Die Klarinette

  • Die Klarinette

    Das Zitat kommt aus dem Oboen-Thread, und ich wollte meine Antwort auch dort schreiben, habe mir aber gedacht, ich eröffne einen neuen, wo es speziell um die Klarinette gehen soll.


    Um ihre Geschichte, um unterschiedliche Bauweisen, um Spieltechniken, um als interessierter Laie (wie ich einer bin) Klarinettisten Fragen stellen zu können etc. etc.


    Ja, so ist es. Auf einem Kompositionsworkshop vor einem Jahr habe ich den Klarinettisten, der B und A dabei hatte, mal gebeten, mir denselben Ton auf beiden Klarinetten vorzuspielen - für mich klangen sie identisch. Er meinte dann auch, dass der Unterschied früher viel größer gewesen sei, aber dass die Instrumente heute einfach so professionell hergestellt werden, das wirklich nur noch aufgrund von Vorzeichen geschaut wird, welche Klarinette wo genommen wird.


    Das würd mich aber auch sehr interessieren, ob der Unterschied früher, also vor 100 Jahren und davor, deutlicher war!


    Der tolle Vienna Symphonic Library Instrumentenkunde-Bereich schreibt den unterschiedlichen Klarinetten diese Klangeigenschaften zu:


    B-Klarinette: leuchtend, glanzvoll, füllig, durchsichtig
    A-Klarinette: im Vergleich zur B-Klarinette zurückhaltender und sanfter
    C-Klarinette: Heller, kälter und härter, „frecher“ als die anderen beiden Klarinetten. Im Orchester wurde sie eingesetzt, um ländliche Stimmungen zu beschwören. (heute selten eingesetzt, z.B. im „Hexensabbat“ in Hector Berlioz’ Symphonie fantastique)


    Vielleicht stimmt das auch:


    Ich habe mir zwei meiner Partituren (Hänsel und Gretel, Der Freischütz) angesehen, um zu sehen, wie die jeweilgen Komponisten diese beiden Klarinetten einsetzen, und daraus vielleicht Schlüsse zu ziehen über den Klang der Instrumente in früherer Zeit. Beide Opern wurden im gleichen Jahrhundert geschrieben. Humperdinck verwendet hauptsächlich die B-Klarinette, allerdings wechselt er manchmal zur A; auffälligerweise meistens dann, wenn die Musik ruhiger und "besinnlicher" wird, wie z.B. beim Auftrittslied des Sandmännchens, wo gedämpfte tremolierende Streicher und eine Harfe eine sehr intime Stimmung erzeugen.


    Im Freischütz verwendet Weber fast nur "2 Clarinetti in B" bis auf vier Nummern:


    "Schweig, damit dich niemand warnt" - hier fällt auf, dass der Komponist die A-Klarinette meistens nur an den leisen Stellen einsetzt (besonders an der Stelle "Umgebt ihn ihr Geister, wo sie in der tiefen Lage dunkel und bedrohlich immer wieder anschwellen), während die lauten Stellen meistens von den Hörnern und Streichern übernommen werden.


    "Schelm halt fest" - Eine ruhige, "leise" Nummer, hauptsächlich von den Streichern getragen, während die A-Klarinetten selten spielen, meistens lang anhaltende pianissimo-Liegetöne, oder im Unisono mit Ännchens Gesang. Als das beim Scherzando plötzlich im mezzoforte weitergeht, pausiert sie viele Takte lang, und macht erst wieder mit, wenn es ruhiger wird.


    "Agathenarie" - Zwei Clarinetti in A (und zwei Fagotte) eröffnen die berühmte Agathenarie im pianissimo.


    Wolfsschluchtszene - Auch hier meistens bei den ruhigeren Stellen eingesetzt, selten im fortissimo tätig. (vielleicht klangen A-Klarinetten im fortissimo expressiver, durchdringender?)


    Es sieht also so aus, als hätten die unterschiedlichen Klarinetten früher tatsächlich anders geklungen. Weil dass die A-Klarinette so auffällig an ruhigeren, leiseren, besinnlicheren, wärmeren Stellen eingesetzt wird kann kein Zufall sein, meine ich.

