Konzerte in Schwerin

  • Konzerte in Schwerin

    Hallo werte Mitcapricciosi,


    ich habe beschlossen in diesem Thread von meinen Konzertbesuchen zu berichten (hätte ich eigentlich schon eher machen können), da ich in nächster Zeit öfter eins erfahren werde.
    Ich beginne mit dem gestrigen Konzert.



    30.1.2013: 4. Sinfoniekonzert im Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin


    Adolph Carl Kuntzen: Sinfonie D-Dur


    Pjotr Tschaikowsky: Klavierkonzert Nr. 1 b-moll op. 23


    Pause

    Sergej Prokofiev: Sinfonie Nr. 5 B-Dur op. 100


    Klavier: Alexandra Dariescu
    Mecklenburgische Staatskapelle Schwerin
    Dirigat: Peter Kuhn


    In der Konzerteinführung wurde besonders auf das Leben und Werk Adolph Carl Kuntzens eingegangen, der von 1749-1753 Schweriner Kapellmeister war. Seine Sinfonia in D-Dur, die anlässlich der Verleihung des russischen St. Andreas Ordens an den Herzog Christian Ludwig II. von Mecklenburg-Schwerin komponiert wurde, erfuhr seine Uraufführung am 6.12.1749. Es ist eine sehr kurze Sinfonie von ca 6-7 min Spiellänge. Von der Staatskapelle spritzig musizierend vorgetragen, zeigt dieses Werk die geläufige Eingängigkeit spätbarocker Werke.
    Im Anschluss erfolgte Tschaikowskys Klavierkonzert mit der Rumänin Alexandra Dariescu als Solistin. Sie ging förmlich in der Atmosphäre des Werkes auf. Sie spielte in den Forti sehr exzentrisch, technisch sauber und arbeitete viel mit dem rechten Pedal. Das Orchester empfand ich allerdings als zu sehr routiniert, ich vermisste gerade bei diesem Werk manche Emotionen. Die Pianistin, die in Schwerin ihr Debut gab, wurde schließlich mit viel Applaus und stehenden Ovationen bedacht. Als Zugabe spielte sie Chopins Prélude op. 28 Nr. 24 in d-moll. Ich kannte dieses Werk bis dato nicht! Sehr beindruckend dieses anspruchsvolle Werk, schnelles Tempo und sehr kraftvoll. Auch sehr deutlich gespielt. Erneut kräftiger Applaus.
    Es ging in die Pause.
    Alexandra Dariescu gab in der Pause Autogramme. Ich ließ mich natürlich nicht lumpen und holte mir auch eins. Nebenbei erfuhr ich, dass sie im Dezember für Schostakowitschs erstes Klavierkonzert vorgesehen ist (wird vorgmerkt).
    Nach der Pause gab es Prokofievs fünfte Sinfonie zu hören, eine weitere Novität für mich. Da ich es zum ersten Mal bewusster hörte, vermag ich zu der Musik nicht viel zu sagen, außer dass es für mich den typischen Prokofiev-Klang besaß. Das Orchester empfand ich als harmonierende Einheit, gutes Zusammenspiel. Es gab viel Beifall für den Gastdirigenten Peter Kuhn und auch die einzelnen Instrumente wurden bedacht.


    Für mich war es ein gelungenes Konzert. :thumbup:


    :wink:


    P.S.: Ich stellte so eben fest, dass ich die fünfte Sinfonie sogar in der Bernsteinedition habe. :faint: :yes:

  • Vorhin aus dem Konzert gekommen.


