Strauss: "Salome" – das Tor zur Neuen Musik

  • Chleudert den Purchen zu Pohden!

    Einzelne giebt es sogar, auf deren Gesicht eine so naive Gemeinheit und Niedrigkeit der Sinnesart, dazu so thierische Beschränktheit des Verstandes ausgeprägt ist, daß man sich wundert, wie sie nur mit einem solchen Gesichte noch ausgehn mögen und nicht lieber eine Maske tragen (Arthur Schopenhauer)

  • Toller Thread !

    Was folgt sind meine Gedanken dazu.


    Salome, Oscar Wildes "Salome", ist für mich besonders faszinierend auf eine seltsame Art; als Kunstwerk übt es einen Sog aus, eine Besessenheit, ähnlich der der Mondsüchtigen im Drama selber. Das ist nicht überraschend, wenn ich es mir recht überlege und wie ich es versuchen werde in weiteren Beiträgen darzustellen.

    Wildes "Salome" ist als Werk unfassbar und unbeschreiblich, bodenlos und grenzenlos. Ich kenne das so extrem von anderen Werken nicht. Es liegt an dem symbolischen Charakter des Werks – es wirkt auf mich wie eine Silberschüssel, in der sich alles ins Unendliche wiederspiegelt und sich somit des Verständnisses entzieht. Man findet und verliert sich in einem virtuellen Spiegelkabinett.


    In mancher Hinsicht ist Wildes Salome ein Pendant oder eine Antwort auf Wagners Parsifal - gleichzeitig ein Gegenstück, eine Karikatur, ein Widerspruch, ein Trotz, wie auch eine Bestätigung, eine Begleitung, eine Ehrerbietung und ein Versuch der Übersetzung von Wagners musikalischen Mitteln in sprachliche (siehe: Alex Ross Wagnerism) . Auch Oscar Wilde kommt nicht an Wagner vorbei - er muss sich an ihm abarbeiten.


    Richard Strauss engt diese Oscar Wilde Salome mE etwas ein, weil er ihr mit seiner Musik einen Anker schafft, den es bei Wilde nicht gibt, selbst wenn diese Musik ihrerseits es wiederum vermag andere oder neue Türen zu öffnen. Teils liegt das aber mE daran, dass wir schon so auf bestimmte Musikklänge und -abläufe eingefahren sind, dass wir automatisch damit spezielle Dinge assoziieren und damit für uns festlegen.


    Genug der Vorrede....ich werde versuchen, in weiteren Beiträgen Symbole wie den Mond, das Silber, den Tanz, die Schleier aus meiner Sicht zu betrachten. Die Frage nach deren möglicher Bedeutung oder Rolle wurde ja in diesem Thread immer wieder gestellt. Es wird sicher dabei auch zu Wiederholungen kommen und eventuell erkläre ich erst später, was ich vorher schon anspreche. Deshalb meine Bitte alles im Zusammenhang zu verstehen und nicht einzelne Bemerkungen isoliert zu betrachten. Oder einfach nachfragen, wenn ich mich unklar ausdrücke. Ich scheue mich allerdings davor, mich festzulegen, wann ich dazu kommen werde und wie weit ich damit komme - ganz im Einklang mit dem Werk, wie es scheint.



  • Es wurde hier im Thread immer wieder nach dem Mond gefragt. Was soll er da? Ich beziehe mich auf Oscar Wilde, aber dasselbe gilt für Richard Strauss Salome. Wenn nicht, werde ich es erwähnen.


    Die Antwort, in a nutshell:

    ”Der Mond ist wie der Mond, das ist alles.“


    Die lange Version folgt nun hier:


    Alle, die über den Mond sprechen, dichten ihm einen Vergleich an, ausser Herodias, die sich etwas anders ausdrückt. Dazu mehr unten. Für alle ausser Herodias ist der Mond immer wie irgendetwas anderes. Mal ist er jungfräulich unbefleckt (chaste), mal ist er wie ein altes Weib, mal ist er wie ein Weib, das gerade aus einem Grab heraussteigt, mal ist er wie eine kleine Silberblume, mal ist er rot wie blut. Der Mond ist scheinbar immer anders, also nichts Feststehendes, eher als ein Stimmungsbarometer der verschiedenen Figuren zu verstehen, wie jemand hier im Thread schon sagte.


    Tatsächlich - und dies ist ein feiner aber wichtiger Unterschied – handelt sich es aber beim Mond um einen Spiegel, der zurückwirft, was die Figur gerade empfindet oder was sie gerade beschäftigt. (Erklärung dazu siehe unten)


    Die Symbolik des Mondes spielt in Wildes Salome eine wichtige Rolle, wenn nicht die eigentliche Hauptrolle (Erklärung wird sich ergeben). Das Werk besteht nicht aus einer Geschichte, sondern es ist mMn eine Parabel, ein Gleichnis, in welchem Symbole und Symbolik zu uns sprechen. Diese werden zwar durch Worte, also durch Sprache vermittelt, aber diese Worte bedeuten nicht sie selber, sondern haben eine andere Bedeutung, als die, welche man im Wörterbuch finden würde. Salome führt uns in ein unendliches symbolisches Spiegelkabinett. Aber Vorsicht - wenn man zu tief hinenschaut, wird man mondsüchtig und dreht durch. Herodias warnt (bei Wilde): "These men are mad. They have looked too long on the moon."


    Der Mond ist in erster Linie ein Symbol für Weiblichkeit und für Fruchtbarkeit. Diese Bedeutung ist selbstverständlich aus dem Mondzyklus abgeleitet, mit dem (im physiologischen Normalfall) der weibliche Fruchtbarkeitszyklus koordiniert ist. Alles andere leitet sich mehr oder weniger daraus ab.


    Die Fruchtbarkeit des Mondes kann im übertragenen Sinne als Symbol für Schaffen, Schöpfung und Kreativität verstanden werden. So wie ein Menschenpaar einen völlig neuen, noch nie dagewesenen Menschen zeugt und eine Frau ihn austrägt, gebärt und heranzieht, so kann ein Mensch etwas völlig neues konzipieren und schaffen. Er wird dadurch gottähnlich in seiner Schaffenskraft. In diesem Sinne ist der Mond und das Silber (Erklärung zu Silber weiter unten) ein Symbol für Kreativität, besonders für künstlerisches Schaffen und künstlerische Erfüllung eines Menschen. In denselben Themenkreis gehören Kultur allgemein, aber auch Aesthetik und die Idee der Schönheit. Ein Mensch, der nach dem Schaffen von ästhetisch Schönem strebt, steht unter dem Einfluss des Mondes.


    Silber ist das Metall, was herkömmlich mit dem Mond assoziiert wird und es ist das Metall der Königin, aber auch das des weiblichen Geheimnisses, und der Tendenz sich nur vorübergehend in vollen Herrlichkeit und Klarheit zu zeigen und sich sonst mehr oder weniger zu verschleiern, je nach Gelegenheit und Stimmung. Dies ist refelktiert im wellenartigen 28 Tage Zyklus des Mondes und in seiner Tendenz durch Wolken von unserem Anblick (!!) verhüllt zu sein (siehe Schleier oder Verschleierung).


    Wichtig zu erwähnen ist eventuell noch die Verbundeheit des Mondes mit Wasser und grossen Wasserkörpern, also Meeren und Flüssen. Einerseits kann man im Mondlicht baden und dadurch im übertragenen Sinne eine gewisse Reinheit oder sogar Taufe empfangen (was auch dem Silber des Lichts geschuldet ist), andererseits bewegt der Mond die riesigen Weltmeere unaufhörlich hin und her, und ohne den Mond sähe unser Planet gänzlich anders aus.


    Der Mond wird auch in der Alchemie (Oscar Wilde war Freimaurer, siehe unten) mit dem Element Silber assoziiert. Argentum ist eines der 7 Metalle, mit denen sich Alchemie befasst. Argentum, also Silber, steht für Mondenergie, Mondlicht, Gleichgewicht zwischen Schwarz und Weiss, Reinheit, Säuberung, Heilung, Klarheit, Stärke, Weiblichkeit, intuitive Weisheit. Schwarz verleit Silber seine geheimnisvolle, verdeckte, verschleierte Seite. Weiss verleiht ihm Reinheit und die Eigenschaft eines Spiegels, der Dinge zurückwirft, von woher sie kamen. Das Geheimnis im Silber ist durch seine weisse Reinheit nicht von Übel.

    Aber auch Silber kann zum Gift werden, wenn man es in zu grossen Mengen konsumiert. Allerdings wird das Silber des Mondlichts sehr konservativ dosiert, denn er scheint ja nicht immerzu, sondern er nimmt in riesiger Wellenbewegung regelmässig zu und ab und kann auch sonst, allerdings dann unregelmässig, von Wolken teilweise oder ganz verhüllt werden. Eine Überdosis silbernen Mondlichts wird deshalb von Natur aus verhindert, besonders wenn man erwägt, dass wir doch als Lebewesen diesen natürlichen Gegebenheiten angepasst sind (sonst gäb‘s uns ja nicht mehr).


