Hindemith: Orchesterwerke

  • HIndemith hat schon in den 1930ern und dann wieder in den 50ern eine ganze Reihe seiner Werke selbst für Schallplatte dirigiert. Eine preiswerte Box mit Monoaufnahmen gibt es bei DG:

    Ich besitze die seit einiger Zeit, kenne aber die Musik größtenteils nicht gut genug, um sie ernsthaft beurteilen zu können. Der Klang ist jedenfalls ordentliches Mono und es sind nicht nur die "Renner" wie Mathis-Sinfonie und Metamorphosen drauf.

    Die zweieinhalb Minuten Interview sind allerdings eher kurios bis peinlich. Hindemith macht hier im Grunde auf Aufforderung des Fragestellers ein bißchen Werbung für seine Neuaufnahme. :wacko:

    Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
    (B. Pascal)


  • Die zweieinhalb Minuten Interview sind allerdings eher kurios bis peinlich. Hindemith macht hier im Grunde auf Aufforderung des Fragestellers ein bißchen Werbung für seine Neuaufnahme. :wacko:


    Ja und? Hindemith hat von seiner Konzert- und Aufnahmetätigkeit gelebt. Das machen heutige Interpreten nicht viel anders - insofern kann ich den Sinn dieser Anmerkung nicht recht erkennen. Hindemith war kein Komponist im Elfenbeinturm, der von den quasi von selbst fliessenden Tantiemen seiner Kompositionen leben konnte.

  • RE: Wiliam Steinberg

    An einer Hindemith-CD kommt man sicher nicht vorbei (so man sie denn noch findet):

    [Blockierte Grafik: http://ecx.images-amazon.com/images/I/51lGxZT4vCL.jpg]

    Und zwar wegen der Sinfonie "Mathis der Maler" und der "Konzertmusik op.50" mit dem Boston Symphony Orchestra unter William Steinberg von 1979. Dies sind wohl immer noch die unangefochtenen Spitzenaufnahmen dieser beiden Werke, sowohl interpretatorisch wie klangtechnisch.

    Zusatz: Im Booklett steht, daß die Aufnahmen von 1979 sind, in Wahrheit sind sie aber wohl von 1971. Scheint zu stimmen, denn Steinberg starb 1978.


    :thumbup: Da schliesse ich mich gerne begeistert als Fünfter bei Capriccio an. Diese DG-CD ist wirklich ein aussergewöhnlicher Schatz die Sinfonie Mathis der Maler betreffend und die sehr ausgewogene Konzertmusik op.50. Ich habe bisher die Erfahrung gemacht, dass es sich bei Wiliam Steinberg´s Aufnahmen durchweg immer um fabelhafte Interpretationen handelt. Leider ist die mögliche Auswahl an Werken bei ihm relativ klein.

    Zu den cpo-Aufnahmen mit W.A.Albert:

    Ich finde auch, dass es von ihm eine Pioniertat ist, alle Hindemithwerke auf CD wirklich brauchbarer Klangqualität dem Klassikliebhaber nahe zu bringen. Bis auf die genannten Hindemith-TOP-Werke habe ich den Rest auch erstmalig mit diesen cpo-CD´s kennengelernt.

    ;+) Das ändert aber leider nichts daran, dass alle Hindemith-Aufnahmen die ich mit anderen Dirigenten vorliegen habe einfach vorzuziehen sind. Während Albert dem Neuentdecker bei dem einem oder anderen Werk wenig Begeisterung und Interesse für weiteres Entdecken vermitteln kann, sodass die Gefahr besteht, dass man Hindemith leicht als Langeweiler abspeichert. Da lob ich mir (wie gessagt) alle Bernstein-, Ormandy-, Szell-, Steinberg- und Mrawinsky-Aufnahmen, die einfach mehr aus den Werken rauszuholen wissen, sodass Hindemith kaum als Langeweiler (wie hier einige Beiträge zuvor schon erwähnt) dastehen kann.

