Piratenpartei verlangt Schließung der Deutschen Oper Berlin

  • Wieso nennen sich die Piraten eigentlich "Piraten"? Weil Freibeutertum ihr Programm ist? Oder hat das was mit Pirate Bay zu tun? Weil ihre Mitglieder mit Pirates of the Caribbean gross geworden sind und ihr Lebensgefühl geprägt hat? Oder hängt das alles zusammen?


    Hudebux

  • In der von mir oben verlinkten Antwort auf Sven Regener wird aber sogar behauptet, mit dem Internet könne man besser verdienen, da höherer Anteil an Werbeeinnahmen bzw. bei einem Deal mit Amazon.

    Der Anteil pro verkauftes Exemplar mag höher sein, aber bei den Massen von Musik, die heutzutage jeder Hobby-Musiker veröffentlicht haben will, ist der Kampf um die Kundschaft höher. Was bedeutet, daß noch weniger Künstler Massen verkaufen und noch mehr Legionen mit Minisummen klarkommen müssen.


    Von anderer Seite brach das über Regener herein, was man im Internet-deutsch wohl als "shitstorm" bezeichnet. Nach dem Motto, er sei ein alter, saturierter Knacker, der noch nicht in der neuen Zeit angekommen sei. Bei diesen Reaktionen ist wahnsinnig viel durcheinander geschmissen worden. Da war mal die GEMA der Feind, dann die sogenannte "content industry", dann die Künstler selbst, die sich doch gar nicht so nennen dürften, wenn sie Geld für ihr Tun verlangen würden.

    Im Blog, oben erwähnt, wurde ebenso kunterbunt herumargumentiert, ohne daß eine klare Linie zu erkennen war; einer versuchte einem anderen Kommentator dessen Aussage als permanente Kette von "Totschlagargumenten" auseinanderzunehmen. Wie auch immer: es wird unglaublich viel geschrieben, ohne eine klare profunde Aussage zu machen. Mich ärgert sowas.


    Tatsächlich vermisse ich bei diesem Artikel genauere Darstellungen, wieviel er damit verdient. Gewisse Aussagen kann man sicherlich machen, ohne daß man sich gleich in die Karten schauen läßt. "Man kann im Internet Geld verdienen", mag eine schöne Aussage sein - doch so bleibt das alles zu indifferent.


    Die GEMA hat in der Tat viel Mist gebaut - allerdings mehr zu Lasten eines Großteils der in ihr organisierten Mitglieder als für die Konsumenten (Regionalschlüssel!). Die Plattenindustrie hat mit wirrem Kopierschutz und schwer nachzuvollziehenden DRMs sich ins eigene Bein geschossen. Das ist alles unbestreitbar. Ob nun in Zukunft Google/YouTube oder Spotify die Urheber entlohnen oder die Plattenfirmen, kann mir egal sein. Solange eben Google/Youtube oder Spotify (oder andere Web-Firmen) für die Infrastruktur sorgen, in denen immer wieder Musik entstehen und produziert werden kann. Und da habe ich meine Zweifel. Produziert haben die bislang gar nichts. Sie haben es nur vertrieben. Und zumeist auch noch umsonst. Das kann so nicht funktionieren.

    Die GEMA ist furchtbar schwerfällig - wie so viele Institutionen oder Firmen, die älter als dreißig Jahre sind. Die Industrie zeigt eigentlich, daß sie die abgebrühte Cleverness des Netzes und seiner neuen Nutzer schlicht und einfach in ihrer Bedeutung unterschätzt hat. Inzwischen hat sie sie schon so vergrault, daß diese vermeindlichen Kunden keinen Pfifferling auf sie setzen (wollen).


    Und ja: das kann so nicht funktionieren.


    Das Problem ist doch, daß es bis heute kein wirklich tragfähiges Internet-Geschäftsmodell für den Vertrieb von Musik gibt.

    Genau das ist das hervorstechende Problem. Wenn die Piraten-Partei sich um eine sinnvolle Lösung (einen weltweiten Kompromiß) bemühen würde, hätte sie vielleicht sogar mehr Sympathisanten.


    Ich weiß auch nicht, wie es sich die Jugend heute vorstellt, was man so alles für umsonst erhält. Nichts ist umsonst - nichts! Aber sie selber begreifen das nicht, und das wird sich für diese Generation eines Tages rächen.



    jd :wink:

    "Interpretation ist mein Gemüse."

