Miles Davis - Ein Jazzleben im Spiegel seiner Aufnahmen

  • Das verstehe ich nun wiederum nicht. Es ging ja um die ersten Sekunden des Stückes und da sagt, meiner Meinung nach, jemand: "I' ll play and tell you what it is later". Daher kann ich dir derzeit nicht so recht folgen, was deine Zitate v. John Contrane und Bob Weinstock anbelangt ...

    Ich selbst kann es nicht verstehen, sondern habe nur das hier reingeschrieben, was Miles Davis selbst in seiner Autobiographie geschrieben hat. Sorry, wenn das nicht zufrieden stellt, aber mehr kann ich Dir da nicht schreiben zu. Daher auch die genaue Seitenangabe im Buch.

    Viele Grüße sendet Maurice

    Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)

  • Ich selbst kann es nicht verstehen, sondern habe nur das hier reingeschrieben, was Miles Davis selbst in seiner Autobiographie geschrieben hat. Sorry, wenn das nicht zufrieden stellt, aber mehr kann ich Dir da nicht schreiben zu. Daher auch die genaue Seitenangabe im Buch.

    Danke für deine Rückmeldung.

    Habe nun mal nach dem Zitat gegoogelt und bin auf dieses Buch gestoßen: „So What – The Life of Miles Davis“ (v. John Szwed).

    Hier mal Zitate daraus ...

    https://books.google.de/books?id=GA-fC…0opener&f=false

    "On the opener, „If I were a bell“, Miles responds to an unheard question from producer Weinstock by saying „I‘ ll play it and tell you what it is later“.

    Und dann noch zum letzten Stück ...

    "When „Woody ‘n‘ You“ comes to an end, Miles asks if that take is okay, and Weinstock jokes that it isn’t. When Miles asks why, Coltrane is heard in the background asking for the beer opener."

    https://www.youtube.com/watch?v=hzS7SUjVk_Q

    Die Sache mit dem Bieröffner bezieht sich also auf das letzte Stück und es heißt, dass Miles in beiden Stücken zu hören ist. Nun verstehe ich gar nichts mehr. :S

    "Welche Büste soll ich aufs Klavier stellen: Beethoven oder Mozart?" "Beethoven, der war taub!" (Igor Fjodorowitsch Strawinsky)

  • Die Sache mit dem Bieröffner bezieht sich also auf das letzte Stück und es heißt, dass Miles in beiden Stücken zu hören ist. Nun verstehe ich gar nichts mehr.

    Macht nix, dann sind wir schon zwei. Rein realistisch betrachtet, dürfte Miles wegen seiner Stimmband-Probleme kaum zu hören sein.

    Möglich ist auch, dass die Übersetzung des Buches nicht so gut gelungen ist, leider immer mal wieder ein Problem bei Buchübersetzungen.

    Viele Grüße sendet Maurice

    Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)

  • acht nix, dann sind wir schon zwei. Rein realistisch betrachtet, dürfte Miles wegen seiner Stimmband-Probleme kaum zu hören sein.

    Möglich ist auch, dass die Übersetzung des Buches nicht so gut gelungen ist, leider immer mal wieder ein Problem bei Buchübersetzungen.

    Nun muss ich aber noch mal nachhaken:
    Steht in deiner Autobiographie tatsächlich, dass sich die Szene mit dem Bieröffner in „If I were a Bell“ abgespielt hat - und nicht in „Woody ‘n‘ You“? Das wäre ja - in der Tat - ziemlich merkwürdig.

    Also, ich rede mir jetzt einfach mal ein, dass es tatsächlich Miles war. ^^ Und vielleicht war es ja so, dass er seine Stimme erst nach und nach verloren hat ... dann würde es passen. Das passt aber wiederum nicht zu den Aussagen der Zeitzeugen (im Doku-Film). Alles merkwürdig ... Aber vielleicht bringt hier ja jemand noch Licht ins Dunkel ...