    Zum Bratschenkonzert "Der Schwanendreher" auf der abgebildeten CD:

    Ich kann schon in etwa nachvollziehen, warum inland empire das Konzert, sagen wir jetzt mal - nicht so gut liegt. 8+) Ich kann Dir aber sagen, das es dich in anderen Aufnahmen warscheinlich noch weniger ansprechen dürfte.
    Denn hier sagt mir gerade diese im Vergleich recht feurige Aufnahme mit Benyamini/Barenboim (DG) immer noch besser zu, als die in der Kritik hochgelobte Aufnahme mit Tabea Zimmermann/ Bayerisches RSO/David Shallon (EMI, 1982), wo mir das Werk zu brav und langweilig erscheint. Diese EMI-CD hatte ich aber auch wegen des Bartok-Violakonzertes (1945) gekauft und nicht wegen Hindemith ...

    ______________

    Gruß aus Bonn

    Wolfgang

  • Violinkonzert (1939)

    Das Violinkonzert (1939) ist bisher überhaupt nich nicht zur Sprache gekommen.

    Ein im klassischen Sinne dreisätzig angelegtes Konzert:
    1. Mässig bewegte Halbe
    2.Langsam
    3. Lebhaft

    Das VC wurde 1940 in Amsterdam unter Mengelberg uraufgeführt. Ein virtuoses auch im Orchestersatz fetziges Konzert mit einer Spieldauer von knapp einer halben Stunde, dem ich in der fabelhaften Aufnahme mit Isaac Stern / Bernstein (SONY) jeden Anflug von möglich aufkommender Langeweile absprechen würde. Ein tolles Werk, das ich für mich zu Hindemiths "TOP-Stücken" hinzuzähle !

     [Blockierte Grafik: http://ecx.images-amazon.com/images/I/41dkCFi8J6L._AA300_.jpg] Auch in dieser Edition:
    SONY, 1964, ADD


    Auf dieser Elequence-CD findet sich das VC nochmal in einer weiteren höchste Authentizität beanspruchenden Aufnahme mit dem Komponisten mit D.Oistrach /LSO / Paul Hindemith aus dem Jahre 1962.
    Die CD hat aber durchweg bei allen drei enthaltenen Werken nicht die Emotionskraft, wie ich es aus anderen Aufnahmen der Werke (VC mit Stern; Mathis mit Sternberg; Sinf.Metharmorphosen mit Bernstein, Ormandy oder Szell) eindeutig höher schätze.


    Decca-eloquence, 1962, 1969, ADD

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    Gruß aus Bonn

    Wolfgang


  • Ja und? Hindemith hat von seiner Konzert- und Aufnahmetätigkeit gelebt. Das machen heutige Interpreten nicht viel anders - insofern kann ich den Sinn dieser Anmerkung nicht recht erkennen. Hindemith war kein Komponist im Elfenbeinturm, der von den quasi von selbst fliessenden Tantiemen seiner Kompositionen leben konnte.

    Ich finde nicht Hindemiths Verhalten oder Äußerungen peinlich (die sind relativ nichtssagend, es sei viel Arbeit gewesen, weil manche Passagen so schwierig wären, aber es sei eine sehr schöne Platte geworden), sondern die Inklusion in diese Box, als ob es ein interessantes historisches Dokument wäre. "Interview" ist wirklich zuviel gesagt. Abgesehen davon war Hindemith zum Zeitpunkt der Aufnahmen (1954-57) Professor in Zürich; ich nehme mal an, dass er da ein Gehalt bezogen hat. Während die Plattentantiemen Ende der 1950er, als die meisten Leute froh waren, sich ein paar Wunschkonzertplatten usw. leisten zu können, für eine LP der Mathis-Sinfonie wohl recht überschaubar gewesen sein dürften.

    Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
    (B. Pascal)

  • RE: Bernstein

    Leonard Bernstein hat sich Hindemith in aussergewöhnlich starken Interpretationen in seiner Laufbahn öfter angenommen. Zwei Bernstein-Hindemith-CD´s hatte ich in Beitrag 3 und 25 abgebildtet, die Dritte ist diese Hammer-CD, die in diesem Thread schon mehrfach (ohne Bild) zur Sprache kam:
    :vv: Eine der besten Bernstein-Scheiben überhaupt.