    Hudebux

    "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."

    Jean Paul

    "Manchmal sind drei Punkte auch nur einfach drei Punkte..."

    jd

  • Ich weiß auch nicht, wie es sich die Jugend heute vorstellt, was man so alles für umsonst erhält. Nichts ist umsonst - nichts! Aber sie selber begreifen das nicht, und das wird sich für diese Generation eines Tages rächen.


    Hier scheint ein Generationenkampf geradezu aufzubrechen.


    Ich denke, das solche Pauschalisierungen kaum helfen und ideologische Grabenkämpfe noch weniger. Das Internet mit seinen Möglichkeiten Musik auch jenseits der Kanäle, die bisher zum Teil das Auskommen der Künstler zu einem größeren wohl das der Plattenindustrie sicherten, herunterzuladen, ist Realität und davon ausgehend müssen neue Ideen entwickelt werden.


    In jedem Fall ist es doch den Piraten zu gute zu halten, dass sie mit ihrem Programm viele Nichtwähler mobilisiert haben und so das Gefühl der "Agency" diesen Menschen wieder gegeben haben. Insofern würde ich sagen, dass die Piraten gut für "diese" Generation sind.

  • Die GEMA ist furchtbar schwerfällig - wie so viele Institutionen oder Firmen, die älter als dreißig Jahre sind. Die Industrie zeigt eigentlich, daß sie die abgebrühte Cleverness des Netzes und seiner neuen Nutzer schlicht und einfach in ihrer Bedeutung unterschätzt hat. Inzwischen hat sie sie schon so vergrault, daß diese vermeindlichen Kunden keinen Pfifferling auf sie setzen (wollen).

    Lieber jd,


    die GEMA ist aber keine Firma. Und auch keine Industrie. Sie vertritt durch und stellvertredend für die Komponisten und Textdichter deren ureigene Rechte. Dabei passieren zwar Dinge, die nicht in Ordnung sind. Das aber betrifft nicht die "Konsumenten", sondern Zehntausende Künstler, die gegen die Lobby-Arbeit anderer, weniger Künstler nicht anstinken können. Ist aber ein anderes Thema. Grundsätzlich kann ich den Kampf der GEMA gegen die Umsonst-Mentalität nur begrüßen. Wie kann man nur auf so eine absurde Idee kommen, die Leistung eines "Anbieters" für lau bekommen zu können? Wer erzählt so etwas seinem Klempner oder Elektriker? Haben diese Piraten-Nerds überhaupt eine Ahnung, wieviel Zeit und Hirnschmalz in der Arbeit eines Songs oder gar eines Albums steckt? Sollen die Kunst-Exzentriker ihr Geld doch bei Live-Konzerten verdienen! Klar, und Schriftsteller dürfen auch nur noch bei Lesungen auf Abendkasse rezitieren.


    Unfassbar, wie diese Piraten- und 2.0-Typen die speziellen Kenntnisse und das Können von Künstlern zur Lappalie erklären und das Pferd vom Mastdarm her aufzäumen. Ja, der Mastdarm ist wichtig. Aber machen wir ihn zum Ausgangspunkt unseres Denkens?


    :wink:
    C.

    „Beim Minigolf lernte ich, wie man mit Anstand verliert.“ (Element of Crime)

  • Ich denke, das solche Pauschalisierungen kaum helfen und ideologische Grabenkämpfe noch weniger. Das Internet mit seinen Möglichkeiten Musik auch jenseits der Kanäle, die bisher zum Teil das Auskommen der Künstler zu einem größeren wohl das der Plattenindustrie sicherten, herunterzuladen, ist Realität und davon ausgehend müssen neue Ideen entwickelt werden.

    Ich will das gar nicht in Abrede stellen; schließlich zeigen ja die Zahlen der Musikindustrie, daß Downloads sich mehr und mehr als Geschäftsmodell durchsetzen. Es ist tatsächlich ein steter Wandel zu erkennen.


    Inzwischen begreift die Industrie, darauf einzugehen. Was Ideen betrifft: welche neuen Ideen sollen das sein? Inzwischen ist eine adäquate Überlegung für die Zukunft vorhanden (Clouding/Streaming). Nur gibt es Schwierigkeiten, daß finanziell sinnvoll für alle Beteiligten auseinanderzudröseln. Das sage ich speziell zum Thema youtube/Google.


