Bruckner: Sinfonie Nr. 3 d-moll

Vom 28. Januar 2022, 13.30 Uhr bis 03. Februar 2022, 13:30 Uhr findet die 12. ordentliche Mitgliederversammlung des Capriccio-Trägervereins statt. Mitglieder werden gebeten, sich für die Teilnahme ab Freitag hier zu registrieren. Die Freischaltungen erfolgen im Laufe des Freitags, wir bitten dann um etwas Geduld.
  • Ich habe doch noch zwei Einspielungen gefunden, die ich nicht unerwähnt lassen möchte. Da ist zunächst mal der Zyklus von Arte Nova, der dann mit zu Oehms gewechselt ist unter Stanislav Skrowaczewski. Hier ist die Dritte in der die 1887/1889-er Fassung gewählt hat.



    Es gibt noch ein drittes Bild dazu, doch es handelt sich immer um die gleiche Einspielung. Man sollte hier sowohl das hervorragende Orchesterspiel als auch die Lebendigkeit und den großen Spannungsbogen, den der Dirigent hier schafft erwähnen.


    Nachfolge-Zyklus bei Arte Nova wurde dann jener um das Bruckner-Orchester Linz unter seinem damaligen Chefdirigenten Dennis Russell Davies. Während Skrowaczewski mehr aus der Tradition heraus seinen Bruckner aufbaut, wählte Davies den Weg, Bruckner als Vorbereiter der Moderne. Interessant dabei ist, dass man Davies auch mehr als Dirigenten für zeitgenössische Musik kennt. Man sollte dabei aber nicht überhören, dass er hier einen wunderbaren Klang erzeugt, der dem Orchester und dem Werk gut zu Gesicht steht.


    Dass er aber auch die "Tradition" bestens beherrscht, zeigt er mit der GE der Haydn-Sinfonien mit dem Stuttgarter Kammerorchester.


    Viele Grüße sendet Maurice

    Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)

  • Durch die Lebensumstände seit fast einer Decade getrennt, traf nun ein "Hör-Trio" wieder zusammen . Im Mittelpunkt des Interesses : Bruckner 3 mit Kurt Sanderling . Die vier zur Debatte stehenden Aufnahmen waren , in zeitlicher Entstehungsreihenfolge :


    1963 (Fassung 1890) 64:02



    1978 (Fassung 1889) 59:04



    1985 (Fassung 1899) 58:14


    Mitschnitt v.10/10/85 mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks

    Bells of St.Florian AB 9


    2001 (Fassung 1899) 65:30

    Mitschnitt v.7/9/2001 mit dem Rundfunk Symphonieorchester Berlin
    Sounds Supreme CD 2S-008



    Die Befürchtung, wir würden es konditonell nicht schaffen , bewahrheitete sich nicht . Nach dem Hören des 1.Satzes gab es einen Favoriten, das Adagio hörten wir bei nur einer Aufnahme bis zum Ende , um die CD dann gleich weiterlaufen zu lassen . In der gegen Ende seiner Dirigentenlaufbahn 2001 in einem Berliner Konzert aufgezeichnete Dritten zeigt Sanderling sozusagen die Summe seiner Auseinandersetzung mit der Sinfonie . Und er hat sich viel mit ihr beschäftigt ! Irgendwo hier im Forum habe ich wohl mal die Anzahl der dokumentierten Dritten mit ihm genannt, und er liegt bei dieser Sinfonie an der Spitze der erhaltenen Dirigate . Aber hier gelingt es ihm, das alles einfliessen zu lassen . Keine der anderen Aufnahmen ist nicht gut oder auch sehr gut , aber bei dieser klingt alles "richtig", besser : uns klang es "richtig" . Für mich die Bruckner Dritte mit Sanderling, die sich zu seiner 4. mit dem BRSO und der 7.mit den Stuttgartern gesellt, obwohl die Berliner nicht ganz das Niveau dieser Orchester haben .
    Ein würdevolles Vermächtnis, und es sagt vielleicht auch etwas über den Dirigenten Sanderling , der sich auf diese 3 Bruckner-Sinfonien beschränkte .

    Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Not really now not anymore" "But I am good. What the hell has gone wrong?"


