Was ist, was soll, was darf Opernregie? Und was nicht?

  • Das grundlegende Handwerk dafür hatte er doch, soweit ich weiß, recht ausgiebig studiert.

    Aber nicht doch. Harmonielehre, Formenlehre, vierstimmiger Satz, Kontrapunkt, Instrumentation usw., das fiel Wagner alles in den Schoß. Das musste er nicht lernen. Die Wahrheit ist: Das muss niemand lernen. Das kann einfach jeder, wie auch jeder Regie führen kann. Und dasselbe trifft natürlich für das Malen, das Instrumentalspiel und überhaupt alle Künste zu.

  • in bin ja in gerade mal 50 Autominuten ''drüben'' in Meiningen - und da für die letzten fünf Vorstellungen (Febr.-April) noch gar kein VVK läuft, hatte ich ein paar Stündchen lang mit dem Gedanken gespielt, mir diese Boheme anzusehen - aber zu dieser anscheinend ausgesprochen halb-gelungenen Produktion habe ich (abgesehen von Il Tabarro und der Ur-Butterfly ohnehin kein besonderer Puccini-Freund) nun wohl doch keine Lust!


    jedenfalls nehme ich mal die Rezension von Jörn Florian Fuchs (für den Deutschlandfunk) beim Wort, der zufolge Lüpertz' Konzept für eine gewisse Zeit ''tragen'' kann - sofern diesem kein Chor in die Quere kommt!! Anders gesagt, lt. Fuchs funktionieren erstes und letztes Bild zumindest doch erheblich besser als man befürchten musste - während die beiden Bilder dazwischen doch einigermaßen durchhingen - - - - -


    erinnere ich recht, so bemerkt Lüpertz in dem gleichen Gespräch, aus dem eben mathisolde zitiert hat, dass seiner Meinung nach Tabarro und Gianni Schicchi die allergenialsten Puccini-Opern seien - ja warum hat man ihn da nicht rangelassen, meine Güte noch mal!!


    bin übr. übernä. DI (d. h. 2 Tage nach der 3.Vorstellung) im Meininger Haus - vielleicht schnapp ich ja noch ein paar Stimmen auf.....


    :wink:

    Konsequenz ist das Schlimmste Bruno Maderna Fleiß ist gefährlich Henning Venske Majo ist ätzend ''Paranoid Park'' (Gus van Sant)

    3 Mal editiert, zuletzt von wes.walldorff ()

  • Du bist da im Irrtum. Zumindest ich habe die Frage nicht gestellt, welche Erwartungen man haben kann, wenn einer etwas macht, was er nicht kann. Das ist ja keine Frage, die eine Beschäftigung lohnt. Es geht schief. Meine Frage war, warum so etwas überhaupt passiert, und warum es deutlich öfter im Opernbereich als irgendwo anders passiert.


    Das stimmt schon mal nicht. Und was Sahra Wagenknecht mit dieser Sache zu tun hat, kannst Du ja sicher nicht beantworten. Ich auch nicht. Also gibt’s nichts weiter zu sagen. Es sei denn, jemand hat eine Idee, wie meine Frage zu beantworten wäre.


    Ich kann Dir sogar ziemlich genau sagen, was Sahra Wagenknecht mit alldem zu tun hat. Sie als kenntnisreiche Person in Sachen Immunologie und/oder Impfstoffe zu akzeptieren ist nämlich ungefähr so sinnvoll wie zu erwarten, dass ein Maler eine Oper inszenieren könne. Aber sei es drum...


    Ob dieses Phänomen im Opernbereich "deutlich öfter" passiert, lässt sich nur sinnvoll diskutieren, wenn man verdeutlicht, was der Bezug ist - öfter als was oder wo? Innerhalb des künstlerischen Bereichs mag es ja durchaus sein, dass es öfter vorkommt, dass Maler eine Oper inszenieren als dass sie eine Klaviersonate darbieten. Wenn man es auf die gesamte Gesellschaft ausdehnt, bin ich mir aber nicht so sicher, ob diese Überhöhung des Dilettantismus (insbesondere aktuell) so deutlich in der Oper konzentriert ist - siehe oben.


    LG :wink:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

  • Ich habe einen ganz guten Überblick über das, was sich im Theaterbereich zuträgt, das kannst Du mir einfach glauben. Und da zeigt sich ganz klar, dass solche Aktionen im Schauspiel sehr viel seltener sind und im Tanztheater so gut wie gar nicht vorkommen. Das war meine Aussage, und Dein Versuch, sie zu entwerten, indem Du die klare Benennung des Bezugsrahmens weglässt, ist zu durchsichtig, als dass er Erfolg haben könnte. Das musst Du noch üben.

