Nadja Michael- vom Mezzo-Star zur Sopran-Katastrophe?

  • Zitat

    Die vielgeschimpfte Nadja Michael ....


    Nur ganz kurz: Nadja Michael wird erst "geschimpft", seit sie ins Sopranfach gewechselt ist (Tosca u.a). Sie hat schon in Berlin an der Staatsoper (übrigens auch eine sehr bemerkenswerte Inszenierung, wenn auch "nur" 4 Akte) eine sehr überzeugende Eboli gesungen und gespielt.


    Mehr von mir zum Don Carlo(s), wenn ich etwas mehr Luft habe..... :stern:


    LG
    Rosenkavalier

    Ich glaube, dass es in jedem Sänger einen einzigen, reinen und kleinen Ton gibt, welcher der wahre Ton der Stimme ist, und was immer man tut und wie man auch seine Stimme auf diesen Ton aufbaut, man muss zu ihm zurückkehren können, sonst ist es aus. (Agnes Baltsa)

  • Liebe Rosenkavalierin, was fehlt ihr denn z.B. bei der Tosca?


    Das ist zwar etwas OT: aber ich fand sie gerade bei der sopranigeren und leichtstimmigeren Schleierarie besser als beim Power-Mezzo- Don fatale. Hat sie nciht genug Höhe fürs Sopranfach? Oder zu wenig Lieblichkeit und zu viel Mezzo-Blut? ;)



    Ich kenne sie ja nur als Eboli, habe aber aus Tamino von verschiedener Seite herbe Kritiken gegen sie im Gedächtnis und weiss nciht mehr, was da vorgeworfen wird.



    Ihre Eboli ist für mich wirklich vorbildlich, gerade auch im zusammenhang mit der Inszenierung von Konwitschny.


    F.Q.

    Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)

  • Ihre Tosca in Bregenz war ein einziger stimmlicher Offenbarungseid ! Warum Nadja Michael ins Sopranfach wechselte, weiß - vielleicht außer ihr - keiner....-


    Ciao. Gioachino :shake:

    miniminiDIFIDI

  • Ihre Tosca in Bregenz war ein einziger stimmlicher Offenbarungseid!


    Ich kenne ihre Bregenzer Tosca und bin auch der obigen Meinung. Allerdings habe ich sie kürzlich in der Deutschen Oper in Berlin als Tosca erlebt und da war sie erheblich besser .


    LG Ramona

  • Vielleicht könnte trotzdem netterweise mal jemand meine Frage beantworten, WAS so furchtbar ist- Stimmlicher Offenbarungseid sagt nämlich alles und nichts. :stern: ?(



    F.Q.

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  • Intonation + Wobble. :cry: Aber vielleicht hat sie ja inzwischen die Kurve gekriegt. Meine Schwester hat sie kürzlich an der DOB in der Doppelrolle als Elisabeth und Venus erlebt und war angetan von ihrer Leistung.


    Schließlich hat es Violeta Urmana auch geschafft....


    Ciao.

    miniminiDIFIDI

  • hallo, zusammen,


    hier ein senf der zwangs - kleinschreiberin, der muss sein (achtung, reizthema ;) )


    nadja michael kann weger ihrer darstellerischen fähigkeiten einiges ausgleichen, was auch die bregenzer tosca optisch stimmig machte, aber gesanglich seierzeit gar nicht. sie klang viel zu klein, überfordert, es war m. e. völlig fachspezifisch daneben. ich habe mir damals echt gedacht, was soll das denn?


    auch die macbeth in münchen soll eher wegen der kronleuchter - akrobatik interessant gwesen sein und trotzdem akzeptabel, weil da greislige töne nicht übermäßig stören (übertreibung :) )


    aber elisabeth oder gar venus? stelle ich mir wenig prickelnd vor, vor allem venus :shake:


    aber zur eboli: da sind m. e. mehr "fächer" enthalten und um das stimmlich (!) voll auszufüllen, muss wohl von der dramatischen stimme ausgegangen werden ( o don fatale), die es schafft, im terzett sich in der tiefe gegen die zwei männer durchzusetzen und im "erotischen lied" und der schleierarie auch lyrisch zu werden. komplexe angelegenheit.


