Die Elbphilharmonie - Groschengrab, Musentempel, Zukunftsvision... ?

  • Zitat

    Offenbar scheint die Faszination von Mega Events ungebrochen.

    Nun, wir leben in einer "Spaß-Gesellschaft", und so lange man die Hallen voll bekommt, wird man das auch machen. So lange man Geld in großen Mengen damit machen kann, wird es dieses Events geben. Ist denn ein Sinfonie-Konzert nicht auch schon ein solches Event?


    Im Jazz sehe ich, dass die Leute zur Zeit sehr gerne zu Veranstaltungen kommen, die mit guten Programmen in kleinerer Umgebung punkten können. Dabei ist wichtig, dass die Leute einen Bezug zur Musik an sich und auch zu den Mitwirkenden haben. Man erkennt an, dass hier noch LIVE gespielt wird. Dazu muss das Ambiente stimmen, und der Eintritt sich im Rahmen befinden.

    Viele Grüße sendet Maurice

    Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)

  • Naja... mit Olympischen Spielen wird keine Deutsche Stadt mehr wirklich Geld verdienen. Die einzigen, die verdienen, sind das IOC und einige Mega-Konzerne.
    Ich jedenfalls bin heilfroh, dass in München die Olympischen Spiele abgelehnt wurden.

    Lucius Travinius Potellus
    Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety. (B.Franklin)

  • zum Thema in der FAZ:


    "http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/millionengrab-elbphilharmonie-der-grosse-eisberg-ueber-der-stadt-13427408.html"

    ---
    Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
    (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


    Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
    (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).

  • Wurde ja auch mal Zeit, nicht wahr... :D


    Da die ersten Konzerte im neuen Jahr beginnen, einschließlich einer gigantischen Trötenanlage mit jeder Menge Pfeifen, ist dieser Schritt sehr zu begrüßen... :D :D :D



    jd ;)

    "Interpretation ist mein Gemüse."
    Hudebux

    "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
    Jean Paul

  • Das die hiesige CDU - Führung das Ereignis propagandamässig für sich nutzen möchte, weil der Startschuss ja unter dem Regiment von Ole von Beust gegeben wurde, ist hingegen eine ziemliche Unverfrorenheit. Dazu sind sie gestern extra mit einer Barkasse auf der Elbe herumgeschippert um zu zeigen, wie stolz sie auf das neue Haus sind. Das Konzerthaus ist und bleibt jedoch ein Ärgernis, und die vollkommen aberwitzigen Baukosten sind angesichts steigender Armut in der Stadt und einem Schuldenberg von 30 Milliarden € einfach nur obszön. Die dafür verantwortlichen möchten sich jetzt auch noch dafür feiern lassen, und behaupten frech, dass ja jeder eingesetzte Euro wieder zurückkommt. Da durch die Eintrittspreise keine adäquate Rückführung der Investitionssumme erfolgen kann (dann müssten sie nämlich viel höher sein), ist das ein Ding der Unmöglichkeit.


    Auch wenn ich zu den Nutzniessern der neuen Konzerthalle gehöre, so ist sie doch ein Ausdruck von Politikerwillkür und Größenwahn, der bei den hier regierenden allenthalben zu beobachten ist. Hamburg soll unbedingt in der ersten Liga der Weltstädte mitspielen, und darum braucht es auch nach deren Verständnis eines der weltbesten Konzerthäuser. Das dient aber nur einem kleinen Teil von kunstbeflissenen Bürgern und vor allem Touristen. Nicht aber der Masse der Bevölkerung. Die dürfen nun den schönen Blick von der Plaza geniessen. Im Film "Radio Days" von Woody Allen gibt es eine Szene in der ein Mitglied der dort portraitierten Familie am Silvesterabend sagt: "Es gibt die welche Champagner trinken, und die welche ihnen dabei zusehen".


