CD-Editionen von Aufnahmen der Schellack-Ära (bis ca. 1950)

  • (pristine zähle ich mal nicht als "offiziell").


    ??? Bei einer 1928 Aufnahme ? Hat Koch die Rechte von Polydor erworben ? Nee ne ?

    Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Not really now not anymore" "But I am good. What the hell has gone wrong?"

  • Mit "offiziell" meinte ich hier eine problemlos kaufbare gepresste CD; ich werfe keineswegs Pristine Piraterie vor. Mit evtl. Ausnahme des Japan-Imports (mit DG-label) gibt es keine neuere Kauf-CD als die von "Takt der Zeit".
    Edit: Insbesondere, da Josquin schreibt: "soviel ich weiß haben spätere remasterings..." Außer Pristine (wovon ich nichts wusste) bin ich nicht sicher, ob es überhaupt eine spätere CD-Ausgabe gibt (da unklar, wenn auch relativ wahrscheinlich ist, ob der Japan-Import neu remastered wurde).


    Jedenfalls wäre das unter Vorkriegs-Orchester-Aufnahmen die erste, die mir einfiele, wenn jemand meint, dass historische Aufnahmen grundsätzlich unanhörbar seien.

    Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
    (B. Pascal)

  • Mit "offiziell" meinte ich hier eine problemlos kaufbare gepresste CD; ich werfe keineswegs Pristine Piraterie vor. Mit evtl. Ausnahme des Japan-Imports (mit DG-label) gibt es keine neuere Kauf-CD als die von "Takt der Zeit".


    Alles klar ! Obschon : heutzutage direkt zu bestellen bereitet auch keine Probleme ...

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  • 2) Ich persönlich finde den Transfer von Mark Obert - Thorn für PristineAudio angenehmer .

    Dem widerspreche ich nicht - theoretisch hat er fürs Remastering mehr technische Möglichkeiten zur Verfügung.


    Hier eine Review (in Englisch):


    "http://www.musicweb-international.com/classrev/2010/Aug10/Bruckner7_Horenstein_PASC203.htm"


    -----


    Tatsächlich kann man z.Z. nur die beiden Ausgaben als gepreßte CDs erwerben:




    Oder eben die Koch-Ausgabe von 1990 gebraucht:


    "http://www.allmusic.com/album/bruckner-symphony-7-mw0001836267"



    Der Obert-Thorn-Transfer von Pristine Classical:


    "https://www.pristineclassical.com/pasc203.html"



    Zum Hören:
    "https://www.youtube.com/watch?v=8eLw9nkm4kk"
    "https://www.youtube.com/watch?v=SwWDvtDGbnw"
    "https://www.youtube.com/watch?v=o8ZeZJ8i_AA"
    "https://www.youtube.com/watch?v=YqktWxZrkBs"


    Download (LP-Transfer):
    "http://musicparlourhistorical.blogspot.de/2014/11/jascha-horenstein-conducts-bruckner_17.html"


    Jedenfalls wäre das unter Vorkriegs-Orchester-Aufnahmen die erste, die mir einfiele, wenn jemand meint, dass historische Aufnahmen grundsätzlich unanhörbar seien.

    Absolut... :thumbup:



    jd :wink:

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    Jean Paul

  • Membran Music Ltd. hat sich mit seinen Labels Membran, Documents, TIM usw. sehr breit aufgestellt; im Bereich der Klassischen Musik sind sie zumeist dafür bekannt, daß sie Aufnahmen, dessen Urheberrechte abgelaufen sind (bisher fünfzig Jahre), in verschiedenen Editionen veröffentlichen - als Einzel- oder Doppel-CD oder in Boxen mit 3-10 CDs Inhalt. Die Quellen ihrer Vorlagen erlaube ich mir als "dubios" zu bezeichnen - wo kein Kläger ist, da ist auch kein Richter... ;+)


    Eine jener 10-CD-Wallet-Boxen ist diese hier:



    Leopold Stokowski
    Membran "Documents" 231059 (2007)
    EAN: 4011222310590


    In dieser Box ist eine repräsentive Auswahl seiner Aufnahmen, die er zwischen 1926 und 1945 gemacht hat, bis einschließlich 1940 mit dem Philadelphia Orchestra. Es sind alles Schellacküberspielungen, die aus verschiedenen Quellen zusammengetragen wurden - das Remastering der einzelnen Aufnahmen unterscheidet sich zum Teil doch deutlich voneinander.


    Ich liste den Inhalt auf:


    CD 1
    Bach-Transkriptionen (BWV 853, 718, 564, 478, 1017, 808, 1068, 244, 487, 1002, 245)
    rec. 1927-1940

    Solide Überspielungen gebrauchter Schellacks, klanglich kräftig im Tutti, aber seltsam schwach und dünn, wenn es leise wird. Wenn man genau hinhört, sind die Laufgeräusche wie durch ein Nebel zu erfassen. Man hat das Rauschen gefiltert und einen leichten Hall über alles gelegt - dadurch kommen die Laufgeräusche erst recht durch!
    Bewertung: mau... :thumbdown:


    CD 2
    Beethoven - Symphonie Nr. 9
    rec. 1934

    Fantastisches Remastering einer exzellenten Überspielung! Ich tippe auf Matrizenqualität, was man hier hört. Man erahnt richtig die Klangbühne, was nicht selbstverständlich ist.
    Bewertung: Knaller... :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:


    CDs 3 & 4
    Wagner - Instrumentalauszüge aus Rienzi, Lohengrin, Tannhäuser, Die Meistersinger von Nürnberg, Tristan und Isolde, Die Wälküre, Götterdämmerung & Parsifal
    rec. 1926-1940

    Sehr gute Überspielungen von wenig gebrauchten Schellacks. Das Remastering ist zurückhaltend, läßt zumeist die leisen Laufgeräusche intakt. Das Orchester kommt je nach Alter der Aufnahme gut zur Geltung.
    Bewertung: sehr gut... :thumbup:


    CD 5
    Tschaikowski - Symphonie Nr. 5
    rec. 1934
    Tschaikowski - Romeo und Julia (Ouvertüre) & Snowa op. 73 Nr. 6
    rec. 1942-1944

    Hervorragende Überspielungen von klasse erhaltenen Schellacks. Ein zurückhaltendes Remastering hat die Patina reduziert, ohne die Klangstruktur zu verletzen.
    Bewertung: sehr gut... :thumbup:

    CD 6

    Mussorgsky - Bilder einer Ausstellung (Auszüge) & Schowantschina (Intermezzo)
    rec. 1927-1932
    Scriabin - Le Poème du Feu (Auszüge) & Étude in cis-moll
    rec. 1932-1944
    Liadov - Russian Folk Songs
    rec. 1934
    Glière - The Red Poppy
    rec. 1934
    Ippolitov-Ivanov - Procession of the Sardar op. 10 Nr. 4
    rec. 1927

    Bis auf zwei Ausnahmen alles sehr gute Überspielungen und profundes Remastering. Die Ausnahmen: Scriabins Étude und Ippolitov-Ivanov - siehe CD 1.
    Bewertung: sehr gut :thumbup: & zweimal mau :thumbdown:


    CD 7
    Dvorak - Symphonie Nr. 9
    Sibelius - Swan of Tuonela & Finlandia
    rec. 1929-1934

