W. A. Mozart: Così fan tutte - eine vollkommene Oper?

  • Ich habe ungefähr die Hälfte gesehen, dann wurde ich leider zu müde... :sleeping:


    Den kolonialismuskritischen Ansatz (die Handlung spielte während der 30erJahre im damals von Italien kolonisierten Äthiopien) fand ich grundsätzlich interessant, aber doch letztlich aufgesetzt und nicht wirklich schlüssig aus der Handlung heraus entwickelt. Die fortwährende herabwürdigend-rassistische Behandlung der schwarzen stummen Statisten auf der Bühne durch die weißen Protagonisten der Oper (eine Vergewaltigung schon während der Ouvertüre...) war natürlich kritisch gemeint, aber auf Dauer äußerst unangenehm anzuschauen.
    Gesanglich und musikalisch war es sehr gut, so weit ich das beurteilen kann.

  • Ich habe ungefähr die Hälfte gesehen, dann wurde ich leider zu müde...

    Ich habs eben angefangen mir via Mediathek reinzuziehn...


    Kurzes Stegreif-Zwischen-Brainstorming:
    Letzte Cosi, die ich mir eingeschmissen hatte, war TV –Mitschnitt Cambreling/Haneke und Audio-Mitschnitt Levine aus NYC . Orchester kommt unter Langrée fetziger, farbiger und deutlich-filigraner rüber als Cambreling. Levines Fetzigkeitslevel vom 26.04.14 ist mir noch etwas näher.


    Schön, dass die Pausen bei Don Alfonsos “Sarò anch'io de' convitati ?“ schön deutlich rüberkommen, subtile Vorwegnahme von Desillusion. ..
    Szenische Umsetzung bisher viel spannender als Patrice Chereau...


    Den kolonialismuskritischen Ansatz (die Handlung spielte während der 30erJahre im damals von Italien kolonisierten Äthiopien) fand ich grundsätzlich interessant,

    Ich auch


    aber doch letztlich aufgesetzt und nicht wirklich schlüssig aus der Handlung heraus entwickelt.

    Dass Ferrando und Guilemo sich als quasi Herrenmenschen aufspielen passt m.E. denn beide gehören zum Adel.


    Die fortwährende herabwürdigend-rassistische Behandlung der schwarzen stummen Statisten auf der Bühne durch die weißen Protagonisten der Oper (eine Vergewaltigung schon während der Ouvertüre...) war natürlich kritisch gemeint

    Seh ich auch so. Wenn Ferrando und Guglielmo so einen infamen „Frauentausch“ abziehn, dann verwundert es ja auch nicht, dass da Frauen als durchzuknallendes Frischfleisch identifiziert werden; vor allem wenn’s bloß farbige sind; wie eben weiland Bürgerliche z.B. Marie durch Desportes in Bazis Soldaten,... ....also das passt m.E. in Cosi durchaus.....


    Don Alfonsos Outfit und Choreographie überzeugt dagegen bisher nicht gänzlich. Ich hätt ihn lieber in z.B. weißen Jackett und Hose, um ihn Ferrando und Guglielmo auch äußerlich abzusetzen Sein Agieren müsste auch bedächtiger, ausgebrannter und bitterer rüberkommen... das find ich bisher bei Haneke besser gelöst ...


    aber auf Dauer äußerst unangenehm anzuschauen.

    Na ja, Mozarts Opern sind – wie eigentlich die meisten Opern von Rang – kaum durchgehend angenehme Kost. Man bedenke z.B. den gewalttätigen, bedrohlichen Backround verbunden mit abstoßenden Momenten auch in Entführung, Nozze und DG ...........


    Gesanglich und musikalisch war es sehr gut, so weit ich das beurteilen kann.

    Ja, gefällt mir bisher auch ...