  • Auch im Oboen-Thread gab es vor über zwei Jahren Abschweifungen, Klarinetten betreffend, auch solche, die sich auf vermeintliche oder wirkliche Klangunterschiede der verschiedenen Ausführungen bezogen:


    Sind Bassklarinetten nicht weit häufiger als A-Klarinetten...? (Meinte jedenfalls ein Klarinette spielender Freund...) Aber jetzt schweifen wir weit ab...


    :wink: Philipp







    Ja, so ist es. Auf einem Kompositionsworkshop vor einem Jahr habe ich den Klarinettisten, der B und A dabei hatte, mal gebeten, mir denselben Ton auf beiden Klarinetten vorzuspielen - für mich klangen sie identisch. Er meinte dann auch, dass der Unterschied früher viel größer gewesen sei, aber dass die Instrumente heute einfach so professionell hergestellt werden, das wirklich nur noch aufgrund von Vorzeichen geschaut wird, welche Klarinette wo genommen wird.

    Na ja, sobald es mehr als sechs Vorzeichen werden, wechselt die Art der Vorzeichen :) A-Klarinetten in b-Moll werden in cis-Moll, also mit 4 Kreuzen, notiert. Trotzdem haben es die B-Klarinetten mit drei bs noch eine Spur leichter (vor allem, da in B transponierende Instrumente bs mehr mögen als #s...)


    :wink: Philipp


    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Die Klarinetten wurden natürlich auch oder hauptsächlich den Tonarten entprechend eingesetzt. Der Hauptteil der Freischütz-Ouverture und die "Samiel"-Musik ist c-moll, da nimmt man natürlich b-Klarinette, denn die A-Klarinette hätte 6 b-Vorzeichen, was zumal auf den damaligen Instrumenten keine Freude gewesen sein dürfte und auch den Klang nicht verbessert.

    Das Neue bei Weber ist u.a., dass er bewusst das tiefe "Chalumeau") Register der Klarinette für die unheimliche Samiel-Musik einsetzt. Klar, das kommt bei einem Konzert wie Mozarts (zumal das für eine noch tiefer reichende Bassettklarinette war) beim Solisten auch vor. Aber in exponierten Orchesterpassagen der Klassik bevorzugt man eher das höhere Register (die erste Überblas-Oktave bzw. Duodezime), etwa entsprechend dem "Agathen-Thema" in der Freischütz-Ouverture.


    Die Klangunterschiede zwischen B- und A- sind meiner Ansicht nach nicht groß, ein längeres Rohr klingt normalerweise immer etwas dunkler. Es ist nur ein Halbton tiefer! Die quietschigste Klarinette ist die hohe Es-Klarinette (Quarte höher als B)
    Ich weiß es natürlich nicht, aber mich würde wundern, wenn ein Komponist die Tonart nach der Klarinette gewählt hätte, weil die in A vielleicht geringfügig wärmer oder dunkler. Bei C-Klarinetten dürfte es schon eher hörbar sein, aber so ein Ding habe ich wohl noch nie bewusst gesehen oder einzeln gehört.

    Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
    (B. Pascal)

  • Der Hauptteil der Freischütz-Ouverture und die "Samiel"-Musik ist c-moll, da nimmt man natürlich b-Klarinette, denn die A-Klarinette hätte 6 b-Vorzeichen,

    Wie kann man sich das ausrechnen?


    bevorzugt man eher das höhere Register (die erste Überblas-Oktave bzw. Duodezime)

    Das verstehe ich leider nicht: was ist die Überblas-Oktave bzw. Duodezime? Duodezime ist die 12. Stufe, das weiss ich schon. Meinst du damit, dass das mittelere oder hohe Register, wie bei der von dir erwähnten Stelle, überblasen ist?