    Einmal editiert, zuletzt von Argonaut ()

  • Ich kann Dir sogar ziemlich genau sagen, was Sahra Wagenknecht mit alldem zu tun hat.

    Sie hat nichts mit alldem zu tun. Wagenknecht hat nicht anstelle von Ärzten Entscheidungen getroffen, sie hat keine Kranken behandelt und keine Impfungen vorgenommen bzw. vorenthalten. Wie praktisch alle anderen auch hat sie über medizinische Themen gesprochen, sich aber nicht als Medizinerin betätigt. Lüpertz hat hingegen eine Oper inszeniert, also das getan, was gemeinhin Regisseure tun, die ihr Handwerk gelernt haben. Es liegt auf der Hand, dass das etwas vollkommen anderes ist.

    "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
    "Mir nicht."
    (Theodor W. Adorno)

  • Das sind doch alles läppische Sophistereien. Wagenknecht spricht nicht einfach als Durchschnittsbürgerin sondern als Politikerin, besser gesagt als Demagogin. Sie maßt sich bei der Bewertung der Impfung Kenntnisse an, die sie gar nicht hat, um sich politische Vorteile zu ergaunern. Dagegen ist ein Maler, der inszeniert, harmlos.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Das ist eine läppische Lüge. Sie vertritt eine Meinung. die Dir unangenehm ist. Und sie belegt sie mit Argumenten und nennt ihre Quellen, die im übrigen alle öffentlich und für jeden zugänglich und nachprüfbar sind.. Sie hat nie behauptet, dass es sich bei den Quellen und Statistiken, die sie zitiert, um Ergebnisse ihrer eigenen Forschungen handelt. Ich verstehe nicht, was diese durchsichtigen Manöver sollen. Mit einer demokratischen Debatte haben sie jedenfalls absolut nichts zu tun.

  • Mit "demokratisch" im Sinne von DDR wohl nicht, richtig. Aber genug von dem linksextremen, demagogischen Gefasel dieser Person. Lieber zurück zum Thema: der Grund, weshalb jetzt Maler und Anstreicher Opern inszenieren ist schlicht und ergreifend, dass es 95% der Zuseher gar nicht mehr interessiert, wie inszeniert wird. In der Oper gibt es ganz klar das Primat der Musik, welche auch bisher in den wildesten Aufführungen unberührt geblieben ist. Egal, wie inszeniert wird, die Opernhäuser sind gut besucht. Allerdings ist das kein Zeichen des Zuspruchs für die Inszenierung, die von den meisten mit unaufgeregter Ablehnung zur Kenntnis genommen wird. Das Publikum (genauer: die überwältigende Mehrheit des Publikums) hat sich emotional und intellektuell völlig vom Bühnengeschehen in den im deutschsprachigen Raum aufgeführten Opern entkoppelt. Ob der Regisseur Regie gelernt hat oder Tischler, spielt dann keine Rolle mehr.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

    Einmal editiert, zuletzt von Felix Meritis ()

  • Aha. Sehr interessant. Sicherlich hast Du aussagekräftige Untersuchungen und Statistiken die Deine Thesen belegen, nicht wahr?


    Übrigens, ganz nebenbei: Es war in der DDR so, dass es nur eine richtige Meinung gab und jede Abweichung verboten war, was auch einschloss, dass man gegen Vertreter abweichender Meinungen nicht mit Argumenten, sondern mit Diffamierungen vorging. Das ist doch genau das, was Du Dir unter Demokratie vorstellst und was Du praktizierst. Was hast Du dagegen?

  • Die Tatsache, dass es nicht nur eine richtige Meinung gibt, heißt leider nicht, dass es nicht eindeutig falsche Meinungen geben kann. Solche aus egoistischen Gründen zu propagieren ist zutiefst verwerflich und gefährlich.


    Welche Statistiken sollen denn das sein? Ich kann nur von persönlichen Erfahrungen im Umfeld berichten und die gehen genau in diese Richtung. Die Inszenierung wird toleriert im Sinne von "ertragen" und dadurch als nachrangig betrachtet. Die wenigsten Opern haben auch literarisch die Qualität eines Theaterstücks, sodass eine nachrangige Bewertung des Bühnengeschehens für den durchschnittlichen Opernbesucher kaum ein Problem darstellt.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Ich habe jetzt noch einen Bericht zur "Boheme" in Meiningen gefunden.