    Von welchen Pauschalisierungen sprichst du? Ideologische Grabenkämpfe? Ich bemängel die Einstellungen vieler Net-User, die nichts zahlen wollen. Von mir aus streichen wir das "heutige Jugend" und ersetzen es durch die "meisten Internet-Anwender", aber meine Aussage lasse ich so mal stehen


    die GEMA ist aber keine Firma. Und auch keine Industrie.

    Das Wort "Institution" steht aber da.


    Ansonsten sehe ich das grundsätzliche Existieren der GEMA als absolut sinnvoll an. Künstler haben ein Recht auf ihr Werk, also warum sollten sie dann nicht auch einen finanziellen Vorteil daraus ziehen. Früher gab es nie Schwierigkeiten deshalb: man kaufte die LPS oder MCs (klar, das Aufnehmen aus dem Radio fand die GEMA damals schon doof, aber dagegen konnte man auch schon nichts machen), später CDs. Und jetzt steht das Internet mit seinen digitalen Mediendateien da, und jetzt schreien alle.


    Und warum?


    Weil das Kopieren von digitalen Daten verlustfrei und problemlos funktioniert, verbunden mit einer Plattform, dem Internet, es jedem anderen auch problemlos zur Verfügung zu stellen. Früher waren die Kopien eher "schlecht" oder man brauchte wirklich teures Equipment dafür. Heute ist das alles einfach zu realisieren.


    Ich sehe einfach die Gefahr, daß diese Freiheit, von der ich weiter oben schrieb, sich nun für die Musikszene heftig auswirken wird. Das meine ich nicht primär in finanzieller Hinsicht, sondern in ihrer Folge - der Qualität, der Einmaligkeit. Es wird mehr Musiker geben, die aber nicht mehr unbedingt eine Unabhängigkeit aufbauen können, und damit können sie vielleicht nicht das Niveau erreichen, zu welchem sie fähig sein könnten. Wie gesagt: für Musik braucht man Zeit und Muße. Mit einer 40-Stunden-Woche im Rücken geht das nicht so einfach.



    jd :wink:

    "Interpretation ist mein Gemüse."

    Hudebux

    "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."

    Jean Paul

    "Manchmal sind drei Punkte auch nur einfach drei Punkte..."

    jd

  • Übersetzt bedeutet dies: wer für seine Leistungen irgendwas dem öffentlichen Raum entnimmt, der hat diese Leistungen anschließend für ein Appel und ein Ei der Allgemeinheit zur Verwurstung zu überlassen. Nach dieser Logik müßte auch eine Putzfrau quasi umsonst putzen gehen, da sie schließlich ihre grundlegenden Fertigkeiten auf irgendeiner öffentlichen Schule erlernt hat. Und der Musiker, der sich von gemeinfreien Werken hat inspirieren lassen, hat seine eigenen Kreationen bitte auch günstig der Allgemeinheit zu überlassen.


    Tja, eine spannende Sache ist das mit den Piraten.


    Ich habe die bei der letzten Bundestagswahl gewählt, aus Protest zu den unsäglichen Netzsperren einer Ministerin von der Leyen, mit denen sie angeblich der Kinderpornographie Herr werden wollte. Damals haben sowohl die Union als auch die Sozen bei diesem fachlich irrsinnigen Vorhaben mitgemacht, aus allerlei Gründen, die allesamt nichts mit mißbrauchten Kindern zu tun hatten. Die FDP ist ohnehin unwählbar (hat nach mir ja auch nun der Rest der Republik kapiert), und die Grünen hatten zum Thema Netzpolitik auch nicht viel auf der Pfanne. Daher habe ich mein Kreuz also bei den Piraten gemacht.


    Nun scheint es, es entwickelt sich da wirklich etwas, das Bestand haben könnte.


    Zur beschriebenen Position: mich erinnert das an die Open-Source-Gemeinde. Da kommt es ja wohl im Kern her und dort ist das Prinzip ja ganz ähnlich. Ich habe mich schon vor Dekaden gefragt, wie man damit Geld verdienen kann.


    Das "Problem": es funktioniert!


    Vielleicht muss man einfach mal den Kopf aufmachen, und mal was wagen und ausprobieren.
    Vielleicht sind die Gegensätze, die man da hineinlieft, in Wirklichkeit gar keine.


