Antonín Dvořák: Symphonie Nr. 5 F-Dur op. 76

  • Mist, ich suche eigentlich noch eine richtig gute Aufnahme dieser so wunderbaren Sinfonie

    Hör doch mal in diese rein, oder kennst Du die schon?



    Zumindest einige Deiner Kriterien sind da erfüllt, wenn ich mich nicht täusche.

  • Hör doch mal in diese rein, oder kennst Du die schon?


    Zumindest einige Deiner Kriterien sind da erfüllt, wenn ich mich nicht täusche.

    ups, nein kannte ich nicht. Viel gutes drin, in der Tat.

    Im versuchsweise noch angespielten Trio des 3. Satzes habe ich zwar Sehnsucht nach Bělohláveks mitreißender Idiomatik bekommen, aber gern höre ich mir Chichon bei nächster Gelegenheit ganz an. Danke für den Tip!

  • Alarm - kopierte Expo-Wiederholung in der Chichon-Aufnahme



    eigentlich ist das ja ziemlich gut gespielt. Das Anfangsthema sogar deutlicher als alle anderen mir bekannten Aufnahmen zu Vier-Takt-Einheiten verbunden (viele machen nach dem ersten Ton schon Pause und zerstückeln damit das Thema), das Posaunenthema am Ende gut zu hören.


    Leider hat die Expo-Wiederholung in mir sofort den Verdacht geweckt, dass sie zum großen Teil kopiert sein könnte. Nachdem der Aufnahmeleiter der gleiche ist, der schon die Skrowaczewski-Eroica verbrochen hat, fühlte ich mich verpflichtet nachzuprüfen.

    Siehe da: gerade mal die letzten 8 Takte der Exposition sind nicht kopiert.

    Die Kopie beginnt schon mit dem Wiederholungs-Anfangszeichen (nach der ersten Sechzehntelbewegung im Thema), obwohl da noch liegende Quinten in den Celli und Hörnern übergehalten werden. Da hat sich jemand richtig Arbeit gemacht, hier nen sauberen Schnitt reinzusetzen.


    Ich fasse es nicht. Und für sowas gehen unsere Rundfunkbeiträge drauf.

    Im 3. Satz scheint es ähnlich zuzugehen. Das Orchester war dort allerdings ohnehin rhythmisch überfordert (erst recht peinlich, wenn die Überforderung doppelt zu hören ist).


    Armer Karel Mark Chichon. Er hätte eine respektvollere Arbeitsweise verdient gehabt.

    3 Mal editiert, zuletzt von Khampan ()

  • Das ist allerdings schade. Und unnötig auch. In den Symphonien 1 und 2 aus dieser Reihe wurden keine Expo-Wiederholungen gespielt und auch nicht nachträglich kopiert.

  • Der Gewinner meines gegenwärtigen Hörvergleichs ist:

    Martin Turnovský, Bamberger Sinfoniker

    Aufnahme 1988



    Der aus Prag stammende Dirigent Martin Turnovský emigrierte 1968 nach Österreich, hatte im Westen dann eine einigermaßen erfolgreiche Karriere, ging 1989 als Leiter der Prager Sinfoniker in die Heimat zurück.

    Mit den Bamberger Sinfonikern sehe ich nur diese einzige Aufnahme, schade eigentlich.

    Sie ist inspiriert, idiomatisch, im positiven Sinn mit "normalen" Tempi, Expo-Wiederholung (18 s kopiert, kein Problem), Posaunenthema am Ende perfekt zu hören.

    Wie alle Bamberger Aufnahmen vor Fertigstellung der neuen Philharmonie recht hallig, das BR-Team hat dieses Problem aber gut im Griff.


    Ein zauberhaftes Werk zauberhaft gespielt und aufgenommen.

    Spielzeiten: 12:56 / 7:38 / 7:47 / 12:26


    <3 Khampan

    3 Mal editiert, zuletzt von Khampan ()

  • Mit den Bamberger Sinfonikern

    Lieber Khampan , ob da bei den Bambergern noch etwas von ihrer tschechischen Tradition im Klangkörper steckt?

    Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Not really now not anymore" "But I am good. What the hell has gone wrong?"

  • Lieber Khampan , ob da bei den Bambergern noch etwas von ihrer tschechischen Tradition im Klangkörper steckt?

    möglich. Obwohl längst ein bis zwei Generationenwechsel stattgefunden hatte, mag von dem Bewusstsein noch etwas da gewesen sein. Die Kubelik-Ära im "benachbarten" München, die geographische Nähe zu Böhmen und viele Exilanten in Bayern (was mir damals die Gelegenheit gab ein wenig tschechisch zu lernen) mögen auch eine Rolle gespielt haben.


    Was meinen Hörvergleich angeht, gestehe ich freimütig dass ich Aufnahmen ohne Expo-Wiederholung ingoriere. Diese Genugtuung sei mir gegönnt.

