Yuja Wang - eine Ausnahmepianistin startet durch

  • Von wem diese (den Satz stark abkürzende) Transkription stammt, ist mir unbekannt.

    Ich nehme an, dass das eine eigene Bearbeitung ist, gerade weil sie radikal kürzt. Das scheint auf die Verwendung als Zugabe zugeschnitten zu sein. Sie lässt ja auch gerade die wenigen Takte weg, wo sich ein normaler Mensch mal kurz ausruhen könnte.
    Damit will ich nicht sagen, dass das ein normaler Mensch spielen könnte. Wow1

    :wink:

  • Sie lässt ja auch gerade die wenigen Takte weg, wo sich ein normaler Mensch mal kurz ausruhen könnte.
    Damit will ich nicht sagen, dass das ein normaler Mensch spielen könnte. Wow1

    Das ist schön gesagt, lieber Scherzo.

    In sehr jungen Jahren wurde sie bereits in den USA als "superhuman" (also als ein Mensch mit übermenschlichen pianistischen Fähigkeiten) bezeichnet. Und seitdem ist sie ständig besser und besser und besser geworden.

    Bei dem von Quasimodo in #711 verlinkten Zugabenmitschnitt aus der Philharmonie de Paris vom 13. April 2023 habe ich das Gefühl, dass sie das Tempo in den Carmen-Variationen von Bizet/Horowitz/Volodos inzwischen gegenüber früheren Aufnahmen von ihr noch ein wenig mehr gesteigert hat. Ich kenne einen Filmausschnitt von Vladimir Horowitz in seinen späteren Lebensjahren, in dem er in seiner New Yorker Wohnung versuchte, seine eigenen Carmen-Variationen noch einmal zu spielen und nach einer Weile die Segel strich und nur noch ausrief: "Is that difficult!!". Wenn man sich dann mal überlegt, dass Arcadi Volodos noch einiges mehr an Schwierigkeiten hineingepackt hat, damit das Ganze noch ein klein wenig mehr unspielbar wird...

    «Denn Du bist, was Du isst»
    (Rammstein)

  • Da bin ich bei dir, Tatum nervt schnell. Sie macht gewissermaßen Art Tatum 2.0 (enhanced version) draus. Aber es hat mich sofort an ihn erinnert.

    Ja, Tatum nervt mich auch schnell. Bei ihm ist alles so überfrachtet. Komischerweise hat mich das bei Peterson nie gestört, der hat das meiner Meinung nach viel "besser" gelöst, und dabei hat er trotzdem wie der Teufel geswingt. Auch Erroll Garner kann ich mir nur eine Zeit lang anhören, aber auch der swingt im Regelfall immer. Selbst Dave Brubeck, wenn man seinen Ansatz kennt, hat seine Soli wunderbar aufgebaut, gesteigert und dabei geswingt, allerdings erst dann, als Joe Morello kam, zuvor war das nicht schlecht, aber es hat das gewisse "Etwas" gefehlt.

    Bei Yuja Wang stimmt das auch alles, die Frau ist einfach eine Teufelin im Minirock, sie kann wirklich spielen, auch wenn man ihre Auftritte durchaus als "exzentrisch" bezeichnen mag.

    Wusstest Du, dass es im Jazz mit Stephanie Trick eine Vergleichspianistin gibt? Man müsste mal die beiden Pianistinnen zusammen spielen lassen, wäre bestimmt eine interessante Kombination.

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    Viele Grüße sendet Maurice

    Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)

  • Wusstest Du, dass es im Jazz mit Stephanie Trick eine Vergleichspianistin gibt? Man müsste mal die beiden Pianistinnen zusammen spielen lassen, wäre bestimmt eine interessante Kombination.

    Im Jazz ist meiner Meinung nach vor allem eine Pianistin mit Yuja Wang vergleichbar: Hiromi. Die beiden Frauen kennen sich auch, ich habe ein gemeinsames Foto von ihnen, auf welchem sie sehr herzlich miteinander sind (da ich es nicht selbst aufgenommen habe, darf ich es hier nicht einstellen). Als ich Hiromi das erste Mal live mit einem Solo-Recital erlebte, verschlug es mir schlichtweg die Spucke. Diese Powerfrau ist an Virtuosität nicht zu toppen. Eine Kollegin aus dem Klassikbereich sagte mal sinngemäß über sie: "Wie gut, dass sie sich nach abgeschlossener Klassikausbildung für den Jazz entschieden hat. Wäre sie bei der Klassik geblieben, könnten wir alle einpacken".

    «Denn Du bist, was Du isst»
    (Rammstein)

    Einmal editiert, zuletzt von music lover (9. Dezember 2023 um 11:22)

  • Im Jazz ist meiner Meinung nach vor allem eine Pianistin mit Yuja Wang vergleichbar: Hiromi. Die beiden Frauen kennen sich auch, ich habe ein gemeinsames Foto von ihnen, auf welchem sie sehr herzlich miteinander sind

    Die sagt mir nur dem Namen nach etwas. Stephanie Trick kenne ich deswegen recht gut, weil sie sich vor allem im alten Jazz bewegt. Ihr Ehemann ist der italienische Jazzpianist Paolo Alderighi, den ich schon live erlebt habe. Mit ihm spielt sie entsprechend auch immer mal wieder zusammen.