    Parrot

    In "Lohengrin" gibt es hübsche Augenblicke, aber bittere Viertelstunden.
    (Gioacchino Rossini)

  • Zur beschriebenen Position: mich erinnert das an die Open-Source-Gemeinde. Da kommt es ja wohl im Kern her und dort ist das Prinzip ja ganz ähnlich. Ich habe mich schon vor Dekaden gefragt, wie man damit Geld verdienen kann.


    Das "Problem": es funktioniert!


    Vielleicht muss man einfach mal den Kopf aufmachen, und mal was wagen und ausprobieren.
    Vielleicht sind die Gegensätze, die man da hineinlieft, in Wirklichkeit gar keine.


    Ist der entscheidende Unterschied evtl., daß diejenigen, die zur open-source-Gemeinde etwas beisteuern, auch wollen, daß ihre Sachen nach dem open-source-Prinzip behandelt werden?


    LG :wink:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler


  • "Piratenpartei verlangt Schließung der Deutschen Oper Berlin - Sind diese Idioten noch zu retten?"


    Sehr geehrte Moderation,


    ...noch im Rahmen? Habt Ihr den Threadtitel nicht gelesen? Ist die eindeutig parteipolitische 'Stellungnahme' - überdeutlich im Wort "Idioten" zu erkennen - euch entgangen oder habt ihr eure Neutralität ad acta gelegt? Das wird ja immer schöner hier! Ihr solltet noch einmal die Statuten lesen.


    Aus den Forenregeln:


    9. Themen und Beiträge, die andere Personen oder Gruppen innerhalb oder außerhalb des Forums beleidigen, diffamieren, demütigen oder in ihrer Würde verletzen, werden nicht geduldet. Sie können ohne Rücksprache zensiert oder gelöscht werden und zur Ermahnung und ggf. zur Sperrung des Verfassers führen. Dies gilt insbesondere auch für solche Themen und Beiträge, die dem Anliegen der Völkerverständigung schaden, parteipolitischen oder religiösen Streit provozieren oder totalitäre Ideologien verherrlichen bzw. verharmlosen.


    Hier i. V. mit:


    11. Austausch findet statt über alle Themen der Kunst und Kultur, primär der klassischen Musik. Weltanschauliche, politische oder andere von den Kernthemen des Forums abweichende Diskussionen sind nur insoweit zulässig, als sie mit den Kernthemen des Forums in unmittelbarer Verbindung stehen.


    Wenn sich nichts tut, erwarte ich das Einschreiten des Vorstands.


    Es ist Frühling, der Winterschlaf sollte beendet sein!


    Bis dann.

  • Wieso nennen sich die Piraten eigentlich "Piraten"? Weil Freibeutertum ihr Programm ist? Oder hat das was mit Pirate Bay zu tun? Weil ihre Mitglieder mit Pirates of the Caribbean gross geworden sind und ihr Lebensgefühl geprägt hat? Oder hängt das alles zusammen?


    Der Name kommt von der illegalen Downloadplattform "Pirate Bay". Aus Protest gegen deren polizeiliche Schließung hatte sich in Schweden die erste Piratenpartei gegründet und kam schnell ins Parlament. Darauf entstanden Piratenparteien auch in anderen Ländern.

    zwischen nichtton und weißem rauschen

  • die piratenpartei,(die keinerlei sympatie bei mir hat),verlangt nicht die schliessung der dt oper,sondern nur die streichung der subvention und "sollen doch die reichen ihre oper selbst zahlen".
    ich denke dazu sollte man den ganzen artikel lesen und auch die provokation und deren gründe dahinter sehen.


    andererseits bei den katastrophalen auslastungszahlen der berliner opernhäuser,stellt sich wirkl die frage:"braucht berlin 3 häuser"?.
    in wien würde jeder intendant,der nur annähernd solche auslastungzahlen voweist,auf der stelle,seines amtes enthoben.
    lg yago

  • euch entgangen oder habt ihr eure Neutralität ad acta gelegt? Das wird ja immer schöner hier!


    [...] Es ist Frühling, der Winterschlaf sollte beendet sein!



