Yuja Wang - eine Ausnahmepianistin startet durch

  • Kennst Du das?:


    "Wer sich mit dem Zeitgeist vermählt, wird bald Witwer sein."

    (Kierkegaard)


    Ich halte es schlicht für borniert, sich auf solche der "political correctness" geschuldeten Plattheiten zu setzen.

  • Vielleicht sollte man diese Haltung, die sich ja auf ( vermeintliche?) Eigenarten asiatischer Musik-Erziehung bezieht, eher "Kulturalismus" als "Rassismus" nennen.

    Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
    daß Alles für Freuden erwacht

  • Kommt allerdings auf's selbe raus. Der Primarius des Alban Berg Quartetts, Günther Pichler, meinte z.B. einmal in einem Interview, japanische Kollegen könnten die späten Beethovenquartette gar nicht adäquat realisieren, weil es in der japanischen Sprache kein Wort für "ich" gibt.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • da fehlt mir mindestens "Les Préludes" und "Mazeppa", um nur 2 zu nennen, die mir als Orchesterliebhaber wichtig sind. Mal vom wunderbaren 2.Klavierkonzert abgesehen. Zu Liszt und kontroversen Sichten auf ihn als Komponist haben wir auch diesen thread.

    Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
    daß Alles für Freuden erwacht

  • Ich verstehe das Problem nicht. Wenn Person X schreibt, dass die asiatische Person Y seelenlos (was auch immer das heißt) Klavier spielt, was zu einem verbreiteten Klischee über Asiaten stammt, dann hat Person X ja nicht gesagt, dass "seelenloses" Klavierspiel auf alle Asiaten zutrifft.


    Wenn man es trotzdem so versteht, dürfte man sich – bis zu Ende gedacht – auch beispielsweise nicht dazu bekennen, Nichtraucher, Vegetarier und Künstler zu sein, weil man sich damit in den Diskurs eines der größten Massenmörders aller Zeiten einschreibt.


    Ich persönlich fände es interessanter, das angeblich seelenlose Klavierspiel näher zu beschreiben als über den rassistischen/kulturalistischen Gehalt von Zeitungskritiken zu debattieren.

  • Es wäre falsch, mir deshalb die Mutmassung unterzujubeln, dass ich die Musik nur deshalb als zweitklassig taxieren möchte, weil ich zu deren technischer Realisierung nicht in der Lage war

    Oh ha,

    Lese ich da etwa etwas von Thomas Bernhard ‚Untergeher‘ heraus.

    Liebe Grüße aus Kiel

    Der Himmel hat geschlossen, die Hölle ist überbevölkert. Ich bleibe noch hier. (Willie Nelson)

  • ad Sadko:

    Ob Du das Problem wieder mal nicht verstehst (mein Gott, wie oft hast Du das hier schon geschrieben?), beschäftigt mich nicht. Diese vorgeschützte Naivität kaufe ich Dir auch nicht ab.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Der Primarius des Alban Berg Quartetts, Günther Pichler, meinte z.B. einmal in einem Interview, japanische Kollegen könnten die späten Beethovenquartette gar nicht adäquat realisieren, weil es in der japanischen Sprache kein Wort für "ich" gibt.

    Ein schöner Beleg dafür, dass manche Leute lieber die Klappe halten sollten, als ihre völlig unfundierten Vorurteile über asiatische Musikerinnen und Musiker zu verbreiten. Es gibt in der japanischen Sprache sogar mehrere Bezeichnungen für das Wort "ich", siehe hier:

    Die Vielfalt des japanischen „Ich“
    In der japanischen Sprache gibt es zahlreiche Bezeichnungen für das Wörtchen „Ich”. Die Verwendung der verschiedenen Varianten verrät viel über den Sprecher…
    www.japandigest.de

    «Weil ich nicht schlauer bin als solch ein Titan!»

    (Günter Wands Antwort auf meine Frage, warum er nicht wenigstens bei Bruckners Erster die nun wirklich bessere frühere Linzer Fassung dirigiert)

  • ad Sadko:

    Ob Du das Problem wieder mal nicht verstehst (mein Gott, wie oft hast Du das hier schon geschrieben?), beschäftigt mich nicht. Diese vorgeschützte Naivität kaufe ich Dir auch nicht ab.

    Ich schütze hier keine Naivität vor, sondern ich weise darauf hin, dass die Aussage, dass ein Asiate "seelenlos" spielt, nicht notwendigerweise heißt, dass diese Person Vorurteile verbreitet. Wenn sie das über auffallend viele Asiaten sagt, ist es natürlich was anderes.

  • Zitat

    Ein schöner Beleg dafür, dass manche Leute lieber die Klappe halten sollten, als ihre völlig unfundierten Vorurteile über asiatische Musikerinnen und Musiker zu verbreiten. Es gibt in der japanischen Sprache sogar mehrere Bezeichnungen für das Wort "ich",

    Tja, Felix, hättest Du mal am Ende "gäbe" statt "gibt" geschrieben, dann könntest Du Dich jetzt rausreden ... aber so ... Grins1

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • ad Sadko:

    Es wurde Ähnliches eben schon sehr, sehr oft über asiatische Musiker gesagt, weshalb so ein Vorwurf wirklich nur auf fundierte Weise vorgebracht werden sollte. Das ist aber den hier vorgelegten Schriftstücken nach zu urteilen, wieder einmal nicht geschehen.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Es wurde Ähnliches eben schon sehr, sehr oft über asiatische Musiker gesagt, weshalb so ein Vorwurf wirklich nur auf fundierte Weise vorgebracht werden sollte. Das ist aber den hier vorgelegten Schriftstücken nach zu urteilen, wieder einmal nicht geschehen.