    In der Antike wurde der Mond mit verschiedenen Göttinnen * assoziiert, je nach Kultur. Die sumerische und babylonische Göttin Inanna oder Ishtar war eine davon, auch Namen wie Artemis, Selene, Diana, Heng-o, IxTel, Isis usw sind bekannt. Interessant ist, dass Mond, Silber, Weiblichkeit und Fruchtbarketi oft zusammenkommen und dass auch nicht selten die Jagd und sogar Krieg mit einem Bein in der Mond- oder Silberenergie stehen. Das wird verständlich, wenn man sich überlegt, was weibliche Energie im Mann auslöst und wozu sie ihn inspiriert. Im Einfluss des Mondes und seines Lichts entstehen entweder Kunstwerke – Frau als Muse – oder der Mann reitet morgens in seinem Silbermantel aus zu frischen Heldentaten, wie Siegfried (God forbid Grins1 ). Er geht tatsächlich „schaffen“.


    Und hier sind wir angelangt bei Jokanaan, der doch tatsächlich behauptet, dass mit Frauen das Übel in die Welt einzog. Und ich mache eine gedankliche Pause.

    * (Erwähnen sollte ich wohl, dass es auch männliche göttliche Vertreter des Mondes gab.)


    Oscar Wilde war eine zeitlang aktiver Freimaurer. Er war also mit dem Umgang von Symbolen vertraut. Viele Symbole der Freimauerer sind übernommen aus der spirituellen Alchemie, welche zur Veredelung der menschlichen Seele diente. Wie bekannt und oft verkannt, spielen gegensätzliche Paarungen wie schwarz/weiss, Sonne/Mond und männlich/weiblich eine Rolle, sowie die 7 Stufen einer Leiter. Die tatsächliche Verwandlung von Metallen zu Gold ist im übertragenen Sinne zu verstehen – und Silber ist eines dieser 7 in der Alchemie wichtigen Metalle.


    Freimaurerei und Alchemie entziehen sich ebenso wie Kunst weitgehend der Erklärung durch das direkte Wort. Durch erklärende Aussprache wird der Gehalt des zu Vermittlenden eingeengt, verzerrt, trivialisiert und in gewissem Sinne zerstört. Hinzuzufügen ist, dass man sich durch allzu genaue Erklärung dem Hybris hingibt, der Sache überlegen zu sein. Dass Abrahamitische Religionen Gott keinen Namen geben und sich kein Abbild von ihm machen, entspringt genau diesem Gedanken. Es ist so gesehen einerseits kein Zufall, dass sich eine beträchtliche Anzahl von Künstlern zur Freimaurerei hingezogen fühlten, andererseits gehört es wohl zu den ewigen Geheimissen, wie ein Künstler ein Werk schaffen kann, das er selber aber nicht erklärt, sich ihm also unterordnet.


    Weit entfernt bin ich davon, diese gesamte Angelegenheit der Freimaurerei oder gar der Alchemie als Wahrheit beweisen oder widerlegen zu wollen. Am Ende ist es eine Glaubensfrage, die man als solche respektieren sollte. Wichtig ist mir daran nur, dass es den eindeutigen Beweis über Oscar Wildes Vertrautheit mit dieser Symbolik gibt. Man kann natürlich nicht davon ausgehen, dass der Mond, das Silber und die Ziffer 7 in „Salome“ genau die Inhalte aus diesen kontroversen Quellen wiedergeben wollen, wer würde das auch prüfen können, aber man liegt sicher nicht ganz falsch, wenn man sich durch einige Aspekte dieser Symbole inspirieren lässt oder ihnen den Gefallen tut, ihre Relevanz zu prüfen. Denn ich glaube, dass genau das von Wilde beabsichtigt war – eine Inspiration, ein Anzupfen einer zarten Saite, ein Triggern des Unterbewusstseins anhand von Zeichen, Bildern und Assoziationen. Wilde war als Initiierter in der Position, davon Gebrauch zu machen - davon kann man wohl ausgehen.



    Einmal editiert, zuletzt von Amethyst ()

  • ( Bitte als Fortsetzung im Zusammenhang mit vorheringen Beiträgen lesen. )


    Lord Douglas beginnt "Salome" so:


    THE YOUNG SYRIAN How beautiful is the Princess Salomé to-night!

    THE PAGE OF HERODIAS Look at the moon! How strange the moon seems! She is like a woman rising from a tomb. She is like a dead woman. You would fancy she was looking for dead things.

    THE YOUNG SYRIAN She has a strange look. She is like a little princess who wears a yellow veil, and whose feet are of silver. She is like a princess who has little white doves for feet. You would fancy she was dancing.

    THE PAGE OF HERODIAS She is like a woman who is dead. She moves very slowly.


    Im Französischen geht dieser Dialog so:


    LE JEUNE SYRIEN. Comme la princesse Salomé est belle ce soir!

    LE PAGE D’HÉRODIAS. Regardez la lune. La lune a l’air très étrange. On dirait une femme qui sort d’un tombeau. Elle ressemble à une femme morte. On dirait qu’elle cherche des morts.

    LE JEUNE SYRIEN. Elle a l’air très étrange. Elle ressemble à une petite princesse qui porte un voile jaune, et a des pieds d’argent. Elle ressemble à une princesse qui a des pieds comme des petites colombes blanches. . . On dirait qu’elle danse.

    LE PAGE D’HÉRODIAS. Elle est comme une femme morte. Elle va très lentement.


    Bei Strauss/Lachmann geht er so:


    NARRABOTH: Wie schön ist die Prinzessin Salome, heute Nacht !

    PAGE:: Sieh die Mondscheibe, wie sie seltsam aussieht. Wie eine Frau, die aufsteigt aus dem Grab.

    NARRABOTH: Sie ist sehr seltsam. Wie eine kleine Prinzessin, deren Füsse weisse Tauben sind. Man könnte meinen, sie tanzt.

    PAGE: Wie eine Frau, die tot ist. Sie gleitet langsam dahin.



    Wer ist "sie"?


    Es wurde hier im Thread angemerkt, dass die Figuren an sich vorbei reden. Das ist der erste Eindruck, den die Sprache uns vermittelt. Dem Dialog wird damit das Menschliche oder die Menschlichkeit entzogen. Es bieten sich dann in der Folge inhaltliche Interpretationen an, wie Kommunikation sei zusammengebrochen zwischen den Polen Natur und Geist, zwischen männlich und weiblich, zwischen neuen und alten Kulturen und Weltansichten. Ein Riss, ein unüberwindbarer Graben, eine Art Schisma kündet apolkalyptisches Geschehen voraus. Ich empfinde es ebenso.


    Nur ist das mE nicht alles.


    Was wäre, wenn wir durch diese fehlende Menschlichkeit auf eine Ebene des Textes aufmerksam gemacht werden sollen, die eben genau seine Essenz widerspiegelt? Eine Ebene, auf der Kunst „ist“ und nicht „will“ ? Absolute Kunst vs Kunst als Übermittler von Inhalt? Das Drama „Salome“ als ein Exempel für absolute Kunst, welche so absolut ist, dass sie sich selbst zum Thema macht? Was für ein Geniestreich, was für ein Witz, was für ein Spiegelkabinett !!


    „Der Mond ist wie der Mond“, das ist alles. Dies ist der Schlüsselsatz dieser Ebene. Der Mond, als Symbol für Kreativität, wird durch sein reines, unbeflecktes Silberlicht zum Symbol für absolute Kunst. Kunst ist Kunst, das ist alles.


    Das Drama, welches sich vor unseren Augen auf dieser Eben abspielt, von Menschen unantastbar, doch anhand von Menschen instrumentalisiert, ist Oscar Wildes Geniestreich, mMn seine Antwort auf Wagners Idee der Kunstreligion.


    Der Mond als Vertreter der absoluten Kunst (mit Anspruch auf Ewigkeit und Naturgegebenheit, mit Anspruch darauf, dass ein Mensch ihm nichts anhaben kann) wird herausgefordert by a new kid on the block. Ein Greenhorn, mit missionarischen Absichten - diese oft unappetitlich dargestellt, mit zum Teil verwirrten oder völlig absurden Episoden gespickt, mit Drohungen versehen und erhobenem Zeigefinger vorgetragen. Man muss sich mental verrenkten, um sie als vernünftiger Mensch widerspruchslos annehmen zu können, so absurd und manchmal pervers kommen sie daher. Noch dazu werden die missionarischen Absichten als Opium verpackt; Menschen sollen in die richtige Richtung manipuliert werden, überrollt, betört – alles, weil der Zweck die Mittel heiligt und man als Prophet sich dazu berufen fühlt, als Missionar das „Richtige“ zu tun.


    Dies geht sicher als bitterböse Satire nicht nur an Wagners Adresse, sondern in milderer Version an alle Vertreter des „Gegenpols“. Nur kann man sich so schön an Wagner mit seinen grössenwahnsinnigen Ideen reiben. Und zeitgemäss taten das ja auch viele Künstler, siehe Alex Ross Wagnerism.


    Oscar Wilde hat diesen Disput mMn unvergleichbar meisterhaft angelegt, in einen trefflichen Rahmen gesetzt und diesen nicht nur hinreissend an- und ausgefüllt, sondern sogar wundersam gesprengt. Denn selbst diese Parabel über Kunst ist wieder nur ein Bild. Dahinter steht das Geheimnis des Lebens, welches grösser ist als das Geheimnis des Todes. Man begibt sich in das Spiegelkabinett - und da ist sie, die Unendlichkeit.