    Montag, 25.2.13: 5. Sinfoniekonzert im Schweriner Staatstheater


    mit folgendem Programm


    F. von Flotow: Jubelouvertüre


    M. Bruch: Konzert für Klarinette und Viola e-moll op. 88
    (Fassung für Violine und Viola)


    Pause


    D. Schostakowitsch: Sinfonie Nr. 15 A-Dur op. 141


    Solisten: Eldbjørg & Ragnhild Hemsing (Violine & Viola)
    Mecklenburgische Staatskapelle Schwerin
    Dirigat: Patrik Ringborg



    Nachdem ich Succubus und ihr Begleitung kennen lernen durfte, begaben wir uns schleunigst zur Konzerteinführung. Danach ging es um 18 Uhr los. Der Pakettbereich wies beträchtliche Lücken auf und auch der dritte Rang hielt noch einiges an Potential bereit. Lag wohl daran, dass heute Montag ist.
    Zuerst wurde Flotows Jubelouvertüre gespielt (für mich das erste Mal). Das Werk beginnt relativ getragen, die Streicher sorgen für mehr Fahrt im weiteren Verlauf. Die Hörner dürfen auch nicht fehlen. Die Staatskapelle musizierte sehr sicher, meiner Empfindung nach hätte mehr Temperament gut getan, was sich gegen Ende hin auch zeigte.
    Dann war das Doppelkonzert von Max Bruch an der Reihe. Die Hemsing Schwestern, die hier die Tage in Schwerin ihr Debut geben, betraten als Solisten die Bühne, sehr hübsch die beiden, muss ich gestehen. :love: ^^ Auch das Konzert entfaltete sich als sehr melodiös, hochromantisch gestaltet. Die Schwestern gaben sich schön dem Fluss der Musik hin, klar gespielt. Nach dem Finale wurden die Ausführenden mit herzlichem Applaus und Fußgestampfe bedacht.
    Pause.
    Dann kam besonders für Succi der Höhepunkt des Konzerts: Schostakowitschs letzte Sinfonie. ;+) Live zu hören, ist natürlich ganz anders, als op. 141 auf CD zu hören. Die Musik hat sich mir so deutlicher erschlossen. Klar und mit Emotion musiziert, kam besonders das düster Verhangene und das Groteske in den entsprechenden Passagen gut zum Vorschein. Beim Verklingen der Schlusstakte blieb der Saal mehrere Sekunden ruhig, noch in Atmosphäre der Musik gefangen. Anschließend stellten sich enorme Beifallsbekundungen ein. Der Dirigent bedankte sich dann auch quasi bei allen Orchestermitgliedern persönlich.
    Alles in allem ein gutes Konzert.


    :wink:

  • Ich hoffe sehr, dass wir norddeutschen Capricciosi uns
    demnächst in Schwerin oder zumindest mit den Schwerinern treffen können. Die tolle Programmgestaltung macht mir jedenfalls Lust, mal etwas zu plaudern.
    :wink:

    Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere.

  • Heute Vormittag 11 Uhr im Staatstheater: Piano Battle mit Andreas Kern und Paul Cibis.


    Ich empfand es als eine tolle Show, bei der die beiden Pianisten auf hohem technischen Niveau ihrem persönlichen Stil treu blieben. Paul Cibis, der mehr Wert auf inneren Ausdruck und Wohlklang legt und Andreas Kern, der eher auf Temeperament und Kraft ein Auge hat, lieferten sich sechs Runden, mit unterschiedlichen Kriterien, ein Duell mit großem pianistischem Können. Das Publikum durfte entscheiden, wer die Runde gewinnt und damit auch das Duell an sich. :thumbup:
    Die Werke, die im Einzelnen gespielt wurden kann ich nur teilweise benennen.
    Erste Runde: Der Schwerpunkt lag im kraftvollen Spiel. Kern spielte ein Werk von Skrjabin und Cibis Chopins 12. Etude op. 10. Diese Runde ging an Kern.
    Zweite Runde: Es sollte was Klangschönes sein. Kern wählte Schubert aus, Cibis Debussys Clair de Lune. Die Runde ging erwartungsgemäß an Cibis.
    Zur dritten Runde kann ich nicht weiter beitragen, nur dass sie Cibis gewann. Dazwischen wurde das Publikum mit einbezogen: vier Zuschauer, die auch mit dem Klavierspiel vertraut waren, wurden ausgewählt und haben vom Prinzip her wie das Chinesisch beim Tischtennis einen Spurt eingelegt. Die Melodie war aus Beethovens Neunter. Kennt ihr alle. :D Einer begann und musste zum zweiten Flügel laufen, um die Melodie fortzuführen... und wer zu langsam schied aus. Schließlich gewann eine junge, schwangere Frau das Spiel.
    Vierte Runde: Romantik. Beide spielten glaube ich Schumann. Kern gewann.
    Danach kamen nur noch Improvisationen (das Publikum sollte einfach einige Komponisten oder Werke in den Saal rufen). Super gespielt, kann ich sagen. In der zweiten Impro-Runde war Mussorgskys Promenade aus Bilder einer Ausstellung im Zentrum, dazu wurden im Zusammenspiel eigene Elemente improvisiert. Am Ende lief es auf das Auditorium hinaus, welcher Name am lautesten gerufen wurde, schoben sie immer den Flügel ein Stück näher zur Ziellinie.
    Alles in allem entschied Paul Cibis das Duell für sich.
    Es gab viel Applaus und alles Altersgruppen zeigten sich davon begeistert.


