Schumann : Liederkreis nach Gedichten von Joseph von Eichendorff op. 39

  • Schade, dass der sehr interessante Analyse-Dialog zwischen Fairy und Philbert hier etwas eingeschlafen ist...vielleicht ergibt sich ja nochmal der Atem für die restlichen Lieder...ich fühle mich so dezidiert (noch) nicht berufen das weiterzuführen.


    Was ich grad nur sagen kann, da ich heute an leichter Schlaferosion litt, habe ich endlich mal diese Aufnahme (und dann gleich 3 Mal) angehört:


    Mitsuko Shirai / Hartmut Höll (1985/86)
    Das Wort "magisch", das MB in Verbindung mit Schreier brachte, möchte ich hier wiederverwenden. Mitsuko Shirai ist hier total suverän, weiß zu gestalten, ohne in die Preziosität zu fallen... Wunderschönes Farbenspiel, das mit Schumanns Klangsprache seht gut hamoniert. Shirai scheint hier ihre Stimme wie ein Luxusinstrument zu führen, das feinfühlig auf jeden Impuls reagiert.
    Hartmut Höll ist ein kongenialer Partner, der die Atmosphäre beschwören kann...
    Magisch im Sinne von "zauberhaft" aber auch von "irreal".

    Insofern finde ich nach dem Hören, dass hier alles gesagt ist, besser könnte ich's nicht ausdrücken oder würde mich nur wiederholen.
    Ja, es mag künstlich sein (im buchstäblichen, nicht wertenden Sinne), aber eben tatsächlich große Kunst, sehr präzise, aber ohne kalt und distanziert zu wirken. Ich will nicht das Wort perfekt benutzen, aber das ist eine der in sich schlüssigsten, selbstgenügsamsten und komplettesten Aufnahmen, die ich je gehört zu haben meine. :verbeugung1:

    "Allwissende! Urweltweise!
    Erda! Erda! Ewiges Weib!"

  • War dabei, im Thread zu Schubert-Liedern zu schreiben:


    @Zwielicht hat in Post #4 die Schubert-Lieder gesungen von Jessye Norman gelobt.
    Bin eigentlich alles andere als ein Lieder-Fan, aber habe jetzt doch etwas geschnuppert, nachdem mir der "Gesang der Geister über den Wassern" so gefallen hat.
    Habe in einige im Schubert-Lieder-Ranking aufgelisteten Liedern reingehört.
    Hängen geblieben bin ich bei "Mondnacht", ganz traumhaft gesungen von Jessye Norman, aber auf einer anderen Platte / CD als die von Zwielicht empfohlene, nämlich diese:



    (Ob es da mit der Aussprache etwas zu kritteln gibt, kann ich nicht beurteilen, da ich nur auf den Gesang und die Melodie achte, aber nicht auf den Text, mir fällt jedenfalls nichts negativ auf)
    In der Tube hier zu finden
    https://www.youtube.com/watch?v=5hY6beh4Zlw


    Beim Suchen der CD fürs Einstellen hier im Post fiel mir dann auf, dass das ja gar nicht Schubert, sondern Schumann ist :versteck1: , nun, immerhin 50 % Trefferquote :sofa2:
    und habe es ja noch rechtzeitig gemerkt :P


    Da Jessye Norman und ihre CD hier im Thread noch fehlt, hiermit mit Empfehlung (einer Banause) eingestellt.
    Habe aber inzwischen gegoogelt, und Jessye Normans Lieder-Interpretationen werden von der Kritik hoch gelobt, zB
    "mit kluger Textausdeutung, ihrem weichen Samttimbre und den voluminösen, dabei schlanken Spitzentönen sorgte sie für poetisch-intime Wonne, versonnene Entrücktheit."
    Sollte daher hier nicht fehlen!
    Für mich noch schöner als die von @FairyQueen präferierte Barbara Bonney



    amamusica

    Ein Blümchen an einem wilden Wegrain, die Schale einer kleinen Muschel am Strand, die Feder eines Vogels -
    all das verkündet dir, daß der Schöpfer ein Künstler ist. (Tertullian)


    ...und immer wieder schaffen es die Menschen auch, Künstler zu sein.
    Nicht zuletzt mit so mancher Musik. Die muß gar nicht immer "große Kunst" sein, um das Herz zu berühren...




  • Bei Gedichten kann es natürlich viele unterschiedliche Vertonungen geben.
    Wer auf noch mehr Mondnacht Lust hat, kann als Kontrastprogramm ja bei der Mittelalter-Rock-Version der Band Ignis Fatuu reinhören,
    da wurde der Text noch etwas verlängert-ergänzt, damit das Lied nicht so schnell wieder aus ist.
    Da fliegt die Seele zu Schlagzeug, Blockflöte und e-Gitarre durch die stillen Lande 8o :)
    https://www.youtube.com/watch?v=ZZXStoauCdc


    :wink:


    amamusica

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  • Hallo amamusica, da verdirbt man sich ja die schöne Schumannsche "Mondnach", der leiert sich ja im Video ganz schön einen ab! ^^


    LG palestrina

    „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
    Oolong

  • Sehr romantisch-gefühlvoll die Schumann-Mondnacht gesungen von Florian Prey (Sohn des Opernsängers Hermann Prey), am Klavier begleitet von Brigitta Eila:
    https://www.youtube.com/watch?v=NY2HBAQ0S9w


    :wink:


    amamusica

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  • Hm, das klingt nicht wirklich begeistert, @Philbert .
    Eine Frage, was ist denn für Deine Ohren konkret nicht so gut, bei der von Florian Prey gesungenen Mondnacht?
    Sorry für diese Laien-Frage


    :wink:


    amamusica

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  • Das ganze wird nach Noten gesungen und gespielt, als wäre es von einem MIDI-Konverter generiert worden. Deshalb "Bravo Schumann", denn von Florian Prey und Brigitta Eila bekommt man nichts Identifizierbares.