    (Fortsetzung und Erklärung folgt. Bitte alles immer im Zusammenhang lesen, auch mit vorherigen Beiträgen. )

  • My Salome is a mystic, the sister of Salammbo, a Sainte Thérèse who worships the moon”

    Oscar Wilde (according to Philippe Jullian 1969)


    Es dürfte offensichtlich sein, dass im Text gleich zu Beginn eine Paralelle zwischen Salome und dem Mond geschaffen wird. Dies geschieht hauptsächlich durch die kunstvolle Anwendung des gemeinsamen Personalpronomens. Einmal bezeichnet „elle“, „she“ oder „sie“ den Mond, das andere Mal ist Salome gemeint, aber wenn man den Text wirklich ganz wörtlich nimmt, ist die Zuordnung nicht eindeutig.


    Lord Douglas beginnt "Salome" so:


    THE YOUNG SYRIAN How beautiful is the Princess Salomé to-night!

    THE PAGE OF HERODIAS Look at the moon! How strange the moon seems! She is like a woman rising from a tomb. She is like a dead woman. You would fancy she was looking for dead things.

    THE YOUNG SYRIAN She has a strange look. She is like a little princess who wears a yellow veil, and whose feet are of silver. She is like a princess who has little white doves for feet. You would fancy she was dancing.

    THE PAGE OF HERODIAS She is like a woman who is dead. She moves very slowly.


    Im Französischen Original heisst es:


    LE JEUNE SYRIEN. Comme la princesse Salomé est belle ce soir!

    LE PAGE D’HÉRODIAS. Regardez la lune. La lune a l’air très étrange. On dirait une femme qui sort d’un tombeau. Elle ressemble à une femme morte. On dirait qu’elle cherche des morts.

    LE JEUNE SYRIEN. Elle a l’air très étrange. Elle ressemble à une petite princesse qui porte un voile jaune, et a des pieds d’argent. Elle ressemble à une princesse qui a des pieds comme des petites colombes blanches. . . On dirait qu’elle danse.

    LE PAGE D’HÉRODIAS. Elle est comme une femme morte. Elle va très lentement.


    Der Dialog erscheint fast wie eine Anspielung auf eine Commedia dell’arte, mit Schleier, Tanz – tanzenden Taubenfüssen - und Clair de Lune. Er ist unscheinbar, dieser Eingangsdialog, aber es wird hier mit minimalsten Mitteln eine Menge an Inhalt vermittelt. In einem entmenschlichten Dialog sprechen entmenschlichte Figuren über einen im Widerspruch dazu beinahe vermenschlichten Mond. Auch Innamorati sind dabei und es entsteht beinahe eine Verwechslung zwischen Charakteren – alles gebadet in silbernes Mondlicht – grossartig!


    Die deutsche Übersetzung nimmt eine Textänderung vor, denn mit einem maskulinen Mond käme keine Paralelle zustande. Man sieht also, dass Lachmann den beabsichtigten Effekt erkannt und sich mit ihrer „Mondscheibe“ Abhilfe geschaffen hat. Durch die Flüchtigkeit des gesprochenen Wortes entsteht im Theater diese Verwechslung und Assoziation natürlich eher als beim Lesen, denn man kann nicht die Uhr zurückdrehen, um nachzuprüfen, ob man richtig verstanden hat.


    Im französischen Original findet man eine Beschreibug des Mondes, die fast wörtlich für Salome wiederholt wird, nämlich „la lune - elle a l‘air tres etrange“. So wird auf die Ähnlichkeit oder Verbundenheit von Salome und Mond hingewiesen. Im Englischen und Deutschen funktioniert dies nicht ganz so perfekt, aber der Effekt kommt dennoch leicht vermindert zustande. Mir ist die Stelle jedenfalls auch im Englischen sofort aufgefallen.


    Das hier so kunstvoll begonnene Verschmelzen von Salome mit dem Mond wird im Ablauf des Werks fortgeführt.

    Dazu hier diese beiden auf sich bezogenen Stellen:


    THE YOUNG SYRIAN She [Salome] is like a dove that has strayed.... She is like a narcissus trembling in the wind.... She is like a silver flower.

    ….

    SALOMÉ How good to see the moon! She is like a little piece of money, you would think she was a little silver flower.


    Offensichtlich haben der Mond und Salome grosse Ähnlichkeit, denn der Syrier sieht Salome so, wie Salome den Mond sieht.


    Oscar Wilde nutze in einem ganz anderen Zusammenhang die Beschreibung “....a minion of the moon.....“, also ein Günstling oder - feminin - eine Begünstigte des Mondes, eine Vertreterin des Mondes, eine Verkörperung des Mondes, oder eventuell sogar jemand, der den Auftrag des Mondes ausführt, in seinem Sinne handelt. Wie gesagt, er sprach dabei nicht über seine Salome. Dennoch kann man hieraus entnehmen, wie nahe ihm der Einsatz von Symbolik und rhetorisch stilitistischen Mittel standen. Die Alliteration unterstreicht hier den Eindruck, dass der Mond eine besondere Beutung jenseits einer nur alltäglichen haben soll. Wenn man Salome nun als eine Art „minion of the moon“ zu verstehen beginnt, dann wird eventuell auch bewusst, wie sie auch die Fruchtbarkeits- und im übertragenen Sinne die Musenrolle oder sogar die dramatische Verkörperung von „Kunst“ als handelnde Figur einnehmen könnte – eben als Statthalterin des Mondes.


    Oscar Wildes Äusserung, dass Salome eine mystische Erscheinung sei, eine Saint Therese, die den Mond anbetet, zeigt uns, dass in seinem Denken seine Salome spirituelle Qualitäten besitzt oder eine spirituelle Position einnimmt. Die Vergleiche mit Blumen, wie die im Wind zitternde Narzisse und die silberne Blume, sind Anspielungen auf Saint Therese, welche in England den Beinamen „little flower“ hat. Dass der Glaubensweg der heiligen Therese ausser den zum Glauben inspirierenden einige für mich eher unappetitliche Elemente enthält, widerspricht dem nicht. Im Gegenteil, es trägt zu meinem Verständnis von Wildes „Salome“ als Beleuchtung der Ästhetik-Frage bei. Denn Wilde verstellt mMn letztendlich die Paralelle zu einer Art Travestie.


    Saint Therese war ein Mädchen mit traumatisierter Vorgeschichte. Später, als 11 Jährige, empfing sie bei ihrer ersten Kommunion den „Kuss der Liebe“ und gewann dabei einen Eindruck ihrer Vereinigug mit Jesus, welcher bezeichnenderweise durch eine Art Ekstase geprägt war. Später wird sie Anhängerin der "Heiligen Antlitz Jesu" Bewegung und kommuniziert nun unaufhörlich betend mit dem Bildnis des leidenden Kopf Jesu; sie praktiziert Hingabe an die „Wiedergutmachung“ von Jesu Leiden, empfindet also das Bedürfnis nach Einswerden mit seinen Leiden zur Erlösung ihrer und Anderer Sünden.....die Paralellen zu Wildes Salome sind auffällig. Weiterhin entsteht eine Paralelle zu Parsifal durch den Mitleidsgedanken mit dem Erlöser.


    Zurück zum Mond. Salomes Textstelle geht weiter:


    SALOMÉ How good to see the moon! She is like a little piece of money, you would think she was a little silver flower.

    The moon is cold and chaste. I am sure she is a virgin, she has a virgin's beauty. Yes, she is a virgin. She has never defiled herself. She has never abandoned herself to men, like the other goddesses.


    Wie schon in einem vorherigen Beitrag geschrieben, ist es wahrscheinlich, dass Wilde dem Silber symbolische Bedeutung zumisst. Eine der möglichen symbolischen Bedeutungen von Silber ist seine Spiegelwirkung. Das Silber des Mondlichts wirft Dinge dorthin zurück, woher sie kamen.

    Salome schaut also hier den Mond an. Er sieht aus wie eine Münze. In unserer Vorstellung sieht diese glänzend silbrig aus. Alles, was Salome von nun an sagt, ist mE eine Reflektion, die zwischen ihr und dem Mond hin und her geworfen wird. Der Mond ist kühl und unbefleckt. Er ist eine Jungfrau usw. Schliesslich beschreibt Salome ihn als eine Göttin, also die Mondgöttin. Salome agiert von nun an in meinem Denken dramatisch als eine Gestalt der Mondgöttin.


    Die erste Anspielung auf Salomes göttliche Gestalt befindet sich schon im Eingangsdialog und zwar mit der Erwähnung ihrer Taubenfüsse. Zum Ersten repräsentieren weisse Tauben spirituelle Reinheit, sind damit also ein weiteres Indiz für die spirituelle Positionierung Salomes, zum Weiteren wird die sumerische-babylonische Mondgöttin Ishtar oder Inanna manchmal mit Taubenfüssen und übrigens auch Taubenflügeln abgebildet oder sogar in Gänze als Taube. Hier eine Abbildung:


    Inanna - Wikipedia
    en.wikipedia.org


    Eine weitere Textstelle dazu; leider bei Lachmann/Strauss nicht zu finden:


    THE YOUNG SYRIAN The Princess has hidden her face behind her fan! Her little white hands are fluttering like doves that fly to their dove-cots. They are like white butterflies. They are just like white butterflies.


    Allerdings macht Lachmann das Taubenbild an einer dramaturgisch bezeichnenden Stelle bei nahe zu einer Visitenkarte und hebt es dadurch hervor, nämlich genau bevor Salome zum ersten Mal auftritt.


    Etwas sehr Wichtiges trägt im Eingangsdialog zur Verwirrung bei. Der Mond und seine dramatisch handelnde Verkörperung Salome werden einerseits durch Wiederholungen und gemeinsames Personalpronomen miteinander assoziiert, andereseits werden sie scheinbar widersprüchlich dargestellt. Der Mond hat einerseits eine alte, langsam gleitende, aus dem Grab steigende und nach Tod suchende weibliche Gestalt. Er hat aber auch eine schöne, junge, mit silbrigen Taubenfüssen tanzende weibliche Gestalt, mit einem gelben Schleier versehen.