    Hier ein Video, wo das besser gezeigt wird: "http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=GWc-zVHMr8Q"


    Mir hat es auch sehr gefallen.


    :wink:

  • Lieber Treborian,
    also deinem Bericht zum Konzert vom 25. 2. kann ich nur zustimmen, du hast alles gesagt, was ich auch so empfunden habe.
    Schostis letzte Sinfonie live zu erleben, war wirklich ein Highlight für mich, es hat mir ganz ausgezeichnet gefallen.
    Und es war schön, mal jemand aus dem Forum persönlich zu treffen.
    Hoffen wir, das lässt sich bald mal wiederholen.


    :suc:

    "Allwissende! Urweltweise!
    Erda! Erda! Ewiges Weib!"

  • Lieber Treborian,
    also deinem Bericht zum Konzert vom 25. 2. kann ich nur zustimmen, du hast alles gesagt, was ich auch so empfunden habe.
    Schostis letzte Sinfonie live zu erleben, war wirklich ein Highlight für mich, es hat mir ganz ausgezeichnet gefallen.
    Und es war schön, mal jemand aus dem Forum persönlich zu treffen.
    Hoffen wir, das lässt sich bald mal wiederholen.


    :suc:


    Ja, liebe Succubus, über eine Wiederholungstat würde auch ich mich sehr freuen.


    :wink:

  • So, ich komme soeben aus dem Konzert.


    Alois Schmitt: Elegie für Harfe, Orgel und Streichorchester


    Joseph Haydn: Sinfonie Nr. 88 G-Dur


    Pause


    Debussy: Danses für Harfe und Streichorchester & La Mer


    Andreas Mildner, Harfe
    Mecklenburgische Staatskapelle Schwerin, Daniel Huppert


    Das war ein ausgesprochen gutes Konzert. Allerdings war der Saal schon mal voller.
    Die Elegie wurde sehr einfühlsam und kantabel vorgetragen. GMD Huppert vollführte im Fluss der Musik dazu weit ausholende Gesten. Solist Mildner spielte fließend. Danach kam Haydn. Ein feiner Ohrenschmaus. :D Es wurde sehr heiter und überaus munter musiziert, geführt von einem gestikulierenden Dirigenten, der sich schön in die Musik hineingesteigert hat. Der Haydnsche Humor kam auch gut zum tragen.
    Danach Pause.
    Der zweite Teil des Konzerts wurde von Debussy beherrscht. In den Tänzen für Harfe und Streichorchester zeigte sich Mildner in seinem Element. Er ging in der Musik quasi auf. klares Orchesterspiel. Nach dem andächtigen Applaus für den Solisten gab es eine kleine Zugabe: eine Fantasie des Renaissance-Komponisten Alonso de Morena (?). Anschließend der Höhepunkt mit La Mer. Daniel Huppert brachte den Orchesterapparat zwar zum klingen, an manchen Stellen hätte ich mir aber noch mehr Klangentfaltung gewünscht. Das Tam-Tam ging neben den Becken leider etwas unter. Die Pauke und die Bläser möchte ich speziell hervorheben. Es gab reichlich Applaus. Den obligatorischen Blumenstraus überreichte der Dirigent einer Harfenistin.
    Insgesamt aber ein schönes Konzert.


