Bemerkungen zur Gegenwelt

  • Nachdem ich nun das Votum des dritten Vorstandsmitglied eingeholt habe, stelle ich fest, dass der Vorstand einstimmig die von mir vorgeschlagene kompromissformel unterstützt: Es wird einen Thread der Aphorismen von Dieu le Roi geben, in dem sie nach Wunsch des Threadstarters unkommentiert stehen, einen zweiten, in dem die Aphorismen seitens der Moderation eingefügt werden, in dem sie diskutiert werden können.


    Begründung: Dieu le Roi verstößt nach Ansicht des Vorstandes nicht gegen die Forenregeln. Weil die Aphorismen z.T. sehr kontrovers sind, wird vom Forum ausdrucklich die Möglichkeit eines Diskussionsforums zu dem Aphorismenforum angeboten. Der Vorstand empfiehlt Dieu le Roi, an der Diskussion tellzunehmen. Eine solche Teilnahme kann aber nur eine freiwillige sein und hat, ob sie nun stattfindet oder nicht, keinen Einflusss auf die grundsätzliche Entscheidung des Vorstands.


    Für den Vorstand
    Peter

    .
    Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
    (Hermann Bahr)

  • Blessed are the peacemakers. They will travel first-class to many conferences, enjoy high salaries, indulge in banquets, get praised in the media, and very occasionally might actually raise the level of peace.


    (Barry Rubin)

    Die Grünen sind die Partei für all diejenigen, die bisher FDP gewählt haben und jetzt noch eine verkehrsberuhigte Straße vor ihrer Villa haben möchten.

  • Dem Aphorismus vorzuwerfen, nur Teile der Wahrheit auszudrücken, kommt der Annahme gleich, die weitschweifige Rede könne sie voll und ganz ausdrücken.


    (Nicolás Gómez Dávila)

    Die Grünen sind die Partei für all diejenigen, die bisher FDP gewählt haben und jetzt noch eine verkehrsberuhigte Straße vor ihrer Villa haben möchten.

  • Der weitschweifigen Rede vorzuwerfen, sie könne die Wahrheit nicht (voll und ganz) ausdrücken, kommt der Annahme gleich, der Aphorismus könne sie ganz ausdrücken.

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

  • A great danger that we face in our modern world is to get so caught up in the pursuit of the blessings that freedom has given us that we come to take freedom itself for granted, and thus fail to see to its maintenance.


    (Robert Hawes )

    Die Grünen sind die Partei für all diejenigen, die bisher FDP gewählt haben und jetzt noch eine verkehrsberuhigte Straße vor ihrer Villa haben möchten.

  • Blessed are the peacemakers. They will travel first-class to many conferences, enjoy high salaries, indulge in banquets, get praised in the media, and very occasionally might actually raise the level of peace.


    (Barry Rubin)


    Wenn ich weiter oben geschrieben habe, dass die Aphorismen der Gegenwelt gegen La Rochefoucauld harmlos seien, so mag dies hier ein Beispiel sein. Der Moralist hätte an zwei Stellen genauer hingeschaut. Rubin schreibt von den Friedensstifter, die trotz hohem Aufwand für sie, einen geringen Nutzen bieten. Diese Kritik mag für viele schon deshalb wenig bewegen, denn wenn man den Frieden für ein hohes Gut ansieht, wird man auch jeden Bissschen loben, das einem dieses Gut erhält oder diesem Gut näher bringt.


    Über die Motive der Friedensstifter wird hier nichts gesagt, da hätte La Rochfoucauld doch nachgefragt, er hätte hinter den gesellschaftlich vorgeschobenen Motiven, die persönlichen der Aktanten befragt


    Zitat


    L'intérêt parle toutes sortes de langues, et joue toutes sortes de personnages, même celui de désintéressé.


    (39)


    Er hätte auch das "Friedenstiften" näher angesehen


    Zitat


    Nous promettons selon nos espérances, et nous tenons selon nos craintes.


    [38]


    und er wäre misstrauisch gewesen, ob nicht hinter dem Friedenstiftern die Vorbereitung des nächsten Krieges stehen könnte.


    Liebe Grüße Peter
    (Übersetzungen findet man im offiziellen Aphorismen-Thread hier)

    .
    Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
    (Hermann Bahr)

  • Man muß erleben, wie in unseren Talkshows, wie in den Zeitungen nur immer die eine von Schwachköpfen kanonisierte Meinung gilt. Jegliche Differenzierung wird sofort zertrampelt. Abweichend Meinungen werden zu Waffen gegen den, der sie äußert, nicht zu Denkangeboten.


    (Walter Kempowski)

    Die Grünen sind die Partei für all diejenigen, die bisher FDP gewählt haben und jetzt noch eine verkehrsberuhigte Straße vor ihrer Villa haben möchten.

  • Man muß erleben, wie in unseren Talkshows, wie in den Zeitungen nur immer die eine von Schwachköpfen kanonisierte Meinung gilt. Jegliche Differenzierung wird sofort zertrampelt. Abweichend Meinungen werden zu Waffen gegen den, der sie äußert, nicht zu Denkangeboten.


    (Walter Kempowski)


    Nun ja, Talkshows gab es zur Zeiten von La Rochefoucauld nicht, aber Salons, die meist besser hinsichtlich von geistvollen Bemerkungen bestückt waren. Aber auch dort ist sicher dieses Phänomen aufgetaucht, bei dem einem Betrachter die Augenbraue hochrutscht.