    Man könnte also erwägen, ob Wilde hier auf die wissenschaftlich-anthropologisch bekannte Spaltung der Mondgöttin in zwei Erscheinungen hinweist. Salome verkörpert so die junge Gestalt, Herodias die alte. (Erklärung folgt.) In Aubrey Beardsleys Illustrationen der englischen Ausgabe erscheint es auch so. Selbstverständlich ist die Idee der beiden Gestalten auch wieder nur im übertragenen Sinne zu verstehen; beide stünden für abstrakte Konzepte, welche aber als Personen auf der Bühne dramatisch eingesetzt werden können.


    PS: Nochmals, um Missverständnissen vorzubeugen....mein Vorhaben ist nur zu berichten, was ich in und zu "Salome" finde. Mein Vorhaben ist weit davon entfernt irgendeine Glaubensrichtung zu kritisieren, zu belegen oder zu widerlegen.






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  • (Bitte als Fortsetzung des vorherigen Beitrags verstehen )


    Hier im Thread kam weiterhin die Frage auf, welcher Bedeutung das Verhältnis des jungen Syriers mit dem Pagen zukommt. Interessant ist eventuell dazu wiederum eine antropologische Sicht auf Ishtar, die Mondgöttin, für deren Kult es für bestimmte Abschnitte sumerischer Geschichte auch Hinweise auf praktizierte Homosexualität, non-binary gender identification und cross-dressing der männlichen Priester gibt.


    Auch wird Ishtar zugeschrieben, dass ihre Kräfte Männer zu Frauen machen. Damit wird Männern eine Fruchtbarkeit im übertragenen Sinne zugesprochen. Dies würde genau die Möglichkeit widerspiegeln, dass in „Salome“ Kreativität und Kunst thematisiert wird – auf der Bühne dramatisiert mit Hilfe von Anhängern der Mondgöttin und ihrer Gegenspieler.


    Vor diesem Hintergrund wird auch eine Deutung des Salome-Syrier-Pagen Dreiecksverhältnisses möglich, welche Salome dann also die spirituelle Postion der Mondgöttin zuweisen würde. Ihre Verehrung durch den Syrier ist dann auch spirituell zu verstehen. Ihn verbindet innerhalb dieser Deutung eine fundamentale spirituelle und kulturelle Liebe mit Salome. Sein ganzes Sein ist auf sie ausgerichtet. Er schaut sie immefort an, wie wir wissen - dies is mMn in seinem Fall (nicht in Herodes Fall) im übertragenen Sinne zu verstehen. Er hegt kein reales sexuelles weltliches Liebes-Begehren für sie, wird ihr aber absolut hörig, auch mit seinen körperlichen, realen Handlungen, in dem Moment, wo sie ihm verspricht, ihn von ihrer Sänfte aus anzusehen. Bis zu dem Moment kann er ihrem Gesuch Jokanaan heraufzuholen widerstehen, aber das Versprechen des „Ansehens“ macht ihn letztendlich hörig, es beraubt ihn seiner eigenen Entscheidungskraft. Schon nur der Gedanke daran, dass sie ihn anschauen wird, bezwingt ihn.


    Diese Stelle und sein späterer Selbstmord erschienen mir immer unglaubwürdig – nun wird mir aber beides mit spirituellen Ergebenheit des Syriers und der seltsamen Kräfte Salomes erklärt. In dem Moment, wo der junge Syrier meint zu erkennen, dass Salome seinen spirituellen Idealen nicht entspricht, bricht seine Welt zusammen, und er kann nicht mehr in ihr leben. Dazu gibt es eine weitere interessante Stelle im Original, welche bei Lachman fehlt - die Stelle, an der der Syrier von dem Pagen mit Narziss assoziiiert wird (vielleicht später mehr dazu)


    THE PAGE OF HERODIAS

    He was my brother, and nearer to me than a brother. I gave him a little box
    full of perfumes, and a ring of agate that he wore always on his hand. In the
    evening we used to walk by the river, among the almond trees, and he would
    tell me of the things of his country. He spake ever very low. The sound of his
    voice was like the sound of the flute, of a flute player. Also he much loved to
    gaze at himself in the river. I used to reproach him for that.


    Mit dem Pagen pflegte der Syrier mMn ein reales Liebesverhältnis. Hinweise darauf sind zu finden in den Gedanken und in der Erzählung des Pagen über gemeinsame Spaziergänge (nicht bei Lachmann). Wie wir wissen, warnte der Page ihn immer davor, sich nicht zu sehr an Salome zu binden, deshalb die Warnungen sie nicht zu viel anzusehen. Diesen Warnungen liegt mMn keine banale Eifersucht zu Grunde, sondern es handelt sich innerhalb dieses symbolischen Dramas um einerseits die Vermittlung der Idee, dass der Anblick der Mondgöttin überwältigend und gefährlich sein kann. Weiterhin nehmen die Warnungen die Stellung eines Refrains ein, ein stilistisches Mittel. Es führt dahin das Publikum immer wieder zurückzubringen zu der Idee, dass es sich in Salome um eine Gestalt oder eine Gesandte einer Gestalt handelt, welche übernatürliche Kräfte ausüben oder entfachen kann. Ausserdem gibt diese Gestaltung dem Drama auch rein künstlerisch eine besondere Ästhetik, welche eventuell an ein griechisches Ideal erinnern soll. Diese Aspekte sind aber sicherlich bekannt, bedürfen also keiner weiteren Ausführung. Mir geht es eher um Elemente, nach denen hier im Thread gefragt wurde.

  • Zur Frage, warum Jokanaan die Ehe von Herodes und Herodias nicht billigte, hier mein Verständnis:


    Grundsätzlich durfte ein Mann unter keinen Umständen die Frau seines Bruders heiraten. Ausserehelicher Geschechtsverkehr war ihnen natürlich auch nicht erlaubt.

    Es gab eine einzige Ausnahme, nämlich eine sogenannte Leviratsehe, wenn der Bruder verstorben war und keine männlichen Erben hinterlassen hatte. Aber dafür musste der Bruder eben wirklich verstorben sein. Und es durfte keine männlichen Kinder aus der Ehe geben.


    Bei Herodes und Herodias war es so, dass beide ehemaligen Ehepartner anfangs noch lebten - und viel schlimmer noch: Die beiden lovebirds liessen sich doch nur scheiden, weil sie sich dann heiraten wollten. Das war kein legitimer Grund für eine Schwagerehe.


    Die Sache legitimierte sich auch dann nicht, wenn die Ex-Partner irgendwann starben.

    Scheidung war zwar erlaubt, aber - wie gesagt - eine Beziehung zwischen Schwager und Schwägerin war nicht erlaubt, wenn Ex-Partner noch lebten. Und schon gar nicht, wenn man sich nun extra deshalb scheiden liess.


    Dass es in der Grossfamilie des Herodes und der Herodias etliche Ehen zwischen Verwandten gab, heisst nicht, dass diese nach Leviticus oder Deuteronomium nicht erlaubt waren. Soweit ich das verstehe, durfte zB ein Mann seine Nichte heiraten, aber eine Frau nicht ihren Neffen. Könnte also sein, dass diese Ehen für Johannes nicht problematisch waren.


    Bei Wilde gibt es dann die Geschichte, dass der erste Mann von Herodias auch 12 Jahre in dem Brunnen gefangen gehalten wurde und man ihn schliesslich erwürgen musste, damit er endlich tot war. Herodes sandte dazu seinem Henker den Ring. Hier die Stelle:


    THE CAPPADOCIAN
    An old cistern! It must be very unhealthy.


    SECOND SOLDIER
    Oh no! For instance, the Tetrarch's brother, his elder brother, the first husband
    of Herodias the Queen, was imprisoned there for twelve years. It did not kill
    him. At the end of the twelve years he had to be strangled.


  • Die schwarze Mitra der Herodias (nur bei Wilde)


    Es gibt also ausser den schon hier im Thread erwähnten historischen Gründen für die Verstrickung von Herodias und Salome auch anthropologische. Wie oben erwähnt hatten einige Mondgöttinen zwei Gestalten. Einmal gab es die der jungen, reinen, fruchtbaren Frau und zum Zweiten die der inzwischen physiologisch unfruchtbaren, alten, weisen Hebamme, Heilerin oder sogar „Kräuterhexe“. Eine "ist" in meiner Vorstellung „weiss“, die andere "schwarz", eine Farbe, in der man so oft ältere Damen im Mittelmeerraum gekleidet sieht. Diese beiden Fraben korrespondieren ausserdem mit der Idee des Vollmondes und des Neumondes. Der erste erweckt einen faszinierenden Sog, eine Mondsucht, eine romantische, sinnliche, körperliche Unruhe. Tiere wie Menschen können im Einfluss seines silbrigen Lichts zwingende Instinkte entwickeln, die ansonsten verborgen oder beherrschbar bleiben, wie zB Schlafwandel, vorübergehende Persönlichkeitsstörungen, gesteigerten Sexualtrieb usw.


