Oud-Virtuosen im Jazz: Abou-Khalil, Brahem & Co

  • Oud-Virtuosen im Jazz: Abou-Khalil, Brahem & Co

    Da ich in einem anderen Thread bereits hocherfreut über Rabih Abou-Khalil gestolpert bin, möchte ich an dieser Stelle gerne eine "Altlast" aufwärmen, die sich ihm und anderen Oud-Spielern widmen soll.


    Der Oud ist der orientalische Vorfahre der europäischen Laute, den die Mauren ebenso wie die Kreuzfahrer nach Europa brachten, was zur Entwicklung der in Europa geläufigen Laute führte. Man datiert die Entstehung des Oud ca. auf das 10. Jahrhundert n. Chr., weiß aber auch über ähnliche Instrumente in der antiken Welt etwa der Sumerer und Babylonier. Ein einheitliches Stimmungssystem gibt es nicht. Die Stimmung in Quarten gilt als üblich, kann von Musiker zu Musiker allerdings verändert sein, was zu sehr charakteristischen Spielweisen der jeweiligen Virtuosen allein durch die Stimmung führt.


    Mindestens drei Oud-Spieler haben in den vergangenen 15 Jahren in der europäischen Jazzwelt für Aufsehen gesorgt und deutlich vernehmbare Spuren hinterlassen.


    Rabih Abou-Khalil (*1957) stammt aus Beirut, emigrierte aber Ende der siebziger Jahre nach München. Er fügt seine Musik, die geprägt ist von der arabischen Tradition, dem Jazz und dem Rückgriff auf die europäische Musikgeschichte zuvorderst mittels eines Elementes zusammen: des Humors. Der vermittelt sich durch aberwitzige Instrumentierungen, skurrile Songtitel und hintersinnigen Wortwitz bei seinen Live-Auftritten. Dennoch ist seine Musik fernab jedweder platter Kasperei, sie zeigt aber, dass man höchste Ansprüche auch mit einem Augenzwinkern präsentieren kann. Der Monty Python der Oud-Spieler quasi. Seine kleineren Besetzungen werden immer wieder für CD-Aufnahmen und Live-Konzerte um einige Bläser erweitert, unter denen sich Spitzenmusiker der amerikanischen und europäischen Jazzszene befinden. Orient, Okzident und Neue Welt treffen hier lustvoll aufeinander. Darüber hinaus arbeitete Abou-Khalil mit dem Ensemble Modern und dem Kronos Quartet zusammen.


     



    Dhafer Youssef (*1967) stammt aus Tunesien, wanderte ebenfalls aus und schaffte in Wien seinen künstlerischen Durchbruch. Neben dem Oud-Spiel setzt er ebenfalls seine früh in Koranschulen ausgebildete Gesangstimme ein. Ohrenfällig sind seine Arbeiten mit Musikern, die vornehmlich elektrisch verstärkt und verfremdend arbeiten, wie der Keyboarder Bugge Wesseltoft oder der Gitarrist Wolfgang Muthspiel. Er kombiniert die Versatzstücke der Tradition mit den technischen Mitteln der Gegenwart und gelangt so häufig zu zeitloser, archaischer Musik, erzählt in einer hochmodernen Sprache.


     



    Anouar Brahem (*1957) stammt ebenfalls aus Tunesien. In den letzten Jahren hat er viele Aufnahmen bei ECM veröffentlicht, die meisten davon in eher kleineren Besetzungen, mit denen er seine Vorstellungen einer ruhigen, konzentrierten Begegnung der Kulturen eindringlich umsetzte. Ganz erstaunlich ist hierbei, mit welcher Sicherheit er jegliche Stereotypen umschiffte, denen minder begabte Musiker bei so genannten Grenzgängen oder Crossover-Aktionen häufig erliegen.


     


    Wie steht ihr zu den genannten Musikern? Gibt es weitere CD-Empfehlungen oder Tipps bezüglich weiterer Oud-Virtuosen?


    LG
    C.

    „Beim Minigolf lernte ich, wie man mit Anstand verliert.“ (Element of Crime)

  • Hallo Carsten,



    Die einzige Platte die ich zurzeit Rabih Abou Khalil ist Journey To The Centre Of An Egg mit Joachim Kühn am Klavier. Hier treffen zwei Welten aufeinander, es ist ein vielschichtiges Gewebe aus meditativen, spielerischen und expressiven Momenten. Ich werde mir sicher noch die eine oder andere CD von Abou Khalil zulegen



    Von Anouar Brahem besitze ich Astrakan Cafe, Le Pas du Chat Noir, Le Voyage de Sahar.
    Ich mag Anouar Brahem sehr, es sind akkustische Juwele, die man ziemlich oft hören kann. Alles wirkt sehr gepflegt. Der Klang von Astrakan Café ist eher schlicht, leise und etwas meditativ.



    In Istanbul habe ich das Taksim Trio kennengelernt - Aytac Dogan, Kanun-Spieler, Klarinettist Hüsnü Sentendiric, Baglama-Spieler Ismail Tuncbilek. Die drei spielen mit eine leichtigkeit sehr entspannte orientalische Musik.


    gruß
    romain

    Dieser Thread muß weitergeführt werden!!!

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