Label des Jazz: ECM

  • Label des Jazz: ECM

    Liebe Jazz-Freunde,

    den meisten Klassikhörern dürfte ECM ein Begriff sein. Bevor sich diese Plattenfirma auch in diesem Bereich etablierte, prägte sie wie keine zweite die Aufnahmegeschichte des Jazz in den siebziger und achtziger Jahren - zumindest die europäische. 1969 gründete der Bassist Manfred Eicher in München ECM (Edition of Contemporary Music).

    Der Mann verfolgte ein Klangideal, das später einmal als "most beautiful sound next to silence" tituliert wurde. Der Wille zur Abkehr vom gängigen Jazz-Sound, der Wunsch nach einem transparenten, fast unterkühlten Klangbild und wohl auch die recht knapp bemessene Geldbörse veranlassten Eicher, sich nach jungen, hoffnungsvollen Talenten umzutun. Und was für ein Händchen er dabei hatte!

    Früh gewann er den Pianisten Keith Jarrett und den Saxophonisten Jan Garbarek für ECM, noch heute die großen Aushängeschilder der Firma. Er holte Pat Metheny, Gary Burton, Chick Corea, Dave Holland, Egberto Gismonti, Jack DeJohnette oder Ralph Towner ins Boot, die allesamt zu stilprägenden Instrumentalisten ihrer Generation heranreiften. Dabei verstand es Eicher, den Musikern großen Spielraum zu lassen, sie aber doch in das klangliche Gesamtkonzept des Labels zu integrieren.

    Beispiele der frühen Erfolge waren die sogenannten "Fjord-Jazzer" (neben Garbarek z.B. Gitarrist Terje Rypdal und Pianist Bobo Stenson - alle heute noch bei ECM!). die mit weitem, elegischen Klang ein neues Ideal prägten. Keith Jarrett machte mit seinen improvisierten Solo-Parforce-Konzerten Schalgzeilen (Köln Concert, Bremen/Lausanne) oder Akustik-Gitarristen loteten die Möglichkeiten zwischen Jazz, Folklore und Klassik aus (Towner, Gismonti).

    Aufgenommen wurde zumeist in den Rainbow Studios in Oslo oder im Tonstudio Bauer in Ludwigsburg, manchmal auch in der New Yorker Power Station. Haus-und-Hof-Toningenieur Jan-Erik Kongshaug sorgte für gleichbleibend hohe Produktionsergebnisse. Viele CDs waren aber auch Live-Mitschnitte - auch diese auf tontechnisch überragendem Niveau.

    Was Eicher finanziell nicht bieten konnte, glich er mit der Labelpolitik aus, alle Platten immer am Markt zu halten und nichts etwaigen Streichungen zu opfern. Bis auf einige wenige Ausnahmen, zumeist im Sampler-Bereich, gilt das bis heute. Gitarrist Pat Metheny erinnert sich, bei der Veröffentlichung seines Debuts "Bright Size Life" gerade mal eine dreistellige Anzahl an Tonträgern verkauft zu haben. Bis heute allerdings ist die Halbe-Million-Grenze erreicht.

    Bleiben wir beim Beispiel Metheny: Lebten sich die musikalischen Vorstellungen des Musikers von denen Eichers zu sehr auseinander, trennte man sich. Methenys immer dicker angerührte Klangsauce wollte nicht mehr recht zu ECMs klarem, puristischen Image passen. Finanzielle Gründe mögen aber auch eine Rolle gespielt haben. Das Gleiche galt für Chick Corea und Gary Burton. Erstaunlich war, dass all diese Musiker lange brauchten, um künstlerisch wieder an die ECM-Zeiten anzuknüpfen, wenn sie es denn überhaupt taten.

    Die Covergestaltung unterlag fast ausnahmslos einer Frau, was zu einem hohen Wiedererkennungseffekt führte, trotzdem sehr abwechlungsreich war. Was man heute kaum noch behaupten kann: Wer sich in den letzten zehn Jahren CDs von ECM gekauft hat, wird sie äußerlich kaum voneinander unterscheiden können: Die immer gleich anmutenden Schwarz-Weiß-Cover sind doch des Guten zuviel.

    Wo wir bei den Wehrmutstropfen sind: In den letzten Jahren habe ich das Interesse an ECM deutlich verloren. Das Durchschnittsalter der Künstler wächst anscheinend mit dem Eichers. Die alten Haudegen reproduzieren sich immer und immer wieder neu. Am schlimmsten ist dies bei Garbarek zu hören. ECM ist nicht mehr das Label, das in großem Maße junge, aufregende Musiker entdeckt und fördert. In dieser Hinsicht spielt die Musik heute bei ganz anderen Firmen. Der letzte große Clou war womöglich die CD "Khmer" von Nils Petter Molvaer, vielleicht noch die Entdeckung des polnischen Klaviertrios um Marcin Wasilewski. Sollte ich in dieser Hinsicht irren und mir ist entscheidendes entgangen, bitte ich um entprechende Hinweise.

    Hier nun möchte ich im Anschluss an obige Einführung einige herausragende CDs von ECM empfehlen. Ich orientiere mich dabei an den wichtigten Künstlern, die bei Manfred Eicher unter Vertrag standen oder noch stehen. Wie ich oben schrieb, ließ mein Interesse an der Firma vor etwa 8 bis 10 Jahren deutlich nach. Über Empfehlungen aus der jüngeren Vergangenheit würde ich mich freuen.

