Yuja Wang - eine Ausnahmepianistin startet durch

  • So, habe eben das Doppel-Album mit den Rach-Konzerten (Dudamel, LA Phil.) abgeholt. Bin gespannt!

    Gibt es eigentlich inzwischen Meinungen dazu?

    maticus

    Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga

    Ich lieb‘ den Schlaf, doch mehr noch: Stein zu sein.
    Wenn ringsum nur Schande herrscht und nur Zerstören,
    so heißt mein Glück: nicht sehen und nicht hören.
    Drum leise, Freund, lass mich im Schlaf allein.
                       --- Michelangelo Buonarroti (dt. Nachdicht. J. Morgener)

  • Wenn man allerdings in Betracht zieht, mit welchem Zugaben-Marathon Yuja Wang gerade China auf ihrer dortigen Recital-Tour dem Vernehmen nach überzieht, dann fragt man sich schon, welcher Pianist das noch toppen soll.

    Ich habe diese Worte in einem Thread über einen anderen Pianisten geschrieben, aber weiterführen möchte ich dies dann doch hier im Yuja Wang-Faden.

    Ein erstes Video, das eine Zugabe während der laufenden China-Tour zeigt, hat inzwischen YouTube erreicht.

    Neu im Zugaben-Repertoire von Yuja ist der 3. Satz aus Tschaikowskys letzter Sinfonie "Pathéthique". Von wem diese (den Satz stark abkürzende) Transkription stammt, ist mir unbekannt. Sie spielte dieses Werk als fünfte Zugabe in ihrem Recital in Shanghai vom 4. Dezember 2023.

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    Sogleich zur Manöverkritik: Yuja ist in diesem Mitschnitt nicht vollständig griffsicher, es könnte vielleicht sogar das erste Mal überhaupt gewesen sein, dass sie diese mit Höchstschwierigkeiten gespickte Transkription öffentlich aufführte. Wer sie näher kennt, weiß, dass sie weiter an der Interpretation feilen wird und sie demnächst ohne jeglichen Fehlgriff meistern wird. Man muss sich auch immer vergegenwärtigen: Sie hatte bei der fünften Zugabe sicher bereits über zwei Stunden reines Klavierspiel (Pause sowie Auf- und Abtritte nicht mit eingerechnet) hinter sich. Ihre Standard-Antwort auf die Frage, wie sie mit dem Philadelphia Orchestra bloß alle fünf Werke für Klavier und Orchester von Sergej Rachmaninow hintereinander weg (!) meistern konnte, war: Ein Solo-Recital fordert sie weitaus mehr, denn da gibt es für sie keinen einzigen Moment, in dem sie nicht gefordert ist.

    «Denn Du bist, was Du isst»
    (Rammstein)

  • nicht vollständig griffsicher

    Unüberhörbar. Und das bei ihr! Und Noten hat sie doch auch eher selten auf dem Klavier stehen, oder? Sie guckt auch viel hin.

    Die Transkription finde ich schwach, sie gibt mE den marschartigen Gestus des Stücks nicht recht wieder (oder liegt das auch an der Pianistin?).

    Scheint mir auch ein bißchen in die Kategorie: "Ich bin vor nix bange!" zu gehören. Grins1 Na ja, dass Klappern zum Handwerk gehört, weiß ja wohl kaum jemand besser.

    Bernd

    Fluctuat nec mergitur

  • Und Noten hat sie doch auch eher selten auf dem Klavier stehen, oder?

    Bei den Zugaben hat sie oft ihr Tablet dabei, weil sie eben im Zugabenteil eines Recitals sehr viel (auch für sie) Neues spielt. Bei Yuja sind acht Zugaben inzwischen Standard, es können aber auch zehn oder elf werden. Und wenn sich da mal, weil sie das Stück noch nicht zu 100 %, sondern nur zu 99 % "drauf" hat, eine falsche Note einschleicht, ist das selbst bei dieser Ausnahmepianistin nachvollziehbar. Im "regulären" Teil eines Konzerts vor den teilweise irrwitzig schwierigen Zugaben gibt es aber nicht den Hauch eines Fehlgriffs. Jedenfalls in keinem der etwa 35 Konzerte, die ich bisher von ihr erlebt habe.

