Beethoven: Symphonie Nr. 5 in c-Moll, op. 67 - Werk und Aufnahmen

  • Beethoven: Symphonie Nr. 5 in c-Moll, op. 67 - Werk und Aufnahmen

    Im Capriccio Kulturforum im Jahr 2012 einen Faden zu Ludwig van Beethovens Symphonie Nr. 5 c-Moll op. 67 eröffnen…


    Kurzes Erinnern, es soll ja Menschen geben, die nicht oder nur peripher damit aufgewachsen sind, ja, das ist die mit „dem“ Klopfmotiv der Musikgeschichte, vier Sätze, in allen spielt dieses Motiv eine wichtige Rolle, sie ist je nach Tempo der Dirigenten und Wiederholungen ca. 35 Minuten lang, der erste Satz ist der kürzeste, und am Ende wird gejubelt was das Zeug hält.


    Die Eckdaten dazu: Komponiert von 1800 (erste Skizzen) bis 1808, Satzbezeichnungen Allegro con brio, Andante con moto, Allegro, Allegro.


    Detaillierte Entstehungsgeschichte, genauer Verlauf, Notenbeispiele:
    "http://de.wikipedia.org/wiki/5._Sinfonie_%28Beethoven%29"

    Kurzer Hinweis auf die „einander ergänzenden Gegensatzpaare“ bei den Beethoven Symphonien, Nr. 5 op. 67 und Nr. 6 op. 68 bzw. Nr. 7 op. 92 und Nr. 8 op. 93.


    Über 150 Aufnahmen gibt es, Bestseller von Stardirigenten wie Karajan oder Kleiber, „Historisches“ etwa mit Norrington, anders gedacht „Historisches“ etwa mit Furtwängler, der aktuell letzte Schrei aus Gesamtaufnahmen der Beethoven Symphonien nach Chailly und Thielemann mit Daniel Barenboim, oder vielleicht reicht Preiswertes, sicher auch nicht übel, etwa mit Kurt Masur…


       


       


    Marginale Fetzen der Aufnahmegeschichte – Karajan wiederholt 1977 mit den Berliner Philharmonikern die Exposition des ersten Satzes nicht und verknappt damit diesen Satz noch mehr, und Harnoncourt wiederholt 1990 mit dem Chamber Orchestra of Europe Scherzo und Trio, womit er diesen Satz auf über acht Minuten erweitert.


    Zu vertraut, abgehört, das Revolutionäre verpufft in der Übersättigung?



    Im Beiheft zu einer Aufnahme samt akustischer Werkeinführung zum ersten Satz in vier Sprachen (und mit Mitgliedern des Columbia Symphony Orchestra) mit Leonard Bernstein (CD Sony/BMG 82876 78740 2, Werkeinführungen aufgenommen am 13.7.1956 in den Columbia 30th Street Studios, New York City) wird John Boulton („A Great Symphony: Perhaps the Greatest“, Hallé, Mai 1948) zitiert. Boulton sieht die Symphonie als Beleuchtung des menschlichen Geists in allen Facetten, im Unglück und kraftvoll belebt daraus hervorgehend (erster Satz), in der Demut des Verzichts und in der Kontemplation sowie im Schöpfen neuen Muts (zweiter Satz), in Unsicherheit und Furcht, aber auch im Abenteuergeist (dritter Satz) sowie in Triumph und Bekräftigung (Finale).



    Der Versuch, „nicht über den Dingen zu stehen“, das Werk neu durchzuleben, Beethovens nach der „Eroica“ nächste absolut ungeheuerliche, singuläre Schöpfung am Sektor der Symphonie wie neu in sich aufzunehmen, mit ihm (oh je, man weiß es ja schon so gut, was kommt) sich durchkämpfen und beim Finale mitjubeln? Aus Erfahrung greift der Schreiber wieder zu Nikolaus Harnoncourt und dem Chamber Orchestra of Europe, weil da die Konzentration aufs ästhetische Klangbild zugunsten einer „urgewaltigen Energie“ noch am ehesten zurückfallen dürfte (CD Box Warner Classics 2564 63779-2, Symphonien 1-8 aufgenommen im Grazer Stefaniensaal vom 29.6. bis 5.7.1990).


    Was für eine Konzentration im ersten Satz! Bis auf das Innehalten mit der Oboe in der Reprise ein einziges trotzig durchgepeitschtes Erkämpfen eines beachtlichen „Sieges nach Punkten“, ein Motiv wird „fixiert“ durchgearbeitet nach allen Regeln der Kunst. Der erste Satz ist oft der längste eines Werks, hier ist er der kürzeste.


    Im zweiten Satz – komplex durchdachte Variationen! – besticht Harnoncourts Musik als Klangrede. Harnoncourt verdeutlicht viele Details, die man vielleicht überhören könnte, ohne damit den Fluss der Musik allzu pädagogisch zu unterbinden.