    Keith Jarrett
    Ausnahmepianist mit wagnerianischer Attitüde, begann Mitte der 60er Jahre bei Charles Lloyd, wechselte dann zum großen Miles Davis, für den er eine einmalige Ausnahme machte und sich auch an elektronische Tasteninstrumente setzte. Ein Sonderfall - insofern, als dass er parallel in Europa bei ECM und in den USA bei Impulse aufnahm.
    Wichtigste Aufnahmen bei ECM waren die großen improvisierten Solo-Konzerte und ab 1983 die Arbeit mit seinem Trio, das sich seitdem zum beständigsten Trio der Jazzgeschichte entwickelt hat und auf dem Weg ist, eine nahezu komplette Werkschau des "Great American Songbook" zusammen zu stellen, sprich die Stücke Cole Porters, Jerome Kerns, Oscar Hammersteins u.v.a. aufzunehmen, seit einigen Jahren zumeist live. Stellvertretend für beide Bereiche folgende CDs:

     

     
    Köln Concert (1975), Bremen/Lausanne (1973), Still live (1986), At the Blue Note (1994)

    Jan Garbarek
    Norwegischer Saxophonist, zunächst Avantgardist reinsten Wassers und Tester freier Formen, seit vielen Jahren Verfechter eines entschlackten, minimalistischen Stils mit großem Bezug zur Folklore seines Landes. Melodiös, klangflächig, manchmal fast meditativ. Hat großen Erfolg mit seinen "Crossover"-Produktionen, z.B. mit dem Hilliard Ensemble oder der Bratscherin Kim Kashkashian. Produziert schon 20 Jahre lang mit halbwegs fester Besetzung, doch nur die ersten CDs mit dieser Band lohnen sich, getreu dem Motto: Kennste eine, kennste alle.

       
    Photo with blue sky...(1979), I took up the runes (1990), Twelve Moons (1993)

    Chick Corea
    Pianist, auch er aus der Miles Davis-Schule entsprungen. Hat große Platten jenseits von ECM aufgenommen, doch die bei den Münchnern können sich hören lassen! In den letzten Jahren huldigt er seinem Idol L. Ron Hubbard und macht auch dementprechende Platten ... zu vernachlässigen.

       
    Return to forever (1972), Crystal Silence (1973), Trio Music Live in Europe (1984)

    Gary Burton
    Der bedeutendste Vibraphonist der letzten Jahrzehnte. Emanzipierte das Instrument, das ursprünglich eher von Schlagzeug-Quereinsteigern gespielt wurde mit seiner pianistischen Herangehensweise und seinem 4- bzw 6-Schlägelspiel.


    In Concert, Zürich (1979)

    Pat Metheny
    Mittlerweile der wohl erfolgreichste Jazz-Gitarrist aller Zeiten. Prägte wie kaum ein zweiter ein Millionenheer eifriger Nachahmer. Ab Mitte der siebziger waren weltweit ungezählte Metheny-Nachahmer zu hören. Wer sich mit der Gitarre beschäftigte kam an der Auseinandersetzung mit ihm kaum vorbei. Fischte nach seiner ECM-Zeit zeitweise in allzu seichtem Gewässer, ist aber auch heute noch immer wieder für spannende Produktionen gut.

     

     
    Brigth Size Life (1976), 80/81 (1980), Offramp (1981), Travels (1982)

    JackDeJohnette
    Schlagzeuger, ähnlich wie Metheny einer der stilbildenden Erneuerer seines Instruments. Stellte immer wieder neue Gruppen zusammen, mit denen er unterschiedliche musikalische Wege geht. Mitglied im erwähnten Trio Keith Jarretts. War als Bandleader eine Zeit lang ECM untreu, kehrte aber wieder zurück.

     
    Special Edition (1979), Tin Can Alley (1980)

    Ralph Towner
    Klassisch in Wien ausgebildeter Gitarrist, der durch Solo-Projekte, oft mit zwölfsaitiger Gitarre überzeugte, besonderen Erfolg aber mit seiner Gruppe Oregon hatte, die mit ihren indischen, europäischen und südamerikanischen Einflüssen stellvertretend für den sogenannten "World-Jazz" steht.

       
    Solo Concert (1980), Crossing (1985), Ecotopia (1987)

    Dave Holland
    Kontrabassist, und noch ein Miles Davis-Zögling. Schon immer ein atemberaubender Virtuose, aber auch ein unglaublich guter Komponist und Arrangeur. Kam gerade in den letzten Jahren zu der verdienten Ehre, weltweit nahezu alles an Jazzpreisen abzuräumen, was es zu holen gibt. Und - wie ich selbst erfahren durfte - ein sehr symphatischer, bescheidener, kommunikativer Mensch.

       
    Triplicate (1988 ), Points of View (1997), What goes around (2001)

    Charles Llyod
    Der Tenorsaxophonist verfügt über eine der einzigartigsten Stimmen auf seinem Instrument. Sein Ton ist leicht, luftig, fast schon gläsern und lässt jedwede Schwere der Beherrschung dieses Instruments vergessen. Lloyd ist Schwarzer mit indianischen Wurzeln, ausübender Zen-Buddhist, der vor seinen Konzerten ausgiebig meditiert und in verschiedenen musikalischen Winkeln der Erde forscht. Was glücklicherweise jedoch nicht dazu führt, dass er einen ungenießbaren Multi-Kulti-Cocktail mit esoterischem Touch anrührt. Vielmehr absorbiert er die vielfältigen Einflüsse seiner beeindruckenden Biographie und lässt am Ende seine ureigene, in aller Ruhe reflektierende, immer transparente Musik sprechen, die fernab aller World Music-Klischees Welten öffnet. Ein idealer Musiker also für das Label ECM, dem stilistische Vielfalt ein Anliegen ist, ohne dabei in Beliebigkeit zu verfallen. Und das mit seinem tontschnischen Klangideal Charles Lloyds Musik erst recht zu ihrer Magie verhilft.