    Du meine Güte! Das Remastering der ganzen CD hat der Typ von CD 1 gemacht, also Hall und schleifende Laufgeräusche dank Filter. Darüber hinaus ist die Überspielung der Dvorak-Symphonie eine echte Frechheit. Dann sind die Schellacks halt am Knacksen und Rauschen, aber man sollte doch wenigstens vorher die Seiten durch Pitching anpassen, wenn man sie aneinanderfügt: im I. Satz bei ca. 4:25 merkt man, daß die zweite Seite ein bißchen höher ist. Im II. Satz bei ca. 4:20 merkt man, daß zwei unterschiedlich bearbeitete Remasterings überblendet werden, denn der Klangcharakter ändert sich sehr auffällig. Da ist ja noch die Überspielung auf Stokowski.org noch besser:


    "http://www.stokowski.org/1934_More_Electrical_Recordings_Stokowski.htm#1934_Dvorak_Symphony-9"


    MP3s mit 128 kBit/s - unbehandelt, aber eine deutlich bessere Überspielung... - Der Sibelius ist korrekt überspielt, aber eben mit Hall und Filter.
    Bewertung: durchweg miserabel... :faint:


    CD 8
    Berlioz - Le Carnival Romain
    rec. 1931
    Bizet - Music from Carmen
    rec. 1945
    Saint-Saêns - Bacchanale & Danse Macabre
    rec. 1927-1936
    Satie - Gymnodédes Nr. 1 & 3
    rec. 1937

    Berlioz und Bizet sehr gute Überspielungen mit zurückhaltendem Remastering; Saint-Saêns und Satie wie CD 1.
    Bewertung: sehr gut :thumbup: & mau :thumbdown:


    CD 9
    Rekonstruktion des Fantasia-Soundtracks:
    Bach - Toccata & Fuge BWV 565
    rec. 1927
    Tschaikowski - Nußknacker-Suite (Auszüge)
    rec. 1934
    Dukas - Zauberlehrling
    rec. 1937
    Strawinsky - Frühlingsweihe
    rec. 1929-1930
    Mussorgsky - Nacht auf dem kahlen Berge
    rec. 1940

    Sehr gute Überspielungen mit unterschiedlichstem Remastering: Tschaikowski und Mussorgsky siehe CD 1 - besonders die Nußknacker-Suite ist übel einer Klangmanipulation mit dickem Hall unterworfen worden... :shake: . Bach und Strawinsky zwar auch gefiltert und einer Spur Hall, doch wenigstens ist es noch gut anhörbar. Dukas klingt ungelogen nach Matrizenqualität - grandios.
    Bewertung: zweimal mau :thumbdown: , zweimal gut :thumbup: & einmal Knaller :juhu:


    CD 10
    Rachmaninoff - Klavierkonzert Nr. 2 (Solist: Rachmaninoff)
    rec. 1929
    Strawinsky - Feuervogel-Suite
    rec. 1935
    Schönberg - Gurrelieder (Prélude)
    rec. 1932

    Sehr gute Überspielungen: Schönberg leidet unter einer gebrauchten Schellackplatte und hat ein solides Remastering, Strawinsky erklingt sehr frisch, Rachmaminoff dagegen Matrizenqualität.
    Bewertung: gut :thumbup: , sehr gut :thumbup: & Knaller :juhu:


    -----


    Alle Stücke wurden einem Remastering mit Entfernung der Knackser unterworfen, was heutzutage ja kein Problem mehr darstellt. Filterungen gibt es, was in einigen Fällen (nicht allen!) zu unschönen Ergebnissen führt. Den Einsatz von Hall bezeichne ich als überflüssig. Bis auf eine sind alle Überspielungen zumindest solide gemacht worden. Daß einige Schellacks schon zu gebraucht sind, um sie zu verwenden, ist halt eine Sache der Verfügbarkeit; man muß an die Platten erstmal rankommen.


    Ich persönlich habe die Box für 5,99 € bei jpc gekauft. Mir war schon vorher klar, daß darin nicht alles optimal sein würde, aber stellenweise graut es mich schon, was da in einigen Fällen auf CD gepreßt wurde. Zum Glück überwiegt doch die positive Bilanz: bis auf zwei ganze CDs und weiteren Stücken von einer dreiviertel Stunde Dauer ist der Rest absolut anhörbar. Das macht einen Anteil von 75% Qualität über 25% Pfusch. Ich denke, damit kann man leben.


    Fazit: für den Preis bekommt man noch genug Qualität... :thumbup:



    jd :wink:

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  • Bekam ich gestern mit der Post:



    Ludwig van Beethoven
    Symphonie Nr. 5 & 7
    Orchester der Städtischen Oper Berlin
    D: Richard Strauss

    rel. 1928 & 1926 (Polydor)


    (C) 2000 Naxos 8.110926 [60'01"]


    transferred by David Lennick
    Digital Noise Reduction: Graham Newton


    Diese Aufnahmen sind Teil des Vorhabens seitens der DGG, zum 100. Todesjahr Beethovens den kompletten Symphonien-Zyklus auf Schellack vorzulegen. Doch sollte es noch bis 1933 dauern, bis sie alle Einspielungen zusammenhatten. Strauss dirigierte nur die zwei Symphonien auf dieser CD, die anderen entstanden unter Hans Pfitzner, Erich Kleiber und Oskar Fried.


    Lennick hat solide erhaltene Schellacks überspielt, die keinerlei Pitchingprobleme aufweisen; allerdings haben manche Seiten doch erhebliche Laufgeräusche aufzuweisen. Newton hat sämtliche Knistergeräusche restlos entfernt und das Rauschen praktisch nicht angetastet. Die Fahne ist vorhanden, bleibt aber stets gleichmäßig im Hintergrund. Das Orchester ist sehr direkt und trocken (ohne Hallanteil) abgenommen worden; es ist definitiv reduziert auf eine Rumpfbesetzung, die jedoch die Details der Partitur nicht unterschlägt. Der Baß ist profund, die Mitten präsent, aber die Höhen dumpf. Die Dynamik ist erwartungsgemäß nicht groß ausgeprägt. In den leisen Stellen kann es passieren, daß die Instrumente im Rauschteppich recht weit untergehen.


    Daß die Schellacks nicht gerade die rauschärmsten Exemplare waren, ist sicherlich bedauerlich - mehr wiegen jedoch die reduzierten Höhen. Es handelt sich immerhin um elektrische Aufnahmen von 1926 bzw. 1928, aber sie klingen eher nach akustischen Aufnahmen aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg ( 8| ). Lediglich die recht lebendige Spielweise des Orchesters deutet darauf hin, daß diese Einspielungen nicht in den 1910er Jahren entstanden sein können; die teilweise unvermeindliche träge Agogik dieser Frühzeit ist hier nicht zu erhören.


    Fazit: ein interessantes historisches Dokument in einer soliden Remasteringsqualität, die durchaus mehr hätte erreichen können. Gut... :)



    jd :wink:

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  • Strauss dirigierte nur die zwei Symphonien auf dieser CD, die anderen entstanden unter Hans Pfitzner, Erich Kleiber und Oskar Fried.


