Heute im Radio: Mozart - Die Zauberflöte - Salzburg, 27.07.2012

  • Heute im Radio: Mozart - Die Zauberflöte - Salzburg, 27.07.2012

    SPECIAL
    PROGRAM: Wolfgang Amadeus Mozart: "Die Zauberflöte"

    Mit Georg Zeppenfeld (Sarastro), Bernard Richter
    (Tamino), Mandy Fredrich (Königin der Nacht), Julia Kleiter (Pamina),
    Markus Werba (Papageno), Elisabeth Schwarz (Papagena), Sandra Trattnigg
    (Erste Dame), Anja Schlosser (Zweite Dame), Wiebke Lehmkuhl (Dritte
    Dame), Rudolf Schasching (Monostatos), Tölzer Knaben (Drei Knaben),
    Lucian Krasznec (Erster Geharnischter/Erster Priester) und Martin Gantner
    (Sprecher/Zweiter Priester)

    Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor,
    Concentus Musicus Wien; Dirigent: Nikolaus Harnoncourt

    Wer hört mit?

  • Wer hört mit?


    Ich höre am 11. August bei WDR 3 mit. Ich wusste gar nicht, dass "Die Zauberflöte" auch heute schon irgendwo übertragen wird. Wie geschrieben, hier kommt sie erst in gut zwei Wochen an.

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

  • Schon die Ouvertüre lässt orchestral gesehen großartiges erwarten. Meine Freundin sitzt neben mir und meint: Bei Harnoncourt höre ich immer Sachen, die ich sonst nicht höre. So geht es mir jedes Mal auf neue. Harnoncourt bleibt seiner Linie mit schroffen mit markanten Akzenten treu. Der Concentus Musicus spielt großartig. Es macht Spaß zuzuhören.
    Bernhard Richter ruft als Tamino sehr deutlich und glaubhaft um Hilfe. Bei den drei Damen hört man das Anhimmeln so deutlich wie selten, allerdings klingen sie nicht wirklich homogen.


  • Ich höre am 11. August bei WDR 3 mit. Ich wusste gar nicht, dass "Die Zauberflöte" auch heute schon irgendwo übertragen wird. Wie geschrieben, hier kommt sie erst in gut zwei Wochen an.


    Ich höre am 11. August bei WDR 3 mit. Ich wusste gar nicht, dass "Die Zauberflöte" auch heute schon irgendwo übertragen wird. Wie geschrieben, hier kommt sie erst in gut zwei Wochen an.


    Heute abend läuft es live auf Radio Österreich International. Arte sendet die zweite Aufführung Montag Abend um 20:15.

  • Sehr deutlich hört man bei Harnoncourt die Verbindung aus Musik und Sprache. Markus Werba hört man die Spielfreude deutlich an, überteibt es vielleicht mit dem Text ein wenig, dass die Linie des "Vogelfängers" etwas verloren geht. Bereits bekannt von Harnoncourt ist der langgezogene Auftakt "De..her (jetzt im Tempo) Vogelfänger bin ich ja"
    Die Dialoge werden zum Glück sehr akzentuiert gesprochen, Werba bringt schön den Wiener Schmäh ein.
    Bernhard Richter singt schön lyrisch und Schlank, bisweilen so schlank, dass ihm der nötige Sitz im Körper fehlt, so dass die Höhen nicht die nötigen Rundungen haben, sondern bisweilen sehr knapp klingen. Aber sein Tenor hört sich ansonsten wirklich sehr schön an.

  • Aber sein Tenor hört sich ansonsten wirklich sehr schön an.

    ...schon ein wenig gepresst, würde ich sagen (Schlussphrase!). Aber das Orchester bei der Bildnisarie: sehr schön, mit großer Zartheit, Harnoncourts relativ langsames Tempo passt.

    Wunderbar auch der Concentus im g-moll-Teil der Königin-Arie (Bratschen! Fagott!). Die mir bisher unbekannte Mandy Fredrich als Königin der Nacht: naja...

    Das Quintett hebt sich mit Ausnahme einiger harnoncourtscher Auftaktverzögerungen wenig vom Gewohnten ab.


    Wie sich das Ganze wohl in der Akustik der Felsenreitschule anhört...


    Viele Grüße

    Bernd

    .

  • Mandy Fredrich hat für die Königin eine wirklich tolle Höhe und auch den passend royalen Ausdruck. Dafür klingen die Koloraturen viel zu robust und unflexibel - ich möchte auch vermuten, dass hier eine gehörige Portion Nervösität im Spiel ist.
    Beim Beginn von "Hm,hm, hm" habe ich das Fagott noch nie so herrlich deutlich gehört. Das Quintett ist überdies ein großes Beispiel dafür, wie spannend es ist bei Harnoncourt zuzuhören.
    Rudolf Schassching singt einen garstigen Monostatos. Julia Kleitner singt eine schön-mädchenhafte Pamina. Das von Harnoncourt fast zu Stillstand gebrachte "Bei Männer welche Liebe fühlen" führt sie mit lyrischer Begeisterung an, Markus Werba klingt da etwas spöder, mischt sich aber sehr gut mit dem Sopran.

