Yuja Wang - eine Ausnahmepianistin startet durch

  • Ich gehe ins Konzert zum Hören und nicht zum Sehen

    Offenbar geht Frau Wang davon aus, dass nicht alle Konzertbesucher*innen einen derart puritanischen Ansatz haben.

    (Sonst wäre Konzeption und Durchführung des Outfits ja sinnlos und sie würde in Jeans und Sneakern erscheinen. Was viele andere Musiker allerdings auch nicht tun. Warum eigentlich? Warum trägt Otto Normaldirigent Frack?)

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Offenbar geht Frau Wang davon aus, dass nicht alle Konzertbesucher*innen einen derart puritanischen Ansatz haben.

    Und das wohl zurecht. Ich habe doch gerade ein Zitat aus dem Standard eingesetzt: das Publikum war entzückt.

    "Es gibt kein richtiges Leben im falschen." (Theodor Ludwig Wiesengrund)

  • Ohne weitere Erläuterung "Anstand und respektvolles Miteinander" einzufordern ist also einfach die noch stärkere Moralkeule als die klassische Moralkeule. Man muss nicht erklären, was man meint, und nutzt dennoch sprachliche Gewalt, um andere zum Schweigen zu bringen.

    Andere zum Schweigen bringen. Natürlich mit einer Moralkeule. Und nicht nur mit irgendeiner, sondern einer, die sogar noch stärker ist als die klassische. Aha.

    Das ist Unsinn. Ich hatte vor der von dir zitierten Passage geschrieben, was mir an den Postings sauer aufstieß. Und zwar:

    In einem Kultur-Forum darauf hinweisen zu müssen, dass Frauen (auch die, die bei öffentlichen Auftritten kurze Kleider tragen) mehr sind als Objekte, an denen jedermann seine Phantasien ausleben kann, ist schon abenteuerlich.

    Und wenn man so sinnenfeindlich und philisterhaft ist wie ich (oder von mir aus auch woke, oder was auch immer besser ins jeweilige Weltbild passt), dann findet man eben, dass dieses öffentliche Ausleben von Freikörperkultur-Phantasien nicht dem entspricht, was ich unter "Anstand und respektvollem Miteinander" verstehe.

    Du siehst das offenbar anders. Von mir aus. Aber komm mir nicht mit der "Moralkeule".


    Es tut mir leid, wenn ich diesem Exkurs nun auch noch einen weiteren Beitrag angefügt habe, ich mochte das jedoch nicht so stehenlassen. Kleinlich, ich weiß. Um den eigentlichen Thread zu retten, wäre es gewiss ratsam, das alles zu verschieben/versplittern.

    Jein (Fettes Brot, 1996)

  • Ich finde nicht, dass das versplitterungswürdig ist, denn das knappe Outfit ist nun einmal ein Markenzeichen von Wang und daher hier auch nicht deplatziert.

    Ich finde, dass es besser wäre, die Beiträge aus dem öffentlich sichtbaren Bereich zu entfernen. Und ich bin mit Ekke einer Meinung.

    Wegen der im Mai 2023 in Kraft getretenen Forenregeln beteilige ich mich in diesem Forum nicht mehr (sondern schreibe unter demselben Pseudonym in einem anderen Forum), bin aber hier per PN weiterhin erreichbar.

  • Wahrscheinlich rezipiert Walter das "Gesamtkunstwerk" schon richtig, und die "Degradierung" zum Lust-"Objekt" wird von der Künstlerin aktiv herbeigeführt. Daran ändern wahrscheinlich ihre Plüschtiere auch nichts, sie ist ja nicht mehr 12. Wahrscheinlich ist das alles nicht besonders konzeptuell durchdacht, und sie genießt gleichermaßen die faszinierten männlichen Blicke wie den Jubel über die Fingerfertigkeit. Da das in der Populärmusik so ähnlich ja schon lange üblich ist, ist es wohl einfach eine Übernahme von dort. Eventuell also eine Trivialisierung von Kunstmusik.

    This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
    playing in good Taste doth not confit of frequent Passages, but in expressing with Strength and Delicacy the Intention of the Composer (F. Geminiani)

  • Ich finde nicht, dass das versplitterungswürdig ist, denn das knappe Outfit ist nun einmal ein Markenzeichen von Wang und daher hier auch nicht deplatziert.

    Ich finde, dass es besser wäre, die Beiträge aus dem öffentlich sichtbaren Bereich zu entfernen. Und ich bin mit Ekke einer Meinung.

    Die Forderung, die Diskussion dazu zu verstecken, ist jetzt so ähnlich, wie zu fordern, dass Wang sich anziehen solle ...

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  • Nun ja, wir leben in einer freiheitlichen Gesellschaft. Sofern durch einen Veranstalter mit Hausrecht oder einen Dienstherren keine zusätzlichen Anforderungen an die Kleiderordnung gestellt werden (bspw. Kirchen, (Privat-)Schulen, Militär, Polizei ... ), gilt doch die gleiche Freiheit in der Kleiderwahl wie im gesellschaftlichen Leben unter freiem Himmel. Und da möchte ich zumindest keinen über das derzeitige Straf- und Sittenrecht hinausgehende Vorschriften unterliegen. Wenn die High heels für Frau Wang zum Outfit gehören wie seinerseits die Fliege für Horowitz oder das Käppi mit Hawaihemd für Gulda - fein, dann ist das so und zeigt lediglich den freien Geist, der für Kunst und Musik wünschenswert wäre.

