Jazz mit Laser und Nadel: Gerade goutiert

  • Teddy Wilson (1912-1986) hatte vielleicht nicht das Temperament und den Humor von Fats Waller, auch nicht die selbstverliebte Virtuosität von Art Tatum oder die Traditionsverbundenheit von James P. Johnson. Dennoch schätze ich seine Soloaufnahmen immer mehr, da sein Spiel einfach voller guter Einfälle und unvergleichlich elegant und geschmackvoll ist.

    Für MICH ist er DER Swing-Pianist par excellence gewesen. Du hast es völlig richtig geschrieben: Er spielte voller Eleganz und geschmackvoll, swingte dabei immer und war auch ein hervorragender Begleiter gewesen für Billie Holiday und auch Lester Young. Jess Stacy, Mel Powell, Joe Bushkin, Gene Schroeder, auch Hank Jones, Mary Lou Williams oder Eddie Heywood hatten alle von ihm abgeschaut. Auch Ellis Larkins hatte etwas von Wilson übernommen.


    Auch seine eigene Bigband von 1939-1940 war eine hervorragende Band gewesen, mit brillanten Solisten und Arrangements. Doch vor allem sein Combo-Spiel dürfte alleine ausreichen, um ihn auch in 100 Jahren noch in der Jazzliteratur aufzufinden.


    Fats Waller war vor allem ein Stride-Pianist, den man aber nur selten in dieser Funktion wahrgenommen hat. Er galt als "Komödiant", was ihn selbst durchaus depressiv gemacht hat. Natürlich war Waller auch einer der wichtigsten Komponisten gewesen damals. Tatum gefällt mir wegen seiner übertriebenen Virtuosität, die mir immer eher zum Selbstzweck diente, nur selten. James P. Johnson war für seine Generation sehr flexibel gewesen, der vom Blues bis hin zum Solo-Spiel recht viel konnte. Man darf bei Johnson nicht vergessen, dass er auch ein klassisch bestens ausgebildeter Pianist war, der einige bedeutende Stücke in der stark jazzgeprägten klassischen Musik schrieb, aber auch den legendären Titel "Charleston" komponiert hatte, den im Grunde jeder kennt. Ihm etwas ähnlich war Pete Johnson gewesen.

    Viele Grüße sendet Maurice

    Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)

  • Donny McCaslins neue Single gefällt mir richtig gut: "Landsdown"

    Ja, sehr cool! Auch das Video, ein sehr zerhacktes "Koyaanisqatsi", typisch New York, passt gut. Aber ist das noch Jazz? Oder ist das das, was man 'Contemporary Jazz' nennt?


    Höre grade sein Album "Beyond Now", das als solches bei Discogs gelistet ist.

    Helli

  • Nina Simone in den Jahren 1959 - 63 . Gut überlegte Auswahl von Einspielungen für das Colpix -Label . Ob Studio oder live , eigentlich immer die ultimativen Aufnahmen . Zu diesem Zeitpunkt hatte sie bereits ihre ersten Erfolge gehabt . Colpix ließ ihr völlige künstlerische Freiheit , nur um sie unter Vertrag zu bekommen . Ein beglückendes Dokument . (Gibt es unter anderer ASIN günstig bei Amazon , aber da ist mir das Bild zu klein) -.


    Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Not really now not anymore" "But I am good. What the hell has gone wrong?"

  • Ja, sehr cool! Auch das Video, ein sehr zerhacktes "Koyaanisqatsi", typisch New York, passt gut. Aber ist das noch Jazz? Oder ist das das, was man 'Contemporary Jazz' nennt?

    :thumbup: Ja, ist sicherlich nicht einfach einzuordnen, stimmt.

    Höre grade sein Album "Beyond Now", das als solches bei Discogs gelistet ist.

    Sollte ich mir auch mal wieder anhören ...

    Don' t feed the troll!



  • Tja,

    nach mehr als 20 Jahren erstmals wieder komplett gehört. Die Doppel LP ist nicht verkauft worden, anders als so vieles von mir: Das Herz hing hier mit dran.

    Centipede: "Septober Energy"

    Eine Bigband, Titel komponiert von Keith Tippett, produziert von Fripp aus dem Jahr 1971.

