Die Opernsaison 2012/13 - Spielzeitvorschau

  • Hamburgische Staatsoper

    Neuer Negativrekord in Hamburg - die Staatsoper bringt nächste Saison nur vier Premieren auf die große Bühne. Es handelt sich um
    Borodins Fürst Igor (ab 15.9.12, Dirigentin: Young, Regisseur: Pountney),
    Puccinis Madama Butterfly (ab 11.11.12, Dirigent: A. Joel, Regie: Boussard),
    Verdis La traviata (ab 17.2.13, Dirigent: P. Lange, Regie: J. Erath),
    Brittens Gloriana (ab 24.3.13, Dirigentin: Young, Regie: R. Jones).


    Letzteres eine (ordnungsgemäß ausgewiesene) Koproduktion mit dem ROH London.


    Modernes und Zeitgenössisches findet nur in der Opera stabile statt.


    Die Sängerbesetzungen der Premieren würde ich als unspektakulär bezeichnen.


    Es gibt außerdem noch einen konzertanten Rienzi. Das Repertoire wird auch sonst erwartungsgemäß vom Jubilar Wagner dominiert: zehn seiner Opern (also alle außer den Jugendwerken) stehen auf dem Programm, allesamt dirigiert von Frau Young.


    http://www.staatsoper-hamburg.…df/vorschau_web_12_13.pdf


    :sleeping:



    Viele Grüße


    Bernd

    .

  • Nicht nur ist es für Hamburg beschämend, mit nur vier Premieren in die Saison zu gehen. Der eigentliche Skandal ist, dass Frau Young den Hamburgern ihre heiß geliebte Traviata-Inszenierung raubt. Ich kenne niemanden, der diese Inszenierung nicht schätzt und immer wieder gern sieht. Das Material habe zu sehr gelitten, heißt es. Gut, dann sollte man es ersetzen. Dass wir uns aber von dieser Traviata verabschieden sollen - ich fasse es nicht! Ähnliches ließe sich über die Butterfly sagen, auch diese ist eine uralte, in Hamburg von vielen sehr geschätzte Inszenierung, die wie die Traviata immer sehr gut besucht ist. Frau Young hätte besser Stücke zu Premieren gemacht, die in Hamburg lange nicht gespielt worden sind, anstatt sich auf ihre letzten Tage in Hamburg an beliebten Erfolgsstücken zu vergreifen.


    Ein wenig habe ich den Verdacht, diese Frau macht das absichtlich, um sich an dem Hamburger Publikum zu rächen, das Frau Young ja mehr und mehr auszubuhen pflegt - es war für ihre Beliebtheit wenig förderlich, dass sie den Abschied aus Hamburg im Interview mit einer österreichischen Zeitung verkündet hat. Mag aber auch sein, dass sie schlicht aus dem Gedanken heraus, keine Könige neben ihr zu dulden, alles Bedeutende, das nicht sie geschaffen hat, zerstören will, damit nur noch sie, sie, sie ist. Fürs nächste Jahr also ran an den Otello (ist ja schon alt, diese Inszenierung, egal, ob viele sie wegen Domingo in Ehren halten) und vor allem weg mit allen Relikten aus der Metzmacher/Konwitschny-Zeit. Muss doch zu schaffen sein.

  • Hamburg

    Andererseits sind die tollen Konwitschny Meistersinger und Lohengrin Inszenierungen zu sehen, und der uns in Darmstadt verlustig gegangene Constantin Trinks darf Strauss' Ariadne dirigieren. Und auch Ruth Berghaus' Tristan kommt nächstes Jahr (nach diesem Mai!) nochmals auf die Bühne!


    Matthias

    "Bei Bachs Musik ist uns zumute, als ob wir dabei wären, wie Gott die Welt schuf." (Friedrich Nietzsche)
    "Heutzutage gilt es schon als Musik, wenn jemand über einem Rhythmus hustet." (Wynton Marsalis)
    "Kennen Sie lustige Musik? Ich nicht." (Franz Schubert)
    "Eine Theateraufführung sollte so intensiv und aufregend sein wie ein Stierkampf." (Calixto Bieito)

  • ... und in Lausanne und in Marseille und in Lyon. Da sang überall Mireille Delunsch die Frauenrollen. Aber da Barcelona sehr aufzeichnungsfreudig ist, kommt es vielleicht dank Dessay (sowie Grigolo und Naouri) endlich mal zu einer DVD mit dieser fantastischen Inszenierung. Aber auch Michele Losier (wohl als Nicklausse) und Eglise Gutiérrez sind nicht zu verachten. Nur: was soll jemand mit der CENDRILLON-Fee im Repertoire im HOFFMANN singen, wenn nicht die Olympia? Die tote Mutter vielleicht????