       
    Fish out of Water (1989), Canto (1996), The Water is Wide (1999)

    Nils Petter Molvaer
    Norwegischer Trompeter. Verband vor etwa zehn Jahren vorbildlich elektronische Club-Sounds und Ambient Music mit dem Jazz. Integerer Vorreiter einer Bewegung, die leider im Anschluss viel Mittelmaß erzeugte.


    Khmer (1997)

    Dies ist nur eine kleine Auswahl an Musikern, die stellvertretend für die Klangideale des Manfred Eicher standen und stehen.

    LG
    C.

    „Beim Minigolf lernte ich, wie man mit Anstand verliert.“ (Element of Crime)

  • Lieber Carsten,

    zunächst möchte ich Dir für diese sehr schöne Einführung zum Label ECM danken.
    Dieses Label hat mich gerade in den 70ern bei meinen ersten Exkursionen in den Jazz begleitet.
    Jeder aus meinem Freundeskreis hatte mindestens ein paar ECM-Platten.

    Irgendwie hatte man dadurch das Gefühl, europäische Musiker oder noch überspitzter, skandinavische Musiker bzw. skandinavischer Sound würde(n) den aktuellen Jazz-Markt dominieren.

    Meines Erachtens ist aber die Zeit darüber hinweg gegangen, Du schreibst es ja ähnlich.

    Vielleicht hat jedes, insbesondere stilbildendes, Label, seine Zeit und die läuft dann halt irgendwann ab. Manfred Eicher hat seinen Stil über Jahrzehnte verwirklichen können, vermutlich wäre eine andere musikalische Ausrichtung für ihn nicht mehr ECM-.authentisch.
    Gleiches kann man meines Erachtens von Manfred Brunners MPS-Label sagen, dessen Musik in den 60ern und frühen 70er Jahren ganz vorne mit dabei war und dann halt in der Versenkung verschwand.
    Und gilt dies nicht sogar für BlueNote, DEM Label überhaupt.......... Heutzutage ist BlueNote meines Erachtens nicht mehr stilprägend im Jazz, Norah Jones mag hervorragend verkaufen, und ich höre sie zur Entspannung auch gerne :pfeif: , aber der drive der frühen Jahre, der ist doch raus, oder ?

    Egal, ECM war für mich damals Kult, wir hatten den Katalog und hakten die Platten ab, die wir besaßen.......

    Meine absolute Lieblingsplatte, auch weil sehr viele sehr persönliche Erinnerungen daran hängen, ist

    Diese Platte hattest Du ja auch genannt.

    Ich weiß nicht, wie oft ich Sometime ago gehört habe, während ich einer (im Ergebnis) unerfüllten Liebe nachhing.............

    Grüsse
    Achim :wink:

  • Dass ECM mit Jan Garbark u.a. eher Elegischem das deutsche Bild von skandinavischem Jazz geprägt hat - auch in der Verbindung mit den Coverfotos weiter menschenleerer Naturansichten - ein Bild, das heute von Act erweitert, wird um den mir zumeist zu glatten Nils Landgren und die vielen poppig trällernden Damen - , sollte nicht übersehen lassen, dass es auch einen ganz anderen Jazz in Skandinavien gab und gibt, der zumeist anderswo, bei Stunt und den vielen kleineren skandinavischen Labeln herauskam.


    Doch manchmal verirrte sich sogar so ganz anderes aus Skandinavien aus Versehen, - einer Unaufmerksamkeit von Manfred Eicher? auf ECM, z.B. diese beiden von Krakatau:

    Zwei meiner liebsten ECM- Platten mit wilden postcoltranesken Bläsern, schräg-psychedelischer E-Gitarre und viel Power von Drums und Percussion. Nicht untypisch für viel skandinavischen Jazz ist auch dies, gerade für das, was heute dort an Hochinteressantem sich tut. Nicht untypisch ist sie auch insofern, da man im skandinavischen Jazz schon sehr früh häufig Bezüge zum einheimischen, wie von anderswo aufgeschnapptem oder einfach selbst ausgedachtem Folk und sehr früh zu allerlei Weltmusik fand. So gibt es auch hier viel psychedelisches Fantasie-Asien zu hören. Nach diesen beiden Platte war dann aber für diese tolle dänisch-schwedische Band Schluß bei ECM.


    Auch Steve Lake konnte als Produzent öfter Musik bei ECM unterbringen, die dem gewohnten ECM-Bild und Klangideal widersprachen, z.B. die letzten Aufnahmen von Hal Russell.


    Leider scheint sich das Spektrum bei den Jazzveröffentlichungen nach meiner Wahrnehmung einzuschränken.