    Und Oh, Wunder! Bis auf Teil 3 sind alle Teile heute noch sehr gut an hörbar, ohne dass die Ohren leiden

    Teil 2 erinnert in großen Teilen an "Lizard" von King Crimson,- kein Wunder auch dort pianiert Tippett und Mark Charig spielt Horn.

    In Teil 4 bläst sich Elton Dean fast um seine Lungen. Das muss man aushalten,- ich kann es.

    Die Besetzung stellt das Who is Who der modernen Jazzer der britischen 70iger dar, ok. Neil Ardley als Dirigent fehlt, es fehlt auch Mike Gibbs, aber sonst waren fast alle dabei.

    Und es macht einen riesen Spaß, das noch einmal zu hören.

    Das war schon weit vorne damals, aber kannte das schon?

    Gruß aus Kiel

    Der Himmel hat geschlossen, die Hölle ist überbevölkert. Ich bleibe noch hier. (Willie Nelson)

    Einmal editiert, zuletzt von Doc Stänker ()

  • Donny McCaslin ist ein absolutes Genie. Ich besitze sämtliche seiner Alben, auch die entlegensten, die in vielleicht einer Auflage von 1500 Stück erschienen sind. Für mich war selbstredend das Entree zu seinem Werk seine bald zwanzigjährige Zugehörigkeit zum Maria Schneider Orchestra - für mich die beste Big Band derzeit (wenn auch nicht aller Zeiten, denn das war unzweifelhaft das Duke Ellington Orchestra, gelle, Maurice?). Sein unfassbares Solo auf einem Arrangement von Maria Schneider war es auch, das David Bowie ausrufen ließ: This guy must be my next band leader. Und so kam es, dass Donny McCaslin der Musical Director des letzten Albums von David Bowie wurde und ihn auch einem Mainstream-Publikum bekannt machte. Für einen Jazz-Puristen wie mich ist das, was Donny seitdem veröffentlicht, nur noch unerträglicher Post-Bowie-Schrott - auch das von Newbie69 verlinkte Video. Ein begnadeter Saxofonist macht seitdem etwas, das ich wirklich nur schwer goutieren kann. Aber jetzt kommt die entscheidende Einschränkung meiner harschen Worte: Mich hat in den letzten fünf oder sechs Jahren, von Teodor Currentzis in einem gänzlich anderen Genre einmal abgesehen, nichts in der Musikwelt auch nur annähernd so fasziniert wie die Intensität, mit der Donny durch die unendliche Sogkraft, die Bowie auf ihn ausgeübt hat, seitdem diesen Post-Bowie-Weg geht. Die beiden Konzerte im Berliner A-Trane und noch mehr im Kleinen Saal der Elbphilharmonie, die ich mit seiner Band sah, waren für mich musikalisch geradezu schauderhaft, weil Bowie einfach nicht meine Musik ist. Aber es stand ein begnadeter Musiker auf der Bühne, der sich die Seele aus dem Leib blies, der spielte, als ginge es um sein Leben. Er glüht mit jeder Faser seines Körpers für diese Bowie-inspirierte Jazzmusik. Als ich das erlebt habe, wie intensiv ein Mensch Saxofon spielen kann, ist etwas mit mir geschehen. Seitdem kann ich mich kaum noch in eins dieser Jazzkonzerte anderer Saxofonisten reinsetzen, die halt heute so gegeben werden. Dave Liebman Quintet mit u.a. Randy Brecker und Marc Copland letzten Monat: Alles ganz nett, aber zum Einschlafen langweilig. Chris Potter mit seinem SF Collective letzte Woche: Sehr gut, aber trotzdem zum Einschlafen langweilig. Wer einmal einen solchen Orkan erlebt hat, wie er in einem Live-Konzert von Donny über Dich hineinbricht, der zuckt fortan bei jedem lauen Lüftchen anderer Saxofonisten nur noch mit den Schultern.


    Das, was Donny macht, ist komplett nicht meine Musik. Aber WIE er es macht, ist für mich das Faszinierendste in der Jazzwelt dieser Tage.


