Eben gehört - NEUE MUSIK

  • Und schon wieder Elliott Carters 2. Streichquartett, diesmal in der ersten Aufnahme des Juilliard String Quartets seinerzeit noch für RCA Living Stereo als LSC-2481. Die CD stammt vermutlich aus einer dieser dicken Würfeln, hat jedenfalls nur eine Papphülle mit dem Original Cover. Schon ein krasses Stück. Wie man von dieser Musik fünf Quartette an einem Abend spielen kann - das Pacifica Quartett kann es offenkundig - ist mir schleierhaft. 8o

    Toleranz ist der Verdacht, der andere könnte Recht haben.

  • Liz Johnson Streichquartette Nr. 4

    Liz Johnson ist eine englische Komponistin, von der ich bis vor kurzem noch nie etwas gehört hatte, dann erschien ihre Doppel-CD "Intricate web" randvoll mit interessanter Musik, darunter vier Streichquartetten gespielt von der heutigen Inkarnation des Fitzwilliam SQ (die in den 1970ern die erste westliche GA der Schostakowitsch-Quartette für Decca gemacht haben).


    Das vierte Streichquartett von Liz Johnson ist insofern ungewöhnlich als zu den vier Streichern eine Sopranstimme tritt, kennen wir zwar von Schönberg, aber hier ist die Sopranistin die ganze Zeit dabei, es handelt sich also um eine Art Szene für Sopran und Streichquartett. Es geht in dem Gedicht "Sky burial" von Kathleen Jamie um ‘the journey and ceremony of a woman being carried through her dying and her death.’ Der Gesangspart ist teils sehr virtuos aber weitgehend tonal, die Begleitung durch das Quartett sehr feingesponnen und apart. Es stellt sich gegen Ende eine Stimmung ein, die entfernt an den Abschied von Gustav Mahler erinnert. Die Sopranistin Lore Lixenberg wird den an sie gestellten Anforderungen umfassend gerecht. Das Stück dauert knapp 30 min.



    Toleranz ist der Verdacht, der andere könnte Recht haben.

  • Mihkel Kerem - Symphonie Nr. 3 For the victims of communism

    Mihkel Kerem ist ein estnischer Komponist und Violinist, Jahrgang 1981. Er begann bereits als 12-jähriger zu komponieren und hat die dritte Symphonie 2003 als 22-Jähriger vollendet. Neun Streichquartette hat er bereits auf dem Buckel, davon kenne ich aber noch keins. Kerem lebt und konzertiert vor allem auf der britischen Insel.
    Zu seiner dritten Symphonie schreibt er sinngemäß im Booklet. "Als ich 2003 Ideen für die dritte Symphonie sammelte, las ich gerade Dimitri Schostakowitschs "Testimony". Ich realisierte, dass viele Menschen schon keine Idee mehr davon haben, was in der Sowjetunion abging. Ich fand anfangs nicht die richtige musikalische Sprache für meine Symphonie über die Opfer des Kommunismus. Zum Schluß realisierte ich, dass ich das was ich sagen wollte, nur im Stile Schostakowitsch's sagen könnte."



    Und so wurde seine dritte Symphonie ein Werk in der Tonsprache von DSCH, zumindest am Anfang. Es fällt auf, dass über die drei Sätze Adagio - Vivacissimo - Grave hinweg, der Einfluß von DSCH immer mehr abnimmt, so dass im dritten Satz eigentlich keine Rede mehr davon sein kann. Die symphonische Höhepunkte des ersten und zweiten Satzes sind zudem merklich dissonanter als die von DSCH und erinnern dadurch auch ein wenig an die Musik von Andrej Eshpai, spezifisch an Passagen aus der 4. Symphonie. Der relativ kurze letzte Satz ist ambivalent bis pessimistisch und endet mit einem langgezogenen Ton, so wie die Pulskurve eines Sterbenden am Ende gerade wird. Eindrucksvolles Werk, das Lust auf mehr von diesem Komponisten weckt.
    Die bei Toccata Classics erschienene CD mit dem Estonian National SO unter Mikk Murdvee lässt klanglich und interpretatorisch keine Wünsche offen.

    Toleranz ist der Verdacht, der andere könnte Recht haben.