    Der andere Mond jedoch, der Neumond, ist gekennzeichnet durch Abwesenheit. Wenn er überhaupt in unserem Bewusstsein erscheint oder irgendeinen erkennbaren Einfluss ausübt, dann nur vorübergehend als ein leicht unheimliches Gefühl, was sich durch die Schwärze der mondleeren Nacht erklären lässt. Man kann ihn nicht sehen oder fühlen. Man erfasst ihn sinnlich nur indirekt durch die Abwesenheit dessen, was der Vollmond bewirkt, also als sein Gegenteil. Übertragend könnte man auch davon sprechen, dass uns zur Zeit des Neumondes etwas fehlt, etwas, von dem wir aber wissen, dass es wiederkommen wird, sei es negativ oder positiv. Das Fehlen muss nämlich nicht unbedingt negativ konnotiert, sondern kann eventuell einfach als eine Art Pause oder Erholung verstanden werden. Dass Salome und Herodias nun in der dramatischen Handlung bei Wilde die Beziehung von Mutter und Tochter einnehmen, passt für mich ganz trefflich in dieses Bild. Dabei wurde Salomes jungfräuliche Mondgestalt oben schon besprochen.


    Herodias wird uns nun an einer Stelle vorgestellt, die leider bei Lachmann/Strauss nicht vorkommt. Sie wird dort zum ersten Mal, ebenso wie es bei Salome war, in Abwesenheit erwähnt. Ich zitiere aus der englischen Version von Lord Douglas:


    FIRST SOLDIER Herodias has filled the cup of the Tetrarch.

    THE CAPPADOCIAN Is that the Queen Herodias, she who wears a black mitre sewn with pearls, and whose hair is powdered with blue dust?

    FIRST SOLDIER Yes; that is Herodias, the Tetrarch's wife.


    Im Französischen Original ebenso:


    PREMIER SOLDAT. Hérodias a versé à boire au tétrarque.

    LE CAPPADOCIEN. C’est la reine Hérodias, celle-là qui porte la mitre noire semée de perles et qui a les cheveux poudrées de bleu?

    PREMIER SOLDAT. Oui, c’est Hérodias. C’est la femme du tétrarque.


    Warum trägt Herodias bie Wilde eine Mitra? Spricht er hier von einer Kopfbedeckung christlicher Priester oder von einer orientalischen, aus der Antike bekannten, Kopftracht von Frauen ? Oder ist es gar eine Anspielung auf den persischen oder römischen Mithraskult? Auf jeden Fall ist es auffällig, dass er dieses Wort benutzt, denn wie ich schon mehrmals sagte, Wilde, mit seinem Bildungshintergrund, muss sich der möglichen Assoziationen bewusst gewesen sein und hat sie eventuell sogar herausgefordert. Wie so oft bleibt es jedem selbst überlassen, wie vielschichtig man ein Werk sehen und wie weit man sich in diese Schichten hineinbegeben möchte. Sicherlich kann man es bei der orientalischen Kopfbedeckung belassen und zur Tagesordnung übergehen. Ich meine aber, dass man dadurch das Werk einschränkt.


    Für mich entsteht hier durch die schwarze Mitra ein Bild der Herodias als einer Art Priesterin oder Statthalterin einer heidnischen Gottheit. Wilde ermöglicht uns damit einen Blick auf sie, der sogleich aus der Perspektive des Jokanaans eine negative Konnotation bekommt. Eine Frau als Priesterin, schwarz gekleidet – sie kann nur vom Teufel sein – aus Jokanaans Sicht wohlbemerkt. Er behauptet ja, das mit der Frau das Übel in die Welt gekommen sei. Die Farbe schwarz oder Dunkelheit ist im biblischen Zusammenhang als Gegenpol des göttlichen Lichts zu sehen, also als representativ für Schuld, Sünde, Elend und Tod. Wilde hat Herodias somit einerseits als Verkörperung von allem, was Jokanaan anprangert, dargestellt.


    Dies muss aber nicht unbedingt Wildes eigene Position reflektieren. Die schwarze Farbe der Mitra der Herodias steht im Gegensatz zur Farbe weiss, die bei Salome mMn, wie schon besprochen, Unschuld, Reiheit und Jungfräulichkeit andeutet. Jokanaan verdammt jedoch bezeichnenderweise beide, sowohl Herodias, wie auch Salome, die eine als Tochter der anderen. In diesem Widerspruch befindet sich mMn Wildes Zeichnung von Salome, die der Jokanaans entgegensteht. Denn wie in vorherigen Beiträgen beschrieben wird die „weisse“ Salome von Wilde als positiv konnotiert mit dem Mond assoziiert. Die Symbolik um Salome, also die Taube, das Silber, die Farbe weiss, ihre jungfräuliche Reinheit, spricht für sich. Wie solch eine Figur im Laufe des Dramas so handeln kann, wie sie es tut, ist eine Frage, die letztendlich jeder für sich selber erwägen muss – eventuell wird die Antwort sich hinter dem Schleier des Mondes verbergen und sich nur manchmal in kurzen Bewusstseinslichtblicken enthüllen, um sich dann wieder zu entziehen. Offen bleibt weiterhin auch die Frage, wie Wilde Herodias positioniert.


    Jokanaan sieht Salomes Unschuld nicht. Je länger er sie erlebt, desto überzeugter ist er von ihrer Verruchtheit und umso direkter spricht er sie an und versucht sogar, sie zu missionieren.


    Er zitiert generell bei seinen Verbalattacken Bibelstellen aus Hesekiel und Offenbarung, verwandte Bücher, welche sich beide besonders gegen Götzenanbetung und Hurerei oder Unzucht (beides insbesondere im übertragenen Sinne) der Israeliten und später aller Völker ausprechen. In beiden Büchern wird bekannterweise das Bild einer Hure angewendet, um dem Ursprung und Sitz aller menschlichen Sünde Ausdruck zu geben. Immer die alte Leier und nichts Neues im Westen.


    Die Anschuldigung der Hurerei bzw Unzucht passt natürlich auf Herodias wegen der unrechtmässigen Eheschliessung, aber sie passt auch im politischen Sinne – und damit wird es zu einer sehr viel schwereren Anschuldigung - auf das Haus Herodes des Grossen, welches sich - so wird von Zeitgenossen wie neuzeitlichen Historikern allgemein berichtet - an die Römer „verkaufte“, oder zumindest „mit ihnen ins Bett ging“. Damit ist uA und bekannterweise gemeint, dass es seine eigenen Kuktur und Religion mit römischen (aber auch mit anderen heidnischen Elementen der Umgegend) verwässerte. Auf diesen Aspekt des „Image“ des Haus Herodes des Grossen wird sich bei Wilde sehr viel deutlicher bezogen als bei Lachmann/Strauss. Die Verdammung des Herodes durch Jokanaan nimmt deshalb im Vergleich zu seinen Anschuldigungen der Herodias und Salome sehr viel mehr Gewicht an - ich meine dies ist ein wesentlicher Unterschied zu Lachmann/Strauss.


    Es gibt längere, sehr witzige Passagen, dazu. zB lässt Wilde seinen Herodes an einer Stelle von Caesar so ähnlich wie Christen von Jesus und Gott sprechen. Dies verdeutlicht genau seine Hurerei, nämlich das Anbeten falscher Götter, welches in uA Hesekiel und Offenbarung verdammt wird. Der Fokus verlegt sich damit von Herodias als individuelle Sünderin, deren Schuld hauptsächlich in Unzucht besteht, auf Herodes als allgemein verantwortliches Staatsoberhaupt, dessen Schuld nicht nur in tatsächlicher Unzucht besteht, sondern auch in unmoralischer Staatswirtschaft und unmoralischem Umgang mit Kultur und Kulturerbe (so mE die Position des Jokanaans). Dass Wilde Herodes die Alleinverantwortung für Staastgeschäfte zuweist, wird klar in dem Moment, wo nach Herodes Zustimmung Herodias ihm den Todesring abstreift und dem Henker überreicht. Es ist somit klar, dass sie in offiziellen Geschäften seiner Zustimmung bedarf und er von Wilde als der politisch allein Verantwortliche gezeichnet wird. Ich meine es zeugt von Ignoranz, wenn man als Publikum die Hasstiraden des Jokanaan gegen Herodias allein gerichtet versteht. Im Grunde richten sie sich viel mehr gegen das gesamte Haus Herodes und damit gegen sein verantwortliches Oberhaupt. Aber wer seine Bibel und die bildlichen Dartsellungen darin nicht kennt oder nicht in seine Betrachtungen einbezieht, der verfällt natürlich dem Glauben, dass mit der Hure ausschliesslich Herodias gemeint ist.


    Mein Empfinden, welches ich aus diesen Dartsellungen gewinne ist, dass Jokanaan Herodes mindesten ebenso stark verdammt wie Herodias, wenn nicht sogar mehr, da seine Schuld ein grösseres Umfeld betrifft. Und Wilde? Was ist seine Position? Wer den Text kennt, weiss, dass Wilde nichts von den Anschuldigungen Jokanaans gegen Herodes mässigt, rechtfertigt oder aufhebt. Als erstes ganz offensichtliches Indiz dafür spricht natürlich die Handlung selber, denn abgesehen von seiner unverblümten Geilheit, in der er überhaupt keinerlei Eigenkontrolle oder Hemmungen zeigt, ist Herodes gedanklich schon dabei, Salome neben sich auf den Königsthron zu erheben. Er bietet ihr ja die Hälfte seines Reiches an. Was dafür mit Herodias geschehen muss, ist klar: Ab in die Zisterne.


