Die Elbphilharmonie - Groschengrab, Musentempel, Zukunftsvision... ?

Die 14. ordentliche Mitgliederversammlung des Capriccio-Trägervereins ist beendet.
  • Hier mal ein Artikel, der bezüglich der Elbphilharmonie Klartext spricht:

    https://www.jungewelt.de/2017/01-11/013…elbphilharmonie

    Wenn Du schon einem Artikel aus der marxistischen Kampfpresse (auf der von Dir verlinkten Seite wird für die "Rosa-Luxemburg-Konferenz 2017" geworben, und in der Selbstbeschreibung dieser Zeitung heißt es: "Die junge Welt ist eine linke, marxistisch orientierte, überregionale Tageszeitung") applaudieren willst, dann mach' das doch im "Groschengrab"-Thread zur Elbphilharmonie. Hier geht es allein um das dreiwöchige Eröffnungsfestival, also um die Konzerte:

    Da der Konzertbetrieb in der Elbphilharmonie bald mit einem dreiwöchigen Eröffnungsfestival startet, möchte ich dazu doch lieber ein neues Thema erstellen, anstatt dies im "Groschengrab"- oder "Saalplan"-Thread unterzubringen. Es soll hier also speziell um die Veranstaltungen gehen, die womöglich vom ein oder anderen in dieser Zeit besucht werden, um das entsprechende Presseecho - und nicht zuletzt die Live-Übertragung des Eröffnungskonzertes am Mittwoch, d.11.1.17 ab 20:15 Uhr im NDRfernsehen.

    Zu diesem Threadthema lese ich im von Dir verlinkten Artikel nichts.

    «Denn Du bist, was Du isst»
    (Rammstein)

  • Tja, der Artikel aus der "marxistischen Kampfpresse" scheint ja hier Einigen schon zuviel zu sein, dabei benennt er doch nur einige Fakten zur Entstehungsgeschichte der "Elphi" und zur realen Situation und stimmt nicht in den allgemeinen Jubelchor ein.

  • Hier mal ein Artikel, der bezüglich der Elbphilharmonie Klartext spricht:

    http://jungewelt.de/2017/01-11/013.php?sstr=elbphilharmonie

    Im Übrigen meine ich : mischt euch nicht in andere, mischt euch lieber in euch selbst ! Was geht das Nicht-Hamburger überhaupt an ? Rege ich mich auf, wenn in Kyritz an der Knatter ein überdimensioniertes postmodernes Buswartehäuschen aufgestellt wird ? Aber über Hamburgensien möchte jeder gerne mitreden. Kann ich verstehen, wer wäre nicht gern Hamburger , wo die Lokale von Patrioten wimmeln .
    Frage : kann der thread in den Lokalteil verschoben werden ?

    Good taste is timeless "Ach, ewig währt so lang " "But I am good. What the hell has gone wrong?" A thing of beauty is a joy forever.

  • Rege ich mich auf, wenn in Kyritz an der Knatter ein überdimensioniertes postmodernes Buswartehäuschen aufgestellt wird ? Aber über Hamburgensien möchte jeder gerne mitreden.

    Könnte es vielleicht daran liegen, daß eben gerade überregionale Aufmerksamkeit gesucht wird ?

    (nicht daß die Kyritzer die nicht auch manchmal gerne hätten...)

    Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
    daß Alles für Freuden erwacht

