CD-Editionen von Aufnahmen der Schellack-Ära (bis ca. 1950)

  • Also kann das auch umgekehrt gelten?

    "Interpretation ist mein Gemüse."
    Hudebux

    "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
    Jean Paul

  • Entschuldige bitte, eine Frage:
    ist Dir gerade langweilig oder möchtest Du mich provozieren?


    Nein, viel schlimmer: ich bin einfach irritiert.


    Ich kann nicht verstehen, warum die Transparenz einer Schellackaufnahme gegen die Transparenz einer modernen Digitalaufnahme gegeneinander aufgewogen werden muß. Welchen Sinn soll das haben?


    Die Transparenz damals ist doch anders als die Transparenz heute. Allein die technischen Parameter sind schon weit auseinander. Der Wunsch nach Transparenz hat sich bei den Toningenieuren doch nicht in Luft aufgelöst?


    Daß die eine oder andere Aufnahme nicht gelungen ist, passiert nunmal. Aber der direkte Vergleich einer (gelungenen) Aufnahme von 1930 mit 1960 oder mit 2000 - wenn man es nur auf den Aspekt der Transparenz beschränkt - führt zu welchem Ergebnis?



    jd :wink:

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  • Im Grunde habe ich doch bereits alles gesagt.


    Mir sind einige historische Aufnahmen bekannt, in denen ich viele Kleinigkeiten kurioserweise deutlicher erkennen kann als in vielen modernen Aufnahmen.
    Natürlich ist und bleibt das Klangbild historisch, aber wenn Du Dir z.B. mal Gustav Holsts eigene (elektrische) Aufnahme seiner "Planets" anhörst und mit einer x-beliebigen modernen Aufnahme vergleichst, dann wirst Du erstaunt sein, daß fast alle Kleinigkeiten gut zu hören sind und bestimmte Details wie z.B. das Xylophon sogar extrem gut.


    Vielleicht hat eine Mono- Aufnahme gewisse Vorteile?

    Zitat

    Ich kann nicht verstehen, warum die Transparenz einer Schellackaufnahme gegen die Transparenz einer modernen Digitalaufnahme gegeneinander aufgewogen werden muß. Welchen Sinn soll das haben?

    Und ich verstehe nicht, welchen Sinn es hat, daraus ein Problem zu machen.
    Es "muß" gar nicht.


    Entschuldigung, daß das Gespräch darauf kam.
    Ich habe jetzt auch alles dazu gesagt, wegen mir brauchen wir uns nicht weiter darüber zu unterhalten.

    Zitat

    Aber der direkte Vergleich einer (gelungenen) Aufnahme von 1930 mit 1960 oder mit 2000 - wenn man es nur auf den Aspekt der Transparenz beschränkt - führt zu welchem Ergebnis?

    Es muß nicht alles immer zu einem Ergebniss führen.
    Schön, daß wir mal drüber gesprochen haben.

  • Nun, ich habe ja oben das Stichwort gegeben mit meiner Aussage, dass ich die New Yorker Aufnahme des Heldenlebens unter Mengelberg von 1928 in Bezug auf die Räumlichkeit und Durchhörbarkeit des großen Orchesters vielen modernen Produkten für überlegen halte - und ziehe die Aussage mit Bedauern zurück, denn ich wollte gewiss keine Minen legen. Die Aufnahme bleibt auch ohne den Vergleich zu modernen Produkten sehr gut und ich würde sie gern als sehr gelungenes Beispiel einer CD-Edition von Aufnahmen der Schellack-Ära - darum ging es hier ursprünglich wohl - empfehlen, gäbe es sie denn zu einem vernünftigen Preis.


    Wie man es - so meine ich - nicht machen sollte, zeigt die Aufnahme des Don Quixote mit der Staatskapelle Berlin aus der oben erwähnten Box der DG mit Strauss-Aufnahmen. Als Veröffentlichungsjahr wird 1933 genannt. Enrico Mainardi, Violoncello, Karl Reitz, Viola, Georg Kniestedt, Violine.


    Der erste Eindruck ist: Hui, das ist aber transparent. Die Soli am Anfang und auch einige Orchestergruppen stehen ungeachtet starker Knistergeräusche sehr plastisch "vor den Lautsprechern". Beim seinem ersten Einsatz springt einen das Cello förmlich an. Im weiteren Verlauf kommt dann aber die Frage auf: wo ist denn das Orchester? Es wirkt insgesamt viel kleiner als die Solisten oder auch einzelne Gruppen. Irgendwann stört mich das dann gewaltig, denn das Orchester und damit das gesamte Stück verliert seinen Zusammenhalt.


    Ich bin fast sicher, dass hier das Remastering am Werk war. Jemand wollte um des Effekts willen etwas herausstellen und hat dann die für den Komponisten Strauss so wesentliche Qualität des Orchesters geopfert. Die Interpretation halte ich vor allem wegen Mainardi für interessant. Insgesamt wirkt sie aber uninspiriert, teilweise sehr breite Tempi, dann auch wieder unvermittelte Beschleunigungen. Der Dirigent wirkt so als überzeuge ihn das alles nicht recht.


    Vergleiche ich das mit den sehr schlanken, fast nüchternen aber sehr schlüssigen Einspielungen des Don Juan und des Tills von 1929 aus der Wiederveröffentlichung, komme ich vorläufig zu dem kuriosen Ergebnis, dass der Dirigent Strauss keinen erkennbaren Stil beim Komponisten Strauss findet. Es scheint von der Tagesform oder der Laune abzuhängen.

  • Ich bin fast sicher, dass hier das Remastering am Werk war. Jemand wollte um des Effekts willen etwas herausstellen und hat dann die für den Komponisten Strauss so wesentliche Qualität des Orchesters geopfert. Die Interpretation halte ich vor allem wegen Mainardi für interessant. Insgesamt wirkt sie aber uninspiriert, teilweise sehr breite Tempi, dann auch wieder unvermittelte Beschleunigungen. Der Dirigent wirkt so als überzeuge ihn das alles nicht recht.

    Diese alten Aufnahmen kann man nicht besonders verändern, was die Klangbalance angeht.
    Das hast Du doch selber schon angemerkt.


    Hier war es wohl eher derselbe Grund wie bei Heifetz:
    Bei seinen Monoaufnahmen hat Heifetz immer darauf bestanden, so dicht und nah wie möglich am Hauptmikro zu stehen, damit ER volle Kanne rüberkommt.
    Alles andere war IHM egal, das gilt auch für alle seine Kammermusikaufnahmen.