    :wink:

  • Soeben aus dem Staatstheater wieder zu Hause angekommen. ^^


    Mozart: Sinfonie Nr. 38 D-Dur KV 504


    Rosetti: Salve Regina für Sopran und Orchester


    Pause


    Bruckner: Sinfonie Nr. 3 d-moll


    Bevor jedoch das Konzert begann, lernte ich Andreas kennen. Es hat mich gefreut hier einen Capricciosi vor Ort anzutreffen. Wir haben uns auch schon etwas austauschen können.
    Gestartet wurde mit Mozart. Ich selbst brauchte ein wenig, um hineinzukommen. Die dramatischeren Stellen kamen gut rüber, auch war die Nähe zu Don Giovanni spürbar. Der langsame Satz war sehr gefühlvoll gespielt. Das Finale ging sehr flott und munter dahin.
    Anschließend sang Stamatia Gerothanasi Rosettis "Salve Regina". Es war sehr schön. Sie hatte eine sanfte, klare Stimme, die mich gewiisermaßen in ihren Bann zog. Es hätte auch noch länger dauern können. ^^
    Nach der Pause kam der Schwerpunkt: Bruckner. Das Orchester spielte in seiner gewohnten Größe und erzeugt doch ein sehr dynamischen Klang. Der erste Satz ging teils zügig daher, erreichte durch die ruhigeren Stellen aber doch locker 22 min. Die Bleche erschienen mir manchmal zu grell und überladen. Der zweite Satz ließ das Theatralische richtig spürbar werden. Die Höhepunkte für mich waren an dieser Aufführung aber das Scherzo und das Finale. Die Bläser legten sich kräftig ins Zeug, die Pauke knallte auch ordentlich. Aber hier passte alles gut zusammen. Anthony Bramall erhielt kräftigen Applaus und Fußgestampfe.
    Eine gute Leistung aller Ausführenden.



    Gute Nacht. :wink:

  • Hallo Treborian,


    ich fand unser Zusammentreffen ebenfalls sehr erfreulich. Eine gute Grundlage für unser Treffen im August ist jedenfalls gelegt ;+)


    Das Konzert war gut. Da ich leider kein Programmheft erworben habe: Könntest Du bitte - falls möglich - nochmal nachtragen, welche Fassung der 3. Symphonie gestern gespielt wurde. Bekanntlich hat sich Bruckner, "motiviert" durch die von ihm als Amateurdirigent leider teilweise selbst verursachte desaströse Uraufführung 1877 in Wien, wie so oft massiv bequatschen lassen und Streichungen vorgenommen.


    LG
    Andreas :wink:

  • So, hier meine Eindrücke vom gestrigen Festkonzert.
    Das Programm:



    Brahms: Violinkonzert D-Dur op. 77


    Pause


    Siegfried Matthus: Orchesterkonzert in vier Abteilungen (Uraufführung)


    Strawinsky: Der Feuervogel - Orchestersuite


    Violine: Isabelle van Keulen
    Mecklenburgische Staatskapelle Schwerin
    Dirigat: GMD Daniel Huppert