    Und es ist schon sehr spannend zu hören wie sich der dritte Satz aufbaut, erst recht wenn die wild gewordenen Bässe im Trio loslegen. Harnoncourt wiederholt Scherzo und Trio und gelangt erst danach zu dieser magischen Passage, in der das Scherzo quasi „skelettiert“ wird und aus pochenden Paukenschlägen heraus sich der Aufbruch anbahnt, wohl eine der plastischsten Steigerungspassagen der Musikgeschichte schlechthin.


    Im Finale wird der Sieg bejubelt, und auch wenn das Scherzo noch mal hineinmahnt, es wird weiter gejubelt, dem Schreiber fällt das Finale aus dem „Fidelio“ ein, aber auch die Finalsätze aus Tschaikowskys Symphonie Nr. 4 oder (psychologisiert zum nur mehr oberflächlichen Jubel, hinter dem es eigentlich nichts mehr zu jubeln gibt) das Finale von Gustav Mahlers Symphonie Nr. 7. Harnoncourt macht das wirklich packend, die Jubelintensität dieses Helden kann man mitvollziehen, und auch die Piccoloflöte jubelt mit.


    Das Ende des Werks, die Pointe – wie findet Beethoven den Schluss? Die „innere Uhr“ spürt, dass der jeweilige Schlusspunkt „zu früh“ kommt und rundet ihn immer weiter ab, bis sich die Grenze zwischen Abrundung und Parodie zu verwischen beginnt. Würde etwas fehlen, ließe Beethoven einige Schlüsse weg? Schon das Ende des ersten Satzes ist das Ergebnis von mehreren Versuchen mit verschiedenen Längen, Bernstein erläutert es auch in seinem Buch „Freude an der Musik“ (dtv 1963) mit Notenbeispielen ganz genau


    Und dann doch der Hörvergleich, noch einmal aus dem Dunkel ins Licht, mit Leonard Bernstein und dem New York Philharmonic (die oben genannte CD), Manhattan Center, New York City, 25.9.1961. Bernstein geht langsamer als Harnoncourt in den ersten Satz, dadurch wirkt er etwas „schwerer“. Man spürt: Harnoncourts Held weiß wo er hinwill, Bernsteins Held ringt mit sich. Beide sind aber sowas von „total drin“ im Geschehen, es sind extrem emotionale Aufnahmen. Der zweite Satz ist bei Bernstein im Gegensatz zu Harnoncourt mehr Zustand als Geschehen, mehr „Bildbeschreibung“ als „Geschichten erzählen“. Die Unbedingtheit der beiden letzten Sätze packt hier wie dort. Bernsteins Aufnahme, fast dreißig Jahre älter als die aus Graz, strahlt vom Sound her aber viel weiträumiger, prachtvoller aus. Bernstein gibt „der schönen Melodie“ und „der Oase an sich“ mehr Entfaltungsmöglichkeit als der unerbittliche Harnoncourt. Beide Aufnahmen setzen beim unbedingten Glauben an die Musik an und finden sich damit am Ende wenn sich der Hörer darauf einlässt überwältigt bestätigt.


    Soweit ein persönlicher Eindruck.


    Hier ist der Capriccio Thread zum vielleicht bekanntesten Werk der Musikgeschichte außer Mozarts "Kleiner Nachtmusik".

    Herzliche Grüße
    AlexanderK

  • Was für eine Konzentration im ersten Satz! Bis auf das Innehalten mit der Oboe in der Reprise ein einziges trotzig durchgepeitschtes Erkämpfen eines beachtlichen „Sieges nach Punkten“, ein Motiv wird „fixiert“ durchgearbeitet nach allen Regeln der Kunst. Der erste Satz ist oft der längste eines Werks, hier ist er der kürzeste.

    Stimmt: Ich wüßte keinen Kopfsatz einer Symphonie zu nennen, der derart konzis und lakonisch gestaltet ist, die Form der Symphonie geradezu skelettiert! Nichts, aber auch gar nichts Überflüssiges!


    Gerade deshalb finde ich es in diesem Fall besonders problematisch, wenn die Exposition nicht wiederholt wird. So arg konzentriert kann Beethoven es dann doch nicht gemeint haben...


    Schöne Einführung übrigens! :thumbup:


    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Aus Eben gehört 2009/10 Seite 46 und 47:


    Ich habe schon gestern Beethovens fünfte Symphonie gehört, gespielt von den Berliner Philharmonikern unter Karajan, und dabei die Partitur mitgelesen. Dabei ist mir etrwas Merkwürdiges aufgefallen, ich weiß nicht, wo die Frage besser hinpasst (es gibt offenbar noch keine Diskussion über Beetovens Fünfte):
    Kurz nach dem Beginn der Reprise im ersten Satz gibt es in Takt 301 eine Generalpause, dann einen Tutti-Akkord, dann wird in Takt 303 das erste Thema gespielt. In meiner Taschenpartitur sind an dieser Stelle zwei Fagotte vorgesehen. Die Fagotte spielen drei Takte unisono und solo, dann kommen in Takt 306 die Hörner mit der Quinte als Halteton hinzu. In der Karajan-Aufnahme (von 1962) spielen hier statt zwei Fagotten ganz unverkennbar Hörner! Ist das ein Druckfehler in meiner Partiturausgabe (vielleicht eine verrutschte Zeile, Fagotte und Hörner stehen ja direkt übereinander) oder hat Karajan an der Stelle tatsächlich Beethovens Instrumentation geändert?
    Ist vielleicht irgend jemandem das auch schon mal aufgefallen? Hat irgend jemand schon davon gehört, gelesen...?