    Bei Herodias sieht es für Wilde allerdings ganz anders aus. Trotz Jokanaans negativer Sicht auf sie lässt Wilde sie nur einmal kurz negativ handeln, als sie nämlich ihren Sklaven einmal einen Streich mit ihrem Fächer gibt. Ansonsten wird sie von Wilde mMn nicht negativ belastet. Und selbst diesen Streich könnte man positiver deuten, als er auf ersten Blick erscheint. Mehr dazu später.


    Zurück zu Herodes Götzenanbetung des Caesar. An einer bezeichnenden Stelle äussert Herodes die Hoffnung, das Caesar als allmächtiger Herrscher, den König von Cappadocia, Herodes alten Feind, vernichten wird. Er sieht sich hier als Anhänger Caesars, also des wahren Glaubens, und hofft nun, dass seine Feinde, die Feinde das wahren Glaubens, vom allmächtigen Herrscher vernichtet werden.


    Siehe hier:


    HEROD Wherefore should I not be happy? Cæsar, who is lord of the world, who is lord of all things, loves me well. He has just sent me most precious gifts. Also he has promised me to summon to Rome the King of Cappadocia, who is my enemy. It may be that at Rome he will crucify him, for he is able to do all things that he wishes. Verily, Cæsar is lord. Thus you see I have a right to be happy. Indeed, I am happy. I have never been so happy. There is nothing in the world that can mar my happiness.


    THE VOICE OF JOKANAAN He shall be seated on this throne. He shall be clothed in scarlet and purple. In his hand he shall bear a golden cup full of his blasphemies. And the angel of the Lord shall smite him. He shall be eaten of worms.


    HERODIAS You hear what he says about you. He says that you will be eaten of worms.


    HEROD It is not of me that he speaks. He speaks never against me. It is of the King of Cappadocia that he speaks; the King of Cappadocia, who is mine enemy. It is he who shall be eaten of worms. It is not I.


    Witzig ist natürlich, wie Jokanaan aus seiner Sicht sofort berichtigt, wer der Feind des wahren Glaubens ist und demnach vernichtet werden wird – Jokanaan verkündet dies mit einem Zitat aus der Apostelgeschichte 12:23 . Es ist selbstverständlich Herodes gemeint, der bald von Würmern verspeist weden wird, wie Herodias auch sofort begreift, obwohl sie die Bibelstelle nicht kennen kann.


    Übriges hier eine Bemerkung zu verschiedenen Bibelübersetzungen. Ich finde Jokanaans Aussprüche in Wildes Drama fast wörtlich in einer englischsprachigen „New International Version“ Bibel wieder. In meiner deutschsprachigen Luther Bibel fehlt einiges.


    Es gibt weitere witzige und aufschlussreiche Anspielungen auf Offenbarung. Hier ein Beispiel:


    HERODIAS…..I hate his voice. Command him to be silent.

    HEROD I will not. I cannot understand what it is that he saith, but it may be an omen. HERODIAS I do not believe in omens. He speaks like a drunken man.

    HEROD It may be he is drunk with the wine of God.

    HERODIAS What wine is that, the wine of God? From what vineyards is it gathered? In what wine-press may one find it?


    Wer Offenbarung kennt (12: 17-20), weiss, dass dieser Wein Gottes (die Weinpresse in das bezeichnende Indiz) als Strafe über die Erde ausgeschüttet werden wird. Die Menschen werden förmlich in seinem Blut ertrinken, wie an so vielen Stellen dieses mMn unappetitlichen Bibel Buches.


    Soll dieser Dialog nun bedeuten, dass Jokanaan als Gesandter Gottes diese Strafe verkündet? Oder bedeutet sie, dass er selber von diesem Wein trinken musste, also ein von Gott Gestrafter ist? Die Antwort kommt sicher auf den Blickwinkel an. Herodes würde die erste Sichtweise bestätigen, Herodias die zweite, wie man der feinen Ironie des Dialogs entnehmen kann.


    Was ist aber nun Wildes Position?


    Wilde lässt Herodias nüchtern und pragmatisch erscheinen. Wer stört, muss weg. Wer Unlogisches oder Unverständliches redet ist mondsüchtig, also verrückt. Wer ihre Tochter unrechtmässig und unsittlich begehrt, soll sich von ihr fernhalten. An Wunder und Omen glaubt sie nicht mehr. Zu viele davon haben sich als dämliches Gefasel und als falsch herausgestellt.


    Herodias erkennt genau, was Jokanaan ihr vorwirft, zieht sich den Schuh aber nicht an. Sie empfindet ihre Scheidung und Schwagerehe nicht als Sünde. Sie empfindet sich nicht als Hure. Sie begeht in ihrem Denken keine Unzucht. Sie steht zu ihrem neuen Mann und schenkt ihm Wein ein, um seine Nerven zu beruhigen. Sie rät ihm wohl man solle doch endlich hineingehen - damit er sich nicht auf schlüpfrige Bahnen mit ihrer Tochter begibt und damit man sich dem Geschrei Jokanaans entziehen kann, für dessen Inhalt ihr Mann so anfällig ist. Sie möchte verhindern, dass er den Gesandten Rom nicht als verrückt erscheint. Sie hält das für strategisch unklug. Er ist ja nervlich schon so schwach mit seinen Wahnvorstellungen über Flügel und Wind. Auch hält sie Herodes nüchtern und trocken entgegen, wenn er Unsinn redet, wie mit seinen lächerlichen Pfauen und über den gestohlenen Vorhang des Allerheiligsten (leider nur bei Wilde...eine wunderbar witzige Stelle). Sie ist also kein Fussabtreter in der Ehe, sondern eher eine erfahrene und umsichtige Ehefrau. Sie ist unbestechbar, man kann sie nicht manipulieren, zu nichts bewegen, was sie nicht will. Sie ist wie ein Felsen in der Brandung des Geschehens, welches von ihr abprallt, ohne sie zu beeinflussen. Sie ist immun gegen den Versuch sie mit bösen Omen und moralischen Vorwürfen zu unterjochen. Aber - und bezeichnenderweise - wird sie nur durch eins wirklich erregt und zwar durch ihre Entwürdigung durch Jokanaan. Jedoch sämtliche Versuche von Herodes sie zu untermauern, prallen von ihr ab. Dazu eventuell mehr später.


    Warum sie gegen Jokanaans missionarischen Agriff, seine prophetischen Drohungen und Voraussagungen immun ist, wie Salome auch (obwohl das bei Salome sicherlich manchem nicht so erscheint), erklärt sich eigentlich schon aus meinen vorherigen Beiträgen. Wilde lässt beide Frauen mMn aus einer anderen Glaubenskultur entspringen, einer heidnischen, nicht-abrahamistischen Kultur, spirituell ausgekleidet und belebt von Naturgöttern, insbesondere natürlich einer Mondgottheit, wie schon ausführlich beschrieben. Sie sind so tief in dieser Kultur verwurzelt, dass weder Salome noch Herodias für die seltsamen missionarischen Einwürfe des Jokanaans über den Menschensohn und den, der da im Silberantel kommen wird, anfällig sind. Ihre Reaktionen darauf sind verschieden, aber aus ihrer Zeichnung als Figur heraus verständlich. Salome empfindet einen unwiderstehlichen, naiv-sinnlichen natürlich ungehemmten Sog, Herodes fühlt sich entwürdigt und will, dass er schweigt. Aber für beide hat sein Gefasel keinen geistig-missionarischen Angriffspunkt, an dem er andocken könnte.


    Ihre naturverbundene, naturgegebene Spiritualität ist uralt, ewig, sie ist nicht offen für Diskussion, not open to negotiation, genauso wenig, wie die Natur, in der wir leben. Die Logik läuft ungefähr so: ich bin Kind der Natur, Teil der Natur, von ihren Gesetzen beherrscht und gesteuert. Die Natur agiert entlang bestimmten feststehenden, ewigen Gesetzen und ihr inhärenten Dynamiken, sogenannten Naturkräften, auf die Menschen keinen Einfluss haben, sondern einfach teilhaben und sich damit arrangieren. Dass man als Mensch auch eine Wahl oder eine Handlungsfreiheit hat, ist nur Schein. In Wirklichkeit hat man ein Schicksal, welches von Naturkräften abhängt. Diese ewigen Gesetze werden unter Menschen der Verdeutlichung und des Verständnisses halber verkörpert in unterschiedlichen Gottheiten. Diese stellen in unserer Vorstellung diese ewigen feststehenden Gesetze und Dynamiken zwischen den Naturgewalten wie auf einer virtuellen Bühne dar (hierin liegt ein weiterer Spiegel in „Salome“). Der Natur zu entsagen und andere Gottheiten als virtuelle Herrscher in unserem menschlichen Denken zu etablieren, welche Natur beherrschen oder über ihr stehen, wie zB der Abrahamistische Gott, ist unmöglich. Man müsste erst die Natur und sich selbst abschaffen, damit sie und wir dann von diesem Gott neu erschaffen werden könnten, mit seinen eigenen Gesetzen. Dies, also die Natur und uns selbst abzuschaffen, damit sich dann etwas anderes, Naturunabhängiges neu etablieren könnte, ist ein Konzept, welches selbstredend den grössten verkorksten Unsinn verkörpert, dem sich das menschliche Gehirn jemals hingegeben hat (aus dieser Ecke kommt so in etwa Herodias nüchterner und trockener Humor). Ganz abgeshen von anderen logischen Denkfehlern, bedeutete es doch den Untergang des Jetzt (aus Herodias Sichtweise). Es bedeutete Selbstzerstörung, Selbstmord, ein apokalyptisches Ereignis, welches stattfinden müsste, entgegen dem, was der Mensch doch eigentlich will, nämlich leben, überleben und vor allen Dingen erleben. Also mit den Sinnen das Leben erfassan, anpacken, geniessen. Was wäre das Leben sonst, als eine Sinneserfahung? Kurz, wenn doch alles ganz gut so funktionert wie es gerade ist, warum soll man es abschaffen? Man könnte es ja auch gar nicht, selbst wenn man es wollte. Man hat die Gewalt nicht. Niemand Wichtiges könnte aus Herodias Perspektive heraus kommen, der es könnte. Sie kennt keine solche Gottheit, die sich sebst abschaffen wollte. Keine fiktive Figur im Silbermantel kann sie überzeugen. Lächerlich. Sie hat alles schon gesehen. Propheten kommen und gehen. Der Mond und die Sonne sind noch da. Wir sehen sie jeden Tag. Wir wissen, was sie bewirken. Es ist offenscihtlich. Man muss sich nicht mental verrenken, um es zu verstehen. Die Dinge sind so, wie sie sind ("der Mond ist wie der Mond"), man muss sich damit arrangieren, so gut es geht ("wir wollen hineingehen").