  • Meine Lieben!

    Die Felsenreitschule war schon zu meiner Zeit Aufführungsstelle der Zauberflöte und sie hat immer recht gut dort geklungen, an dem kann es nicht liegen.

    Sie ist zwar ziemlich groß aber das macht fast nichts aus, wenn tontechnisch nicht allzuviel verändert wurde.

    Liebe Grüße sendet Euch Peter aus Wien. :wink:

  • Das werde ich hoffentlich am 06.08. erleben...

    Oh - ein Ticket für 400 € gekauft? ;+)

    Die Akustik in dem Riesenraum ist nicht unproblematisch, da verflüchtigen sich Feinheiten schon mal. Muss aber nicht sein, La clemenza di Tito unter Harnoncourt hat vor Jahren dort auch sehr gut funktioniert.

    Viel Spaß! :)


    Viele Grüße

    Bernd

    .

  • Sehr spannend die sonst so oft herunter genudelte Diskussion zwischen dem Priester (Martin Gantner) und Tamino. Beide Sänger wählen den Sprechgesang, so dass der Dialog viel Leben bekommt, der Concentus begleitet dies überaus spannend.
    Wirklich sehnsüchtig klingt der Concentus beim "Zauberton der holden Flöte", und Bernhard Richter klingt vom Timbre wieder ideal, singt sich zudem auch technisch immer mehr auf das richtige Niveau, doch die wenigen Koloraturen wiren immer etwas abgeknapst, das hohe "Vielleicht" klingt jetzt mal richtig rund.
    Rudolf Schassching deklamiert sehr stark, doch kann man den Monostatos auch ruhig mal ein wenig singen.

  • Kurz vor der Pause lässt Georg Zeppenfeld noch seinen Pracht-Bass hören. Ich erinner mich immer noch gerne an seine Anfänge in Münster.
    Der Concentus dreht jetzt im Schlusschor vor allem in den Blechbläsern noch mal richtig auf, der schön singende Staatsopernchor hat da doch Mühe mitzuhalten.
    Insgesamt bislang eine schöne, gesanglich nicht überragende, aber sehr ordentliche Aufführung, in der vor allem Nikolaus Harnoncourt und der Concentus Musicus meine Erwartungen erfüllen.
    Pause!

  • Immer wieder Harnoncourt: Innerhalb des zweiten Quintetts 3 Damen - Papageno -Tamino variiert oft Harnoncourt die musikalische Sprache. Das ist wirklich hervorragend und der Concentus musiziert wirklich spannend. Rudolf Schasching täte gut daran sich an den Holzbläsern zu orientieren, die seiner kurzen Arie wirklich magisches Flair verpassen. Doch der Charaktertenor setzt mehr auf Sprache als auf Gesang und das nervt auf Dauer.
    Mandy Fredrich absolviert ihre zweite Arie mit kaltem Stahl in der Stimme und einer auch in der Höhe sehr guten Diktion. Die Bremse vor "wenn nicht.... durch dich", auf die Harnoncourt so gerne tritt und damit den Blechbläsern eine gnadenlose Entgültigkeit gibt, beeindruckt mich immer wieder.

  • Ich höre mit. - Tolle Darbietung! -
    Mein Ohr richtet sich besonders auf den Gesang der 3 Knaben. - Wieder einmal schön gesungen. Sehr klar und homogen. -
    Schade nur, dass man IHRE Namen nicht nennt!

    :wink:

    "Solange Menschen denken, dass Tiere nicht fühlen, müssen Tiere fühlen, dass Menschen nicht denken."

    (Unbekannt)

  • Georg Zeppenfeld gestaltet rein aus dem Gesang heraus und damit wird die "Hallen"-Arie mit seinem schön-strömenden Bass ein Highlight. Ungewohnt schnell nimmt Harnoncourt "Ach ich fühls" was Julia Kleiter natürlich zu Gute kommt, da sie nicht ganz so viel Energie und Atem für die langen Bögen aufwenden muss. Auch variiert Harnoncourt für die Phrase "so wird Ruh im Tode sein" das Tempo und bremst etwas ab. Einfach so runter singen ist heute Abend nicht.
    Auch Harnoncourt schafft es nicht, dieses komische Terzett "Soll ich dich Teurer nicht mehr sehn?" mir ein bisschen schmackhafter zu machen. Markus Werba schließlich singt das Mädchen oder Weibchen mit viel Elan, aber auch etwas polternd.


  • Mein Ohr richtet sich besonders auf den Gesang der 3 Knaben. - Wieder einmal schön gesungen. Sehr klar und homogen. -
    Schade nur, dass man IHRE Namen nicht nennt!