    Mal immer mit der Ruhe, Herr Nemesos.
    Die Moderation besteht aus normal berufstätigen Leuten, und diese Berufe sind in den seltensten Fällen mit dem Forum verknüpft, obwohl wir uns hier ne goldene Nase verdienen und einen Zweitjob anderswo nicht nötig hätten. Dennoch.
    Da wir auf demokratischer Basis arbeiten, was Dir entgegen kommen sollte, sind wir bestrebt, Entscheidungen in Einklang mit zumindest einigen Mitmoderatoren zu treffen.
    Das dauert manchmal ein paar Zeiteinheiten, bis sich die Kollegen im Netz zusammenfinden, obwohl wir uns bemühen, für Dich soviel wie möglich online zu sein.


    So, der Titel dieses Threads wurde entschärft, wir hoffen, zu Deiner Zufriedenheit, wenngleich entenlahm, gehandelt zu haben.


    audilamus vom Schnellservice für sehr Nervöse

    "...es ist fabelhaft schwer, die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen." - Johannes Brahms

  • Irgendwie ist die Diskussion ziemlich eintönig, wenn alle nur auf die Piraten draufhauen... haben wir denn hier wirklich keinen Piraten-Sympathisanten (außer Parrot), der sich dem allgemeinen Konsens mal ein Bisschen entgegenstellen möchte? :P

    Genau das ist das hervorstechende Problem. Wenn die Piraten-Partei sich um eine sinnvolle Lösung (einen weltweiten Kompromiß) bemühen würde, hätte sie vielleicht sogar mehr Sympathisanten.


    Vor allem bei der jüngeren Generation hat die Piraten-Partei ja schon viele Sympathisanten, gerade weil ihre Lösungsvorschläge und Kompromisse als glaubwürdig und sinnvoll wahrgenommen werden...

    Ich weiß auch nicht, wie es sich die Jugend heute vorstellt, was man so alles für umsonst erhält. Nichts ist umsonst - nichts! Aber sie selber begreifen das nicht, und das wird sich für diese Generation eines Tages rächen.


    Deinem Profil lässt sich leidewr nicht dein Alter entnehmen, aber so wie du über "die Jugend (von) heute" schreibst, zählst du dich offenbar nicht mehr dazu. Wenn du nun schon einen neuen Generationenkonflikt herbeireden möchtest, muss ich dir leider entgegenhalten, dass viele in meiner Generation deiner Generation vorwerfen, offensichtlich zu lange gedacht zu haben, man könne alles umsonst oder auf Kredit haben. Meine Generation ist die, die bezahlt, das eure Generation sich auf dem Polster der Wirtschaftswunderzeit ausgeruht hat und nicht verantwortungsvoll gehaushaltet hat. Deine Generation konnte noch ganz selbstverständlich ohne Studiengebühren an die Uni, deine Generation hat sich nicht von einem unbezahlten Praktikum zum nächsten hangeln müssen, in der Hoffnung, irgendwann vielleicht einmal eine befristete Stelle zu bekommen, deine Generation konnte sich noch Gedanken darüber machen, dass Renteneintrittsalter oder die Wochenarbeitszeit zu senken. Diese paar Beispiele mögen genügen um zu zeigen: Für die Jugend von heute wird sich nicht rächen, dass sie glaubt, man könne alles umsonst erhalten, sondern dass die Alten zu lange geglaubt haben, es gäbe alles umsonst!
    Meine Generation wächst auf mit täglich neuen Untergangsszenarien, mit Krisen und Schuldendebatten, mit Hartz IV und wachsender Jugendarbeitslosigkeit, mit Bildungsmisere und Studiengebühren. Eine existentielle Zukunftsangst gehört zum prägenden Lebensgefühl dieser "Jugend (von) heute". Deshalb ist es auch eine ausgesprochen politische Generation, viel politischer als die Jugend der 1980er oder 1990er Jahre. Für einen Teil dieser Generation ist die Piratenpartei ein wichtiges Sprachrohr, weil sie Probleme thematisiert, die zur Lebenswelt dieser Generation gehören, sei es Datenschutz, sei es Download, aber es gibt noch viel mehr, was die "Jugend (von) heute) beschäftigt. Deinen erhobenen Zeigefinger kannst du dir also sparen - und das mit dem Generationkonflikt lass auch mal lieber stecken, es wirft ein schlechteres Licht auf deine als auf meine Generation!
    Ich bitte dich, lieber Josquin, das alles nicht als persönlichen Angriff zu verstehen. Was ich hier deiner Generation und der meiner Eltern vorgeworfen habe, das habe ich nicht dir persönlich vorgeworfen und was ich hier für meine Gneration geschrieben habe, das ist nicht alles meine persönliche Meinung und Weltanschauung. Aber es zeigt vielleicht ein Bisschen vom Lebensgefühl dieser Generation, das du offenbar grundlegend verkennst.

    andererseits bei den katastrophalen auslastungszahlen der berliner opernhäuser,stellt sich wirkl die frage:"braucht berlin 3 häuser"?.