  • Ich verstehe den etwas aggressiven Tonfall nicht, der von einigen Seiten angeschlagen wird.
    Die Elbphilharmonie ist ein Millionengrab, das ist nun mal so, und es ist doch völlig normal, das nicht gut zu finden! Man kann die Akustik lieben und das Orchester umwerfend finden, und trotzdem mit diesem Gebäude nicht einverstanden sein.
    Die Elbphilharmonie wird medial zurzeit ungeheuer geputscht, eine regionale Sache soll sie gar nicht sein, das ist von niemandem intendiert. Es ist ein riesiger Touristenklotz, diesem Gebäude sieht man schon an, dass es nicht in erster Linie für einen regionalen Bedarf gebaut wurde, sondern um Touristen anzuziehen und ein paar Leute, die sich ne Wohnung für die Sommerferien kaufen wollen.
    Das heißt ja nicht, dass der Bau einer Philharmonie schlecht wäre. Und solche Gebäude sind immer teuer und im Gegensatz zu anderen Projekten unrentabel, weil der Kultursektor in dem Bereich nun mal ein verhältnismäßig kleines Publikum hat und deswegen auch auf Tourismus setzen muss (wie's scheint, leider). Einfach mal Geld ausgeben für ein kulturelles Projekt, weil diese Kultur es wert ist, bewahrt zu werden, dagegen spricht nichts. Aber bei diesem Bau wurden die Verhältnismäßigkeiten völlig ausgehebelt.
    Mich irritiert es schon ein wenig, um nicht zu sagen sehr, dass dieses Projekt, das über Jahre als Schandfleck galt, jetzt plötzlich von allen Seiten fast nur noch bejubelt wird. Wenn da die ein oder andere kritische Stimme nicht in den Jubel einstimmen will, ist das doch nur verständlich.
    Das ist kein Neid etc. (das unterstellen niederer persönlicher Beweggründe bei der Veröffentlichung einer Meinung ist ohnehin unangemessen und es wäre schön, wenn darauf verzichtet werden könnte - ist auch gar nicht schwer), sondern einfach nur Kritik an einem dekadenten Luxusprojekt, dessen eigentlichen Zweck man mit viel kleineren Brötchen hätte haben können - und vielleicht wäre das sogar besser gewesen. Ich jedenfalls weiß ja, dass schon jetzt in jeden Reiseführer für Hamburg diese ElPhi fett auf die erste Seite gesetzt wird. Es wird ein Touristenmagnet, zumindest wird man redlich versuchen, sie als solchen zu inszenieren, und ich finde es schade, dass man sich anscheinend nicht getraut hat, ein schönes Haus für diese Region (!) zu bauen, sondern so'n Riesenteil daraus machen muss. Auf mich als Klassikliebhaber hat das eher ein etwas abstoßenden als anziehenden Charakter.

  • Oh ja, gegen den missliebigen Limburger "Protzbischof" feuerten die Medien aus allen Rohren (so zB aus dem ZDF-Nachrichtenstudio, dessen Neubau in etwa so viel Gebürhenzahler-Kohle verbrannt hat, wie das Gebäudeensemble am Limburger Domberg gekostet hat) (der kirchenpolitisch "richtig" eingestellte Münchner Protzbischof erfreut sich weiterhin großer Beliebtheit), bei der Elbphi heißt es jetzt "nörgeln war gestern". So ist das halt in unserer Medienlandschaft.

    Ins Gebüsch verliert sich sein Pfad, hinter ihm schlagen die Sträuche zusammen.

  • Ich als Wiener bin froh, dass in Wien so lange so verschwenderisch und schön gebaut wurde! Hamburg ist eine wunderbare Stadt aber - v.a. nach dem WKII - fehlt ihr gewissermaßen ein Erkennungszeichen, das weithin bekannt ist (z.B Berlins Brandenburger Tor, Kölns Dom, etc..). Keine visionären Bauten wurden zu der Zeit ihrer Errichtung einstimmig begrüßt - man denke nur an den Eiffelturm! Ich finde die Elbphilharmonie sieht richtig toll aus und wird die Speicherstadt vielleicht zu einem europaweit bekannten Wahrzeichen machen. So ein Bauwerk ist halt teuer, und dass die Bewerber einen Minimalentwurf einreichen, dem vieles fehlt, um den Zuschlag zu bekommen ist international gang und gäbe. Auch wenn das einen protestantischen Kaufmann wurmen mag.... ;)

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Hamburg ist eine wunderbare Stadt aber - v.a. nach dem WKII - fehlt ihr gewissermaßen ein Erkennungszeichen, das weithin bekannt ist

