"Consommé aux lamelles de crêpe" oder: Aussprachen zur Aussprache

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  • "Consommé aux lamelles de crêpe" oder: Aussprachen zur Aussprache

    Ausgelagert aus dem Thread "Kleine Aussprachehilfe benötigt"


    audiamus


    :audi:




    Solche Fragen können sich wohl nur Deutsche stellen. Um sowas macht sich hier keine S...eele Gedanken. Alles wird so gesprochen, wie es Monsieur Toutlemonde in die Gurgel passt. Von Mosahrr und Bak , der natürlich auch nicht Johann Sebastian sondern Jean -Sebastien heisst, bis Göht und Nitsch, Léonard Vähssi (der verliert sogar glatt sein de) und Mikelohnsch- wo ist das Problem?
    Der Gipfel dabei ist : wenn man die Namen richtig ausspricht, was ich mit konstanter Bosheit versuche, wird man angesehen, als sei man halb debil. Wer ? Mozart???? Ah oui Mosahrrr!!!! Immerhin habe ich mit unerschütterlicher Penetranz durchgesetzt, dass man mich mit meinem richtigen Vornamen anspricht, auch wenn er konstant auf der letzten Silbe betont wird statt auf der zweiten..... was macht ein Franzose dann erst in Ungarn???? :faint:
    :fee:

    Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)

  • Da sieht man mal wieder, die Franzosen!
    Und bei uns, wenn man mal einen Namen falsch ausspricht , wird man gleich korrigiert !
    Aber liebe Fairy Queen, wie ist es denn wenn man französischen Namen falsch ausspricht,
    korrigiert man dann ?
    Ich kenne da eine Person, die sagt dann gleich, du meinst ........den ! (Er ist Franzose)


    LG palestrina

    „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
    Oolong

  • Von Mosahrr und Bak , der natürlich auch nicht Johann Sebastian sondern Jean -Sebastien heisst, bis Göht und Nitsch [...]

    Früher habe ich öfter einen französischen Rundfunksender empfangen; da gab es nicht selten Musik von Rischar Wanä. ;+)


    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Von Mosahrr und Bak , der natürlich auch nicht Johann Sebastian sondern Jean -Sebastien heisst, bis Göht und Nitsch, Léonard Vähssi (der verliert sogar glatt sein de) und Mikelohnsch- wo ist das Problem?

    Zuerst: Leonardo da Vinci heißt Léonard de Vinci MIT "de". Wahrscheinlich sprach man von Leonardo Vinci, dem Komponisten, als Du es hörtest . Dann: in Frankreich hat man sich daran gewöhnt, die Namen bekannter Personen zu übersetzen. Guido Reni ist "Le Guide", Tiziano "Titien", Titus Livius "Tite-Live", Albrecht Dürer "Albert Dürer", Petrarca "Pétrarque" , Bernini "Le Bernin", usw... genauso wie Orpheus "Orphée" ist... Dies sind Wörter der französischen Sprache, ganz einfach, wie auf Deutsch Zizero, Virgil, Orfojs und Zojs ;-), genauso wie die Spanier die englische Queen Isabel nennen, ihren Sohn Carlos, ihre Enkel Guillermo und Enrique
    Aus diesem Grund ist Bach Jean-Sébastien (und einer seiner Söhne Jean-Chrétien). Sogar Beethoven und Schubert ließen eigene Werke unter dem Namen "Louis van Beethoven" bzw. "François Schubert" veröffentlichen. Aber die Deutschen haben auch Pjotr Ilitsch Tschaikovsky in Peter umgetauft ...


    Was mich auf die Palme bringt, ist die Gewohnheit einiger Radio-Moderatoren, alle ihnen unbekannten Namen auf Englisch auszusprechen. Ich hab es mit Charles-Valentin Alkan gehört. Ganz putzig. Es stört mich nicht, wenn ein deutscher Moderator weniger bekannte Namen eindeutscht. Oder Stravinsky in Schtravinsky einschwäbelt. Lieber das, als zu versuchen, die originale Aussprache zu rekonstruieren und dabei grundsätzlich daneben liegen wie die unsägliche Ursula Adamsky-Störmer auf BR-Klassik.

    Alles, wie immer, IMHO.

  • Das Eindeutschen von antiken Namen hat wir schon einmal in einem anderen thread. Historische Herrschernamen werden of immer noch eingedeutscht, aber sonst ist das bei nachmittlelalterlichen Namen eher selten. Ich weiß noch, wie ich stutzte, als ich mal eine Ausgabe von "Franz Baco" in die Hand bekam (vermutlich aus dem frühen 20. Jhd.)
    Je bekannter ein Name ist, desto wahrscheinlich wohl eine Eindeutschung.Wenn man auf deutsch Cristobal Colon sagen würde, wirkte das einfach nur gestelzt, aber Franz Baco statt Francis Bacon ist sehr ungewöhnlich und altmodisch.

    Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
    (B. Pascal)

  • Franz Speck. Schinken heißt schon der zweite Sohn Noahs.

