WAGNER: Männerlist größer als Frauenlist oder Die glückliche Bärenfamilie - Wagners (unvollendetes) Singspiel

  • WAGNER: Männerlist größer als Frauenlist oder Die glückliche Bärenfamilie - Wagners (unvollendetes) Singspiel

    Jubiläumsjahre von Komponisten bringen es ja in der Regel mit sich, dass auch deren selten oder noch gar nicht gespielte Werke auf einmal (wieder) ins Rampenlicht gerückt werden. Neben Wagners Frühwerken "Die Feen", "Das Liebesverbot" und "Rienzi" wird bald auch sein Fragment gebliebenes Singspiel (ja, richtig gehört: Singspiel!) "Männerlist größer als Frauenlist oder Die glückliche Bärenfamilie" (was für ein schräger Titel! :D ) aus dem Jahr 1837 erstmals szenisch auf die Bühne gebracht. Zwei Musiktheater aus der freien Szene nehmen sich der Sache an: Die Nürnberger POCKET OPERA COMPANY und die Berliner HAUPTSTADTOPER. Während die Berliner es wohl eher in einem sehr kammermusikalischen Rahmen präsentieren (zumindest erwecken die Bilder der Räumlichkeiten diesen Eindruck), wird in Nürnberg ein großes Zirkuszelt im Stadtpark der Schauplatz der Aufführung sein. Die eigentlich spannende Frage dabei ist, in welcher konkreten Form das Werk gegeben werden wird, da zwar einerseits das komplette, wie stets von Wagner selbst verfasste, Libretto vorliegt, jedoch nur drei musikalische Nummern als Particell, die lange als verschollen galten und erst 1994 bei einer Auktion wieder auftauchten. Zwei der Nummern (eine Introduktion und ein Tenor-Sopran-Duett) wurden 2007 von James Francis Brown instrumentiert und in London konzertant uraufgeführt. Leider gibt es davon meines Wissens nach keine Aufnahme.


    Wagners Singspiel (im Libretto finden sich klare Hinweise auf gesprochene Passagen) basiert auf einer Erzählung aus "1001 Nacht" und handelt vom Goldschmied Julius Wander, der sich in eine ihm unbekannte schöne Kundin, Leontine, verliebt. Leontine entdeckt in seinem Laden eine Inschrift: "Männerlist größer als Frauenlist" ist dort zu lesen. Sie ist von diesem kühnen Spruch verärgert und versucht nun, den verliebten Julius mittels einer List vom Gegenteil zu überzeugen. Sie behauptet, ihr Vater, Baron von Abendthau, hielte sie für überaus hässlich und es würde sich bestimmt nie jemand finden, der sie zur Frau nimmt. Julius ist mehr als verwundert darüber, wie man etwas derartiges über diese reizende Gestalt sagen könne. Er sucht Baron von Abendthau auf und hält um die Hand seiner Tochter an. Abendthau zeigt sich erstaunt, dass tatsächlich jemand seine Tochter zur Frau nehmen will. Er stellt seinen Segen in Aussicht, verlangt jedoch einen Adelsnachweis von seinem zukünftigen Schwiegersohn. Nachdem Julius diesen erfolgreich vortäuscht, steht der Hochzeit nichts mehr im Weg, ein Vertrag wird unterzeichnet. Doch als Abendthaus Tochter Aurora (Leontine hatte sich nur als seine Tochter gegenüber Julius ausgegeben) schließlich erscheint, entpuppt sie sich für Julius als hässliches Ungetüm. Verzweifelt versucht Julius nun, sich irgendwie aus dem Vertrag zu winden. Als sich ein Wanderzirkus mit Tanzbär in der Stadt ankündigt, kommt Julius eine Idee: Wenn er Abendthau davon überzeugen kann, dass das niedere "Zirkuspack" seine eigentliche Familie ist (und ganz und gar nicht von Adel), dann wird ihn der Baron aus Abscheu gern freiwillig aus dem Vertrag entlassen. Wie der Zufall es so will, findet Julius unter den Zirkusleuten tatsächlich seine Familie: Vater Gregor und Bruder Richard (!), der nach dem Tod des eigentlichen Tanzbären in einem Bärenkostüm für das Einkommen sorgt. Großes familiäres Wiedersehen, der Baron reagiert wie erwartet und am Ende bekommt Julius dann natürlich auch seine Leontine ...


    Wagners Libretto ist als einziges seiner Werke recht offensichtlich autobiografisch gefärbt: Der Name Julius Wander geht klar auf Wagners Bruder Julius zurück, der tatsächlich Goldschmied war. Auch Wagners Liebe zum Zirkus lässt sich in seiner Biographie leicht nachweisen. Und schließlich gibt es da noch einen Bären namens Richard Wander ... ;+)


    Bislang konnte ich mit Wagners komischen Opern ("Das Liebesverbot" und "Die Meistersinger von Nürnberg") eher nicht so viel anfangen, bin aber trotzdem sehr gespannt auf "Männerlist größer als Frauenlist" ...