    Hm, das Misstrauen ist berechtigt. Denn die Mutter wird wohl die Mezzosopranistin Gemma Coma-Alabert singen, oder was soll die sonst singen? Schlémil? Und auf der Website des Liceu heißt es ausdrücklich:


    Zitat

    Anyone who remembers Natalie Dessay in the roles of Ophélie or Manon can understand what it means to see and hear her taking up the challenge of singing all three [sic!] leading female roles in this demanding opera by Offenbach.


    Daraus wage ich die kühnen Spekulationen: Entweder hat Dessay die Olympia abgegeben, oder Eglise Gutiérrez singt die Stella. Was ich auch nicht für extrem sinnvoll erachte und möglicherweise eher einem Regiekonzept entsprungen sein könnte als stimmlicher Notwendigkeit (was dann wiederum auf eine doch neue/erneuerte Regiearbeit hinweisen könnte).


    Liebe Grüße,
    Areios

    "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
    Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.

  • Ich fürchte, Natalie Dessay hat die Olympia abgegeben, denn es war zuletzt doch öfter von ihren Problemen mit der Höhe zu lesen.


    Und die Oper macht aus Reklamegründen dann einfach die Stella zur dritten Hauptpartie, was sie in Pellys Inszenierung ja tatsächlich ein wenig mehr ist als gewohnt, so dass es eigentlich vier Frauenrollen gibt..


    Schade, aber verständlich, denn Frau Dessay ist die Selbstkritik zuzutrauen, nachdem sie schon die Amina abgegeben hat.


    :wink: Rideamus

    Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung

  • Immerhin spielt ein grösseres , internationales Haus mal den Kaiser von Atlantis...

    Richtig, und das Programm der Staatsoper ist auch sonst nicht uninteressant. 2013 gibt's natürlich viel Wagner (noblesse oblige...), daneben aber viel Ausgefallenes. Der Kaiser von Atlantis ist ein Beispiel, aber auch Le Vin Herbé von Frank Martin. Und viel Zeitgenössisches: Hanjo von Hosokawa (inszeniert von Bieito, Koproduktion mit der Ruhrtriennale), R. HOT BZW. DIE HITZE von Friedrich Goldmann, Récitations von Georges Aperghis, Vanitas von Salvatore Sciarrino.


    Neugierig wäre ich auch auf The Fairy Queen, Musik Helmut Oehring auf Basis von Purcell, Inszenierung Claus Guth, und in aufsehenerregender Besetzung (Marlis Petersen, Tanja Baumgartner, Bejun Mehta, Topi Lehtipuu u.a.)


    Bei dem Programm kann man nicht meckern...

    Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)

  • Hanjo von Hosokawa (inszeniert von Bieito, Koproduktion mit der Ruhrtriennale),


    Und Herr Zuber aus Stuttgart ist da auch mit dabei, und Frau Gschwender sowieso. Dreamteam... Mal sehen, ob's dann auch noch in Stgt auftauchen wird?


    Matthias


    P.S.: Und beim Holländer kann ich mir auch Stölzl wieder vorstellen... :D
    P.P.S.: Und Neuenfels macht Mozart mit von der Tannen... Berlin, wir werden kommen müssen... :D

    "Bei Bachs Musik ist uns zumute, als ob wir dabei wären, wie Gott die Welt schuf." (Friedrich Nietzsche)
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    "Eine Theateraufführung sollte so intensiv und aufregend sein wie ein Stierkampf." (Calixto Bieito)

  • Und nochmals Stölzl mit Wagner... :D Diesmal Parsifal... Und auch der ganze andere Wagner kommt da nochmals auf die Bühne...


    Matthias

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  • Wiener Staatsoper

    Schon etwas länger bekannt: der atemberaubende :sleeping: Premierenreigen der Wiener Staatsoper für 2012/13:


    Glucks Alceste, inszeniert von Claus Guth (Dirigent und Sänger sind im Online-Spielplan nicht aufgeführt), ab 12.11.12
    Ariadne auf Naxos von Strauss, Regie: Bechtolf, Dirigat: Welser-Möst, mit Stoyanova, Fally, Schäfer, Gould, ab 19.12.12
    Rossinis La cenerentola, Regie: na? na? Bechtolf, Dirigat: López-Cobos, mit Erraught, D'Arcangelo, ab 26.1.13
    Wagners Tristan, Regie: McVicar, Dirigat: Welser-Möst, mit Seiffert, Stemme, ab 13.6.13



    http://www.wiener-staatsoper.a…remieren/Premieren.de.php



    Viele Grüße


    Bernd

    .

  • Während ich mir McVicar beim Holländer ja noch annähernd vorstellen kann, fällt mir das beim Tristan absolut schwer... Der macht nächstes Jahr dann wohl auch sein ganz persönliches Wagner-Jahr, was?