    Liebe Grüße,
    Lars


    Ich habe dazu folgendes gelesen und zitiere aus dem Gedächtnis: Die von Dir genannte Stelle hat ihre Entsprechung in der Exposition. Dort wird sie von Hörnern gespielt. In der Reprise schreibt Beethoven Fagotte vor. In der Reprise wird die Stelle höher als in der Exposition gespielt (Exposition: beginnend mit es1, Reprise: beginnend mit g1). Nun hat man gemeint, dass Beethoven an sich, wie in der Reprise, ein Hornklang vorgeschwebt ist. Weil die damals verwendeten Hörner aber (angeblich) die höhere Stelle in der Reprise nicht spielen konnten, musste er zwangsläufig auf Fagotte umsteigen. Mit modernen Hörnern ist die genannte Stelle zu spielen, also meinte man im Sinne Beethovens zu handeln, wenn man uminstrumentiert. Diese Herangehensweise war zu Karajans Zeiten "in", jetzt ist sie "mega-out".


    Ähnliche Fälle von Uminstrumentierungen und Umkomponierungen gibt es auch in anderen Beethoven-Sinfonien.


    Falstaff




    Lieber Falstaff,


    vielen lieben Dank für deine schnelle und erschöpfende Antwort! Was du da schreibst, klingt ja sehr plausibel und nachvollziehbar, ich habe davon aber noch nie gehört oder gelesen. :hide: Meine Karajan-Aufnahme ist, wie geschrieben, von 1962, da war man offensichtlich weniger puristisch als heute. ich habe noch eine zweite Aufnahme der Symphonie, die Ungarische nationalphilharmonie spielt unter Leitung von Janos Férencsik. Leider kenne ich das Aufnahmedatum dieser Einspielung nicht (es steht schlichtweg auf der CD nicht drauf), es wird dort die besagte Stelle in der Reprise aber von den Fagotten gespielt.


    Noch einmal vieln Dank und liebe Grüße,
    Lars

    Herzliche Grüße
    AlexanderK

  • Meines Wissens war C. Kleiber 1975 einer der ersten Dirigenten, der die Stelle in der Reprise wie geschrieben von den Fagotten spielen lässt. Die überwiegende Mehrzahl der Einspielungen bis dahin lässt Hörner spielen. Toscanini und Erich Kleiber verdoppeln die Fagotte mit Hörnern, sozusagen als Kompromiss. ;+)
    Man kann solche Details überbewerten; es ist nicht auszuschließen, dass ein Grund der begrenzte Umfang der Naturhörner war. Allerdings hat Beethoven entsprechend nicht bloß die Fanfare uminstrumentiert, sondern den Fagotten (und Oboen) auch vorher wichtigere Passagen gegeben, die allerdings meistens nicht so recht herauskommen.


    "Skelettiert" finde ich eine nicht unproblematische Metapher, weil der Kopfsatz bei aller Knappheit ja außerordentlich dicht und somit durchaus muskelbepackt daherkommt. Einige Hörer scheinen sich nach dieser Konzentration nur schwer mit dem in stärkstem Gegensatz entspannter und "loser" angelegten Andante und Finale anfreunden zu können. Ich meine, dass man, wenn man diesen, ganz vor-analytisch unmittelbar hörbaren Kontrast nicht erlebt, eine wichtige Seite des Werks verpasst.

    Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
    (B. Pascal)

  • Ich stelle dies hier hinein:


    "http://www.youtube.com/watch?v=y7ntlknf7B0"


    Es handelt sich um die legendäre Einspielung der Berliner Philharmoniker unter Nikisch ( http://de.wikipedia.org/wiki/Arthur_Nikisch ) (1855-1922) vom 10. November 1913. Soweit ich weiß, war das die erste komplette Einspielung einer Symphonie überhaupt.



    jd :wink:

    "Interpretation ist mein Gemüse."

    Hudebux

    "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."

    Jean Paul

    "Manchmal sind drei Punkte auch nur einfach drei Punkte..."

    jd

  • **** Leonard Bernstein

    Für mich war (und ist) Karajan mit seinen 3 Aufnahmen der Sinfonie Nr.5 bei DG eigendlich immer die Referenz gewesen, an der sich alle Anderen messen müssen. Interessant zu lesen, das die Wdh der Exposition in der Aufnahme DG-1977 nicht gespielt wird. Das sind so fachmännische Einzelheiten, auf die man als Hörer weniger achtet. ;+) Für mich ist die Beachtung von Wdh-Zeichen auch nicht unbedingt ein Qualitätkriterium. :!: Wenn angemessen, dann eben mit Wdh ...