    Just my 5 Cents zu diesem neuen McCaslin-Video. Auf dem Donny gar nicht mal intensiv bläst. Aber ich weiß, wie anders das live bei ihm mit diesem Song aussehen wird!


    Bei dieser Gelegenheit herzliche Grüße aus Alicante an alle jazzbegeisterten Forianer!


    Edit: Der Doc war mit seinem Beitrag ein paar Sekunden schneller als ich. Dies soll eine Antwort auf Newbie und motiaan sein.

    «Musik ist die größte Inspiration. Wenn du traurig bist, denk' an all die Musik, die du noch nicht gehört hast.»
    (Jim Jarmusch)

    Das Problem ist nur: In unserer Klassikkultur hört man fast ausschließlich Musik, die man schon zigmal zuvor gehört hat. Es sind vielleicht gerade mal 2 % der komponierten Musik, die wieder und wieder gespielt werden, aber 98 % bleiben unaufgeführt.

    2 Mal editiert, zuletzt von music lover ()

  • 1955. Charlie Parker war gerade von dieser Welt gegangen. Sein Freund Lennie Tristano schuf ein Requiem für ihn. Inspiriert vom Blues wie von Bach. Im Dub-Verfahren in mehreren Schichten aufgenommen - damals revolutionär.


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    Lennie hatte Spaß an dieser Aufnahmetechnik und spielte damit gleich noch den Turkish Mambo ein. Zwei legendäre Werke aus dem Album "Lennie Tristano", auf dem bei einigen Tracks der wunderbare Lee Konitz mitwirkt, den ich 1994 im Brüsseler Club "L'Archiduc" getroffen habe und der 2020 an Covid-19 starb.


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    Cheers,

    Lavine :wink:

    “I think God, in creating man, somewhat overestimated his ability."
    Oscar Wilde

  • Ich kann dieses YT-Video nicht verlinken, da ich hier, im Urlaub, mit einem mir nicht vertrauten iPad herumhantiere, aber was ich als geradezu sensationell empfinde, ist Donny McCaslin mit der hr-Big Band aus Frankfurt 2019, und das sage und schreibe 160 min. lang. Sagt mal, wo seid Ihr Frankfurter eigentlich, wenn man Euch mal braucht? Bei einem Hinweis in diesem Forum auf dieses komplett sensationelle Konzert hätte ich alles getan, um dabei zu sein...


    Der Saxofonist aus dem Orchester, mit dem sich Donny duelliert, ist doch Tony Lakatos, oder?

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    Einmal editiert, zuletzt von music lover ()

  • Ich kann dieses YT-Video nicht verlinken, da ich hier, im Urlaub, mit einem mir nicht vertrauten iPad herumhantiere, aber was ich als geradezu sensationell empfinde, ist Donny McCaslin mit der hr-Big Band aus Frankfurt 2019, und das sage und schreibe 160 min. lang. Sagt mal, wo seid Ihr Frankfurter eigentlich, wenn man Euch mal braucht? Bei einem Hinweis in diesem Forum auf dieses komplett sensationelle Konzert hätte ich alles getan, um dabei zu sein...

    Ich kannte nicht mal den Namen des Saxophonisten. Nachdem ich mir mal etwas angehört habe (nur kurz), habe ich auch nichts verpasst. Sein Ton ist derart nervig, sowas kann ich nicht ertragen. Der Saxophonist der HR-Bigband war in der Tat Tony Lakatos, inzwischen in Rente.


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    Das Konzert war nicht ausverkauft gewesen, laut der Ansage. Das Stück, was Du gemeint hast, dürfte "Club Kidd" gewesen sein.


    Wie gesagt, es ist überhaupt nicht meine Welt, daher kann ich außer dem Link nichts dazu beitragen.



    Für mich war selbstredend das Entree zu seinem Werk seine bald zwanzigjährige Zugehörigkeit zum Maria Schneider Orchestra - für mich die beste Big Band derzeit (wenn auch nicht aller Zeiten, denn das war unzweifelhaft das Duke Ellington Orchestra, gelle, Maurice?).