    Mainardi war damals ein Star, Stützmikros wie heute gab es noch nicht, und man kann nachträglich ein ganz kleines wenig nachhelfen bei einem heutigen Remastering.
    Aber es ist völlig unmöglich, etwas so offenkundiges, wie Du es beschreibst, aus einer alten Aufnahme herauszuholen.


    Diese Aufnahme war damals schon so konzipiert, daran kann es keinen Zweifel geben.
    Ich verabschiede mich mal in den Urlaub, und danach habe ich ziemlich zu tun.
    D.h. , ich bin hier erst mal weg.


    Ansonsten habe ich meine Sicht der Dinge schon in Posting 33 ausführlichst beschrieben und muß und möchte mich dahingehend auch nicht mehr wiederholen.


    :wink:


    P.S.

    Zitat

    Vergleiche ich das mit den sehr schlanken, fast nüchternen aber sehr schlüssigen Einspielungen des Don Juan und des Tills von 1929 aus der Wiederveröffentlichung, komme ich vorläufig zu dem kuriosen Ergebnis, dass der Dirigent Strauss keinen erkennbaren Stil beim Komponisten Strauss findet. Es scheint von der Tagesform oder der Laune abzuhängen.

    Strauss als Dirigent ist m.E. völlig überbewertet.
    Deine Beobachtungen sind für mich daher völlig richtig.

  • Édouard Colonne - die Pathé Saphir Aufnahmen (ca. 1906/07)

    Vor einiger Zeit hatte Myriam Scherchen angekündigt, daß es weitere Veröffentlichungen des Tahra-Labels nicht mehr geben wird. Während das Label nun also auf Verwaltung des bisherigen Bestands schaltet, habe ich mir meine erste CD von Tahra zugelegt:



    Édouard Colonne
    Intégrale des enregistrements Pathé-Saphir
    Orchestre des Concerts Colonne


    (P) 1999 Tahra COL 001 [69'33"]
    EAN: 3504129000110


    Überspielung: Claude Fihman


    Tracklisting:
    "http://www.discogs.com/Orchestre-Des-Concerts-Colonne-Edouard-Colonne-Int%C3%A9grale-Edouard-COLONNE/release/2280096"


    Édouard Colonne (1838-1910) war Ende des 19. Jahrhunderts eine bekannte Dirigentenpersönlichkeit in Frankreich, der seinen Fokus auf zeitgenössische französische Musik gelegt hatte. Daneben führte er u.a. auch als erster Musik von Wagner in Frankreich auf. Sein von ihm gegründetes Orchester - die Association Artistique des Concerts Colonne - leitete er bis zu seinem Tod.


    Im Jahre 1906 machte er seine ersten Aufnahmen für die Pathé. Damit gehörte er zu den renommiertesten Dirigenten, die damals für ein Plattenlabel aufgenommen hatten. Insgesamt zwanzig Matrizen wurden bespielt, die sofort erschienen.


    Pathé hatte sich sehr schnell von einem Hersteller für Walzenabspieler zu einem erfolgreichen Anbieter von Musik auf Walzen entwickelt. Doch Berliners noch erfolgreichere Erfindung der Schellackplatte konnten sie ab 1905 nicht mehr ignorieren und begannen selber Scheiben herzustellen. Sie bauten einen eigenen Standard auf, der nicht kompatibel zur Berliner-Platte war: es war die Tiefenschriftplatte. Sie hatte die Rillen vertikal eingeschnitten und konnte nur mit einer Saphirnadel abgetastet werden. Der Beginn der Rillen war innen und lief außen aus, mit einer Drehgeschwindigkeit von 90 U/min. Da die Pathé ihre Aufnahmen auf spezielle Walzen bannte, die deutlich größer im Durchmesser waren und wesentlich schneller rotierten als die Walzen für den Kunden, mußten alle Aufnahmen extra überspielt werden, was mechanisch aber sehr einfach zu bewerkstelligen war. Die Größen der Platten waren 25, 27 und 29 cm Durchmesser - wobei Sondergrößen wie 36 oder sogar 51 cm auch möglich sein konnten. Die ersten waren zunächst einseitig und aus einer Wachsschicht, mit Zement fixiert, gefertigt; ab Oktober 1906 bestanden sie aus der üblichen Schellackmasse. Dieses System behielten Pathé bis 1915 bei; heute werden diese Platten allgemein als Pathé Saphir bezeichnet.


    Das Besondere dieser Aufnahmen: sie hatten eine hochwertigere Klangqualität als die Systeme, die die Matrizen gleich fürs direkte Pressen schnitten. Der Nachteil war allerdings, daß Rumpelgeräusche der Originalwalze beim Überspielen mit übertragen wurden, die man allerdings erst auf einer elektrischen (oder modernen) Anlage hören kann.


    -----


    Man weiß heute nicht mehr, wann genau diese Aufnahmen entstanden - als Jahresangaben sind 1906 und 1907 gelistet. Die Matrizen selber sind aufeinanderfolgend: no. 8933-8952. Es ist aber gut möglich, daß sich diese Matrizennummern auf die überspielten Platten beziehen, jedoch nicht auf die originalen Aufnahmewalzen. - Später erschienen die Colonne-Aufnahmen noch auf anderen Schellackpressungen (anderen Größen, andere Geschwindigkeiten).


    Die Stücke sind zumeist Balletmusiken oder ähnliche Kleinode, die man auf 2-4 Minuten beschränken kann. Der Anteil von deutschen und französischen Komponisten hält sich in etwa die Waage. Mozarts Türkischer Marsch z.B. kommt mit einer wirkungsvollen Bearbeitung für Orchester daher, Gounods Marsch der Marionette entwickelt eine sensible Zartheit.


    Édouard Colonne hat zwar ein etwas reduziertes Ensemble verwendet, verzichtete aber kaum auf einen reifen Ausdruck. Seine Aufnahmen zeugen von einer recht beweglichen Artikulation und einer durchdachten Klangdramaturgie, soweit das möglich war. Die Dynamik ist breit gefächert, die Stücke extra an die Bedingungen der Aufnahmemöglichkeiten angepaßt. Das ist keine platte Interpretation eines Provinzorchesters, sondern ein sicheres Ensemble mit sehr gutem Gespür für die Feinheiten einer Partitur.