    Die Klangunterschiede zwischen B- und A- sind meiner Ansicht nach nicht groß

    Geht mir genauso. Ich habe mir auf verschiedenen Aufnahmen zb. die Sandmannszene angehört und versucht zu hören, ob die Klarinette anders klingt, weicher oder so. Aber Unterschied wäre mir da keiner aufgefallen. Ist auch die Frage, ob man sich bei Aufnahmen an die Angaben in der Partitur hält ... im Freischütz gibts ja auch Hörner in zig Stimmungen, und heute spielt man das alles auf EINEM Horn (ich weiss, wegen den Ventilen).
    Umso interessanter finde ich die Frage, ob die Klarinetten vor 100 Jahren, oder vor 200 Jahren deutlich unterschiedlicher klangen als heute.

  • Wie kann man sich das ausrechnen?

    Wenn Du auf der B-Klarinette in C-Dur spielst, ist das in Wirklichkeit B-Dur (= 2 b addieren). Wenn Du auf der A-Klarinette in C-Dur spielst, ist das in Wirklichkeit A-Dur (= 3 # addieren).

    Zitat

    Das verstehe ich leider nicht: was ist die Überblas-Oktave bzw. Duodezime? Duodezime ist die 12. Stufe, das weiss ich schon. Meinst du damit, dass das mittelere oder hohe Register, wie bei der von dir erwähnten Stelle, überblasen ist?

    Wenn Oboe und Flöte überblasen werden, klingt es eine Oktave höher (z. B. g1 > g2). Bei der Klarinette sind es eineinhalb Oktaven (z. B. c1 > g2).


    Vgl. auch hier: "http://de.wikipedia.org/wiki/Transponierendes_Musikinstrument" Transponierendes Musikinstrument.


    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
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    Helmut Lachenmann

  • Wie kann man sich das ausrechnen?


    c-moll hat 3 b's (b, es, as). Die A-Klarinette spielt "von Natur aus" in A-Dur, also mit drei Kreuzen (falls notiert wie es klingt, wird aber nicht so notiert, siehe beliebige Partitur) 3+3 = 6 bzw. der A-Klarinettist spielt notiertes es-moll, wenn c-moll erklingen soll. Oder anders überlegt: Die A-Klar. klingt eine kleine Terz tiefer als notiert, muss also eine kleine Terz höher spielen, also c -> es


    Zitat

    Das verstehe ich leider nicht: was ist die Überblas-Oktave bzw. Duodezime? Duodezime ist die 12. Stufe, das weiss ich schon. Meinst du damit, dass das mittelere oder hohe Register, wie bei der von dir erwähnten Stelle, überblasen ist?


    "Überblasen" bedeutet, durch mehr Druck und eine Hilfsklappe höhere Obertöne hervorzurbringen. Der tiefste Ton eines Instruments ist, wenn alle Löcher/Klappen geschlossen sind. Den kann man dann "überblasen" und erhält den Ton eine Oktave höher (bei Doppelrohrblasinstrumenten wie Oboe, Fagott) bzw. Oktave+Quinte (zweiter Oberton) bei Klarinetten.
    Bei der Klarinette ist der tiefste Ton (alles zu) notiert e unter der dritten unteren Hilfslinie im Violinschlüssel (klingend d auf der B, cis auf der A-Klar.). Der tiefste Ton im Überblasregister ist nicht das e auf der untersten Linie, sondern das h auf der Mittellinie. Dieses erste Überblasregister geht bis zum c auf der 2. oberen Hilfslinie. Das ist für Solokantilenen das "schönste" Register. Danach kann man "doppelt überblasen, das wird aber sehr fiepsig und nur normalerweise kaum mehr in Kantilenen genutzt; nur noch in konzertanten virtuosen Läufen, oder wenn man eben den schrillen, fiepsigen Klang haben will.

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    (B. Pascal)

  • Lange ist es her, dass ich diesen Thread eröffent habe - und aus aktuellem Anlass schreibe ich jetzt diesen Beitrag.


    Ich spiele ja gerne Melodien, die ursprünglich für andere Instrumente gedacht waren, auf der Gitarre nach, um im Notenlesen nicht einzurosten, um verschiedene Spielweisen kennenzulernen etc.