    Ach, das sind so Superlativen, denen ich mich nur ungerne anschließe. Gerade in den 1960-er Jahren gab es das unglaublich tolle Orchester um Francy Boland/Kenny Clarke, das leider nur bis 1972 existierte (genau gesagt von 1961-1972). Das war keine lange Zeit, aber dafür wurden hervorragende Alben eingespielt, die man jederzeit hören kann.


    Auch das Thad Jones/Mel Lewis-Orchestra (auch dieses Orchester bestand nicht soooo lange jetzt: 1965-1978) sollte man nicht vergessen. Es war noch eine Spur moderner als jenes um Kenny Clarke herum.


    Der Duke hatte eine unglaublich lange und intensive Schaffensperiode, die aber auch von 1944-1954 rund 10 Jahre hatte, in denen er so seine Probleme hatte (als Studio-Produktion war nur "Ellington Updown" wirklich bedeutend gewesen).


    Am längsten erfolgreich war sicher die Count Basie-Band, die bis heute eine unglaublich hohe Qualität hat. Doch auch der Count hatte ab 1943 so seine Probleme. Nicht ohne Grund löste er 1950 seine Bigband auf, tourte mit einem Oktett und wurde fast schon dazu genötigt, 1951 seine Bigband wieder zum Leben zu bringen.


    Ich tue mir mit den ganzen modernen Bigbands extrem schwer. Mir gefällt der Sound einfach nicht mehr. Die Saxophone klingen meist nach Post-Coltrane, und bei Coltrane stehe ich nach wie vor auf einer gewissen Stelle, bei der ich mich ausklinken muss. Ich war mal in einem Konzert der HR-Bigband, bei der Christof Lauer mitspielte. Mit seinem Gedudel (man möge mir dies verzeihen) wurde mir klar, dass ich mich einfach im falschen Konzert befunden hatte.


    Ich habe die HR-Bigband anschließend nur noch sehr selten gehört. Das letzte Mal muss 2017 oder 2018 gewesen sein, als Paquito D'Rivera mit einigen Kollegen zu Gast war. Auch hier war ich geteilter Meinung. Der erste Teil war sehr statisch gewesen, als ob die Musiker sich mit der Musik erst vertraut machen mussten (es war ein äußerst schwieriges Programm gewesen. Ich stand damals nicht alleine da mit meiner Meinung. Wir waren mit musikalischen Gästen aus Spanien im Konzert, die die gleiche Meinung hatten wie ich). Der zweite Teil war dann ganz ausgezeichnet gewesen, als wenn der Groschen in der Pause gefallen wäre. Auch hier waren die Kollegen aus Spanien der gleichen Meinung gewesen.


    Bei dieser Gelegenheit herzliche Grüße aus Alicante an alle jazzbegeisterten Forianer!

    Da grüße ich gerne zurück. Dort Unten habe ich mehrfach schon selbst gespielt in den 1990-er Jahren. Lange ist es her. Ich wünsche Dir einen schönen Urlaub und gute Erholung.

    Viele Grüße sendet Maurice

    Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)

  • Ich danke Dir für Deine Grüße, lieber Maurice!


    Ausgezeichnete Big Bands gab es viele, außer den von Dir genannten sind aus meiner Sicht vor allem die Orchester von Fletcher Henderson, Benny Goodman, Buddy Rich, Louie Bellson, Gil Evans und Lew Tabakin/Toshiko Akiyoshi zu erwähnen. Aber solch ein Meisterwerk wie Black, Brown and Beige hebt nach meiner persönlichen Meinung dann doch Duke Ellington auf den Olymp.

    «Musik ist die größte Inspiration. Wenn du traurig bist, denk' an all die Musik, die du noch nicht gehört hast.»
    (Jim Jarmusch)

    Das Problem ist nur: In unserer Klassikkultur hört man fast ausschließlich Musik, die man schon zigmal zuvor gehört hat. Es sind vielleicht gerade mal 2 % der komponierten Musik, die wieder und wieder gespielt werden, aber 98 % bleiben unaufgeführt.

  • Big Band Musik hab ich ewig nicht mehr gehört, aber wo ihr gerade so schön dabei seid reißt es mich mit, daher mal wieder diese:



    Sehr, sehr, sehr klasse :cincinsekt:



    Danke für die Anregung.