    Claude Fihman hat die Überspielungen von Exemplaren aus seiner privaten Sammlung vorgenommen. Von Aufnahmen dieses Alters darf man natürlich nicht viel Volumen erwarten - es ist aber dennoch beeindruckend, wie viele Details hier zu erhören sind. Der Baß ist zwar dünn, aber dennoch vorhanden; die Mitten klingen erstaunlich neutral und präsent, und die Höhen sind zwar reduziert, aber nicht muffig. Der ganze Frequenzraum ist bemerkenswert gleichwertig, ohne daß sich einzelne Orchestergruppen zu sehr in den Vordergrund stellen. Sämtliches Knacken und Knistern ist sauber entfernt worden; nur an sehr starken Schadstellen der Vorlage läßt sich noch das eine oder andere leise Knacken vernehmen. In manchen Tracks hört man die Rumpelgeräusche der Walzen, das Pitching ist grundsätzlich präzise eingestellt.


    Das Interessanteste ist jedoch das Hintergrundrauschen: es ist präsent, aber die Aufnahme hebt sich deutlich davon ab. Fihman hat hier vermutlich wenig bis gar nicht gefiltert, um den Aufnahmen ihren ursprünglichen Klangkörper zu erhalten. Tatsächlich habe ich solch alte Aufnahmen noch nie in so einer Deutlichkeit gehört wie hier. Da rentiert sich Pathés Aufnahmesystem auf Walzen am Besten... :thumbup:


    Tahras erster veröffentlichter CD-Titel ist sorgfältig zusammengestellt und klasse nachbearbeitet. Das 8seitige Booklet hat das Tracklisting und ein Text zum Inhalt der CD, leider nur in Französisch. Es mag vielleicht kein großer Klassiker innerhalb der Historischen Aufnahmen sein wie z.B. Furtwänglers Kriegsaufnahmen, aber es ist ein interessanter Beitrag zur frühen Aufnahmegeschichte.
    :thumbup: :thumbup: :thumbup: :thumbup:



    jd :wink:

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  • Brahms - Ein deutsches Requiem (Karajan, rec. 1947)

    Ein Klassiker:



    Johannes Brahms
    Ein deutsches Requiem


    Elisabeth Schwarzkopf (s)
    Hans Hotter (bt)
    Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien
    Wiener Philharmoniker


    Dirigent: Herbert von Karajan


    (P) 1948 EMI/Columbia LX 1055/64 (10x 78er, 30cm) [76'13"]
    EAN: 747313303823


    Producer & Audio Restoration Engineer: Mark Obert-Thorn


    Dies war die erste komplette und ungekürzte Einspielung dieses Werkes überhaupt. Sie wurde im Musikvereinssaal in Wien Ende Oktober 1947 gemacht. Produzent Walter Legge hatte einige Mühe, die Produktion auf die Beine zu stellen, da Wien zu dieser Zeit noch arg an den Nachwehen des Zweiten Weltkrieges litt. Einzelne Sätze des deutschen Requiems waren bereits früher von anderen Interpreten auf Schellack erschienen (Wie lieblich sind deine Wohnungen und Ihr habt nun Traurigkeit), doch in seiner Gesamtheit gab es bisher noch keine Gesamtaufnahme. [Es existiert eine Liveaufnahme vom November 1940 - das Concertgebouworkest unter Willem Mengelberg - , doch die erschien nie auf Schellack.]


    Mark Obert-Thorn hat zwei guterhaltene britische Sets als Basis für seine Überspielung genommen. Das Ergebnis läßt sich gut anhören: sämtliche lauten Knackser sind restlos entfernt worden, ohne jedoch das leichte Kratzgeräusch der Nadel zu unterbinden. Das Grundrauschen ist gut reduziert und bleibt stets dezent im Hintergrund. Die Übergänge der einzelnen Schellackseiten sind nicht hörbar, und das Klangbild bleibt in seiner Ausprägung gleichmäßig. Die Bässe haben eine gesunde Basis, die Mitten sind klar durchhörbar, die Höhen etwas reduziert, aber nicht muffig. Bei lauten Tuttistellen sind keine Kratzgeräusche in den Höhen zu vernehmen, und es gibt auch keine Stellen, wo die Schellacks stark beschädigt waren. Das Pitching ist präzise. Insgesamt klingt es wie eine Abspielung ungebrauchter Schellacks auf einem hochwertigen Grammophon.


    Obert-Thorns klangliche Philosophie kommt hier wunderbar zum Tragen: nicht bearbeiten bis zum Äußersten, sondern das damalige Klangbild so authentisch wie möglich zu rekonstruieren. Da dürfen auch leichte Abtastgeräusche der Nadel bleiben, denn die unverfälschte Wiedergabe der Musik ist einfach wichtiger. Karajans Dirigat ermöglicht eine recht dynamische Umsetzung, die von Toningenieur Douglas Larter sehr gut eingefangen wurde: die Balance zwischen Chor und Orchester ist sehr difizil, immer nah an der Grenze des Verschwindens in Krach, aber dadurch wird ein Gesamtklang erst ermöglicht, der so geschlossen ist wie selten. Definitiv eine exzellente Aufnahmequalität für damalige Verhältnisse.


    Mit dieser CD hat man eine erstklassige Aufnahme mit exzellentem Remastering zur Hand. So macht Schellackhören Spaß.
    :thumbup: :thumbup: :thumbup: :thumbup: :thumbup:



    jd :wink:

    "Interpretation ist mein Gemüse."
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    Jean Paul

  • Mit dieser CD hat man eine erstklassige Aufnahme mit exzellentem Remastering zur Hand. So macht Schellackhören Spaß.

    Lieber JD


    Mir selber gefällt diese Bearbeitung nicht so gut, ich habe eine Aufnahme von 1947 von der EMI die sagt mir mehr zu. Liegt aber auch daran das ich die Schellack-Aufnahmen nicht besonders mag, überhaupt alte Aufnahmen. Wie sagte schon Karajan das war einmal, am liebsten hätte er noch einmal Anfang der 80er Jahre alles neu aufgenommen, aber sein Körper konnte das nicht mehr. Zu den Philharmonikern sagte er oft am liebsten würde er sich einfrieren lassen und im Jahre 2015 zurück kommen, und alles mit neuster Technik aufnehmen. Karajan wollte nie das die zu alten Aufnahmen wieder neu aufgelegt werden, wie recht er hatte.

