Die Elbphilharmonie - Groschengrab, Musentempel, Zukunftsvision... ?

  • Na dann sollte die Stadt unbedingt die vielen Musicals subventionieren, denn die locken noch viel mehr Touristen an.

    Das eine Oper oder ein Konzerthaus eine sinnvolle Einrichtung sind wird von mir doch gar nicht bestritten. Aber nur weil an anderer Stelle noch mehr Geld versenkt wird ist das doch kein Alibi es gleich zu tun. Diese Art der Steuerverwendung trägt maßgeblich zur allgemeinen Politikerverdrossenheit bei. In manchen Stadtvierten geht mittlerweile gerade mal jeder 3. zur Wahl, wenn die Bürgerschaft oder ein Bezirksparlament gewählt werden soll. Diese Leute fühlen sich in zunehmendem Maße ausgegrenzt, u.a. deswegen, weil ihnen "Leuchtturmprojekte" a la Elphi nichts bringen.

    Und lieber music lover, Deine Bekannte wird sich wohl noch etwas gedulden müssen, wenn sie ein Konzert in der Elphi besuchen möchte, denn diese Saison ist ja bereits restlos ausverkauft. Es sei denn Du hast im Juni gleich 2 Karten geordert.

    Ich gehöre aber offenbar zu der seltenen Spezies derer, die wegen des Musikprogrammes in ein Konzerthaus gehen. Bei mich langweilenden Programmen oder Interpreten kann mich auch die schönste Halle nicht locken. In der ersten Saison hat sich die Intendanz ja noch redlich Mühe gegeben bei der Programmauswahl. Es bleibt aber abzuwarten wie das in den nächsten Jahren weitergeht.

    Peter

    "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)

  • Natürlich kann ich nur für mich sprechen: Die Elbphilharmonie ist für mich ein kräftiges Argument, mal wieder Hamburg zu besuchen! Wobei ich erstmal abwarten werde, was nach der Anfangseuphorie (tolle Architektur, tolle Akustik...) übrig bleiben wird. Aber 2018 kommt ja auch irgendwann und Knäckebrot verdirbt nicht so schnell... :D

    Zur "seltenen Spezies derer, die wegen des Musikprogrammes in ein Konzerthaus gehen", gehöre übrigens auch ich. ;)

    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz

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    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Die Elbphilharmonie ist für mich ein kräftiges Argument, mal wieder Hamburg zu besuchen!

    Solltest Du Dein Haupt zu betten und nicht am selben Abend wieder heimzufahren beabsichtigen, melde Dich bitte bei mir, lieber Gurni :cincinbier:

    Zur "seltenen Spezies derer, die wegen des Musikprogrammes in ein Konzerthaus gehen", gehöre übrigens auch ich.

    Also, so ganz fremd ist diese Spezies mir auch nicht. Und es mag auch noch so ein oder zwei, drei, vier, fünf, sechs oder gar sieben mir bekannte Vertreter dieser Spezies geben, die vielleicht sooo dermaßen vom Aussterben bedroht doch nicht ist.

  • Solltest Du Dein Haupt zu betten und nicht am selben Abend wieder heimzufahren beabsichtigen, melde Dich bitte bei mir, lieber Gurni :cincinbier:

    Aber selbstverständlich, lieber ML, wird gemacht!
    :cincinbier:

    Es grüßt Gurnemanz

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    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Ich sehe schon mehrere Unterschiede zwischen den verbummelten Bauprojekten und den Bankenskandalen. Bei den Bauten mag anfangs zu optimistisch kalkuliert worden sein, um das Projekt überhaupt in Gang zu bringen, es mag im Verlauf etliche Korruption und Pannen gegeben haben, nun sind solche Projekte eben auch so komplex, dass Verteuerungen und Pannen in einem gewissen Rahmen zu erwarten sind (deswegen ist es ja auch als Versagen zu werten, wenn Planer das nicht ansatzweise berücksichtigt haben).
    Nordbank oder Hypo Alpe Adria war aber im Grunde von Anfang an Gaunerei, auf Sand gebaut und es steht am Ende eben kein Konzertsaal oder Flughafen da, sondern Milliarden Miese und kein Verantwortlicher wird wirklich belangt. Systemrelevant eben. Und wie schon gesagt wurde, sind die Bauprojekte ständig in den Schlagzeilen, während die weniger greifbaren Skandale weit schneller totgeschwiegen werden. Beides zeigt die Unfähigkeit der Politik, entsprechende Großkonzerne zu kontrollieren, aber bei den Banken ist es besonders bestürzend, wegen der globalen Macht und weil fast alle von uns notgedrungen Bankkunden sein müssen.

    Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
    (B. Pascal)

  • Die Elblandphilharmonie

    Deine Meinung - aber warum schreibst Du immer 'land' ? Eine Anspielung, die ich nicht verstehe ? Oder ein eingeschliffenes Mißverständnis ? Jedenfalls hat die Elbphilharmonie für ihre Architektonik meine Bewunderung und Zustimmung , gerade gemessen an den letzten Hamburger 'Neubauten' . Und wenn jetzt die Akustik stimmt... und bis die Stuttgarter per Bahn/Flug über Berlin kommen, schreibt die Elbphilharmonie schon Geschichte . Und über Geld redet man in Hamburg schon gar nich'.
    Nachtrag : Ich wurde dankenswerterweise darauf aufmerksam gemacht, daß ich oben 'Ebphilharmonie' geschrieben hatte. Das war nicht ich, daß war der Freud in mir, der eigentlich Ebbphilharmonie schreiben wollte. Oder etwas ähnliches, so genau kenn ich mich in meinem Unterbewußtsein auch nicht aus.

    Good taste is timeless - "Ach, ewig währt so lang " - "But I am good. What the hell has gone wrong?" - A thing of beauty is a joy forever.

  • Bei den Bauten mag anfangs zu optimistisch kalkuliert worden sein, um das Projekt überhaupt in Gang zu bringen, es mag im Verlauf etliche Korruption und Pannen gegeben haben, nun sind solche Projekte eben auch so komplex, dass Verteuerungen und Pannen in einem gewissen Rahmen zu erwarten sind (deswegen ist es ja auch als Versagen zu werten, wenn Planer das nicht ansatzweise berücksichtigt haben).

    Ein weiteres Problem ist, dass es bei solchen Projekten ja "öffentliche Ausschreibungen" gibt. Nicht, dass ich öffentliche Ausschreibungen per se schlecht fände, der Grundgedanke ist ja vernünftig.

    Aber was machst Du als möglicher Anbieter? Du weißt genau: Ein Angebot abzugeben, wird einige Mannwochen, wenn nicht Mannmonate Aufwand bedeuten. Anforderungen des Auftraggebers verstehen, ein Protokonzept erstellen und bepreisen, daraus ein Feinkonzept machen und das bepreisen, in der Zwischenzeit mal über den Vertrieb beim Auftraggeber nachfragen, was es denn kosten darf und von welchen Zahlen der Wettbewerb so redet ...

    ... wenn Du den Auftrag bekommst, dann machst Du wahrscheinlich ein paar Jahre lang nur dieses Projekt, nicht viel anderes nebenbei und hast erstmal ausgesorgt. Aber nur einer kann den Auftrag bekommen. Und bei öffentlichen Ausschreibungen spielt der Angebotspreis eine entscheidende Rolle. Also musst Du billig, billig, billig kalkulieren. Was nicht explizit angefordert ist: Weg. Wenn dem Auftraggeber in den ersten Meetings nach der Vergabe klar geworden ist, dass er das aber braucht - kein Problem, machen wir mit, kostet halt.

    Das Verfahren führt regelmäßig dazu, dass unrealistisch billig angeboten wird. Das kann man zunächst weder dem Auftraggeber noch dem Auftragnehmer vorwerfen, das liegt einfach am System - wenn alle Anbieter alle Anforderungen erfüllen (und wer gibt schon zu, dass er etwas nicht macht), dann geht's nach dem Preis.

    Natürlich gibt es auch in der Realisierung Probleme. Auf beiden Seiten arbeiten nur Menschen und es stellt sich immer die große Frage, wer überhaupt noch den umfassenden Blick aufs Ganze hat und schon 50 Elphis gebaut hat, so dass er genug Erfahrung hat, um alle Stolpersteine und Teuermacher zu kennen.

    Wer hätte beim Bau seines kleinen Häuschens keine Fehler gemacht?

    Dass es teurer wird als geplant, ist systemimmanent.

    Gruß
    MB

    :wink:

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Wer hätte beim Bau seines kleinen Häuschens keine Fehler gemacht?

    Mein Vater.
    Der hat ein Haus für seine Familie gebaut und danach noch zwei für mich selber..
    Und überhaupt keine Fehler gemacht.
    Er ist kein Großverdiener, aber er ist halt übergenau.
    Die Häuser sind alle schuldenfrei.
    Es geht also, aber ich persönlich wüßte trotzdem nicht, wie das zu schaffen ist..........
    Mein Vater aber schon.
    Dafür bewundere ich Ihn.

  • Die Elbphilharmonie steigert Hamburgs Ruhm; so jedenfalls - Schlagzeile: ""New York Times" preist Hamburg als Top-10-Reiseziel für 2017 an" - schreibt man dort:

    http://www.spiegel.de/reise/deutschl…-a-1128994.html

    Werde ich mir, so um 2018/19 rum, selbst mal ansehen müssen...

    ;)

    Es grüßt Gurnemanz

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    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Die Elbphilharmonie steigert Hamburgs Ruhm

    Dumm Tüch - Hamburg befindet sich seit langem auf der Superlatiefebene .

    Good taste is timeless - "Ach, ewig währt so lang " - "But I am good. What the hell has gone wrong?" - A thing of beauty is a joy forever.

  • Die Elbphilharmonie steigert Hamburgs Ruhm;

    nun ja, was bleibt denn HSV-Town auch anderes übrig, wenn es vom eigenem Verein so mies im Stich gelassen wird (SP kackt auch gefährlich ab). Aber Gisdol schafft die Trendwende, um Ruhm gemeinsam mit Hengelbrock beidfüßig zu verankern.....