    "Welche Büste soll ich aufs Klavier stellen: Beethoven oder Mozart?" "Beethoven, der war taub!" (Igor Fjodorowitsch Strawinsky)

  • Nun muss ich aber noch mal nachhaken:
    Steht in deiner Autobiographie tatsächlich, dass sich die Szene mit dem Bieröffner in „If I were a Bell“ abgespielt hat - und nicht in „Woody ‘n‘ You“? Das wäre ja - in der Tat - ziemlich merkwürdig.

    Ja !!!!!! Sogar mit einem Sternchen und Querverweis zur Aufnahme "Relaxin'". Es war wohl die letzte Platte, die er für Prestige produzieren musste. Ich würde ja ein Bild von der Seite des Buches reinsetzen, aber das geht leider nicht.

    Viele Grüße sendet Maurice

    Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)

  • Es war wohl die letzte Platte, die er für Prestige produzieren musste. Ich würde ja ein Bild von der Seite des Buches reinsetzen, aber das geht leider nicht.

    Im Original Chapter 10 ,die Seite 203 : " Then in May I reor­ganized my regular band with Trane, Bed, Philly Joe, and Paul, and we went back to record for Prestige again over at Budy Van Gelder's place in Hackensack, New Jersey. I remember this session well be­cause it was long, and the playing was great. We did no second takes. We just recorded like we were playing a nightclub set. That's the recording session where you can hear Trane saying on the record, "Could I have a beer opener?" and asking Bob Weinstock, "How was that, Bob?" and "Why?" after Bob pulled my leg telling us we had to do a tune over again. The next month we sneaked back into the recording studio for Columbia and cut three or four more sides for them that came out later on ‘Round About Midnight, my first Columbia album."
    Muß Rudy van Gelder heißen . Ansonsten - nach meiner Erfahrung ist das Gedächtnis , auch von Musikern , nicht präziser als andere auch . Ich würde da nicht so viel drauf geben .

    Good taste is timeless - "Ach, ewig währt so lang " - "But I am good. What the hell has gone wrong?" - A thing of beauty is a joy forever.

  • Muß Rudy van Gelder heißen . Ansonsten - nach meiner Erfahrung ist das Gedächtnis , auch von Musikern , nicht präziser als andere auch . Ich würde da nicht so viel drauf geben .

    Ähm, man kann das so sehen, muss es aber nicht so sehen. Ich denke, wenn man die Möglichkeit hat, direkt von der (in der Tat nach all den Jahren nicht immer zuverlässigen) Quelle Informationen bekommt, können sie durchaus weiterhelfen. Das mit dem Plattenlabel-Wechsel ist allerdings richtig, und dass es ums Geld ging, dürfte auch nachvollziehbar sein, denn Prestige war ein viel kleineres Label als die große CBS-Columbia damals. DAS war ein echter Riese gewesen, und das weltweit.

    Viele Grüße sendet Maurice

    Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)

  • Miles Davis : Four & More und " My Funny Valentine - Miles Davis in Concert" AD: 12.02.1964 , live at the Licoln Center, NYC. - beide CDs

    Miles Davis (Trompete) - George Coleman (Drums) - Herbie Hancock (Klavier) - Ron Carter (Bass) - Tony Williams (Drums)

    Man muss diese beiden CDs in EINEM sehen, denn es handelt sich dabei um EIN Konzert. Die Band geht hier ab wie die berühmte "Schmidts Katze". Man müsste beide CDs zusammensetzen und in der regulären Reihenfolge abspielen können, denn "Four&More" ist eine absolute "Tour de Force" durch die Stücke. Als ob die Band schneller Feierabend haben wollte. Die zweite CD beinhaltet dann die gemäßigteren Stücke.