    Liebe Grüße Dirigent :wink:

    Die Kunst zu wissen, wann man das Orchester nicht stören soll.
    Herbert von Karajan (1908-1989)

  • ich habe eine Aufnahme von 1947 von der EMI die sagt mir mehr zu.

    Das ist halt von den Orginal-Matritzen, dagegen kommt keine Bearbeitung von Mark Obert-Thorn an, so leid es mir tut.



    Die ganzen analogen Übernahmen auf LP von Anthony.C. Griffiths(1915–2005) z.B.sind einfach besser.
    Viel näher dran zeitlich und mit ganz anderen Mitteln analog gemacht.


    Es tut mir leid, aber ich bin kein großer Fan von Mark Obert-Thorn.


    Meine Favoriten, was eine Überspielung historischer Aufnahmen aus dem damaligen EMI-Katalog angehen, stammen ohne Ausnahme von Anthony.C. Griffiths und seinen Nachfolgern bei EMI mit Zugang zum Orginal.


    Und leider nicht von Mark Obert-Thorn, der mit kommerziellen Schellacks arbeitet.Wie gut diese auch sein mögen.

  • Gut, ich wollte es mal genauer wissen:



    Transferred by Anthony Griffith / Remastered by Keith Hardwick
    (C) 1989 EMI "Réfèrences" CDH 761 010 2 [74'53"]
    EAN: 077776101026


    Das ist die originale CD-Ausgabe von 1989. Ob Griffith die Überspielung hierfür neu durchgeführt hat oder aber bereits in den 1950/60er Jahren anfertigte, die dann auch für die LP verwendet wurde, kann ich nicht sagen; jedenfalls hat Keith Hardwick das Remastering übernommen.


    Es gibt tatsächlich Unterschiede: einerseits ist hier im Direktvergleich zur Naxos-Ausgabe das Baßfundament leicht ausgedünnter, dafür aber die Höhen präsenter. Im Gesang läßt sich der Unterschied recht klar ausmachen, denn die S-Laute kommen hier klar rüber, während sie im Naxos-Remastering nahezu abgeschliffen sind und nur sehr leise oder fast gar nicht zu hören sind. In der Hinsicht hat diese Ausgabe die Nase vorn.


    Andererseits hat aber die Naxos-CD ein wesentlich stabileres Klangbild. Bis auf leichte Knistergeräusche - vom Abtasten der Schellacks stammend - hat Obert-Thorn alles wegretuschiert, was das Klangbild unterbrochen oder gestört hätte. In der Hinsicht hat die EMI-CD stellenweise (z.B Track 1, ab etwa 3:20 min.) Aussetzer, die wohl von starken Knacksern herrührten, die retuschiert wurden. Allgemein hört man auch mehr Knistergeräusche der Schellacks, was allerdings kaum nennenswert stört. Über weite Strecken hört man sie aber auch nicht.


    Das Pitching ist ebenso präzise - was mir aber auffiel: die Aufnahmen laufen rund eine Minute kürzer. Sie laufen also rund 1,5 % schneller als auf der Naxos-CD. Fällt beim Einzelhören natürlich nicht auf.



    Fazit:
    Ja, ich kann nachvollziehen, daß die EMI-CD bevorzugt wird. Sie klingt authentischer in der Wiedergabe (eben wie eine abgespielte Schellackplatte) mit leicht klareren Höhen, hat allerdings auch mehr Abspielartefakte aufzuweisen. Da ich für ein sehr gut erhaltenes Gebrauchtexemplar gerade mal 40 Cents mehr bezahlt habe als für die neuverpackte von Naxos, ist dieser Zuwachs sicherlich sinnvoll gewesen. Allerdings funktioniert diese Preispolitik nicht immer so gut wie hier.


    Ich nehme jedoch mein Urteil über die Naxos-CD nicht zurück - vielmehr sage ich, die EMI-CD reiht sich ebenso dort ein, mit leichtem Vorteil im Klangbild. Die Klasse von Larters Arbeit kommt auch hier zum Tragen.
    :thumbup: :thumbup: :thumbup: :thumbup: :thumbup:



    jd :wink:

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  • Eine Neuerwerbung:


    [Blockierte Grafik: http://ecx.images-amazon.com/images/I/414RXXZxZlL.jpg]


    transferred from 78s by Keith Hardwick
    (C) 1987 EMI "Réfèrences" CDH 7610082 [71'55"]
    EAN: 5099976100826


    Ich vermute mal, daß dies hier die allererste CD-Ausgabe dieser legendären Einspielungen darstellt: Wanda Landowska hat mit ihrem Pleyel-Cembalo die Goldberg-Variationen im November 1933 eingespielt, das Italienische Konzert und die Chromatische Fantasie & Fuge folgten 1935 und 1936. Die Goldberg-Variationen erschienen 1934 auf 6 Schellacks, die anderen Werke auf je zwei Schellacks zwei Jahre darauf.


    Über die künstlerische Qualität braucht man sich nicht zu streiten, doch über die klangliche schon: Keith Hardwick hat leider keine optimale Vorlagen für die Variationen zu Verfügung gehabt, und das hört man leider. Die Schellacks sind gebrauchte Exemplare in moderater Qualität: der Baß ist zwar deutlich präsent, die Mitten robust, doch wirken die Höhen etwas muffig (wurden aber nicht stark begrenzt, wie ich dank meinem Höhenregler feststellen konnte). Die Hintergrundgeräusche wie Rauschen, leichtes Knacksen und klangliche Aussetzer sind recht unbeständig, und je nach Schellack kann sich auch mal das Klangbild leicht anders anhören. Die Ein- und Ausläufe der jeweiligen Seiten haben zumeist hörbar stärkere Schäden aufzuweisen, und immer wieder treten Unregelmäßigkeiten im Pitching auf - ein Fall von leicht welligen Schellacks, vermute ich. Hardwicks Philosophie, die Schellacks möglichst authentisch klingen zu lassen - mit allen Vor- und Nachteilen - sind hier ebenso vorhanden wie sonst auch, aber ich muß zugeben, daß die Vorlagen echt hart an der Grenze des Akzeptablen liegen. Was beim Don Giovanni so prächtig erstrahlt, ist hier ein recht müder Eindruck... ;(


    Beim Italienischen Konzert wirkt der Baß deutlich mager, die Mitten frontal und die Höhen noch blasser. Der II. Satz stammt ebenfalls von einer gebrauchten Vorlage mit etwas besserem Klang; Satz I & III dagegen sind klanglich und vom Pitching so stabil und präzise, daß ich hier durchaus vermute, daß die originalen Matrizen vorgelegen haben. Hier kommt das Cembalo zwar etwas begrenzt, aber mit klarer Struktur aus den Boxen.