    Pfitzner mit Beethoven gefällt mir lange nicht so gut wie Pfitzner als Schumann-Dirigent . No.2 : 1928; No.4 : 1926 .Transfers :Ward Marston


    [Blockierte Grafik: http://ecx.images-amazon.com/images/I/21KG9XP7TAL.jpg]

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  • Ich habe zwei CDs mit Stücken von Enrico Caruso (1873-1921), die ich mal miteinander verglichen habe:



    Caruso - Verismo Arias
    rec. 1905-1916


    (C) 1992 RCA Victor "Gold Seal" 09026 61243-2 [68'36"]


    Digitally restored by Thomas G. Stockham Jr.
    Digitally remastered by André Gauthier & Anthony Salvatore


    Bereits 1990 erschien von RCA Victor eine Box, die sämtliche Aufnahmen Carusos auf zwölf CDs chronologisch dokumentierte; in den Jahren 1992 und 1994 erschienen fünf Einzel-CDs, die Teile davon in thematischer Auswahl präsentierten. Diese CD ist eine davon.


    Was mir auffiel, daß ein spezifischer Klang die ganzen Aufnahmen bestimmte - entweder spielte man alle Schellacks auf einem Trichtergrammophon ab und nahm es mit einem Mikrophon auf oder der Klang wurde nachträglich im Studio dem Grammophon nachempfunden. Denn neben der Musik hatten auch die Laufgeräusche diesen leicht begrenzten Trichterklang. Die Schellacks waren grundsätzlich so gut erhalten, daß das Musiksignal nie Verzerrungen oder Störungen aufwies; es gibt aber eine Ausnahme, wo leichtes Kratzen im Signal nicht zu vermeiden war. Das Pitching ist absolut präzise. Die Laufgeräusche sind je nach Schellack-Exemplar aber unterschiedlich stark ausgeprägt: es reicht von leichten Rumpeln bis hin zu starken Läufern oder einem heftigen Kratzteppich. Dennoch bleibt die Musik stets deutlich im Vordergrund, mit einem stabilen Volumen und gut verständlichen Details. Der Baß bleibt stets eher dünn, die Mitten kommen dafür sehr gut heraus; die Höhen dagegen sind begrenzt. Knackser wurden komplett eliminiert, aber die Laufgeräusche sind erhalten geblieben. Allerdings scheint mir, daß Gauthier und Salvatore die Höhen im Frequenzgang an der Stelle gekappt haben, wo das Musiksignal nicht mehr vorhanden war. Das Grundrauschen klingt nämlich dumpf und bleibt im Hintergrund, während jedoch die Musik noch nicht muffig wirkt. Ich hatte diesen Effekt bereits beschrieben.


    Insgesamt ist hier die Sorgfalt im Remastering nicht abzusprechen. Ich empfinde diesen Klang sogar sehr gewinnend, da er dem Grammophon nahekommt. Nichts wirkt übermäßig gefiltert, sondern profund poliert, ohne die Patina komplett zu entfernen.


    -----


    Die andere CD ist diese:



    Viva Enrico Caruso
    25 Great Opera Arias & Songs


    (C) 2003 Hänssler Classic CD 94.041 [74'43"]


    Hänssler hat schon öfters Schellackaufnahmen für CD aufbereitet und hat auch ein feines Händchen dafür - doch hier ist man doch übers Ziel hinausgeschossen. Im Direktvergleich zur Verismo-CD fällt direkt auf, daß sämtliche Stücke einer anderen Klangästhetik folgen.


    Die Schellacks sind grundätzlich kaum schlechter erhalten gewesen und sind ebenso mit präzisem Pitching überspielt worden. Die Laufgeräusche sind hier auch noch vorhanden, sind aber deutlicher reduziert worden. Laute Läufer sind garnicht zu hören. Dem geht eine Steigerung des Musiksignals einher: der Baß ist profunder, die Mitten sehr präsent, die Höhen heller. Ich denke, man hat hier an den Reglern gedreht und die Musik klanglich aufpoliert.


    Doch es kommt etwas Entscheidendes dazu: allen Stücken ist ein leichter Hall dazugemischt worden, wodurch ein Raum simuliert wird, der eigentlich garnicht da sein kann. Auch wirken die Stücke sehr "klangneutral" - klingen also nicht so, als seien sie von einem Grammophon abgenommen worden. Dadurch geht die Patina komplett verloren. So klingen Schellacks aus der akustischen Ära einfach nicht!


    Ich muß jedoch auch hier eine technische Sorgfalt attestieren: das ist sehr gut umgesetzt und nicht vergleichbar mit z.B. dem stümperhaften Remasterings in der Stokowski-Box (CDs 1 und 7), welche ohne jede Sorgfalt der Musik gegenüber ausgeführt wurden. Hier läßt es sich gut anhören, doch es ist ärgerlich, daß eine andere Klangästhetik dazugemischt wird.


    -----


    Fazit:
    Grundsätzlich sind Schellacks auch sowas wie Klangdokumente, und man sollte ihre technische Begrenztheit so erhalten, da ihre trockene Ästhetik Teil der Authentizität sind. Viele Remastering-Ingenieure beachten das auch - und wenn es nicht so gehalten wird, dann wird wenigstens ein Grammophon klanglich simuliert. Die Verismo-CD hat auch einen leichten Hallanteil aufzuweisen, der jedoch so subtil zum Klangbild des Grammophons paßt, daß man das noch akzeptieren kann. Bei der Viva-CD von Hänssler ist die Klangbearbeitung aber zuweit gegangen, und mir erscheinen die Arien eher wie radiogestylte Wiedergaben.


    Für Leute, die mit dem dünnen Schellackklang nie zurechtkamen oder ihn nicht kennen, ist die Hänssler-CD sicherlich eine klangliche Alternative; doch den Puristen würde ich dringend zu den Remasterings von RCA Victor raten.


    Caruso - Verismo Arias: :thumbup:
    Viva Enrico Caruso: :|



    jd :wink:

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  • Ein paar Worte zu dieser CD-Edition:



    Giuseppe Verdi - La Traviata
    Morlet, Troselli, Albers, Belhomme u.a.
    Choeur & Orchestre de Opéra Comique Paris


    Dirigent: Emile Archainbaud


    (P) 1912 Pathé Saphir 1587/1602 (16x 80er, 29cm)


    (C) 2008 Cantus Classics 5.01053 (2 CDRs) [105'30"]
    EAN: 4032250105330


    Dies ist die erste Kompletteinspielung der Verdi-Oper, entstanden in Frankreich bei Pathé. Ab 1911 nahm man elf Opern auf, die damals zu den ehrgeizigsten Unternehmungen in der Plattenindustrie zählten (siehe auch hier). Gesungen in französischer Sprache, hört man hier ein reduziertes Orchester mitsamt Solisten mit mächtigem Vibrato und großer Geste im Ausdruck.


    Cantus Classics hat ja inzwischen einen sehr umfangreichen Katalog an historischen Opernaufnahmen zusammengetragen, der laufend erweitert wird. Die meisten Aufnahmen sind aus den 1940/50er Jahren, aber gelegentlich bringen sie auch Überspielungen von Schellacks heraus. Ein knappes Dutzend davon sind akustische Einspielungen aus der Zeit bis 1925.


    Was mir hier auffällt, ist die erstaunlich gute Überspielung der Schellacks. Das Pitching ist präzise (bis auf eine Seite, die ganz leichte Schwankungen aufweist), das Signal stets stabil, der Klang immer gleichmäßig. Die Rauschfahne ist sehr laut, aber gleichmäßig, Laufgeräusche der Schellacks tauchen immer wieder auf, die das Musiksignal aber nicht übertönen.