    SONY, 1961 (op.50), 1967/8, ADD


    Hallo miguel,

    das ist natürlich schade, wenn man so eine fabelhafte CD zum Verkauf bereitstellt und offenbar verkannt hat. Ich denke Du meinst diese CD ?
    :thumbup: Denn das wäre eine der Hindemith-CD´s die besser als jede Andere das Vorurteil Hindemith als Langeweiler abzustempeln ausräumen kann.
    Ich möchte nebenbei nur auf andere Foren (u.a. Hifi-Forum) verweisen mit welcher Begeisterung gerde diese CD dort mit recht beurteilt wurde, damit nicht der Eindruck durch deinen Beitrag entsteht, man würde Schrott kaufen !

    :thumbup: Fabelhaft wie Bernstein gerade die Jazzelemente in den Sinfonischen Metharmorphosen meistert; Einfühlungsvermögen wie wenige Andere für diese 4 meisterhaften Sätze.
    Begeisterungswürdiger als die Sinfonie in Es mit Bernstein = nmöglich; da ist W..Albert nur ein laues Lüftchen gegen, beim dem ich beim Erstkontakt mit dem Werk nur die gleichen Eindrücke gehabt hätte, wie Gurnemanz in Beitrag 14 schilderte.
    Die Konzertmusik op.50 ebenfalls präzise und spannend - da kann ich im Höchstfall nur noch auf Steinberg (DG) verweisen ...


    - mir war Bernsteins CD zu über-emotional. Ich habe sie übrigens bei amazon verkauft und musste über zwei Jahre warten, bis sich ein Käufer fand - so viel zum Interesse an dieser Musik..

    Ich habe übrigens diese CD schon mehrfach bei amazon und Ebay zum Verkauf gesehen - die war immer recht schnell weg und bei EBAY zu Höchstpreisen weggegangen - klar mit Recht gut nachvollziehbar !

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    Gruß aus Bonn

    Wolfgang

  • Die CD, die ich verkauft hatte, war diese:

    [Blockierte Grafik: http://ecx.images-amazon.com/images/I/51rWpkimcIL._AA300_.jpg]

    Es hat, wie gesagt, zwei jahre gedauert, obwohl mein Preis der günstigste war. Aber ich habe schon CDs oder Bücher bei ebay oder amazon sehr günstig gekauft, die ich lange Zeit nur überteuert gesehen habe - da sehe ich wenig nachvollziehbaren Zusammenhang zwischen Qualität, Nachfrage und Preis, mal ist es so, mal anders.
    Mir gefallen Bernsteins Interpretationen ganz allgemein nicht mehr. Im Prinzip sind mir Hindemiths eigene Aufnahmen die liebsten. Aber momentan habe ich wenig Zeit dafür, und höre dann am ehesten die Klaviermusik.

  • Abgesehen davon war Hindemith zum Zeitpunkt der Aufnahmen (1954-57) Professor in Zürich; ich nehme mal an, dass er da ein Gehalt bezogen hat. Während die Plattentantiemen Ende der 1950er, als die meisten Leute froh waren, sich ein paar Wunschkonzertplatten usw. leisten zu können, für eine LP der Mathis-Sinfonie wohl recht überschaubar gewesen sein dürften.


    "Weiterhin garantierte man Hindemith ein Jahressalär von 30.000 Franken, das damit deutlich über dem üblichen Höchstsatz für Professoren lag (21.900 Franken, zu denen allerdings noch Teuerungszulagen und Kolleggelder hinzukamen)." Laurenz Lütteken: In "der ständigen Mischung von Kunst und Wissenschaft". Hindemiths Tätigkeit an der Universität Zürich im Spannungsfeld eines umfassenden Musikbegriffs. In Musik-Konzepte 125/126 Der späte Hindemith, München 2004, S. 69-85
    Weil Hindemith noch in Yale lehrte, hatte man sich geeinigt, dass er die ersten zwei Jahre für beide Universitäten tätig sein konnte. Das klingt nach viel Gehalt, aber an Tantiemen war, wie richtig bemerkt, nicht viel zu erwarten, die Reisekosten waren nicht unerheblich, und er war ziemlich abgebrannt, weil er in den USA erst nicht viel verdient hatte und jeden entbehrlichen Pfennig zur Unterstützung seiner Familie und Freunde in Deutschland verwendete.