  • Drittfassung von 1889/90. Insgesamt positive Eindrücke mit kleinen Einschränkungen: Nelsons bevorzugt ein weiches Klangbild mit kultiviertem, zurückgenommenem Blechbläserklang (was an verschiedene Bruckner-Aufnahmen Abbados erinnert). Vorbildliche Durchhörbarkeit abzüglich verschiedener Holzbläserstellen in der Durchführung des Kopfsatzes. In Verbindung mit einem recht gemäßigten Tempo wird im ersten Satz so aber auch eine gewisse Weichzeichnung hörbar. Die lyrischen Passagen, z.B. das Seitenthema des Kopfsatzes oder passagenweise das Andante, erklingen im Miteinander von Haupt- und Nebenstimmen sehr differenziert. Am besten gefällt mir von der Interpretation her das (in dieser Fassung bekanntlich stark gekürzte) Finale: pointiert die Gleichzeitigkeit von Choral und Ländler, ausgefeilt die Steigerungsdramaturgie, durch die es in der Coda zum erstenmal zu einer richtiggehenden Klangentladung kommt.


    :wink:

    .

  • Wagner Symphonie

    Bei Bruckners Dritter fasziniert mich die Kühnheit der Themen und des Aufbaus. Die Weiträumigkeit des Aufbaus lässt sich in der weitverbreiteten Fassung von 1889 (häufig als dritte Fassung bezeichnet) allerdings nicht so gut nachvollziehen. Der langsame Satz und das Finale sind hier stark gekürzt. Für mein Empfinden bekommen die wunderbaren Themen hier nicht den Raum, sich voll zu entfalten.


    Ich bin vor kurzem auf folgende sehr schöne Aufnahme gestoßen (Fassung von 1877 mit Adagio von 1876):


    Im Beiheft wird übrigens erklärt, dass es insgesamt 9 (!) Partituralternativen der 3. Symphonie gibt (wenn man das Adagio von 1876 mitzählt).


    Das Adagio von 1876 ist eine hörenswerte Alternative. Es ist faszinierend, wie Bruckner es schafft, die Wagner Zitate zu integrieren und es doch immer alles nach Bruckner klingt.


    Mit der Interpretation von Osmo Vänskä bin ich sehr zufrieden. Er schafft es, den Themen Raum zu geben ohne sich im Detail zu verlieren.


    Viele Grüße


    Pizzicato :wink:

  • Meine allererste Bruckner-Erfahrung, mit 14 von der LP mit Szell und dem Cleveland Orchestra...
    Natürlich die Letztfassung von 1889/90, die ich auch immer noch sehr schätze.
    Für mich war das echt eine Offenbarung: diese Ruhe, in der das gelassene Hauptthema - von der Trompete vorgetragen! - wie ein Naturereignis wirkt...


    Gruss
    Herr Maria

    Werter philmusischer Herr Maria


    Stell dir vor, ich hatte mein erstes Bruckner-Erlebnis auch im Alter von 14 Jahren - ebenfalls mit der Dritten - und sogar auch mit den fetzigen Cleveländlern unter dem akribischen Dirigat des gestrengen Mr. George Szell - und darüberhinaus auch noch live (!!!) ... nämlich anlässlich der Internationalen Musikfestwochen Luzern (IMF)!


    Ich bin meinen klassikaffinen Eltern in alle Ewigkeit dankbar dafür, dass sie mir damals dieses exzeptionelle, ja fürwahr gleichsam existenzielle Konzerterlebnis ermöglicht haben:


    Das Konzert war für mich - dem einsamen Klassik-Freak (den seine Mitschüler deswegen hänselten und mobbten) - ein zutiefst aufwühlendes, ja erschütterndes und letztlich schicksalshaftes Geschehen.


    (Jawohl, die grossen Worte sind durchaus angemessen und angebracht.)


    Der famose Geza Anda spielte vor dem Bruckner-Hochamt Ludwig Van's drittes Klavierkonzert.


    Ich habe ihn daraufhin mit einem Brief kontaktiert.
    Er hat mir sehr freundlich geantwortet, und ich habe schliesslich den Entschluss gefasst, mein Leben fürderhin der Göttin Musica zu widmen ...


    Seither ist Bruckner's Dritte meine wahrhaftige Schicksalssymphonie.