    Was die Klangqualität betrifft, so hat man es hier mit einem sehr begrenzten Frequenzumfang zu tun. Der Baß ist mager, die Mitten gut vernehmbar, die Höhen recht dumpf. Die Abstimmung der Solisten und des Orchesters ist gut gelungen, aber die Dynamik ist gering. Die Rauschfahne wirkt sehr hell, während die Laufgeräusche seltsam matt klingen. Knistergeräusche sind komplett entfernt worden.


    Insgesamt ist das ein gutes Remastering, wobei sich der Anteil an Bearbeitung in annehmbare Grenzen hält. Ich hatte eigentlich nicht erwartet, daß die Cantus-Ausgabe so ein Niveau erreichen würde; generell sind die Titels dieses Labels in Slimcases mit magerem Beiheft und nicht gerade geschmackssicherem Design verpackt, doch scheinen sie klanglich ganz okay zu sein. Ich habe nun zwei Ausgaben von diesem Label, und ich finde sie ganz in Ordnung.


    Aber ein Haken gibt es schon: die CDs sind gebrannte Exemplare, keine Gepreßten. Anscheinend bringt Cantus Classics seit gut zehn Jahren keine gepreßten Auflagen in ihrer Opernreihe mehr heraus. Die Rohlinge machen einen guten Eindruck, aber mir persönlich geht sowas generell gegen den Strich. Ich werde damit leben können, da ich unbedingt mal eine dieser Pathé-Aufnahmen hören wollte.


    Urteil: vernünftig... :)



    jd :CAL:

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  • Ein interessanter Artikel von 1972:


    "http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-42787684.html"


    Damals gab es wohl die erste Schwemme mit historischen Aufnahmen aus der Schellack- und frühen Tonbandzeit, die auf LP angeboten wurden.



    jd :wink:

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  • Ich hatte vor einer Weile diese Box gekauft:



    Remastering: Art & Son Studios Paris
    (C) 2010 United Archives NUA03 (8 CDs)
    EAN: 5494239160034


    CD1 beginnt mit der 1933er Aufnahme von Bachs Goldberg-Variationen - die selbe Einspielung, die ich bereits hier besprochen hatte. Ich möchte mich jetzt nur darauf beschränken, obwohl die Box noch so viel mehr zu bieten hat.


    Das Remastering - 2010 angefertigt - hat eine etwas andere Qualität aufzuweisen. Der Körper des Instruments kommt klarer heraus: die Höhen sind heller, Details stechen klarer hervor, ohne daß Baß und Mitten nachgelassen haben. Das Grundrauschen ist präsent im Hintergrund, bleibt aber deutlich beständiger als auf der EMI-CD. Knackser und dergleichen sind nicht zu hören, Aussetzer sind gar nicht und manche Unterschiede im Klangbild verschiedener Seiten nur partiell zu bemerken. Zwar liegen auch hier keine optimal erhaltenen Schellacks vor (an einigen Ein- und Auslaufstellen sind leichte Unsauberheiten zu bemerken), doch klingen die Ergebnisse wesentlich befriedigender. Das Klangbild wirkt viel stabiler, freier und authentischer. Die Fragilität des Signals, die die EMI-CD gelegentlich hörbar machte, sind hier einer stringenteren Qualität gewichen.


    Dies ist nur eine Vermutung (bar jeden Beweises), aber mir scheint, als seien die Quellen möglicherweise die selben gebrauchten Exemplare, die bereits Keith Hardwick verwendet hatte. Durch den gezielten Einsatz neuerer digitaler Mittel wurden Unebenheiten besser korrigiert, ohne jedoch den Charme des Authentischen auszulöschen. Das Ergebnis ist immer noch nicht perfekt, doch der Direktvergleich mit Kopfhörer zeigte mir deutlich, daß dieses Remastering definitiv eine Verbesserung darstellt.


    Fazit: ein solides gut... :thumbup:


    [Der Rest der Box folgt in einer gesonderten Besprechung.]



    jd :wink1:

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  • Eine weitere Opern-Aufnahme aus der Frühzeit:


    [Blockierte Grafik: http://ecx.images-amazon.com/images/I/213ZJTY94CL.jpg]


    Giuseppe Verdi - Le Trouvère
    (französische Fassung von Il Trovatore)


    Charles Fontaine, Jane Morlet, Jean Noté, Ketty Lapeyrette,
    Robert Marvini, Marie Gantéri, Louis Nansen
    Choeurs et Orchestre du Théâtre de l'Opéra-Comique Paris
    Dirigent: Francois Ruhlmann


    (P) 1912 Pathé "Saphir" 1603/21 (19x 80er, 29cm) 38 Seiten
    (C) 2002 Aura Music LRC 1902 (2 CDs) [119:20]
    EAN: 0697833119025


    Im Jahre 1912 entstand diese Aufnahme, die erste komplette Einspielung von Verdis Il Trovatore (in französischer Sprache). Pathé machte damals ihre Aufnahmen auf übergroßen Walzen, die dann auf die Matrizen für ihre Saphir-Schellackplatten überspielt wurden. Der Vorteil war, daß diese Aufnahmen ein wesentlich besseres Klangbild mit deutlich weniger Hintergrundrauschen hatten; der Nachteil war jedoch, daß durch das mechanische Überspielen u.a. auch Laufgeräusche der Walze übertragen wurden. Da die Walzen heute nicht mehr existent sind, sind die besten Quellen die Saphir-Schellacks selber, die im Tiefenschrift-Verfahren gepreßt wurden (das Berliner-System ist im Seitenschrift-Verfahren, d.h. die Rillenauslenkung ist vertikal zur Nadel) - sie müssen mit einer speziellen Nadel (damals aus Saphir) abgetastet werden.


    Das Signal ist grundsätzlich sehr stabil in seiner Wiedergabe und hat einen recht großen Klangraum für die damalige Zeit aufzuweisen: der Baß ist zwar dünn, aber dennoch präsent; die Mitten klingen kräftig; die Höhen sind gut erfaßbar. Das Rauschen ist stets hörbar, aber das Signal ragt doch so stark darüber hinaus, daß das Rauschen nie dominiert. Knackser sind fast restlos entfernt worden, gröbere Geräusche treten gelegentlich partiell auf. Interessant ist der Umstand, daß man die einzelnen Schellackseiten voneinander unterscheiden kann, da das Rauschen sich schlagartig ändert, wenn der Wechsel stattfindet; da die Seiten auf den CDs als kompletter Satz hintereinander montiert wurden (ohne Pause), fällt das natürlich deutlich auf... :D


    Das Überspielen der Schellacks ist sorgfältig ausgeführt worden. Der Klang bleibt fast immer im gleichen Rahmen, nur treten manchmal Pitching-Probleme bei einigen Schellacks auf. Das wird sicherlich an den ansonsten sehr gut erhaltenen Quellen liegen, doch sind diese Unreinheiten nicht so stark, daß gleich der Hund das Heulen beginnt. Das Orchester klingt trotz seiner begrenzten Besetzung kaum zu mager oder unpassend, der Chor ist ebenso kräftig genug. Die Solisten sind stets gut im Vordergrund positioniert, so daß sie den Chor und das Orchester nicht überbrüllen müssen. Die Abstimmung ist durchgängig optimal. Das Remastering beschränkt sich darauf, das Klangbild seine Authentizität zu erhalten und die Übergänge der Schellacks sauber zu montieren; weitere Filterungen mit Hall oder ästhetische Klangveränderungen sind mir nicht aufgefallen.