    Mehr Informationen gibt es u.a. hier:


    "http://www.kulturstiftung.de/publikationen/patrimonia/archiv/detail/?tx_kslpatrimonia_pi1%5BshowUid%5D=151"
    "http://en.wikipedia.org/wiki/Männerlist_größer_als_Frauenlist"
    "http://www.welt.de/newsticker/news3/article113330770/Grosser-Zirkus-um-Richard-Wagner.html"
    "http://www.pocket-opera.com/index.php"
    "http://www.facebook.com/pages/Pocket-Opera-Company/184448001616161"
    "http://www.jamesfrancisbrown.com/works/work.asp?workid=312"
    "http://www.hauptstadtoper.de/"


    DiO :beatnik:

    "Wer Europa in seiner komplizierten Verschränkung von Gemeinsamkeit und Eigenart verstehen will, tut gut daran, die Oper zu studieren." - Ralph Bollmann, Walküre in Detmold

  • Bärig

    Eine Bärenoper von Richard I.? Von diesem Singspiel-Fragment habe ich noch nie gehört! Die Handlung ist ja allerliebst.


    Wagner muß Meister Petz auch später noch geschätzt haben, schließlich tauchen zwei possierliche Exemplare auch im Ring auf, einer in Siegfried - der Titelheld erschreckt damit seinen Ziehvater Mime - und einer in der Götterdämmerung, im heiteren Spiel mit den Rheintöchtern (das hat Konwitschny in Stuttgart seinerzeit, zur Zeit als Wiederaufnahme, durchaus librettogetreu inszeniert).


    Wagner-Sohn Siegfried hatte ja auch eine Neigung zum Zotteltier: Der Bärenhäuter. Könnte man vielleicht psychoanalytisch ausschlachten, aber da lasse ich die Finger von.


    Was ist denn musikalisch über Wagners Singspiel zu sagen?


    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann


  • Was ist denn musikalisch über Wagners Singspiel zu sagen?


    :wink:


    Lieber Gurnemanz,


    das müssen wir uns wohl noch etwas gedulden, bzw. man müsste sich eine dieser Publikationen zulegen:


    "http://www.musichaven.co.uk/Mannerlist-(Full-score)-Richard-Wagner.html"
    "http://www.musichaven.co.uk/Mannerlist-(Vocal-Score)-Richard-Wagner.html"


    Ein bisschen in die Noten "reinschnuppern" kann man aber hier:


    "http://www.jamesfrancisbrown.com/works/work.asp?workid=312&order=catdate"


    DiO :beatnik:

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  • Am 27.6., also in einer Woche, bringt die POCKET OPERA COMPANY Richard Wagners Jugendwerk "Männerlist größer als Frauenlist oder: Die glückliche Bärenfamilie" zum ersten Mal in einer musikalisch komplettierten Fassung mit Chor und Orchester szenisch auf die Bühne. Die Inszenierung stammt von Peter P. Pachl.


    "http://www.pocket-opera.de/index.php"


    DiO :beatnik:

    "Wer Europa in seiner komplizierten Verschränkung von Gemeinsamkeit und Eigenart verstehen will, tut gut daran, die Oper zu studieren." - Ralph Bollmann, Walküre in Detmold

  • Beiträge des Bayerischen Fernsehens und von BR Radio zur Pocket Opera-Aufführung von "Männerlist größer als Frauenlist oder Die glückliche Bärenfamilie" gestern im Stadtpark Nürnberg:


    "http://www.youtube.com/watch?v=APAoloSRXAI"


    "http://www.br.de/radio/br-klassik/sendungen/leporello/wagner-im-zirkus-100.html"


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  • Auf YT gibt es jetzt ein Video mit Ausschnitten aus der Produktion der Pocket Opera Company:


    "http://www.youtube.com/watch?v=2IfFbTCxrhM"

    "Wer Europa in seiner komplizierten Verschränkung von Gemeinsamkeit und Eigenart verstehen will, tut gut daran, die Oper zu studieren." - Ralph Bollmann, Walküre in Detmold

  • Für alle, die diese kuriose Wagner-Oper einmal kennenlernen wollen: Die Pocket Opera Company streamt am kommenden Samstag 25. Juli um 20:15 Uhr auf YouTube die Aufzeichnung der Uraufführung von 2013 im Nürnberger Stadtpark: https://www.youtube.com/watch?v=YEqIe62Bi3s.


    DiO

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