Ausbildung im "richtigen" Stimmfach

  • By the way : Man(n) ist nicht Tenor sondern l e b t diese Stimmfach - im Bewusstsein der Besonderheit....


    Spaß beiseite. Wie bereits vielfach ausgeführt, gilt es zunächst, beim Anfänger die Mittellage zu orten und zu stabilisieren, mit dem Ziel, durch vorsichtige Erweiterung des Stimmumfangs in b e i d e Richtungen das Ideal des einregistriegen Singens zu erreichen. Nie darf der Eindruck entstehen, die Person singe mit zwei oder gar drei verschiedenen Stimmen !Sobald die altitalienische Vorgabe der voce mista ( voix mixte ) in allen jeweils zur Verfügung stehenden Lagen erfüllt ist, kann eigentlich erst an eine wie auch immer geartete Stimmfach - Festlegung gedacht werden, was nicht ausschließt, dass es immer wieder Menschen geben wird, die quasi als Sopran, Tenor usw. geboren wurden.


    Der nicht beruflich singende Mitmensch sollte es genießen, dem "Kloiber`schen Schubladendenken " nicht ausgesetzt zu sein, was ihm viele beglückende Momente individueller Repertoire - Gestaltung beschert ! Der beste Indikator für die Richtigkeit der Entscheidung ist und bleibt das Wohlbefinden beim unangestrengten Singen und die Einsicht, dass wir beide, die jeweilige Literatur und ich, optimal zueinander passen, übrigens nicht nur vokal sondern auch optisch.


    Ciao. Gioachino :fee:

    miniminiDIFIDI

  • Der nicht beruflich singende Mitmensch sollte es genießen, dem "Kloiber`schen Schubladendenken " nicht ausgesetzt zu sein, was ihm viele beglückende Momente individueller Repertoire - Gestaltung beschert ! Der beste Indikator für die Richtigkeit der Entscheidung ist und bleibt das Wohlbefinden beim unangestrengten Singen und die Einsicht, dass wir beide, die jeweilige Literatur und ich, optimal zueinander passen, übrigens nicht nur vokal sondern auch optisch.

    Hallo gioachino,


    ja, das sehe ich ja durchaus ähnlich. Du hast es nur besser auf den Punkt gebracht :)


    Schöne Grüße


    Vitellia

    "Die Verpflegungslage ist für den Kulturmenschen eigentlich das Wichtigste" (T. Fontane)



    But that's the beauty of grand opera. You can do anything as long as you sing it (Anna Russell)

  • Ich auch, siehe oben! :klatsch:


    Das ist ja gerade der Riesenvorteil, den unsere Spezies hat und auch nutzen sollte, wie sie nur kann. Als Vollprofi wird man heutzutage serh früh in eine Schublade gezwungen, um überhaupt eine der raren Stellen zu bekommen- wie schnell dann manche Karrieren zu Edne gehen, ehe sie noch begonnen haben, ist das traurige Ergebnis. :cry:


    Wir dagegen können uns erlauben, auch mal ungestrafte Ausflüge in die Nachbarschaft zu machen und ich freue mich auf mein Clemenza Duett heute abend mit vollem Einsatz der Bruststimme einer Berg-und Tal-Tessitur und einem Sprung vom A zum fis2 ,der eigentlich nur was für Dramatische ist.