    Die Chromatische Fantasie & Fuge hat durchgängig keine Matrizenqualität aufzuweisen, wirkt aber wesentlich besser in ihrem Gebrauchtzustand. Der Klang des Cembalos ist wie im Italienischen Konzert zu hören, mit weniger Baßfundament und Höhen als in den Variationen. Die Hintergrundgeräusche bleiben moderat und stetig. Ein solides Ergebnis.


    -----


    Ich habe im Netz einige Vergleiche mit den Klangsamples verschiedener CD-Ausgaben der Goldberg-Variationen gemacht, um festzustellen, ob inzwischen eine bessere Abtastung erschienen ist.



    Die EMI-Ausgabe von 1999 verwendet mit großer Wahrscheinlichkeit die gleichen Vorlagen, hat aber ein etwas anderes Remastering. Dadurch wirkt das Signal genauso unruhig, aber etwas silbriger im Klang.



    Die Classica d'Oro-Ausgabe scheint mir ein Duplikat der 1987er EMI-CD zu sein, allerdings gefiltert und recht präsent im Klangbild.



    Obert-Thorns Remastering halte ich für konkurrenzfähig: das Signal ist stabiler, der Klang so organisch wie die 1987er EMI-CD.



    Die jüngste Remastering-Ausgabe ist in dieser 8-CD-Box von 2011 drin: hier erscheint mir der Klang authentisch, wenig bis gar nicht gefiltert, mit deutlich stabilerem Signal.



    Alle Hörsamples sind die üblichen MP3s zum Reinhören gewesen - somit ist mein Eindruck recht oberflächlich, aber unter gleichen Equipment-Bedingungen erfolgt. Eine bedingte Aussagekraft erlaube ich mir zu deklarieren.


    -----


    Fazit:
    Ich bin etwas zwiegespalten - obwohl hier Hardwick sicherlich all seine Kunst aufgeboten hat, finde ich das Klangergebnis eher dürftig. Auch ein Hardwick kann aus schlechten Vorlagen keine Super-Klangqualität zaubern, wenn er auch garantiert ordentlich getrickst hat. Die Vorlagen sind einfach zu schlecht gewesen. War vielleicht damals nicht besser zu realisieren, aber wer weiß - vielleicht hat inzwischen jemand eine optimale Quelle auftun können. Würde ich mir bei dieser Aufnahme wünschen...
    :| :| :| :|



    jd :wink:

    "Interpretation ist mein Gemüse."
    Hudebux

    "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
    Jean Paul

  • Nun Mahlers 9.:



    transferred from 78s by Keith Hardwick
    (C) 1989 EMI "Great Recordings of the Century" CDH 7630292 [69'52"]
    EAN: 077776302928


    Bemerkenswert ist diese Aufnahme in mehreren Hinsichten: zum einem hört man hier einen Dirigenten, der mit Mahler lange Jahre gearbeitet hatte und nach dessen Tod seine Musik immer wieder aufführte; zum anderen, daß dies für lange Zeit die letzte Möglichkeit war, Walter mit den Wienern zu erleben (die Angliederung Österreichs ans großdeutsche Reich folgte zwei Monate später). Zum dritten: es handelt sich um eine Aufzeichnung einer Live-Aufführung, die HMV noch auf Schellackmatrizen anfertigen ließ; hier war genaueste Vorplanung und exakte Arbeit während der Aufzeichnung nötig, um die gesamte Darbietung lückenlos zu dokumentieren. Zwei Matrizenschneidgeräte worden betrieben, die Aufzeichnung wurde überlappend gemacht, mit genauer Kontrolle der Partitur, um die angestrebten Ein- und Ausstiegspunkte jeder Matrize nicht zu verpassen. Zwanzig Matrizen wurden angefertigt.


    Und so erklingt das Konzert vom 16. Januar 1938 durchgängig, da Keith Hardwick die Seiten exakt aneinandergefügt hat. Und während ich noch bei der Landowska-CD oben bedauert hatte, daß die Quellen dort nicht optimal erhalten waren, so gibt es in dieser Hinsicht nichts bei der Walter-CD zu bemängeln. Hardwick muß die originalen Matrizen zur Verfügung gehabt haben, denn was an störenden Nebengeräuschen zu beklagen wäre, ist durch die Bank Teil der Aufzeichnung (Huster vom Publikum). Ein moderates leises Rauschen ist noch zu hören, aber Lauf- und Knackgeräusche waren über die Boxen nicht mehr zu bemerken. Dafür präsentiert sich das Orchester in adäquater räumlicher Abbildung und vermittelt neben der Größe der Besetzung auch eine relativ dynamische Abstufung der Symphonie Mahlers. Der Raum ist zu erahnen mit einer leichten Färbung, und die Detailgenauigkeit ist beeindruckend. Selbst leise Passagen verlieren kaum an Präzision. Und das Remastering verrät nicht, daß es von zwanzig Schellackmatrizen stammt.


    Mit einfachen Worten: an Durchführung und Qualitätsgüte ist das eine Glanzleistung der Aufnahmetechnik... :juhu: Es gibt nur sehr wenige Aufnahmen der 1930er Jahre, die gleichziehen können, und da sind keine Live-Aufzeichnungen darunter. Insofern macht man nichts falsch, wenn man sich diese CD-Ausgabe zulegt.
    :thumbup: :thumbup: :thumbup: :thumbup: :thumbup: :thumbup:



    jd :wink:

    "Interpretation ist mein Gemüse."
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    "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
    Jean Paul

  • Mir war Josef Lhévinne (1874-1944) wirklich kein Begriff, obwohl ich einige Pianisten der Schellackära kenne (zumindest den Namen nach). Doch zeigt bereits sein Werdegang in Rußland, daß er zur Elite gezählt werden darf: ausgebildet am Moskauer Konservatorium unter Lehrern wie Wassili Safonow und Anton Rubinstein, führte er mit 15 Jahren bereits Beethovens 5. Klavierkonzert auf. Er lernte Tschaikowski kurz vor dessen Tod kennen, der ihm darum bat, einige seiner 18 Stücke für Klavier op. 72 vorzuführen. Sehr schnell war er als Lehrer begehrt und wirkte in Tiflis und Moskau; parallel dazu hatte er seine Solistenkarriere, die ihn bis in die USA führte (Debüt in der Carnegie Hall 1906). Bis 1919 lebte er in Berlin, verließ aber Deutschland Richtung New York, wo er an der Juilliard School of Music als Pädagoge lehrte. Im Dezember 1944 starb er kurz vor seinem 70. Geburtstag an einem Herzinfarkt.