    Bis jetzt waren es immer nicht transponierende Insrumente, aber gestern habe ich mir die Klarinette in A vorgenommen. Und jetzt steh ich ein bisschen an: für jeden Ton brauche ich eine kurze Zeit, bis ich ihn umtransponiert habe. Ich kann entweder vier Halbtöne rückwärts zählen - was nervig ist, oder aber auf der Gitarre den notierten Ton greifen und vier Bünde zurückrutschten, aber das ist alles sehr zeitaufwändig.


    Da stellt sich mir die Frage, ob das eine Erfahrungssache ist, dass man mit der Zeit (und Übung) die Töne nicht mehr umrechnen muss, sondern sie auswendig kann ... oder ob es eine andere Methode gibt, sowas schnell umzuwandeln.
    Ich glaube, dass solche Übungen gut sind, um transponierende Instrumente besser lesen zu können.

  • Wenn Du nur eine Melodie spielen willst, würde ich einfach wie notiert spielen, klingt dann halt ein bißchen höher. Solange man nicht mit anderen musiziert, ist das doch egal.
    Sonst kann ich auch keine Tips geben. Als ich Klarinette gespielt habe, war das entweder mit schon eingerichteten Noten oder ich oder jemand anders hat sie dann noch einmal entsprechend transponiert abgeschrieben. Wie man systematisch übt, direkt vom Blatt zu transponieren, kann ich daher nicht sagen. Jeden einzelnen Ton "umrechnen" sicher nicht. Man muss sich die geänderte Grundtonart klar machen, also zB A.-Dur statt notiert C-Dur, daher fis, cis, gis und dann immer anderthalb Töne tiefer
    Das ist wohl etwas einfacher bei B-Instrumenten, da immer genau ein Ganzton höher/tiefer.

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    (B. Pascal)

  • Wen es interessiert: Buffet hat ihre Internetseiten komplett überarbeitet. Das wurde auch Zeit, denn die alten waren schon 20 Jahre lang nicht mehr zeitgemäß.


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    Man kann dort Produktkataloge auch als PDF downloaden.


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    Viel Spaß,
    maticus

    Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
    Und wer Herr Reichelt ist, weiß ich auch erst seit Montag. --- Prof. Dr. Christian Drosten

  • Hallo zusammen :wink:
    So - nun ist meine Première in diesem Thread - ich tummele mich seit ein paar Wochen bei den "Oboen-Frischlingen", seit gestern bei den Celli - und nun auch hier :yes:


    Ich wollte noch etwas zu den A-/B-/C-Klarinetten beitragen, da ich im Besitz aller drei Stimmungen bin und sie permanent in Gebrauch habe:

    • Es ist nicht unüblich, dass in den Partituren (und manchmal leider auch in den Stimmen) "Klarinette in C" steht. Da muss man abwägen, ob dies aus Bequemlichkeitsgründen ("klingend notiert") der Fall ist, oder ob die helle Klangfarbe des Instruments gewünscht ist.


    • Die Klangfarbenunterschiede sind beträchtlich! Daher wird des Öfteren auch die A-Klarinette ganz bewusst einsetzt. Allerdings hatte ich neulich den Fall in Schumanns Cello-Konzert, dass der erste und dritte Satz in B notiert war und der ruhige, intonationsmäßig sehr heikle 2. Satz sollte mit der B-Klarinette gespielt werden. Darüber habe ich mich, nach Rücksprache mit dem Dirigenten, hinweg gesetzt und das gesamte Konzert auf der A-Klarinette gespielt. Das bekam der Intonation im 2. Satz auch sehr gut, da sonst eine "kalte" B-Klarinette zum Einsatz gekommen wäre....

    Schönen Abend noch!
    Viele Grüße
    :wink: Streich-Holz

    Viele Grüße
    Streich-Holz



    Wo die Sprache aufhört, fängt die Musik an.
    E.T.A. Hoffmann


    Das größte Verbrechen eines Musikers ist es, Noten zu spielen, statt Musik zu machen.
    Isaac Stein


    Der Umgang mit Musik und ihren Traumbildern macht für Liebe empfänglich.
    Stendhal (Marie-Henri Beyle)

  • Interessant wäre ja zu wissen, ob diese Unterschiede in der Klangfarbe nur aus der Länge des Instruments resultieren. Weil das verwendete Holz und die Mechanik wird ja wahrscheinlich bei allen Klarinetten das gleiche sein.

