Nielsen: Die Orchesterwerke außerhalb der Symphonien

  • Nielsen: Die Orchesterwerke außerhalb der Symphonien

    Carl Nielsen ist dem eingefleischten Klassik-Genießer durch seine sechs Symphonien bekannt, meist ist der Umstand bekannt, dass er sechs schrieb, wirkliche Bekanntheit hat lediglich die 4. und inzwischen vielleicht die 5. gemacht.
    Dabei gibt es außerhalb der Symphonien wahre Meisterwerke zu entdecken.
    Am ehesten bekannt ist noch die Helios-Overture, eines der vielleicht vollendetsten Werke Nielsens ist die Tondichtung Pan og Syrinx - grandiose Orchesterbehandlung,voller Fantasie und Inspiration.

    Inland_Empire gab bereits an anderer Stelle eine Empfehlung, vielleicht folgen hier weitere?

    :wink:
    Wulf

    "Gar nichts erlebt. Auch schön." (Mozart, Tagebuch 13. Juli 1770)

  • Wenn es um Aufnahmen mit weiteren Orchesterwerken abseits der Sinfonien von Carl Nielsen geht so kann ich z. B. folgende empfehlen:

    &

    Meiner Meinung nach sind das sehr engagierte Aufnahmen.

    Lionel

    "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)

  • Hallo Lionel,

    danke für die Empfehlungen. Soweit ich weiß, hat Salonen einen sehr starken Bezug zu Nielsen. Auch, wenn ich diese Aufnahmen speziell nicht kenne, glaube ich dir unbenommen, dass sie bestimmt großartig geraten sind. :yes:

    :wink:
    Wulf

    "Gar nichts erlebt. Auch schön." (Mozart, Tagebuch 13. Juli 1770)

  • Hallo Agravin,

    natürlich. Ich verrückter Hund hatte sogar überlegt zu "Aladdin" einen eigenen thread zu eröffnen. Große Bühnenmusik!

    :wink:
    Wulf

    "Gar nichts erlebt. Auch schön." (Mozart, Tagebuch 13. Juli 1770)

  • Zitat

    Am ehesten bekannt ist noch die Helios-Overture...

    Am ehesten bekannt vielleicht, aber jedenfalls nicht so bekannt, wie es diese enorm schlagkräftige Musik verdient hätte - mich wundert es schon seit Jahrzehnten, dass ein solch unmittelbar mitreißendes Werk im allgemeinen Klassik-Highlight-Kanon nicht viel höher angesiedelt ist.

    Ob die Helios-Ouvertüre wirklich zu Nielsens besten Kompositionen zählt, ist natürlich eine andere, gerne eigens zu diskutierende Frage. Ich als naiver Hörer halte sie schon für einen richtig großen Wurf (gerade im Vergleich zu "Pan und Syrinx"), aber da gibt es gewiss auch abweichende Ansichten...

    Viele Grüße

    Bernd

  • Absolut, lieber Bernd, aber da weichst du ja gerne von den Meinungen ab. :D
    Sicher, die Helios-Overture macht eine netten, tragenden Sound, ein hübsches Farbspiel. Bei Pan und Syrinx kommt aber noch die ungemeine Verdichtung des Materials zustande, die äußerst gekonnte Vertonung eines alten Stoffes in kürzester Zeit.
    Das ist schon große Kunst.
    Aber lass mich raten: Wenn, dann hörst du sogar lieber das Violinkonzert als das Klarinettenkonzert :P

    "Gar nichts erlebt. Auch schön." (Mozart, Tagebuch 13. Juli 1770)

  • Lieber Wulf,

    das


    hatte sogar überlegt zu "Aladdin" einen eigenen thread zu eröffnen.

    wäre in der Tat verwegen gewesen. :D

    Ich möchte noch auf die folgenden Nielsenschen Kompositionen hinweisen, die im eigentlichen Sinne ja keine Orchesterwerke, dafür aber ausgesprochen hörenswert sind. Und ein Orchester wird ja auch bemüht:

    :wink: Agravain

  • Zitat

    Aber lass mich raten: Wenn, dann hörst du sogar lieber das Violinkonzert als das Klarinettenkonzert

    Richtig geraten! Das Violinkonzert finde ich großartig, das Klarinettenkonzert tue ich mir freiwillig nicht an. Wenn es Nielsen nicht komponiert hätte, würde mir zu meinem Glück überhaupt nichts fehlen.

    Zitat

    Sicher, die Helios-Overture macht eine netten, tragenden Sound, ein hübsches Farbspiel. Bei Pan und Syrinx kommt aber noch die ungemeine Verdichtung des Materials zustande, die äußerst gekonnte Vertonung eines alten Stoffes in kürzester Zeit.

    Die Helios-Ouvertüre beruht auf zündenden melodischen Einfällen (die zudem meisterhaft verarbeitet werden). In Pan und Syrinx stoße ich nicht auf die gleiche melodische Kraft.