    :)

    "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
    (Shunryu Suzuki)

  • Ich danke Dir für Deine Grüße, lieber Maurice!

    Gerne doch.



    Ausgezeichnete Big Bands gab es viele, außer den von Dir genannten sind aus meiner Sicht vor allem die Orchester von Fletcher Henderson, Benny Goodman, Buddy Rich, Louie Bellson, Gil Evans und Lew Tabakin/Toshiko Akiyoshi zu erwähnen. Aber solch ein Meisterwerk wie Black, Brown and Beige hebt nach meiner persönlichen Meinung dann doch Duke Ellington auf den Olymp.

    ich finde das Werk für überbewertet. Es gibt teilweise sehr gelungene Passagen, aber es ist doch irgendwie zu "bleilastig".


    Ich möchte die Bigbands von Maynard Ferguson, Woody Herman und Terry Gibbs noch erwähnen. Slide Hampton hat 1957 für Ferguson einige interessante Stücke geschrieben, Don Sebesky ebenso. Vor allem Fergusons "Birdland Band" von 1956 war absolute Extraklasse. Auch Terry Gibbs leitete von 1959 bis 1965 eine Bigband (Terry Gibbs Dream Band), die absolut spitze war.

    Viele Grüße sendet Maurice

    Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)

  • Für mich definitiv eines der interessantesten klassischen Acoustic-Jazz-Trios der letzten Jahre: Chick Corea (p), Christian McBride (b), Brian Blade (dr). Viele Konzerte spielten die drei zusammen auf verschiedenen Kontinenten, und ihr Live-3 CD-Album "Trilogy" von 2014 wurde mit dem Grammy für das beste Instrumental-Jazz-Album ausgezeichnet. Wenig verwunderlich, dass 2018 nochmal "Trilogy 2" nachgeschoben wurde. "It Could Happen To You" ist mein Anspieltipp.



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    Cheers,

    Lavine :wink:

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    Oscar Wilde

  • Maynard Ferguson - wie konnte ich ihn nur unerwähnt lassen. Der zog Dir wirklich die Schuhe aus. Ich habe ihn im New Yorker Birdland mit seiner Big Bop Nouveau erlebt - einfach nur klasse.


    Stan Kenton blieb natürlich auch völlig zu Unrecht unerwähnt. Ebenso Vince Mendoza, Bob Mintzer, Don Menza, das United Jazz & Rock Ensemble, Charlie Haden mit seinem Liberation Music Orchestra...


    Glenn Miller ist nicht so mein Fall. Aber natürlich auch ein Name, der erwähnt werden muss, wenn wir über Big Bands reden.


    Meine persönliche Favoritin bleibt aber Maria Schneider. Auch wenn Duke Ellington, Benny Goodman und Count Basie jazzhistorisch nach meiner Meinung höher zu bewerten sind, ist sie diejenige, die mich im Bereich Big Band mit Abstand am meisten emotional erreicht. Und das seit ziemlich genau 25 Jahren.

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    (Jim Jarmusch)

    Das Problem ist nur: In unserer Klassikkultur hört man fast ausschließlich Musik, die man schon zigmal zuvor gehört hat. Es sind vielleicht gerade mal 2 % der komponierten Musik, die wieder und wieder gespielt werden, aber 98 % bleiben unaufgeführt.

    Einmal editiert, zuletzt von music lover ()

  • Maynard Ferguson - wie konnte ich ihn nur unerwähnt lassen. Der zog Dir wirklich die Schuhe aus. Ich habe ihn im New Yorker Birdland mit seiner Big Bop Nouveau erlebt - einfach nur klasse.

    Ich muss sagen, dass ich mir bei Ferguson durchaus schwer tue. Mir ist das auf Dauer "überpowert", einfach "to much", gerade das ständige High Note-Spielen finde ich inzwischen nervend. Ich mag seine Bands bis ca. 1964, und dann erst wieder mit jener Band, die Du gehört hast. Dazwischen ist es teilweise viel zu seicht und kommerziell gewesen.



    Stan Kenton blieb natürlich auch völlig zu Unrecht unerwähnt.