    Es stellt sich auch die Frage: "Kann sich Berlin überhaupt drei Häuser leisten?" und die Frage, die hier in der Provinz sogar schon das eigentlich stockkonservative Bildungsbürgertum stellt: "Subventionieren wir da nicht das falsche Ende der sozialen Skala?"

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

  • die Frage, die hier in der Provinz sogar schon das eigentlich stockkonservative Bildungsbürgertum stellt: "Subventionieren wir da nicht das falsche Ende der sozialen Skala?"

    Ich bin schon mit der Frage nicht einverstanden: Kulturförderung soll sich nicht nach sozialen sondern nach kulturellen Maßstäben richten. Das was Du meinst, ist Aufgabe der Sozialpolitik. Überspitzt gesagt: Kultur dient keinem anderen Zweck als der Kultur. Im übrigen wundere ich mich immer über den Begriff der "Subventionierung": Kein Mensch sagt, dass Schulen oder Schwimmbäder "subventioniert" würden, die werden finanziert. Warum soll das bei Theatern oder Museen anders sein?


    Viele Grüße,


    Christian

    "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
    "Mir nicht."
    (Theodor W. Adorno)

  • Irgendwie ist die Diskussion ziemlich eintönig, wenn alle nur auf die Piraten draufhauen... haben wir denn hier wirklich keinen Piraten-Sympathisanten (außer Parrot), der sich dem allgemeinen Konsens mal ein Bisschen entgegenstellen möchte? :P


    Ich gebe zu, eine Weile durchaus Sympathien für diese Truppe gehegt zu haben. Stil und Milieu der beteiligten Leute wären eigentlich genau mein Ding. Ich möchte den Piraten auch zugute halten, daß es sich bei ihnen um die erste ernstzunehmende neue politische Bewegung seit den Grünen handelt. So etwas hat meine Generation (ich werde dieses Jahr 36) nicht hinbekommen.


    Mit den Piraten ist es für mich aber irgendwie wie mit einer Kandidatin aus Heidi Klums Model-Show: ästhetisch ansprechend, aber wehe es wird geredet. Ich errege mich zwar nicht so sehr wie inland empire über diese Opernsache (weil es in der Tat eine uralte Kamelle ist), aber diese Episode zeigt, wie wenig sich diese Partei in der Sache fundiert Gedanken gemacht und sich informiert hat. Hätten sie das getan, so wüßten sie, daß es Oper ganz ohne Subventionen nicht gibt (selbst in den USA wird indirekt subventioniert - die Spenden der reichen Gönner werden von diesen mit Sicherheit steuerlich geltend gemacht) und daß eine Oper mit unsubventionierten Karten so teuer wird, daß damit ein ohnehin tendenziell bestehendes soziales Gefälle (Oper = Vergnügen der Wohlhabenden) dauerhaft manifestiert wird. Denn was bei einem Wegfall der staatlichen Zuwendung als erstes über die Wupper gehen wird ist z. B. die Studenten-Ermäßigung. Tolle Position für eine Partei, die sich sozial und solidarisch geben möchte...


    Und der gequirlte Quatsch, den sie zum Urheberrecht verzapfen, wird nicht dadurch besser, daß die beteiligten Personen zur "Generation Praktikum" gehören. Wieviele Praktika muß man denn absolvieren, um etwas klauen zu dürfen? Wenn jemand fünf unbezahlte Praktika gemacht hat und immer noch ohne Vollzeit-Stelle ist, darf der dann ein Auto knacken?


    Das Traurige dabei ist, daß das Urheberrecht im Internet-Zeitalter m. E. in der Tat dringend einer Renovierung bedarf (Stichwort "fair use" etc.). Aber mit einer Mentalität, der Künstler möge doch bitte seine Kreationen für lau verteilen, wird man diese Herausforderung nicht angemessen adressieren können.