    „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann

  • Bonsoir,
    Ich knüpfe angesichts einer kürzlich gesehenen sehr interessanten Inszenierung mal an diesen alten Thread an. Es ist ja häufig die Rede von dem absurden und nicht- kohärenten Finale dieser Oper. Ich habe nun an der Opera de Lille in Koproduktion mit dem Festival Aix en Provence, der Koreanischen Staatsoper und dem Edinburgh Festival (seltsame Mischung......) eine Version gesehen, die gar kein anderes Ende haben konnte und sozusagen von diesem Ende her total folgerichtig inszeniert war. Und natürlich beim Publikum durchaus umstritten....... Am Pult war Emmanuelle Haïm mit dem Concert d'Astrée, inszeniert hat Christophe Honoré. Die Sänger sind wahrscheinlich eher unbekannt: Fiordiligi: Ruzan Mantashan, Dorabella: Virginie Verrez, Despina: Laura Tatulescu, Ferrando: Anicio Zorzi Giustiniani Guillielmo: Alessio Arduini Don Alfonso: Nicolas Rivenq

    Der Regisseur hat das Ganze in den 30iger Jahren im von italienischen Faschisten besetzten Eritrea spielen lassen. Fiordiligi und Dorabella sind Töchter einer wohlhabenden Besatzerfamilie, ihre Liebhaber Besatzungs-Soldaten. Schon während der Ouvertüre werden Weichen gestellt und man weiss sofort, dass das kein süss-schöner Mozartabend werden wird. Der Chor kommt aus Kapstadt (und legt in derselben Woche ein hinreissendes Konzert "Feu sacré" mit traditioneller afrikanischer Sakralmusik und europäischer Musik des 16Jh hin- umwerfend!) und wird nicht nur sängerisch sondern auch in Statistenrollen aktiv- die Hautfarbe der Sänger ist für die Inszenierung notwendig. Man sieht die Soldaten Ferrando und Guillelmo in Schwarzhemden (oder auch ganz ohne...)am schmutzigen Werk, u.A. werden schwarze Lagersklavinnen missbraucht. Dabei singen sie von der Treue ihre weissen Verlobten. ........
    Diese Verlobten kleben Plakate vom Duce und vom Papst Pius an ihre Häuser, während sie singend und duettierend von ihren Latin Lovers schwärmen. Despina hat mindestens zwei schwarze toy boys zu erotischen Diensten und von Don Alfonso will ich gar nicht reden. Ein durch und durch rassistisch verdorbenes "Pack", das da auf der Bühne agiert, lediglich Dorabella und Fiordiligi sind noch "unschuldig" und Ziel der ganzen Sache ist es (zumindest was Despina angeht), sie möglichst schnell auch in diesen Sumpf hineinzuziehen. Was natürlich kein Problem ist.......
    Als sie am Ende ihre Liebhaber gegen zwei dahergelaufene "reiche" Eritreer austauschen, die ihnen von Despina und Alfonso als Solche aufgetischt werden, nehmen sie gleichzeitig auch die Plakate vom Papst und vom Duce ab. Nachdem Dorabella einmal Blut geleckt hat, lässt sie es nicht bei Guillermo bewenden sondern probiert auch die schwarzen Hausangestellten durch und geniesst das neu entdeckte sinnliche Vergnügen ohne Einschränkung. Fiordiligi ist etwas wählerischer und verliebt sich gemäss Libretto wirklich (ein bisschen) in den verkleideten Ferrando Letztlich geht es aber um nichts Anderes als sexuelle Initiation und am Ende ist es vollkommen egal, wer da wen heiratet und das "Cosi fan tute" ist 100%ig gerechtfertigt. Die Ehe ist eine rein gesellschaftliche und ständische Konvention, Romantik kommt nicht vor bzw ist lediglich Mittel zur Verführung. Der Zynismus, den sowohl Don Alfonso wie auch Despina besingen, wird hier folgerichtig auf die Spitze getrieben.
    Der Rassismus und die weisse Herrenrasse sind ein Hauptthema und leider hat das ja in etlichen Teilen dieser Welt nach wie vor Aktualität.
    Was das nun mit Mozarts Musik zu tun hat?
    Das sollte man Herrn Da Ponte fragen........ :fee:

    Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)

  • Durch den Film 'Sunday, Bloody Sunday', in dem das Quintet aus dem 1. Akt eine wichtige Rolle spielt, kam ich vor Kurzem mal wieder auf die Cosi zurück.

    die Liebe ist nur ein hohles Spiel und dient der Manipulation. Die Musik dagegen scheint sich darüber in keiner Weise zu bekümmern und schwelgt und schwelgt:

    Ist sie damit zugleich - schön und wahr?