    Auch Kenton ist mir zu nervig, weil zu viel Blech und Power, aber zu wenig relaxter Swing dabei. Er hatte 1952-1955/56 eine tolle Band, da hat die Band auch geswingt, von den Solisten ganz abgesehen. Die Band von 1950, in der er einen "Ar...." von Streichern hatte und die Mellophon-Band sind nicht so mein Ding gewesen.


    Glenn Miller ist nicht so mein Fall. Aber natürlich auch ein Name, der erwähnt werden muss, wenn wir über Big Bands reden.

    Glenn Miller hatte vor allem eine Tanzband, keine echte Jazzband. Es war vermutlich eine der besten "Ensemble-Bands" gewesen, die so gut wie keinen echten Topp-Star in ihren Reihen hatte. Damals waren sie "Stars" gewesen (etwa Tex Beneke), aber sie konnten den "echten Jazzern" nur selten das Wasser reichen. Bobby Hackett war in der "Civil Band" der bekannteste Musiker gewesen, in der Army Band waren es Peanuts Hucko, Mel Powell und Ray McKinley gewesen.


    Allerdings war seine Band bestens gedrillt. Doch es geht die legendäre Geschichte umher, dass die Civil Band die einzige Bigband ohne Klavier und Gitarre war, weil Chummy MacGregor (Klavier) absolut kein Solist und die Gitarre nie zu hören war. Dabei schleppte der Gitarrist als einer der ersten seiner Zunft einen Verstärker dafür mit. Miller hatte mit dem Bass (Doc Goldberg, Rolly Bundock, Trigger Alpert) und Drums (Maurice Purtill) quasi nur zwei Musiker von Format dabei.


    Dafür hatte er einige hervorragende Trompeter in seinen Reihen (Zeke Zachey, Billy May, Johnny Best, Ray Anthony, Alec Fila, Charles Frankhouser) - alle waren prima Notisten, die später in den Studios viel beschäftigt waren und auch einige exzellente Posaunisten (Jimmy Priddy, Paul Tanner).


    Bei den Saxophonen war Al Klink am Tenorsax der weitaus bessere Jazzer als Tex Beneke, Willie Schwartz spielte die Klarinette in der "Moonlight Serenade", Ernie Caceres war der Jazz-Solist sonst fast immer auf der Klarinette.


    Die Army Air Force Band muss man separat sehen, weil sie insgesamt weitaus besser besetzt war als die zivile Band. Er konnte sich viele Musiker auch aussuchen, da er genügend Auswahl hatte. Schließlich musste ER sie auch nicht bezahlen.

    Viele Grüße sendet Maurice

    Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)

  • Ja, was die Kenton Big Band mit Streichern angeht, sind wir völlig einer Meinung. Mit der Ausnahme von Ray Nance bin ich ohnehin der Auffassung, dass Geiger, Bratschisten und Cellisten im Jazz nichts verloren haben. Jazz ist eine Musik von Bläsern, Pianisten, Gitarristen, Bassisten und Schlagzeugern (Vibraphonisten eingeschlossen), zu der sich auch mal Vokalisten hinzu gesellen können. Aber bitte keine Streichersoße über einen Big Band-Sound gegossen.


    Bei Glenn Miller sind wir auch einer Meinung. Not my cup of tea.


    Wo wir definitiv nicht einer Meinung sind, ist dieses phänomenale Konzert von Donny McCaslin mit der hr Big Band von 2019. Ich höre es mir gerade ein weiteres Mal an. Einfach nur klasse.


    Danke Dir für den wie stets erfrischenden Meinungsaustausch, lieber Maurice :cincinbier:


    Und auch Dir, lieber garcia, vielen Dank für Deinen Beitrag über Monk!

    «Musik ist die größte Inspiration. Wenn du traurig bist, denk' an all die Musik, die du noch nicht gehört hast.»
    (Jim Jarmusch)

    Das Problem ist nur: In unserer Klassikkultur hört man fast ausschließlich Musik, die man schon zigmal zuvor gehört hat. Es sind vielleicht gerade mal 2 % der komponierten Musik, die wieder und wieder gespielt werden, aber 98 % bleiben unaufgeführt.