    Wie gesagt, erst letzte Woche stach mir sein Name zum ersten Mal ins Auge; jetzt, da ich seine Aufnahmen gehört habe, reihe ich mich in die Phalanx derer ein, die immer betrauert haben, daß Lhévinne viel zu wenig Aufnahmen hinterlassen hat. Daß es diese Phalanx überhaupt gibt, weiß ich gar nicht - aber wenn es sie nicht gibt, wäre das grotesk! Denn was ich hier an grandioser Virtuosität, technischer Brillanz und erfrischender Musikalität hörte, gehört definitiv zum Olymp.


    Es ist tatsächlich wohl Lhévinnes Auffassung geschuldet, lieber zu lehren als Aufnahmen zu machen, daß sein Name praktisch kaum mit Namen wie Horowitz, Schnabel oder Backhaus genannt werden. Wie soll man heutzutage auch von solchen Virtuosen erfahren, wenn ihre Aufnahmen gar nicht ins Bewußtsein gerückt werden? Tatsächlich hat er mehr Stücke fürs Welte-Mignon-Klavier aufgenommen als eigentliche Tonaufnahmen gemacht. Es gibt CDs mit Einspielungen seiner Klavierrollen, aber seine Schellackaufnahmen liegen auch vor. Und die passen auf eine einzige CD:



    Producer & Audio Restoration Engineer: Ward Marston
    (C) 2002 Naxos "Historical" 8.110681 [71:48]
    EAN: 636943168127


    Traurig ist die Tatsache, daß sein eigentliches Repertoire - Klavierkonzerte von Beethoven, Rubinstein, Tschaikowski usw. sowie Klavierwerke von Chopin, Beethoven, Liszt, Schumann, Rachmaninoff usw. - eben nicht als Aufnahmen vorliegt, sondern im Wesentlichen die Zugaben - die kleinen Stücke, die höchstens zwei Seiten einer Schellackplatte einnehmen. Dennoch hat er es geschafft, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen: die Mozart-Sonate KV 448 (mit seiner Ehefrau Rosina) erklingt locker und luftig im Spiel, mit einem herrlichen Ton für Mozarts Heiterkeit; Schumanns/Tausigs El Contrabandista besitzt eine perlige Mühelosigkeit, die man so schnell nicht nochmal erreichen kann; die Chopin-Étuden sind exakt und dynamisch gespielt, mit einem Hang zur präzisen Durchhörbarkeit. Und das Arrangement von Adolf Schulz-Evler zu Johann Strauß' An der schönen blauen Donau gehört zu den ganz großen Klassikern der Aufnahmegeschichte, wie ich gelesen habe.


    Der Umfang der Aufnahmen ist sehr gering: insgesamt zwanzig Matrizen nahm Lhévinne zwischen 1920 und 1937 in rund sechs Sitzungen auf. Die ältesten stammen aus dem Jahr 1920 und wurden für Pathé Actuelle gemacht. Auf zwei Schellacks erschienen vier Stücke, die auf der CD ganz ans Ende gepackt wurden [Tracks 15-18]. Ich weiß nicht, wo Ward Marston die Vorlagen herbekommen hat, aber verschlissen sind sie wirklich nicht. Das Hintergrundrumpeln ist hörbar, bleibt aber gleichmäßig. Im Trepak [17] ist es etwas verstärkt durch größere Schäden, die aber sich schnell verlieren. Das Klavier sticht präsent heraus, mit einem mageren Baß und dünnen Höhen, wie es damals kaum besser zu realisieren war. Dennoch ist Lhévinnes Spiel wunderbar zu verfolgen, ermöglicht sogar eine recht durchhörbare Analyse. Laute Akzente können etwas krachen, zumal leichte Kratzgeräusche in lauteren Stellen vorkommen können. Das Signal bleibt beständig, auch wenn es fragil wirkt.


    Die restlichen Aufnahmen entstanden unter RCA Victor. Im Mai 1928 nahm Lhévinne den Donau-Walzer auf, der sich auf zwei Seiten verteilte. Nunmehr elektrisch aufgenommen, erhöht sich der Frequenzumfang beträchtlich in die Tiefe und ganz leicht in die Höhe. Das Rauschen verringert sich deutlich, bleibt aber immer noch präsent. Das Klavier positioniert sich klarer und stabiler, hat aber immer noch etwas Hartes an sich, da der Hall auch hier praktisch nicht zu erfassen ist.


    Die Aufnahmen im Juni 1935 bilden die umfangreichste Sitzung, die Lhévinne je absolvierte: an drei Tagen nahm er sieben Stücke auf [4-9 & 14]. Das Klavier bleibt im Umfang gleich, wirkt aber etwas präziser - der Hintergrund reduziert sich nochmals und erreicht nun ein Niveau, welches vom Klavier sehr häufig übertönt wird. Im Januar 1936 folgten nochmals drei Chopin-Stücke [10-12] - ihr Klang ist vergleichbar mit den Aufnahmen ein Jahr zuvor.


    Im Mai 1937 nahm Lhévinne mit seiner Frau die Mozart-Sonate auf [1-3]. Dies war die letzte Aufnahme, die er je machte - und sie wurde nie auf Schellack veröffentlicht. Marston hat hier optimale Quellen gehabt, denn der Rauschabstand ist hier nochmals geringer als in den anderen RCA Victor-Aufnahmen. Die Klaviere stehen klar im Raum und vermischen perfekt miteinander. Nebengeräusche fallen hier nur rudimentär auf.