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    (B. Pascal)

  • Wenn man auf deutsch Cristobal Colon sagen würde, wirkte das einfach nur gestelzt,


    immer noch besser, als "Christopher Columbus", wie ich kürzlich in irgendeiner Fernsehsendung hörte... brrr!
    Oder die Erklärung in einer deutschsprachigen, nach eigenem Anspruch populärwissenschaftlichen Zeitschrift, daß die WHO-Rehydrationslösung "Sodium Cloride" und "Potassium Carbonate" (sic: zweimal Plural!) enthält...
    Oder die durch manche Sportzeitschriften geisternde Sucrose...
    in einem mehrfach preisgekröntem Weinbuch habe ich auch schon mal die Erklärung gefunden, daß Polyphenole so heißen, weil es so viele sind.


    Jaja: fremdsprachige Wörter sind manchmal Glückssache. Manchmal würde ein Blick in ein einschlägiges Wörterbuch oder Lexikon schon weiterhelfen, ersatzweise hätte man in der Schule besser aufgepast....

    viele Grüße


    Bustopher



    Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buche?
    Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher, Heft D (399)

  • Wenn man auf deutsch Cristobal Colon sagen würde, wirkte das einfach nur gestelzt,


    Ja. Aber weil er nur halb nach Indien gesegelt ist, wäre Semi-Colon nicht so verkehrt.


    Gruß
    MB


    :wink:

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • :mlol:

    viele Grüße


    Bustopher



    Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buche?
    Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher, Heft D (399)

  • Ich weiß noch, wie ich stutzte, als ich mal eine Ausgabe von "Franz Baco" in die Hand bekam (vermutlich aus dem frühen 20. Jhd.)


    "Baco de Verulamio" ist wohl die latinisierte Version. So als Eingangszitat in der Kritik der reinen Vernunft von Kant.

    Nur weil etwas viel Arbeit war und Schweiß gekostet hat, ist es nicht besser oder wichtiger als etwas, das Spaß gemacht hat. (Helge Schneider)

  • Aber liebe Fairy Queen, wie ist es denn wenn man französischen Namen falsch ausspricht,
    korrigiert man dann ?


    Das ist eine Todsünde und hat nicht vorzukommen. Das Beste was ich diesbezüglich erlebt habe, waren Amerikaner von einem Austauschchor, die bei uns wohnten und die die ChampsElysées besuchen wollten und frisch fromm fröhlich frei "Dschäms Ileississ" daraus machten. Ich habe wenigstens noch kapiert was sie meinten, aber mein französisher Ehemann hat erst nur grosse Augen gemacht und als ich ihn aufgeklärt habe....... :o:
    Was Leonardo angeht, lieber Philbert habe ich ihn oft genug ohne "de" sagen gehört. Und dass es der Maler war, ist eindeutig, die Leute kennen in der Regel nämlich nur den Maler. 8+) Mir ist es wurscht, wer was wie auspricht, solange ich kapiere, was gemeint ist und solange gleiches Recht auch für mich gilt.. Aber ich lasse mich ungern so weit tyrannisieren, meine eigene Sprache falsch aussprechen zu müssen und bei Fehlern in der frz. Aussprache dagegen schon als unzivilisierter Barbar zu gelten. Da stimmen einfach die Proportionen nicht. Aber als gebürtiger Franzose darf man das natürlich etwas "patriotischer" sehen. :rolleyes:
    :fee:

    Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)

  • Bei einer Erwähnung in einem so alten Text hätte mich es kaum gewundert. Es müsste aber eine Textauswahl in dt. Übersetzung von ca. 1900-20 gewesen sein und es war sicher nicht Franciscus Baco, sondern Franz.
    Dass man im 17. Jhd. sehr häufig latinisierte Namen hat, ist klar und dass manche von denen auch die üblichen geblieben sind. Aber eine solche Eindeutschung sehr viel später hat mich doch etwas gewundert.

    Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
    (B. Pascal)

  • Die Frage der "korrekten" Aussprache ist ein deutsches Verhalten, dass sich vor allem nach dem Krieg durchgesetzt hat. Dabei kommen (außer modischen eRscheinungen) zwei Tendenzen durch, zum einen ein Bildungsbürgertum, das seine geistige Überlegenheit dadurch beweisen will, dass es weiß, wie man etwas ausspricht - und so ein Polyglottheit vortäuscht, die doch ziemlich oberflächlich ist, dan ist es sicherlich auch ein schlechtes Gewissen, dass es Eindeutschungen gegeben hat, die (zu Recht) als Annexionen angesehen wurden, dass mit deutschen Ortsnamen auch staatliche Ansprüche verbunden wurden.


    In England ist es nicht anders als in Frankreich, da wird lustig alles so ausgesprochen, wie man es als Engländer ausspricht, eine Bemühen um "korrekte" Aussprache ist da eher lächerlich - also "Roll over Beethóven" :D - und ein lustiges Namesraten beim Anmoderieren ...


    Liebe Grüße Peter

    .
    Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
    (Hermann Bahr)

  • Aber als gebürtiger Franzose darf man das natürlich etwas "patriotischer" sehen.

