Die Besten: Der Capricci liebste Radiosender für klassische Musik.

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  • Man mag es kaum glauben, dass es Menschen gibt, die über Jahre ohne Radio leben! So ist es mir in den vergangenen Jahren passiert. Neun Jahre lebte ich ohne Radioempfang — für viele vielleicht kaum vorstellbar. Ich lebte an einem Ort ohne Empfang, selbst Messung eines großen Radiosenders bestätigten mir: Keine Chance auf Empfang. Der Messwagen des Senders, der vor Jahren vor meinem Haus stand und seine 12 Meter-Antenne aus dem Dach schob, brachte kein anderes Ergebnis als: Kein Empfang! (empfangstechnisch totale Pampa!)


    Ja, das gibt es in unserer hochtechnisierten Welt. So lebte ich ausschließlich aus der Konserve: CDs und Platten stillten meinen Hunger nach klassischer Musik (und natürlich das eigene Musizieren).
    Jetzt lebe ich höher, nicht auf einem Berg, aber dennoch hoch genug, dass nun plötzlich zahlreiche Radioempfangsmöglichkeiten für klassische Musik zur Verfügung stehen: Satellit, DAB und konventionelle Antenne.


    Es gab hier schon einen Thread der dieses Thema berührte: „Internet-Radio - welche Klassiksender sind empfehlenswert?“. Übers Internet mochte ich nicht hören, da ich nicht weiß, wie ich meine Stereoanlage und den Computer verknüpfen kann (Außerdem stehen diese viel zu weit auseinander). Und auch das komprimierte Format, dass aus dem Netz kommt war mir, ehrlich gesagt, nicht gut genug.


    Und im Sinne eines „Updates“ möchte ich eure Erfahrungen hier neu bündeln, da der oben genannte Thread doch auch schon recht betagt ist und hier in die Runde fragen, welcher Sender mit Schwerpunkt Klassik Euch am meisten zusagt und welche man am besten außen vor lässt.
    Gibt es Sender, die verschiedene Schwerpunkte haben? Z.B. Alte Musik, Zeitgenössisches etc.
    Welchen Sender hört ihr am liebsten, gibt es Sendungen eurer Lieblingssender, die man unbedingt hören sollte?
    Der Schwerpunkt sollte aber, wenn es euch nicht stört, auf „konventionellem“ Empfang liegen.


    Freu mich auf Eure Resonanz
    corda vuota

  • Erstaunlich, dass du so lange unter Radiolosigkeit gelitten hast, ich höre eigentlich kaum Radio (und wenn dann nur per Internet), wahrscheinlich bin ich kindlich geprägt, dass das Radio nur Mist bringt, weil ich früher immer das Pop-Gedudel bei meinem Eltern hören musste.
    Außerdem habe ich das Gefühl im Klassik-Radio würde viel nur auszugsweise gespielt, was ich generell nicht mag.

    "Allwissende! Urweltweise!
    Erda! Erda! Ewiges Weib!"

  • Vor einigen Jahren habe ich noch sehr viel WDR 3 gehört, aber Programmreform für Programmreform wurden da nach und nach alle Sendungen gestrichen, die mir gefallen haben. Regelmäßig höre ich jetzt dort nur noch die Vesper am Samstag ab 18.05 Uhr und sonntags die geistliche Musik von 9.05 Uhr bis 10.00 Uhr. Da kommt auch immer eine zum jeweiligen Sonntag passende Bach-Kantate.


    Sehr gerne höre ich sonntags ab 15.05 Uhr beim Deutschlandradio Kultur die zweistündige Sendung Interpretationen.