    Ward Marston hat Hervorragendes geleistet: er hat die besten Quellen verwendet, die bis auf ein zwei Ausnahmen alle sehr gut bis optimal erhalten sind. Außer den gröbsten Knacksern hat er die Laufgeräusche der Schellacks so gelassen, wie sie waren. Keine Aufnahme wirkt so, als sei sie gefiltert worden; stets wirken die Details klar und deutlich, ohne daß sie typische Verfärbungen aufweisen, die bei zu starkem Gebrauch der Digitaltools auftreten können. Die Schnitte bei Seitenwechseln sind perfekt ausgeführt, und Klangunterschiede zweier Seiten sind mir nicht aufgefallen. Insgesamt kann man hier Marstons Klangphilosophie der Authentizität bestens nachverfolgen, und das Ergebnis bezeichne ich als Granate.


    Fazit: absolut empfehlenswert. :thumbup: :thumbup: :thumbup: :thumbup: :thumbup:



    Links:
    "http://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Lh%C3%A9vinne"
    "http://en.wikipedia.org/wiki/Josef_Lh%C3%A9vinne"
    "http://www.naxos.com/person/Josef_Lhevinne/2229.htm"



    jd :wink:

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    Jean Paul

  • Verdi: Aida (Gigli/Caniglia - Tullio Serafin) 1946

    Diese Einspielung erschien 2000 in Italien:


    [Blockierte Grafik: http://ecx.images-amazon.com/images/I/51kXsCRX%2BKL._SL300_.jpg]


    (C) 2000 Lyrica LRC 11103-2 (2 CDs) [139:49]
    EAN: 697833111036


    Es ist eine der nicht gerade wenigen CD-Ausgaben der HMV-Aufnahme vom Juli 1946. Ich nehme an, daß es sich hierbei um eine Budget-Ausgabe handelt, denn es gibt keinerlei Angaben über die Aufnahme, die Quellen der Überspielung und wer das Remastering gemacht hat. Allerdings umfaßt das Booklet neben dem Tracklisting das komplette Libretto.


    Die Oper erschien zum ersten Mal im Oktober 1947 auf 20 Schellacks (HMV DB 6392/6411) und wurde später mehrmals auf LP wiederaufgelegt. Technisch gesehen handelt es sich um eine damals sehr gute Aufnahme mit einer vorzüglichen Abstimmung zwischen Solisten, Chor und Orchester; auf den CDs ist das gut nachzuvollziehen.


    Die Aufnahme klingt recht gut, mit präsenten Tiefen, deutlichen Mitten und guten Höhen. Das Grundrauschen der Schellacks ist praktisch nicht hörbar. Im Grunde klingt die Einspielung wie aus einem Film der 1940er Jahre mit seiner grellen Orchestermusik. Grobes Knacksen und dergleichen taucht nirgendwo auf, nur ein leichtes Knistern ist gelegentlich zu hören. Signalabrisse oder Laufgeräusche der Schellacks sind kaum existent, doch einige Seiten klingen etwas anders als andere, und hier wurde klanglich nichts korrigiert. Dynamische Ausbrüche können etwas kratzig klingen. Die Tracks sind ordentlich ediert worden, und die Schellackseiten wurden gut aneinandergefügt. Die Lautstärke ist gleichmäßig.


    Der einzige Nachteil: es kommt vor, daß man das Laufwerk hören kann, mit denen die Schellacks abgespielt wurden. Zwar nur in leisen Passagen und auch nicht bei jeder Seite, aber manchmal sticht es doch hervor. Hier hätte der Techniker nicht am Budget sparen dürfen.


    Dennoch: die Klangqualität bleibt in erfreulichen Bahnen, mit einer Bearbeitung, die kaum eingegriffen hat. Die Schellacks waren in sehr guter Qualität vorhanden, und man hat sie sorgfältig überspielt. Gut... :thumbup:


    -----


    PS:
    Es gibt natürlich noch andere Ausgaben:


    die von der EMI selber
    [Blockierte Grafik: http://ecx.images-amazon.com/images/I/31kiIkYRw%2BL.jpg]


    sowie die von Naxos, die Ward Marston gemacht hat.


    Weitere:


    Es mangelt also nicht an Alternativen, zumal die von EMI und die von Naxos ganz gewiß nicht schlechter klingen werden.



    jd :wink:

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  • Vielleicht klingen sie sogar "originaler"...


    Der Link von der "Lyrica"-Version führt auf ein Angebot zu einem sehr, sehr stolzen Preis.


    Welche Gewähr hat ein möglicher Käufer, dass es sich nicht um einen "Transfer" von einer anderen CD-Edition handelt? Gibt es Angaben über die verwendeten Originale und den Verantwortlichen für die Überspielung (wie es z.B. bei Naxos üblich ist, deren Ausgabe es laut Link zu rund einem Zehntel des Preises gibt, der für die "Lyrica-Ausgabe" verlangt wird.)?

  • Ein wichtiges Thema:

    Welche Gewähr hat ein möglicher Käufer, dass es sich nicht um einen "Transfer" von einer anderen CD-Edition handelt?

    Sowas ist nicht auszuschließen, aber je nach Situation durchaus gefährlich. Theoretisch (oder offiziell) werden Überspielungen von veröffentlichten Quellen gemacht, also Schellacks oder LPs, die dann bearbeitet werden; diese Remaster können aber wiederum urheberrechtlich geschützt sein. Die EMI gibt immer auch das Jahr der Remaster-Veröffentlichung an, wodurch angezeigt wird, daß dieses Remaster dem Copyright unterliegt. Nimmt ein anderes Label dieses EMI-Remaster und bringt es heraus, kann es u.U. zu einer Klage kommen. Wenn die EMI davon Wind kriegt - und wenn es sich lohnen würde zu klagen.


    Ich weiß, daß es Labels gibt, die ganz offensichtlich das machen, aber ob Lyrica dazu zählt, weiß ich nicht. Ich habe die anderen Ausgaben gepostet, aber ich besitze keine davon, so daß ich vergleichen könnte.


    .

    Gibt es Angaben über die verwendeten Originale und den Verantwortlichen für die Überspielung

    Nein, wie ich bereits erwähnt hatte. Es gibt nur das Libretto.


    -----


    Der Grund, warum ich diese "teure" Ausgabe besprochen habe, ist einfach der, daß es die ist, die ich habe. Mögliche Unterschiede im Klang treten bei solchen Aufnahmen je nach Label auf. Deshalb beurteile ich nur die Ausgaben, die mir vorliegen.