  • Du wirst es genauer wissen, aber ich schätze mal, dass du als Besitzer einer C-Klarinette eher eine Ausnahme bist. In moderner Literartur gibt es ja wahrscheinlich nahezu ausschließlich B- und A-Klarinette (sowie Bass- und Es-Klarinette). Ich denke mal, dass auch so gut wie niemand eine D-Klarinette besitzt. Eine solche zu kaufen, nur weil man sie dann mal in einem Stück einzusetzen kann, ist wohl purer Luxus. Aber da magmich ein Eingeweihter verbessern.


    Zu B- und A-Klarinette. Meines Wissens war es historisch so, dass es beide Klarinetten in erster Linie deswegen gab, um technische Schwierigkeiten beim Spielen mit zu vielen Vorzeichen zu vermeiden. Da sich Mechanik und Intonation bei modernen Instrumenten verbessert hat, ist dies heute nicht mehr notwendig, und im Vordergrund steht die Klangcharakteristik. Auch hier mag man mich korrigieren.


    Dazu ein paar Fragen (bzw. Anmerkungen):

    • Ist es in südlichen Ländern wie Italien und Spanien immer noch so, dass Klarinettisten dort meist nur eine (erweiterte) B-Klarinette spielen und entsprechend transponieren?
    • "Halten" sich alle Komponisten an die Aufteilung in B- und A-Klarinette? Ich habe mal gehört, dass Prokofjew bei seinen Symphonien dazu keine Angabe macht. (Aber das mag falsch sein.) Und wenn Komponisten "heute" B- und A-Klarinette in Orchesterstücken einsetzen, geschieht das dann allein zum Zwecke des (vermeintlichen) Klangeffekts?
    • Ob es diese Klangunterschiede zwischen B- und A-Klarinette tatsächlich gibt, dürfte wohl umstritten sein; die Frage ist, ob sich die Klarinetten nicht eher nur für den Klarinettisten unterschiedlich "anfühlen" (Blaswiderstand etc.). Gibt es dazu Blinduntersuchungen?
    • Die Es-Klarinette, zumindest, wird ja offenbar oft wegen ihres schneidenden Klanges eingesetzt, womit man oft einen parodistischen oder furchteinflößenden Effekt erreichen kann.

    .


    maticus

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  • Hallo maticus!


    Ich wollte nochmal eine Stelle aus meinem ersten Beitrag zitieren:



    Ich habe mir zwei meiner Partituren (Hänsel und Gretel, Der Freischütz) angesehen, um zu sehen, wie die jeweilgen Komponisten diese beiden Klarinetten einsetzen, und daraus vielleicht Schlüsse zu ziehen über den Klang der Instrumente in früherer Zeit. Beide Opern wurden im gleichen Jahrhundert geschrieben. Humperdinck verwendet hauptsächlich die B-Klarinette, allerdings wechselt er manchmal zur A; auffälligerweise meistens dann, wenn die Musik ruhiger und "besinnlicher" wird, wie z.B. beim Auftrittslied des Sandmännchens, wo gedämpfte tremolierende Streicher und eine Harfe eine sehr intime Stimmung erzeugen.

    Da wäre die Frage, ob die Klangunterschiede (wenn es sie gibt; ich kann das als Nicht-Klarinettespieler leider nicht beurteilen) vor 120 Jahren deutlicher waren als heute.

  • Interessant wäre ja zu wissen, ob diese Unterschiede in der Klangfarbe nur aus der Länge des Instruments resultieren. Weil das verwendete Holz und die Mechanik wird ja wahrscheinlich bei allen Klarinetten das gleiche sein.

    Naja - wenn man einen sogenannten "Satz" (baugleiche A- & B-Klarinette) besitzt, hängt es bestimmt hauptsächlich mit der Länge des Instrumentes ab. Aber auch das Mundstück samt Blatt verhält sich bei A- und B-Klarinette meiner Erfahrung nach auch etwas unterschiedlich. Ich habe mittlerweile auf beiden unterschiedliche Mundstücke drauf.