    "http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/interpretationen/


    Gruß, Carola

    Vom Schlechten kann man nie zu wenig und das Gute nie zu oft lesen. Arthur Schopenhauer

  • Ich höre regelmäßig Sendungen von SWR2, hr2 und WDR3 - ähnlich wie beim Fernsehen zeichne ich die Sendungen auf und höre sie, wenn mir danach ist. Neben aktuellen Konzerten (nicht zuletzt mit neuer Musik), die alle drei Sender bieten, dem ARD-Nachtkonzert, das ich nach interessanten Stücken durchkämme, die ich dann brenne, sind es bei hr2 der CD-Tipp, der täglich außer am Wochenende gesendet wird, beim SWR2 die Musikstunde (Mo.-Fr.) und das musikalische Quartett am Mittwochabend, beim WDR3 die samstäglichen "Variationen", die ich empfehlen kann. Die "Musikstunde" hat mir u.a. einen schönen Fünfteiler über Flotow, über Debussy und letztens über Schikaneder beschert, die Manuskripte kann man sich ausdrucken. Beim "Musikalischen Quartett" fesselte mich eine vergleichende Besprechung von Schuberts "Winterreise", und beim CD-Tipp hole ich mir die aktuellen CD-Empfehlungen ... und auf die kann ich mich in der Regel verlassen.


    Liebe Grüße Peter

    .
    Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
    (Hermann Bahr)

  • "Radio Stephansdom" ist leider nur in Wien und Umgebung zu hören, wird von der Erzdiözese betrieben, ist aber keineswegs aufdringlich katholisch, sondern ein echter Klassiksender, bei dem man oft Raritäten hören kann.


    In Ungarn und in Grenznähe lausche ich gerne "Bartok Radio". Nebem Gängigem kann, wer da möchte, außerhalb der Hauptsendezeiten auch viel Barockes hören. Außerdem gibt es fachliche Erläuterungen und Künstlergespräche, von denen ich natürlich mit meinen spärlichen Ungarischkenntnissen meist nicht viel mitbekomme, aber manchmal schnappe ich doch einige interessante Häppchen auf. Übrigens werden zur Eigenwerbung viele internationale Berühmtheiten eingespannt, keineswegs nur Magyaren. Der Sender ist also ziemlich bekannt.

    ______________________


    Homo sum, ergo inscius.

  • Ich höre nur sehr selten Radio. Das war vor etlichen Monaten auch mal mehr, aber ich bin mit meinen CDs vollauf zufrieden. Zusätzlich höre ich dann Werke bzw. Aufnahmen, die mich interessieren, auf Spotify. Und wenn ich mal Radio hören sollte, dann NDR Kultur oder Kulturradio vom RBB.


    :wink:

  • Heute Abend habe ich mich hingesetzt und versuche mir eine Senderliste der Klassiksender, die ich hier empfangen kann zu erstellen. Gerade blieb ich bei BR Klassik hängen. Kammermusik: Zur Zeit läuft Alberto Ginastera: "Pampeana Nr. 2" mit Gerhard Zank, Violoncello und Donald Sulzen, Klavier. :thumbup:


    corda vuota

  • Ich lebe im NDR-Gebiet und musste den Umbau von NDR3 zu einem Abspielautomaten für synthetische Klangschnipsel miterleben.
    Mann, was haben wir damals geflucht, wenn Uwe Röhl wieder die ganze Vormittagssendung mit einer Bruckner-Sinfonie "verstopfte".
    Wie gerne hätte ich ihn zurück! Heute werden 2-Minuten-Häppchen abgenudelt und durch grenzdebile Sabbelprofis anmoderiert, die auch schon mal ein "Gewandhausorchester Amsterdam" zu hören glauben.
    Ich bekomme über Kabel zum Glück WDR3. Ein guter, solider Sender - noch!
    Sicher liegt die Zukunft im Web-Radio. Aber derzeit machen einfach die etablierten gut finanzierten Sender, die sich im Gegensatz zum NDR noch eine Kulturwelle leisten, ein besseres Programm als die vielen freien Stationen.
    Abwarten und Live-Musik hören!

    Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere.

  • Ich höre eigendlich nur noch im Auto Radio.
    Und dann ist es bei mir der DLF und WDR5, der meistens an ist (weniger wegen Musik, sondern wegen der Wortbeiträge) und für KLASSIK natürlich unser guter alter WDR3 oder etwas südlich auch der SWF2.