    Es ging mir nicht um Patriotismus, sondern darum, Deinen Pauschalurteilen einen anderen Sichtpunkt entgegenzustellen.
    Wenn Du z.B. "oft genug" Léonard de Vinci ohne "de" hast benennen hören, heißt es bei weitem nicht, daß "die Franzosen" es tun. Diejenigen, die es tun, haben einfach keine Ahnung, genauso wie der Deutsche, dem ich letzte Woche erklären mußte, wer Hans Holbein war.

    Aber ich lasse mich ungern so weit tyrannisieren, meine eigene Sprache falsch aussprechen zu müssen und bei Fehlern in der frz. Aussprache dagegen schon als unzivilisierter Barbar zu gelten.

    Ich weiß echt nicht, in welchen Kreisen Du verkehrst. Scheinen, ziemlich uncoole Menschen zu sein. Stimmt, Du bist im Norden ... OK, als ich in Göttingen wohnte, bin ich auf Menschen gestoßen, die sich darüber empörten, daß ein Franzose es wagte, ihnen zu sagen, daß man "vereinbart" ohne "h" schreibt. Ich würde aber nicht sagen, daß "die Deutschen", nicht mal "die Niedersachsen" und auch nicht "die Göttinger" den Ausländern keine Einsichten auf die eigene Sprache zulassen.


    Es stimmt auch, ich habe bemerkt, daß Coolness im Frankreich der letzten Jahre eher auf dem Rückzug ist. Aber bevor man sich als "unziviliserten Barbar" betrachtet fühlt (gibt es eigentlich zivilisierte Barbaren?), gibt es schon Möglichkeiten, den Kulturkampf zu entschärfen. Vielleicht indem man den anderen die eigene Coolness entgegenhält ? ;)

    Alles, wie immer, IMHO.

  • Die Frage der "korrekten" Aussprache ist ein deutsches Verhalten, dass sich vor allem nach dem Krieg durchgesetzt hat.


    Davon grundsätzlich ausgenommen scheinen nördlich irgendeines Breitengrades allerdings spezifisch österreichische (z.T. bairische) Vokabel zu sein. Was ich schon falsch ausgesprochene Palatschínken und Frittáten (kurzes a!), Ríbisel und Pówidl (das d sehr schwach gesprochen) gehört habe... :faint: ;+) :D


    Liebe Grüße,
    Areios

    "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
    Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.

  • Davon grundsätzlich ausgenommen scheinen nördlich irgendeines Breitengrades allerdings spezifisch österreichische (z.T. bairische) Vokabel zu sein. Was ich schon falsch ausgesprochene Palatschínken und Frittáten (kurzes a!), Ríbisel und Pówidl (das d sehr schwach gesprochen) gehört habe... :faint: ;+) :D


    Lieber Areios,


    ich vermute mal, dass viele diesen Wörtern nur in der Schriftform begegnen - und dann falsch raten. Es ist ein Armutszeugnis, da hast Du Recht.


    Liebe Grüße Peter

    .
    Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
    (Hermann Bahr)

  • Lieber Philbert, Du hast offenbar den Film "Bienvenu chez les Sch'tis" nicht gesehen. Demnach soll es im Süden ja viel schlimmer sein..... :P
    Abgesehen davon streitet man wohl auch in deutschen Internetforen besser nicht mit Franzosen über ihre Sprache und Kultur. :hide: :stumm:
    :fee:

    Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)

  • Abgesehen davon streitet man wohl auch in deutschen Internetforen besser nicht mit Franzosen über ihre Sprache und Kultur.

    Anscheinend kommst Du von Deinen Pauschalurteilen nicht los ... Vielleicht ist Dein Problem mit Deiner jetzigen kulturellen Umgebung ein ganz klitzekleines Bißchen ich-bedingt ? Wer kommt hier mit der großen Artillerie gegen "die Franzosen" und wirft um sich mit krassen Verallgemeinerungen, wenn nicht Du ?


    Ich für meinen Teil habe oft lebhafte Diskussionen über das Thema mit meinen Arbeitskollegen/Freunden/Nachbarn usw... aber alles in einer sehr lockeren Atmosphäre und wurde sogar als "den bayerisch-schwäbischten aller Franzosen" (oder war's "den französischsten aller Bayerisch-Schwaben" ?) betitelt. Fühle mich pudelwohl in beiden kulturellen Kreisen und würde mit allen Kräften Bayerisch-Schwaben (und vielleicht sogar Altbayern, seien wir nicht engstirnig) gegen alle Pauschalangriffe (nicht nur) in französischen Foren verteidigen.

    Lieber Philbert, Du hast offenbar den Film "Bienvenue chez les Ch'tis" nicht gesehen. Demnach soll es im Süden ja viel schlimmer sein...

    Nicht nur habe ich den Film gesehen, ich habe mir auch den (viel unverkrampfteren) italienischen Remake angeschaut, Benvenuti nel Sud ... da wird der Süden von seiner lockeren Seite gezeigt ...

    Alles, wie immer, IMHO.

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