  • Wilhelm Georg Berger (1929-1993) - Rumänischer Komponist

    Heute morgen wieder einmal gehört: Symphonie Nr. 4




    Wilhelm Georg Berger. In der Nähe von Brasov (Kronstadt) als Sohn "siebenbürgischer Sachsen" geboren und dort auch ausgebildet zog er 19-jährig nach Bukarest, wo er als Bratschist in der Philharmonie spielte und zu komponieren begann. Er war auch Mitglied im Streichquartett und hat intensiv für dieses Genre komponiert, insgesamt 18 Streichquartette. Zwischen den Anforderungen des sozialistischen Realismus und Avantgardetendenzen sich dahinlavierend hat er u.a. 21 (andere Quellen sagen 25) Symphonien komponiert. Reger, Hindemith und Schönberg waren ebenso Vorbilder wie Webern und Messiaen. Die Musik Bergers erschien bisher vor allem auf dem rumänischen Electrocord Label, diese CD ist mein erster Kontakt mit diesem Komponisten.


    Und sicher/hoffentlich nicht mein letzter, denn was ich hier höre, hat mich schwer beeindruckt.


    Das lyrische halbstündige Violakonzert von 1959 nimmt schon nach wenigen Takten für sich ein, es erinnert in vielen Aspekten an das geniale 1. Violinkonzert von Sergej Prokofieff. Die vierte Symphonie von 1964 ist da schon etwas spröder und pessimistischer, aber ebenfalls noch deutlich tonal. Es ist zweisätzig und dauert 43 min. Was hier an Ideen auftaucht, ist schon eindrucksvoll. Obwohl es bei mir zahlreichen Assoziationen von Mahler über Bartok und Schostakowitsch bis hin zum frühen Lutoslawski, Panufnik ja so gar Petterssen weckt, eine doch eigenständige hochinteressante Musik; die letztgenannten hatten ja wesentliche Teile ihres Oeuvres 1964 auch noch gar nicht komponiert. Wenn die weitere Musik von Berger vergleichbar gut ist, würde ich sagen, hier ist ein Komponist mit einer Relevanz wie z.B. Mieczyslaw Weinberg ans Tageslicht befördert worden. Ich hoffe stark, dass es cpo nicht bei einer CD belässt. (Drei Jahre nach dem Schreiben dieses Textes sieht es aber leider doch so aus, als bliebe die Aufnahme ein Unikat, schade. Einige weitere Werke sind auf youtube auffindbar.)


    Das RSO Berlin unter Hora Andreescu läßt keine Wünsche offen und der aufstrebende Bratschist Nils Mönkemeyer spielt betörend.

    Toleranz ist der Verdacht, der andere könnte Recht haben.

  • daraus:
    (AD: Juli 1996, St Augustine's Church, Kilburn, London)


    - Sinfonie Nr. 1 (1951)


    Royal Philharmonic
    Vernon Handley



    Armin

    "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)


  • Einojuhani Rautavaara: Cantus Arcticus (1972; AD: Dezember 1989, Bethanienkirche, Leipzig)


    Radio-Sinfonieorchester Leipzig
    Max Pommer


    &



    (AD: 01. - 02. Dezember 2001, Music Hall, Cincinnati, Ohio)


    Eduard Tubin: Sinfonie Nr. 5 h-moll (1946)


    Cincinnati Symphony Orchestra
    Paavo Järvi



    Armin

    "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)

  • Was für ein Zufall, das 2. Streichquartett von Robert Simpson wollte ich gerade hören, als das Telefon schellte. Von ein parr Takten habe ich aber nicht viel ...


    Es ist noch nicht aller Tage Abend. :/


    LG, Kermit :wink:

    Es ist vielfach leichter, eine Stecknadel in einem Heuhaufen zu finden, als einen Heuhaufen in einer Stecknadel.

  • Streichquartette für Einsteiger

    Wer bisher Schwierigkeiten oder Einstiegshürden beim Genre Streichquartett hat, kann es ja mal mit den Quartetten von Marc Mellits versuchen. Eingängige, recht einfach gestrickte aber doch interessante popaffine Melodien und Rhythmen die der Minimal Music nahestehen sollten auch dem ungeübten Hörer wenig Probleme bereiten. Einige der Riffs kann man sicher auch gut auf der Gitarre spielen, vorausgesetzt man hat flinke Finger. Das Quatuor Debussy hat sie natürlich.


    Toleranz ist der Verdacht, der andere könnte Recht haben.

  • Olivier Mellano La Chair des Anges (Das Fleisch der Engel)

    Olivier Mellano ist ein französischer Musiker, der sich so aus ziemlich allen Quellen bedient, die die letzten 500 Jahre Musikgeschichte bieten. Da eröffnet mittelalterlich nachempfundener Sologesang die CD und sie endet mit einem ähnlichartigen Vokalquartett. An zweiter Stelle steht ein 12-minütiges postmodernes Streichquartett, es folgt ein längeres Stück für Orgel und Cembalo und im Zentrum steht eine Komposition für zwei Stimmen, 7 elektrische Gitarren und Bass. Letzteres könnte Leute ansprechen, die gerne Carmina burana hören, für mich klingt es etwas zu sehr nach Bastelstunde im Aufnahmestudio, denn das Stück wird nur von Mellano und einer Sängerein gestaltet. Nachfolgend eine nicht uninteressante elektronische Studie "Gesang der Elektronen", Stockhausen lässt grüßen. Und dann noch Stück für Cembalo. Ziemlich schräg das alles, aber das 12-minütige Streichquartett hat durchaus schön ausgehörte Passagen.