    Aber dass ich dabei mal nciht die lustige Zofe oder die elegische Schlafwandelnde sondern eine echte Femme fatale sein und einem Counter- die kalte Schulter zeigen darf - welche Wonne, welche Lust! :thumbup:


    Lieber Gio, bist etwa nun auch Du zum Feen-Junkie geworden??????? Eigentlich wird dieser Smilie bisher nur von den beiden Peters(gestreift und ungestreift) und mir genutzt ;)


    :fee:

    Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)

  • Guten Morgen :)


    Ein kleiner Nachtrag meinerseits noch. Auch wenn ich ja, wie oben gesagt, prinzipiell zustimme, dass Ausprobieren von "fachfremder" Literatur erlaubt sein darf (manchmal kann man an solcher Literatur ja durchaus auch noch was lernen), so werden wir uns hoffentlich einig sein, dass es auch für den (ambitionierten) Laien nicht sinnvoll ist, Literatur zu singen, die sie oder ihn in technischer (oder auch musikalischer Hinsicht) nicht weiterbringt oder ihr/ihm im Zweifelsfall sogar schadet. Und da ich viel von meinem GL halte glaube ich ihm einfach mal, wenn er sagt, dass es (zurzeit?, vielleicht sieht das irgendwann ja ganz anders aus, wenn sich die Technik weiter gefestigt hat) nicht gut ist, wenn ich Mezzoarien singe. Gibt ja auch bei den Sopranen mehr als genug, dass ich gerne mal singen würde.


    Beste Grüße


    Vitellia

    "Die Verpflegungslage ist für den Kulturmenschen eigentlich das Wichtigste" (T. Fontane)



    But that's the beauty of grand opera. You can do anything as long as you sing it (Anna Russell)

  • Liebe capricciöse Animier - Fee,


    ich sei, gewähret mir die Bitte, in Eurem Bund der Vierte ! In Anbetracht der glücklichen Repertoire - Situation für semiprofessionelle Sängerinnen und Sänger, bleibt mir nichts anderes, als der guten Fee zu danken, die uns diese Option beschert hat !


    TOI - TOI - TOI für das anstehende Konzert mit dem männlichen Hochtöner !


    Ciao. Gioachino :sparkle:

    miniminiDIFIDI

  • Ok, dann versuche ich kurz, anhand eines Beispiels zu erklären, was ich meine. Nehmen wir an, ein Bass-Bariton singt einen Vokal "a" auf dem Ton e1, also seinem "hohen e". Dann ist das für ihn ein Spitzenton, der neben guter Stütze auch einiges an Strahlkraft verlangt. Er wird also vermutlich die Oberlippe ein Stück heraufziehen und etwa 2-4 Schneidezähne entblössen. Eventuell muss er auch ein bisschen weiter öffnen. Nun nehmen wir an, ein Tenor sing den gleichen Vokal "a" auf dem gleichen Ton e1. Das ist für ihn ein Ton der Mittellage unterhalb des Passaggio. Er wird daher vermutlich den Ton mit der Oberlippe deckeln (wie sagt man auf deutsch? Italiener nennen das "coperto") und versuchen, die Mundöffnung so klein wie möglich zu halten. Das heisst: Auf dem gleichen Ton passiert muskulär etwas völlig anderes. Wenn ein Tenor bei dem e1 nun "aufmacht" wie ein Bass, dann kann er sicher keinen Lauf nach oben singen. Wenn er das gewohnt ist (weil er früher mal Bass war), dann muss er sich das aktiv abgewöhnen, bevor er sich die Höhe erarbeiten kann.


    Ich denke, ich verstehe schon, was Konrad meint. Natürlich sollte die Grundtechnik bei allen Fächern gleich sein, allerdings wird diese in unterschiedlichen Tonhöhen angewandt. Ich als Mezzo muss in der Höhe früher "dreckig" singen (Ausdruck meines GL), als ein Sopran dies muss. Dieser muss wiederum in der Tiefe früher umschalten.
    Da wir Menschen Gewohnheitstiere sind, wird bei einer Umschulung auf ein anderes Stimmfach erstmal weiterhin eine Orientierung am den Noten erfolgen, also wird jemand, der fälschlicherweise als Sopran angefangen hat, erstmal gar nicht einsehen, dass ein f2 schon ein hoher Ton sein soll, der die entsprechende Technik erfordert, um gut zu klingen.