    Weit über 20 Aufnahmen bereichern meine Diskothek: Simone Young (Hamburg) hat durchaus ein Stein auf meinem Brett, und auch der Ekstatiker Stanislav Skrowaczewski (Saarbrücken) kann prächtig punkten bei mir.


    Nachhaltig überzeugen kann mich aber bisher keine neuere Aufnahme. Nun denn, es muss nicht sein. Ich bewege das Erlebnis aus Luzern zeitlebens dankbar in meinem Herzen, und das Ist "Glück's genug".


    Sei herzhaft gegrüsst, lieber "Amigo in Antonio"
    vom Walter aus Bern :cincinbier:

  • Gehört habe ich in den Letzten Tagen:


    Haitink /Concertgebouw
    Rozhdestvensky 2014 Moscow Radio & TV Symphony Orchestra
    Simone Young 2006 Hamburg Phil
    Nezet-Seguin 2014 Metropol. de Montreal
    Hindemith 1960 Mannheim
    Tennstedt 1976 Bayrischer Rundfunk
    Knappertsbusch 1954 Wiener Phil
    Celibidache 1987 Münchner Phil
    Solti 1992 Chicago Symph


    Bei Sanderling BBC North, Sawallisch Philadelphia, Schuricht Wiener Phil habe ich jeweils den ersten Satz nur halb gehört und die anderen 3 kurz angespielt, weil mir nichts daran besonders aufgefallen wäre, weder aussergewöhnlich Spannendes oder Ergreifendes, noch irgendwie schlechtes. Alle waren gut - nur fehlte mir eine Inspiration zum Weiterhören. Diese kann bei mir reines Interesse sein (wie bei Hindemith und Knappertsbusch), oder ein freundschaftliches Vergleichen in einer Gruppe von obsessiven Hörern, oder natürlich ein musikalischer Eindruck, der mich veranlasst weiterzuhören.


    Andreae 1955 Wiener Phil, habe ich auch nicht ganz gehört, aber nur, weil ich ihn sofort super fand, einer der "Rasanten". Und aus Erfahrung mit der 1. und 6. Sinfonie deshalb nicht weiterhören brauchte. Denn ich wollte eine neue Inspiration finden.


    Solti Chicago...seltsamer Fall. Ist für mich irgendwie ausser Konkurrenz, weil in jeder Hinsicht so dermassen auf Hochglanz poliert, eine Art Perfektion, bei der ich nicht weiss, wie ich sie finden soll, ausser wie aus Diamant geschliffen perfekt. Wie und ob es mich emotional berührt, weiss ich gar nicht so recht......sagen wir so: ich bewundere es.


    Meine Favoriten sind (im Moment)


    Yannick Nezet-Seguin und Metropolitain de Montreal - eine ganz wunderbare Aufnahme - mehr dazu hier


    Simone Young und Hamburger Phil - gefällt mir sehr; langatmig, nobel, grand, feinfühlig, schöner Klang.


    Haitink und Concertgebouw - lebendig und natürlich musiziert.

  • Szell und dem Cleveland Orchestra...

    Wieder gefunden!
    Die Beschäftigung mit LPs und dem "Wühlen" in Beständen brachte ne LP zu Tage, von der ich meinte, sie seinerzeit bei einem Anfall von "Vinyl muss raus" verkauft zu haben..
    Nein, sie ist noch da, sie war bloß völlig deplatziert abgelegt worden.
    CBS LP 61 072 = Cleveland Orchestra. George Szell. Bruckner 3 in der 1890 Fassung.
    Ich habe auch die Liveaufnahme der Salzburger Festspiele, aber Cleveland bleibt eben Cleveland.
    Eine Aufnahme, die mich immer wieder begeistert = Sofort aufgelegt.
    Gruß aus Kiel


    Was soll ich mit einem Oldtimer? Ich kauf mir doch auch keinen Schwarz-Weiß-Fernseher. (Jeremy Clarkson)

  • Auf der Digital Concert Hall gibt es eine sehr schöne Bruckner 3 dirigiert von Stan Skrowaczewski & Berlin Phil Konzertmitschnitt von 2011.


    Es war heute am frühen Nachmittag meine erste Begegnung mit diesem Dirigenten und ich habe interessiert hingeschaut. Ich fand sein Dirigat wunderbar, ganz leicht abzunehmen.