    Zuhause habe ich über meinen digitalen SAT-Receiver TECHNISAT eigendlich alle deutschen Klassiksender in guter Klangqualität zur Verfügung. Der BR4 is auch ausgezeichnet ! Wenn man wollte könnte man den ganzen Tag bei den Klassiksendern (ich schätze so um die 50Stück) wellenbummeln. Aber ich nutze diesen Vorteil eigendlich so gut wie gar nicht. Leider kann man oft Klassiksendungen nicht mit dem MD-Recorder digital mitschneiden. Da ist eine digitale Sperre eingebaut ! Grund:Der Hörer soll die Werke kaufen ! Das ist mir zuletzt vor zwei Jahren aufgefallen(da sieht man wie oft ich das brauche), als ich ein LIVE-Konzert aus der Berliner PH mitschneiden wollte.
    Aber nicht so schlimm, denn was soll man bei der eigenen CD-Auswahl auch noch gross aufnehmen ? Die Zeiten als meine Bandmaschine noch fast täglich Aufnahmen aus dem Radio machte sind lange lange vorbei.


    :thumbup: Ich nehme dann heutzutage lieber Klassiksendungen und Konzerte mit Bild aus dem TV auf Festplatte auf und archiviere diese ggf auf DVD, wenn diese auf Dauer interessant sind:
    *** Dazu gehören Silvester- und Neujahrskonzerte aus Südamerika mit Gustavo Dudamel u.a. - ja, da geht die Post ab bei den Lateinamerikanern.
    *** Die TV-Konzerte aus der Waldbühne Berlin sind ebenfalls ein fester Bestandteil meiner Videoaufnahmetätigkeiten geworden.


    Zudem wird im TV ein fabelhafter DTS-5.1 Surround-Raumklang geboten, von dem so manche Radioübertragung nur träumen kann - und dann ist das im Digitalradio noch für Digitalaufahmen gesperrt - so ein Hohn !

    ______________


    Gruß aus Bonn


    Wolfgang

  • Ich kann Peter Brixius nur voll zustimmen, die gleichen Sender höre ich auch,
    dazu kommen evtl noch Deutschlandfunk Kultur, NDR2 SR2, BR Kultur, Kulturradio ,MDR Kultur


    Hör zu und Gong sind übrigens die einzigen TV-Zeitungen die noch ein Radioprogramm haben


    Von der Musikstunde habe ich auch 5Teiler (manchmal nur einige davon)
    über:
    Nicolai
    Hindemith
    Sweelink
    Poulenc
    Berlioz
    Fields
    Glasunow
    Friederich d G
    Grainger
    Kagel
    Liszt
    Rachmaninow
    Neudeutsche Schule
    Pleyel
    Schubert
    Vivaldi
    Es gibt schon eine Menge toller und interessanter Sendungen
    zB hat Paul Bartholomae auch mal den Sonatenhauptsatz wunderschön erklärt an der Sonata facile im Original und der Version von Georg Kreisler
    Radio hören lohnt sich wirklich

    Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum (Nietzsche)
    In der Tat spuckte ... der teuflische Blechtrichter nun alsbald jene Mischung von Bronchialschleim und zerkautem Gummi aus, welchen die Besitzer von Grammophonen und Abonnenten von Radios übereingekommen sind Musik zu nennen (H Hesse)
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    Im übrigen bin ich der Meinung, dass immer Sommerzeit sein sollte (gerade im Winter)

  • beim SWR2 die Musikstunde (Mo.-Fr.) und das musikalische Quartett am Mittwochabend,


    ... nicht zu vergessen "Neues vom Klassikmarkt", samstags 15:05 - 16:00 Uhr.


    Gruß
    MB


    :wink:

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Als langjähriger Radiohörer fasziniert mich das Medium Rundfunk nach wie vor.