    LG
    Rosenkavalier

    Ich glaube, dass es in jedem Sänger einen einzigen, reinen und kleinen Ton gibt, welcher der wahre Ton der Stimme ist, und was immer man tut und wie man auch seine Stimme auf diesen Ton aufbaut, man muss zu ihm zurückkehren können, sonst ist es aus. (Agnes Baltsa)

  • Ja, so verstehe ich das auch. Ist für mich auch deswegen schon logisch, weil ja das Passagio bei den unterschiedlichen Stimmlagen an unterschiedlicher Stelle liegt (wobei es hier sicher Überschneidungen gibt).
    Mein GL hat mir das mal an der Stelle gezeigt, wo die Stimme , wie er es nannte, in der (sehr) hohen Lage in den "nächsthöheren Gang" umsschalten sollte :D Die Tönhöhen sind wahrscheinlich nicht in Stein gemeißelt, sicher ist bei der Übergangslage auch nach oben oder unten ein gewisser Spielraum (es heißt ja auch Übergangslage und nicht Übergangston), aber prinzipiell schalte ich als schwerere Sopranstimme bei ca. b'' um, ein lyrischer Sopran tut dies eher bei h'' und ein Koloratursopran dann wohl bei c'''. Wohingegen ein lyrischer Mezzo bei a'' schon auf "Höhe" umschaltet und ein dramatischer Mezzo dann halt bei as''. Wie gesagt, in einem gewissen Rahmen ist das sicher nach oben oder unten verschiebbar - aber ich sollte ein a'' noch "gedeckt" (coperto) singen, während ein Mezzo hier unter Umständen schon öffnen darf. Analoges wird wohl für das eigentliche "Passagio" gelten, hier muss mal als Mezzo wahrscheinlich auch früher umschalten als als Sopran.


    Liebe Grüße


    Vitellia

    "Die Verpflegungslage ist für den Kulturmenschen eigentlich das Wichtigste" (T. Fontane)



    But that's the beauty of grand opera. You can do anything as long as you sing it (Anna Russell)

  • wie autofahren

    hallo,


    klingt seltsam, ist aber in manchen dingen vergleichbar. meine "umschaltstellen" liegen noch einen darunter jeweils die g, laut einer lehrerfeststellung ein indiz für den alt. das gefällt mir insofern, weil es sich nach objektivem kriterium anhört. wie es dann in der höhe weitergeht, ist wohl nicht mehr nur fachabhängig, sondern auch von der individuellen belastbarkeit der bänder und der trainiertheit. in der tiefe kann man weniger dazugewinnen. hier allenfalls durch die fähigkeit der stimmbänder und der begleitmuskulatur, zu entspannen


    es besteht ja auch jede menge spielraum, wie man die register belegt bzw. die mischung gestaltet. die tonhöhen, die vitellia genannt hat (und meine), sind lediglich die ultimostellen.


    ich betone aber, dass speziell bei der oper konstruieren in diesem zusammenhang sich nicht positiv auswirkt. letztlich ist laufenlassen unter anwendung einer techik, die das möglich macht. m. e. ist der fachwechsel wie hier beschrieben, eher ein lagenwechsel, das anpassen an eine andere tessitur, was dann gelingt, wenn die vorherige nicht gepasst hat. bei einer guten technik entstehen dann auch die richtigen färbungen. ich kann nur hoffen, dass die wechsler bei fähigen lehrern sind.


    lg
    :wink:
    ulrica

    Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren (Bert Brecht)


    ACHTUNG, hier spricht Käpt´n Niveau: WIR SINKEN!! :murg: (Postkartenspruch)

  • Guten Morgen :)
    Ein kleiner Nachtrag meinerseits noch. Auch wenn ich ja, wie oben gesagt, prinzipiell zustimme, dass Ausprobieren von "fachfremder" Literatur erlaubt sein darf (manchmal kann man an solcher Literatur ja durchaus auch noch was lernen), so werden wir uns hoffentlich einig sein, dass es auch für den (ambitionierten) Laien nicht sinnvoll ist, Literatur zu singen, die sie oder ihn in technischer (oder auch musikalischer Hinsicht) nicht weiterbringt oder ihr/ihm im Zweifelsfall sogar schadet. Und da ich viel von meinem GL halte glaube ich ihm einfach mal, wenn er sagt, dass es (zurzeit?, vielleicht sieht das irgendwann ja ganz anders aus, wenn sich die Technik weiter gefestigt hat) nicht gut ist, wenn ich Mezzoarien singe.