    Im Laufe der Jahre bin ich mit einigen Aufnahmen konfrontiert worden, die es locker mit diesen sogenannten Referenzen aufnehmen können:


    Alexander hat es wieder fabelhaft in Beitrag 1 in Worte gefasst, wie packend und überwältigend auch die Bernstein-Aufnahme mit den NewYorker PH (SONY, 1961, ADD) rüber kommt. Ganz meine Meinung.
    Bernsteins Aufnahme späte Aufnahme bei DG mit den WPO ist für mich dagegen die schwächste Sinfonienaufnahme in der ansonsten geschätzten DG-GA. Schade eigendlich !


    :thumbup: Der absolute Hammer ist aber die recht unbekannte dritte Bernstein-Aufnahme mit dem Bayerischen RSO München (DG, Live 17.10.1976, ADD). :juhu: Diese ist an Emotionalität und packendem Zugriff eigendlich kaum noch zu toppen. Bernstein ist vom Tempo her nicht gerade megaschnell unterwegs (so wie ich es ansonsten schätze) - aber wie er die Spannung aufbaut, ist einfach genial und ungemein begeisterungswürdig. Die Aufnahme findet sich in der Beethoven-Bernstein-6CD-Box von DG. Diese (für mich wichtigste) Aufnahme der 5ten in dieser Box ist seltsamerweise nicht einmal auf dem Cover abgedruckt.



    DG, 1976-1990, ADD/DDD


    Die Box enthällt u.a. die bekannte "Wiedervereinigungs-Aufnahme" der Sinfonie Nr.9 mit "Freude" ersetzt durch "Freiheit" vom 25.12.1989; Bernsteins grosse letzte Aufnahme seiner Lebens, die Sinfonie Nr.7; im Rahmen des Amnesty Konzerts 1976 das KK Nr.4 mit Arrau; die Streichquartete op.131 und 135 in den Fassungen für Streichorchester, die er als bis dahin beste Aufnahme mit den WPO rühmte; sowie die Missa Solemnis aus Amsterdam 1978; sowie einige Ouvertüren aus der Wiener GA; interessant die Leonore III mit dem Amnesty-Konzert 86 und der Aufnahme mit den WPO zu vergleichen, die Beide enthalten sind.

    ______________


    Gruß aus Bonn


    Wolfgang

  • **** Georg Solti

    Als Solti-Fan habe ich natürlich alle Beethoven - Solti - Aufnahmen ((in Stereo)).


    Gerade die Sinfonie Nr.5 kommt aber in seinen beiden Decca-Aufnahmen mit dem Chicago SO von (1975, ADD) und (1990, DDD) nicht an meine Favoriten heran. Ähnlich wie bei Bernstein in der DG-Box, schätze ich auch bei Solti seine Aufnahmen aller restlichen Beethoven-Sinfonien höher, als gerade diese Fünften.


    Solti ist mir hier definitiv zu "Solti-untypisch" mit zu wenig gefühlter Emotion !
    Mir gefällt seine Digitalaufnahme von 1990 schonmal eindeutig besser, weil Solti mich durch einen weit strafferen (nicht schnelleren) und feurigeren Zugriff mehr überzeugt.



    :thumbup: Noch "ganz dicke einen drauf" gibt es dann bei seiner ersten Stereoaufnahme mit den Wiener PH (Decca, 1958.), auf der Decca-Doppel-CD (= mit Nr. 3,5,7), auf die ich erst recht spät im Jahre 2011 aufmerksam wurde und erworben habe. Hier ist auch das Tempo in einem für meinen Geschmack angemessenerem Rahmen. Solti´s Emotion ist hier kaum zu bremsen - seine wie ich finde im Vergleich zu den beiden Späteren ungleich beste Fünfte !


    :!: Nicht unwichtig zu erwähnen, das Solti generell bei seinen beiden Decca-GA der Beethoven-Sinfonien alle Wdh-Zeichen beachtet.


    Die Spielzeiten der 3Solti-Aufnahmen zum Vergleich; mit der Wiener Aufnahme in erster Spalte:
    1958 ADD / 1975 ADD / 1990 DDD
    1.Satz ..7:28 / ..8:16 / ..8:13
    2.Satz 11:09 / 11:08 / 10:15
    3.Satz ..5:07 / ..5:32 / ..5:31
    4.Satz ..8:39 / 11:32 / 11:34



    Hier ist die Fünfte die herausragendenste Solti- Aufnahme, die wirklich das Zeug hat, den Hörer zu packen:

    Decca, 1958, ADD

    ______________


    Gruß aus Bonn


    Wolfgang

  • Hier ist die Fünfte die herausragendenste Solti- Aufnahme, die wirklich das Zeug hat, den Hörer zu packen:

    Decca, 1958, ADD

    Nicht ganz ernst gemeint :-H (oder vielleicht doch ernst gemeint???): Entdeckst auch Du, lieber teleton, endlich die 50er Jahre-Aufnahmen? Sie sind das Maß aller Dinge, glaube mir. Was Beethoven Nr. 5 angeht, schätze ich unter den 50er Jahre-Aufnahmen vor allem diese:

    - Victor de Sabata/New York Philharmonic Orch. (rec. New York City 16.3.1950)
    - Wilhelm Furtwängler/Wiener Philh. (rec. live Stockholm 25.9.1950)
    - Wilhelm Furtwängler/Orch. Sinfonica di Roma della RAI (rec. live Rom 10.1.1952)
    - Wilhelm Furtwängler/Berliner Philh. (live Berlin 23.5.1954)


    Befasse Dich mal mit ihnen. Sie sind einfach fantastisch.

  • Entdeckst auch Du, lieber teleton, endlich die 50er Jahre-Aufnahmen?

    Ja, voller Ernst, lieber music lover.
    Du kennst ja meine "Klangeinstellung zu Aufnahmen" allgemein: Sofern Fünfziger Jahre Aufnahmen mein Ohr klanglich nicht betrüben (durch historischen Klang oder Mono) setzte ich mich sehr gerne mit diesen auseinander.


    :P Aber es gibt noch Hoffnung für Dich ( :D und mich): Im hohen Alter beabsichtige ich mich mit Furtwängler mal näher auseinanderzusetzen (wenn ich vielleicht sowieso schlechter höre), dann habe ich gleich was zum Niederknien. Deine Empfehlungen kaufe ich Dir voll ab und bin mir klar bewusst das da unbedingt was dran ist.


    8+) Aus heutiger Sicht brauche ich aber auch klanglich was anständiges auf die Ohren - und da habe ich seit weit über 50 Jahren genug Auswahl an TOP-Interpretationen, die auch mein Klang-Kriterium voll erfüllen.



    :vv: Meine 3 Favoriten für die 5te können aus heutiger Sicht somit nur sein: Bernstein (DG, 1976) - Karajan (DG, 1962) - Solti (Decca, 1958).


    Leibowitz (Chesky, 1961) ist zudem auch eine Megaaufnahme, obwohl der erste Satz sogar überhastet erscheint; und P.Järvi (SONY, Live Bonn 2010) ist die jüngste Aufnahme, die mich begeistern kann.
    Der ganze HIP-Kram kann mir allerdings gestohlen bleiben - gerade und insbesondere bei der Sinfonie Nr.5 ! Und P.Järvi ist für mich eindeutig kein HIP in dem Sinne. HIP bei der grosssinfonischen Fünften wäre für mich verfehlt. (( :stumm: Oh je, das gibt jetzt wieder Ärger und Widersprüche ... sei es drum !))

    ______________


    Gruß aus Bonn


    Wolfgang

  • Stimmt: Ich wüßte keinen Kopfsatz einer Symphonie zu nennen, der derart konzis und lakonisch gestaltet ist, die Form der Symphonie geradezu skelettiert! Nichts, aber auch gar nichts Überflüssiges!


    Gerade deshalb finde ich es in diesem Fall besonders problematisch, wenn die Exposition nicht wiederholt wird. So arg konzentriert kann Beethoven es dann doch nicht gemeint haben...

    Das seh ich ganz prinzipiell erstmal anders: Was hat in einer als so konzentriert beschriebenen Form eine einfache Wiederholung zu suchen, die einfach auf eine Tradition zurückgeht? Ich wiederhole doch im Drama auch nicht den ersten Akt, damit jeder mitbekommt, worum es geht??? :hide: Okay, die Grundsatzfrage ist OT und anderweitig schon erörtert worden, wenn ich mich nicht irre...
    Nur in diesem Fall, wo es wirklich knappstmöglich daherkommt, empfinde ich die Wiederholung mal ausnahmsweise als stimmig oder zumindest nicht soo sehr störend..

    Schöne Einführung übrigens! :thumbup:

    Jau!


    Gruss
    Herr Maria

    Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
    daß Alles für Freuden erwacht


  • Aus Erfahrung greift der Schreiber wieder zu Nikolaus Harnoncourt und dem Chamber Orchestra of Europe, weil da die Konzentration aufs ästhetische Klangbild zugunsten einer „urgewaltigen Energie“ noch am ehesten zurückfallen dürfte (CD Box Warner Classics 2564 63779-2, Symphonien 1-8 aufgenommen im Grazer Stefaniensaal vom 29.6. bis 5.7.1990).

    Ich habe eben diese CD durchgehört:



    Das muß die gleiche Aufnahme sein (Aufnahmedatum: 29.06.1990; den Rest kann ich nicht entziffern, ist in Japanisch geschrieben). Ich bin echt begeistert von dem Verve, den Harnoncourt da hineinbringt. Und klanglich ist das eine vorzügliche Aufnahme mit Wucht, Dynamik und keinen Nebengeräuschen. Ganz großes Ohrenkino! :thumbup:



    jd :juhu:

    "Interpretation ist mein Gemüse."