    Hier meine Sender-Favoriten:


    • BR Klassik: Hier vor allem "Klassik plus", die Sendestrecke samstags ab 21:03 h. Sie bringt in regelmäßigen Abständen "Interpretationen im Vergleich", zuletzt Donizettis "L' Elisir d' Amore". Aber auch das sonntägliche "Musikrätsel" ab ca. 09:10 h. Wer am Sonntagmorgen zum Frühstück nicht einfach nur Musik hören, sondern auch noch geistigen Frühsport betreiben möchte, ist hier genau richtig. Außerdem winken interessante CD- bzw. Buchpreise. Des weiteren die werktägliche Sendestrecke "Cantabile" ab 14:05 h. Hier gab es unlängst ein Porträit zum 85. Geburtstag der von mir geschätzten Sopranistin Ingrid Bjoner.
    • SWR2: Auch ich schätze die bereits genannte Reihe "Das musikalische Quartett" - Musik kommentiert als Interpretationsvergleich: das ist die Idee dieser Sendestrecke. Das Spechen über Interpretation, das vergleichende Hören, das kritische Einschätzen wird so für mich zu einer unterhaltsamen "Hör-Schule". Hier stand kürzlich Beethovens 7. Sinfonie im Mittelpunkt der Raterunde (i.d.R. bestehend aus S. Stähr, K.-D. Gräwe u. U. Schweikert), die von Rainer Damm kompetent und kurzweilig moderiert wird.
    • ORF (Ö1): "Apropos Musik", werktäglich ab 15:05 h. Hier interessiert mich vor allem dienstags die von Gottfried Cervenka moderierte Sendung, die ganz dem historischen Operngesang gewidmet ist und oft Raritäten aus Rundfunkarchiven enthält. Immer wieder erstaunlich, was Stimmenkenner Cervenka da zutage fördert. Für mich faszinierend die kürzlich gesendete 100-jährige Interpretationsgeschichte "La Forza del Destino".

    Oft dienen die Mitschnitte der Sendungen dann als willkommene Diskussionsgrundlage für die nahezu wöchentlich bei mir stattfindenden Abende mit meinen Musikfreunden.


    :wink: lysiart

  • Seit einigen Tagen höre ich den kanadischen Sender Ancient FM:


    "http://ancientfm.com"


    Wie der Name vermuten lässt, besteht das Programm vor allem aus Alter Musik. Gefällt mir sehr gut.


    Gefunden habe ich den Sender über das folgende Portal:


    "radio.de"


    Dort finden sich jede Menge "klassischer Sender"


    :wink: :wink:


    Christian

    Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

    Cato der Ältere

  • Ich höre nur sehr selten Radio, denn es gibt zumindest in Deutschland kaum nennenswerte Sender. Als ich noch viel mit dem Auto auf Reisen war habe ich meistens Wortbeiträge gehört (z.B. DLF). Musik eher selten. Doch wenn ich im Sendegebiet von HR2 oder SWR2 unterwegs war, auch diese Sender. Bayern 4 nur noch mit Einschränkung, wenn gerade nichts anderes da war. NDR Kultur, den wir hier in Hamburg empfangen ist grauenvoll (s. Post von Alberich). Wie man so neues Publikum für klassische Musik begeistern will ist mir ein Rätsel, denn wenn die mal in ein Konzert gehen wundern sie sich, das eine Sinfonie von Beethoven 4 Sätze hat. Im Radio wird ja immer nur einer gespielt, und zwar entweder der 1. oder der 4. (natürlich nur wenn er nicht länger als 5 Minuten dauert, denn das scheint die Obergrenze des Zumutbaren zu sein. Bei der letzten "Last Night of the Proms" hat Phillip Schmid vom NDR moderiert, den man auch morgens ertragen muß. Ich hätte am liebsten die Moderation ausgeblendet, so schlimm war das. Selig die Zeiten, wo das noch Rolf Seelmann-Eggebert gemacht hat.
    Ich werde mich demnächst mal etwas intensiver mit dem Internet Radio beschäftigen, welches ich bereits über meinen Fernseher empfangen kann. Leider nicht BBC 4, denn das ist ein ausgezeichneter Sender.