    Das ist selbst mir teilweise zu heavy, aber auch wiederum "saugeil". Absoluter Wahnsinn, wie ALLE zusammen spielen, dabei aber auch ihre Freiheiten genießen und ausloten. Immer mehr werde ich zu einem Fan von George Coleman, der für mich so eine Art "Zwischending" von Sam Rivers und Wayne Shorter ist, stilistisch freier als Shorter, aber nicht so weit gehend wie Rivers es tat. Schade, dass er nicht so lange in der Band spielte, aber toll, dass es einige Alben MIT ihm zu haben sind.

    Ich frage mich auch, wie Ron Carter dieses Tempo aufrecht erhalten konnte. Was muss man für ein auch technisch hervorragender Bassist sein, um hier nimmermüde den Drive aufrecht erhalten konnte? Was für ein Teufelsmusiker !! Er kommt mir immer so schlecht weg, weil man nur Miles, Herbie und Tony erwähnte, selten Coleman, fast nie Carter.

    Ron Carter, Du bekommst daher von mir hier ein ganz ganz großes Lob von mir !! Danke, dass Du damals dabei warst, und so einen famosen Bass spielen konntest !!!

    Eine weitere Geschichte aus Miles Davis' Autobiographie zu diesem Auftritt. Es war eine Benefiz-Konzert für die Bürgerrechtsbewegungen. Die Musiker wollten nicht ohne Gage spielen, waren alle irgendie sauer auf Davis. Und, wie schrieb Davis so schön: "Sie bliesen das Dach vom Saal". Ich zitiere mal aus der deutschen Übersetzung heraus: Es war der reinste Wahnsinn, wie wir spielten. Ich meine, wirklich alle. Die meisten Stücke spielten wir rasend schnell, und es gab keinen einzigen Patzer. George Coleman war noch nie so gut wie an diesem Abend. Aber es lag eine kreative Spannung in der Luft, von dem das Publikum nichts wissen konnte."

    Eine weitere Stelle möchte ich an dieser Stelle erwähnen: George Colemans Spiel mochte Tony Williams nicht. Der Grund ist vielleicht nicht so recht verständlich, denn Coleman machte keine Fehler, sei es, vom harmonischen, oder vom technischen Standpunkt her, und mit solchen Leuten tat sich Williiams wohl schwer. Williams muss ein Fan von Ornette Coleman gewesen sein. Und eines Abends muss er Archie Shepp ins "Village Vavguard" gebracht haben, der dann mit eingestiegen war. Davis fand ihn nur schrecklich, und verließ in dieser Zeit die Bühne. Nun zitiere ich wieder aus dem Deutschen heraus : "Er konnte nicht spielen, und ich wollte nicht mit dieser Knalltüte da oben rumstehen."

    Ich weiß, das wird bei unseren "Free Jazz-Usern" wieder Diskussionen geben, aber das war auch der Sinn, das hier zu schreiben. Irgendwie kann ich Davis verstehen, aber Shepp konnte spielen, das muss man ebenso deutlich sagen. Doch für damals muss es für den armen Miles grauenvoll gewesen sein.

    Viele Grüße sendet Maurice

    Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)

  • https://www.youtube.com/watch?v=z3I7ASVeFwQ

    Durch Zufall bin ich heute Morgen auf die Miles Davis-Komposition "Slippin' at Bells" aus dem Jahre 1947 gestoßen. Sie wurde nur 1947 (14.08.47, mal spielte, dann offenbar nie wieder. Ist dürfte das Charlie Parker-Quintett gewesen sein, aber Parker spielt hier Tenorsax. Mit dabei waren John Lewis (Klavier), Nelson Boyd (Bass) und Drummer Max Roach) eingespielt.

    Das Stück findet man immerhin in einem der alten Ausgaben der Real Books in "klingend F" und ist spielbar, wenn es ein paar Mal durchgespielt hat, damit es in den Fingern liegt. Es gibt zwei komplette Takes, sonst ist mir das Stück bei Miles nie wieder aufgefallen. Es ist ein leicht modifizierter Blues, also nix Aufregendes.