    Das ist die Michaeliskirche, und die bleibt auch für mich das Wahrzeichen für Hamburg, und nicht dieser Protzbau, der sie jetzt ablösen soll. Der "Michel" ist wirklich ein Gebäude für alle Hamburger, und wird auch so wahrgenommen. Die ElPhi mit ihrem Luxushotel und den sündhaft teuren Wohnungen, ist etwas zum anstaunen und für Touristen. Ich glaube nicht das es hier eine Mehrheit in der Bevölkerung gibt die das Gebäude und ihren Zweck gut findet. Die Meisten äussern sich dazu gar nicht, weil sie ganz andere Probleme haben, und werden demzufolge auch nicht wahrgenommen. Diejenigen die sich das Projekt ausgedacht haben finden das natürlich ganz toll, und können gar nicht verstehen das es andere nicht auch toll finden. Aber die selben Leute haben damals die städtischen Krankenhäuser an einen Großkonzern verscherbelt, obwohl 77% der Hamburger dagegen waren. Arroganz der Macht eben ..

    Nun steht der Klotz aber mal da, und wir müssen damit leben. Aber eine breite Akzeptanz hat er deswegen noch lange nicht. Da sollten wir uns von dem Eröffnungshype nicht täuschen lassen.

    Peter

    "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)

  • Die Michaeliskirche ist sicher, vor allem von innen, ein schönes Gebäude, aber vielleicht doch ein kleines bisschen weniger bekannt als die Oper in Sydney. Da hat die Elbphilharmonie, glaube ich, mehr Chancen wahrgenommen zu werden. Hamburg, vor dem WKII sicherlich einer der schönsten Städte Europas, muss eben ein neues Image finden. Das sage ich mal als Außenstehender.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Nun steht der Klotz aber mal da, und wir müssen damit leben. Aber eine breite Akzeptanz hat er deswegen noch lange nicht. Da sollten wir uns von dem Eröffnungshype nicht täuschen lassen.

    Ich denke, Du solltest Dich v.a. vom anfänglichen Gemurre nicht täuschen lassen ;) .

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Die Elbphilharmonie ist ein Millionengrab, das ist nun mal so, und es ist doch völlig normal, das nicht gut zu finden!


    Warum? Ein einziger Flugzeugträger kostet ein Mehrfaches der Elbphilharmonie und hat monatliche Betriebskosten im achtstelligen Bereich. Da finde ich das Geld für die Elphi super sinnvoll investiert.

    Übrigens: Das Orchester hat 100 Musiker. Die verdienen nicht € 100.000,- p. a. brutto, aber die Personalkosten dürften pro Musiker in diesem Bereich liegen - einschl. Vertretungen, Aushilfen, Reisekosten usw. Macht 10 M€ p. a. - Ist denn das ok?

    Der "Michel" ist wirklich ein Gebäude für alle Hamburger


    Die Michaeliskirche ist eine evangelische Hauptkirche Hamburgs. Inwieweit sie ein Gebäude für alle nichtevanglischen, d. h. katholische, muslimische usw. Hamburger ist, könnte man nochmal überdenken.

    Gruß
    MB

    :wink:

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Den aggressiven und diffamierenden Tonfall hier in Bezug auf den JW-Artikel habe ich erwartet.
    Der Artikel nimmt einfach eine Gegenposition zur "kapitalistischen Kampfpresse" ein und ist aufklärerisch und faktenbasiert im besten Sinne, aber das wird hier gar nicht wahrgenommen. Stattdessen wird selektiv und aus dem Zusammenhang gerissen zitiert, dem Autor werden sozialneidische Motive unterstellt und überhaupt ist das ja nur "marxistische Kampfpresse". Karl Marx war übrigens ein Philosoph in bester aufklärerischer und Hegelscher Tradition.
    Dieses Beschimpfen und Diffamieren von Gegenpositionen entspricht leider bester deutscher Tradition. Der Deutsche hat es eben gerne einheitlich. Ein Volk - Eine Meinung. Alle Anderen sind Nestbeschmutzer.

