Franz Lachner (1803 - 1890) - der vergessene Romantiker

  • Franz Lachner (1803 - 1890) - der vergessene Romantiker

    Heute Abend möchte ich erneut einen Komponisten vorstellen, der von der Frühromantik bis zu Gustav Mahler die ganze Spannweite der Klassischen Musik erlebt hat. Dass er heute selbst völlig in Vergessenheit geraten ist, und selbst Raritäten-Labels wie CPO und Naxos ihn weitgehend umkurvt haben, mag man kaum glauben.

    Doch zunächst zu seiner sehr interessanten Biographie :

    Geboren wurde Franz Paul Lachner am 02.April 1803 in Rain am Lech in Bayern. Gestorben ist er am 20.Januar 1890 in München. Sein Vater Anton war Organist, seine Brüder Ignaz und Vincenz sowie sein Stiefbruder Theodor wurden ebenfalls Komponisten.

    Neben dem Besuch des Gymnasiums in Neuburg an der Donau widmete er sich bereits dem Studium der Komposition. 1822 ging er dann nach München, setzte sein Studium fort,gab aber bereits ersten Unterricht, verließ aber München in Richtung Wien. Dort wurde er 1823 Organist der Lutherischen Stadtkirche, studierte aber weiterhin u.a. bei Simon Sechter, der auch später Lehrer von Anton Bruckner wurde.

    Er fand in Wien auch Aufnahme in den Künstlerkreis um Franz Schubert, dessen enger Freund er wurde. Mit Beethoven stand er ebenfalls in Kontakt.Alleine diese beiden großen Komponisten zeigen an, welchen Stellenwert Lachner damals innehatte.

    1826 wurde Franz Lachner Vize-Kapellmeister und 1828 Erster Kapellmeister am Kärntnertortheater, anschließend von 1834 bis 1836 Hof-Kapellmeister in Mannheim. 1836 wurde er Dirigent der Hofoper München, der Musikalischen Akademie und der Königlichen Vokalkapelle. Die Berufung zum Hofkapellmeister erfolgte aus Anlass seiner "Sinfonie Passionata,kurz gesagt,seiner Sinfonie Nr.5 in c-moll,op.52). Diese gewann 1835 den Großen Preis in Wien. 1852 wurde schließlich Generalmusikdirektor.1868 ging er in den Ruhestand, als der König Richard Wagner rief.

    Als Lehrer hatte Lachner in Joseph Rheinberger und Franz Wüllner zwei bekannte Nachfolger als Komponist,Lehrer oder Dirigent.

    Der Dirigent Lachner galt als exzellenter Kenner der Werke von Beethoven und führte erfolgreich Opern von Wagner auf, den er sonst aber ablehnte.

    Heute ist Franz Lachner Ehrenbürger in München, 1853 wurde ihm der Bayerische Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst verliehen. Seine Geburtsstadt Rain widmete ihm das "Gebrüder-Lachner-Museum, was in seinem Geburtshaus untergebracht ist und die "Gebrüder lachner-Mittelschule".

    Ein bekanntest Zitat von ihm zeigt auch etwas von einem äußerst gesundem bis arrogantem Selbstbewusstsein : "Hätte der Schubert längern gelebt, so hätte aus ihm ein guter Komponist werden können" .....

    Als Komponist war Lachner sehr produktiv. Seine Werkszahlen gehen über die 200 hinaus. fast alle wichtigen Musikgattungen befinden sich darunter. Als Einflüsse muss man natürlich vor allem Franz Schubert, aber auch Beethoven,Louis Spohr aber auch Giacomo Meyerbeer erwähnen. Trotzdem galt sein Stil als konservativ-handwerklich,weist aber in manchen Stellen durchaus auch schon auf Bruckner hin. Trotzdem hatte er bis ins hohe Alter bemerkenswerte Komponistenerfolge erlangt, teilweise auch deshalb,weil er auf eine alte Tradition Haydns griff,der Suitenform.

    Durch seine Ablehnung der Musik Wagners geriet er aber auf das berühmte Abstellgleis. Zu Lebzeiten als stilsicheren Beherrscher der kompositorischen Mittel,gehörte er damals zu den wichtigsten Instrumental-und Vokal-Komponisten. Nach seinem Tode ging das Interesse an seiner Musik aber schnell zurück.