    Nur: die Pauschalisierung hlft - wie stets - nicht weiter. Schon dieser mäkelige Ansatz "Man muss erleben" nimmt nicht gerade für den Sprecher ein. Wer muss das erleben. Ein Fernseher hat gnädigerweise einen Aus-Knopf. Schon mit meinen eher peripheren Kenntnissen in Sachen "Talkshow" weiß, dass es von der Qualität da Welten gibt, von Reich-Ranicki bis zu Kerner. So ist es BTW auch mit den Zeitungen. Wer naiv im Labyrinth der schwarzen Buchstaben herumtaumelt, wird vielleicht nicht die Unterschiede mitbekommen, gar wenn er noch die internationale Presse wahrnimmt. Es gibt eine größere Anzahl von Qualitätszeitungen, die einen mit Informationen und mit Artikeln versorgt, die alles andere als von Schwachköpfen kanonisiert sind. Doch sehen wir unserem Autor die mangelnde Kenntnis der Presse nach, es ist auch zeitlich aufwändig, sich da einen Überblick zu vrschaffen, zu wissen, wo man was findet.


    Wer sich in eine Talkshow begibt, als Mitglied oder als Publikum, weiß doch, wo er sich befindet. Man besucht keine Talkshow um zu differenzieren (wobei dies überraschender Weise auch geschehen kann), sondern um sein Ego vorzuführen (La Rochefoucauld-Zitate dazu habe ich in Menge). Dementsprechend geht es bei der Abwehr abweichender Meinungen um die Verteidigung des Egos, nicht der Sache.


    Kempowski kommt mir wie einer vor, der in die Hölle geht und dort die Gerechten vermisst ...


    Liebe Grüße Peter

    .
    Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
    (Hermann Bahr)

  • The difference between a democracy and a dictatorship is that in a democracy you vote first and take orders later; in a dictatorship you don't have to waste your time voting.



    (Charles Bukowski)

    Die Grünen sind die Partei für all diejenigen, die bisher FDP gewählt haben und jetzt noch eine verkehrsberuhigte Straße vor ihrer Villa haben möchten.

  • The difference between a democracy and a dictatorship is that in a democracy you vote first and take orders later; in a dictatorship you don't have to waste your time voting.



    (Charles Bukowski)


    Naja, nun unser Suffkopp aus den USA, dessen Kriterium wohl die Schnapssteuer war. Einen solchen Unsinn schreibt wohl nur jemand, der das Glück hatte, zeit seines Lebens in einer Demokratie zu leben. In der UdSSR hätte er sich schnell auf einen Aufenthaltswechsel Richtung Sibirien vorbereiten können - oder in eine andere Station des Archipels Gulag.


    Dann hätte er immerhin von dem kleinen Unterschied erzählen können ...


    Liebe Grüße Peter

    .
    Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
    (Hermann Bahr)

  • Schon mit meinen eher peripheren Kenntnissen in Sachen "Talkshow" weiß, dass es von der Qualität da Welten gibt, von Reich-Ranicki bis zu Kerner.


    Findest du das wirklich? Und wer von beiden steht dann deiner Meinung nach auf welcher Seite der von-bis-Qualitäts-Achse?


    Grüße,
    Micha

  • Findest du das wirklich? Und wer von beiden steht dann deiner Meinung nach auf welcher Seite der von-bis-Qualitäts-Achse?


    Grüße,
    Micha


    Höre ich da ernsthafe Zweifel bezüglich der korrekten Zuordnung auf der nach oben offenen Richterskala? :D


    Im Ernst: Reich-Ranicki hat auch so seine Allüren und auch sicher den einen oder anderen Autor auf dem Gewissen, aber das "Literarische Quartett" hatte zumindest mehr Unterhaltungswert als die durchschnittliche Kerner-Show :D


    Herzliche Grüße, :wink: :wink:


    Christian

    Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

    Cato der Ältere

  • Und immerhin bekam ich dort so manche Anregung (Oft durch die vehemente Verdammung eines Werkes ;+) ), während mich Kerner&Co lediglich dazu anregten, ganz schnell den Umschaltknopf zu betätigen, sobald ich irrtümlich in einer dieser Schwachsinnsveranstaltungen landete.
    lg Severina :wink:

    "Das Theater ist ein Narrenhaus, aber die Oper ist die Abteilung für Unheilbare!" (Franz Schalk)


  • Schon mit meinen eher peripheren Kenntnissen in Sachen "Talkshow" weiß, dass es von der Qualität da Welten gibt, von Reich-Ranicki bis zu Kerner.

    Lieber Peter,


    Du meinst damit aber nicht, daß sie sich beide auf der gleichen Ebene bewegen, oder ;+) ? Von / mit Kerner kenne ich 1/2 Sendung (mehr oder weniger 10 %) von MRR vielleicht 4 oder 5 `Quartette` (immerhin verdanke ich ihm meine Begeisterung für den "Stechlin"). Daß MRR sich medienwirksam in Szene zu setzen versteht und dementsprechend auftritt ist sicher kein Geheimnis.


    Ein Problem sehe ich in der Beobachtung von diversen TV-Sendungen darin, daß m.E. auch Nachrichtensendungen, z.B. `mit dem zweiten sieht man heute besser` zu Talkshows verkommen, wenn man sich da mal eben locker über`s Weltgeschehen die Bälle zuwirft.


    Man muß sich von diversen Dokumentationen, Unterhaltungsrunden und wie sich das alles nennt, den Nachspann anschauen und in Ruhe zugucken, wer wo alles mitwirkt und wer welche Sendung sponsort.

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