    Liebenswert anachronistisch: Markus Lüpertz inszeniert "La Bohème" am Staatstheater Meiningen | MDR.DE


    Ich war nicht dort und kommentiere die Produktion daher nicht. Einzig ein Satz sei mir zum Bericht des mdr gestattet: die Fotos der Produktion begeistern mich nicht und locken mich auch nicht nach Meiningen (aber vielleicht/sicher soll man nicht von Bildern auf das Gesamtwerk schließen)

  • Lieber zurück zum Thema: der Grund, weshalb jetzt Maler und Anstreicher Opern inszenieren ist schlicht und ergreifend, dass es 95% der Zuseher gar nicht mehr interessiert, wie inszeniert wird.

    Ok, Du hast ja in der Zwischenzeit zugegeben, dass Du für diese Behauptung keinen Belegt hast. Man muss sich also damit nicht weiter beschäftigen.


    Aber hierzu habe ich doch noch ein paar Fragen:

    In der Oper gibt es ganz klar das Primat der Musik, welche auch bisher in den wildesten Aufführungen unberührt geblieben ist.

    Wer bestimmt, dass es in der Oper "ganz klar das Primat der Musik" gibt? Ist das irgendwo so festgelegt? Von wem, mit welchem Recht und mit welcher Begründung? Und was bedeutet, die Musik sei "unberührt geblieben"? Ich nehme an, Du meinst mit "Musik" hier die Komposition. Wer die "unberührt" lassen will, hat nur eine Möglichkeit: sie nicht aufzuführen. Es wäre mir neu, wenn das "bisher auch in den wildesten Aufführungen" gängige Praxis gewesen wäre. Was willst Du also mit diesem mysteriösen Satz sagen?

    "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
    "Mir nicht."
    (Theodor W. Adorno)

  • Der Beleg ist schlicht, dass es eben passieren kann, dass Maler eine Oper inszenieren. Q.E.D. Aber Ihr braucht Euch natürlich nicht damit beschäftigen, sondern könnt Euch gerne weiter in Eurem Wehklagen über die dummen, dummen Menschen suhlen. An einer haarspalterischen Diskussion, ob die Musik durch eine Aufführung "unberührt" bleiben kann, habe ich 0 Interesse. Es ist offensichtlich, dass die Umsetzung der Partitur im Opernbetrieb viel weniger von den Vorgaben abweicht als die szenische Umsetzung. So hast Du das natürlich eh verstanden, es passt Dir nur nicht argumentativ in den Kram.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Der Beleg ist schlicht, dass es eben passieren kann, dass Maler eine Oper inszenieren. Q.E.D.

    Daraus folgt also, dass "95 % der Zuseher" sich nicht für die Inszenierung interessieren? Dieser brillanten Argumentation gebe ich mich geschlagen.

    An einer haarspalterischen Diskussion, ob die Musik durch eine Aufführung "unberührt" bleiben kann, habe ich 0 Interesse.

    Verstehe. Du willst das Wort "unberührt" verwenden, ohne über seinen Inhalt nachzudenken.

    "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
    "Mir nicht."
    (Theodor W. Adorno)

  • Gut. Ich nehme zur Kenntnis: Deine Meinung ist keine Meinung, sondern die Wahrheit. Was davon abweicht, ist falsch. Wer abweichende Meinungen vertritt, ist moralisch verwerflich, darum muss man seine Auffassungen auch nicht argumentierend widerlegen, es genügt, die Person zu diffamieren. Wieder was gelernt. Das kommt mir so verflucht bekannt vor. Woher denn nur? – Ist egal. Wenn ich mich recht erinnere, gibt es eine Forumsregel, die verlangt, dass politische Diskussionen unterbleiben. Da Du ja nun die unumstößliche Wahrheit offenbart hast, gegen die es keine Widerrede geben kann, können wir diesen Seitenstrang ja abschließen und müssen die Geduld der Moderatoren nicht weiter strapazieren. Ich danke Dir jedenfalls sehr für absolut überzeugende Belehrung.