    „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann

  • Hamburg befindet sich seit langem auf der Superlatiefebene .

    .. mit Betonung auf "tief". Hier scheint es einen großen Minderwertigkeitskomplex zu geben, denn seit vielen Jahren strebt der Senat ein sog. "Weltstadtniveau" an. Dem wird mittlerweile alles andere untergeordnet. Auch die Elphi oder die Hafencity entspringen diesem Komplex. Die Bewerbung um Olympische Spiele ging in die gleiche Richtung. Das Ergebnis ist z.B. eine Flut von Billighotels in gesichtsloser Einheitsarchitektur, die an jeder Strassenecke gebaut werden.

    Peter

    "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)

  • Jonas Kaufmann....der ist wirklich nicht das Problem, aber ich hätte mir schon gedacht, dass die Elbphilharmonie bei der Eröffnung mit Traditionellem ''eingeweiht'' wird.

    Gib dich nicht der Traurigkeit hin, und plage dich nicht selbst mit deinen eignen Gedanken. Denn ein fröhliches Herz ist des Menschen Leben, und seine Freude verlängert sein Leben.

    Parsifal ohne Knappertsbusch ist möglich, aber sinnlos!

  • Die Elbphilharmonie steigert Hamburgs Ruhm; so jedenfalls - Schlagzeile: ""New York Times" preist Hamburg als Top-10-Reiseziel für 2017 an" - schreibt man dort:

    http://spiegel.de/reise/deutschland/n…le-2017-an-a-1128994.html

    Das auf dieser Spiegel online-Seite verlinkte Drohnenvideo "Fliegen Sie durch die Elbphilharmonie"
    http://www.spiegel.de/reise/staedte/…-a-1126190.html
    ist sehenswert. Den Beginn mit der Tube und der Plaza kennt der eine oder andere ja sicher bereits aus eigener Anschauung, aber die Drohnen fliegen auch durch den Großen Saal. Den hat ja bisher kaum einer zu Gesicht bekommen.

  • .. mit Betonung auf "tief". Hier scheint es einen großen Minderwertigkeitskomplex zu geben, denn seit vielen Jahren strebt der Senat ein sog. "Weltstadtniveau" an


    Ph! Das soll was hamburgisch besonderes sein! Dass ich nicht lache!

    Bernd

    Fluctuat nec mergitur

  • http://www.zeit.de/2016/46/thomas…elbphilharmonie

    Interview mit Th. Hengelbrock über die Elbphilharmonie

    ---
    Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
    (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


    Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
    (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).

  • Soso, die "Junge Welt" ... nie gehört ... dann ich zitiere ich mal ebenso unbekümmert wie dieses fürwahr darin leuchtende Vorbild:

    Zitat

    Ein Wahrzeichen wie das Brandenburger Tor oder der Eiffelturm könne die Elbphilharmonie werden, meinen die Claqueure. Der Bau ist tatsächlich eins – allerdings ein durch und durch negatives.


    Tja. Durch und durch.

    Zitat

    Vor allem aber ist die Elbphilharmonie eine obszöne Zurschaustellung von Reichtum. Angesichts des wachsenden Elends in der Hansestadt, das mit den vielen Zelten der Obdachlosen im Zentrum für jeden sichtbar ist, sind die Ausgaben für den Luxusbau pervers zu nennen.

    Zitat

    Ein als Lokalpatriotismus ausgegebener Größenwahn hat sich im Rathaus, in den Redaktionsstuben der Stadt, in den Kontoren und Villen zwischen Elbchaussee und Harvestehude breit gemacht. Hamburg soll nicht mehr »schlafende Schöne« sein, wie Helmut Schmidt seine Heimatstadt einst nannte, sondern pulsierende Weltmetropole.


    Ich höre mal auf, in der Hoffnung, dass der Thread auch morgen früh nicht gesperrt sein wird.

    Irgendwie fühle ich mich nur an den beleidigten Unterton erinnert von Leuten, die in ihrem Leben noch nicht viel zustande bekommen haben außer wortreichen Erklärungen, warum sie für ihre Lage überhaupt nicht verantwortlich sind und Behauptungen, dass die, die das erreicht haben worauf sie selbst neidisch sind, dies nur aufgrund ihrer abgrundtiefen moralischen Verwerflichkeit erreichen konnten. Schade eigentlich. Warum verwenden diese Leute nicht ihre Energien, um ihre eigene Lage und die ihrer Mitleidenden zu verbessern? Von Worten wird auch niemand satt ... aber eine "Resolution gegen die judäische Volksfront" 1) streichelt die eigene Seele offenbar weitaus mehr ... ach nee, die judäische Volksfront, das sind ja wir ...

    Gruß
    MB

    :wink:

    1) Das ist ein Zitat aus dem Film "Das Leben des Brian" von Monty Python in der deutschen Fassung. Außer der Anspielung auf selbstbestätigendes hohles Wortgeklingel, welches im Eifer des Gefechts schon gar nicht mehr weiß, worum es eigentlich ging, waren damit keinerlei Anspielungen intendiert, schon gar nicht auf judäische/jüdische/... Belange.

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

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