    Jetzt sind wir aber ziemlich aus dem Thread gewandert.

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  • Diese linke Hand möchte man gerne auch haben.

    Japp !! :top: Das schaffe ich nicht mal mit zwei Händen. :megalol:

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    Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)

  • Bei Yuja sind acht Zugaben inzwischen Standard, es können aber auch zehn oder elf werden.

    Auf ihrer derzeitigen China-Tornee hat Yuja ihren Zugabenrekord gebrochen: In Xi'an gab sie sage und schreibe zwölf Zugaben.

    In Guangzhou wurde sie demgegenüber durch Leute im Publikum, die sie während ihres Vortrags mehrfach mit Blitzlicht (!) fotografierten, und dann auch noch durch einen mit lautem Krachen während ihres Spiels auf den Fußboden fallenden Gegenstand massiv gestört und war so genervt, dass sie nur eine einzige Zugabe gab. Obwohl das Publikum an die zehn Minuten weiter applaudierte, ließ sie sich nicht erweichen.

    Ein Keith Jarrett hätte an ihrer Stelle das Konzert abgebrochen. Sie gab diesem Publikum sogar noch eine Zugabe.

    «Denn Du bist, was Du isst»
    (Rammstein)

    2 Mal editiert, zuletzt von music lover (16. Dezember 2023 um 17:41)

  • In Guangzhou wurde sie demgegenüber durch Leute im Publikum, die sie während ihres Vortrags mehrfach mit Blitzlicht (!) fotografierten, und dann auch noch durch einen mit lautem Krachen während ihres Spiels auf den Fußboden fallenden Gegenstand massiv gestört und war so genervt, dass sie nur eine einzige Zugabe gab. Obwohl das Publikum, wie mir zugetragen wurde, an die zehn Minuten weiter applaudierte, ließ sie sich nicht erweichen.

    Ich möchte ja da niemandem zu nahe treten, aber da sollte inzwischen jeder Musiker drüberstehen können. Ich will da keine Debatte anfangen, doch auf der einen Seite sollen solche Veranstaltungen auch ein "Event" sein, und auch Frau Wang dürfte dort nicht unterbezahlt gewesen sein. Um keine Unklarheiten aufkommen zu lassen: Das mit den Blitzlichtern finde ich eine Frechheit, vielleicht könnte man grundsätzlich da sich von den Veranstaltern etwas einfallen lassen. Dass etwas lautstark herunter gefallen ist (niemand weiß, was das war), kann sicher überall zu jeder Zeit vorkommen (ihr wisst überhaupt nicht, wie schnell etwa mal ein Trompetendämpfer aus dem Instrument fallen kann, um mal ein Beispiel zu sagen, was jedem Musiker sehr peinlich sein wird).

    Am Ende dann einem mit Sicherheit ausverkauftem Haus, was "Standing Ovations" spendet, nicht zumindest die zweite Zugabe zuzugestehen, finde ich gegenüber denen ungerecht, die sich nicht daneben benommen haben. Bei allem Respekt gegenüber dem sauschwierigen Programmen der Pianistin, finde ich das doch irgendwie albern. Ich schreibe das auch als Musiker, der sich manchmal auch mehr Ruhe wünschen würde. Ich weiß also sehr gut, wie störend das sein kann. Ich habe auch nicht so schwierige, lange Werke zu spielen wie Frau Wang das immer macht, daher mag der Vergleich (vom Können ganz abgesehen) hinken, doch sie hat doch nun wirklich die Klasse, inzwischen über solchen Dingen stehen zu können.

    Viele Grüße sendet Maurice

    Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)

  • Ich finde, das zahlende Publikum hat einen Anspruch darauf, dass das angekündigte Programm gespielt wird. Von daher mag man einen Keith Jarrett massiv kritisieren, der bei dem leisesten Muckser aus dem Publikum den Deckel über die Tasten legt und das Konzert abbricht. Du sagst mit Recht: Das ist unfair gegenüber denjenigen, die sich nicht daneben benommen haben.

