Mahler: Symphonie Nr. 7 – Der rätselhafte Jubel – War Mahler ein „schlechter Jasager“?

Das Forum ist nun wieder online! Für Fragen und Probleme gibt es hier einen neuen Thread.
ACHTUNG: Neuregistrierungen sind jetzt wieder möglich!
  • Es dürfte sich, da es ein Live-Mitschnitt sein soll, vermutlich um die Konzerte Ende Mai 2018 handeln, die Alexander und ich nacheinander gehört und geschildert haben.


    Gruß Benno

    Überzeugung ist der Glaube, in irgend einem Puncte der Erkenntniss im Besitze der unbedingten Wahrheit zu sein. Dieser Glaube setzt also voraus, dass es unbedingte Wahrheiten gebe; ebenfalls, dass jene vollkommenen Methoden gefunden seien, um zu ihnen zu gelangen; endlich, dass jeder, der Überzeugungen habe, sich dieser vollkommenen Methoden bediene. Alle drei Aufstellungen beweisen sofort, dass der Mensch der Überzeugungen nicht der Mensch des wissenschaftlichen Denkens ist (Nietzsche)

  • ich habe hier grade die Version mit dem Cleveland SO unter Pierre Boulez, aus der "Boulez-Box". Das langsame Tempo stört mich nicht so. Die "skelettierte" Herangehensweise allerdings wirkt hier seltsam blutleer. Trotzdem gibt es bezaubernde Momente... allerdings sind die selten. Der erste Satz schleppt sich zäh und unattraktiv hin. Der zweite Satz ist besser, aber auch unspektakulär. SO geht es dann weiter, alles wird geschäftsmäßig abgewickelt. Solide und mit Substanz, aber mitreißend ist das nicht.

    Ansichtssache. Ich mag die Aufnahme. Wie auch viele andere Aufnahmen aus der Box. (Sagen wir, mindestens: 1, 3, 7, 9.)


    maticus

    Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
    Und wer Herr Reichelt ist, weiß ich auch erst seit Montag. --- Prof. Dr. Christian Drosten

  • Im Anmarsch



    Ist ja nun seit einiger Zeit da. Zumindest zwei Capricciosi waren damals live dabei, siehe hier und hier.


    Mein persönlicher Eindruck zur CD-Veröffentlichung:


    Im Frühjahr 2021 startete die Bayerische Staatsoper nun also auch eine eigene CD-Edition, Bayerische Staatsoper Records (CD BSOREC0001), mit der Liveaufnahme aus dem Nationaltheater vom 28. und 29.5.2018, als Kirill Petrenko Gustav Mahlers Symphonie Nr. 7 dirigierte. Ich konnte das damals live miterleben und habe es mir seither gewünscht, und nun ging der Wunsch in Erfüllung. Der düstere 1. Satz geht los, und diese Musik lebt für mich auch von CD sofort – man spürt ihre Anstrengung und Last, bei gleichzeitig exorbitant guter Orchesterqualität. Bald kommen die Sehnsucht und das Irrlichternde dazu, schließlich die Vision vollendeten Friedens, ehe der Kampf ums Dasein weitergeht. Man wird ziemlich heftig durchgebeutelt. Auch durch die Nachtmusiken und das Schattenscherzo ist man hin- und hergerissen zwischen psychisch-seelischen Brüchen, Oasen und dann wieder Verwerfungen von ungeheurer Emotionalität einerseits und exzellenter Orchesterqualität und -transparenz, die dem Geschehen Schutz und Halt geben, andererseits. Das Finale „erschlägt“ euphorisch eindrucksvoll, mit weiteren Oasen und Brüchen gespickt. Leider wurde der Applauseinsatz weggeblendet. (Ich mag es halt, wenn dieser Aspekt von Liveaufnahmen erhalten bleibt.) Abgesehen davon – meiner Meinung nach eine exemplarische Aufnahme, ein tolles Livedokument!

    Herzliche Grüße
    AlexanderK

  • Vielen Dank für den Tipp, @AlexanderK und @Wieland !
    Wer vor dem Kauf probehören möchte, oder wenn der Geldbeutel arg schmal ist, wird in der Tube fündig :)


    :wink:


    amamusica

    Ein Blümchen an einem wilden Wegrain, die Schale einer kleinen Muschel am Strand, die Feder eines Vogels -
    all das verkündet dir, daß der Schöpfer ein Künstler ist. (Tertullian)


    ...und immer wieder schaffen es die Menschen auch, Künstler zu sein.
    Nicht zuletzt mit so mancher Musik. Die muß gar nicht immer "große Kunst" sein, um das Herz zu berühren...




  • Es gehört wohl zu den möglichen unterschiedlichen Musikdeutungen dazu, dass auch ihre Würdigung in der Presse sehr unterschiedlich ausfällt. Während diverse deutsche Kritiker wie auch das renommierte britische Gramophone die neue Aufnahme von Mahler 7 unter Kirill Petrenko in höchsten Tönen loben (wie auch einige Forianer, die z.T. sogar im Konzert waren), so wertet "The mighty Fa.." die Aufnahme als eine der schlechtesten ziemlich ab. Das hat mein Interesse geweckt und ich habe mir das Werk (zumindest die ersten vier Sätze) gerade angehört.


    Und bin etwas enttäuscht. Ein "Meilenstein" ist das in meinen Ohren nicht, jedenfalls nicht im Vergleich zu den jeweils zwei Einspielungen von Bernstein, Tilson Thomas und Gielen, die ich besitze und die für mich das Maß der Dinge sind. Auch Abbado in Chicago, Kondrashin, Scherchen und Levine überzeugen mich mehr. Die Interpretation durch Petrenko scheint mir etwas unterbelichtet zu sein, ich habe den Eindruck, dass sowohl Orchester wie auch Dirigent nicht 100%ig mit dem Mahler'schen Klang vertraut sind, vieles kommt etwas schlaff und undifferenziert daher und in den drei Mittelsätzen kommt kaum richtig Atmosphäre auf. Es scheint mir auch aufnahmetechnisch nicht optimal gelaufen zu sein, die Balancen stimmen manchmal nicht (was aber auch am Dirigenten liegen kann). Ich finde jedenfalls das, was Alexander oben schreibt und was die Kritik im BR hervorhebt, in der Aufnahme so nicht wieder. Vielleicht war der Live-Eindruck doch prägender als das, was sich auf der Konserve wiederfindet?



    "Petrenko dagegen stürzt sich kopfüber und mit schwindelerregender Risikobereitschaft in Extreme – was er sich wegen seiner detaillierten Probenarbeit und einer von keinem lebenden Kollegen übertroffenen Schlagtechnik leisten kann. Man erlebt hier quasi eine außer Rand und Band geratene Präzisionsmaschine, irrwitzig betriebsam und völlig übertourig: Die Musik ist auf Speed. Und genau das gibt ihr jene Bedrohlichkeit, die Mahler vorschwebte. Eine herausragende Einspielung" (Bernhard Neuhoff in BR Klassik)

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!