    Beste Grüße

    Bernd

  • RE: Aladdin

    Die von Agravain in Beitrag 4 abgebildten TOP-Chandos-CD´s mit Roshdestwensky habe ich beide auch.
    Auch hier würde ich mir ein russisches Orchester mit Roshdestensky wünschen. Aber davon abgesehen sind das 2 CD´s die ein MUSS für den Nielsen-Freund sind, weil es nur wenige Einspielungen oder gar keine Alternativen dieser Werkeinspielungen gibt.

    Ich muss nun sagen, dass ich das komplette Aladdin-Ballett auf der CD selten ganz gehört habe. Das liegt aber daran, dass ich die kurzweiligere Aladdin-Suite habe und die wird von E.P.Salonnen mit einem Feuer dargeboten, dass selbst Roshdestwensky mit dem Danish National SO bei diesen Sätze der Suite im Regen stehen bleibt.

    :thumbup: Auf dieser Einzel-CD - da wird in der Aladdin-Suite ein emotionales Feuer der Extraklasse abgebrannt (leider trifft das nicht auf die konservativ klingende 4 in seiner GA zu !!! Die 2 ist gut getroffen.):


    CBS, 1989, DDD

    ______________

    Gruß aus Bonn

    Wolfgang

  • Die Bläserkonzerte

    Gestern Abend hörte ich seit längerer Zeit mal wieder die Konzerte für Flöte und Klarinette von Carl Nielsen und zwar mit sehr großem Genuss in dieser Aufnahme:

    Carl Nielsen hatte vor, für jedes Soloinstrument des Orchesters ein Konzert zu komponieren. Leider konnte er von diesem Vorhaben nur die beiden Konzerte für Flöte und Klarinette realisieren. Beide Werke zählen zu Nielsens Spätwerken: Das Flötenkonzert entstand von 1925 - 1926 und das Klarinettenkonzert komponierte Nielsen im Jahr 1928 und er widmete diese Konzerte den Solisten des Dänischen Bläserquintetts (Holger Gilbert Jespersen, Flöte und Aage Oxenvad, Klarinette).

    Das Flötenkonzert hat 2 Sätze (I. Allegro moderato - II. Allegretto - Adagio ma non troppo - Allegretto - Tempo di Marcia). Aufgrund der kammermusikalischen Orchesterbesetzung entsteht ein sehr luftig-lockerer Klang. Die Solo-Flöte ist nicht der alleinige Star, sondern im ersten Satz gibt es immer wieder schöne Dialoge mit anderen Orchesterinstrumenten (Oboe und Klarinette), so dass man zeitweise den Eindruck von einer Sinfonia Concertante haben kann. Der zweite Satz beginnt heiter-unbeschwert aber nach 62 Takten folgt ein sehr poetisch-lyrischer langsamer Teil mit schönen kantablen Passagen des Soloinstruments. Erst zum Schluss läßt Nielsen volksliedhafte-burleske Elemente einfliessen und das Werk kommt zu einem rustikalen Schluss. Prägnant sind auch die Glissandi der Posaune, die man bereits aus dem zweiten Satz der 6. Sinfonie kennt.

    Das Klarinettenkonzert ist auf den ersten Blick einsätzig aber es gliedert sich in die Tempoabschnitte Allegretto un poco - Poco Adagio - Allegro non troppo - Allegro vivace, die alle attaca erfolgen. Im Gegensatz zum Flötenkonzert wirkt das Klarinettenkonzert dunkler, sarkastischer im Tonfall. Sehr starke Parallelen erkenne ich in dem Werk zur 5. Sinfonie und zwar liegt das an dem sehr virtuosen Part der kleinen Trommel, die fast zum gleichwertigen Partner zum Soloinstrument wird. Daher ist es nicht verwunderlich, dass das Klarinettenkonzert bei der Uraufführung auf Ablehnung stiess aber Carl Nielsen geht in diesem Werk konsequent den Weg weiter, den er in seinen letzten beiden Sinfonien eingeschlagen hat.

    Meiner Meinung nach sind Carl Nielsens Bläserkonzerte alles andere als nette "Alterssünden", sondern diese Werke haben es ganz schön in sich und man sollte sich diese Werke wegen ihres herben-spröden Charmes nicht entgehen lassen.

    Lionel

    "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)

  • Ich besitze die oben schon erwähnte dänische Rosh-Aufnahme, mit der ich sehr glücklich bin - Helios, Pan&Syrinx sowie En Aften paa Giske sind als Highlights drauf. Mir liegt diese Musik weit eher als die Sinfonien, mit denen ich seit jahren nicht so wirklich warm werde.

    Wenn Sir Simon in diesem Forum auch nur mäßig beliebt sein mag: Seine Aufnahme der Bläserkonzerte ist schon toll - mit Solisten wie Meyer und Pahud konnte auch kaum etwas schief gehen. Die CD lohnt sich vor allem wegen des absolut genialen Bläserquintetts, wenn es auch in diesem Unterforum nichts verloren hat.

    “I think God, in creating man, somewhat overestimated his ability."
    Oscar Wilde

  • Die CD lohnt sich vor allem wegen des absolut genialen Bläserquintetts, wenn es auch in diesem Unterforum nichts verloren hat.