    Natürlich sind noch eine ganze Reihe von Musikern, die ich überaus schätze bei ECM, z.B. Enrico Rava, Stefano Bollani, Thomasz Stanko, Bobo Stenson, Paul Bley. Deren CDs sind auch nach wie vor sehr gut. Aber die für mich viel interessantere Stimmung ihrer Liveauftritte finde ich nur noch sehr abgedämpft bei ECM. Auch mal Wilderes, Aggressiveres oder der wunderbare Humor etwa bei Ravas/Bollanis Liveauftritten kommt allenfalls noch sehr gedämpft rüber. Rava, Bollani, Paul Bley machen m.E. ihre interessanteren Aufnahmen schon lange parallel anderswo. Auch der famose Louis Sclavis, der immer für Überraschungen gut war, ist abgewandert. Ich wünschte mir, die genannten würden das auch ganz tun. Ich glaube, ihren Aufnahmen würde das gut tun. Doch hat ECM über die Jahre einfach einen vergleichsweise erstklassigen Vertrieb aufgebaut und eine Hörerschaft ausgebildet, die halt einfach "ECM-Platten" kauft. Das gibt man als Musiker natürlich auch nicht so gerne auf. Denn was nützt die genialere CD, die nirgendwo besprochen und in Läden ausgelegt wird und bei JPC oder Amazon nicht gelistet ist. Selbst wenn man wie Sclavis und Rava bei Label Bleu aufnehmen kann, der Markt für Jazz-CDs ist in Frankreich kleiner als in Deutschland und hier läßt der Vertrieb und die Öffentlichkeitsarbeit selbst dieses inzwischen nicht mehr soo kleinen Labels sehr zu wünschen übrig.


    Derzeit versucht Stunt Records, das größte skandinavische Jazzlabel aus Dänemark, das mit Sundance über einen guten eigenen Vertrieb verfügt und gut mit Kapital aus staatlichen Subventionen und aus anderen Branchen ausgestattet ist, mit massiver Unterstützung des dänischen Staates energisch in den deutschen ud europäischen Markt reinzukommen. In Frankreich bei den Absatzzahlen, wie ich gehört habe, inzwischen schon mit einigem Erfolg. Auf Stunt kommt überwiegend guter Mainstream raus, also nicht nur etwas für die Neutöner-Freaks, aber auch die werden gelegentlich mit vorzüglichem versorgt. Aber dem ECM- und heute auch Act -bestimmten deutschen Skandinavienbild entspricht kaum eine Aufnahme. Außerdem werden häufig internationale Stars zu Aufnahmen skandinavischer Bands dazugeholt. Zudem erscheinen hier die CDs mit den Preisträgerkonzerten des höchstdotierten europäischen Jazzpreises, dem Jazzpar-Price. Die Liste der Preisträger ist vorzüglich und diese Aufnahmen sind m.E. alle bis jetzt auch in den reichen Diskographien der Preisträger ganz ausgezeichnet geworden. Zu den Regeln dieser Preisträgeraufnahmen gehört, dass die Preisträger neben Wunschpartnern aus ihren eigenen Projekten oder mit denen sie immer schon einmal zusammenspielen wollten, auch skandinavische Musiker dazuladen müssen.


    Es wird interessant zu sehen sein, ob es Stunt Records gelingt, das sehr einseitige Bild vom skandinavischen Jazz in Deutschland zu verändern und darüber in der Folge auch kleinere Label mit ausgefallenerer Musik sich Öffentlichkeit und eine Marktniesche in Deutschland erschließen können.


    :wink: Matthias

  • Unten stehendes Zitat von Matthias habe ich aus dem "Gerade goutiert"-Thread herüber kopiert, um dort nicht zu sehr aus der Bahn zu geraten. Und da Molvaer zur Zeit der diskutierten CD noch ECM-Künstler war, ist's erst einmal hier gelandet...

    Zitat

    Zitat von Matthias Oberg

    Molvaer bringt Techno und Jazz zusammen. Von Bekannten, die davon etwas verstehen, habe ich gehört, es wäre relativ avancierter Techno, an den hier angedockt wird. Damit knüpft er einerseits an ältere Verbindungen von moderner elektronischer Musik und Jazz, wie es sie gerade in Norwegen schon früh entstanden waren, an, andererseits an bestimmte Trance-Techno-Richtungen, die ich genauer aber auch nicht spezifizieren kann, da ich mit elektronischer Musik im Allgemeinen wenig anfangen kann, aber diese Trance-Richtung erklärt wohl Achims Eindruck nach einigen Hörschnipseln. Es wird aber dann doch interessanter, da nicht rein elektronisch und mit sehr guten E-Gitarren und ist insgesamt vor allem in der Live-Version sehr tanzbar. Das ist auch nicht so meine
    Richtung, habe "Khmer" mal von einem Saxophonisten geschenkt bekommen, das es auch in Grenzbereichen des Techno gute Musik gebe, geschenkt bekommen und muß zugeben, ich finde das auf Khmer sehr gelungen und gut gemacht. Da Khmer extrem erfolgreich war, haben Molvaer und auch sein sehr guter Gitarrist noch diverse Alben ähnlicher Machart drangesetzt, die aber konzeptionell nichts Neues liefern. Ich habe einige als Rezensionsexemplare bekommen und fand sie als deutlich schwächeren Neuaufguss des Gleichen.

    Ich reibe mich etwas an dem Begriff "Techno", den Molvaer hier einfließen ließe. Darunter verstehe ich doch etwas anderes. Grundsätzlich zeichnet die norwegischen Musiker des Jazz, aber auch des Rock, eine größere Eigenständigkeit und Originalität aus, als es bei den skandinavischen Nachbarn der Fall ist. Schon seit Jahrzehnten schauen zwei bis drei ausübende Musiker-Generationen einer Nation beispielsweise so wenig nach Amerika, wie das die Norweger tun. Dies hat zum Beispiel im Jazz vielfältige Gründe, auf die einzugehen hier etwas langwierig wäre. Wenn denn heute der Blick aus den Fjorden nach außen gerichtet ist, dann ruht er meistens auf der britischen Insel. Das gilt sowohl für aktuelle Musikströmungen, als auch für den Fußball. :D

    Die Club-Musik der englischen Städte Bristol, London oder Brighton gelangte so auch in die norwegischen Ballungszentren von Oslo oder Bergen. Strömungen wie Jungle, TripHop oder Ambient wurden auch im hohen Norden schnell beliebt. Da sie sich teilweise sehr dazu eignen, mit Elementen und der Musizierweise des Jazz gekoppelt zu werden, entstanden auch recht schnell derartige Misch-Projekte. Molvaer war darin federführend, aber auch sein Gitarrist Eivind Aarset, Pianist Bugge Wesseltoft oder die Gruppe Supersilent. ECM hatte zunächst den Riecher dafür, auf dieses "neue Pferd" zu setzen. Doch schon bald etablierten sich eigene norwegische Labels (z.B. Wesseltofts Jazzland), die diese Musik besser und konsequenter vertrieben.

