Das ist ja kriminell

  • Meine Mutter war eine große Freundin von (oft vorabendlich) laufenden Krimiserien und Kriminalfilmen und diesen Umstand verdanke wohl mein Interesse an dem Genre „Kriminalliteratur“. Denn wenn sie vor der Flimmerkiste aus dem Haus Nordmende saß, so saß ich dort auch. An den besagten Serien meiner Kindheit hänge ich darum - oft wider besseres Wissen hinsichtlich ihrer Qualität - aus sentimentalen Gründen. Was wäre meine kümmerliche Existenz ohne Edgar Wallace, ohne Jessica Fletcher, Matlock, Miss Marple, Perry Mason, Cannon, Father Dowling, Ironside, Maigret (mit Bruno Cremer) usw. usw.? Eine jener mir ans sentimentale Herz - seinerzeit ziemlich gefloppte - Serie ist vor nicht allzu langer Zeit aus DVD erschienen:



    Natürlich konnte ich der Anschaffung nicht widerstehen. :D Widerstehen konnte ich auch nicht, als die Frage aufkam, ob ich denn nun endlich auch einmal einige der Romane Rex Stouts um den mopsigen Nero Wolfe und den smarten Archie Goodwin anschaffen und lesen sollte. Gesagt, getan.



    Gelesen habe ich in der letzten Zeit also „Fer-de-Lance“, „The League of Frightened Men“, „The Rubber Band“ und „The Red Box“. Und was für eine Freude ist das doch! Verzwickte Fälle, gelungene Charakterzeichnungen, sprachlich ein echter Spaß. Insgesamt kann ich nicht anders, als von einem enormen Unterhaltungswert zu sprechen. Sechs weitere Romane sind bestellt. Dem, der’s nicht kennt, dem sei‘s empfohlen. Aber nur im Original.


    :wink: Agravain

  • Nach mehrfacher persönlicher Empfehlung habe ich mal angefangen zu lesen (obwohl eigentlich keine Zeit):


    Jean-Claude Izzo

    Die Marseille-Trilogie



    Da ich ja ein Faible für Marseille und die Gegend habe... Fängt gut an.



    maticus

    Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
    Und wer Herr Reichelt ist, weiß ich auch erst seit Montag. --- Prof. Dr. Christian Drosten

  • Da ich ja ein Faible für Marseille und die Gegend habe

    Dann solltest du es auf der Terrasse des Chalet du Pharo lesen - da hast du viel vom Buch im Blick .

    Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Not really now not anymore" "But I am good. What the hell has gone wrong?"

  • Dann solltest du es auf der Terrasse des Chalet du Pharo lesen

    Ach, wie gern.


    maticus

    Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
    Und wer Herr Reichelt ist, weiß ich auch erst seit Montag. --- Prof. Dr. Christian Drosten

  • Ach, wie gern.

    Aber natürlich sind seit Erscheinen der Bücher 25 Jahre vergangen . Aber Les Tamaris passt auch dazu . Und der Weiße (Roussanne) blieb gleich .


    Ergänzung aus der Abt.Trivia for the collector : Simenon läßt Maigret als Kommisar einer mobilen Brigade der Polizei in Marseille ! agieren , in einem Proto-Maigret , der 1930 als Train de nuit unter dem Pseusonym 'Christian Brulls' erschien .

    Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Not really now not anymore" "But I am good. What the hell has gone wrong?"

    Einmal editiert, zuletzt von b-major ()

  • Ich kenne leider nur die Hörspielfassung der Trilogie. Sie enthält unglaublich traurige Momente.

    In den Zusammenhang passt sehr gut Dominique Manottis « Marseille.73 ».

    Beste :wink: Grüße, Kermit

    Es ist vielfach leichter, eine Stecknadel in einem Heuhaufen zu finden, als einen Heuhaufen in einer Stecknadel.

  • In den Zusammenhang passt sehr gut Dominique Manottis « Marseille.73 ».

    Lieber Kermit , das lese ich nicht so . Einzig der Ort der Handlung ist eine Gemeinsamkeit . Ansonsten mutet Marseille.73 wie artifizieller Noir an , mal eben zusammengeworfen , was an Themen aktuell ist , und am Computer zusammengefügt . Von Atmosphäre kein Spur , und von den Romanen etwa des in Marseille geborenen Manchette oder eben Izzo um Klassen entfernt . Aber jeder hat seine Maßstäbe .

    Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Not really now not anymore" "But I am good. What the hell has gone wrong?"

  • Dominque Manotti steht nicht für Gefühl und für Atmosphäre. Deswegen fühlen sich Büro- und Apartmentgebäude in ihren Kriminalaromanen sich besonders unbehaglich und fast stets unwohnlich an. Ich halte dies (zumindest zu einem gewissen Teil) für Absicht. Das abolute Gegenteil von Martin Walkers Kriminalromanen, dessen bracchiale Idyllen unfreiwillig komisch wirken.

    Es ist vielfach leichter, eine Stecknadel in einem Heuhaufen zu finden, als einen Heuhaufen in einer Stecknadel.

  • Bei mir geht ja immer Simenon oder Leif GW Persson.


    Und nun ist auch für mich die Reihe um Sebastian Bergman von Hjorth und Rosenfeldt dazugekommen. Bergman ist ein egoistischer, schwer erträglicher, aber natürlich sehr, sehr fähiger Psychologe, der die Polizei bei Ermittlungen unterstützt.


    Rosenfeldt hat unter anderem das Drehbuch zur „Brücke“ geschrieben. Wer die Serie gesehen hat, wird beispielsweise wiedererkennen, dass es eine Vielzahl an Personen gibt, die in die Handlung eingebunden sind - aber nicht notwendig eine wichtige Rolle spielen - und so ein Bild der Gesellschaft geben.

    Beim ersten Band („Der Mann, der kein Mörder war“) kam eine gute, wendungsreiche Geschichte hinzu. Also bin ich jetzt mitten in Band 2 („Die Frauen, die er kannte“). Ebenfalls gut.

    Jein (Fettes Brot, 1996)

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