    Das hat ja auch etwas Eigenes, nämlich hier: Nielsen: Bläserquintett op. 43. Leider kenne ich das bislang ebenso wenig wie Nielsens Opern und seine hier angesprochenen Orchesterwerke, so daß ich mich damit begnüge mitzulesen und meine Wunschliste zu erweitern.

    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz

    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Soweit ich weiß, wollte Nielsen nicht für alle Orchesterinstrumente ein Konzert schreiben, sondern für genau die o.g. Musiker, für die er auch das Bläserquintett geschrieben hat. Davon hat er dann nur das Flöten- und das Klarinettenkonzert geschafft. Es gibt wohl auch historische Aufnahmen aus den 1930ern oder frühen 40ern, auf denen diese dänischen Musiker mit den Werken zu hören sind.

    Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
    (B. Pascal)

  • Stimmt, Nielsen wollte für alle Instrumente des sog. klassischen Bläsersatzes und nicht, wie von mir urspr. behauptet, für alle Soloinstrumente des Orchesters ein Solokonzert komponieren. Mit klassischem Bläsersatz ist dann wohl die Bläserquintett-Besetzung (Flöte, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott) gemeint und Nielsen hatte diese Konzerte wohl für die Musiker des damaligen Dänischen Bläserquintetts vorgesehen.

    "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)

  • Nielsen: Violinkonzert

    Wenn ich bis Beitrag 1 zurückschau, wurde das Violinkonzert op.33 (1911) bisher nicht genannt. Das dreisätzige Werk mit einer Dauer von knapp 36Minuten entstand während der Arbeiten zur Dritten Sinfonie.

    Eine ordentliche Aufnahme legt Kees Bakels (was für ein Name) mit dem Bournemouth SO zusammen mit dem Klarinettenkonzert op.57 und Flötenkonzert (1926) auf NAXOS vor. Die Aufnahme ist von NAXOS eine Übernahme von einem englischen Label. Von daher entfällt hier auch der Naxos-Sound. Die Aufnahmen von 1997 sind gut.

    NAXOS, 1997, DDD

    Vom VC ( + Sinf.1) habe ich auch eine APEX-CD mit Rasilainen, die mir aber wegen fehlender Aussagekraft deutlich weniger zusagt. Da ich das Nielsen-VC wirklich nur einmal benötige steht diese im :D "Verkaufsregal".


    Vom Klarinettenkonzert und Flötenkonzert ziehe ich allerdings die Bernstein-Aufnahmen mit den New Yorker PH vor, die in meiner Nielsen-SONY-GA enthalten sind. Bernstein geht mit weit mehr Elan zur Sache. Die Solisten sind hier wird dort absolut angemessen.

    ______________

    Gruß aus Bonn

    Wolfgang

  • Hallo Wolfgang,

    recht hast du. Allerdings hatte ich vor, zu den Konzerten einen eigenen thread zu eröffnen, denn das Violionkonzert und v.a. das Flötenkonzert haben durchaus eine gewisse Popularität erhalten, die ich gerne über einen eigenen thread ansteuern würde.
    Vielleicht magst du, weil es erster erwähnt, so einen thread eröffnen? Vorausgesetzt, du hältst was von der Idee, klar.

    :wink:
    Wulf

    "Gar nichts erlebt. Auch schön." (Mozart, Tagebuch 13. Juli 1770)

  • Oh, sorry, sehe gerade, dass um die Konzerte schon ein längerer Faden gesponnen wurde.
    Also an alle: was haltet ihr davon, diese gesondert auszukoppeln a la "Carl Nielsen: Die Solokonzerte" ?

    :wink:

    "Gar nichts erlebt. Auch schön." (Mozart, Tagebuch 13. Juli 1770)

  • Eine kleine, höchstens zur Hälfte ernst gemeinte Polemik zu Helios:[Blockierte Grafik: http://cosgan.de/smiliegenerator/vorschau/1293214.png]

    Helios nervt. Das Stück immer wieder als Alibi-Nielsen auf die Spielpläne zu setzen, ist wie den ganzen Schönberg mit "Verklärte Nacht" abdecken zu wollen. Behandelt man das melodische Material mit Weichspühler, so kommt oscarreife Hollywoodmusik dabei heraus. Die Sonne in Helios gehört zu den Sonnen, die nicht untergehen können, ohne dass Jack Sparrow durchs Bild segelt.

    Nun ohne jede Polemik:

    Natürlich ist Helios ein schönes, gutgemachtes Stück. Eines der besseren Stücke der vielen nachromantischen Panoramasoundkulissen. Vielen Nachromantikern hätte es sicher zur Ehre gereicht. Und da man so gerne Sibelius und Nielsen zusammen nennt: Den Sonnenaufgang in Sibeliusens "Nächtliche Jagd und Sonnenaufgang" finde ich weitaus beeindruckender und gekonnter als den in Helios.

    Beste Grüße,
    Falstaff

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