    Das Stück gehört zu einer Reihe, die für das Label "Dial" eingespielt wurde. Man findet es unter Charlie Parkers Einspielungen ("The Complete Charlie Parker, Vol.3). Allerdings wurde die Besetzung (vermutlich aus rechtlichen Gründen) als "The Miles Davis All Stars" geführt, da es seine allerersten eigenen Einspielungen waren. Mehr dazu im Link Unten:

    https://www.jazziz.com/miles-davis-fe…ippin-at-bells/

    Also eine jener Kuriositäten, wie man sie immer mal wieder zu hören bekommt.

    Viele Grüße sendet Maurice

    Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)

  • Maurice:
    Die beiden Alben zum Konzert im Lincoln Center werde ich mir wohl auch noch anschaffen müssen ...

    Und danke für die "Kuriosität" ...

    Ich habe mir von gestern auf heute diese beiden Alben (aus meiner "All Miles"-Box) angehört:

    Cookin' with the Miles Davis Quintet (1957)

    und

    Steamin' with the Miles Davis Quintet (1961)

    Besetzung:

    Miles Davis (tp)
    John Coltrane (ts)
    Red Garland (p)
    Paul Chambers (b)
    Philly Joe Jones (dr).


    Die "Cookin'" gefällt mir sehr gut. :thumbup: Hab' ich schon mehrmals gehört. :)

    Mit der "Steamin'" werde ich jedoch noch nicht so recht warm ... Und bei "Salt Peanuts" hat Philly Joe Jones - mit seinem nicht enden wollenden Schlagzeugsolo - meine Nerven ziemlich strapaziert. :S Ich empfinde ihn allerdings generell als recht "dominant" in seinem Spiel (also auch in den anderen Quintet-Alben). Vielleicht ist es auch das Schlagzeug an sich, keine Ahnung. Ich gehe aber davon aus, dass es eher die "Härte" ist, mit der er spielt. Hier könnt ihr mich aber gern eines Besseren belehren. Lerne ja gern hinzu ... Ach, und Red Garland gefällt mir als Pianist richtig, richtig gut; und zwar nicht nur hier. 8)

    "Welche Büste soll ich aufs Klavier stellen: Beethoven oder Mozart?" "Beethoven, der war taub!" (Igor Fjodorowitsch Strawinsky)

  • Der Link zu "Four & More scheint weiter Oben nicht zu funktionieren.Hier mal den von JPC. Hoffentlich klappt es jetzt. Danke für die Info, Newbie69

    Viele Grüße sendet Maurice

    Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)

  • Maurice:
    Die beiden Alben zum Konzert im Lincoln Center werde ich mir wohl auch noch anschaffen müssen ...

    Und danke für die "Kuriosität" ...

    Gerne doch. Oha !! Du wirst noch zum Miles-Fan der ersten Reihe :D


    Und bei "Salt Peanuts" hat Philly Joe Jones - mit seinem nicht enden wollenden Schlagzeugsolo - mein Nerven ziemlich strapaziert. Ich empfinde ihn allerdings generell als recht "dominant" in seinem Spiel (also auch in den anderen Quintet-Alben). Vielleicht ist es auch das Schlagzeug an sich, keine Ahnung. Ich gehe aber davon aus, dass es eher die "Härte" ist, mit der er spielt.

    Er hatte einen recht eigenen Stil. Bekannt wurde vor allem sein "Philly-Rim" auf die Zählzeit vier am Rande der Snare Drum (also der kleinen Trommel). Doch "zu laut" war er eigentlich nicht. Jones konnte jedes Tempo spielen, und gilt in der Branche als einer der besten "Besen-Spieler". Er wurde von Art Blakey und Max Roach beeinflusst. Du darfst nicht vergessen, dass wir hier im Hard Bop sind und nicht mehr im Cool Jazz.