    Hier ein kleiner Überblick auf seine Werke :

    8 Sinfonien ( 1828 - 1851 ) , 8 Orchester-Suiten (incl. der Ball-Suite) ( 1861 - 1874 ) , 2 Harfenkonzerte, 1 Flötenkonzert , 8 Streichquartette ( 1843 - 1859 ) , 2 Klavier - und Bläser-Quintette , jeweils ein Septett, Oktett und Nonett. 8 Messen , ein Requiem , 4 Opern, ein Oratorium und 2 Schauspielmusiken. Dazu noch weitere Kammermusik, Klavierwerke, Orgelwerke, Lieder und eine Kantate.

    Quellenverzeichnis : Wikipedia, Booklettext der Sinfonie Nr.5 auf Marco Polo.

    Empfehlenswerte Tonträger :











    Die Strecihquartette gibt es auf 3 CDs veröffentlicht.

    Es sind nicht einmal alle Sinfonien bisher eingespielt worden. Die Marco Polo-Aufnahmen sind trotzdem ganz gut gelungen, aber vielleicht gibt es mal eine Firma, die mit einem erfahrenen Dirigenten und einem besseren Orchester hier für eine GE sorgt, die dem Komponisten gerecht wird.

    Für weitere Informationen und Anregungen bin ich natürlich offen und dankbar.

    VG,Maurice

    Viele Grüße sendet Maurice

    Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)

  • Ja, auch die erste Symphonie ist sehr schön !
    Bei der 1ten Symphonie hört man noch viel Beethoven, vor allem im 1ten Satz, Allegro con brio und im Finale !

    Eine GA der Symphonien würde auch mich begeistern !

    LG palestrina

    „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
    Oolong

  • Lachners Äußerung über Schubert wird von Webseite zu Webseite kolportiert.
    Vielleicht hat er sich mehrmals ähnlich geäußert. Allerdings habe ich eine Quelle nur für folgenden Satz finden können:

    Zitat

    Schade, daß Schubert nicht so viel gelernt hat wie ich, sonst wäre bei seinem außerordentlichen Talent auch ein Meister aus ihm geworden.


    Dies hat Lachner dem Musikwissenschaftler Max Friedländer gesagt, als er ihn 1884 in München besuchte. Friedländer berichtet darüber in seinem Buch Franz Schubert: Skizze seines Lebens und Wirkens (Leipzig 1928) und nennt Lachner einen "Freund des Künstlers und keine unbescheidene Natur".

    Alles, wie immer, IMHO.

  • Lachners Name ist auch mit einem anderen Komponisten verbunden: Luigi Cherubini. Lachner komponierte nämlich 1854 Rezitative für dessen Oper Médée, die 1855 in Frankfurt in dieser Fassung in deutscher Übersetzung als Medea aufgeführt wurde.
    Diese Fassung fand allmählich große Zustimmung und ab den 1870er Jahren wurden Lachners Rezitative auch in die Ausgaben der italienischen Übersetzung eingearbeitet. Diese Fassung verdrängte sogar die französische Originalfassung, die erst 1985 in Lyon wiederbelebt wurde.

    Alles, wie immer, IMHO.

  • Gibt es dafür auch eine Quellenangabe? Ich frage nur mal interessenhalber jetzt nach....

    VG,Maurice

    Viele Grüße sendet Maurice

    Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)

  • Jens Malte Fischer: "Die Wahrheit des weiblichen Unwesens" - Medea in der Oper in Collegium Rauricum Band 5 Tragödie: Idee und Transformation hrsg. von Hellmut Flashar, Stuttgart, Leipzig 1997 S. 110ff.

    Alles, wie immer, IMHO.

  • Nichts für ungut, Maurice. Ich wollte die Sache mit der Quelle nicht auf Dich beziehen. Du hast auch gesagt, wo Du Deine Information her hast. Nun, ich hatte den Zitat anders in Erinnerung (aus einer frz. Biographie) und ich wollte einfach kontrollieren. Deshalb suchte ich die Quelle, um zu vermeiden, das Französische rückzuübersetzen. Ich stellte fest, daß gefühlt 324 Webseiten den gleichen Wortlaut als Wiki haben (einmal in Wiki, findet man es dann überall). Meine frz. Biographie gab den Namen Friedländer und so habe ich den Originalsatz gefunden. Ich habe ihn auch auf Wiki mit Quellangabe korrigiert.
    Das hier hat gar nix mit dem Quellenkrieg zu tun. Nur aus dem Gefühl, in Wiki findet sich etwas Ungeprüftes.

    Alles, wie immer, IMHO.

  • Zitat

    Nichts für ungut, Maurice. Ich wollte die Sache mit der Quelle nicht auf Dich beziehen.