    Toleranz ist der Verdacht, der andere könnte Recht haben.

  • Kammermusik aus Estland


    Diese CD hat mir gerade ausnehmend gut gefällt. Die Werke sind aus meiner Sicht "gut zu packen" und melodisch ansprechend, von überwiegend melancholischem Charakter, trotz der Unterschiedlichkeit aller drei Komponisten. Das volle, sehr gelungene Klangbild tut ein Übriges. Eine echte Entdeckung!


    Viele Grüße

    Frank

    :cincinbier:

    "it's hard to find your way through the darkness / and it's hard to know what to believe
    but if you live by your heart and value the love you find / then you have all you need"
    - H. W. M.

  • Hier nordische moderne Pfeifenklänge.


    Per Nørgård: Orgelwerke


    Preludio festivo
    5 Orgelchoräle op. 12
    Präludien & Choral über die Hymne "Aret"
    Christ rose up from the dead
    Summer Prelude
    An Eternal Paradise I know
    O Blessed Joy
    Toccata "Libra"
    Canon


    Jens E. Christensen
    Orgel der Vor Frelsers Kirke (Erlöserkirche) zu Kopenhagen (IV/59)



    Gruß
    MB


    :wink:

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe


  • Mitgenommen im Rahmen der letzten BIS-Sonderaktion bei jpc, kann ich zur Musik leider eher wenig sagen, außer vielleicht, dass sie mir grundsätzlich interessant erschien, mit dem Potenzial, zu gefallen, wenn man sich intensiver mit ihr beschäftigt. Auf Anhieb haften blieb allerdings wenig bis nichts. Der Klang der Aufnahme erschien mir sehr gut.


    Viele Grüße
    Frank
    :cincinbier:

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    but if you live by your heart and value the love you find / then you have all you need"
    - H. W. M.

  • mit dem Potenzial, zu gefallen, wenn man sich intensiver mit ihr beschäftigt

    Lohnt sich schon. Ich hatte auch mehrere Sitzungen gebraucht, bis ich es gut abschätzen konnte, ob es mir gefällt. Ich finde die Werke sehr gut.


    Bei den Streichquartetten ging es aber tatsächlich schneller... ;)

    "Interpretation ist mein Gemüse."

    Hudebux

    "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."

    Jean Paul

    "Manchmal sind drei Punkte auch nur einfach drei Punkte..."

    jd

  • Apropos "bigger than life".


    Olivier Messiaen: Turangalîla-Sinfonie


    Pierre-Laurent Aimard, Klavier
    Dominique Kim, Ondes Martenot
    Berliner Philharmoniker
    Kent Nagano



    Prima. Jetzt fehlt noch die Alpensinfonie und das Finale von Bruckner 5. Und Diverses von Var`sse.


    Gruß
    MB


    :wink:

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Hopp Schwiiz.


    Beat Furrer


    Nuun
    für Klavier und Ensemble (1995/96)


    Marino Formenti, Florian Müller, Klavier
    Klangforum Wien
    Peter Eötvös


    Presto con fuoco (1997)


    Eva Furrer, Flöte
    Marino Fromenti, Klavier


    still (1998)


    Klangforum Wien
    Sylvain Cambreling



    Gruß
    MB


    :wink:

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Aus obiger CD:


    Beat Furrer: Poemas (1984)
    für Mezzosopran, Gitarre, Klavier und Marimba


    Elizabeth Laurence, Mzzosopran
    Gunter Schneider, Gitarre
    Florian Müller, Klavier
    Lukas Schiske, Marimba


    Gruß
    MB


    :wink:

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe


  • Christian Lindberg: Klarinettenkonzert The Erratic Dreams of Mr Grönstedt (2011-13)
    Osvaldo Golijov: The Dreams and Prayers of Isaac the Blind für Klezmer-Klarinette und Streichquartett (1994)
    Emil Jonason, Vamlingbo Quartet
    Christian Lindberg, Norrköping Symphony Orchestra



    maticus

    Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
    Und wer Herr Reichelt ist, weiß ich auch erst seit Montag. --- Prof. Dr. Christian Drosten

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