    Ich überlege noch ob es angemessen ist, diesen Thread mit meinen Gründen zu belasten.

    Wäre eine relativ lange Geschichte.


    Ahoi,

    Khampan

  • Von der Turnovsky-CD gab es vor meiner Empfehlung zwei sehr günstige Angebote auf dem Marketplace. Eine ist unterwegs zu mir, die zweite auch weg. Mein Glückwunsch dem schnell entschlossenen Leser...


    Natürlich gibt es noch andere empfehlenswerte Aufnahmen, allerdings mit kleineren oder größeren Macken, daher keine wertende Reihenfolge:


    Bělohlávek (Decca)

    1. und 4. Satz kamen mir anfangs recht behäbig vor. Entschädigt wird man aber mit hinreißender Idiomatik. Auch bei den langsameren Tempi schwingen und tanzen die typischen Rhythmen, dass es einfach eine Freude ist.


    Pešek

    In dem sehr durchwachsenen Zyklus, in dem sich Royal Liverpool PO und Tschechische Philharmonie abwechseln, ist die 5. ein echtes Highlight. Natürlich mit den Tschechen. Wäre nicht das Problem mit den Posaunen am Ende aufgetaucht, hätte diese Aufnahme vielleicht meine erste Wahl werden können. Gibt es aber wohl nur im Set zu kaufen.


    Serebrier

    Durchgehend sehr zügig. Am Beginn habe ich den Charme des Hauptthemas vermisst, es startet recht hopplahopp. Dennoch kann man sich von der engagierten Performance und dem stringenten Zug nach vorne gerne mitreißen lassen. Zwar nicht idiomatisch, aber mit hörbarer Spielfreude, ganz besonders im Scherzo.

    Klanglich in Ordnung, gut durchhörbar, bisweilen aber etwas lärmend, unnatürlich, uncharmant.


    Kertesz (LSO)

    Nach wie vor sehr gut. Nicht idiomatisch aber sehr engagiert. Klanglich etwas lästig wegen der spitzen Blechbläser.


    -----------------------------------------

    Größere Probleme habe ich mit:

    Neeme Järvi

    Der übermächtige Hall verdeckt schon das zweite Erscheinen des Hauptthemas nach ca 20 Sekunden. Keine Lust weiterzuhören.


    Abraten würde ich von:

    Rowicki

    (nach meinem Empfinden) unangemessen martialisch im 1. und 4. Satz. Posaunen am Ende nicht zu hören.


    Marcus Bosch

    schafft es, schon das Anfangsthema widersinnig zu phrasieren. Die dynamischen Angaben und Bögen (siehe Notenbeispiel im Wikipedia-Artikel) zeigen deutlich, dass jeweils 4 Takte als Einheit zu verstehen sind. Bosch macht nach dem ersten Ton eine Pause und zieht einen Bogen von Takt 2 mitte bis Takt 6 mitte. Warum?


    Andere Aufnahmen mit Expo-Wiederholung habe ich nicht gefunden. Vorschläge werden gerne entgegengenommen. Bitte nicht... siehe vorangehendes Posting.


    Gruß,

    Khampan

  • Von der Turnovsky-CD gab es vor meiner Empfehlung zwei sehr günstige Angebote auf dem Marketplace. Eine ist unterwegs zu mir, die zweite auch weg. Mein Glückwunsch dem schnell entschlossenen Leser...

    Wer die Angebote verpasst hat und nicht streamt, kann sich das Album hier für derzeit € 4,99 in CD-Qualität herunterladen. Jedenfalls auch von mir vielen Dank für den Tipp!

  • Mein Glückwunsch dem schnell entschlossenen Leser...

    Danke! Grins1


    Ja, ich habe nach Deiner Empfehlung schnell "zugeschlagen", da ich bisher von dieser Sinfonie nur die Kertész-Einspielung besitze. Außerdem erschien mir die Koppelung mit zwei mir bisher unbekannten Fibich-Werken attraktiv.


    Mit den Bamberger Sinfonikern sehe ich nur diese einzige Aufnahme, schade eigentlich.

    Weitere Aufnahmen von Turnovsky mit den Bambergern sind hier zu hören (links Vinyl, rechts CD):

    «Musik ist die größte Inspiration. Wenn du traurig bist, denk' an all die Musik, die du noch nicht gehört hast.»
    (Jim Jarmusch)

  • Der Gewinner meines gegenwärtigen Hörvergleichs ist:

    Martin Turnovský, Bamberger Sinfoniker

    Aufnahme 1988

    Na, dann muss ich die auch noch mal hören. Die CD hatte ich mal günstig wg der beiden Fibich-Werke erstanden. Es kann gut sein, dass ich die Dvorak-Symphonie noch nie gehört habe.

    Toleranz ist der Verdacht, der andere könnte Recht haben.