  • Karl Marx war übrigens ein Philosoph in bester aufklärerischer und Hegelscher Tradition.

    Genau! Karl Marx war Elite, darum hatte er die Muße, sich über neue Gesellschaftssysteme eine Kopf zu machen.

    Mose hatte das bspw. nicht, wie der gesehen hat, dass ein ägyptischer Aufseher einen Israeliten misshandelte, hat er den Aufseher einfach erschlagen, anstatt ein neues Gesellschaftssystem zu postulieren.

    Gruß
    MB

    :wink:

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Die Michaeliskirche ist eine evangelische Hauptkirche Hamburgs. Inwieweit sie ein Gebäude für alle nichtevanglischen, d. h. katholische, muslimische usw. Hamburger ist, könnte man nochmal überdenken.

    In diese Kirche kann jeder hineingehen, auch ohne Eintrittskarte. Und die Konzerte welche dort stattfinden sind auch für alle zugänglich, und zwar zu erschwinglichen Preisen. Und selbst in die Gottesdienste kann jeder gehen. Es steht da kein Schild: "Für Nichtprotestanten verboten".

    Peter

    "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)

  • und ist aufklärerisch und faktenbasiert im besten Sinne,

    Genau so ist es. Und er beschreibt (vielleicht etwas zugespitzt) ziemlich genau die hiesigen Verhältnisse, zu denen sich Nicht-Hamburger nur dann äussern sollten, wenn sie sich mit den Verhältnissen hier mal etwas intensiver beschäftigt haben.Ansonsten würde ich zu etwas mehr Zurückhaltung raten.

    Peter

    "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)

  • ziemlich genau die hiesigen Verhältnisse, zu denen sich Nicht-Hamburger nur dann äussern sollten, wenn sie sich mit den Verhältnissen hier mal etwas intensiver beschäftigt haben.Ansonsten würde ich zu etwas mehr Zurückhaltung raten.

    Das finde ich eigentlich ziemlich unverschämt. Das ist hier kein Hamburg-Forum. Wer dieses Thema hier diskutiert, muss akzeptieren, dass sich auch Nicht-Hamburger zu Wort melden. Manchmal kann man wirklich nur den Kopf schütteln! :neenee1:

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Ich glaube, dass man fehlt geht, wenn man die Elbphilharmonie nur in ihrem Nutzen als Konzerthaus bewertet. Dann wäre die Sache klar: Viel zu groß, viel zu teuer, viel zu aufwändig. Man hätte für einen Bruchteil des Geldes einen mindestens ebenso gut klingenden Saal bauen können; dafür gibt es genügend Beispiele (Konzerthaus Dortmund, Philharmonie Essen usw.). Aber so einfach ist das hier meines Erachtens nicht, denn die spektakuläre Architektur hat einen Wert an sich, der über den unmittelbaren "Nutzen" hinaus geht, der aber, wenn es gut läuft, diesen durch gesteigertes Interesse verstärken kann. Warum strömen die Leute z.B. in die Guggenheim-Museen in New York oder Bilbao, warum bilden sich am Pariser Centre Pompidou lange Schlangen? Wegen der interessanten und ohne Zweifel sehenswerten Ausstellungen? Oder nicht doch erst einmal wegen der spektakulären Architektur? Im Museumsbau gibt es seit langem die Tendenz, die Gebäude selbst zum zentralen Ausstellungsobjekt zu machen, in der Musik gab es das bisher z.B. bei den Opernhäusern in Sydney und Valencia. Und hier liegt für mich die eigentlich spannende Frage: Wird es in Hamburg gelingen, über das Interesse am Spektakel hinaus ein musikalisch "weltstädtisches" Niveau zu erreichen und dauerhaft zu etablieren? Möglich ist das, aber möglich ist auch das Gegenteil, dass die Musik eher verkommt, weil die Leute aus Neugier auf bzw. Interesse am neuen Gebäude sowieso reingehen, egal was da läuft. Das ist so ähnlich wie bei Restaurants mit toller Aussicht: Dort ist das Essen oft eher mäßig... Das Programm der Eröffnungssaison finde ich durchaus ermutigend, mit viel Neuer Musik, vielen (wenn auch für Eusebius sicher noch viel zu wenigen :) ) Werken abseits vom Kernrepertoire und mit interessanten Programmkonzepten. Die Elbphilharmonie ist ein architektonisches Kunstwerk, gegen das sich die Musik erst einmal auf Dauer behaupten muss. Das Programm der ersten Saison geht dazu meines Erachtens in die richtige Richtung.