    Peter

    "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)

  • Das Konzerthaus ist und bleibt jedoch ein Ärgernis, und die vollkommen aberwitzigen Baukosten sind angesichts steigender Armut in der Stadt und einem Schuldenberg von 30 Milliarden € einfach nur obszön.

    Ohne Frage: was vorher an Dramen ablief, war schon weit über die Schmerzgrenze, und die Parasiten (die es ganz gewiß gegeben hat, auch wenn man sie wohl nie festnageln kann) haben ihren Schnitt gemacht.

    Auch wenn ich zu den Nutzniessern der neuen Konzerthalle gehöre,

    Jetzt, wo die EP nun mal da ist, dann sollte man sie auch nutzen. Denn irgendwann kommt die nächste Katastrophe...


    Ich tippe mal auf Insolvenz der Betreiberfirma; mal sehen, ob ich in der Hinsicht das zweite Gesicht habe... :D :D :D


    Also, Leute: geht in den Laden, damit ihr noch was davon habt... :saint:



    jd :ironie1:

    "Interpretation ist mein Gemüse."
    Hudebux

    "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
    Jean Paul

  • Ich tippe mal auf Insolvenz der Betreiberfirma

    Das wird nicht passieren, denn die Konzerthalle gehört der Stadt Hamburg. Allerdings könnten die Betriebskosten noch zu einem Problem für den Kulturetat der Stadt werden.
    Aber wie auch immer


    Jetzt, wo die EP nun mal da ist, dann sollte man sie auch nutzen

    Mach ich auch. Für 2017 habe ich bereits 3 Konzerte gebucht. Mehr war nicht drin, aber viel mehr hat mich auch nicht interessiert.


    Peter

    "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)

  • Das Thema interessiert mich nun nicht so brennend und persönlich werde ich sicher auch nicht weit über 500 Kilometer nach Hamburg zurücklegen, nur um ein Konzert in der Elb-Philharmonie zu besuchen.


    Den Meinungen bislang in diesem Faden habe ich nichts dagegenzusetzen oder hinzuzufügen.


    Oder doch? Heute fand sich ein längerer Artikel in unserer Tageszeitung. Demzufolge fehlen Parkplätze en masse, die Anbindung an den öffentlichen Verkehr erscheint problematisch und wegen unter anderem zu weniger Aufzüge müsse man sich rechtzeitig auf den Weg machen - oder die Veranstaltungen würden kaum je pünktlich beginnen können.


    :wink: Wolfgang

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • In Hamburg kommt man mit dem Schiff und wird dann, wie es sich für die Speicherstadt gehört, mit ner Winde ins Gebäude gehievt. :thumbup:

    Ich bin jahrelang mit den schönsten Frauen in meinen Träumen eingeschlafen, bis ich eines Nachts von der Karibik träumte. Da wusste ich, nun bin ich alt. Die Frauen sind aus meinen Träumen verschwunden. (Die Invasion der Barbaren)

  • Ganz genau, und das zur Musik von Bach's Kantate "Geschwinde geschwinde ich brauch noch die Winde" :D

    "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)

  • Heute fand sich ein längerer Artikel in unserer Tageszeitung. Demzufolge fehlen Parkplätze en masse, die Anbindung an den öffentlichen Verkehr erscheint problematisch und wegen unter anderem zu weniger Aufzüge müsse man sich rechtzeitig auf den Weg machen - oder die Veranstaltungen würden kaum je pünktlich beginnen können.

    Wie schrecklich, das klingt nach Stress pur! Vielleicht gibt es wenigstens Treppen?

    Für 2017 habe ich bereits 3 Konzerte gebucht.

    Sehr mutig angesichts der obigen drei Stresspunkte 8o ! Vielleicht berichtest Du zu gegebener Zeit über Dein Elbphilharmonie-Survivaltraining :D .


    Ahoi!