    Viele Grüße sendet Maurice

    Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)

  • Die vier Alben der beiden Aufnahmen im Mai und Oktober 1956 für Prestige sind schon echt klasse. Habe mir gerade noch einmal "Relaxin´..." angehört. Das ist ein wunderbares Harmonieren der Musiker. Hab mal bei einigen Stücken auf das Zusammenspiel von der linken Hand Red Garlands und dem Bass von Paul Chambers geachtet; selbst bei etwas langsameren Passagen bzw. Stücken sind die rhythmischen Nuancen, Verschiebungen und Verzögerungen wunderbar und leichtfertig aufeinander abgestimmt. Das Zusammenspiel der Rhythmussection wirkt insgesamt super leichtfüßig. Aber das gilt auch für die Bläser, und sogar bei Miles Davis habe ich das Gefühl, dass es ihm in den Improvisationen leicht und unverkrampft über die Lippen geht; das empfinde ich bei weitem nicht immer bei Davis.

    Uwe

    Wenn alle ein klein wenig verrückter wären, dann wäre die Welt nicht so durchgedreht.

  • Die vier Alben der beiden Aufnahmen im Mai und Oktober 1956 für Prestige sind schon echt klasse. Habe mir gerade noch einmal "Relaxin´..." angehört. Das ist ein wunderbares Harmonieren der Musiker.

    So ist es. Danke für das positive Feedback zu den vier Alben, speziell auch "Relaxin'" :)

    Viele Grüße sendet Maurice

    Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)

  • Ich bin ja zur Zeit dermaßen geflasht von all den tollen (und abwechslungsreichen) "Miles Davis"-Alben, dass ich mich kaum traue, weitere Alben meiner Prestige-Box zu hören, da ich irgendwie die Befürchtung habe, nur noch enttäuscht werden zu können ... ^^ Aber nix da.

    Heute mal "Easy Listening"-Miles aus meiner Box ...

    Miles Davis and Milt Jackson: Quintet / Sextet (1955)

    Da ich nun Wochenende habe, genau das richtige Album ... :)

    Miles Davis (tp)
    Milt Jackson (vb)
    Jackie McLean (as)
    Ray Bryant (p)
    Percy Heath (b)
    Arthur Taylor (dr)


    Uwe Schoof:
    Die "Relaxin'" hast du ganz wunderbar kommentiert! :thumbup:

    "Welche Büste soll ich aufs Klavier stellen: Beethoven oder Mozart?" "Beethoven, der war taub!" (Igor Fjodorowitsch Strawinsky)

  • Das ist interessant, nach den vier klassischen Einspielungen von 1956 das ein Jahr vorher produzierte Album "Miles Davis and Milt Jackson Quintet/Sextet" zu betrachten. Obschon Miles Davis einige Zeit bereits mit dem jungen Sonny Rollins sowie Red Garland, Paul Chambers und Philly Joe Jones auftrat, wählte er für sein Studioalbum, wie von Newbie ja bereits aufgezählt, in der Rhythmusgruppe Ray Bryant, Percy Heath, und Art Taylor sowie als Solisten Jacky McLean und Milt Jackson, der ja später ebenso wie Percy Heath Mitglied des äußerst homogenen und erfolgreichen Modern Jazz Quartet werden sollte.