  • Ich finde, daß Hindemith eine sehr gute Klangtechnik und eine gewisse Opulenz benötigt, um angemessen "rüberzukommen" bzw. seine Wirkung zu entfalten. Aus diesem Grunde kann ich mit seinen eigenen Berliner-Mono-Aufnahmen nicht sonderlich viel anfangen. Es sind keine besonders guten Mono-Aufnahmen; sie klingen ziemlich trocken und didaktisch (vielleicht wollte er das so).
    Also da kommt bei mir keine Lust auf mehr auf. Seine Aufnahme des Violinkonzerts mit Oistrach sowie der Konzertmusik op. 50 mit dem Philharmonia Orchestra sind hingegen sehr gut.

    Weitere Aufnahmen, die ich sehr schätze, sind diese:

    - Sinfonie Es-Dur: London Philharmonic Orchestra, Sir Adrian Boult (Everest, 1959). Eine absolut hervorragend klingende Stereoaufnahme, in der Boult ein Temperament an den Tag legt, wie man es Ihm nicht unbedingt zutrauen würde. Ich höre jedenfalls keine andere Aufnahme mehr (Kegel erscheint mir dagegen langweilig).

    - Sinfonische Metamorphosen, Konzertmusik: Philadelphia Orchestra, Eugene Ormandy (EMI, 1978). Einfach gut. Eine sehr leidenschaftliche und mitreissende Aufnahme, die bei mir keine Wünsche offenlässt. Die EMI-Technik ist gut, der vollblütige Philadelphia-Klang kommt sehr gut rüber.

  • Nobilissima Visione - die ganze Ballettmusik...

    [Kopie von hier
    :wink:
    Gurnemanz]


    "Nobilissima Visione", meiner Meinung nach das beste Werk der unseligen zweiten Schaffensperiode, leidet darunter, ausschließlich noble Musik zu enthalten, die einfach nichts Reißerisches hat.


    Bei der Gelegenheit: Kennst Du eine Aufnahme der ganzen Ballettmusik von Nobilissima Visione, und nicht nur der 3-sätzigen Suite?

    Ich kenne diese hier:

    aber die ist sehr dröge gespielt, macht echt keinen Spass...

    Gibt es noch eine andere, bessere Aufzeichnung des vollständigen Balletts??

    zwischen nichtton und weißem rauschen

  • RE: Hindemith mit Bernstein auf DG

    Mir gefallen Bernsteins Interpretationen ganz allgemein nicht mehr.

    Hallo miguel,

    das ist ja noch schlimmer, das Du diese DG-CD verkauft hast. Diese CD (bereits in Beitrag 3 von mir enthusiastisch vorgestellt) ist für mich die beste Hindemith-CD die ich überhaupt jemals gehört habe. Die Sinfonischen Metharmorphosen und die Konzertmusik op.50 hat Bernstein , ja hier bei DG und auf der im Beitrag 27 abgebildetenSONY-CD eingespielt. Bei der Aufnahme mit dem Israel PO geht er in beiden Werken nochmal über sich hinaus und ist noch emotionaler und packender; als Bonbon noch die aktuelle Digitaltechnik - :angel: ein Supergenuss.

    ;+) Aber da Du Bernstein nicht mehr magst ist die Sache klar - Du bist da halt eindeutig anders gestrickt als ich, der so ziemlich alles mit Bernstein sehr hoch schätzt !

    ______________

    Gruß aus Bonn

    Wolfgang

  • - Sinfonische Metamorphosen, Konzertmusik: Philadelphia Orchestra, Eugene Ormandy (EMI, 1978). Einfach gut. Eine sehr leidenschaftliche und mitreissende Aufnahme, die bei mir keine Wünsche offenlässt. Die EMI-Technik ist gut, der vollblütige Philadelphia-Klang kommt sehr gut rüber.

    Hallo inland empire,

    Diese CD habe ich auch und kann deine Beurteilung gut nachvollziehen. Eine gute mitreissende Aufnahme beider Werke von Meister Ormandy, den ich sehr schätze. Ich habe die alte EMI-Ausgabe auch noch (die Neuausgabe ist wie man auf der Abb sieht noch besser gefüllt)
    Da ich gerade die Sinfonischen Metharmorphosen (und ganz besonders den 2.Satz aufs höchtse schätze = sowas ist ganz meine Musik) habe ich natürlich mehrere Aufnahmen. Die im Vorbeitrag mit Bernstein (DG) und in Beitrag 27 mit Bernstein (SONY) sind Beide noch eindrucksvoller als Ormandy. Die Jazzelemente weis Bernstein noch besser zu betonen, die Pauken sind noch präziser, prägnanter. Eine Weitere hat in ihrer Detailgenauigkeit auch noch den Vorzug vor Ormandy - die mit Szell / Cleveland Orchestra (SONY) mit Abb in Beitrag 9.