    lieber gioachino, violetta urmana ist eine gestandene frau, die mir kräftig genug erscheint, die höhe konditionell zu packen, aber auch sie hatte übergangsrobleme. nadja michael scheint mir aber für typische wagnerrollen physisch nicht sonderlich geeignet. warum tut sie das nur? kann sie es nicht erwarten?


    lg
    :wink:


    ulrica

    Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren (Bert Brecht)


    ACHTUNG, hier spricht Käpt´n Niveau: WIR SINKEN!! :murg: (Postkartenspruch)

  • Nadia Michael als Eboli, Tosca, Elisabeth, Venus, Hänsel, Gretel etc.

    Ihr möchtet sicher einen thread zu dieser offenbar hochinteressanten Sängerin aufmachen! Sobald ich mir den Wiener Don Carlos nochmal angehört habe, gebe ich da bestimmt auch mal meinen Senf dazu, garantiert mit funktionierender Shift-Taste!


    Oh Gott, hier ist gerade FiDi erschossen worden - aber er singt noch... "O Carlo, ascolta"


    :P

    Bernd


    Fluctuat nec mergitur

  • Nadja Michael- vom Mezzo-Star zur Sopran-Katastrophe?

    Ich habe die Diskussion über die grossartige Konwitschny Eboli und umstrittene Tosca/Venus Nadja Michael aus dem Don Carlos Thread abgekoppelt und hierher verlegt.


    F.Q.

    Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)

  • Ich habe die Bregenzer Tosca am Wochenende zufällig im Fernsehen gesehen und hatte von Nadja Michael bis dahin nichts gehört. Schauspielerisch fand ich sie sehr gut, stimmlich hat sie mich gar nicht überzeugt, den Wobble fand ich wirklich störend. Schön zu hören, dass sie nicht immer so singt! Ich glaube, ich werde mich mal bei Youtube auf die Suche nach ihrer Eboli machen....

    Canto, ergo sum.

  • Zum Gesamtgenuß gehört für mich der akustische und der optische Eindruck. Und in der Summe beider Eindrücke war Frau Michael durchaus wettbewerbsfähig.


    Mich hätte wesentlich stärker gestört, wenn neben dem zeitweisen Stimm-wobble der Rest auch noch gewobbelt hätte. Zugegeben, mit der Tosca hatte sie sich nicht die ideale Rolle ausgesucht. Doch ein Offenbarungseid war es mitnichten! Bitte geht nicht so roh mit den Künstlern um. Es sind auch Menschen.

    Grüsse von Sotka

  • auch die macbeth in münchen soll eher wegen der kronleuchter - akrobatik interessant gwesen sein und trotzdem akzeptabel, weil da greislige töne nicht übermäßig stören (übertreibung :) )


    Wenn man an die bekannte Verdi-Briefstelle denkt, in der der Komponist fordert, die Lady solle zumindest die Schlafwandelszene "mit dumpfer, erstickter Stimme" darbieten - dann hat Nadja Michael im letzten Oktober in München eher zu schön gesungen. Ich habe die Aufführung gesehen und schrieb damals:


    Zitat

    Nadja Michael war vor der Aufführung von Bachler als erkältet angesagt worden. Sie zeigte sich, wie zu erwarten, in ihrer ersten Arie + Cabaletta von ihrer schwachen Seite: mit grellen, verrutschten Spitzentönen und verschmierten Koloraturen. Ansonsten liegt die Tessitura der Partie ja nicht so hoch: und hier bietet Frau Michael Vorzügliches, mit der verinnerlicht gesungenen Schlafwandelszene als Höhepunkt. Als Gesamtheit von gesanglicher und darstellerischer Leistung großartig!


