Was ist, was soll, was darf Opernregie? Und was nicht?

Vom 28. Januar 2022, 13.30 Uhr bis 03. Februar 2022, 13:30 Uhr findet die 12. ordentliche Mitgliederversammlung des Capriccio-Trägervereins statt. Mitglieder werden gebeten, sich für die Teilnahme ab Freitag hier zu registrieren. Die Freischaltungen erfolgen im Laufe des Freitags, wir bitten dann um etwas Geduld.
  • Der bräuchte dafür vielleicht einen Profi ...

    :) So sieht's aus!

    Später, auf irgend eine niemals aufgeklärte Weise, ist einzelnen Familiengliedern das »Wort« bekannt geworden, dieses desperate Wort, das in jener Nacht Herr Permaneder sich hatte entschlüpfen lassen. Was hatte er gesagt? – »Geh' zum Deifi, Saulud'r dreckats!«.

  • Noch bis 27.01.22 auf arte.tv

    Das habe ich gestern per cut&paste eingefügt. Heute ist der Link bei arte.tv zwar noch vorhanden, jedoch ist jetzt "kein Video verfügbar".


    [EDIT] Seltsam, geht inwischen wieder.

    Bernd


    Fluctuat nec mergitur

  • der mir bislang unbekannte Benjamin Bernheim (Hoffmann) sind aber sängerisch großartig

    Der ist ein großartiger Sänger! Ich habe ihn 2018 in Wien als Nemorino und Tamino gehört und kann mich an eine strahlende, durchschlagskräftige und schöne Stimme erinnern. Mich würde interessieren, wie er aktuell tönt (wenn Corona nicht dazwischen kommt, singt er ab übermorgen in Wien den Rudolfo, ich kann aber nicht hin).

  • Die Übertragung dieses "Hoffmann" hab ich auch gesehen! Die Fassung war ziemlich nahe an Kaye-Keck, soweit ich mich erinnere (das Finale des Giulietta-Akts hab ich irgendwie - zu Recht? - aus meinem Gedächtnis gelöscht), Brower und Bernheim ganz ausgezeichnet, Peretyatko und Pisaroni gut. Die Inszenierung war im Großen und Ganzen furchtbar, obwohl ich die Flügel im Antonia-Akt bizarr, aber irgendwie auch nett fand. Ich hab deshalb dann irgendwann nur noch zugehört und daneben was anderes gemacht, was auch manche Erinnerungslücken erklären könnte. Jetzt dürfte der Stream schon abgelaufen sein, ich finde ihn jedenfalls nicht mehr.


    Liebe Grüße,

    Areios

    "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
    Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.

  • Ein etwas schräge 'Tosca' in Wien:


    Tosca


    Wer sich einen Eindruck durch bewegte Bilder machen möchte, ab 23:30


    Russland und Ukraine: Droht ein neuer Krieg?
    Die Themen der "Kulturzeit" vom 18.01.2022: Droht ein neuer Krieg? - Gespräch mit Brigitta Triebel zur Ukraine, "An Impossible Project" und "Tosca".
    www.3sat.de


    Also ich brauchs nicht, ich hätte da schon gern ein bisschen Rom auf der Bühne, schon damit sich's nicht allzu sehr beißt mit dem Text.

    Später, auf irgend eine niemals aufgeklärte Weise, ist einzelnen Familiengliedern das »Wort« bekannt geworden, dieses desperate Wort, das in jener Nacht Herr Permaneder sich hatte entschlüpfen lassen. Was hatte er gesagt? – »Geh' zum Deifi, Saulud'r dreckats!«.

  • Tja, die Inszenierung ist von Martin Kusej. Da darfst Du nichts anderes erwarten. Er hat vor ein paar Tagen im Fernsehen auch dezidiert erklärt, daß man - an den genauen Wortlaut erinnere ich mich jetzt nicht mehr - nicht mehr traditionell inszenieren kann/darf/soll - was weiß ich!? Ist eine ehrliche Meinung, und manchen gefällt's auch. Ich selbst bevorzuge es auch "römisch", aber Kristina Opolais ist eine der besten Toscas unserer Zeit (ich habe zuletzt die halbszenische Grazer "Tosca" mit ihr und Jonas Kaufmann genossen).

    ______________________


    Homo sum, ergo inscius.

  • Da darfst Du nichts anderes erwarten.

    Tatsächlich erwarte ich heute überhaupt nichts mehr, was die Inszenierung angeht.

    Später, auf irgend eine niemals aufgeklärte Weise, ist einzelnen Familiengliedern das »Wort« bekannt geworden, dieses desperate Wort, das in jener Nacht Herr Permaneder sich hatte entschlüpfen lassen. Was hatte er gesagt? – »Geh' zum Deifi, Saulud'r dreckats!«.

  • Vermutlich erwarten die Regisseur:innen von ihren Zuschauer:innen auch nichts.

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Ich erwarte, besser: wünsche mir gute Inszenierungen - und wurde da in den letzten Jahren selten enttäuscht, ganz im Gegenteil: Eine Carmen-Aufführung in Frankfurt vor ein paar Wochen hat mich auch die Inszenierung (Barrie Kosky) begeistert.


    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

    Einmal editiert, zuletzt von Gurnemanz ()

  • Kusej hat übrigens vom Publikum einen saftigen Buh-Orkan für diese Inszenierung geerntet (den er angeblich lächelnd erduldete), das ist nicht die Wiener Norm. Interessant, daß auch die Kritik zum größten Teil Kusejs Leistung ungewohnt deutlich verreißt. Das betrifft aber nicht die Ausführenden.

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    Homo sum, ergo inscius.

  • Ich glaube Veränderungen der Handlung oder Personen sind die rote Linie, die das Wiener Publikum dann doch triggert.