    Und was den Preis anbetrifft: diese Ausgabe ist ganz offensichtlich nicht mehr im Handel erhältlich, und deshalb versuchen einige, dafür einen Spitzenpreis zu ergattern, da sie ein Exemplar haben und anbieten können. Aber wer zahlt das schon bei den Alternativen?



    jd :wink:

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  • Wenn ich als Label "Lyrica" angebe, komme ich auf viele CDs, die urspünglich als Beigabe zur italienischen Zeitschrift Lyrica gedacht wurden.
    Viele davon sind dann auch einzeln zu einem sehr kleinen Preis erhältlich gewesen. Es waren Lizenzaufnahmen von großen Labels und da konnte man für sehr wenig Geld die Caballé-Traviata, den Kraus-Rigoletto usw ... haben.
    Allerdings ohne Booklet. Nur Trackliste und Besetzung.
    Die Zeitschrift Lyrica gehört zur italienischen Gruppe Ermitage
    "www.ermitage.it
    die alles mögliche vertreibt.
    Dort kann man (mit anderem Cover) die besprochene Aida für 4,90€ finden
    "http://www.ermitage.it/musica/lirica-in-cd/aida-2-cd.html
    Zu Ermitage gehört auch aura, die CDs anbietet, die man auch bei Membran in Deutschland findet: live Aufnahmen aus Lugano z.B.
    Jetzt scheinen sie sich an 78rpm-Aufnahmen gemacht zu haben. Unterschiedliche italienische Labels haben bereits sowas gemacht. In der Regel war der "Transfer" ganz OK (ich habe Werther mit Thill/Vallin und Manon mit Rogatchewsky/Féraldy aus so einem italienischen Label).
    Transfer in Auführungszeichen, weil ich überhaupt nicht weiß, von wo transferiert wurde. Höchstwahrscheinlich waren es keine eigenen Transfers. Ob die Rechte regelrecht erworben wurden, weiß ich gar nicht.
    Bei Ermitage scheint die rechtliche Seite in Ordnung zu sein; ich würde aber dafür meine Hand nicht ins Feuer legen.

    Alles, wie immer, IMHO.

  • Diese minimal ausgestatten Beilagen für die Zeitschrift waren offziell lizensiert. Was vermutlich nicht ganz kosher war, war, dass sie ungeachtet eines anderslautenden Aufklebers auch unabhängig von dieser Zeitschrift in den Handel gerieten. Es kann aber sein, dass einige dieser Opern auch abgesehen von der Zeitschrift mal ein paar Jahre lang an Ermitage usw. lizensiert wurden. Die Live/Radio-Aufnahmen vom italienischen (und Svizzerra Italiana) Rundfunk, die sie vertreiben, sind ebenfalls "offiziell", soviel ich weiß.


    In Italien war traditionell auch der entsprechende Copyrightschutz viel kürzer, nur 20 oder 30 Jahre.


    Bei anderen "grauen" Labels wie "documents" (= Membran, TIM?) bin ich mir nicht so sicher. Die mischen munter historische Aufnahmen unklarer Provenienz (aber wegen des Alters prinzipiell nicht mehr von der Schutzgrenze betroffen, wobei schwer feststellbar sein dürfte, wenn eine schon von einem anderen Label auf CD herausgebrachte histor. Aufnahme einfach gerippt wurde) mit "billigen" Aufnahmen aus verschiedenen Quellen, zB dem Vox-, Intercord, Bayer Records u.a. Schallplattenkatalogen der 70er Jahre.

    Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
    (B. Pascal)

  • Membran... :pop:

    Bei anderen "grauen" Labels wie "documents" (= Membran, TIM?) bin ich mir nicht so sicher. Die mischen munter historische Aufnahmen unklarer Provenienz (aber wegen des Alters prinzipiell nicht mehr von der Schutzgrenze betroffen, wobei schwer feststellbar sein dürfte, wenn eine schon von einem anderen Label auf CD herausgebrachte histor. Aufnahme einfach gerippt wurde) mit "billigen" Aufnahmen aus verschiedenen Quellen, zB dem Vox-, Intercord, Bayer Records u.a. Schallplattenkatalogen der 70er Jahre.


    Bei Membran (documents/TIM usw.) sind die Vox-Aufnahmen regulär lizensiert - Intercord und Bayer Records oder kleine Labels möglicherweise auch. Was jedoch die Aufnahmen betrifft, die die 50 Jahre überschritten haben, da sehe ich eine echte "Schwarzzone"; sie ist nichtmal mehr grau. Membran hatte bereits Ärger gehabt, als sie die Soundtrack-Reihe älterer Filmklassiker veröffentlichten:



    Deutsche Soundtrack-Fans fanden heraus, daß Membran US-Titel 1:1 kopiert hatten. Die US-Labels wußten nichts davon, und die Filmstudios hatten auch nichts weiter lizensiert. Doch dagegen vorgehen ist praktisch nicht möglich: sämtliche Aufnahmen laufen unter der OSA, und das Label hat seinen Sitz in Athen/Griechenland. Und die jüngsten Filme, dessen Soundtrack herauskam, waren bei Erstveröffentlichung der CDs 51 Jahre alt.


    Was die anderen Aufnahmen betrifft, die so veröffentlicht wurden,


    Eine Auswahl



    da würde ich den Angaben seitens Membran, nahmhafte Tontechniker nähmen sich der "Masterquellen" an, nicht wirklich trauen. Bisher fand ich nicht eine Einspielung von Membran, die nicht von anderen Labels bereits zuvor auf CD veröffentlicht wurde. Aber ich gebe zu, ich weiß nicht, ob sie nicht doch eingekauft wurden. Aber warum schreiben sie das dann nicht auf ihre CDs drauf? Macht Brilliant ja auch... :pfeif:


    Bei Lyrica weiß ich überhaupt nicht, um was es sich eigentlich handelt. Ich kann auch nicht sagen, ob das Remaster regulär eingekauft wurde.


    -----


    Der Punkt ist aber: bei Aufnahmen, die älter als 50 Jahre sind, ist Vieles erlaubt - fast alles. Letztendlich müßte man das Remaster jedesmal mit anderen Ausgaben vergleichen - und die Ergebnisse wären gelegentlich einfach "unmoralisch". Aber leider nicht unbedingt gesetzteswidrig...



    jd :wink:

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