    Diese CD-Ausgabe enthält nur ein Booklet mit dem Tracklisting; die CDs sind in einem Slimcase untergebracht. Sicherlich ist das keine teure Sammler-Ausgabe, aber die Aufnahme klingt so gut aufbereitet, daß ich diese Ausgabe empfehlen kann... :thumbup:



    Links:
    "http://www.operadis-opera-discography.org.uk/CLVETROV.HTM#1"



    jd :wink1:

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    Jean Paul

  • Walter Gieseking wurde gerade 23 Jahre alt, als der Erste Weltkrieg zu Ende ging; er war seit zwei Jahren in der Armee, aber nicht als Soldat an der Front, sondern in diversen Musikkapellen auf Tourneen. Nach dem Militärdienst begann er seine Solokarriere. Seine ersten Aufnahmen machte er für Welte-Mignon, und kurz danach entstanden seine ersten Schellackaufnahmen bei der Homocord:



    Walter Gieseking
    The complete Homocord recordings & other rarities


    Audio restoration: Seth B. Winner Sound Studios Inc.
    (C) 2013 APR 6013 (2 CDs) [159:19]
    EAN: 5024709160136


    Gieseking nahm zwischen 1923 und 1927 insgesamt 28 Matrizenseiten auf, wovon zwei unveröffentlicht blieben. Mehr als vier oder fünf Tage brauchte er nicht für sämtliche Aufnahmen. Da es im Internet bisher keine verläßliche Diskographie über Homocord gibt, habe ich mir die Mühe gemacht und die Informationen aus dem Booklet ausgewertet.


    Hier die Diskographie aller Homocord-Aufnahmen von Walter Gieseking:



    Session I - rec. 21 December 1923 (acoustic)


    Johann Sebastian Bach - Partita No. 1 in B flat major BWV 825
    B-8423 (mx. 51316/7)


    Claude Debussy - Reflets dans l'eau (Images I No. 1)
    Maurice Ravel - Jeux d'eau
    1-8446 (mx. 51318 & 51323)


    Claude Debussy - Arabesque No. 1 & 2
    1-8640 (mx. 51322 & 51324)



    Session II - rec. 10 March 1924 (acoustic)


    Franz Liszt - Hungarian Rhapsody in C sharp minor S244/12
    1-8488 (mx. 51502/3)


    Frédéric Chopin - Nocturne in F sharp major Op. 15 No. 2
    Johannes Brahms - Rhapsody in G minor Op. 79 No. 2
    1-8503 (mx. 51501 & 51504)


    Franz Schubert - Impromptu in B flat major Op. 142 No. 3
    B-8605 (mx. 51499/500)



    Session III - rec. 12 March 1925 (acoustic)


    Frédéric Chopin - Nocturne in B major Op. 9 No. 3
    Frédéric Chopin - Étude in A flat major Aeolian Harp & in F minor Op. 25 No. 1 & 2
    1-8614 (mx. 51780/1)


    Edvard Grieg - To the Spring & Butterfly Op. 43 No. 6 & 1
    Edvard Grieg - Wedding Day at Troldhaugen Op. 65 No. 6
    1-8633 (mx. 51786/7)


    Claude Debussy - Golliwog's Cakewalk (CC No. 6) & Minstrels (Préludes I No. 12)
    Francis Poulenc - Mouvements perpétuels
    1-8673 (mx. 51788/9)


    Frédéric Chopin - Polonaise in A flat major Op. 53
    1-8794 (mx. 51782/3)


    Domenico Scarlatti - Sonata in D minor K9 & in E major K380
    Johann Sebastian Bach - Prelude & Fugue No. 3 BWV 848
    unissued (mx. 51784/5)



    Session IV - rec. 1927 (electric)


    Richard Strauss / Gieseking - Freundliche Vision Op. 48 No. 1 & Ständchen Op. 17 No. 2
    4-3003 (mx. 20784/5)


    Claude Debussy - Arabesque No. 2 & 1
    4-8936 (mx. 52549/50)


    Edvard Grieg - Wedding Day at Troldhaugen Op. 65 No. 6
    Edvard Grieg - To the Spring & Butterfly Op. 43 No. 6 & 1
    8937 (mx. 52547/8)



    Die ersten drei Aufnahmesitzungen wurden akustisch gemacht, die letzte im Jahr 1927 im elektrischen Aufnahmeverfahren; dabei wiederholte Gieseking vier Matrizenseiten, die wohl zuvor sehr erfolgreich waren (mx. 52547/50), und machte dann noch zwei mit neuem Material.


    Auf dieser Doppel-CD sind sämtliche Matrizenseiten zu hören - auch die zwei unveröffentlichten. APR hat sich Mühe gegeben: es wurden nur sehr gut erhaltene Schellacks ausgewählt und transferiert, wobei ich mich frage, wo die alle herkommen. Klanglich zeigt sich bei den akustischen Aufnahmen die typische Begrenztheit im Klang: das Klavier ist sehr stark in den Mitten präsent, doch der Baß ist etwas mager und die Höhen sind recht dumpf. Knackser und dergleichen wurden komplett entfernt. Der Rauschteppich im Hintergrund ist bemerkbar, aber bleibt sehr regelmäßig. Bei lauten Passagen kratzt das Klavier etwas, doch ansonsten ist das Klavier selbst im Pianissimo immer noch gut zu hören. Das Pitching ist präzise.


    In den elektrischen Aufnahmen läßt sich der Quantensprung gut nachvollziehen: der Rauschteppich ist deutlich geringer, das Klavier präsenter. Baß und Höhen kommen etwas besser heraus.


    Allerdings gebe ich zu, daß die Homocord-Aufnahmen generell etwas matt klingen; mir scheint, daß einerseits die Trichter bzw. Mikrophone nicht so nah am Klavier standen, so daß das Klavier etwas entrückt klingt, und andererseits das Remastering Wert darauf legt, wenig bis gar keine Filterungen vorzunehmen, um die Aura nicht zu zerstören. Das bedeutet, daß das Klavier zur Muffigkeit neigt, aber dennoch alle Feinheiten wie leise Stellen über das Rauschen hinweg transportieren kann. Gieseking spielt nämlich sehr dynamisch - eigentlich eher ungewöhnlich für Klavieraufnahmen auf Schellack.


    -----


    Als Bonus gibt es noch spätere Aufnahmen, die zwischen 1928 und 1956 entstanden. Ich liste sie mal auf:



    Claude Debussy - La plus que lente
    Walter Niemann - The Silver Cascade Op. 92 No. 6
    Brunswick 50104 (mx. 250 & 253) rec. September 1928


    Walter Gieseking - Variations on a theme by Grieg
    [Walter Gieseking - Klavier, Lambros Callimahos - Querflöte]
    American Columbia unissued (mx. WCO 24307/10) rec. 03. April 1939


    Walter Gieseking - Sonatine for flute & piano
    Albert Roussel - Aria & M. de la Péjaudie (Op. 27 No. 4)
    [Walter Gieseking - Klavier, Gustav Scheck - Querflöte]
    Deutsche Columbia LWX 199/200 (mx. CRX 70/3) rec. 29. April 1937


    Wolfgang Amadeus Mozart - Klaviersonate in D-Dur KV 576
    Electrola unissued (mx. CRX 222/4) rec. ca. 1940-42


    Alexandre Tansman - Blues (Novelettes No. 6)
    English Columbia unissued, rec. 17. Oktober 1956



    Die Brunswick-Aufnahmen klingen kaum anders, wenn man vom größeren Klangvolumen im Baß absieht. Gelegentlich treten Laufgeräusche hinzu. Die Columbia-Aufnahmen aus den 1930er Jahren haben wenig Grundrauschen, die Grieg-Variationen so gut wie keine; sie wirken etwas präziser aufgenommen. Der Tansman-Blues kommt am Besten zu Geltung, klingt aber wegen der Quellenlage nicht optimal im Vergleich zu anderen zeitgenössischen Aufnahmen.


