauskommt.

    Naja, so Marching Band-Reminiszenzen gibts bei Ayler tatsächlich immer mal wieder. Aber mit einem “Marsch” im europäischen Sinne hat das naklar nix zu tun.

    ja genau. auf meiner kurzen CD zB bei Truth is marching in oder Spirits rejoice, und interessant ist doch gerade, was er damit macht. Will es aber nicht zerreden - ich finde es irre gut....das Klavier so dezent im Hintergrund, während er sich bis ins letztmögliche verausgabt. Wahnsinns Gegensatz. Toll auch das Schlagzeug. Völlig frei und dennoch perfekt passend. Ich dachte erst gestern, dass es mich vom Ulysses ablenken würde, aber die CD passt prima dazu.


    Bei mir läuft nun gerade insgesamt zum 3. Mal die kurze Version.....und ich bin fast soweit, dass ich mir deine lange anschaffen möchte, ich kann sie auf spotify nicht finden. Ist wirklich was Besonderes.

  • Newbie69


    Versuch doch mal dies hier:

    Ansonsten würde ich zum Einstieg immer das “Live in Greenwich Village”- Album empfehlen.

    Danke, lieber Algabal.


    Höre gerade in "Bells" rein. Also, ich höre zu Beginn nur das Brummen einer Schmeißfliege. Grins1 Grins1 Grins1 Oder ist das etwa eine Trompete? Gefolgt von einem Saxophon (Ayler)? ^^ ;) Nein, jetzt mal ernsthaft: Spannend ist das ja schon. Free-Jazz pur, sozusagen. Und sehr obertonlastig. Man muss sich halt darauf einlassen.


    Das Live-Album höre ich mir später mal an. Bin gespannt ...


    Danke für deine Empfehlungen, Algabal!


    Gibt es eigentlich einen (lebenden) Künstler, der ähnlich spielt wie er und hin und wieder in Deutschland auftritt? Würde mich mal interessieren, wie so etwas live klingt ... Kann ja dann doch völlig anders wirken.

    Don' t feed the troll!



  • Hier noch line up, das auf “Bells” zu hören ist:


    Albert Ayler - tenor saxophone

    Donald Ayler - trumpet

    Charles Tyler - alto saxophone

    Lewis Worrell - bass

    Sonny Murray - drums


    Ist ein Live-Mitschnitt vom 1. Mai 1965 aus der NYC Town Hall.


    Adieu

    Algabal

    Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.

  • Tscha, was soll isch da sagen? Da reichen Worte nicht hin. Hört euch das an (in toller Tonqualität - endlich!). Und manche Leute glauben, dass “Prince” oder die “Beatles” irgendwie wichtig wären. :D Das hier ist Musik mit dem Tod und dem Leben und der Ewigkeit und der Endlichkeit im Auge. On the edge. Existenziell eben. Es gibt nichts (IMO), was dem hier auch nur ansatzweise nahekommt.


    Prince (den man übrigens nicht mit Anführungszeichen schreiben sollte, weil er tatsächlich so hieß) und die "Beatles" waren in ihrem jeweiligen Bereich auch tatsächlich sehr wichtig. Du kannst ja mal irgendeinen heutigen afro-amerikanischen Musiker fragen, ob er Prince für unwichtig hält - Du wirst entweder einen dicken Lacher oder ungläubiges Kopfschütteln für das bloße Stellen dieser Frage ernten. Aber was hat das alles mit der Musik von Ayler zu tun?


    Wieso hatte Ayler bei dem besagten Konzert die "Endlichkeit im Auge"? Wusste er da schon, dass er einige Monate später Selbstmord begehen würde? Falls ja: aus welcher Quelle ist dies bekannt?


    LG :wink:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

  • Wieso hatte Ayler bei dem besagten Konzert die "Endlichkeit im Auge"? Wusste er da schon, dass er einige Monate später Selbstmord begehen würde?

    Also.... :/ ....dass sich jemand mit Endlichkeit beschäftigt, soll durchaus manchmal vorkommen, besonders wenn jemand spirituelle Inhalte hat. Und als mich das letzte Mal mit Endlichkeit beschäftigte, was ich zugegebenermassen nicht oft tue, kam ich zu dem Schluss, dass man sie auch sonst sehr schmerzlich im Auge haben kann, selbst wenn man keinen Selbstmord begehen möchte. Es sterben ja doch manchmal Leute, selbst wenn es meist nur andere sind.

    :versteck1:

  • Interessant. Danke! Und Donald war dann also sein Bruder, wie ich nun auf Wikipedia nachgelesen habe.


    Und wenn ich es richtig interpretiere, wäre doch nun ein Ayler-Thread fällig. :) Oder man macht im Jazztalk-Thread weiter, würde ich vorschlagen.

    Don' t feed the troll!



  • Wieso hatte Ayler bei dem besagten Konzert die "Endlichkeit im Auge"? Wusste er da schon, dass er einige Monate später Selbstmord begehen würde?

    Also.... :/ ....dass sich jemand mit Endlichkeit beschäftigt, soll durchaus manchmal vorkommen, besonders wenn jemand spirituelle Inhalte hat. Und als mich das letzte Mal mit Endlichkeit beschäftigte, was ich zugegebenermassen nicht oft tue, kam ich zu dem Schluss, dass man sie auch sonst sehr schmerzlich im Auge haben kann, selbst wenn man keinen Selbstmord begehen möchte.


    Natürlich. Ich frage mich an dieser Stelle nur, ob man diese "Endlichkeit im Auge" vielleicht besonders aufgrund von Aylers tragischem Schicksal einige Monate später zu hören meint. Anders gesagt: würde man das in diesem Konzert von 1970 auch dann hören, wenn Ayler im Anschluss noch einige weitere Jahrzehnte gelebt hätte?


    LG :wink:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

  • Gegenfrage: würdest Du es jemandem absprechen, wenn er es in einem Bach-h-moll-Messe-Konzert hört? Nein, würdest Du nicht.

    So eine Bemerkung liegt bei spirituellen Inhalten nahe. Sie kann aber auch sonst Sinn machen, nämlich wenn man dem Hörer es erlaubt, es subjektiv so zu empfinden. Oder zB, wenn ein sehr ergreifendes Konzert zuende geht. Man wird es nie wieder hören. Da kann man schon auf Endlichkeitsgedanken kommen. Oder wenn man einen live Mitschnitt hört und realisiert, was man da verpasst hat. Etwas Einmaliges. Das geht mir manchmal schon so. Vergänglichkeit.... Endlichkeit....


    PS: aber warten wir ab, was Algabal selber sagt.

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