    Zu B- und A-Klarinette. Meines Wissens war es historisch so, dass es beide Klarinetten in erster Linie deswegen gab, um technische Schwierigkeiten beim Spielen mit zu vielen Vorzeichen zu vermeiden. Da sich Mechanik und Intonation bei modernen Instrumenten verbessert hat, ist dies heute nicht mehr notwendig, und im Vordergrund steht die Klangcharakteristik. Auch hier mag man mich korrigieren.

    Jepp, aber auch heute macht man den Klarinettisten das Leben manchmal vorzeichenmäßig leichter, wenn auf "A" gewechselt wird.


    Ist es in südlichen Ländern wie Italien und Spanien immer noch so, dass Klarinettisten dort meist nur eine (erweiterte) B-Klarinette spielen und entsprechend transponieren?

    Ich weiß nicht genau, was Du meinst. Es gibt z.B. Voll-Böhmklarinetten in B, die bis zum tiefen Es reichen und somit den Tonumfang von der A-Klarinette haben.


    "Halten" sich alle Komponisten an die Aufteilung in B- und A-Klarinette? Ich habe mal gehört, dass Prokofjew bei seinen Symphonien dazu keine Angabe macht. (Aber das mag falsch sein.) Und wenn Komponisten "heute" B- und A-Klarinette in Orchesterstücken einsetzen, geschieht das dann allein zum Zwecke des (vermeintlichen) Klangeffekts?

    Ich habe noch nie Prokofjew gespielt - kann ich nichts zu sagen. Vielleicht solltest Du bei imslp.org mal nach einer Partitur schauen? Zum zweiten Teil Deiner Frage: Beides denke ich, bzw. habe ich bereits erlebt.


    Ob es diese Klangunterschiede zwischen B- und A-Klarinette tatsächlich gibt, dürfte wohl umstritten sein; die Frage ist, ob sich die Klarinetten nicht eher nur für den Klarinettisten unterschiedlich "anfühlen" (Blaswiderstand etc.). Gibt es dazu Blinduntersuchungen?

    Man kann es hören! Für mich ist es nicht umstritten.... Sie fühlen sich anders an (Finger haben eine minimal andere Haltung, Instrumente reagieren unterschiedlich) und man ist schon ein bisschen irritiert, da die Töne "etwas anders" (nämlich einen Halbton tiefer) als direkt nach einem Wechsel erwartet... Außerdem habe ich immer das Gefühl (aber es ist nur mein Gefühl!), dass ich bei gleichem Aufwand auf der A-Klarinette leiser spiele. Zu Blinduntersuchungen kann ich nichts sagen - keine Ahnung.


    Viele Grüße
    Streich-Holz

    Viele Grüße
    Streich-Holz



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  • In einer "egal"-Partitur müsste dann die Stimme so notiert sein, wie sie erklingt, das habe ich noch nie gesehen. Im Normalfall werden Partitur und Stimmen immer ein bestimmtes Instrument vorschreiben. Wenn ein Musiker in der Praxis dann transponieren muss, ist das sein Problem...

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    (B. Pascal)

  • Ich weiß nicht genau, was Du meinst. Es gibt z.B. Voll-Böhmklarinetten in B, die bis zum tiefen Es reichen und somit den Tonumfang von der A-Klarinette haben.


    Ja, genau die meinte ich. Die sind wohl nur dafür entwickelt worden, um eine A-Klarinette zu ersetzen, und waren, soweit ich weiss, im südeuropäischen Raum sehr verbreitet (evtl. auch Südamerika?).

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  • Um die Klarinetten mal wieder ins Spiel zu bringen; man könnte meinen, es gäbe nur Oboen. ;+)

    Interessant wäre ja zu wissen, ob diese Unterschiede in der Klangfarbe nur aus der Länge des Instruments resultieren. Weil das verwendete Holz und die Mechanik wird ja wahrscheinlich bei allen Klarinetten das gleiche sein.