    Jokanaan kann Herodias und Salome mit seinen Flüchen und Schreckensnachrichten also nichts anhaben, sie klingen für sie irgendwo zwischen sonderbar und verrückt. Aber eine Schuldmentalität kann er nicht erwecken, sie sind dafür nicht anfällig, sich aus Schuldgefühlen heraus einer fremden Kraft zu unterjochen. Das einzige was Jokanaan bewirken kann, ist Salome (unabsichtlich) zu verführen und Herodias zutiefst in ihrer Würde (auch als Statthalterin des Mondes, Erklärung folgt bald) zu beleidigen. Herodias aber fühlt sich von Jokanaan in ihrem Hausfrieden gestört wie von einem lästigen Insekt, sie fühlt sich beschmutzt und belästigt von seinen Hasstiraden gegen das Ur-Weibliche ("mit dem Weib kam das Übel in die Welt") und will ihn deshalb zum Schweigen bringen. Die Frage ist nun, ob sie indirekt, durch ihre Verbundenheit mit ihrer Tochter, den entscheidenden Einfluss ausübt, den Salome letztendlich dazu bewegt so zu agieren, wie sie es tut. In der Bibel wird es ja in etwa so dargestellt, aber bei Wilde ist dies nicht auf den ersten Blick zu entdecken.


    Soviel zur schwarzen Mitra – diese gewinnt aber weitere Bedeutung durch den blauen Staub* auf Herodias Haar. Mehr dazu hoffentlich demnächst.


    * cliff-hanger: once in a blue moon.







  • Once in a blue moon (1) – The Jewelled Style.


    Aus der englischen Version (Hervorhebung von mir):


    FIRST SOLDIER Herodias has filled the cup of the Tetrarch.

    THE CAPPADOCIAN Is that the Queen Herodias, she who wears a black mitre sewn with pearls, and whose hair is powdered with blue dust?

    FIRST SOLDIER Yes; that is Herodias, the Tetrarch's wife.

    SECOND SOLDIER The Tetrarch is very fond of wine. He has wine of three sorts. One which is brought from the Island of Samothrace, and is purple like the cloak of Cæsar.

    THE CAPPADOCIAN I have never seen Cæsar.

    SECOND SOLDIER Another that comes from a town called Cyprus, and is yellow like gold. THE CAPPADOCIAN I love gold.

    SECOND SOLDIER And the third is a wine of Sicily. That wine is red like blood.

    THE NUBIAN The gods of my country are very fond of blood. Twice in the year we sacrifice to them young men and maidens; fifty young men and a hundred maidens. But it seems we never give them quite enough, for they are very harsh to us.

    THE CAPPADOCIAN In my country there are no gods left. The Romans have driven them out. There are some who say that they have hidden themselves in the mountains, but I do not believe it. Three nights I have been on the mountains seeking them everywhere. I did not find them. And at last I called them by their names, and they did not come. I think they are dead.

    FIRST SOLDIER The Jews worship a God that you cannot see.

    THE CAPPADOCIAN I cannot understand that.

    FIRST SOLDIER In fact, they only believe in things that you cannot see.

    THE CAPPADOCIAN That seems to me altogether ridiculous.



    Was für eine wunderbare Passage ! Sie befindet sich zu Anfang, zwischen der Bemerkung des Syriers (Narraboth), wie blass doch Salome heute sei und Jokanaans erster Tirade. Von Lachmann wurde diese Stelle ausgelassen. Ich finde hier aber so viele Anspielungen und geniale Verstrickungen, dass ich seitenlang darüber schreiben könnte. Die Mitra hatte ich schon angesprochen, weitere Fäden führen zu Plutarchs bzw Shakespeares Cleopatra, Wagner, Nietzsche, zu Dialogen aus der Reformationszeit und eventuell zu Anderem, was ich aber zur Zeit nicht erkenne.


    Welche Assoziationen die schwarze Mitra in mir hervorruft, ist im vorherigen Beitrag nachzulesen, hier sei nur wiederholt, dass sie mir Herodias als heidnische Priesterin erscheinen lässt. Sie wird für mich zur Statthalterin der schwarzen Mondgöttin, der alten Hebamme, welche die Früchte des Leibes zur Welt bringt und über ihr Gedeien und Wohlergehen wacht.


    Nach Betrachtung des blauen Staubs, stellt Herodias im übertragenen Sinne, also in der von mir mehrfach erwähnten Allegorie über Kunst und Aesthetik, so etwas wie eine Mäzenin der Kunst im weitesten Sinne dar. Wenn ich weiter gehe, dann wird sie treffender noch zu einer allegorische Figur, die für absolute Kunst steht - in Oscar Wildes Sinn – also eine Kunst befreit von Moral und Ethik, befreit von fremden Auflagen. Sie steht für eine Kunst, die nur sich selbst genügt und im scheinbaren Gegensatz oder Widerspruch dazu automatisch über ihren Schöpfer und sich selber herauswächst und dabei grenzenlose Geheimisse in sich birgt. Wie komme ich darauf?


    Auffällig war mir sofort der blaue Staub in Herodias Haar. Woraus er bestehen mag? Ich dachte erst an zermahlene Saphire – eine Demonstration des Reichtums und damit der Macht des Königshauses. Herodes will ja später Salome mit seinen Juwelen abspeisen. Saphire werden da auch erwähnt. Und wer es sich leisten kann Saphire zu zermahlen und damit einmalig das Haar zu schmücken.....(denn über Nacht ist die ganze Pracht hin und die Sklavinnen können morgens den kostbaren Staub vermischt mit anderen Abfällen vom Boden aufkehren.) Es erinnert mich an die herrliche (unmögliche) Episode von Cleopatras preisloser Perle, welche sie in Essig auflösen liess und Anthony spöttisch zum Trank gereichte. Es handelte sich auch dort um eine verführerische Demonstration von Reichtum und Macht, viel wirksamer, als jegliches Vorlegen von Inventarslisten der königlichen Schatzkammer oder aufmarschieren von aufgerüsteten Legionen je sein könnten.


    Wichtiger ist eventuell jedoch die Anspielung auf den Konflikt zwischen Ost und West, wie ihn auch Shakespeare darstellte. So ist der verschwenderische und angeberische Umgang mit Reichtum aus römischer Sicht eines der Zeichen der angeblich verwerflichen morgenländischen Mentalität und Lebensweise und als solcher Ausdruck von Dekadenz, Verweichlichung, Disziplinlosigkeit und Tugendlosigkeit. Das Publikum weiss aber natürlich, dass Wilde einen anderen Standpunkt einzunehmen vermag.


    Edelsteine gehören zum ästhetischen Inventar Oscar Wildes. Sie sind Symbole und Hinweise auf seine Ästhetik. Der blaue Staub in Herodias Haar könnte somit auch (aber nicht nur) als eine Anspielung auf „the jewelled style“ zu verstehen sein, a phrase Wilde coined in his Dorian Gray, in Assoziation mit und als Hinweis auf french symbolist literature und weiterführend auf bestimmte Literatur aus der späten Antike.

    Und siehe da, es gibt seit einigen Jahren das Konzept des sogenannten „Jeweled style“ als aesthetische Charakteristik spät-antiker Literatur. Wenn man im Netz danach sucht, findet man mehrere Essays zum „jeweled style“; einen übrigens, welcher sogar Wildes Werk „The Sphinx“ unter diesem Aspekt betrachtet.


    Hier nun ein Zitat aus Michael Roberts, The Jeweled Style :

    https://www.cornellpress.corne…jeweled-style/#bookTabs=1).


    In The Jeweled Style, Michael Roberts offers a new approach to the Latin poetry of late antiquity, one centering on an aesthetic quality common to both the literature and the art of the period—the polychrome patterning of words and phrases or of colours and shapes. In Roberts's view, the writer or artist of this period works as a jeweler, carefully setting compositional units in a geometric framework, consistently demonstrating a preference for effects of patterning over realistic representation, and for a unity situated at a higher level than the literal, historical sequence of the narrative.


    Roberts's introductory chapter is followed by an anthology of representative narrative and descriptive poetry from the fourth and fifth centuries A.D. Next, Roberts traces the use of "jewels" as a literary metaphor from the first century A.D. to late antiquity. He then compares the works of late antique literature to wall and floor mosaics, ivory diptychs, Christian sarcophagi, and contemporary styles of dress. Emphasizing that the poetry of this period is not uniform, he differentiates the main genres of Christian narrative poetry—biblical and hagiographical epic—from secular examples of the jeweled style, such as the poetry of Ausonius and Sidonius.