    Ich bin mit Matthias aber völlig einig, dass es sich bei Molvaers Debüt "Khmer" gleichzeitig um den Höhepunkt seines Schaffens handelt. Die CD und die Live-Touren im Anschluss an die Veröffentlichung sind wirklich ein Meilenstein, weil sie akustisches und elektronisches Instrumentarium organisch zueinander führten und vorzeigten, dass man auch mit Electronics vorzüglich live und improvisierend in einem Band-Gefüge musizieren kann.

    LG
    C.

    „Beim Minigolf lernte ich, wie man mit Anstand verliert.“ (Element of Crime)

  • Lieber Carsten, lieber Achim, lieber Matthias,

    könnt ihr die Cover-JPGs in diesem Thread durch korrekte jpc- oder Amazon-Verlinkungen ersetzen? Das Admod-Team hat im Copyright-Thread erst vor drei Tagen wieder darauf aufmerksam gemacht:

    Zitat

    Bilder:

    Coverbilder, die zu jpc oder amazon korrekt verlinkt werden, vermeiden Probleme mit dem Urheberrecht und bringen gleichzeitig Geld für das Betreiben des Forums ein. Denkt bitte daran, alle Coverbilder korrekt zu verlinken. Eine genaue Anleitung dazu findet Ihr hier in unseren FAQ. Überlegt bitte auch noch einmal, inwieweit in Euren älteren Beiträgen aus der Zeit vor der Verlinkungsmöglichkeit zu jpc oder amazon, die seit Juni besteht, noch Problemfälle schlummern könnten und berichtigt derartige Links.
    Allgemeine Links zu Amazon, jpc oder gar zu anderen Seiten erfüllen die urheberrechtlichen Voraussetzungen leider nicht. Klärt bitte auch vor dem Einstellen anderer Bilder, ob eine mögliche Verletzung des Urheberrechts ausgeschlossen ist.


    Grüße,
    Jürgen

    --

    "Wo die Beziehung zu unseren heutigen Ohren, Nerven, Erfahrungen und Lebensbedingungen verlorengeht, wird Interpretation zur Flucht in die Vergangenheit."
    Alfred Brendel

    "Music is a fish defrosted with a Hair-Dryer." Maisie

  • Ich reibe mich etwas an dem Begriff "Techno", den Molvaer hier einfließen ließe. Darunter verstehe ich doch etwas anderes.

    Lieber Carsten,

    O.K., - elektronische Dancefloor-Clubmusik oder so :D ; ich schrieb ja, das ich mich hier mit den einzelnen Bezeichnungen und Stilistiken nicht so auskenne, weil ich mich im Allgemeinen nicht so für elektronische Musik interessiere. Aber mir sind Jungle, Trance, Ambient, Trip-Hop schon als Techno-Varianten und -Erweiterungen beschrieben worden. Von allem hat Molvaer wohl etwas aufgenommen. Aber auch von mehr und dazu komme ich noch.

    Zitat

    Grundsätzlich zeichnet die norwegischen Musiker des Jazz, aber auch des Rock, eine größere Eigenständigkeit und Originalität aus, als es bei den skandinavischen Nachbarn der Fall ist.

    Abgesehen davon, dass die skandinavischen Szenen so stark miteinander vernetzt sind, so dass sie eigentlich weniger national, als vielmehr über das jeweilige Netzwerk einzuordnen sind, insofern schon diese Aussage sehr fragwürdig ist, frage ich mich, wen du denn aus Dänemark, Schweden, Finnland, Island kennst, um so ein apodiktisches Urteil zu fällen? Z.B. Fred Lonberg-Holm, Mats Gustafsson, Dror Feiler (letzterer auch Komponist der "komplexistischen" Richtung aus Schweden, z.B.Hilmar Jensson und Skuli Sverrisson aus Island und Lotte Anker, Mette Peterssen, das Copenhagen Art Orchestra, Per Dörge, Frank Lundin, oder gar der alte John Tchicai aus Dänemark?... alles noch weitaus radikaler innovatorische Musiker. Geradezu Urgestein des modernen dänischen Jazz ist Palle Mikkelborg und der ist sogar nicht nur Trompeter, sonder auch noch Elektronik-Pionier im Jazz. Sorry, aber hier halte ich dein Urteil für absurd und völlig unbegründbar.

    Zitat

    Schon seit Jahrzehnten schauen zwei bis drei ausübende Musiker-Generationen einer Nation beispielsweise so wenig nach Amerika, wie das die Norweger tun.