    Hudebux

    "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."

    Jean Paul

    "Manchmal sind drei Punkte auch nur einfach drei Punkte..."

    jd

  • Ludwig van Beethoven, Symphonie Nr. 5 c-Moll op. 67: Sich dieses Werk anhören, sich mit ihm befassen, „als wäre es noch unbekannt“? Geht wahrscheinlich nicht, mir gelingt das jedenfalls nicht. Und doch versuche ich es, mit frischer Leidenschaft, und erneut (nach der „Eroica“) mit einer Werkeinführung von Leonard Bernstein.


    Die Produzenten der von Ford Foundation gesponserten CBS Fernsehreihe „Omnibus“ boten Leonard Bernstein an, eine halbstündige Sendung zu gestalten, in der er anhand auch verworfener Skizzen Beethovens Ringen um die Endgestalt des ersten Satzes der Symphonie c-Moll für das CBS Television Network Programm nachvollziehen sollte. Genau elf Jahre nach Bernsteins Durchbruch als Dirigent (Einspringer für Bruno Walter bei einem im Rundfunk übertragenen Konzert der New Yorker Philharmoniker am 14.11.1943) wurde die Sendung am 14.11.1954 erstausgestrahlt, Startschuss für mehrere musikanalytische Fernsehsendungen und somit den „Musikpädagogen“ Leonard Bernstein. Ab 1958 starteten dann, Bernstein war nun Chefdirigent der New Yorker Philharmoniker, die langjährig weiter geführten „Young People´s Concerts“. Ich bin der Meinung, man kann Leonard Bernsteins volksbildnerisches Werk, später auch in Buchform veröffentlicht, gar nicht hoch genug schätzen (neben seinen Dirigaten und Kompositionen).


    In dieser ersten Fernsehsendung von 1954 über die Skizzen zum ersten Satz von op. 67 wurde am Fußboden eine Partitur projiziert, auf der die Orchestermitglieder je nach „Gebrauch“ postiert wurden. Damit verdeutlichte Bernstein zu Beginn den Orchesterklang des Werkanfangs mit und ohne Flöte. Es spielte das Orchester Symphony of the Air (zuvor als NBC Symphony Orchestra bekannt). Partiturseiten mit vielen Durchstreichungen zeigten das Ringen des Komponisten um die endgültige Fassung. Und nun baute Bernstein nach und nach verworfene Skizzen Beethovens in Passagen ein, wo sie eventuell passen könnten. Bei jedem Beispiel wird deutlich, warum die letztgültige Fassung stringenter anzuhören ist. Auch zum Satzende stellte er drei Varianten vor. Beethoven hat schließlich die kürzeste gewählt.


    Bei der Audioaufnahme von 1956 für Radio und Schallplatte („How a Great Symphony was Written“, CD in der Threaderöffnung abgebildet, später auch in der Royal Edition Ausgabe mit Beethovens Fünfter enthalten) spielten Mitglieder des Columbia Symphony Orchestra die Tonbeispiele. Bernstein nahm den Streifzug durch Beethovens Skizzen für den ersten Satz auf Englisch, Deutsch, Französisch und Italienisch auf. Die Skizzen selbst spielte er am Klavier vor, wie sie eingefügt sein könnten als Orchesterbeispiele.


    1959 erschien Leonard Bernsteins Buch „The Joy of Music“ bei Simon & Schuster, das (mit vielen Notenbeispielen) auch sieben Fernsehvorträge enthält, darunter diesen zu Beethovens „Schicksalssymphonie“. Auf Deutsch gab es das Buch „Freude an der Musik“ bereits ab Oktober 1963 als dtv Taschenbuch, und 1982 wurde es bei Goldmann (München) neu aufgelegt (3. Auflage März 1989).


    Vergleicht man die Buchfassung mit der Audioversion, so fallen marginale Übersetzungsunterschiede auf. Das „Mitlesen“ wird somit zu einer Art „Alternativlesen“. Auch erscheint die Aufnahme gegenüber dem Fernsehskript leicht gekürzt.


    Und dann die ganze Symphonie, dreimal neu gehört – persönliche Gedanken dazu:



    Ändert sich das Zeitempfinden im Lauf der Jahre, in der Gewöhnung an die immer schneller werdende Zeit? Leonard Bernsteins Aufnahme von Beethovens 5. Symphonie mit den New Yorker Philharmonikern (auch CD Sony SMK 63079, Manhattan Center, New York City, 25.9.1961) beginnt „langsamer“ als ich die Musik „im Ohr“ habe. Aber Bernsteins Ringen um das Schicksal packt sofort. Bernstein „lebt“ die Musik, mit Leidenschaft durch alle Sätze. Der mitreißenden Urtümlichkeit von Musik wie Interpretation begegne ich so gerne immer wieder.