    Es muß mir nicht gefallen - ich kann es lächelnd hinnehmen und ggf. die Augen schließen (habe ich bei der mimischen Theatralik des einen oder anderen Künstlers im Frack auch getan).

    Kleiderzwang zur von oben verordneten Reizarmut mag ich nicht lächelnd hinnehmen. Ein paar Schritte weiter und Künstlerinnen dürfen - wenn überhaupt - nur mit Burka auftreten .... (gut, das war jetzt ein wenigpolemisch ausgedrückt, diente aber der Verdeutlichung)

  • Und ich habe immer gedacht, ICH sei prüde.... :ohnmacht1:

    Wo ist denn hier jemand prüde?

    :/

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  • Wenn man eine Diskussion über knappe Kleidung aus dem öffentlichen Raum verbannen muss, dann ist das mMn Prüderie.

    Relevant ist meiner Meinung nach, auf welchem Niveau man sich über die knappe Kleidung unterhält.

    Wegen der im Mai 2023 in Kraft getretenen Forenregeln beteilige ich mich in diesem Forum nicht mehr (sondern schreibe unter demselben Pseudonym in einem anderen Forum), bin aber hier per PN weiterhin erreichbar.

  • Salzburger Festspiele: Was zieht Mann an?
    Über die Kleider der Damen bei den Salzburger Festspielen wird viel gesprochen und geschrieben. Doch was zieht Mann an? Die Antwort "Anzug" greift zu kurz.
    www.sn.at

    "Eine offizielle Kleiderordnung, wie an der Mailänder Scala, gibt es dagegen nicht."

    Ui, in der Mailänder Scala muss man offenbar aufpassen ...

    (Ich habe versucht herauszufinden, ob in Salzburg bezüglich Kleidung etwas "von oben verordnet" wird.)

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  • Sehr wohl.

    Und Nachtrag: Der Vorschlag zum Zersplittern oder Auslagern hat nichts mit Prüderie zu tun, es geht in meinen Augen auch nicht darum, Walter seine Meinung zu nehmen oder lassen (die hat er auch ohne meine Genehmigung) - den Kern dessen, was mich hieran ärgert wollt oder könnt ihr nicht verstehen, und damit ist es dann eben auch gut.

    Jein (Fettes Brot, 1996)

  • Ich habe nochmal Walters Beiträge nachgelesen. Er vergleicht Wangs Auftreten mit Burlesque. Dazu habe ich in Wikipedia nachgelesen und komme zum Schluss, dass ich das mangels Anschauung nicht beurteilen kann, ob es mit dem Vergleich etwas auf sich hat.

    :/

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  • Ich habe nochmal Walters Beiträge nachgelesen. Er vergleicht Wangs Auftreten mit Burlesque. Dazu habe ich in Wikipedia nachgelesen und komme zum Schluss, dass ich das mangels Anschauung nicht beurteilen kann, ob es mit dem Vergleich etwas auf sich hat.

    :/

    Übrigens finde ich auch Deine Behauptung, Wang würde sich zum Lustobjekt degradieren, unzutreffend. Wenn überhaupt, macht sie sich zum "Lustsubjekt", schließlich ist sie allen Anwesenden als große Pianistin bekannt und nicht irgendein "anonymer weiblicher Körper". Musikunkundige werden sich für Wang auch bei diesem Outfit nicht interessieren, denn das nächste, weitaus explizitere "Lustobjekt" ist im Internet nur einen Mausklick weit entfernt.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Wenn ich es richtig überblicke, dann hat niemand Frau Wang auf ein "Objekt, an dem jedermann seine Fantasien ausleben kann" reduziert. Dieser Satz entspringt Deinen Fantasien über die hier schreibenden Forianer.

    Tatsache ist, dass sie ihre ausgefallene Kleidung ja bewusst wählt. Oder willst Du suggerieren, dass sie eventuell gerade nichts anderes im Schrank hatte, was passte?

    Wenn sie so ausgefallene Kleidung wählt, dann könnte es natürlich sein, dass sie das nicht mit Berechnung auf die Reaktion anderer tut. Theoretisch ist das denkbar. Dann würde sie diese Kleidung bspw. nur tragen, weil sie so angenehm auf der Haut ist (oder so).

    Wenn sie die Kleidung trägt, weil sie sich darin wohlfühlt - und der Satz dann richtigerweise weiter lautet: - und sie fühlt sich darin wohl, weil sie so gesehen werden möchte, wie sie sich zeigt, dann ist es zuallererst mal erlaubt, diese besondere Kleidung wahrzunehmen. Denn das ist dann ja die Absicht der Künstlerin - sie möchte so gesehen werden. Und das hat nichts mit Fantasien zu tun.

    Wie oben gezeigt, kann ein gewisses Maß an Freizügigkeit halt dazu führen, dass für Teile des Publikum die akustischen Teile der Performance von den optischen überlagert werden. Zugegeben: Das liegt dann in der Beschaffenheit des Publikums, aber das ist halt so, wie es ist. Wenn jemandem das Publikum, wie es ist, nicht gefällt, möge er/sie sich halt ein anderes suchen.

    Und auch hier in diesem Thread ist es ja bezeichnend, dass wir seitenweise über die Optik sprechen. Willst Du sagen, dass Frau Wang nicht wüsste, dass ihr Outfit in der öffentlichen Diskussion thematisiert wird?

    Mag vielleicht jemand etwas zur Wiedergabe beisteuern?

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

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