    Schwelgt die Musik wirklich in einem immerfort? Ja, sie tut es, aber gleichzeitig auch nicht. Und damit ist sie für mich 'schön und wahr' zugleich. Das ist es ja, was ich bei Mozart durchaus bewundere, nämlich ein bitterböses Geschehen in eine wunderschöne Musik zu kleiden, die das eben nur scheinbar ist. Ich habe bei der Cosi immer das Gefühl, dass die Protagonisten ständig auf schwankendem Boden agieren, dass sie sich auf nichts verlassen können. Und wenn sie dann einmal sicher zu sein scheinen, reißt es sie kurz danach um.


    Ich weiß nicht, ob die Cosi die perfekte Oper ist (dramaturgisch sehe ich das Schwächen), aber darum geht es wohl auch nicht. Die Cosi ist für mich ein Werk, dass sich dem nähert will, was beim Menschen vielleicht am Schwersten zu fassen ist: dem Gefühl. Und vielleicht eben nicht, wie so viel andere Opern auf eine recht einfache Art, wo Gefühle klar zuzuordnen sind. Und schon gar nicht in einer Extrem-, sondern in einer vordergründig banalen Alltagssituation. Aber bei Mozart fehlt eben genau diese Sicherheit der Empfindung, auf der wir vielleicht so sehr im täglichen Leben auch bauen. Alles schwimmt, ist unsicher, veränderbar, trügerisch. Und jeder betrügt und ist betrogen, ob er/sie will oder nicht. Und genau dieses Schwanken, diese Unsicherheit drückt sich für mich auch permanent in der Musik aus, eingekleidet in diesen oftmals überirdischen Wohlklang. Und der hat für mich auch seine Funktion, zeigt er mir doch Mozarts Hinwendung zum Menschen, zu seinen Schwächen und alltäglichen Betrügereien. Er deckt das, was da abgeht, ja nicht zu (und da geht ja einiges ab), sondern zeigt eher: So sind wir alle, so ist es halt und wenn wir über mehr Dinge lachen könnten, umso besser. Wenn wir denn in solchen Situationen lachen könnten.


    :wink: Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Eben gehört, eben geguckt: Eine sehr junge und sehr großartige "Cosi fan tutte" als Liveübertragung von den Salzburger Festspielen. Guckt mal rein, wer etwas für Mozarts Opern übrig hat:
    https://www.arte.tv/de/videos/…fan-tutte-von-w-a-mozart/

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

  • Das Programm der Salzburger Festspiele wurde natürlich geändert, aber immerhin: Sie spielen - und sie spielen die beiden Lokalmatadoren und Hausgötter des Festivals. Wolfgang Amadeus Mozart und Richard Strauss.


    Joanna Mallwitz sollte eigentlich "Die Zauberflöte" dirigieren, Christof Loy eigentlich "Boris Godunow" inszenieren, jetzt haben sie zusammen "Cosi fan tutte" gemacht, leicht gekürzt und ohne Pause. Nur sechs Darsteller/-innen, der Chor hinter der Bühne, ein einheitliches minimalistisches Bühnenbild, eine leere Bühne mit dem Schwerpunkt auf der Personenregie - das Stück ist klug gewählt, um so reduziert zu spielen, das gar nicht auffällt, das man reduziert spielen muss. Bis auf den vecchio filosofo Don Alfonso, den der 58-jährige Johannes Martin Kränzle als ungewohnt empathischen und skrupelreichen Drahtzieher spielt, sind die Sängerinnen und Sänger alle um die dreißig. Was sie und Joanna Mallwitz musikalisch aus der Partitur herausholen, das hat mich sofort begeistert, was sie auch schauspielerisch leisten, das ist mir erst nach und nach bewusst geworden, weil sie alle so natürlich und authentisch spielen, dass ich lange kaum wahrgenommen habe, dass sie spielen.