    Einmal editiert, zuletzt von music lover ()

  • Mit der Ausnahme von Ray Nance bin ich ohnehin der Auffassung, dass Geiger, Bratschisten und Cellisten im Jazz nichts verloren haben.

    Ich tue mir auch schwer mit Geigern. Ray Nance ist für mich nicht gerade der Jazz-Geiger, dem ich gerne zuhöre. Er spielt mir zu sentimental und nicht so wirklich swingend. Er muss das in seinen letzten Lebensjahren aber weitaus besser gemacht haben, da er zu diesem Zeitpunkt kaum noch Trompete spielen konnte. Er war ja auch einer der "bösen Jungs" der Ellington-Band, der drogenabhängig und alkoholkrank war.


    Ich mag den sog. "Zigeuner-Jazz" um Django Rheinhardt sehr. Daher habe ich mit Stephane Crappelli wenig Probleme. Auch Eddie South oder Stuff Smith waren exzellente Violinisten gewesen. Später gab es durchaus tolle Geiger, aber ich stehe damit auch zu oft auf Kriegsfuß. Ich mag aber auch das Geigenspiel von Shaye Cohn von Tuba Skinny, die sie früher immer mal gespielt hat.


    Bei Glenn Miller sind wir auch einer Meinung. Not my cup of tea.

    Ach, ich kenne mich gerade bei Glenn Miller super aus. Er hat halt einen Sound erschaffen, der auf seine Art immer erkennbar sein wird. Man muss ihm zurechnen, dass er genau wusste was er tat. Ein wirklich exzellenter Musiker und Arrangeur, und damit wiederum für mich durchaus interessant. Allerdings die letzten Monate nicht mehr im CD-Player gewesen.

    Viele Grüße sendet Maurice

    Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)

  • Ja, was die Kenton Big Band mit Streichern angeht, sind wir völlig einer Meinung. Mit der Ausnahme von Ray Nance bin ich ohnehin der Auffassung, dass Geiger, Bratschisten und Cellisten im Jazz nichts verloren haben. Jazz ist eine Musik von Bläsern, Pianisten, Gitarristen, Bassisten und Schlagzeugern (Vibraphonisten eingeschlossen), zu der sich auch mal Vokalisten hinzu gesellen können. Aber bitte keine Streichersoße über einen Big Band-Sound gegossen.

    Was die Streichersauce angeht, gehe ich mal vorsichtig d'accord, auch wenn ich Stan Getzes Focus noch nicht gehört habe. Was Geiger in der Gesamtheit angeht, überlege ich gerade Stephane Grappelli als Gegenargument einzuwerfen, höre aber sicherheitshalber noch mal in seine Zusammenarbeit mit McCoy Tyner rein, um nichts falsches zu sagen:


  • Mit Stephane Grappelli, Jean Luc Ponty, Regina Carter und so weiter kann man mich jagen. Aber man muss ja nicht alles mögen.

    «Musik ist die größte Inspiration. Wenn du traurig bist, denk' an all die Musik, die du noch nicht gehört hast.»
    (Jim Jarmusch)

    Das Problem ist nur: In unserer Klassikkultur hört man fast ausschließlich Musik, die man schon zigmal zuvor gehört hat. Es sind vielleicht gerade mal 2 % der komponierten Musik, die wieder und wieder gespielt werden, aber 98 % bleiben unaufgeführt.

  • Jagen kann man mich mit Grappelli nicht, aber ich glaube, bis ich nochmal etwas von ihm hören möchte, werden wohl auch wieder einige Jahre ins Land ziehen.


    Im Vergleich zu der Streichersauce würde ich aber doch sagen, dass es zwei Paar Schuhe sind. Was gibt es eigentlich noch an weiteren Schuhpaaren bei Streichinstrumenten im Jazz? Spontan fällt mir Ron Carter am Cello ein, was ich aber eher unter Abwandlung des Kontrabasses einsortieren würde. Irgendwie meine ich mich auch noch an Bassisten zu erinnern, die mit Bogen gespielt haben – Vielleicht im Umfeld von Brötzmann?

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