    Bevor das Konzert startete, gab es zum Jubiläum zwei Festansprachen, von Meck-Poms Familienministerin und der Oberbürgermeisterin. Ihr Credo hieß auch, dass solch ein Orchester bewahrt werden müsse. Mal sehen, wie lange sie dazu stehen.
    Brahms Violinkonzert eröffnete diesen Abend. Das Orchester spielte sehr routiniert und harmonierte ganz gut mit der Solistin. Isabelle van Keulen spielte mit viel Wärme, aber auch mit scharfen Akzenten. In der Solopassage zum Ende des Kopfsatzes meine ich, einmal einen schiefen Ton gehört zu haben. Genau weiß ich das aber nicht und es tat dem Hörvergnügen keinen Abbruch. Der zweite Satz klang sehr schön pastoral und der dritte war auf den tänzerischen Gestus bedacht. Es war eine insgesamt saubere Vorstellung nach der Isabelle van Keulen und Huppert kräftigen Applaus bekamen. Ich hätte mir gerne eine Zugabe von ihr gewünscht.
    Anschließend war Pause.
    Kurz vor neun kam es zu der Uraufführung des sogenannten „Schweriner Konzerts“ in vier Abteilungen von Siegfried Matthus. Die Besetzung des Orchesters war sehr vielseitig: neben den üblichen Instrumenten wurde der Klangapparat um die Harfe und ein reich besetztes Schlagwerk, große und kleine Trommel, Glocken, Triangel, Marimbaphon und noch ein paar andere Instrumente erweitert. Der erste Satz beginnt mit einem sehr effektvollen und drängenden Thema, welches mehrfach wiederholt wird und in denen zwischendurch Trompeten, Klarinetten, Harfe u.a. solistisch zum Zuge kommen dürfen. Das folgende Leggiero, con grazia wirkte auf mich sehr wenig anmutig aufgrund der Fülle an dissonanter Töne. Die dritte Abteilung greift das Thema des Beginns wieder auf und geht ohne eine merkliche Pause in den Schlusssatz über, was durch das rapide Ende einige Verwirrung stiftete, zu merken an der langen Pause danach. Es wurde schließlich viel Beifall geklatscht, auch erschien der Komponist persönlich auf der Bühne und bedankte sich bei den Ausführenden.
    Zum Schluss kam der Feuervogel angetanzt. :D Das Orchester legte sich gut ins Zeug, dass ich Gänsehaut bekam. Kaschtscheis Höllentanz ließ die Fetzen fliegen. Die Streicher gingen bei dem kräftigen Schlagwerk fast unter und klangen etwas brav dagegen. Auch das Finale berührte mich ungemein mit seinen schillernden Orchesterfarben. Ein klasse Live-Erlebnis. Ich konnte mich eines Bravorufes nicht enthalten. Es gab tosenden Applaus, Fußgestampfe und stehende Ovationen für die Musiker.
    Und dann gab es doch die Zugabe. Brahms fünfter Ungarischer Tanz beschloss dieses wunderbare Konzert.
    Im Anschluss gab es im Konzertfoyer eine Feier. Die Orchestermitglieder bekamen wegen ihrer besonderen künstlerischen Leitung die Friedrich-von-Flotow-Medaille überreicht.


    Vielleicht hat ja jemand das Konzert gestern im Radio gehört und kann auch etwas darüber sagen?


    :wink:

  • Mittwoch, 4.9.13, 1. Sinfoniekonzert der Staatskapelle Schwerin.



    L. Massonneau: Sinfonie c-moll "La tempête et le calme" op. 5


    L. v. Beethoven: Klavierkonzert Nr. 4 G-Dur op. 58

    Pause


    J. Brahms: Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 73


    Klavier: Igor Ardašev
    Mecklenburgische Staatskapelle Schwerin
    GMD Daniel Huppert