    Christian

  • also wenn's nach mir ginge, so hätte sich die Stadt allein mit der geplanten Moses und Aron-Aufführung vollständigen Ablaß für alle vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Sünden verdient ...

    ---
    Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
    (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


    Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
    (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).

  • Warum? Ein einziger Flugzeugträger kostet ein Mehrfaches der Elbphilharmonie und hat monatliche Betriebskosten im achtstelligen Bereich. Da finde ich das Geld für die Elphi super sinnvoll investiert.

    Auch die Kosten für einen Flugzeugträger kann man kritisieren. Das ist kein Gegenargument.

    Übrigens: Das Orchester hat 100 Musiker. Die verdienen nicht € 100.000,- p. a. brutto, aber die Personalkosten dürften pro Musiker in diesem Bereich liegen - einschl. Vertretungen, Aushilfen, Reisekosten usw. Macht 10 M€ p. a. - Ist denn das ok?

    Ja. Ich gehe mal davon aus, das ein Musiker, nachdem er einen Vertrag unterschrieben hat, nicht plötzlich um ein Vielfaches teurer wird, ohne dass es dafür transparenten Gründe gibt. Die Kosten zur Unterhaltung eines Orchesters oder eines Flugzeugträgers kann man schlecht finden oder auch gut, man kann sich aber vor allem damit abfinden, wenn Kosten veranschlagt und dann auch eingehalten werden. Das ist doch ein Unterschied zu einem Projekt, das von den Kosten her völlig ausartet und bei dem niemand so richtig weiß, ob diese Ausartung ansatzweise Sinn hat, oder sich nur ein paar mafiöse Strukturen dahinter verbergen. Wenn nachvollziehbar wäre, warum gerade dieses Haus gerade diese Kosten verursacht hat, könnte man es ja vielleicht noch schlucken, aber dieses freudige Ausarten der Baukosten, bei denen der Eindruck entsteht, dass sich ein paar Menschen einfach dreist bereichern können, das ist es was nervt.
    Und dass dann, kaum dass es fertig ist, so getan wird, als müsse man sich nun entscheiden - entweder man mag den Saal und die Musik und Kultur, dann darf man auch den Bau nicht kritisieren; oder man mag den Bau nicht, dann hat man auch etwas gegen Kultureinrichtungen generell -, ist schlicht lächerlich. Geld in eine Philharmonie ist super investiert, und trotzdem kann man fragen und hinterfragen, wie viel es denn sein muss. UNABHÄNGIG von der Bewertung des Ergebnisses was die Akustik, die Qualität der Aufführungen etc. pp angeht.
    Wenn ein Musiker mir sagt, dass er heute abend für 1.000 Euro spielt und am Ende 5.000 verlangt und auch bekommt - er hat ja gespielt -, dann kann er göttlich musiziert haben, beschissen hat er trotzdem.

  • denn die spektakuläre Architektur hat einen Wert an sich, der über den unmittelbaren "Nutzen" hinaus geht,

    ... und wenn das so ist, dann könnte man die Fragestellung auch umdrehen (etwa wie beim Berliner Schloss) - also nicht: "wir brauchen einen Konzertsaal, was machen wir da", sondern "wir haben hier ein Stück spektakulärer Architektur, was tun wir da rein?" Und dann wäre die Antwort "einen Konzertsaal" doch zuerst mal grundsätzlich nicht so schlecht.

    Aber daß da eine Gefahr besteht, ist sicherlich richtig.

    ---
    Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
    (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


    Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
    (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).

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