    Wie schon teilweise erwähnt, hängt der Klarinettenklang von vielen Parametern ab: Mundstück (Material, Form der Bahn, Größe und Länge der Öffnung), vom Blatt, aber ganz besonders vom Bläser selbst. Zudem gibt es unterschiedliche Systeme (Oehler, Boehm, Reform-Boehm), wobei z. B. das Oehlersystem mehr Löcher hat im Vergleich zum Boehmsystem (wenn ich das richtig in Erinnerung habe), zudem die Bohrung stärker an das zylindrische Ideal herankommt.


    Allerdings werden die Klangunterschiede zwischen den Systemen unterschiedlich beschrieben. Es scheint sich auch immer mehr die Meinung durchzusetzen, dass der Unterschied zwischen Oehler und Boehm vernachlässigbar ist, und stattdessen die Klangvorstellung des Bläsers das alles Entscheidende ist. Ich denke mal, der Unterschied zwischen B- und A-Klarinette dürfte noch deutlich geringer sein.


    Man kann es hören! Für mich ist es nicht umstritten.... Sie fühlen sich anders an (Finger haben eine minimal andere Haltung, Instrumente reagieren unterschiedlich) und man ist schon ein bisschen irritiert, da die Töne "etwas anders" (nämlich einen Halbton tiefer) als direkt nach einem Wechsel erwartet... Außerdem habe ich immer das Gefühl (aber es ist nur mein Gefühl!), dass ich bei gleichem Aufwand auf der A-Klarinette leiser spiele. Zu Blinduntersuchungen kann ich nichts sagen - keine Ahnung.


    Ich bestreite nicht, dass sich eine A-Klarinette ganz anders anfühlt (für den Bläser), und auch der Blaswiderstand etc. anders ist. Die Frage bleibt aber, ob das auch der Zuhörer im Konzertsaal mitbekommt, ganz zu schweigen von einer CD-Aufnahme. Und wenn ja, kann das immer noch daran liegen, dass der Bläser eine A-Klarinette anders spielt als eine B-Klarinette (weil sie sich für ihn ja anders anfühlt).


    maticus

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  • Es scheint sich auch immer mehr die Meinung durchzusetzen, dass der Unterschied zwischen Oehler und Boehm vernachlässigbar ist, und stattdessen die Klangvorstellung des Bläsers das alles Entscheidende ist. Ich denke mal, der Unterschied zwischen B- und A-Klarinette dürfte noch deutlich geringer sein.

    Da wäre es doch toll, wenn es zu verschiedenen Instrumenten Videos gäbe (z.B. auf Youtube), wo verschiedene Bauweisen, oder verschiedene Klappensysteme etc. miteinander verglichen werden


    Beispielsweise eben eine Klarinette mit Boehm und eine mit Oehler Mechaniken, gespielt vom gleichen Spieler, und jedesmal muss das selbe Stück gespielt werden.


    Auf Youtube sah ich mal ein Video, wo ein Hornist das selbe Stück einmal auf einem Naturhorn (also ohne Ventile) und einmal auf einem Ventilhorn spielte. Da wäre es wiederum interessant, wie z.B. ein "normales" Ventilhorn im Vergleich zu den speziellen Wiener Hörnern klingen, die die Wiener Philharmoniker benutzen.


    Ich glaube, so ein Vergleich müsste auf jeden Fall so sein, dass darin möglichst viele Töne aus jeder Lage vorkommen, der tiefsten wie der höchsten, sowie unterschiedliche Lautstärken.


    Interessant wäre es halt, zumindest für Laien wie mich.

  • Was mir noch zum (Klang-) Unterschied zwischen B- und A-Klarinette einfällt: ein relevanter Aspekt könnte sein, dass *dasselbe* Stück deswegen anders klingen mag, weil in einem Fall (bei vielen Vorzeichen) viele Seitenklappen genutzt werden, im anderen Fall (wenig Vorzeichen) aber nicht.


    Interessant wäre auch, was die Komponisten von den Klangeigenschaften einer B- bzw. A-Klainette "wissen", also abgesehen von den technischen Schwierigkeiten bei gewissen Tonarten. Evl. nur das vermeintliche B=brilliant und hell, A=wärmer und weicher?


    maticus

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