    LG :wink:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler


  • ich denke dazu sollte man den ganzen artikel lesen und auch die provokation und deren gründe dahinter sehen.


    Da kann ich yago nur zustimmen! Siehe auch mein Beitrag #2 ... Die Oberflächlichkeit und Ignoranz, die den Piraten in der Threaderöffnung vorgeworfen wird, spiegelt sich dort fast 1:1 wider ...


    DiO :beatnik:

    "Wer Europa in seiner komplizierten Verschränkung von Gemeinsamkeit und Eigenart verstehen will, tut gut daran, die Oper zu studieren." - Ralph Bollmann, Walküre in Detmold

  • Zitat von audiamus

    ...
    audilamus vom Schnellservice für sehr Nervöse[/color]


    Lieber audiamus,


    danke!


    Klar doch, natürlich konnte dieser Threadtitel von gestern abend noch nicht gelesen und gewürdigt worden sein. Ein Moderator war doch nachweislich da. 8+)


    Bis dann.

  • So, liebe Leute, für heute ist hier ersteinmal Feierabend.
    Sobald es in Capriccio um Politik geht, können offenbar einige nicht an sich halten und werden ausfällig.
    Entsprechende Beiträge wurden in die Splitter verschoben, die Moderation wird beraten, wie weiter zu verfahren ist.
    Solange bleibt dieser Thread geschlossen.

    "...es ist fabelhaft schwer, die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen." - Johannes Brahms


  • die Moderation wird beraten, wie weiter zu verfahren ist.
    Solange bleibt dieser Thread geschlossen.




    So, die Moderation hat beraten. Der Thread bleibt vorerst weiterhin geschlossen. Warum? Wir sind der Ansicht, dass bei einer erneuten Öffnung des Threads die Gefahr einer erneuten Eskalation gegeben ist.


    Für die Moderation:


    Caesar73


    Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

    Cato der Ältere

  • Als ehemaliger Kandidat für das Amt des politischen Geschäftsführers dieser Partei (der dann bei der Wahl im Frühjahr 2011 durch die hervorragende Marina Weisband "geschlagen" wurde) würde ich da doch gerne auf ein paar der meiner Meinung nach wirklich albernen und weit unter Stammtisch-Niveau geäußerten Statements erwidernd etwas Korrigierendes hinzufügen.


    Und, um das hier nicht zur parteipolitischen Werbung zu mißbrauchen, hier daher nur kurz die Fakten:


    1.) Der Antrag der Piratenpartei, ausgearbeitet durch Christopher Lauer und Stephan Urbach, findet sich im Internet (Link auf PN-Anfrage). Da kann man sehr deutlich sehen, daß nicht an Kultur gespart werden soll.
    2.) Die Piratenpartei möchte nicht das Urheberrecht abschaffen, sondern modernisieren. Der dazu gefaßte Wahlprogrammantrag für das Bundestagswahlprogramm 2013 findet sich ebenfalls im Netz (Link auf PN-Anfrage).


    Und, um hier nicht den Eindruck zu erwecken, daß ich den Vorschlag der Kürzung der Zuschüsse für die DOB gut finde oder kritiklos unterstütze, möchte ich erwähnen, daß ich auf dem Bundesparteitag 2011.1 auf allen Posten, auf die Christopher Lauer kandidierte, gegen ihn antrat, weil ich ihn auch für zu "naßforsch" halte. Das hatte auch zur Folge, daß er mich z.B. auf Twitter sperrt. Dennoch möchte ich mit dem Slogan der Piratenpartei "Denk! Selbst!" hier darauf hinweisen, daß in dem Thread doch einiges arg daneben lag... :D


    Im Übrigen wurde am 02. April dazu auch noch ein Beitrag in der Kulturzeit gezeigt (Link auf PN-Anfrage).
    Liebe Grüße,


    Matthias


    P.S.: Wer mehr wissen will, auch hier gerne per PN.

    "Bei Bachs Musik ist uns zumute, als ob wir dabei wären, wie Gott die Welt schuf." (Friedrich Nietzsche)
    "Heutzutage gilt es schon als Musik, wenn jemand über einem Rhythmus hustet." (Wynton Marsalis)
    "Kennen Sie lustige Musik? Ich nicht." (Franz Schubert)
    "Eine Theateraufführung sollte so intensiv und aufregend sein wie ein Stierkampf." (Calixto Bieito)

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!