    Peter

    "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)

  • Mich hat das Radio deutlich geprägt, besonders der SFB 3.
    Später auch der SWR, aber nach all den Programmneuordnungen ist mir eine Identifizierung wirklich abhanden gekommen.
    Wenn ich heute Radio noch verteidige, dann aus Nostalgie.
    Noch dazu ist es schwer, im deutschen Rundfunk, podcasts zu nutzen, da gerade Konzertmitschnitte oft nicht zugänglich sind.


    Eine ganz deutlich ausgesprochene Kritik an deutsche Rundfunkanstalten, nicht nur das Programm zunehmend dem mainstream angepasst zu haben, aber neue Wege nicht einzuschlagen. Und das bei den finanziellen Mitteln, die ihm zur Verfügung stehen!
    Der SFB hatte nicht nur Themenabende, sondern ganze Themenjahre, in denen chronologisch die Geschichte der Oper aufgearbeitet und hörbar gemacht wurde.
    Heute scheint es um das "schnelle Hören" zu gehen.
    Weniger komfortabel finanzierte Sender bieten weitaus mehr Service, siehe den niederländichen Rundfunk, den österreichischen, den französischen, den belgischen...
    selbst russischer Rundfunk bietet Konzerte zum Nachhören an, sowohl als Video als auch rein akustisch.


    Inzwischen habe ich mich dazu entschieden, den deutschen Rundfunk nicht mehr zu nutzen und zahle auch keine GEZ mehr.
    Was ich sehen/ hören möchte, sehe ich auf Arbeit, zusammen mit den Bewohnern der Demenz- WG und dort ist GEZ bezahlt, ich zahle anteilig mit.


    Wahrscheinlich werde ich irgendwann als Krimineller abgeführt und ins Gefängnis gesteckt, weil ich nicht willens bin, für etwas zu zahlen, das ich nicht nutze.
    Dann sei es so.
    Solange aber ein "Tatort" tagsüber über die Mediathek nicht zugänglich ist, ich ihn nicht sehen kann wann ich mag und kann, zahle ich auch nicht dafür.


    Ist ein anderes Thema, sorry. Radio hatte für mich viel Gewinnbringendes von Kindesbeinen an und hat davon nur noch ganz wenig heute.
    Was nicht allein daran liegt, dass ich nicht mehr auf Kindesbeinen stehe.
    Was mir fehlt, ist dieser Bildungsauftrag, der einst immanent war, heute aber zu Gunsten von Seifenopern geopfert wird und Millarden für die Übertragung von Fußballspielen gezahlt werden. Markt und Wirtschaft: ja, natürlich. Aber nicht über Zwangsbeiträge, selbst wenn ich bereit bin zu zahlen für geleistete Dienste.
    Angebot und Nachfrage entscheiden dort- oder aber eben dieser Bildungsauftrag, dem die Radiosender einst auch nachkamen.
    Einst.
    Das wünsche ich mir eigentlich wieder: eine Radiosendung, die über Jahre an einem Thema bleibt und mich somit bindet und fesselt.
    Unbequemes wie philosophische Nächte zu Themen wie zur Kunst des Scheiterns.
    Wohin ist das alles? Untergegangen im finanziellen Polster, sich nicht mehr bewegen zu müssen?
    So wirkt es, ist es aber auch so? Hören wir denn über Jahre einem Thema zu und begrüßen unbequeme Themen?
    Ich weiß es nicht, ich kann nur für mich sprechen: mir fehlt diese Art, Radio zu machen!
    Uns als Zuhörer sehe ich aber doch als Teil des Verlusts.
    Gutes Radio bedingt eine zugewandte und mittragende Hörerschaft, ein entsprechendes Publikum.