    Also das würde ich auf jeden Fall unterschreiben. Natürlich ist es nicht zielführend, Literatur zu singen, die einem schadet oder die einen zumindest nicht weiterbringt. Deswegen meinte ich vorher: Ich falle bei höherer Tessitur leichter in alte Fehler zurück, du dagegen anscheinend bei tieferer. Mit diesem Hintergrund scheint es durchaus sinnvoll, wenn du Mezzoarien derzeit eher beiseite lässt, während ich mich auf genau diese sowie nicht zu hohe Sopranliteratur konzentriere, obwohl wir beide Sopran sind. Somit muss man sich als GL eben immer nach den individuellen Schwierigkeiten des jeweiligen Schülers richten.


    ich betone aber, dass speziell bei der oper konstruieren in diesem zusammenhang sich nicht positiv auswirkt. letztlich ist laufenlassen unter anwendung einer techik, die das möglich macht. m. e. ist der fachwechsel wie hier beschrieben, eher ein lagenwechsel, das anpassen an eine andere tessitur, was dann gelingt, wenn die vorherige nicht gepasst hat. bei einer guten technik entstehen dann auch die richtigen färbungen.


    Genau so sehe ich das auch. Man lernt eine richtige Technik und dadurch entsteht die richtige Färbung - die Lage und Färbung vor dem Wechsel war dann ganz einfach nicht richtig für die eigene Stimme (sonst gäbe es ja auch keinen Grund zu wechseln).
    Für mich klingt es bei Konrad so, als könnte jeder jede Stimmlage physiologisch richtig singen, man müsse sich nur für eine entscheiden und die dann entsprechend färben, damit es authentisch klingt. Das würde für mich beispielsweise bedeuten, ich müsste bei Mezzoarien meine Stimme abdunkeln und das wäre dann "richtig". Meiner Meinung ist es aber so: Durch die richtige Technik kommt die eigene Stimmfarbe und Wohlfühllage zum Vorschein und daraus entscheidet sich, ob man z.B. Tenor oder Bass ist. Und nicht: Man kann beides physiologisch richtig singen (klingt also im Bassrepertoire "richtig" nach Bass, im Tenorrepertoire "richtig" nach Tenor), entscheidet sich dann für eines davon und eignet sich dann entweder die eine oder die andere Technik an. Vielleicht habe ich das auch falsch verstanden, aber für mich klingt es so, als ob bewusstes Umfärben richtig wäre. Nach meinem Verständnis ist es das aber nur dann, wenn man davor eine falsche Technik hatte und daher auch falsch gefärbt hat.
    Natürlich gibt es Unterschiede, wann welche Stimme z.B. ins Brustregister wechselt - aber da gibt es doch nicht für ein und dieselbe Person mehrere Möglichkeiten, die alle für ihre Stimme physiologisch richtig sind. Vielleicht kann man bewusst auch ein bisschen höher oder ein bisschen tiefer umschalten, als es für die eigene Stimme ideal wäre, aber das ist dann ja eben künstlich verändert.
    Ich meine, das von Konrad genannte e1, das nicht hoch ist, wenn man es "als Tenor" singt, aber sehr wohl, wenn es dieselbe Person "als Bass" singt, kann meiner Meinung nach bei richtiger Technik nur entweder das eine oder das andere sein.

    Canto, ergo sum.

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