    Ich habe bei diesem Album den Eindruck, dass Miles Davis im Gegensatz zu einigen früheren Einspielungen in den Improvisationen hinsichtlich der Tonfindung etwas sicherer und lebendiger wirkt, aber noch nicht den Mut und die "Power" der im Jahr danach eingespielten vier Alben hatte. Es liegt also etwas zwischen den holprigen Frühaufnahmen und den Meisterquintetten. Ich frage mich dabei generell, ob die spielerische Selbstsicherheit von Davis nicht etwas von den jeweiligen Rhythmussections abhängig war. Ich will damit natürlich nicht sagen, dass er ohne Selbstbewusstsein und von anderen abhängig war - das war er mit Sicherheit überhaupt nicht, ganz im Gegenteil, -, aber Garland/Chambers/Joe Jones waren, ebenso wie später Hancock/Carter/Williams im anderen großen Quintett, unglaublich eingespielte, pulsierende und insbesondere mitreißende Basis für Davis, die ihm anscheinend ein dynamisches und sicheres Gerüst war und in dessen Sog dementsprechend die Post abging. Ich möchte dies etwas platt so ausdrücken: In solch fantastischen und sicheren Rhytmusgruppen kann man ja nichts anderes machen als sich mitreißen zu lassen.

    Das Miles Davis-Milt Jackson-Album finde ich, wie gesagt, ganz ordentlich und gelungen, wenngleich es etwas harmlos ist. Alles ist sauber, aber ohne den ganz besonderen besonderen Pep. Die beiden Stücke, in denen Jacky McLean mitspielt und die dieser auch geschrieben hat, wirken auf mich dabei viel lockerer und kraftvoller als die anderen beiden ohne ihn. Die kurzen Themen gefallen mir, sind lebendig und knackig, und diese Attribute werden auch im Laufe der Stücke beibehalten. Jacky McLean höre ich generell ziemlich gerne, und auch in dieser Session spielt er klar und frisch. Somit verwundert es mich etwas, wenn ich lese, dass Miles Davis in seiner Biographie geschrieben haben soll, dass er beschloss, ihn nach dieser Aufnahme nicht mehr zu engagieren. Angeblich sei McLean bei der Einspielung so high gewesen, dass er dauernd Angst hatte, nicht mehr spielen zu können. Davis schien die Schnauze voll von ihm zu haben.

    Naja, in den Stücken höre ich diese Unstimmigkeit nicht heraus. Mir gefällt übrigens auch, dass Davis ohne Dämpfer spielt. So mag ich seinen wunderschönen Trompetenton am liebsten.

    Uwe

    Wenn alle ein klein wenig verrückter wären, dann wäre die Welt nicht so durchgedreht.

  • Ich habe bei diesem Album den Eindruck, dass Miles Davis im Gegensatz zu einigen früheren Einspielungen in den Improvisationen hinsichtlich der Tonfindung etwas sicherer und lebendiger wirkt, aber noch nicht den Mut und die "Power" der im Jahr danach eingespielten vier Alben hatte. Es liegt also etwas zwischen den holprigen Frühaufnahmen und den Meisterquintetten. Ich frage mich dabei generell, ob die spielerische Selbstsicherheit von Davis nicht etwas von den jeweiligen Rhythmussections abhängig war. Ich will damit natürlich nicht sagen, dass er ohne Selbstbewusstsein und von anderen abhängig war - das war er mit Sicherheit überhaupt nicht, ganz im Gegenteil, -, aber Garland/Chambers/Joe Jones waren, ebenso wie später Hancock/Carter/Williams im anderen großen Quintett, unglaublich eingespielte, pulsierende und insbesondere mitreißende Basis für Davis, die ihm anscheinend ein dynamisches und sicheres Gerüst war und in dessen Sog dementsprechend die Post abging. Ich möchte dies etwas platt so ausdrücken: In solch fantastischen und sicheren Rhytmusgruppen kann man ja nichts anderes machen als sich mitreißen zu lassen.

    Zunächst einmal gab es das "Modern Jazz Quartett" bereits 1954, allerdings unter anderem Namen (Mlt Jackson Quartett) und mit Kenny Clarke am Schlagzeug. Jackson, Heath und Lewis waren bereits mit dabei.

    Ray Bryant ist stilistisch gesehen völlig anders als Red Garland oder Wynton Kelly einzuordnen. Bryant spielte "beidhändig", dazu relativ kräftig und recht "blues-erdig", weniger "perlend" wie Garland oder Kelly später. Herbei Hancock war wiederum eine völlig andere Hausnummer, den lasse ich mal weg hier.