    Immer wieder? Ein Interpretationsvergleich? Ich hab da noch eine, ganz lange nicht mehr gehört, mit der könnte mich sogar zweimal allzu Bekanntes noch einmal überraschen…



    Carlos Kleibers Zusammenarbeit mit den Wiener Philharmonikern begann im März und April 1974 mit der Aufnahme des Werks im Großen Musikvereinssaal in Wien (CD DGG 447 400-2). Wie bei der Beethoven Vierten aus München startet man „angeschnallt“ durch, auf einem von Anfang an „höheren Level“, mit extremer Innenspannung und durchgehaltener Hochspannung. Die Zügel angezogen, mit „schneidenden Orchesterstichen“, sorgt Kleiber für vibrierenden Puls. Dabei bleibt die klanglich-transparente und modellierte Detailarbeit stets vehement musikalisch durchhörbar. Diese Beethoven Fünfte ist schon etwas ganz Besonderes.


    Nach der „Carmen“ bedeutete seinerzeit die Doppel LP, die den Münchner Livemitschnitt des Benefizkonzerts von Leonard Bernstein am 17.10.1976 für Amnesty International festhielt (wiederveröffentlicht in der 6 CD Box DGG 00289 477 6690, von teleton weiter oben bereits empfohlen), Bernsteins zweite Plattenveröffentlichung bei der DGG und die erste Zusammenarbeit mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Ich habe dieses reine Beethoven-Programm zuletzt zu LP Zeiten gehört und die CD Box speziell wegen dieses Mitschnitts gekauft. Nach der „Dritten Leonore“ und dem Klavierkonzert Nr. 4 mit Claudio Arrau also noch einmal „Schicksal“, und mir fallen nur wieder die üblichen Worte ein, Unmittelbarkeit, Leidenschaft – und vor allem Bernsteins Identifikation mit der Musik. Im zweiten Satz tun sich Oasen der Innigkeit auf. Obwohl ich zuvor zwei wirklich sehr gute Aufnahmen gehört habe, holt mich diese Aufnahme speziell des zweiten Satzes total in eine neue Gegenwart. Genau so und nicht anders, das ist es! Geheimnisvolle Stille dann vor der Steigerung ins Finale hinein – und dieses als befreite Begeisterung, das ist überwältigend. Nach dieser (wie ich finde grandiosen) Aufnahme kann und will ich längere Zeit diese Symphonie nicht mehr hören. Irgendwie ist da jetzt einmal alles gesagt.

    Die Solti Aufnahme von 1958 und die Furtwängler Aufnahme aus Stockholm werde ich mir demnächst anschaffen, danke teleton und music lover für die Hinweise, und auch Harnoncourts DVD Aufnahme von der Stryriarte, die ich damals im Radio (Ö1) gehört habe, eine ganz grimmige, beinharte Aufnahme, steht auf der Warteliste. Habe noch einige Zyklen zu hören (Böhm, Bernstein, Abbado, Rattle, Thielemann, Bernstein und Thielemann auch von DVD), da nehme ich die dann akustisch und wo es geht optisch mit.


    Reise aber aktuell weiter zur "Pastorale", wieder mit Bernstein und Kleiber.

    Herzliche Grüße
    AlexanderK

  • Wiederholungen im 3. Satz?

    Bei Wikipedia findet sich hierzu dies: "Beethoven hat den Satz auch bei der Reinschrift der Partitur fertiggestellt und ihn nach der Uraufführung um die Hälfte gekürzt." Bedeutet das, daß Beethoven da ursprünglich vorgesehene Wiederholungen gestrichen hat? Ich frage, weil mir - da ich gestern die Symphonien-Aufnahmen mit Immerseel/Anima Eterna erhalten habe - auffällt, daß hier der 3. Satz relativ kurz ist (4'30''); bei Norrington/LCP (7'40'') etwa scheint mir mehr wiederholt zu werden, ich glaube, fast alles ab Anfang.


    In einer alten Partitur (Eulenburg) finde ich lediglich eine Wiederholung von 19 Takten mittendrin, das mit Celli und Bässen einsetzende Fugato (Takt 141-159).


    Weiß wer Genaueres?


    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Zu meiner Frage habe ich hier ("http://www.opusklassiek.nl/componisten/haenchen_beethoven_symf5.pdf") etwas gefunden, Anmerkungen des Dirigenten Hartmut Haenchen (lesenswert!): Demnach enthielten die Orchesterstimmen der Uraufführung 1808, mit Korrekturen des Komponisten, die Wiederholung fast des ganzen Satzes, während in der späteren Druckvorlage, ebenfalls vom Komponisten durchgesehen und korrigiert, die Wiederholungszeichen fehlen.


    Was gilt nun? Jedenfalls sind sich auch an der historischen Aufführungspraxis orientierende Dirigenten nicht einig: Neben Roger Norrington wiederholt auch David Zinman, der sich ebenso wie Jos van Immerseel auf die kritische Neuausgabe von Norman Del Mar beruft.