    ______________

    Gruß aus Bonn

    Wolfgang

  • [Verlegt von dort (Gurnemanz):]

    Bei der Gelegenheit: Kennst Du eine Aufnahme der ganzen Ballettmusik von Nobilissima Visione, und nicht nur der 3-sätzigen Suite?


    Leider kenne ich auch nur diese eine ziemlich schwerfällige Aufnahme - übrigens herrliche Musik, aber keine Ballettmusik.
    :wink:

    Na sdarowje! (Modest Mussorgskij)

  • hallo teleton,

    es freut mich sehr, daß wir mit ormandy auf einer wellenlänge liegen. hindemith und bartok liegen ihm beide ganz ausgezeichnet, und das philadelphia orchestra war mit ihm absolut auf der höhe und hatte einen ganz eigenen, charakteristischen klang. das macht seine aufnahmen für mich so wertvoll.

    die szell-aufnahme der "sinfonischen methamorphosen" habe ich zum glück auch, denn sie ist natürlich absolut grandios. die schärfe und rhythmische poräzision machen ihm so schnell keine anderen dirigenten nach, zudem klingt sie exzellent (übrigens genauso die hindemith-variationen von walton, die dir sicher auch gefallen).

    du solltest dir unbedingt die von mir in beitrag 30 genannte boult-aufnahme der sinfonie in es besorgen. ich kenne bernstein hier (noch) nicht, aber ein amerikanischer amazon-rezensent schrieb, daß bernstein ggü. boult "harmlos" wirke. ich werde das demnächst mal nachprüfen.

    gruß,

    inland_empire

  • Sinfonische Metamorphosen nach Themen von Carl Maria von Weber (1943)

    Die absoluten Hammeraufnahmen von den Weber-Metharmorphosen, der Sinfonie Mathis der Maler und der Konzertmusik op.50 befinden sich aber auf dieser unbekannten und lange gestrichenen DG-CD:

    Was Bernstein aus diesem ansonst wenig beachteten Klangkörper, dem Israel PO raus holt ist unbeschreibbar. Er übertrift auch hier seine ohnehin schon fabelhaften CBS-Aufnahme der Weber-Metharmorphosen nochmal deutlich ... ein Feuer, ein Swing, dass es einfach Riesenspass macht diese CD zu geniessen. :angel: Und dann auch noch in aktueller TOP-DDD-Klangtechnik. ^^ Man, was geht hier die Post ab !

    [Blockierte Grafik: http://ecx.images-amazon.com/images/I/51rWpkimcIL._AA300_.jpg
    DG, 1991, DDD

    Vielleicht zunächst ein paar Worte zum Werk: die viersätzigen "Sinfonischen Metamorphosen" sind letztlich vier zu einem Gesamtwerk zusammengefasste Orchesterbearbeitungen bzw. Nachkompositionen von vier Werken von Carl Maria von Weber. Selbsterklärend ist, worauf der von Hindemith so benannte zweite Satz "Turandot, Scherzo" basiert: nämlich auf Webers "Turandot"-Ouvertüre. Die Vorlagen zu den übrigen drei Sätzen entstammen drei Werken Webers für Klavier vierhändig, und zwar den beiden Klavierstücken op. 60 Nr. 4 und Nr. 7 (Sätze 1 und 4) und dem zweiten der 6 Klavierstücke op. 10 (Satz 3). Das 1943 komponierte Hindemith-Werk beruht auf den Skizzen zu einem Ballett, das Léonide Massine 1940 bei ihm in Auftrag gegeben hatte und das aus Musik von Weber bestehen sollte, die Hindemith zu einer Ballettmusik ausarbeiten sollte. Hindemith zog aber seine ursprüngliche Zusage zu diesem Kompositionsauftrag später zurück, angeblich weil er hörte, dass Massine die Ausstattung des Balletts Salvador Dalí überantworten wollte, von welchem Hindemith an der Metropolitan Opera bereits eine Ballettaufführung gesehen hatte, welche er als "idiotisch" empfand. 1943 kehrte er zu seinen Ballettmusik-Skizzen zurück und komponierte die "Sinfonischen Metamorphosen", welche am 20. Januar 1944 von den New Yorker Philharmonikern unter der Leitung von Arthur Rodzinski in New York City uraufgeführt wurden.