    Das Programm klang vielversprechend und das besätigte sich am Ende auch. Das letzte der dei Konzerte war gut besucht, der oberste Rang war insgesamt am dünnsten besetzt. Den Auftakt machte die c-moll-Sinfonie des deutschen Komponisten frz. Abstammung Louis Massonneau. Diesen Herren verschlug während seines Lebens viele Jahre nach Ludwigslust und auch Schwerin. Die Besetzung dieser Sinfonie (um 1794 entstanden) besteht aus einem Streichorchester mit je 2 Oboen, Hörner, Flöten und Fagotten. Es ist eine recht kurze Sinfonie (ca. 13 min), die das Naturschauspiel (Gewitter-)Sturm im ersten Satz thematisiert und in den anderen beiden die Ruhe danach. Insgesamt ist dieses Werk sehr munter und fröhlich. Das Gewitter spielte sich wohl eher in weiter Entfernung ab, es klang nicht sehr heftig. Mit Beethovens Pastorale nicht zu vergleichen! Der zweite Satz ist sehr idyllisch, man hört hier verschiedenste Vogelstimmen miteinander förhlich konkurieren. Am deutlichsten ist der Kuckuck zu hören. Das Finale ist ein tänzerischer Ländler, der sehr fröhlich daherkommt. Interessant bei dieser Sinfonie sind die fließenden Satzübergänge.
    Nun zu Beethoven. Igor Ardašev saß recht locker am Flügel, mit hängenden Schultern und anfangs auch mit recht entspanntem Gesichtsausdruck. Das Klavierspiel war sehr gefühlvoll und akzentuiert und ging dem Pianisten leicht von der Hand, er war sich seiner sehr sicher. Die bedrückende Stimmung des zweiten Satzes und die Ausbrüche und Heiterkeit im Finale kamen spürbar an. Im flott gespielten Finale zeigte Ardašev mit kräftigen, zupackenden Griffen seine Virtuosität. Das Zusammenspiel mit dem Orchester war auch sehr organisch. Der Pianist wurde mit viel Applaus und Fußgestampfe bedacht und spielte zu meiner Überraschung sogar zwei Zugaben. Die ein war von Dvořák eine Humoreske, glaube ich, und das andere habe ich durch das Gemurmel im Publikum nicht verstanden, irgendetwas mit Nachtmusik (aber nicht Mozart!). Es hörte sich beides aber sauber und schön an.
    Pause.
    Dann war Brahms Zweite an der Reihe. Der erste Satz war gut musiziert, ich hatte aber das Gefühl, dass noch mehr Spannung in den Tutti möglich gewesen wäre. Der zweite Satz wurde sehr schwermütig ausgedrückt. Die Laune hob sich dann wieder in Scherzo und Finale, welcher sehr triumphal Ausklang, was mir durchaus Gänsehaut verpasste. Die Tempi passten ganz recht zusammen. Und die ausholenden Gesten des Dirigenten sorgten für weiteren Unterhaltungswert. Reichlich Applaus gab es für die Musiker.
    Es war ein gelungener Saisonauftakt und macht Freude auf die nächsten Konzerte. :)


    :wink:

  • Gestern gehört und gesehen:
    3. Sinfoniekonzert der Meckl. Staatskapelle Schwerin


    Programm:
    Friedrich Goldmann: Schweriner Serenade (Concertino für kleines Orchester)
    Schostakowitsch: Klavierkonzert Nr. 1 c-moll op. 55
    Pause
    Tschaikowsky: Sinfonie Nr. 4 f-moll op. 36