    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
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    Helmut Lachenmann

  • Demnach enthielten die Orchesterstimmen der Uraufführung 1808, mit Korrekturen des Komponisten, die Wiederholung fast des ganzen Satzes, während in der späteren Druckvorlage, ebenfalls vom Komponisten durchgesehen und korrigiert, die Wiederholungszeichen fehlen.


    Was gilt nun?

    Da würde ich einfach mal nach Gefühl für die Dramaturgie urteilen und sagen, daß das schon eine gute Idee war, die Wiederholung des Ganzen zu streichen - die auskomponierte "schattenhafte" Wiederholung des 1.Teiles finde ich völlig ausreichend und überzeugend.
    (Auch wenn Beethoven selbst in der 4. vorher schon ein Beispiel für zweimalige Wiederkehr des Trios gegeben hat...)

    Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
    daß Alles für Freuden erwacht

  • Der Satz war zuerst so ähnlich gestaltet wie das Scherzo der 4. und 7. Sinfonie, d.h. Scherzo-Trio-Scherzo-Trio-Scherzo (in "schattenhafter" Form) - Übergang zum Finale. Vermutlich aufgrund der engen Anbindung an das Finale hat Beethoven es sich dann wieder anders überlegt.
    Wie die meisten habe ich den Satz in der "kurzen" Version kennengelernt und finde das auch nach wie vor überzeugender.
    In der 6. Sinfonie sind übrigens die Wiederholungen meines Wissens dringeblieben, selbst wenn das "Lustige Beisammensein" auch oft in einer Kurzversion gebracht wird. Ich sehe hier aber nicht so den Sonderfall wie in der 5.


    Beethoven hat eine solche Erweiterung des Scherzos zu einer Art Rondo in der mittleren Phase ziemlich häufig vorgenommen, auch in Kammermusikwerken wie der Cellosonate op.69, den Quartetten 59/2, 74 und 95, dem Trio op.97. Da die Varianten bei den erneuten Durchläufen (wenn nicht nur durch Wiederholungszeichen) meistens ziemlich minimal sind, finde ich das letztlich keine wirklich überzeugende "Aufwertung" des Scherzo-Satzes.

    Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
    (B. Pascal)

  • Da finde ich doch in meinem Nachlesen dieses threads einen kleinen Fehler:

    Zitat Falstaff: In der Reprise wird die Stelle höher als in der Exposition gespielt (Exposition: beginnend mit es1, Reprise: beginnend mit g1).

    In der Exposition ist es tatsächlich b1, womit die Passage beginnt...(Es-Dur), also höher als in der Reprise...
    Was dem rest der Argumentation nichts nimmt, nur so eine kleine pedantische Korrektur darstellt...


    Ich finde die Fagotte in der Reprise auch sehr passend.
    Auffällig an dieser Stelle, daß Beethoven in diesem Satz tatsächlich mit 2 Hörnern auskommt. Mozart hatte in seiner kleinen g-moll-Symphonie 4 verlangt (jeweils 2 in G und in B), hätte Beethoven unbedingt in der Reprise Hörner haben wollen an dieser Stelle, hätte er ja auch zu dem 1.Paar in Es ein 2.Paar in C vorschreiben können. Oder waren die damals in Wien knapp???
    War der Aufwand mit Posaunen, Piccolo und Kontrafagott schon so an der Kante, daß er am zweiten Hörnerpaar sparen mußte?
    Ich glaube da schon eher an eine bewußte Entscheidung, mit den Mitteln des Haydn-Orchesters auszukommen (bis zum Finale)...

    Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
    daß Alles für Freuden erwacht

  • In der Eroica gibt es ja ein einzelnes drittes Horn. Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass der Einsatz der Posaunen etc. zum "Sparen" bei den Hörnern geführt hat. Fidelio hat meines Wissens vier Hörner UND Posaunen (wie übrigens auch Haydns "Schöpfung", wenn ich recht erinnere). Eine andere Möglichkeit wäre gewesen, den Hornisten genügend Zeit zu lassen, um zu einem anderen Instrument zu wechseln bzw. Bügel umzustecken oder wie auch immer das seinerzeit gelöst wurde. Auch das hat Beethoven nicht getan, daher spricht m.E. einiges dafür, dass absichtlich die Fagotte eingesetzt wurden.

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    (B. Pascal)

  • War der Aufwand mit Posaunen, Piccolo und Kontrafagott schon so an der Kante, daß er am zweiten Hörnerpaar sparen mußte?


    Vielleicht sah er den Aufwand von 2 zusätzlichen Hörnern - nur wegen dieser einen Stelle! - halt einfach nicht als angemessen an.

    zwischen nichtton und weißem rauschen

  • Man hätte denen auch sonst noch mehr Arbeit geben können :D Die Hörner haben so prominente Stellen im 3. und 4. Satz, dass sie bei heutigen großen Orchestern vermutlich eh öfters verdoppelt werden.

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    (B. Pascal)

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