    Die Satzbezeichnungen lauten: 1. Allegro – 2. Turandot, Scherzo – 3. Andantino – 4. Marsch

    Folgende Einspielungen existieren (Quelle: "http://www.paul-hindemith.org/content/view/80/132/lang,de/"):

    Berliner Philharmoniker, Wilhelm Furtwängler
    • Urania URN 22.125 (1999; Aufnahme: 1947)
    RIAS Symphonie-Orchester Berlin, Ferenc Fricsay
    • EMI 5 75109 2 (2002; Aufnahme: 1952)
    Cleveland Orchestra, George Szell
    • Sony Classical SBK 53 258 (1993; Aufnahme: 1964)
    London Symphony Orchestra, Claudio Abbado
    • Decca 433 081-2 (1992; Aufnahme: 1968)
    • Decca 466 271-2 (1998; Aufnahme: 1968)
    • Decca 467 442-2 (1999; Aufnahme: 1968)
    New Yorker Philharmoniker, Leonard Bernstein
    • Sony Classical SMK 47 566 (1992; Aufnahme: 1968)
    Staatskapelle Dresden, Otmar Suitner
    • Berlin Classics BC 3041-2 (1994; Aufnahme: 1969)
    Tschechisches PO, Gaetano Delogu
    • Supraphon 11 0665-2 011 (1991; Aufnahme: 1976)
    London Philharmonic Orchestra, Eugen Jochum
    • BBCL 4176-2 (2006; Aufnahme: 1977)
    The Philadelphia Orchestra, Eugene Ormandy
    • EMI CDC-7 47615 2 (1986; Aufnahme: 1979)
    • EMI 5 86096 2 (1986; Aufnahme: 1979)
    • EMI CDM 5 65175 2(1994; Aufnahme: 1979)
    Atlanta Symphony Orchestra, Robert Shaw
    • Telarc 2CD-80606 (2003; Aufnahme: 1980)
    San Francisco Symphony, Herbert Blomstedt
    • Decca 421 523-2 (1988)
    • Decca 475 264-2 (2003; Aufnahme: 1988)
    Staatsorchester Stuttgart, Dennis Russell Davies
    • 7024-2-C (1989)
    The Philharmonia, Neeme Järvi
    • CHAN 8766 (1989)
    Atlanta SO, Yoel Levi
    • Telarc CD-80195 (1989)
    Bamberger Symphoniker, Karl Anton Rickenbacher
    • VC 791086-2 (1989)
    • Virgin Classics 5 62047 2 (2002; Aufnahme: 1989)
    Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks, Sir Colin Davis
    • Philips 422 347-2 (1990)
    Queensland SO Brisbane, Werner Andreas Albert
    • cpo 999 004-2 (1991)
    ORF-Symphonieorchester, Milan Horvat
    • PILZ 176023-2 (1992)
    New Zealand Symphony Orchestra, Franz-Paul Decker
    • Naxos 8.553078 (1994)
    Berliner Philharmoniker, Claudio Abbado
    • DG 447 389-2 (1995)
    The Philadelphia Orchestra, Wolfgang Sawallisch
    • EMI 5 55230 2 (1995)
    BBC Philharmonic, Yan Pascal Tortelier
    • CHAN 9903 (2001)
    Los Angeles Philharmonic Orchestra, Esa-Pekka Salonen
    • Sony SK 64087 (2005)

    Ergänzen darf ich diese Auflistung dahingehend, dass auch Rafael Kubelik mit dem Chicago Symphony Orchestra im Jahre 1953 das Werk aufgenommen hat - eine Einspielung, die den Verantwortlichen der Hindemith-Homepage offenbar entgangen ist:
    [Blockierte Grafik: http://ecx.images-amazon.com/images/I/61s5RmLTqaL._SS500_.jpg]
    Wer die abgebildete EMI-LP nirgends auftreiben kann, mag die Aufnahme diesem (auch sonst sehr zu empfehlenden) 4 CD-Set entnehmen:

    Die erste Aufnahme des Werks stammt jedenfalls von Wilhelm Furtwängler, und zwar aufgenommen mit den Berliner Philharmonikern am 16. September 1947 im Gemeindehaus Berlin-Dahlem. Man kann diese Ersteinspielung über diverse DG-Boxen beziehen oder auch wohlfeil in diesem 10 CD-Set erwerben:

    Neben den bereits abgebildeten Furtwängler- und Kubelik-Einspielungen sowie neben der oben von teleton abgebildeten Bernstein-CD mit dem Israel Philharmonic Orchestra besitze ich noch folgende drei weitere Aufnahmen:


    London Symphony Orchestra
    Claudio Abbado
    (rec. 2/1968)


    Berliner Philharmoniker
    Claudio Abbado
    (rec. 2/1995)


    San Francisco Symphony Orchestra
    Herbert Blomstedt
    (rec. 11/1987)

    Ich kann teletons Begeisterung für die fulminante Bernstein-Interpretation in seiner auf DG erschienenen Live-Aufnahme aus dem Jahr 1991 voll und ganz nachvollziehen. Unter den Stereo-Einspielungen ist dies wohl die beste mir bekannte Aufnahme, wobei ich auch Abbados Berliner Aufnahme vom Februar 1995 sehr hoch einschätze. Das Orchesterspiel der Berliner Philharmoniker und des Israel Philharmonic Orchestra ist jeweils überragend. Aufnahmetechnisch sind diese beiden DG-CDs (Abbado 1995 und Bernstein) ohnehin kaum zu toppen. Die Decca-Kandidaten (Abbado 1968 und Blomstedt) sind aber interpretatorisch (wie auch klangtechnisch) ebenfalls hochklassig, wenngleich es mir bei beiden doch gelegentlich ein ganz klein wenig an Saft und Kraft fehlt. Aber das sind nur Nuancen.

    Furtwänglers Einspielung fällt völlig aus dem Rahmen. Sie ist vor allem eins: l a n g s a m !!! Im vierten Satz benötigt er mit seinen 5:39 min. eine geschlagene Minute (!) länger als Kubelik und Abbado 1995 (beide 4:39 min.) bzw. sogar mehr als eine Minute länger als Blomstedt (4:31 min.) und Abbado 1968 (4:32 min.). Überhaupt kann man etwas verallgemeinernd sagen, dass alle 5 von mir genannten "Nicht-Furtwängler"-Aufnahmen in puncto Spielzeiten kaum Unterschiede aufweisen, während Furtwängler zumindest in den Sätzen 2 bis 4 Langsamkeitsrekorde aufstellt (z.B. im 3. Satz 4:48 min. gegenüber z.B. 3:45 min. bei Kubelik!). Seine Interpretation ist also im Hörvergleich mit den anderen Aufnahmen extrem gewöhnungsbedürftig. Und überzeugt mich jedenfalls nach zweimaligem Hören bisher noch nicht sonderlich. Das kann sich erfahrungsgemäß aber ändern. Mich würde sehr interessieren, wie andere Capriccio-Nutzer Furtwänglers Interpretation empfinden.

    Kubelik hat eine orchestral brilliante Mono-Einspielung vorgelegt, an welcher mich allerdings eins stört: gerade den fetzigen Abschluss des 4. Satzes "verschenkt" er ein wenig, indem er das Orchester sich hier zurücknehmen lässt (während Bernstein in dieser fetzigen Passage natürlich voll in seinem Element ist).

    Fazit: wer die - leider gestrichene - Bernstein-CD mit dem Israel Philharmonic Orchestra second hand erwirbt, macht nichts falsch. Bei den beiden Abbado-Aufnahmen ebenfalls nicht. Wer das Werk einmal vollkommen anders erfahren möchte, sollte bei Furtwängler zugreifen. Eine Eigenaufnahme Hindemiths gibt es offenbar nicht (Edit: es gibt sie doch, siehe das folgende Posting von Kater Murr), ebensowenig eine Einspielung des Uraufführungsdirigenten Rodzinski.