  • "Geschwinde geschwinde ich brauch noch die Winde"

    :megalol:

    "Interpretation ist mein Gemüse."
    Hudebux

    "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
    Jean Paul

  • :megalol:

    Bach war ja auch mal in Hamburg, hatte er dort nicht ein Vorstellungsgespräch? Daher wußte er vermutlich, was er da in Töne setzte.


    :tee1:

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • In Hamburg kommt man mit dem Schiff und wird dann, wie es sich für die Speicherstadt gehört, mit ner Winde ins Gebäude gehievt.

    Genau. Und als echter Hanseat redet man auch nicht über das bisschen Geld. Schade um die Zeit.


    Gruß
    MB


    :wink:

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Ich war noch nicht drin und werde wahrscheinlich auch nächstes Jahr erst dann reingehen, wenn sich der erste Rummel gelegt hat.


    Doch nach allem was ich bisher von Leuten weiß, die es wissen müssen, ist mein jahrelanges Geunke, dass es ein Riesenproblem geben werde, widerlegt: Ich war sicher, dass der Bau nicht wirksam gegen den von außen kommenden Schall isoliert werden könnte, weil er auf einem riesigen Resonanzkörper - einem alten hohlen Backsteinquader - steht. Bei tieffrequentem Schall von Schiffsdieseln, Wind oder beidem zusammen musste da was ankommen (in der alten Musikhalle hört man jede U-Bahn, obwohl die mindestens 20m tiefer liegt und viel Sand dazwischen ist). Ist aber lange getestet worden und es kommt wirklich gar nichts im Raum an, der vollständig entkoppelt ist.


    Parkplätze dürften auch kein Problem werden, weil es in der Nähe große Parkhäuser gibt, die abends leer stehen. Bleibt das Problem der unzureichenden Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Es fährt zwar auch eine U-Bahn unten drunter durch, die liegt aber tief unter der Elbe, so dass es zur Überwindung des Höhenunterschieds bisher keine brauchbare technische Lösung gibt - und daher keine Haltestelle. Weil aber auch die Busanbindung mäßig ist, heißt das, ca. 1km zu Fuß von der U-Bahn-Station Baumwall - wird sicherlich dazu beitragen, dass man nicht sagen wird, das Publikum sei überaltert... :S

  • keine Haltestelle. Weil aber auch die Busanbindung mäßig ist, heißt das, ca. 1km zu Fuß von der U-Bahn-Station Baumwall -

    Dann gibt es eben einen Fähr-Shuttle ab Landungsbrücken, so wie bei den Grusicals. Aber schmuck sieht sie aus, weil glücklicherweise nicht von Teherani .

    Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Not really now not anymore" "But I am good. What the hell has gone wrong?"

  • und behaupten frech, dass ja jeder eingesetzte Euro wieder zurückkommt. Da durch die Eintrittspreise keine adäquate Rückführung der Investitionssumme erfolgen kann (dann müssten sie nämlich viel höher sein), ist das ein Ding der Unmöglichkeit.

    je nun: Geld kommt nicht nur über die Eintrittpreise rein...
    da gäbe es noch Hotel und Gastronomie (Miete...), Parkplätze... (letztere haben normalerweise einen Super-Deckungsbeitrag. Riesenumsatz bei ziemlich marginalen Kosten...)
    OK: wegen der krassen Fehlplanungen im Bau und den damit verbundenen Kosten auf absehbare Zeit vermutlich tatsächlich ein Groschengrab. 800 Mio + Betriebskosten wollen erst einmal verdient sein. Der Fairness halber sollte man dann aber solche Wirtschaftlichkeitsrechnungen auch bei Schwimmbädern, Sportplätzen, Straßen und anderen öffentlichen "Investitionen" (besser: Geldausgaben zugunsten der Gemeinschaft) anstellen. Die Aussage, daß das Geld irgenwie irgendwann zurückkommt, darf man dagegen gerne als politischen Gemeinplatz ohne Relevanz betrachten


    und 30 Mrd Schulden? Klingt nach viel. Gemessen an > 10 Mrd Einnahmen p.a. ist das aber weniger als die meisten privaten Häuslebauer haben, wenn man deren Schulden mit ihrem jährlichen Einkommen in Relation setzt..