    :wink:

    In der Tat: Die drei versüßen mir eine der schönsten Stellen aus der Oper: "Bald prangt den Morgen zu verkünden" und da sich auch die glaßklare Julia Kleiter so schön mit diesen Stimmen vereint und der Concentus Musicus so sanft untermalt, ist das musikalisches Glück pur.

  • Nach einem sehr tollem Finale ist der Applaus insgesamt freundlich, aber auch nicht besonders euphorisch. In den Applaus für das Regieteam mischen sich sehr deutliche Buhs. Insgesamt ist es vor allem Nikolaus Harnoncourt zu verdanekn, der der Oper festspielreifes Profil verlieh. Sehr gut auch Julia Kleiter und Georg Zeppenfeld, mit kleinen Abstrichen Markus Werba und Bernhard Richter sowie Mandy Fredrich.

    Gute Nacht zusammen!

  • Vielen Dank lieber Peter Michaelow für den "spannenden Live Ticker" mit all den vielen bemerkenswerten Details!
    Ich fand die Interpretation musikalisch großartig, es wurde eine Geschichte erzählt mit Menschen, mit denen man menschlich mitfühlen kann.
    Für mich hatte es durchaus auch den Anflug besten Wiener Vorstadttheaters, also weniger überhöhtes Kunstprodukt.
    (Papageno: fast wie Nestroy Couplets.)
    Die ARTE Aufzeichnung am Montag wird darüber hinwegtrösten, dass "die Wiener Vorstadt" so etwas nicht live vor Ort erleben kann, denn es ist ja dann doch ein "überhöhtes Kunstprodukt" (siehe Zwielichts Bemerkung weiter oben...).

    Herzliche Grüße
    AlexanderK

  • Hallo!

    Ich selber habe die Zauberflöte nicht gehört, und kann generell zur Oper nichts sagen, weil ich keine Partitur habe.

    Aber ein paar Meinungen im Standard-Forum zu dieser Aufführung waren doch interessant. Ob sie zutreffend sind, kann ich nicht beurteilen:

    Markus Werbas Stimme ist viel zu schwer für den Papageno, wobei ihn Harnoncourt noch zu absurd unmusikalischen Manieren vergatterte ("Deeeer Vogelfänger"). Mandy Fredrich hat zwar die Spitzentöne, knödelt aber die Triolen-Melismen, dass Josepha Hofer im Haydn-Park im Grab rotiert. Was nützen historische Instrumente, wenn die Bläser keinen sauberen Es-Dur-Akkord zustande bringen? Harnoncourt verschleppt die Tempi gnadenlos, sodass Karl Böhm heute geradezu als Hudler wirkt. Gnadenlose, sinnstörende Textstriche tun ihr übriges. Und das Publikum jubelt wie immer. Kein Wunder: wer will sich schon öffentlich eingestehen, soeben um hunderte Euro geneppt worden zu sein?

    (...) besorgen sie sich einen Klavierauszug der Zauberflöte, am besten den der Universal-Edition(von Kienzl) und vergleichen sie die Partitur mit den delikaten Ideen von Meister Harnoncourt. wozu Originalinstrumente, wenn man den originalen Notentext nicht ernst nimmt, und immer wieder glaubt, es besser als der Komponist zu wissen: da werden Notenwerte abrupt verkürzt, Fermaten auf der Pause mit der Note davor vertauscht, sf fast immer als sfp akzentuiert, obwohl Mozart in der Originalpartitur sehr wohl zwischen sf und sfp unterscheidet, Pausen eingelegt, wo keine notiert sind, das Tempo abrupt geändert, wo man in der Originalpartitur keinen Hinweis findet, usw. (...)

    Helmut Qualtinger: "spiele einen Zwerg - welchen - den vierten - wie legst du ihn an - HINTERGRÜNDIG". Das ist eine Association zu Harnoncourts Interpretationsweise der Zauberflöte, es so zu machen, wie es noch keiner gemacht hat, Geheimnisse einfügen, wo alles klar ist... aber die musikalischen Adabeis schwärmen : So hab ich das noch nie gehört. Klar, weil es ja nicht richtig ist.

  • besorgen sie sich einen Klavierauszug der Zauberflöte, am besten den der Universal-Edition(von Kienzl) und vergleichen sie die Partitur mit den delikaten Ideen von Meister Harnoncourt, wozu Originalinstrumente, wenn man den originalen Notentext nicht ernst nimmt, und immer wieder glaubt, es besser als der Komponist zu wissen

    Solche Kommentare schaffen es immer wieder, das in den österreichischen Zeitungen gängige Niveau noch zu unterbieten.

    Den "originalen Notentext" ausgerechnet in einer Uralt-Edition von Kienzl zu finden - darauf muss man erstmal kommen. Wie man "die Partitur" mit der Interpretation Harnoncourts vergleichen soll, wenn man nur einen Klavierauszug zur Hand hat, bleibt auch rätselhaft. Warum man gerade dieses Zeug hier reinkopieren muss...? Du wirst es wissen.


    Viele Grüße

    Bernd

    .

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