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    Neben den gut remasterten Aufnahmen hat die Doppel-CD ein 16seitiges Booklet (in Englisch) aufzuweisen: in dem wird sehr ausführlich auf die eingespielten Stücke eingegangen. Ein umfassendes Tracklisting mit allen Daten zu den Katalog- und Matrizennummern der verwendeten Schellacks rundet das Paket ab.


    Fazit: wer Interesse an den frühen Gieseking hat, der ist mit dieser Veröffentlichung sehr gut bedient. Sorgfältige Edition und ein gutes Remastering machen diese Doppel-CD zu einer guten Empfehlung. Und zur Zeit ist sie neu für 13,- € zu haben.



    jd :thumbup:

    "Interpretation ist mein Gemüse."
    Hudebux

    "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
    Jean Paul

  • Schön, daß Du dir die Mühe gemacht hast. Das klingt sehr interessant . Ich habe nur die Piano Library Ausgabe, und die ist "gefiltert".
    Ich bin übrigens tatsächlich auch der Meinung,daß Walter Gieseking bis ca. 1947 interessanter war .

    Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Not really now not anymore" "But I am good. What the hell has gone wrong?"

  • Ich wußte gar nicht, daß ein Teil der Homocord-Aufnahmen auf CD erhältlich waren. Auf amazon.com (ASIN: B005DMHS96) kann man den Inhalt der Piano-Library-Ausgabe nachlesen. Es sind also nur die akustischen Aufnahmen drauf: Bach, Brahms, Chopin, Liszt, Ravel und Debussys Reflets dans l'eau - kein Schubert, kein Grieg, kein Poulenc.


    Und du sagst, die ist gefiltert? Wie äußert sich das? Auf dem Cover steht ja was von Cedar und Weiss Process - haben die das Signal gepimpt?



    jd :wink1:

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    Jean Paul

  • Es gibt nur einen Mitten-Brei. Kennst Du die Busch-Dirigate aus Glyndeboure? So ähnlich- aber dumpfer - klingt es. Und jetzt werde ich mir die APR bei amazon be- und die PL entsorgen - im 2ter Handladen..

    Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Not really now not anymore" "But I am good. What the hell has gone wrong?"

  • Ich habe mich ja schon gut in dieses Thema eingearbeitet, aber dennoch kommen manchmal gewisse Überraschungen auf einen zu:



    Gustav Mahler
    Symphonie Nr. 2 "Auferstehung"


    Gertrud Bindernagel (s)
    Emmi Leisner (a)
    Berliner Domchor
    Orchester der Berliner Staatstoper


    Dirigent: Oskar Fried


    (P) 1924 Grammophon 66290/300 (11x 78er, 30cm) [83:46]
    [Matrizen: 349 az, 370/2 az, 374/6 az, 522 az, 1552 as, 1554/64 as, 1567/8 as]
    (C) 2001 Naxos "Historical" 8.110152-53 (2 CDs)
    rec. 1924 (Berlin)


    Archivist & Audio Restoration: Ward Marston


    Eine Mahler-Symphonie - aufgenommen 1924 - 8| :ohnmacht1:


    Die Informationen, die darin stecken, haben mich wirklich umgehauen. Die Symphonien von Gustav Mahler benötigen einen großen Orchesterapparat und eine gute Aufnahmetechnik, um ihre schiere Größe adäquat wiederzugeben - doch andererseits sagt mir das Aufnahmejahr 1924, daß es noch eine akustische Aufnahme sein muß. Ein gnadenloser Widerspruch, der mich neugierig machte, und dem mußte ich nachgehen.


    Es ist wahr: dies ist die allererste Komplett-Einspielung einer Mahler-Symphonie überhaupt, und es sollte die einzige in der akustischen Ära bleiben. Die Deutsche Grammophon hatte in den 1920er Jahren verstärkt begonnen, Symphonien von verschiedenen Komponisten einzuspielen, und dafür verpflichtete man nahmhafte Dirigenten wie Pfitzner, Klemperer oder Richard Strauss. Unter anderem sollte bis 1927 der erste Zyklus aller Beethoven-Symphonien fertiggestellt werden, was im Grunde durch die technische Revolution der elektrischen Aufnahmetechnik verhindert wurde. Ich hatte ja schon zuvor geschrieben, daß die Plattenlabels einen großen Ehrgeiz entwickelten, großformatige Werke der Klassischen Musik auf Schellack zu bannen (in den 1910er Jahren waren es komplette Opern gewesen), und nun begann man die symphonische Gattung endgültig anzugehen. Gut dreizehn Jahre zuvor waren die ersten solcher Aufnahmen realisiert worden (Odeon, Pathé, Grammophon), doch blieben es eher Einzelaktionen denn ein konkretes Vorhaben; allein der Erste Weltkrieg verhinderte schon immens die Realisierung solcher Projekte.


    Ab 1923 begann Oskar Fried (1871-1941), Aufnahmen für die DGG zu dirigieren, und auch wenn sein Name heute kaum mehr bekannt sein sollte, so gehörte er damals zu den renommiertesten seiner Zunft. Er hatte Mahler noch persönlich gekannt, hatte sogar die 2. unter Mahlers Ohren dirigiert, der ihn sehr dafür gelobt hatte. Fried war also kein unerfahrener Dirigent, und es stellte sich heraus, daß er ein Glücksgriff werden sollte. Denn was er innerhalb der engen Grenzen der akustischen Aufnahmetechnik an künstlerischen Ausdruck ausloten konnte, das ist auch heute noch sehr bemerkenswert. Und das beziehe ich nicht allein auf Mahlers 2., sondern noch auf andere Aufnahmen von ihn.


    Sicher, was man hier hört, ist jene Begrenztheit, die typisch ist für die akustische Ära: ein reduziertes Orchester, mit Instrumentengruppen, die kaum mehr als höchstens 2-4fach pro Stimme besetzt sind. Der Raum ist schalltot, klein und begrenzt, die Dynamik zwar vorhanden, aber recht grob gerastert. Der Klang ist dünn, entfernt, ohne jeden Baß, mit starker Mitte und dumpfen Höhen. Die Rauschfahne der Schellacks deckt alles ordentlich zu, in leisen Stellen wird es difizil, Details sauber vom Rauschen zu trennen. Der Chor ist ebenfalls klein besetzt und klingt nicht immer intonationssicher, und auch das Orchester hat gelegentlich unsaubere Momente aufzuweisen; allerdings kann das auch an der Technik liegen, die damals einen Gleichlauf-Faktor jenseits von Gut und Böse hatte. Die Solisten singen mit der üblichen vibratösen Technik und vollen Stimme und wurden gut in den Vordergund positioniert.


    Klingt so Mahlers 2. adäquat? Nein, ganz gewiß nicht. Kann man sich vorstellen, daß überhaupt eine machbare Aufnahme dieser Symphonie möglich ist? Um es kurz zu machen: ja, aber man muß sich von der Großzügigkeit des Mahlerschen Klangkosmos befreien. Man muß sich auf die artistische Realisierung konzentrieren, sich auf den Ausdruck der Noten beschränken, weil dies das einzige Element ist, was ein Dirigent auf solch eine Aufnahme übertragen kann.