    An gleicher Stelle habe ich sie etwa drei Jahre vorher als Eboli gehört: das war nach meiner schwachen Erinnerung ziemlich gut, allerdings ohne den ganz starken Eindruck hinterlassen zu haben.



    Die Bregenzer Tosca (im Fernsehen gesehen) hat mich auch ganz und gar nicht überzeugt. Ich würde mich aber freuen, wenn Frau Michaels Fachwechsel auf mittlere Sicht doch noch gutgehen würde. Die jüngsten Rezensionen scheinen ja darauf hinzuweisen.



    Viele Grüße


    Bernd

    .

  • Der " Offenbarungseid " bezieht sich auf ihren misslungenen Umstieg von Mezzo auf Sopran und darauf, dass sie ein vorzüglicher Mezzosopran gewesen ( leider ! ) ist.


    OT : Ähnliches, allerdings " rückwärts ", plant ja Placido Domingo auf seine älteren Tage : Die Titelpartie in Simone Boccanegra. Nur weil die Höhe nicht mehr optimal ist, auf Bariton umzusteigen, zeugt nicht gerade von Weit - und Einsicht dieses so intelligenten, großen Sängers, womit er unfreiwillig das Klischée bedient, dass Baritone Tenöre ohne Höhe sind bzw. " faule Tenöre ".


    Ciao. Gioachino :shake:

    miniminiDIFIDI

  • Bitte geht nicht so roh mit den Künstlern um. Es sind auch Menschen.


    Das stimmt natürlich, doch wenn man in der Öffentlichkeit steht (was ja im Normalfall selbst gewählt ist), muss man damit rechnen, nicht überall auf positive Resonanz zu stoßen. Natürlich ist sie ein Mensch - so wie wir, und auch wir werden in unserem Beruf an unserer Leistung gemessen.
    Ihre schauspielerischen Leistung wurden hier ja auch mehrfach lobend erwähnt.

    Canto, ergo sum.

  • So, ich war jetzt auch mal neugierig und habe mir die Dame mal auf youtube angehört (was natürlich einen Live-Eindruck nicht ersetzen kann). Verglichen habe ich ihre Eboli und ihre viel kritisierte Tosca. Mit der Eboli verschaffte ich mir einen ersten Eindruck, danach hätte ich sie von ihrer Statur und ihrem Timbre her ziemlich definitv als Mezzo eingestuft, wobei ich mich etwas scheue, Menschen nach einmal Hören oder auf den ersten Blick einem bestimmten Stimmfach zuzuordnen. Dennoch hätte ich sie vielleicht noch ein wenig eher in die lyrische Ecke gesteckt, aber das ist rein persönlicher Geschmack und ich hatte an ihrer Eboli nichts auszusetzen und fand den Stimmklang durchaus passend.
    Zur Tosca kann ich sagen, dass ich da durchaus schon Schlimmeres gehört habe (gut, betreffende Dame ist nicht international bekannt), die Kritik aber bis zu einem gewissen Grad durchaus nachvollziehen kann und man merkte ihr doch sehr deutlich eine gewisse Anstrengung an. Insofern kann man sich fragen, ob sie sich mit dem Wechsel vom Mezzo zum Sopran einen Gefallen getan hat - vielleicht lag ihr aber auch schlicht diese Partie nicht , ich muss sie mir nochmal als Salome anhören.


    Beste Grüße


    Vitellia

    "Die Verpflegungslage ist für den Kulturmenschen eigentlich das Wichtigste" (T. Fontane)



    But that's the beauty of grand opera. You can do anything as long as you sing it (Anna Russell)

  • Das Video aus Bregenz habe ich mittlerweile auch gehört. Kann es sein, daß man hier eine recht voluminöse, langsam schwingende Stimme unter der "Lupe" des Wangenmikrophons einfach "falsch" hört; daß das bemängelte "wobbling" in einem Opernhaus gar nicht auffallen würde? Problematischer finde ich, daß sie einige Phrasen per Zwischenatmen zerschneidet. Man sollte einen Sänger aber auch nicht nach seiner Leistung auf der Bregenzer Seebühne beurteilen.