    Das kann ich nachvollziehen. Allerdings sind die meisten Zeitungskritiken doch extrem oberflächlich (weswegen ich sie auch nur im Ausnahmefall lese), da bleibt innerhalb einer Zeitungskritik kaum Platz für eine fundierte Beschreibung.

  • Ein schöner Beleg dafür, dass manche Leute lieber die Klappe halten sollten, als ihre völlig unfundierten Vorurteile über asiatische Musikerinnen und Musiker zu verbreiten. Es gibt in der japanischen Sprache sogar mehrere Bezeichnungen für das Wort "ich",

    Tja, Felix, hättest Du mal am Ende "gäbe" statt "gibt" geschrieben, dann könntest Du Dich jetzt rausreden ... aber so ... Grins1

    Ich sprach über den von Felix Meritis zitierten Primarius des Alban Berg Quartetts, Günther Pichler. Der sollte lieber seine Klappe halten. Ich sprach selbstredend nicht von Felix Meritis, mit dem ich hier völlig auf einer Linie liege.

    «Weil ich nicht schlauer bin als solch ein Titan!»

    (Günter Wands Antwort auf meine Frage, warum er nicht wenigstens bei Bruckners Erster die nun wirklich bessere frühere Linzer Fassung dirigiert)

  • Allerdings sind die meisten Zeitungskritiken doch extrem oberflächlich

    Das ist in meiner Wahrnehmung ein genauso pauschales Urteil wie die Aussage, asiatische Musiker spielten mechanisch.


    Wie viele Zeitungskritiken kennst Du, um eine Aussage über "die meisten" machen zu können?

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Ich sprach über den von Felix Meritis zitierten Primarius des Alban Berg Quartetts, Günther Pichler. Der sollte lieber seine Klappe halten. Ich sprach selbstredend nicht von Felix Meritis, mit dem ich hier völlig auf einer Linie liege.

    Wer redet hier darüber, worüber Du sprachst? Es ging gar nicht um Dich.


    Und selbstredend ist in einer solchen virtuellen Umgebung wohl kaum etwas.

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Wie viele Zeitungskritiken kennst Du, um eine Aussage über "die meisten" machen zu können?

    Ich habe bisher in kaum einer Zeitung eine nicht-oberflächliche Beschreibung eines Konzerts oder einer Opernaufführung gelesen. Statistik habe ich allerdings keine aufgestellt.

  • Ich habe bisher in kaum einer Zeitung eine nicht-oberflächliche Beschreibung eines Konzerts oder einer Opernaufführung gelesen.

    Das ist schon mal eine Aussage über Dich. Noch besser hätte ich gefunden:


    "Ich habe bisher in kaum einer Zeitung eine Beschreibung eines Konzerts oder einer Opernaufführung gelesen, die ich nicht als oberflächlich bezeichnen würde".


    Offenbar können die meisten Zeitungen froh sein, dass die meisten Ihrer Leser*innen kein solch ausgeprägtes Bedürfnis nach Tiefgang haben - bzw. nicht in der Lage sind, die Geister zu scheiden.


    Oder solltest Du es einfach mal mit anderen Zeitungen versuchen? Grins1 (Gleich kommt die Liste ...)

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Werden im obigen Artikel aus der Süddeutschen von 2018 etwa die Klischees: asiatisch=seelenlos und russisch=seelenvoll bedient?

    Diese Klischees wurden damals in der Tat bedient, aber das ist, was Yuja Wang betrifft, auch bei der Süddeutschen längst nicht mehr Stand der Dinge. Ihr außerordentlicher künstlerischer Rang ist auch in dieser Zeitung mittlerweile anerkannt. Kann man alles nachlesen, wenn man es will.


    Und ein Vergleich von Yuja Wang mit Lang Lang, die zwar beide chinesischer Herkunft sind und mit Gary Graffman sogar denselben Klavierlehrer hatten, aber sonst rein gar nichts miteinander gemein haben, entstammt nun wirklich der Klamottenkiste der Vorurteile, die man mal 2011 aufgemacht haben mag, aber der sich inzwischen nun wirklich niemand mehr bedient.

    Das war mit gar nicht einmal bewusst, dass Yuja Wang einst in diese Kiste gesteckt wurde...


    (und von solchen medialen Kästnern halte ich eh nichts, und zwar GAR nichts!)


    Im Gegensatz zum langen Lang erschien mir die yujige Wang nie als Repräsentanz eines fernöstlichen Klavierroboters.


    Ich habe hinter ihrer capricciösen Spielerei immer die cosmopolitische Weiblichkeit erspürt, ein Ausdruck menschlichster Menschlichkeit und ursprünglichster Natürlichkeit.


    Gruss aus Bern vom Walter

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