    Mein Vorschlag ist das Suchen eines Dialogs. Zeitschriften wie "Der Spiegel" gingen das an und nahmen Vorschläge auf- wieso nicht Rundfunkanstalten?
    Zu satt gefüttert...sorry, sehe ich so.


    Kopfkratzend fragend herzlich,
    Mike

    "Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst." Voltaire

  • Inzwischen habe ich mich dazu entschieden, den deutschen Rundfunk nicht mehr zu nutzen und zahle auch keine GEZ mehr.

    Und einen Fernseher hast du auch nicht?



    jd ?(

    "Interpretation ist mein Gemüse."
    Hudebux

    "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
    Jean Paul

  • Doch doch, nur weder am Kabel, noch an einer Schüssel, sondern direkt am PC.
    Filme von der Festplatte, youtube etc. geht ja auch.


    Herzliche Grüße,
    Mike

    "Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst." Voltaire

  • Ich fürchte, die Raubritter werden Dich bluten lassen, denen entrinnt auf Dauer keiner (außer der Gruppe der Gebührenbefreiten, zu der Du dich wahrscheinlich nicht zählen darfst).

    Ins Gebüsch verliert sich sein Pfad, hinter ihm schlagen die Sträuche zusammen.

  • Ja, dessen bin ich mir bewusst. Und ginge auch in den Knast für diese Überzeugung, nicht zu bezahlen, was ich nicht nutze.
    Sehe einen Unterschied zum Solidarprinzip bei Krankenkasse etc., Rundfunk und Fernsehen sind aus meiner Sicht dem Markt unterworfen und darum anders zu bewerten als eben mit Sozialbeiträgen zu finanzieren. Wie war das doch? 130 Millionen für Fußballspielübertragungen?
    Als "Moralkeule" zu nutzen, wäre ich mir auch nicht zu schade ins Feld zu führen, dass mit meiner Inhaftierung die Sicherstellung nächtlicher Betreuung von Demenzkranken gefährdet würde.
    Verhältnismäßigkeit einzufordern also.


    Wie gesagt: ich nutze ja Radio und Fernsehen! Nur eben legitim und legal an einem Ort, an dem der Beitrag abgegolten ist.
    Nutze den "Service" nicht an einem Ort, an dem ich die Abgeltung schuldig bleibe: Nichtnutzung legitim, aber dennoch zahlungspflichtig.
    Da es durch die Presse ging, dass die Gebühreneintreiber der GEZ auch Krallen an Autoreifen legen würden: zeig mir einen Altenpflegehelfer, der sich ein Auto leisten könnte. Pfänden ließe sich auch nichts von 1200 Euro brutto, also bliebe nur Inhaftierung.
    Nur zu!
    Beugehaft nennt sich das, versucht's mal bei mir.
    Leidensfähigkeit hat für mich andere Prioritäten als vier Wochen Knast.
    Und Beiträge einzufordern sollte unsere Regierung bei wirklich anderen Dingen und Werten, anders am Herzen liegend als am Rundfunk.
    Ein Beitrag für jeden, der seine Eltern nicht selbst pflegt, wäre angebrachter. Für ausreichend Windeln, für einen Rollstuhl, der den Bedürfnissen entspricht.
    Andere Beiträge für die, die selbst pflegen.


    Solche Quasi-Steuern wie Soli oder Rundfunkbeitrag sollten erhoben werden, unser Sozialgefüge zu erhalten, nicht jedoch für Beschallung.
    Damit würden wir Pfleger noch keinen Cent mehr verdienen, aber es ginge denen besser, die diese Gesellschaft aufgebaut haben, auch wenn sie sich dessen nicht erinnern.
    Für mich hat das eine mit dem anderen zu tun! Und ich kämpfe dafür, endlich wieder soziales Verhalten seitens der Politik als relevant zu betrachten. Dafür ginge ich ins Gefängnis.
    Oder/und weiter Nacht für Nacht arbeiten.