    Davis war zum Zeitpunkt der hier erwähnten Einspielung nach wie vor kein technisch guter Trompeter, gemessen an seinen Zeitgenossen (etwa Clifford Brown, Clark Terry, Benny Bailey oder Kenny Dorham).

    Zu Jackie McLean schätze ich mal, kann man seine Haltung verstehen, aber ich denke auch mal, dass Davis eine gewisse "Eifersucht" gegenüber dem recht jungen, aber erfolgreichen jungen Altsaxophonisten. Davis spielte nicht gerne die "zweite Geige", was man auch aus seinen Worten in seinem Buch durch die Zeilen gut herauslesen kann.

    Bei reinen Aufnahme-Sessions wird man immer eine gewisse Übereinstimmung bei Teilen der Band vorfinden, aber eben auch Differenzen. Dem Einen war z.B. ein Art Blakey zu aut, ein Saxophonist X zu leise, ein Trompeter Z zu sehr unter "Stoff". Das waren damals zu 75 % hochkarätige Junkies, aber auch ebenso gute Musiker. Eigentlich war es reines Glücksspiel, wer gerade anwesend und einsatzfähig war. Das mag gerade recht krass klingen, aber wenn Du Dir die Namen mal so anschaust, und wer davon am Ende am Drogentod (oder den Folgen davon) gestorben ist, wirst Du mir recht geben. Davis, Dorham, McLean, Chambers, Philly Joe Jones, Garland, Kelly, Blakey, Coltrane.....

    Viele Grüße sendet Maurice

    Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)

  • Das Miles Davis-Milt Jackson-Album finde ich, wie gesagt, ganz ordentlich und gelungen, wenngleich es etwas harmlos ist

    Da bin ich ganz bei dir. :thumbup: Ist recht einfach strukturiert, aber auch ganz passend, wenn man mal auf "Easy Listening" aus ist.

    "Welche Büste soll ich aufs Klavier stellen: Beethoven oder Mozart?" "Beethoven, der war taub!" (Igor Fjodorowitsch Strawinsky)

  • Heute Abend dieses Album aus meiner "All Miles"-Box:

    Miles Davis All Stars: Walkin‘ (1954)

    „Walkin‘“ und „Blue ‘n‘ Boogie“:
    Miles Davis (tp)
    J.J. Johnson (tp)
    Lucky Thompson (ts)
    Horace Silver (p)
    Percy Heath (b)
    Kenny Clarke (dr)

    „Solar“, „You don‘ t know what love is“ und „Love me or Leave me“:
    Miles Davis (tp)
    David Schildkraut (as)
    Horace Silver (p)
    Percy Heath (b)
    Kenny Clarke (dr).

    Ich habe ja den Song "Walkin'" heute zum ersten Mal in Originalfassung gehört. Bislang kannte ich nur zwei Live-Versionen, die mir deutlich besser gefallen. Das Original empfinde ich halt als recht farblos - im Vergleich zu den flotten und mitreißenden Live-Versionen. Dennoch: es ist nicht so, dass mir diese Version gar nicht gefällt, also alles gut. Ich fand ja die Cover-Version von "Love me or Leave me" richtig klasse. ^^ 8) "Solar" (Miles Davis) hat' s mir ebenfalls angetan. Und David Schildkraut (as), der mir bislang nichts sagte, hat mich vollends überzeugt. :thumbup: Was für ein toller Musiker. Habe mal nach ihm gegoogelt und ... tja, leider findet man ja nicht allzu viele Werke von ihm. Wie kommt' s?

    Und nun meine bescheidene Meinung zu diesem Album: Ja, auch "Walkin'" ist richtig gut gelungen. Bin bislang äußerst zufrieden mit meiner Box.

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