  • Ja, ich habe nach Deiner Empfehlung schnell "zugeschlagen" [...].

    Ich ebenfalls. In der Bucht gabs noch etwas Günstiges.


    :)

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Apropos Dvorak 5 mit atttaktiver Kopplung : Karel Sejna hat die Fünfte von Dvorak 1952 mit dem Tschechischen Philharmonischen Orchester eingespielt , und als Sahnehäubchen gibt es noch die Slawischen Rhapsodien ( nicht verwechseln mit den Tänzen , für die Sejna immer noch eine Referenzgröße ist ) .

    Besser wurde es nicht - wenn man nicht nur nach dem Klang geht . Ist gutes Mono . So tönte es zur Jahrhundertmitte in der Heimat desKomponisten .



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    Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Not really now not anymore" "But I am good. What the hell has gone wrong?"

  • Könnte das vielleicht auch tatsächlich diese Aufnahme hier sein ?


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    Viele Grüße - Allegro


    "Musik ist ... ein Motor, Schönheit, Intensität, Liebe, Zauber, alles in allem: ein Elixir." Lajos Lencsés

  • Die CD hatte ich mal günstig wg der beiden Fibich-Werke erstanden. Es kann gut sein, dass ich die Dvorak-Symphonie noch nie gehört habe.

    Um solche Erstbegegnungen kann man andere nur beneiden. Nur zu!

    (Erst wollte ich schreiben: schäme er sich! War freilich der Neid)


    Karel Sejna [...]

    Besser wurde es nicht - wenn man nicht nur nach dem Klang geht . Ist gutes Mono . So tönte es zur Jahrhundertmitte in der Heimat desKomponisten .

    jaja. Ist schon geil gespielt. Mit Expo-Wiederholung und Stereo wäre es noch besser.


    Könnte das vielleicht auch tatsächlich diese Aufnahme hier sein ?

    Ja, das ist die Turnovsky-Aufnahme, allerdings klanglich beschnitten. Bei Spotify wesentlich besser, am besten natürlich der von Braccio verlinkte Download in CD-Qualität.

  • Turnovský habe ich mir heute denn mal angehört. Schön, fein gespielt, aber irgendwie auch ein bisschen harmlos, so mein erster Eindruck. Ich gestehe ja unter uns und insgeheim ein, dass ich dem Ansatz von Rowicki bei der Nr. 5 durchaus etwas abgewinnen kann, auch wenn das Finale zugegeben eher ein Allegro barbaro ist.


    Heute habe ich dann vielleicht meine Lieblingsversion entdeckt. In der Digital Concert Hall. Konzert von 19.09.2020, am Pult Petrenko. Was die Khampan-Kriterien betrifft, spielen die zwar in amerikanischer Formation, aber mit Expo-Wiederholung, schön deutlichen Posaunen am Ende des Finales und wenigstens für meine Begriffe auch sehr "idiomatisch". Bei den Holzbläsern spielt die Prominenz (Mayer, Ottensamer, Pahud) höchst souverän auf. Gibt's leider wohl nur für Abonnenten, habe jedenfalls auf YouTube nix gefunden.

  • habe jedenfalls auf YouTube nix gefunden

    Hier immerhin 2 1/2 Minuten:


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    «Musik ist die größte Inspiration. Wenn du traurig bist, denk' an all die Musik, die du noch nicht gehört hast.»
    (Jim Jarmusch)

  • Turnovský habe ich mir heute denn mal angehört. Schön, fein gespielt, aber irgendwie auch ein bisschen harmlos, so mein erster Eindruck. Ich gestehe ja unter uns und insgeheim ein, dass ich dem Ansatz von Rowicki bei der Nr. 5 durchaus etwas abgewinnen kann

    Klar, wenn man von Rowicki kommt, dann mag Turnovsky "harmlos" erscheinen, was ich aber diesem Werk angemessener finde. Verglichen mit Bělohlávek ist Turnovsky ausgesprochen spritzig und gar nicht harmlos. Musikantisch sind sie aber beide. Rowicki... nö, oder?


    Heute habe ich dann vielleicht meine Lieblingsversion entdeckt. In der Digital Concert Hall. Konzert von 19.09.2020, am Pult Petrenko

    Kann ich mir vorstellen. Schön dass sie das überhaupt gemacht haben, und auch noch unter Corona-Bedingungen.

  • habe jedenfalls auf YouTube nix gefunden

    Hier immerhin 2 1/2 Minuten:


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    Wäre überhaupt schön, wenn da das eine oder andere Konzerte auch mal breit zugänglich gemacht würde. Es gibt ja da sowas wie Tonträger. Bisher agieren die BPhil mit Petrenko ja eher unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Nicht alle wollen eine Digital Concert Hall, die wenigsten kommen nach Berlin.

    Wenn ich F10 auf meinem Computer drücke, schweigt er. Wie passend...

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