    Verzeiht den Ausflug in themenferne Bereiche, die ich aber doch nicht voneinander trennen kann.


    Herzliche Grüße,
    Mike

    "Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst." Voltaire

  • Ich weiß nicht, ob wir hier die grundsätzliche Berechtigung von Rundfunkgebühren erörtern müssen. Das endet aller Erfahrung nach in den Splittern.


    Wie war das doch? 130 Millionen für Fußballspielübertragungen?


    Bei aller berechtigten Kritik an den tatsächlichen oder vermeintlichen Klassiksendern der Öffentlich-Rechtlichen nachfolgend ein paar Fakten, um die 130 Mio. der ARD für die Rechte an erster und zweiter Bundesliga in Relation zu setzen: Der Löwenanteil der Gelder, die Rundfunkanstalten für klassische Musik ausgeben, landet nicht bei ein paar Redakteuren und der notwendigen technischen und sonstigen Ausstattung, sondern bei den Rundfunkorchestern und -chören. Der Bayerische Rundfunk - nur für den habe ich auf die Schnelle konkrete Zahlen gefunden - gibt allein für seine drei Klangkörper pro Jahr knapp 30 Mio. Euro aus. Das sind immerhin 25,9% des Etats der gesamten Hörfunkredaktion und 3,1% des Gesamtetats des BR (Quelle, dort S. 35). Wenn man das vorsichtig hochrechnet (vermutlich wendet der BR im Vergleich zu anderen Anstalten überproportional viel Geld für diesen Bereich aus), dann landen 2,5% (ca. 200 Mio.) des Gesamtetats aller ARD-Rundfunkanstalten bei den Klangkörpern. Hinzu kommt wohl noch einmal ein zweistelliger Millionenbetrag für sonstige Klassik-Aktivitäten der Sender - man denke daran, wieviele Festivals und Konzerte von den Rundfunkanstalten finanziert oder mitfinanziert werden: Donaueschingen, musica viva München, Wittener Tage für neue Kammermusik, Tage Alter Musik in Herne usw. usw. (allein beim kleinen Saarländischen Rundfunk gibt es zwei Festivals für Neue und Alte Musik).


    Die Rundfunkanstalten decken einen nicht unerheblichen Teil des klassischen Musiklebens in Deutschland ab. Ca. 2,5-3% des Gesamtetats der Sender für Klassik steht ein vermutlich winziger Bruchteil der Gebührenzahler gegenüber, die diese Klassik-Angebote nutzen. Ich habe den Eindruck, dass diese Zahlen von den Verantwortlichen meist unter der Decke gehalten werden, aus gutem Grund. Wer einmal (bei einem Artikel in der Bild-Zeitung über die SWR-Orchesterfusion) erlebt hat, welcher Volkszorn losbricht, wenn diese Ausgaben einer größeren Öffentlichkeit bekanntwerden, weiß eines: wenn die Rundfunkgebühren einmal, in welcher Weise auch immer, erheblich gekürzt oder gar abgeschafft werden sollten, sind die Investitionen in klassische Musik das erste, was bluten muss. Gegen die dann anstehenden Sparmaßnahmen wird die Affäre um die SWR-Orchesterfusion nur ein laues Lüftchen gewesen sein.


    Ich kann verstehen, dass man angesichts der Misere u.a. in der Kranken- und Altenpflege diese Investitionen in Klassik als unnötigen Luxus ansehen mag. Das gilt dann allerdings für alle öffentlichen Ausgaben für Kultur - und wie wenig es bringt, diese Bereiche gegeneinander auszuspielen, kann man inzwischen wissen.


    Ich jedenfalls bezahle meinen monatlichen Beitrag von 17,50 € freiwillig und ohne Murren - auch weil ich weiß, dass ungefähr 50 Cent davon bei Investitionen in klassische Musik landen. (Und ich gebe zu: Ich gucke heute abend auch die Sportschau...)



    Viele Grüße


    Bernd

    .