    Ihre Eboli ist jedenfalls famos. Sie hat mE die stimmlichen Mittel für das Schleierlied nicht wirklich (Agilität, schnelles Ansprechen der Stimme, Leichtigkeit) - aber WIE sie diese Probleme umschifft, das hat Klasse! In den Ensembles ist sie hervorragend, sie ist eine glänzende Sing-Darstellerin (eine glänzende Schauspielerin ebenfalls). Daß sie (in der Live-Aufführung in einer großen Partie) bei der Arie an ihre Grenzen kommt, ist von Verdi so vorgesehen ;). Das ist einfach brutal. Von den Mezzo-Rollen Verdis hat die Eboli, so weit ich sehe, die am höchsten liegende tessitura (bei einem Ambitus von h bis h''); daß eine Sängerin, die diese Rolle so gut beherrscht, ins dramatische Sopranfach wechselt, ist da möglicherweise naheliegend.

    Bernd


    Fluctuat nec mergitur

  • Nadja Michael auf Arte

    Der Fernsehsender Arte zeigt übrigens am 28. Juni 2009 um 19.00 Uhr eine Dokumentation über Nadja Michael aus dem Jahre 2008 mit dem Titel "Verwandlung ist Leben".




    Viele Grüße


    Ramona

  • Schönen guten Abend, Nadja Michael habe ich vor einigen Jahren in den Trojanern von Berlioz in Leipzig gehört. Damals trat sie noch als Mezzosopranistin auf und hat mir sehr gut gefallen. Die Toscaübertragung habe ich mir einige Minuten angehört und dann abgeschaltet, weil ich sie nicht mehr ertragen konnte. In berlin habe ich sie in der Deutschen Oper als Venus und Elisabeth gehört. Sie sang mit einer so schrillen und keifenden Stimme, so daß ich mich auf meinem Sitz nur noch winden konnte. Sie ist ganz sicher eine gute Schauspielerin, aber warum singt sie? Ich weiß, es hört sich nicht so freundlich an, aber ich war sehr brummig an dem Abend.


    Trotzdem freundliche Grüße von Calisto

  • RE: Nadja Michael auf Arte


    Ich hab kurz reingehört und fand mich bestätigt in der Meinung, dass der Wechsel ihr nicht gutgetan hat. Ich habe eben auch noch ihre wirklich sehr sehr gute Eboli vor Augen und Ohren und das schneidet sie in den Sopranpartien eben deutlich schlechter ab.


    LG
    Rosenkavalier

    Ich glaube, dass es in jedem Sänger einen einzigen, reinen und kleinen Ton gibt, welcher der wahre Ton der Stimme ist, und was immer man tut und wie man auch seine Stimme auf diesen Ton aufbaut, man muss zu ihm zurückkehren können, sonst ist es aus. (Agnes Baltsa)

  • Gestern hat Ö1 die "Iphigénie en Tauride" aus Brüssel übertragen, mit Nadja Michael in der Titelpartie, und ich war zuerst sehr skeptisch (ihr wobbeliges Gekreische - noch dazu in einer Gluck-Oper?!), dann aber umso überraschter: so katastrophal ihre Bregenzer Tosca war, so gut gelungen ist ihr die Iphigénie! Ihr Vibrato war viel besser dosiert, in den lyrischen Passagen war der Klang ihrer Stimme kraftvoll rund, ja schön, in den dramatischeren Abschnitten schon ein bisschen schriller, aber immer musikalisch passend, gut und nuanciert interpretiert und stets im Bereich dessen, was angenehm anzuhören ist.


    Liebe Grüße,
    Areios

    "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
    Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.

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