    Keine Sorge,ich weiß genau,was Du gemeint hast. Und ich wollte auch genau deshalb die Quellenangabe haben, damit HIER ( ich könnte auch schreiben in den von MIR geöffneten Themen ) kein Gezeter um Dinge ausbricht, die nur Unfrieden stiften.

    VG + DANKE,

    Maurice :thumbup:

    Viele Grüße sendet Maurice

    Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)

  • Um Franz Lachner ist es still geworden. Heute habe ich mir mal seine 1.Sinfonie in der von palestrina genannten Aufnahme von Marco Polo gleich zweimal angehört, und gebe ihm recht. Da ist Einiges drin, was mich an Beethoven erinnert, aber auch viel Schubert und etwas Spohr. 1828 geschrieben, wurde er also erst nach Schuberts Tod hier aktiv.

    Er dürfte der einzige Komponist gewesen sein, der bereits Schubert erlebt und gekannt ,aber gleichzeitig noch die Anfangsjahre von Mahler erlebt hat. Es ist bedauerlich, dass seine Sinfonien niemals mehr wie Durchschnitt waren (gemessen an den vielen Komponisten von größerer Bedeutung damals), denn er hätte ein wirklich wichtiges Scharnier zwischen Schubert, Bruckner und Mahler werden können.

    Seine Suiten müssen dagegen hervorragend komponiert sein, denn mit ihnen hatte er einen großen Erfolg und galt als einer der führenden Komponisten seiner Zeit. Doch bereits kurz nach seinem Tode wurden seine Werke nicht mehr gespielt. Der Zahn der Zeit hat an ihnen genagt, und sie wurden als konservativ und unzeitgemäß zur Seite gelegt. Man sagt einigen Werken nach, sie würden an den frühen Bruckner erinnern, und damit wäre die von mir so wichtige Bedeutung doch hergestellt. Ich kenne sie leider nicht, deshalb enthalte ich mich hier der Meinung.

    Viele Grüße sendet Maurice

    Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)

  • Also, ich hab mir den Lachner heute Abend mal angetan. Die letzte Sinfonie Nr. 8. Es heißt ja, dass die Spätwerke besser sind...

    Der erste Satz der Sinfonie hat mich nicht vom Hocker gehauen. Zumindest ist mir das Hauptthema nicht weiter aufgefallen und im Ohr geblieben.

    ABER, das muß man sagen, der zweite Satz der Sinfonie ist echt schön. Ein ganz wunderbares Andante mit sehr schönen Einfällen und wunderbar instrumentierten Stellen.

    Das Scherzo war solider Durchschnitt. Typisch deutsch-österreichische Musiktradition.

    Auch das Finale der Sinfonie fand ich besser als den ersten Satz. Eher ein fröhlicher Kehraus. Das Hauptthema ist jetzt aber auch nicht gerade ein Ohrwurm. Hat ein bisserl was von Mendelssohn - Erinnerte mich zumindest dran. Zwischendurch ein paar dramatische Gesten und ein dramatischer Schluß, naja, der aber nicht wirklich zündete und eher aufgesetzt wirkt.

    Insgesamt scheint mir die Stärke Lachners nicht gerade das große, erhabene, dramatische Sinfoniethema a la Beethoven, Brahms und Bruckner und dessen logische dramatische Entwicklung zu sein, sondern eher das ruhige, leise Intermezzo wie das Andante. Das hat mich eindeutig am stärksten überzeugt.

    Was heißt hier modern? Betonen Sie das Wort mal anders! Richard Strauss

  • Und diese schöne Oper gibt es schon seit 3 Jahren......

    LG palestrina

    „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
    Oolong

  • Und diese schöne Oper gibt es schon seit 3 Jahren......

    ... und war davor auf youtube verfügbar. so konnte ich mir den Mitschnitt der konzertanten Aufführung immer wieder mal reinziehen; klingt wie "Grand opéra - stark gekürzt"; die sehr eingängigen Melodien, gute Mischung aus großem Historiendrama und kleiner besetzten Szenen ließen das Werk hier auf meiner Opern-Hitliste landen. Dank exzellenter Textverständlichkeit ist man sehr schnell "drin" im Geschehen.
    weiß jemand, warum das Thema so beliebt war? gleichzeitig entstand Halévys "La Reine de Chypre".

    bw :wink:

    "Im Augenblick sehe ich gerade wie Scarpia / Ruggero Raimondi umgemurxt wird, und überlege ob ich einen Schokoladenkuchen essen soll?" oper337

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!