    viele Grüße


    Bustopher



    Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buche?
    Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher, Heft D (399)

  • Das eine Konzerthalle wie andere öffentliche Einrichtungen auch, nicht kostendeckend arbeiten kann steht ausser Frage, und ist auch nicht das Problem. Bei normalen Baukosten von vielleicht der Hälfte der jetzt eingesetzten Summe ist das auch zu vertreten. Kritisch ist die enorme Kostenüberschreitung und der Umgang damit. Diejenigen welche das Schlamassel angerichtet haben versuchen die Geschichte zu verharmlosen. Das ist der Skandal.


    Natürlich muß man die Schulden der Gebietskörperschaften in Relation zu den Vermögen der Bevölkerung sehen. Aber meine Bank verlangt von mir die Rückzahlung eines Darlehens in einer angemessenen Zeit. Die öffentliche Hand zahlt aber in aller Regel keine Schulden zurück. Herr Schäuble und viele Stadtkämmerer mit ihm verbuchen es ja schon als Erfolg, wenn sie keine neuen Schulden mehr machen. Ein Betrieb, würde er so wirtschaften, wäre längst insolvent, oder bekäme keine Kredite mehr. Solange die Zinsen niedrig sind mag uns das nicht weiter beunruhigen. Aber die nachfolgende Generation hat das Nachsehen. Oder das Problem wird mit einer Währungsreform (besser: kollektive Enteignung) gelöst.
    Also: fleißig alles Geld ausgeben (für Konzerte und Tonträger z.B.), dann kann einem auch nichts mehr genommen werden. :D


    Peter

    "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)

  • Die öffentliche Hand zahlt aber in aller Regel keine Schulden zurück.

    Quatsch. Bundesanleihen, Schatzbriefe, Bundes- oder Kommunalobligationen und andere öffentliche Anleihen (OK ist heute gerade mal nicht rentabel, wie andere festverzinsliche Titel auch) wurden und werden nach Fristablauf zurückgezahlt, das weiß jeder schwäbische Sparer, sogar "mündelsicher", d.h. garantiert und ohne Risiko für den Kapitalgeber. Daß in der Vergangenheit die jährliche NEUverschuldung (Defizit genannt) üblicherweise höher war als die Tilgung der Altschulden steht auf einem anderen Blatt, bedeutet aber nicht, daß die Schulden nicht zurückgezahlt wurden/werden. Im Übrigen gibt es zu jeder Kreditaufnahme auch einen Gläubiger, und das sind im speziellen Fall üblicherweise Bürger dieses Landes, und viele Sparer (und nicht nur die "Reichen") haben da zumindest in der Vergangenheit nicht schlecht verdient. Ich kann mich noch gut daran erinnern, daß es mal auf Bundesobligationen mit 5 Jahren Laufzeit 8% gab... Das ist (oder war zumindest) gesamtwirtschaftlich Geld von der linken in die rechte Hosentasche - wir haben Steuern gezahlt, damit die öffentliche Hand die Zinsen zahlen konnte, die wir dann wieder auf dem Konto verbucht haben. Das mag blöde sein, aber um es abzustellen, müsste man öffentliche Kreditaufnahme verbieten. Dann müßte die öffentliche Hand allerdings u.U. größere Projekte ansparen - und das wäre sowohl von der Aufgabenerfüllung als auch volkswirtschaftlich gesehen ziemlicher Mumpitz. Macht auch keine Firma (die hat ihre Kreditlinie) und kein Privatmann - die wenigsten zahlen ihr Häuschen bar mit ihrem Ersparten, sondern nehmen eine Hypothek auf. Aber ich glaube diese Exkursion ist gerade etwas OT

    viele Grüße


    Bustopher



    Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buche?
    Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher, Heft D (399)

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!