    Auch das ist völlig falsch. Es gilt nicht einmal für den Kreis um Wesseltoft, Molvaer, Aarsent, Supersilent, denn er wäre wohl so kaum denkbar ohne die skandinavischen Bands des US-Amerikaners George Russell, in denen er auch schon avancierte elektronische Komposition und improvisierten Jazz verband, auf einem Komplexitätsniveau, den Wesseltoft. Molvaer usw. auch in ihren besten Projekten nie ereicht haben. In diesen schwedisch-norwegisch gemischten Bands des Stefan Wolpe Schülers und Jazz-Theoretikers Russell plus einigen Briten wie John Surman, der ja dann auch immer mal wieder mit Electronics experimentiert hat, spielte z. B. auch Terje Rypdal, der für Molvaer und Aarset enorm wichtig war. Russell arbeitete parallel in den Studios für Elektronische Musik, die in Stockholm und Oslo früh nach Kölner Vorbild entstanden waren, mit norwegischen und schwedischen Pionieren Elektro-Akustischer Komposition zusammen. Einer dieser Komponisten aus Oslo wurde dann eine Art Lehrer für Wesseltoft. Molvaer sagt selbst, dass er auch viel dem späten Miles Davis verdankt, ungenannt bleibt bei ihm jedoch, aber ganz sicher ein nicht unwesentlicher, sehr hörbarer Einfluß gerade für seine beste CD "Khmer", der Afroamerikaner Graham Haynes (Trompete, Keyboards, Electronics), der auch vorher schon avancierte elektronische Musik mit Art-Rock, Post-Rock und improvisiertem Jazz verband. Vor allem in seiner Zusammenarbeit mit Bill Laswell (E-Bass, Electronics), Elliott Sharpe (sehr experimentelle E-Gitarre und Electronics) und den Drumerinnen Terri Lyn Carrington und Cindy Blackman, die auch zusätzlich originell Elektronisches verwenden, entstand früher schon Musik, die in mancher Hinsicht in eine ähnliche Richtung ging, aber komplexer und experimenteller ist. Elliott Sharpe ist z.B. auch einer der bedeutenderen Gegenwartskomponisten. Außerdem besitzen diese MusikerInnen noch ein ganz anderes improvisatorisches Vermögen. Zusammenarbeiten mit der japanischen Live-Electronics-Spezialistin Ikue Mori und Laswell, Sharpe, Zorn, aber auch mit den New Yorker Trompetern Dave Douglas und Frank London waren auch schon vorher da, wurden bei Laswell und Sharpe auch schon weltmusikalisch und manchmal Danceclub-fähig. Gehört haben die Wesseltofft, Molvaer usw. ganz bestimmt auch das, aber sie bieten davon nur die enorm reduzierte, gefälligere Variante, die dann wirklich näher an britischen Clubsounds war. Deren führende Gestalten bezogen sich aber auch schon auf Laswell, Haynes, Mori - so viel weiß sogar ich, obwohl das eigentlich wirklich nicht mein Gebiet ist.

    In Norwegen gibt es aber auch noch ganz andere, mindestens ebenso gute, einflußreiche und innovative Zusammenhänge, die für mich wesentlich interessanter sind, z.B. um den Bassisten Ingebrikt Haker-Flaten und um alle, die viel im "Brötz" spielen, ein JazzClub in Oslo für durchgehend richtig wildes, experimentelles Zeug, benannt nach Brötzmann. Diese Szene ist aber sehr eng mit der von Chicago um Ken Vandermark, Jeb Bishop, Wadada Leo Smith u.a., aber auch mit Brötzmann, mit The Ex und Han Bennink in Holland, mit den Typen um Lundberg-Holm und Gustafsson in Schweden, gleichgesinnten in Dänemark und Finnland, aber auch in Portugal und Italien, wie dort z.B. Guillermo Gregorio, auch jemand, der gleichermaßen in Jazz und moderner Komposition tätig ist, verbunden und es gibt vielfache sich überkreuzende Bandprojekte. Das macht sie vielleicht weniger original "norwegisch", nach dem, was hier in Deutschland als typisch "norwegisch" gilt, aber es macht sie nicht weniger originell als großartige norwegische Musiker, die Jazz in Norwegen wesentlich mitprägen.

    Es gibt in Oslo noch mindestens zwei weitere regelmäßige Auftrittsorte, weitere in Bergen, in denen man beinah jeden Tag sehr guten Jazz und experimentierfreudigen Rock hören kann, von dem nichts in das deutsche Norwegen Bild, das von ECM, Act und den Labeln Wesseltoffts geprägt ist, passt. Auch hier ist zumeist die Verbindung nicht nur mit Musikern im übrigen Skandinavien sehr eng, sondern fast noch mehr auch mit den USA, schließlich hat beinah jede norwegische Familie nach wie vor enge Verbindungen in die USA, über die riesige Auswanderungswelle anfang des letzten Jahrhunderts, als in wenigen Jahrzehnten die Hälfte der Bevölkerung dorthin auswanderte, sich dort weitgehend in einem relativ engen Raum ansiedelte, so die Verbindungen zueinander und nach Norwegen wie auch die norwegische Sprache beibehielt. Man stelle sich vor, die Hälfte der Deutschen wären in 2 1/2 Jahrzehnten in die USA ausgewandert - was das bedeuten würde! Darüber ist viel in den Romanen und Essays Siri Hustveds nachzulesen.

    Deswegen war von den frühen Anfängen bis heute Jazz in Norwegen sogar ganz besonders eng mit dem Jazz in den USA verbunden.