    Solistin: Alexandra Dariescu
    Dirigent: GMD Daniel Huppert


    Das gabs bei mir auf die Ohren und Augen. Zudem wird das Konzert am Montag seit der letzten Saison immer moderiert, d.h. es gibt eine kurze Werkeinführung vorher, auch mit dem Dirigenten und/oder dem/der Solisten/Solistin. Um 18 Uhr ging es los mit Friedrich Goldmanns "Schweriner Serenade". Dabei handelt es sich um ein Auftragswerk des Orchesters in den frühen 60er Jahren. '64 wurde das Concertino unter Klaus Tennstedt hier uraufgeführt. Das viersätzige Werk ist ein Produkt seiner Zeit und stilistisch in Richtung Nono einzuordnen. Es ist ein ganz nettes, sehr vibratoreiches, Werk. Vom Hocker gehauen hat es mich nicht. Kann man mal gehört haben. Anschließend zu hörn war Schostakowitschs erst KK mit der rumänischen Pianistin Alexandra Dariescu. Den Solopart der Trompete spielte Lucas Marin Lopez. Die Aufführung des Konzertes gefiel mir gut. Die Pianistin durfte mal richtig in die Tasten reinhauen und war so dominant, dass das Orchester manchmal Mühe hatte, die Dynamik zu halten, sprich zu laut. Das Zusammenspiel hat aber sonst ganz gut geklappt, auch mit der Trompete. Das wurde auch vom Publikum mit kräftig Applaus bedacht.
    Nach der Pause der nächste Russe. Ich bekam eine solide gespielte 4. Sinfonie zu hören. Allerdings dauerte es bei mir, bis der Funken übersprang und das auch schleppend. Über große Teile des ersten Satzes berührte mich die Musik wenig, dass mag auch am Sound gelegen haben, denn der Klang war so "bedeckt". Durch das genauere Hinhören fielen mir auch einige Längen in dem Werk auf. Die Interpretation war ok. Auch sauber gespielt. Zwischedurch bekam eine Violinistin einen Hustenanfall, passiert mal. Die zweite Hälfte der Sinfonie war flott und hat auch mich wieder gehoben. Der Paukist ist wie immer 1A und Daniel Huppert typisch mit seiner ausholenden Gestik. Das Publikum war begeistert. Der Beifall hielt lange an. Mir und meinen Eltern hat es recht ordentlich gefallen. :)


    P.S.: Zu dem Alter des Publikums hingege hülle ich mich weiter in Schweigen... :hide:


    :wink:

  • Für mich war es ein krasser Opernabend heute!


    Dead Men Walking
    Oper in 2 Akten von Jake Heggie (nach dem gleichnamigen Buch von Sister Helen Prejean)


    Mecklenburgische Staatskapelle Schwerin
    Musikalische Leitung: Gregor Rot
    Inszenierung: David Freeman
    Bühne und Kostüme: Louie Whitemore
    Video: Lanterna Vision: Shuang Zou, Marco Devetak
    Choreinstudierung: Ulrich Barthel
    Dramaturgie: Katharina Riedeberger



    Ich bekam von einem Bekannten, der am Theater als Tenor arbeitet eine Karte geschenkt. Und er hat mir nicht zu viel versprochen!
    Ich bin frisch aus der Oper und immer noch tief beeindruckt! :faint:


    Ich kopiere mal die Handlungsbeschreibung:
    „Dead Man Walking!“ rufen Wächter und Insassen in amerikanischen Gefängnissen, wenn ein Todeskandidat den Weg zum Hinrichtungsraum antritt. Dieser Ruf hat der Oper ihren Titel gegeben. Im Mittelpunkt steht die katholische Schwester Helen, die aus christlicher Nächstenliebe einen Briefwechsel mit Joseph de Rocher, einem Vergewaltiger und Mörder zweier Jugendlicher, beginnt. Doch sie ahnt nicht, wie fundamental diese Entscheidung ihr Leben verändern wird. Sie gerät in eine Zerreißprobe, die ihren Glauben und damit den gesamten christlichen Weltentwurf in Frage stellt. Dem brutalen Tod der Opfer, dem durch nichts zu lindernden Leid ihrer Familien und der Uneinsichtigkeit des Täters stehen die Entdeckung der menschlichen Seiten des Mörders und die Konfrontation mit dem Zynismus der Hinrichtungsprozedur gegenüber. Am Ende eines quälenden Erkenntnisprozesses übernimmt de Rocher schließlich die Verantwortung für sein Tun.


    Nebenbei bemerkt: So viele junge Hüpfer wie heute, habe ich noch nie im Theater gesehen!
    Mich hat das Werk tief beeindruckt. Die Inszenierung kam sehr realitätsnah und lebendig rüber. Zuerst die Vergewaltigungsszene, die per Beamer gezeigt und musikalisch unterlegt wurde. Zum Ende die Exekution mit der Giftspritze. Dazwischen Momente voller Hoffnung und (An-)Klage. Und Spannung! Die Tötungsszene war am beeindruckendsten: Keine Musik, Totenstille, selbst die Teenies, die sonst zwischendurch getuschelt haben, waren still. Man hat nur die Geräusche auf der Bühne gehört.
    Ich bekam des Öfteren eine Gänsehaut, konnte mich auch gut in die Szenerie hineinversetzen. Die Sänger waren ganz verständlich hörbar. Die Hauptcharaktere wurden super und authentisch gespielt. Das Orchester war auch klasse!
    Ich bin noch ein wenig geflasht. :wacko:
    Aber: Die Wahrheit macht frei!