    Das ist das Beeindruckendste bei Frieds Aufnahme: wie er den großen Orchesterapparat vergessen läßt, weil er sich ganz auf den Ausdruck der Symphonie konzentriert und ihren Geist in die Rillen quetscht. Ich hatte bereits zu Hertz' Parsifal-Suite geschrieben, daß es möglich ist, einen künstlerischen Ausdruck zu realisieren, obwohl die Aufnahmetechnik beschränkt ist. Hier ist das nicht anders. Im I. Satz bemerkt man sogleich, daß hier Baßstreicher (vermutlich Celli) eingesetzt werden, obwohl das ja schwierig zu hören war; und von Beginn an spürt man die Ernsthaftigkeit Frieds dahinter, die 2. eben nicht einer Lächerlichkeit auszusetzen. Mit klarer Agogik und straffer Präzision läßt er das Orchester spielen, wirkt besonders dramatisch in den Tuttistellen. Der II. Satz ist sehr lieblich gestaltet und bleibt in einem durchgehenden Fluß behaftet. Der III. Satz - ganz gewiß der Knackpunkt dieser Aufnahme - wirkt ja generell etwas ironisch gebrochen durch seine Ländler-Melodie und das viele Schlagwerk; Fried geht in die Vollen und verzerrt die Ironie zu einer sarkastischen Fratze, weil der Einsatz des Schlagwerks viel zu grob realisiert werden mußte und deshalb nicht gerade geschmackssicher wirkt. Die Triangle ist eine helle Glocke, die Pauke stampft dumpf vor sich hin, die Schlaghölzer sind grobe Holzbretter - doch Fried läßt das Orchester nicht unpräzise werden. Der ironische Ausdruck bleibt bestehen - ein Widerspruch, der in diesem Kontext aber Sinn macht. Der IV. Satz beginnt mit Emmi Leisners Altstimme, der sich das Orchester zugesellt; die intime Wirkung des Satzes ist Fried besonders gut gelungen. Im V. Satz mag das Tutti etwas schwach wirken, besonders das Finale ist wenig wirkungsvoll, doch bis zuletzt zeigt sich Frieds Verlangen, nichts unwürdig klingen zu lassen. Hier zeigt sich auch seine Erfahrung mit Mahlers Musik, die er ja laufend im Konzertsaal dirigiert hatte.


    Die Symphonie erschien auf insgesamt 11 Schellacks (22 Seiten), die laut den Matrizen in 2-3 Sessions aufgenommen wurden. Genauere Daten als den Jahrgang lassen sich dank der verlorengegangenen Matrizenbüchern nicht mehr ermitteln. Mir sind Kürzungen der Partitur nicht aufgefallen, aber wenn, dann sind sie nicht sehr umfangreich. Die Aufnahmen an sich sind stets gut austariert und die Besetzungsgruppen perfekt aufeinander abgestimmt. Hier wurde ehrgeizig das Ziel verfolgt, eine funktionale Aufnahme zu kreieren, die ihre Technik komplett der Interpretation unterstellt. Und tatsächlich erweist sich das als durchaus erfüllt.


    Die Schellacks, die Ward Marston verwendete, sind von erstaunlich gleichbleibender Qualität: das Rauschen bleibt praktisch immer gleich, ebenso wie der Klang der einzelnen Seiten. Doch muß ich gestehen, daß ich selbst beim genauen Hinhören die Übergänge der Schellackseiten nicht hören konnte, so perfekt hat das Marston aneinandergefügt. Dazu kommt noch, daß weitere Knackgeräusche gar nicht zu hören sind. Die Details sind stets gut durchhörbar, soweit die Aufnahme es zuläßt, und weitere Manipulationen, die über möglichen Frequenzganganpassungen hinausgehen, sind mir nicht aufgefallen. Kurz: das ist ein hervorragendes Remastering, welches die Patina aufpoliert, ohne sie zu beschädigen.


    Fazit:
    Ich muß gestehen, daß Frieds Einspielung aus heutiger Sicht alles Mögliche an klanglichen Nachteilen aufweisen mag, aber den Vorwurf, er hätte nicht alles gegeben, um das zu überwinden, kann man ihm beim besten Willen nicht machen. Reduzierte Technik hin oder her - damals war das definitiv ein Höhepunkt der akustischen Ära, die kurz danach obsolet wurde (gewiß nicht zu unrecht), doch heute besticht diese Einspielung vor allem durch die fesselnde Interpretation. Fried hatte einen Riecher für das, was man am Besten auf einer Schellackplatte hören sollte, und hiermit gelang sein Meisterwerk. Ich persönlich hätte mir das klangliche Ergebnis nicht so gelungen vorstellen können, wie ich es hier gehört habe; ein Zeichen dafür, daß in der akustischen Ära viele Aufnahmen gar nicht so sehr unter ihren technischen Bedingungen leiden mußten, sondern eher unter den künstlerischen Möglichkeiten der beteiligten Musiker. - Sehr gut... :thumbup: :thumbup: :thumbup: :thumbup:



    jd :wink:

    "Interpretation ist mein Gemüse."
    Hudebux

    "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
    Jean Paul


  • Leopold Stokowski Conducts
    Bach, Tchaikovsky & Dvorák

    (C) 2010 Dutton CDBP 9803 [72:26]
    remastered by Michael Dutton
    EAN: 765387980320


    Johann Sebastian Bach - Toccata & Fuge BWV 565
    rec. 22. März 1947 (New York) RCA Victor LM-2042
    Peter Tschaikowski - Nußknacker-Suite op. 71a*
    rec. 26. November 1934 (Camden, New Jersey) RCA Victor M-265
    Antonín Dvorák - Symphonie Nr. 9
    rec. 10. & 12. Dezember 1947 (New York) RCA Victor M-1248


    His Symphony Orchestra
    *Philadelphia Orchestra
    Dirigent: Leopold Stokowski


    Eine zusammengewürfelte Auswahl an Stokowski-Einspielungen, wie ich meine, was jedoch nicht gegen deren künstlerische Qualitäten spricht. Die Nußknacker-Suite stammt aus dem Jahre 1934 und ist hier komplett vorhanden (im Gegensatz zu den Auszügen in der Stokowski-Box), die beiden anderen sind 1947 in New York entstanden.


    Was man hört, ist astrein: sämtliche Schellacks müssen von exzellenter Qualität gewesen sein, die Überspielungen sind hervorragend realisiert und gepitcht worden, das Remastering wurde sorgfältig ausgeführt. Kein Knistern, kein Knacken, selbst das Hintergrundrauschen ist nicht mehr erfaßbar über Boxen; nur in leisen Stellen (Dvoráks 9., II. Satz) merkt man mal an 1-2 Stellen einen Hauch von klanglichen Störgeräuschen. Der Klang hat durchgängig richtig Körper: einen guten Baß, klasse Mitten und saubere Höhen, die Dynamik kommt super herüber. In der Hinsicht sind diese Aufnahmen exzellent aufbereitet worden.