  • Es gibt eine Aufnahme Hindemiths, 1955 (mono) mit den Berliner Philharmonikern (DGG):

    Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
    (B. Pascal)

  • Da in "Eben gehört..." niemand geantwortet hat/wollte/konnte, versuch ich's hier nochmal :

    Es betrifft Hindemiths Symphonie "Die Harmonie der Welt", die ich von folgender Aufnahme kenne :

    [Blockierte Grafik: http://ecx.images-amazon.com/images/I/41AFFBANK8L._SL500_AA300_.jpg]


    Ich wollte mal anfragen, ob es nur mir so geht oder höre ich am Anfang von Hindemiths "Harmonie der Welt" i-wie das berüchtigte Hagen-Thema aus Wagners GöDä heraus??? ?(

    "Allwissende! Urweltweise!
    Erda! Erda! Ewiges Weib!"

  • RE: Hindemith - Die Harmonie der Welt mit Mrawinsky

    Hallo Succubus,

    wenn Du diese aussergewöhliche :vv: Mrawinsy-Aufnahme hast, dann brauchst Du keine andere mehr.
    ;+) Alle Anderen würden dich dann warscheinlich höchstens nur noch zum Einschlafen bringen können. Ich habe die Pioniertat alle Hindemith-Orchesterwerke auf CD mit den cpo-Aufnahmen mit W.A.Albert. Mehr als Einnicken ist da auch nicht drin ! Von der Sinfonie Harmonie der Welt hatte ich von daher zunächst eine recht schwache Meinung - die war für mich erst mal als uninteressant abgehakt .... bis Mrawinsky mein Ohr erreichte = :juhu:


    Wir hatten gerade im Honegger-Thread ausführlich über diese Mrawinsky-Melodiya-Wahnsinns-CD geschrieben !

    ______________

    Gruß aus Bonn

    Wolfgang

  • Aus Anlass von Paul Hindemiths Tod, der sich in diesem Jahr zum 50. Mal jährt (was neben den "Super-Jubiläen" von Verdi und Wagner schon leicht untergehen kann), fand am 07. April 2013 in der St. Katharinen-Kirche in Frankfurt/Main (an der Hauptwache) ein Orgelkonzert mit dem Organisten Martin Lücker zum Thema "Hindemiths Wurzeln" statt.

    In diesem Orgelkonzert gab es quasi eine Art "Uraufführung" von Hindemiths Sinfonie "Mathis der Maler" in einer von Heribert Breuer angefertigten Orgelfassung, d. h. es handelte sich um die erste Aufführung dieser Orgelfassung und daher gibt es (noch) keine Aufnahme davon. Orgelfassungen von Orchesterwerken sind immer so eine Sache, weil insbesondere schnelle Streicher- und Holzbläserpassagen schwierig auf der Orgel umzusetzen sind aber in diesem Fall fand ich das sehr überzeugend, was einmal an Breuers Bearbeitung und vor allem an Lückers großer Virtuosität liegt.

    Gespielt wurden übrigens noch Werke von Conrad Paumann (ca. 1410 - 1473), Arnold Schlick (1483 - 1522), Girolamo Cavazzoni (ca. 1520 - ca. 1577), J. S. Bach (1685 - 1750), Johannes Brahms (1833 - 1897) und Max Reger (1873 - 1916).

    Wen es interessiert, der hat die Gelegenheit, Martin Lücker mit dem gleichen Programm inklusive der Orgelfassung von der "Mathis der Maler-Sinfonie" in folgenden Städten zu hören:

    - 09.08.2013: Speyer, Dom (20 Uhr)
    - 17.08.2013: Tübingen, Stiftskirche (20 Uhr)
    - 26.09.2013: Hameln, Marktkirche (20 Uhr)
    - 09.11.2013: Leipzig, Gewandhaus (20 Uhr)

    Lionel

    P.S.:
    Ich war mir nicht sicher, ob ich diesen Beitrag im Konzert- oder im Orgelmusik-Thread oder sonst wo schreiben sollte und da dies hier der einzige Thread über Paul Hindemith ist, habe ich mich dafür entschieden, den Beitrag hier zu veröffentlichen. Wenn die Admins/Mods denken, dass der Beitrag an einer anderen Stelle besser aufgehoben ist, kann er von mir aus gerne verschoben werden.

    "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)

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