    Außerdem nehme ich zur Kenntnis, dass in der Oper das absolute Primat der Musik gilt. Und zwar, weil Du das sagst, und Meinungen, die von Deiner abweichen... usw. wie oben. Meine Güte! Wenn man bedenkt, wie viele Leute diese Frage lange und ausgiebig mit vielfältigsten ästhetische und philosophischen Argumenten diskutiert haben! Dabei hätten sie nur Dich fragen müssen, dann wäre das ein für alle Male geklärt gewesen. Welch ein Jammer, dass daran keiner gedacht hat.

  • Leute, bleibt doch einfach mal fokussiert! Das Primat der Musik in der Oper ist schon historisch völlig klar nachweisbar. Rudimentäres Enactment der Handlung durch Sänger - die ja gleichzeitig und vor allem durch das Singen körperliche Höchstleistungen bringen müssen - war doch die absolute Regel. Auch gibt es in der heutigen Zeit viele konzertante Aufführungen von Opern, während sich die musiklosen aber szenischen Aufführungen von Opern zahlenmäßig doch sehr stark in Grenzen halten. Können wir bitte diese banalen Realitäten einfach einmal akzeptieren, ohne in sophistische Diskussionen über die Ontologie der Musik abzudriften?

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Allerdings ist das kein Zeichen des Zuspruchs für die Inszenierung, die von den meisten mit unaufgeregter Ablehnung zur Kenntnis genommen wird. Das Publikum (genauer: die überwältigende Mehrheit des Publikums) hat sich emotional und intellektuell völlig vom Bühnengeschehen in den im deutschsprachigen Raum aufgeführten Opern entkoppelt. Ob

    Das kann ich aus meiner Erfahrung nicht bestätigen. Ich habe in den letzten 20 Jahren fast alle Kölner Premieren, viele in Bonn (und ein paar weitere) gesehen und erlebe regelmäßig, dass das Regieteam nicht weniger Aufmerksamkeit beim Applaus erfährt als die anderen Mitwirkenden. Frenetischer Jubel auch da ist nicht selten. Der scheint mir umso stärker, je spektakulärer die Inszenierung in irgendeiner Hinsicht ist. Dass das ein Zeichen für eine gelungene Regie ist, will ich nicht behaupten, aber das Interesse an der Inszenierung ist nicht geringer als das an der Musik.

    Bernd


    Fluctuat nec mergitur

  • Frenetischen Jubel über die Inszenierung habe ich noch nie beobachtet, Buhs tatsächlich recht häufig. Wobei das mMn eben auch nur von einer Minderheit der Besucher ausgeht. Es sind ja auch nicht alle Inszenierungen spektakulär. Ich war vor der Coronazeit mit meiner Frau in der Wiener Volksoper im Don Giovanni, der dort prinzipiell auf Deutsch gesungen wurde, aber mit erratischen italienischen Einsprengseln. Im Begleitheft stand, das sollte die Multilingualität Mozarts unterstreichen. Also ein völlig plattes, bedeutungsloses Getue, das aber - dem lebhaften Applaus nach zu schließen - der guten Stimmung keinen Abbruch tat. Es war einfach allen wurscht.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • die Fotos der Produktion begeistern mich nicht

    Das erste Foto erinnerte mich spontan an den Zauberer von Oz. ^^

    Frenetischen Jubel über die Inszenierung habe ich noch nie beobachtet, Buhs tatsächlich recht häufig.

    Das deckt sich auch mit meinen Eindrücken.

    Später, auf irgend eine niemals aufgeklärte Weise, ist einzelnen Familiengliedern das »Wort« bekannt geworden, dieses desperate Wort, das in jener Nacht Herr Permaneder sich hatte entschlüpfen lassen. Was hatte er gesagt? – »Geh' zum Deifi, Saulud'r dreckats!«.

  • Wer bestimmt, dass es in der Oper "ganz klar das Primat der Musik" gibt?

    Ehrlicherweise gibt es ja nun tatsächlich nur sehr wenige Opern, in denen der Text die Qualität der Musik erreicht. Es gibt meines Wissens auch keine Oper, die man aufführt, weil der Text so toll wäre, die Musik aber schlecht. Umgekehrt ist es hingegen fast schon die Regel. Das sollte allerdings kein Freibrief dafür sein, dass man Opern nicht vernünftig, sprich von Profis, inszenieren lassen sollte.

    Später, auf irgend eine niemals aufgeklärte Weise, ist einzelnen Familiengliedern das »Wort« bekannt geworden, dieses desperate Wort, das in jener Nacht Herr Permaneder sich hatte entschlüpfen lassen. Was hatte er gesagt? – »Geh' zum Deifi, Saulud'r dreckats!«.

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!