    Anhand ästhetischer Symbolik, also anhand des blauen Staubs auf Herodias Haar, positioniert sich Wilde zunächst auf Herodias Seite. Das gibt zu denken auf. Vielleicht möchte er darauf aufmerksam machen, dass es in seiner Salome eine der Handlung übergeordnete Ebene gibt, welche man durch ästhetische Betrachtungen erfassen oder erreichen kann. Eventuell macht sich diese Ebene sogar jene ästhetischen Betrachtungen selber zum eigentlichen Inhalt. Wieder kommen wir möglicherwesie an eine Stelle, an der es in Salome nicht nur um das Erzählen einer Handlung geht, sondern um das Darstellen einer allegorischen Ebene, welche sich mit Kunst und Ästhetik beschäftigt.


    Interessant ist bei dieser Idee, dass Wilde das Leben des Künstlers von seiner Kunst nicht getrennt ansehen wollte. In seinen ästhetischen Aufsätzen formuliert er (ungefähr dem Sinn nach) den für mich ungeheuerlichen Anspruch, dass das Leben des Künstlers sein eigentliches Kunstwerk sein solle. Wenn Wilde sich nun in diesem Kontext ästhetisch auf die Seite seiner Herodias (und damit die Seite der Salome) positioniert, dann wollte er selbstverständlich auch provozieren, aber auf bestimmte Weise und in eine Bestimmte Richtung, nämlich jene, welche moralische oder ethische Urteile oder ein moralisches/ethisches Regelwerk für Kunst ausschliesst. Wichtig und bezeichnend ist hier der feine Unterschied zwischen Gutheissen und Irrelevanz. Es ist mMn nicht Wildes Vorhaben unmoralische, verstörende oder perverse Inhalte von Kunst als neue Moral zu verkaufen oder umzudefinieren, sondern er will ganz einfach sagen, dass das Kriterium „Moral“ irrelevant ist. Um diesem Faden der Moral und der Freiheit des Künstlers und der Kunst weiter zu folgen, muss man wohl seine Aufsätze zur Ästhetik lesen. Eventuell wird man sich damit eine weitere Tür in das Geheimnis der „Salome“ eröffnen können. Vorsicht ist dennoch geboten....Faszination kann verführen.


    Überaus bezeichned ist deshalb auch, in welchem Zusammenhang „the jeweled style“ in Dorian Gray erwähnt wird. Der Protagonist liest ein unbestimmtes Buch eines französischen Symbolisten, welches ihm Lord Henry, sein „Verführer“, überlassen hatte. Es entsteht am Ende des Kapitels ein kurzer Dialog mit besagtem Lord Henry darüber:

    „That book you sent me so fascinated me that I forgot how the time was going.”

    “Yes: I thought you would like it,” replied his host, rising from his chair.

    “ I didn’t say I liked it, Harry. I said it fascinated me. There is a great difference.”

    “Ah, you have discovered that? Murmured Lord Henry. And they passed into the dining-room.


    Ich finde in dieser Passage eine Rechtfertigung für mein Gefühl, dass die Figur Salome bei Wilde nicht in Jokanaan verliebt sein soll, jedenfalls nicht im herkömmlichen Sinne. Fasziniert ja, aber nicht verliebt. Gut, soviel dürfte sowieso klar sein, nur möchte ich damit sagen, dass diejeigen, die nun bei Wilde nach irgedwelchen misogynen Inhalten suchen, wei zB eine Abhandlung über „Frau als babylonische Hure“ oder gar Erbsünde, mE völlig falsch liegen. Man kann der Figur Salome nach Beschäftigung mit dem Werk auch nicht mehr vorwerfen, dass sie nichts von Liebe verstünde, oder dass sie eine traumatisierte junge Frau sei. Es geht hier nicht um eine flache moralische Abhandlung im Sinne von „seht, wo ein entfesselter Lusttrieb enden kann“. Es geht auch andersherum nicht um platte Provokation durch Darstellung von Dekadenz oder Perversität. Sicherlich sind diese beiden Pole genau das erste Sprungbrett, auf welches sich das Publikum automatisch begibt. Aber über dieses Sprungbrett ist es möglich anhand der Symbolik und der unzähligen Anspielungen, welche im „jeweled style“ zu einem schillernden Mosaik arrangiert sind, zu übergeordneten Gedanken und allegorische Ebenen zu gelangen. Eventuell emanzipiert sich das Werk letztendlich sogar von Wildes eigenen ästhetischen Konzepten. Dies wäre sogar in seinem Sinne, denn in einem seiner Aufsätze spricht er davon, dass ein Kritiker ein Werk nicht erklären sollte, sondern das Geheimnis des Werkes vertiefen.


    In diesem Kontext des Geheimnisses des Werkes finde ich wichtig zu erwähnen, dass Oscar Wildes Ästhetik-Konzept auch die Existenz und Signifikanz von Widersprüchen bzw von Gegensätzen würdigt. In art there is no such thing as a universal truth: A Truth is that whose contradictory is also true." Dieser Ausspruch ist im Kontext zu verstehen…..erwähnt wird dort zB Hegel. (in The Truth of Masks). Es handelt sich also nicht nur um simple, sich ausschliessende Gegensätze, sondern auch um komplexe Verhältisse wie zB die Idee, dass gegensätzliche Paare sich automatisch implizieren: definiert man den einen Pol, hat man automatisch den anderen mit definiert.


    Ich bin sehr weit davon entfert mich mit Hegel weiter zu bechäftigen oder ihn überhaupt zu verstehen, aber dennoch könnte man sich in Bezug auf Wildes Salome in diesem Zusammenhang fragen, ob sich die Standpunkte von Salome und Jokanaan tatsächlich gegenseitig ausschliessen, oder ob es eine Essenz gibt, auf die sich beide beziehen und die sie miteinander verbindet, die sie untrennbar macht – eine Art innewohnende Dynamik, eine Achse, um welche sie sich immerzu drehen, oder eine Drehtür, durch die sie immer wieder versuchen sich der anderen Seite zu nähern, ohne jemals eine wirkliche Vereinigug oder Verschmelzung zu erreichen. Denn wenn der eine endlich hüben ist, ist der andere leider inzwischen automatisch drüben. Herausbrechen aus der Dynamik geht aber nicht. Eine absolute Emanzipation ist genauso unmöglich, wie eine absolute Verschmelzung. Ich meine, dass in diesem Sinne die Handlung des Werks „Salome“ sowohl die Untrennbarkeit wie auch die Unmöglichkeit der Verschmelzung bestätigt – das Paar gehört ebenso zusammen, wie es sich gegenseitig abstösst. Dabei wird es von einer unsichtbaren, geheimisvollen Kraft aneinander gebunden, einer Art Essenz, welche von beiden geteilt wird und welche sie beide definiert. Deutlicher wird dies eventuell, wenn man gedanklich experimentiert und Salome und Jokanaan mit Körper und Geist, heidnisch und christlich, fruchtbar und steril, natürlich und unnatürlich, Ost und West, antik und modern, unbegrenzt und begrenzt, absoluter Kunst und Kunst mit Mission austauscht. Oder sogar mit Leben und Tod. Oder ist es Liebe und Tod?


    ------


    Es folgt (hoffentlich bald):

    Once in a blue moon (2)


  • leider bei Lachmann/Strauss nicht zu finden


    nicht bei Lachmann


    die leider bei Lachmann/Strauss nicht vorkommt


    Von Lachmann wurde diese Stelle ausgelassen

    Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Kürzungen nicht von Hedwig Lachmann stammen, sondern nur von Strauss! Lachmann hat, wenn ich mich richtig erinnere (es ist lange her, dass ich mich mit dem Text der "Salome" beschäftigt habe), das gesamte Stück übersetzt, so wie Wilde es geschrieben hat. Strauss hat für seine Vertonung dann eine ganze Reihe von Passagen aus Lachmanns vollständigem Text gekürzt.

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

  • ja, danke, stimmt. Ich habe glaube auch ein- oder zweimal Lachmann/Strauss geschrieben, das dann aber irgendwann vermasselt.

    Übrigens hatte ich vor einiger Zeit versucht Lachmanns ungekürzte Übersetzung zu bekommen, war aber nicht erfolgreich. Vielleicht ist es aber ganz einfach und ich habe einfach Tomaten auf den Augen....falls jemand einen Tipp hat, wäre ich dankbar.

  • Die Ausgabe der Werke Wildes bei Hanser

    Einzelne giebt es sogar, auf deren Gesicht eine so naive Gemeinheit und Niedrigkeit der Sinnesart, dazu so thierische Beschränktheit des Verstandes ausgeprägt ist, daß man sich wundert, wie sie nur mit einem solchen Gesichte noch ausgehn mögen und nicht lieber eine Maske tragen (Arthur Schopenhauer)

  • Das Reclamheft müsste wohl auch Lachmann sein, und im ZVAB finden sich diverse Ausgaben.

    Einzelne giebt es sogar, auf deren Gesicht eine so naive Gemeinheit und Niedrigkeit der Sinnesart, dazu so thierische Beschränktheit des Verstandes ausgeprägt ist, daß man sich wundert, wie sie nur mit einem solchen Gesichte noch ausgehn mögen und nicht lieber eine Maske tragen (Arthur Schopenhauer)

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