    «Denn Du bist, was Du isst»
    (Rammstein)

  • Im "regulären" Teil eines Konzerts vor den teilweise irrwitzig schwierigen Zugaben gibt es aber nicht den Hauch eines Fehlgriffs. Jedenfalls in keinem der etwa 35 Konzerte, die ich bisher von ihr erlebt habe.

    Das wundert mich nicht. Deshalb meinte ich ja auch, dass das in die Kategorie "Showpiece" gehört.

    Bernd

    Fluctuat nec mergitur

  • Demnächst (ab 19.01.24) auch als Dirigentin? Sieh an!

    Bernd

    Fluctuat nec mergitur

  • Du hättest das linke Bein auch gerne so frei gesehen?

    Warum nur das linke Bein? Nur so als Beispiel:

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    Bernd

    Fluctuat nec mergitur

  • Demnächst (ab 19.01.24) auch als Dirigentin? Sieh an!

    Sie hat schon ein paar Mal Klavierkonzerte z.B. von Bach, Mozart und Beethoven vom Flügel aus geleitet. Bei einem solchen Orchesterkonzert in Frankfurt war unser ehemaliger user ThomasBernhard so freundlich, mich hierzu in die Alte Oper einzuladen. Bei den flankierenden Werken, die im Rahmen solcher Orchesterkonzerte ohne Klavierbeteiligung gespielt werden (wie in dem von Dir erwähnten Programm die Dvorák-Serenade), tritt sie allerdings nicht als Dirigentin vor das Kammerorchester.

    «Denn Du bist, was Du isst»
    (Rammstein)

  • Bei der Gelegenheit gerade entdeckt: Yuja Wang goes Art Tatum:

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    :verbeugung1:

    Bernd

    Fluctuat nec mergitur

  • Schließe die Augen und öffne die Ohren. Ich finde sie frappierend in solchen Encores, fantastisch in Konzerten und Recitals, aber am meisten überzeugt sie mich in der Kammermusik.

    Bernd

    Fluctuat nec mergitur

  • am meisten überzeugt sie mich in der Kammermusik

    Diese Meinung kann man sehr, sehr gut vertreten. Lynn Harrell hat sie nach eigener Aussage in ihren jungen Jahren zur Kammermusik gebracht, die sie seither innig liebt.

    «Denn Du bist, was Du isst»
    (Rammstein)

  • Bernd an Bernd: Das mach ich! Natürlich ist sie technisch frappierend, aber diese "Aufmachung". Trotzdem mal in den von mir eben eingestellten Klemperer-Film reinschauen! Genügt ja auch morgen noch. Gute Nacht und Grüße!

  • Bei der Gelegenheit gerade entdeckt: Yuja Wang goes Art Tatum:

    Das ist weniger nach der Art von Art Tatum gespielt, sondern mehr nach Teddy Wilson oder Mel Powell. Ich weiß, es wird auch Art Tatum angesagt, aber sie hat einen Anschlag und perlende Läufe, die mich weniger an Tatum erinnern. Gerade mit der linken Hand ist sie sparsamer als Tatum. Es ist möglich, dass Tatum das mal so gespielt hat, aber eigentlich ist Tatums Spiel mehr überfrachtet als es hier erklingt. Das ist meine bescheidene Meinung dazu.

    Viele Grüße sendet Maurice

    Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)

  • aber eigentlich ist Tatums Spiel mehr überfrachtet als es hier erklingt

    Da bin ich bei dir, Tatum nervt schnell. Sie macht gewissermaßen Art Tatum 2.0 (enhanced version) draus. Aber es hat mich sofort an ihn erinnert.

    Bernd

    Fluctuat nec mergitur

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