    Matthias

    "Bei Bachs Musik ist uns zumute, als ob wir dabei wären, wie Gott die Welt schuf." (Friedrich Nietzsche)
    "Heutzutage gilt es schon als Musik, wenn jemand über einem Rhythmus hustet." (Wynton Marsalis)
    "Kennen Sie lustige Musik? Ich nicht." (Franz Schubert)
    "Eine Theateraufführung sollte so intensiv und aufregend sein wie ein Stierkampf." (Calixto Bieito)

  • Paris, Théâtre des Champs Elysées

    Das schöne Théâtre des Champs Elysées in Paris wird zwar vor allem als Konzertsaal genutzt, bietet aber auch in jedem Jahr einige szenische Opernproduktionen. Das Programm für die nächste Spielzeit findet man hier: "http://2013.theatrechampselysees.fr/"


    Szenisch gibt's eine interessante Medea-Triologie:

    • M.A. Charpentier: Médée (Inszenierung: Pierre Audi, Musikalische Leitung: Emmanuelle Haïm)
    • Pascal Dusapin: Médée (eine von Sasha Waltz eingerichtete Ballett-Version von Dusapins Medeamaterial)
    • Cherubini: Médée (Krzysztof Warlikowski/Christophe Rousset)


    Außerdem


    Donizetti: La Favorite (Rita de Letteriis/Paolo Arrivabeni)


    Mozart: Don Giovanni (Stéphane Braunschweig/Jérémie Rhorer)



    Das Théâtre des Champs Elysées wird übrigens 2013 seinen hundertsten Geburtstag feiern. Aus diesem Anlass kann man im Mai 2013 die Rekonstruktion einer Aufführung aus der Eröffnungssaison des Theaters 1913 erleben, nämlich Strawinskys Sacre du Printemps, der an diesem Ort am 29.5.1913 mit dem bekannten Ergebnis uraufgeführt wurde, in der originalen Choreographie von Nijinski und gleich danach in einer neuen Version von Sasha Waltz. Wer danach immer noch nicht genug Sacre hat, kann einige Tage später die Version von Pina Bausch ansehen.



    :wink: Michel

    Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)

  • Wuppertal und Mailand

    Hier das Spielzeitbuch der Wuppertaler Bühnen, wo ich mich sehr auf den Freischütz und den Maskenball freue.


    "http://www.wuppertaler-buehnen.de/fileadmin/pdf/WB_20122013_SZB_web2.pdf"



    Mailand bietet eine fast reine Verdi-Wagner-Saison mit einigen interessanten Besetzungen:


    "http://www.teatroallascala.org/en/season/opera-ballet/2012-2013/opera-ballet.html"


    Jetzt warte ich noch auf die Bekanntgebungen in Essen, Köln, Duisburg und Osnabrück

  • 2012/2013


    Was Köln betrifft, da warte ich mal getrost den 24.4.2012 ab


    Ob es denn in Köln überhaupt eine Spielzeit 2012/2013 geben wird... 8+) ? Für den 24.11.2012 ist immerhin "Cosi fan tutte" angekündigt - und bevor es völlig untergeht: beim Terim für "Nozze" habe ich mich geirrt, der 12.10.2012 ist richtig.


    Bei Wiesbaden standen aber noch keine Produktionen dabei - oder war ich wieder zu blöd mit der Navigation auf der Seite des Theaters richtig umzugehen?

    Zitat von merle bleu:

    Zitat

    Das schöne Théâtre des Champs Elysées in Paris wird zwar vor allem als Konzertsaal genutzt, bietet aber auch in jedem Jahr einige szenische Opernproduktionen.


    Die Aufführungen von frühen Werken der Opernliteratur passen auch besonders gut in den Rahmen dieses Hauses. Im letzten Jahr hatte ich Gelegenheit, dort "Calisto" von Cavalli zu sehen und zu hören und gerade vor zwei Wochen war ich Gast in der Premiere von "Didone", ebenfalls von Cavalli. Im letzten Jahr betreute Christophe Rousset mit seinen "Talens lyriques" die Produktion, in diesem Jahr lag die musikalische Verantwortung in den Händen von William Christie und den "Les Arts florissants" - beides hatte die Reise nach Paris gelohnt.


    Es ist verführerisch, den Charpentier und den Cherubini nun ebenfalls zu besuchen. Beim Charpentier liegt der Anreiz für mich natürlich eher bei der Musikerin Emanuelle Haim, als beim Regisseur Pierre Audi. Aber Rousset als Leiter der Cherubini-Oper und Warlikowski als Regisseur derselben klingt in beiden Fällen spannend - insbesondere würde es mich interessieren, wie das Publikum in Paris auf Warlikowski reagiert...

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