    Michael Dutton hat jedoch eine Klangphilosophie, der man zugeneigt sein muß: er läßt die Aufnahmen nicht so, wie sie sind, sondern legt ihnen eine spezielle Klangästhetik zugrunde. Generell wirkt das Signal eine ganz leichte Spur blechern, als käme es aus einem Schalltrichter, und es ist ein ganz leichter Hall zugemischt worden, der sogar etwas gegenphasig wirkt. Ich kann nicht sagen, ob es wirklich von einem Trichter abgenommen oder virtuell erzeugt wurde - ich attestiere aber Dutton, genug Geschmack zu haben, daß man sehr gut damit leben kann. Allen Aufnahmen ist es gut bekommen, so gepimpt zu werden - so frisch und frei hört man selten solche Aufnahmen.


    Das Booklet schwafelt über zwei Seiten hinweg von Stokowski und den Aufnahmen (in Englisch), die Rückseite zeigt andere Titel aus dem Dutton-Katalog. Die Stars der CD sind eindeutig die sehr guten Interpretationen und das brillante Remastering. Beides kann ich wärmstens empfehlen...
    :thumbup: :thumbup: :thumbup: :thumbup:



    jd :wink:

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    Jean Paul


  • Mendelssohn
    Famous Recordings
    (C) 2008 Dutton CDBP 9781 [65:42]
    remastered by Michael Dutton
    EAN: 765387978129


    Symphonie Nr. 4 op. 90
    The Hallé Orchestra
    D: Hamilton Harty
    rec. 10. April 1931 (Central Hall Westminster, London) Columbia M-167


    Klavierkonzert Nr. 1 op. 25
    Ania Dorfmann (Klavier)
    The London Symphony Orchestra
    D: Walter Goehr
    rec. 01. November 1938 (Abbey Road, London) Columbia X-124


    Symphonie Nr. 5 op. 107
    L'Orchestre de la Société du Conservatoire de Paris
    D: Charles Münch
    rec. 29. September - 02. Oktober 1947 (Kingsway Hall, London) Decca K 1715/8


    Hier sind drei Aufnahmen, die aus verschiedenen Jahren der elektrischen Ära stammen: die 4. unter Harty steht für die Frühzeit, als die Technik bereits routiniert gehandhabt wurde, aber noch Luft nach oben hatte; Dorfmann/Goehr steht für die Mitte, die deutliche Klangverbesserung zeigt; Münch mit der 5. befindet sich am Ende, nachdem weitere Klangverbesserungen den Punkt erreicht hatten, den die Schellackplatten zur letzten Reife brachten, bevor sie durch die LP ersetzt wurden.


    Wie bei obiger Stokowski-CD ist auch hier die Basis exzellent gegeben: sehr gut erhaltene Schellacks, fabelhaft überspielt und gepitcht, Nebengeräusche wie Knistern komplett entfernt, das Hintergrundrauschen reduziert. Der Klang äußert sich in guter Baßwiedergabe, deutlichen Mitten und stabilen Höhen; dabei kann man sogar gut die klanglichen Verbesserungen nachvollziehen, die sich zumeist in mehr Räumlichkeit und größerem Frequenzraum zeigen. Aber für alle Aufnahmen gilt, daß sie optimal behandelt wurden. Einschließlich der Tatsache, daß Dutton ein bißchen nachgepimpt hat... ;)


    Für diese CD ist eine Empfehlung ebenso Pflicht, zumal Münch sonst nicht auf CD greifbar ist.
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    Kritik: Musicweb International



    jd :wink:

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  • Arthur Nikisch Conducts Beethoven
    (C) 2008 Dutton CDBP 9784 [74:45]
    remastered by Michael Dutton
    EAN: 765387978426


    Ludwig van Beethoven
    Egmont-Ouvertüre
    rec. 25. Juni 1913 (HMV D.814)
    Symphonie Nr. 5*
    rec. 10. November 1913 (Grammophon 040784/91)
    Carl Maria von Weber
    Der Freischütz - Ouvertüre
    rec. 21. Juni 1914 (HMV D.817)
    Oberon - Ouvertüre
    rec. 21. Juni 1914 (HMV D.818)
    Wolfgang Amadeus Mozart
    Le Nozze di Figaro - Ouvertüre
    rec. 21. Juni 1914 (HMV D.815a)
    Franz Liszt
    Ungarische Rhapsodie Nr. 1
    rec. 21. Juni 1914 & 25. Juni 1913 (HMV D.816, D.815b)°


    London Symphony Orchestra
    *Berliner Philharmoniker
    Dirigent: Arthur Nikisch


    Auf dieser CD befinden sich sämtliche Aufnahmen, die Arthur Nikisch vor Beginn des Ersten Weltkriegs veröffentlicht hatte. Im Juni 1913 nahm er für His Master's Voice mit dem LSO die Egmont-Ouvertüre, Webers Oberon-Ouvertüre und Liszts Ungarische Rhapsodie Nr. 1 auf, wovon aber nur der Beethoven erschien; zwölf Monate darauf wiederholte er die Aufnahmen für Weber und Liszt, und zusätzlich wurden noch Mozarts Figaro-Ouvertüre sowie Webers Freischütz-Ouvertüre aufgezeichnet. Auf insgesamt fünf Schellacks kamen die Aufnahmen schließlich heraus. - Beethovens 5. war die einzige Aufnahme, die Nikisch für die (Deutsche) Grammophon vor dem Krieg machte (es sollten 1920 noch zwei weitere Aufnahmen folgen). Im Februar 1914 erschien sie auf acht einseitig gepreßte Schellacks.


    Alle achtzehn Seiten haben auf der CD ihren Platz gefunden. Die Schellacks sind in mindestens gutem Zustand gewesen und wurden so gut wie möglich überspielt. Das Pitching ist gut gelungen. Das Knistern wurde komplett entfernt und das Hintergrundrauschen wurde deutlich reduziert; dennoch sind gröbere Knackser noch erahnbar geblieben, und grobe Laufgeräusche sind ebenfalls zu erhaschen. Der Klang der Schellacks ist gleichmäßig: magerer Baß, klare Mitten und wenig präsente Höhen in mittlerer Dynamik. Hier hat Dutton sehr stark am Signal geschraubt, um die Nebengeräusche wegzubekommen.


    Dazu Duttons Klangphilosophie: auch hier sind der Trichter-Sound und der Hall erkennbar, sogar noch stärker als bei den elektrischen Aufnahmen. Und hier muß ich gestehen, daß Dutton vielleicht doch zuweit gegangen ist. Die Stücke wirken grundsätzlich sehr blechern und durchdringend und wirken dank des Halls auch verfremdet. Bei akustischen Aufnahmen empfinde ich es grundsätzlich besser, das Signal ästhetisch so zu lassen, wie es die Schellacks wiedergeben, wobei Knackserentfernung und Rauschunterdrückung im gebotenem Maße immer willkommen sind. Dadurch wirken sie direkter, unmittelbarer - bei Dutton dagegen wirken sie entfernt. Dabei hat er nicht mehr dazugefügt als bei den obigen elektrischen Aufnahmen.


    Aber das ist eine rein ästhetische Frage, ein Geschmacksurteil.


    Dennoch ist das Paket nicht zu verachten, zumal handwerklich alles vorbildlich realisiert wurde. Wer sich an der Klangästhetik nicht stört, kann sich eine tolle CD zulegen.
    :thumbup: :thumbup: :thumbup: :thumbup:


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    °Seite 3 der Ungarischen Rhapsodie deutet darauf hin, daß sie nicht aus der Session von 1914 stammen kann, weil sich der Klangcharakter der Instrumente verändert. Dennoch wurde aber diese Matrize verwendet.



    jd :wink:

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    Hudebux

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