    Etwas anderes ist es mit den Zugaben. Diese sind freiwillig, quasi ein Geschenk an das Publikum. Man hat keinen Anspruch darauf. Und Frau Wang hat in Guangzhou immerhin eine Zugabe gegeben. Zu ihrem üblichen Zugaben-Marathon hatte sie allerdings keine Lust mehr, sie fühlte sich nicht danach. Und dann hat sie selbstverständlich das Recht, dem Publikum zu bedeuten, dass es das heute für sie war. Sie hat ein Konzert, bei dem sie sich nicht wohl gefühlt hat, professionell über die Runden gebracht und dann nicht sofort die Bühne verlassen, sondern sogar noch eine Zugabe gegeben. Ein anderes Publikum, das sich respektvoll gegenüber der Künstlerin verhält, hätte noch sieben oder acht weitere Zugaben bekommen, aber das Publikum, über das wir hier reden, hat eben durch das Verhalten einiger weniger die Laune der Künstlerin verdorben. Die Schuld daran muss man nicht bei der Künstlerin suchen, sondern bei den sich völlig unverschämt verhaltenden Leuten im Publikum (mit Blitzlicht die Künstlerin fotografieren während der Aufführung, geht's noch?).

    «Denn Du bist, was Du isst»
    (Rammstein)

    Einmal editiert, zuletzt von music lover (17. Dezember 2023 um 14:46)

  • Wie ich zwischenzeitlich gelesen habe, ist die Bearbeitung von Samuil Feinberg.

    Das wäre dann die, die auch Volodos bei einer seiner frühen CDs eingespielt hat.

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Bei Yuja sind acht Zugaben inzwischen Standard, es können aber auch zehn oder elf werden.

    Ich ahnte (oder befürchtete) bislang nur, dass es auch in der Kunst um „Rekorde“ gehen könnte, nun ist es zu einer traurigen Gewissheit geworden. Sind wir doch mal ehrlich: Einen erheblichen Anteil an dem Erfolg dieser Pianistin hat ihr sehr gutes Marketingteam. Und wäre sie nicht so jung und ansehnlich, sähe die Sache bei all dem vorhandenen Talent und Können völlig anders aus.

    P.S.: Wieso duzt Du sie eigentlich bzw. schreibst permanent nur ihren Vornamen? Ein Facebook-Follower-Status reicht da m.E. für solch eine Vertraulichkeit nicht aus.

  • Wie ich zwischenzeitlich gelesen habe, ist die Bearbeitung von Samuil Feinberg.

    Das wäre dann die, die auch Volodos bei einer seiner frühen CDs eingespielt hat.


    Auf diesem Album

    benötigt Volodos allerdings 9:29 min. für die Feinberg-Transkription, während Yuja Wang sehr viel auslässt und nach 3:51 min. fertig ist. Von daher hat Scherzo sicherlich Recht, dass jemand anderes da noch seine Hand dran hatte.

    «Denn Du bist, was Du isst»
    (Rammstein)

  • Etwas anderes ist es mit den Zugaben. Diese sind freiwillig, quasi ein Geschenk an das Publikum. Man hat keinen Anspruch darauf. Und Frau Wang hat in Guangzhou immerhin eine Zugabe gegeben. Zu ihrem üblichen Zugaben-Marathon hatte sie allerdings keine Lust mehr, sie fühlte sich nicht danach. Und dann hat sie selbstverständlich das Recht, dem Publikum zu bedeuten, dass es das heute für sie war. Sie hat ein Konzert, bei dem sie sich nicht wohl gefühlt hat, professionell über die Runden gebracht und dann nicht sofort die Bühne verlassen, sondern sogar noch eine Zugabe gegeben.

    Ja, man kann es auch so sehen. Ich würde jetzt spitz sagen, sie hat sich nicht richtig gewürdigt gefühlt und war eingeschnappt. Hätte sie sich nicht wohl gefühlt, wäre das mit Sicherheit vorher bekannt gegeben worden und sie hätte vielleicht sogar das Programm abgeändert.

    Du hast aber völlig recht, dass Zugaben kein Muss sind. Was man allerdings auch mal sagen sollte ist, dass es völlig unnormal ist, mehr als zwei Zugaben zu spielen. Ich habe da immer meine Zweifel, ob es nicht doch nur um schlichte Selbstdarstellung geht dabei. Frau Wang hat das doch überhapt nicht nötig, so etwas verstehe ich nicht. Es ist wirklich völlig unüblich, wenn jemand über die zwei Zugaben geht. Bei wirklichen "Highlight-Auftritten" vielleicht mal eine dritte Zugabe zu geben kann MAL vorkommen, doch da kannst Du wirklich lange suchen.

    Inzwischen sollte sich herumgesprochen haben, dass ich ihr Spiel zu schätzen weiß. Natürlich, um auch darauf noch einzugehen, hat sie auch eine brillante Marketing-Abteilung hinter sich stehen, die das Ganze mit Sicherheit bis ins letzte Detail hinein vorher abgesprochen mit dem Veranstalter und ihr selbst natürlich.

    Viele Grüße sendet Maurice

    Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)

  • Es ist wirklich völlig unüblich, wenn jemand über die zwei Zugaben geht.

    Es sei denn, man heißt Grigory Sokolov.

    :pfeif:

    Es grüßt Gurnemanz

    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Es sei denn, man heißt Grigory Sokolov.

    Es wird immer Ausnahmen geben, genau so habe ich es auch geschrieben.

    Viele Grüße sendet Maurice

    Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)

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