    Wenn ich F10 auf meinem Computer drücke, schweigt er. Wie passend...

  • Ich glaube Veränderungen der Handlung oder Personen sind die rote Linie, die das Wiener Publikum dann doch triggert.


    Ab wo beginnt denn eine Veränderung der Handlung oder Personen?


    LG :wink:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

  • Ab wo beginnt denn eine Veränderung der Handlung oder Personen?

    Ich habe mal eine Aida-Inszenierung aus Verona gesehen (nur den ersten Akt, dann war es nicht mehr auszuhalten), da standen die Sänger nur herum und haben sich nicht mal angesehen, auch wenn sie eigentlich gerade mit dem Partner kommuniziert haben. Das hatte wohl mit der Handlung nichts mehr zu tun.

    Das ist mein größter Einwand gegen Musik, dass Österreicher darin exzelliert haben.
    (Arno Schmidt: Das steinerne Herz)

  • Ab wo beginnt denn eine Veränderung der Handlung oder Personen?

    Ich habe mal eine Aida-Inszenierung aus Verona gesehen (nur den ersten Akt, dann war es nicht mehr auszuhalten), da standen die Sänger nur herum und haben sich nicht mal angesehen, auch wenn sie eigentlich gerade mit dem Partner kommuniziert haben. Das hatte wohl mit der Handlung nichts mehr zu tun.


    Ein schönes Beispiel. ^^


    Nehmen wir das mal als Ausgangspunkt. Wenn im Libretto steht, dass die Personen sich ansehen oder etwas miteinander tun, und das dann szenisch nicht umgesetzt wird, dann ist das erstmal eine Abweichung vom Libretto. Ist eine Abweichung vom Libretto auch automatisch eine Abweichung von der Handlung? Wenn im Libretto steht, dass Person X die Szene von links betritt, und in der Inszenierung kommt X von rechts - ist das dann eine Abweichung von der Handlung? Wenn man jetzt puristisch sein und diese Frage mit "ja" beantworten möchte, dann sollte man sich bewusst sein, dass man diese vermeintliche, recht geringe Abweichung von der Handlung mit anderen, sehr viel offensichtlicheren Abweichungen gleichsetzt.


    Soll heißen: so einfach ist das mit der "Veränderung" alles nicht...


    LG :wink:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

  • Ist eine Abweichung vom Libretto auch automatisch eine Abweichung von der Handlung?

    Nein, natürlich nicht: Eine Abweichung vom Libretto ist eine Abweichung vom Libretto und eine Abweichung von der Handlung ist eine Abweichung von der Handlung. Würde man das eine meinen, würde man ja nicht das andere sagen. Also kann einer von uns den anderen als nächstes jetzt fragen: "Was ist denn die Handlung?" ^^

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

  • Ich weiß nicht, ob bei der Aida im Libretto steht, dass sich die Personen ansehen müssen. Ich weiß aber, dass handelnde Personen, wenn sie miteinander reden oder sich, wie in der Oper, gegenseitig ansingen, dann in der Regel auch zwischendurch mal anschauen Das wäre eigentlich ein selbstverständlicher Teil der Handlung, auch wenn das nirgends schwarz auf weiß steht. (Wobei: Es wäre durchaus denkbar, dass ein Nicht-Anschauen Teil eines Regiekonzepts ist – das dann aber im von mir geschilderten Fall für mich nicht aufgegangen wäre.)

    Das ist mein größter Einwand gegen Musik, dass Österreicher darin exzelliert haben.
    (Arno Schmidt: Das steinerne Herz)

  • Ich hab's nicht nachgeschaut, wie es in der Partitur steht, aber ich könnte mir vorstellen, dass man das Zweigespräch Fricka/Wotan im 2. Aufzug der Walküre über weite Strecken auch Rücken an Rücken inszenieren könnte ...


    Gruß

    MB


    :wink:

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Ist eine Abweichung vom Libretto auch automatisch eine Abweichung von der Handlung?

    Nein, natürlich nicht: Eine Abweichung vom Libretto ist eine Abweichung vom Libretto und eine Abweichung von der Handlung ist eine Abweichung von der Handlung. Würde man das eine meinen, würde man ja nicht das andere sagen. Also kann einer von uns den anderen als nächstes jetzt fragen: "Was ist denn die Handlung?"


    Das wäre so ziemlich genau meine Frage. Ich finde diese Frage gar nicht so trivial, wie sie vielleicht scheinen mag. Was wir haben, ist der Text des Librettos, und der ist (entsprechende Quellenlage vorausgesetzt) recht eindeutig. Was von diesem Text man der Sphäre der "Handlung" zurechnet, ist eigentlich bereits ein Akt der Interpretation. Die "Handlung" muss sogar nicht unbedingt in expressis verbis im Libretto notiert sein. Wenn Du die Zusammenfassung der Handlung einer Oper liest, wird vielleicht nur ein Teil dessen auch wirklich ausdrücklich im Libretto stehen. Was hat also der Mensch gemacht, der diese Zusammenfassung geschrieben hat? Er hat den Text des Stücks interpretiert.


    Wenn Harnoncourt-Fan anführt, dass "Veränderungen der Handlung" für das Wiener Publikum eine "rote Linie" seien, dann setzt das voraus, dass das Publikum sich irgendwie einig ist, was denn die "Handlung" des Stücks ist. Da dies aber Elemente der Interpretation beinhaltet, frage ich mich, durch welches massenspychologische Phänomen das Wiener Publikum in der Lage ist, sich auf diese interpretatorische Frage einigen zu können, um anschließend eventuelle Abweichungen von der Handlung feststellen und mit Missfallen kommentieren zu können.


    LG :wink:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

    Einmal editiert, zuletzt von Symbol ()

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