    Alles, wie immer, IMHO.

  • Ah, oh, ok
    Vielen Dank für die Antwort, @Philbert


    :wink:


    amamusica

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  • Die "Mondnacht" gehörte schon immer zu meinen Lieblingsliedern. :verbeugung1: Schlicht, aber dennoch sehr ergreifend, wenn passend interpretiert.


    Gibt es eigentlich auch einen Thread zu op. 24, also dem "kleinen Heine-Liederkreis"? Den kannte ich bislang übrigens noch nicht. :versteck1: Aber ich bin ja auch nur ein Klassik-Newbie, daher möge man es mir verzeihen. Habe mal eben etwas darzu gelesen bzw. mir diesen Beitrag v. Florian Heurich und Thomas Hampson angehört:


    Robert Schumann: Liederkreis op. 24 | BR-Klassik
    Mit dem 1840 entstandenen Liederkreis op. 24 beginnt Robert Schumanns intensive Aueinandersetzung mit der Lyrik Heinrich Heines. Im Gegensatz zu Heines…
    www.br-klassik.de


    Und mir das Werk heute Morgen auch schon angehört.


    Ich bevorzuge dennoch op. 39, aber es war mal interessant, sich damit beschäftigt zu haben.

    Don' t feed the troll!



  • @ Mondnacht:


    Auf die Gefahr hin, dass ich bereits Gesagtes wiederhole, da ich den Thread eher oberflächlich durchgegangen bin.


    Das interessante Phänomen an der Schumann-Vertonung - schon irgendwie auch mein persönliches Lieblings-Kunstlied - besteht darin, dass harmonisch und melodisch erst das Postludium am Klavier eindeutig zur Ausgangstonart zurückführt. Die letzte Verszeile im Irrealis bleibt auch musikalisch in der Schwebe aufgrund des mitschwingenden erniedrigten Leittons. Ein wunderbares Exempel neben manchen Gemälden von Caspar David Friedrich, um die romantische Weltsicht Eichendorffs zu veranschaulichen - nicht zwangsläufig auch die Weltsicht eines Novalis, eines Brentano und natürlich auch nicht eines E.T.A. Hoffmann.


    Der romantische Katholik Eichendorff sieht die Natur nur als Durchgangsstadium hin zum Licht, zu Gott. Das steht konträr gegenüber jeglichem Pantheismus, hat auch nichts zu tun mit der Sturm-und-Drang-Lyrik etwa Goethes in seinem Mailied.


    Da ich kein großer Liedkenner bin, kann ich nur mit vermutlich zwei Einspielungen dienen. Fischer-Dieskau/ Moore wurden oben bereits vorgestellt. Diese Aufnahme habe ich - auf Kassette - meinen Oberstufen-Zöglingen vorgespielt. Die Kassette enthält Liedaufnahmen zu einigen romantischen Gedichten und ist gezielt für Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer gedacht.


    :) Wolfgang

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Mir gefällt ja das Zitat der Lyrikerin Ulla Hahn: "Innere und äußere Landschaft verschmelzen miteinander."


    andréjo:

    Ich mag ja Thomas Quasthoffs Einspielung sehr (1993):

    Liederkreis, Op. 39: V. Mondnacht
    Provided to YouTube by RCA Red SealLiederkreis, Op. 39: V. Mondnacht · Thomas Quasthoff · Robert Schumann · Robert SzidonSchumann Liederkreis℗ 1993 BMG Enter...
    www.youtube.com

    Don' t feed the troll!



  • In der tube gibt es unter dem Thema Bernard Kruysen und dem Titel "Schumann 1840" 127 Aufnahmen von Schumann -Liedern , gesungen von Danielle Galand bzw. Bernard Kruysen , am Flügel Noel Lee .Gibt es auch bei amazon . Ich muß irgendwo auch noch Schumann - Lieder von Kruysen mit Jean-Charles Richar haben , die sind älter , Anfang der 60er , die fand ich noch besser . Philbert müßte die kennen . Jedenfalls hat Kruysen den Liederkreis mind. 2 x aufgenommen .


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  • Mein absoluter Favorit vom Op.39 ist......


    Hans Peter Blochwitz

    .....danach Olaf Bär der hier schon erwähnt wurde......


    ......dann noch ein Tenor......

    Protschka ist auch bei Schumann wunderbar!


    ......und dann noch einer meiner liebsten Liedsänger .....



    ......Andreas Schmidt, gesegnet mit einer einfühlsamen Stimme!


    LG palestrina

    „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
    Oolong

  • Als ich diesen Liederkreis zum ersten Mal hörte, sass ich im Auto. Die Musik hat mich so berührt, dass ich am Strassenrand gehalten habe und zu spät zur Arbeit kam. Gesungen hat Marjana Lipovsek, mit Graham Johnson am Klavier. Das Klavier finde ich in dieser Aufnahme ein wenig zu zurückhaltend.

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