    Auf jeden Fall eine Empfehlung, auch wer sich nicht mit der Thematik auseinandersetzen möchte. :)


    :wink:

  • Wow, hört sich super an. Da wäre ich gern dabei gewesen. Ein Wunder, dass "sowas" in unseren Breiten aufgeführt wird. Basiert die Oper eigentlich auf dem gleichnamigen Hollywood-Film mit Sean Penn und Susan Sarandon?

    "Allwissende! Urweltweise!
    Erda! Erda! Ewiges Weib!"

  • Ja, auch, beide haben ja das Buch der Nonne als Grundlage.
    Die Oper wird nur noch vier Mal hier aufgeführt. Lass dir das nicht entgehen. :)


    Ich schaue mir gerade den Film an und muss sagen, dass ich die Oper spannender und deutlich dramatischer finde.


    :wink:

  • Habe grad mal nachgesehen. Für mich käme ja nur noch der Termin am Sa, 12.04.2014 in Frage...na, ob das was wird ;(

    "Allwissende! Urweltweise!
    Erda! Erda! Ewiges Weib!"

  • Wie schon erwähnt, war ich gestern im 6. Sinfoniekonzert in Schwerin.
    Auf dem Programm stand ausschließlich Beethoven:


    Violinkonzert D-Dur op. 61
    Pause
    Sinfonie Nr. 5 c-moll op. 67


    Solistin: Mirijam Contzen, Violine
    Mecklenburgische Staatskapelle Schwerin
    Dirigent: GMD Daniel Huppert


    Zuerst das Solistenstück. Das Violinkonzert wurde sehr souverän gespielt. Es war nicht überragend und natürlich schon gar nicht mau. Die Solistin, so schien es mir, spielte mit einem schweren Bogenarm, denn die Kadenzen klangen im ersten Satz eher schwermütig und sehnsuchtsvoll. Sie spielte mit viel Ausdruck und trillerreich. Im Finale wurde es dutlich beschwingter. Das Orchester schaffte es, Stimmungen und Spannung über weite Strecken zu erzeugen. Die Spielfreude der Musiker schimmerte mir zu sparsam durch. Daniel Huppert ist für sein temperamentvollen und gestikreichen Dirigierstil bekannt. So auch in diesem Konzert zu erleben, besonders in der 5. Aber auch in op.61, wo er im langsamen Satz! ein Mal gegen den Notenständer gegenschlug. ^^
    Die Solistin wurde hinterher mit lang anhaltendem Applaus bedacht. Leider gab es keine Zugabe zu hören.
    Nach der Pause das wohl berühmteste musikalische Werk der Geschichte.
    Der Kopfsatz wurde vom Dirigenten sehr wild genommen und galoppierte seinen Musikern förmlich durch die Partitur vorne weg. Sehr mitreißend. Aufgefallen sind mir dabei wenige unsaubere Übergänge an manchen Stellen. Vielleicht einen Zacken zu schnell? Auch der Anfang des Andantes wurde zügig, beinahe militärisch zackig gespielt. Huppert vorneweg. Das beruhigte sich aber etwas. So sind mir Live in den Sätzen zwei und drei Details aufgefallen, die ich zuvor nicht so auf CD wahrgenommen habe. Das Finale wurde ausgezeichnet gespielt. Sehr packend und flott, teilweise wie ein Sturm der Befreiung. Die Hörner, Pauke und Bässe stachen gut hervor.
    Insgesamt war es ein gelungener Abend für mich.


    :wink:

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