    Das geht so weit, dass die wirklich typischen originär-norwegischen Brass-Bands, die es heute noch vielerorts gibt, ihren einheimischen Brass-Folk heute fast alle erheblich verjazzen. Diese fast nur von Amateuren, häufig, für Amateure, auf sehr hohem spielerischem Niveau gespielte, wirklich lebendige Tradition, begeisterte wiederum einige afroamerikanische Jazz- und Bluesmusiker so sehr, dass u.a. Lester Bowie und Taj Mahall CDs mit zwei der besten dieser Bands aufnahmen, die mühelos traditionellen wie aktuell funkigen New Orleans Brass Band Jazz bestens drauf haben und dies mit anderen, auch neuen Jazzrichtungen sowie mit ihren eigenen Traditionen verbinden. Dieses Phänomen ist wirklich originär norwegisch und gleichzeitig aufs engste, wie in keinem anderen europäischen Land, mit den USA verbunden.

    Eine wichtige andere Traditionslinie des Jazz in Norwegen war fast von Anfang an die Verbindung von Jazz mit einheimischem, aber auch europäischem Folk und bald auch schon Außereuropäischem. Das war aber Nichts spezifisch Norwegisches, sondern ist ein gesamtskandinavisches Phänomen. Das ist nach wie vor sehr lebendig und es gibt viel mehr als Garbarek und die Samin Mari Boine. Garbarek war übrigens auch einer dieser Russell- Bandmitglieder, kommt über Russell auf Karl-Heinz Stockhausen und so zum Stockhausen-Schüler Brüninghaus als Keyboarder - und die Idee, samische Musik zu verwenden, hat er vom indianisch-afro-amerikanischen Saxophonisten Jim Pepper, dessen Witchi-Tai-Too über indianische Melodien und Rhythmen er nachgespielt hat. Einer der originellsten und einflußreich umtriebigsten Musiker dieser Richtung ist heute in Norwegen Stian Carstensen. Der spielt aber nicht nur mit BalkanJazzern und Osteuropäern, sondern auch mit den New Yorkern z.B. von Pachora und den Radical Jewish Music - Klezmer Jazzern zusammen, die ganz Ähnliches machen. In der New Yorker Band Pachora spielt dann widerum auch Skuli Sverisson mit.

    Es ist also im norwegischem Jazz, insgesamt betrachtet, eher das Gegenteil der Fall: Er ist sogar besonders eng mit den USA verbunden ohne, dass dadurch die individuelle Originalität vieler norwegischer Musiker beeinträchtigt würde. Auch hier gilt, eher im Gegenteil!

    :wink: Matthias

    P.S.: Lieber Jürgen, danke für die Erinnerung. Für meinen Teil jetzt erledigt und bei der Gelegenheit ist mir noch etwas weiteres aufgefallen, was dringend zu korrigieren war.

  • Lieber Carsten,

    bei der erneuten Durchsicht meines obigen Beitrags, bin ich jetzt doch etwas in Sorge gekommen, ob der Polemiker da nicht etwas zu sehr mit mir durchgegangen ist. Aus Zeitgründen lasse ich es unbearbeitet, aber bitte etwas Nachsicht mit meinem vielleicht unnötig scharfen Ton.

    :wink: Matthias

  • In einem Punkt habe ich mich geirrt: Graham Haynes und Bill Laswell sind bei Molvaer nicht ungenannt geblieben, wie ich schrieb, er benannte sie vielmehr auch explizit von Anfang an als wichtige Einflüsse.

    Inzwischen ist er auch mit beiden auf dieser CD zu hören:

    Graham Haynes ist übrigens der Sohn des Drummers Roy Haynes.

    :wink: Matthias

  • ECM ist ein Label, das ich generell meide, weil mir die Aufnahmen von dem Label, die ich mitbekommen habe, zu verhallt waren.

    Nur weil etwas viel Arbeit war und Schweiß gekostet hat, ist es nicht besser oder wichtiger als etwas, das Spaß gemacht hat. (Helge Schneider)

  • Hi,

    einer meiner Lieblingskünstler bei ECM ist Stephan Micus, der mit seiner Weltmusik immer wieder neue Klangwelten erforscht. Leider kenne ich nicht alle seine Veröffentlichungen. Gern höre ich
       

    Bahnbrechend fand ich seinerzeit auch "Offizium", die ich aber nur noch selten höre, denn auf der CD wird das Hilliard Ensemble leider von Jan Garbarek völlig totgehupt.

    Leider sind nicht alle ECM-Veröffentlichungen erhältlich. Daher möchte ich die Wiederveröffentlichung von ECM 1134, "Path", mit Tom van der Geld, Roger Jannotta und Bill Connors, dringend anmahnen!

    Helli

  • ECM ist ein Label, das ich generell meide, weil mir die Aufnahmen von dem Label, die ich mitbekommen habe, zu verhallt waren.

    Lieber Tyras,

    ist das wirklich ein so ausschließendes Kriterium? Und stimmt das durchweg? Richtig ist sicherlich, dass ECM-Produktionen zu einem gerüttelt Maß von dem Klangideal Manfred Eichers geprägt sind. Du nennst es "verhallt", man kann es auch "offen" oder "atmend" oder wie auch immer nennen. Die Vorliebe des Produzenten sagt aber immer noch nichts über die musikalischen Qualitäten der eigentlichen Protagonisten aus. Und längst nicht alle ECM-Platten sind "fjordisch" verhallt. Keith Jarretts Monolith-Box aus dem Blue Note z. B. ist eine staubtrockene Wiedergabe, auch manche Aufnahmen von Egberto Gismonti oder Charlie Haden fallen mir ein, die nun wirklich nicht hallig durch die gute Stube wabern. Ehrlich gesagt halte ich den Toningenieur von ECM, Jan Erik Kongshaug, für einen wirklichen Könner seines Fachs. Mit und ohne Hall. ;+)

    :wink:

    „Beim Minigolf lernte ich, wie man mit Anstand verliert.“ (Element of Crime)

  • Bahnbrechend fand ich seinerzeit auch "Offizium", die ich aber nur noch selten höre, denn auf der CD wird das Hilliard Ensemble leider von Jan Garbarek völlig totgehupt.