    ((((und war deshalb erstaunt, als das Orchester ihm im letzten Satz an einer Stelle nicht so richtig folgte. Das ist mir neulich bei einem anderen Dirigenten schonmal aufgefallen. Es ist minimal, aber für mich bemerkbar. Neulich waren sie mE stur. Heute sah es nach kurzem Konzentrationsausfall aus, obwohl mir Skrowaczewski im 4. Satz auch etwas nachliess. Wer weiss....))))


    Aber insgesamt eine empfehlenswerte Bruckner 3. Den 2. Satz fand ich besonders schön.

  • Das Konzert war für mich - dem einsamen Klassik-Freak (den seine Mitschüler deswegen hänselten und mobbten) - ein zutiefst aufwühlendes, ja erschütterndes und letztlich schicksalshaftes Geschehen.

    Lieber Walter, ich kenne Szell und B3 auch nur von dieser Aufnahme her,

    aber die Einsamkeit eines Klassikhörers kann ich durchaus nachvollziehen. Von daher ein großes Verständnis für deine damalige Situation und auch für dein besonderes Festhalten an dieser Interpretation. Was ich allerdings auch unabhängig von deiner Geschichte verstehen könnte. ;)


    :wink: Wolfram


  • Bruckner 3
    2. Fassung 1877
    Wiener Philharmoniker
    Christian Thielemann



    Ich bin sehr angetan von dieser Neuaufnahme, auch wenn ich kernigere Deutungen durchaus bevorzuge.


    Gepflegt, sorgfältig und sehr engagiert kommt die anton'sche Chose zu mir 'rüber. Der Wille, eine Referenzaufnahme zu gestalten, ist spürbar.


    Ich bin unschlüssig, ob sie es ist.


    Ich nehme aber eine grosse Ernsthaftigkeit wahr in dieser Exegese. Keinesfalls wird die Partitur langweilig zelebriert, wie gelegentlich moniert wird.


    Thielemann und die famosen MusikerInnen aus Wien verbinden mit differenzierender Akribie die schönen Stellen zu einer farbigen Prachtsschau. Das ist mE allemal legitim.


    Je öfter ich mir diese Version der Dritten zu Gemüte führe, desto mehr bewegt sie mich.


    Zudem klingt das Orchester einfach phantastisch und scheint sich wohl zu fühlen unter dem umsichtigen Dirigat.


    ***


    Was ich allerdings durchaus monieren möchte, ist das plumpe Cover der Scheibe in dieser hässlich katzengoldenen "3" in Gucci-Glanz-und-Gloria-Manier: Schrecklich!


    Es geht doch hier um "Bruckner" oder?...


    Offenbar ist den Sony-Produzenten der (zu Recht hochgelobte) Goldene Saal im Musikvereinsgebäude zu Wien das wichtigste Marketingtool. Das ist billig.


    Das Cover blendet. Und vor allem führt es auf die falsche Fährte: hier erklingt keinesfalls eine Luxusfassung, sondern eine Herzensfassung!


    Ich würde sie allemal empfehlen wollen.


    Gruss aus Bern vom Walter

  • Lieber Walter,


    die Aufnahme ist im Forum umstritten, siehe ab hier:
    Ich bin eher bei Dir, ich kann diese Aufnahme sehr genießen. Wer´s anders hört - auch OK. Vor allem freut mich auch, dass bei diesem Zyklus wohl keine eigenen Sony-Tontechniker wie bei vielen Neujahrskonzerten manipulieren, sondern (Geld sparen finde ich hier OK) die hervorragenden Ö1-Livemitschnitte eingesetzt werden.


    An die Covergestaltung werden sich die Sammler wohl gewöhnen müssen, siehe hier:


    Herzliche Grüße
    AlexanderK

  • Die Aufnahme hat mir auf den ersten Lausch ebenfalls ausgezeichnet gefallen, für mich steht sie zusammen mit Haitinks Wiener Aufnahme bei der 1877er Fassung vorneü


    Schaun mer mal. Jedenfalls war das ein ganz anderes Kaliber als seine Aufnahme der Fünften mit den Münchnern bei DG.


    Gruß
    MB


    :wink:

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

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