    Zumindest hier ist der Ausdruck "verhallt" ein milder Euphemismus...

    Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
    daß Alles für Freuden erwacht

  • Zumindest hier ist der Ausdruck "verhallt" ein milder Euphemismus...

    Das stimmt wohl, lieber philmus. Allerdings habe ich die Hilliards mal im Bremer Dom hören dürfen/müssen. Dagegen klingt die ECM-Aufnahme nach Besenkammer.

    :wink:

    „Beim Minigolf lernte ich, wie man mit Anstand verliert.“ (Element of Crime)

  • Lieber Tyras,

    ist das wirklich ein so ausschließendes Kriterium?

    Für mich schon.

    Zitat

    Und stimmt das durchweg?

    Keine Ahnung, aber dass viele Aufnahmen ziemlich hallig aufgenommen wurden, habe schon häufiger gelesen. Sicher, als generelles Urteil über dieses Label mag es ein Vorurteil sein. Aber ohne Vorurteile kommt ja auch nicht aus, wenn man sich pragmatisch zurechtfinden will im Dschungel der Veröffentlichungen.

    :wink:

    Nur weil etwas viel Arbeit war und Schweiß gekostet hat, ist es nicht besser oder wichtiger als etwas, das Spaß gemacht hat. (Helge Schneider)

  • don`t forget GIUFFRE and STANKO

    - - - nu ist ja auch das Arvo-Pärt-Album ARBOS (worüber ich im Pärt-Thread einige Zeilen geschrieben habe) seinerzeit bei ECM rausgekommen, später auch Bartok4 vom Zehetmaier-Streichquartett (für mich ein Inselkandidat, mindestens bzgl. Neue Musik) ... ERGO bin/wäre ich bzgl. ECM vermutl. gerne bereit, mögliche seltsame "sound-Eigenheiten" freundlich zu überhören!

    DARAUF wollt`ich aber gar nicht hinaus, sondern darauf, dass obige beiden Jazzer hier wohl noch nicht erwähnt sind!

    Das legendäre Doppelalbum "Fusion/Thesis" (vom März/August 1961) des Trios Giuffre/Bley/Swallow (von AUDIO mal als "Kammerjazz-Juwel" gefeiert!) ist vor jetzt knapp drei Jahren eben auch bei ECM neu erschienen :) :) Schon DAFÜR gebührt Eicher and company ein EXTRA-dickes Sonderlob!!

    Auch T.Stanko scheint sich schon lange Jahre bei ihnen heimisch zu fühlen: In der Abmoderation seines Auftritts beim diesj. "JazzBaltica" dürfte er ECM nicht zum ersten Mal namentlich erwähnt haben... Selbst hab ich von ihm das ECM.Album "Suspended Night" (von 2004): Abgesehen davon, dass es nicht zu meinen "Jazz.Insel.CDs" gehört, spricht da nix gegen - nicht so sehr schwäääre slawische Melancholie als vielmehr Variationen (besser: Klangerkundungen) darüber!

    Das TV gibt mehr 'Unterhaltung' aus, als es hat - in der bürgerl. Gesetzgebung nennt man das 'betrügerischen Bankrott' Werner Schneyder Es ging aus heiterem Himmel um Irgendwas. Ich passte da nicht rein. Die anderen aber auch nicht. FiDi über die Teilnahme an seiner ersten (und letzten) Talkshow

  • Ich habe sicherlich mehr ECM CDs als mir jetzt so einfallen. Generell habe ich ECM aber soundmäßig sehr gut in Erinnerung. Also, spontan fallen mir verschiedene CDs mit Keith Jarrett (Jazz und Klassik), Gidon Kremer u. a. (Klassik und Piazzolla), Andras Schiff und Eduard Brunner ein. Von Hall kann ich da wirklich nicht sprechen. Ich habe auch schon mehr als einmal gelesen, dass manchen die 24 Präludien und Fugen von Schostakowitsch mit Jarrett soundmäßig nicht zusagen, was ich beim besten Willen nicht nachvollziehen kann.

    Es gibt übrigens auf DVD eine sehenswerte, schöne Doku über Manfred Eicher.

    maticus

    Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga

    Ich lieb‘ den Schlaf, doch mehr noch: Stein zu sein.
    Wenn ringsum nur Schande herrscht und nur Zerstören,
    so heißt mein Glück: nicht sehen und nicht hören.
    Drum leise, Freund, lass mich im Schlaf allein.
                       --- Michelangelo Buonarroti (dt. Nachdicht. J. Morgener)

  • Mir fallen ergänzend noch ein paar Werke des von mir sehr geschätzten Eberhard Weber ein:
    ,

    Übrigens überhaupt nicht "verhallt" produziert...

    Gruss
    Herr Maria

    Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
    daß Alles für Freuden erwacht

  • Nach langem Widerstand speist ECM jetzt seinen ganzen Katalog (Jazz, Klassik und was es sonst noch so gibt) in die wichtigen Streaming-Plattformen ein:

    https://www.nmz.de/kiz/nachrichte…-musikstreaming


    Das sorgt international für erstaunlich viel Aufsehen, wie folgende Artikel aus dem New Yorker und der New York Times mit Empfehlungen aus dem ECM-Katalog (Jazz und Klassik) zeigen:

    https://www.newyorker.com/culture/likes/…gue-ecm-records

    https://www.nytimes.com/2017/11/17/art…ming-guide.html

    :wink:

    .

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!