    Kurz: Eine der besten "Cosi"-Interpretationen, die ich je gesehen habe, vor allem in jeder Hinsicht eine erfreulich junge "Cosi"-Interpretation. Ich bin begeistert!

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

  • ich war zuerst skeptisch, kein Bühnenbild, keine Kostüme...aber dann Begeisterung, selten so ein junges, hervorragendes Ensemble gehört und gesehen, stimmlich und schauspielerisch auf höchstem Neveau, so etwas möchte man öfter sehen. :fee:

    viele Grüße von musica

  • kein Bühnenbild, keine Kostüme

    Stimmt, es wirkt, als würden diese jungen Leute einfach in ihrer Alltagskleidung auf einer leeren Bühne stehen. Aber je länger die Aufführung läuft, desto klarer wird, wie genau das wahrscheinlich vom Regisseur Christof Loy und der Kostümbildnerin Barbara Drosihn kalkuliert ist.

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

  • Pardon..habe das "wer" als "wie" gelesen, Brille wäre da angebracht


    • Elsa Dreisig Fiordiligi.
    • Marianne Crebassa Dorabella.
    • Andrè Schuen Guglielmo.
    • Bogdan Volkov Ferrando.
    • Lea Desandre Despina.
    • Johannes Martin Kränzle Don Alfonso.

    viele Grüße von musica

  • Stimmt, es wirkt, als würden diese jungen Leute einfach in ihrer Alltagskleidung auf einer leeren Bühne stehen.

    Ja, herrlich. Eine ganz reduzierte Bühne, eine ganz zurückgenommene Inszenierung, nur auf das Wesentliche konzentriert, auf die Musik, auf die Handlung. Keine Mätzchen, kein überflüssiges Aufblähen dieser Partitur und dieser Geschichte, die doch so sehr für sich selber spricht.


    Ganz dem Singen und dem Schauspiel vertrauend und damit schafft Loy es, die 'Così' völlig unverstaubt und total modern zu zeigen. Ich bin sehr begeistert! Mit Sicherheit kann man hier und da was finden und die und der waren da und dort besser. Klar, so kann man alles erleben und besprechen. Aber eine Aufführung, die in ihrer Gesamtheit, sowohl schauspielerisch, aber v.a. auch stimmlich so überzeugend ist, muss man erstmal toppen, damals wie heute.


    Und ein 'Un aura amorosa', dass einen (auch durch die Regie) so zu Tränen rührt - Hut ab, das habe ich so noch nicht erlebt.


    Es ist ja wirklich ein bitterböses Spiel, eine totale Verwirrung der Gefühle, gemischt mit Betrug und Hintergehen. Und Loy bringt das wirklich wundervoll auf die Bühne, so toll, dass man selbst als Zuschauer manchmal völlig verwirrt ist.


    Also, noch mal, ich bin völlig begeistert.


    :wink: Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Ich habe diese "Cosi" von den Salzburger Festspielen jetzt in ORF2 gesehen. Eine zumeist anständige Aufführung, aber vom Sessel gerissen hat mich dieser Abend nicht. Und nein, ich denke jetzt nicht an jene SängerInnen die ich selbst (noch) gehört habe - Janowitz, Fassbaender, Schreier, Berry ... Und ich denke auch nicht an Böhm oder den zu Unrecht unterschätzten Josef Krips und das legendäre Wiener Mozartensemble (unser Streifenpeter hat mit diesen Künstlern ja noch arbeiten dürfen). Ich erinnere mich an den da Ponte Zyklus unter Harnoncourt im Theater an der Wien vor ein paar Jahren. Das war semikonzertant. Aber musikalisch lagen da Welten dazwischen.
    Diese Aufführung in Salzburg - ich spreche absichtlich nicht von der Regie - fehlte für mich, sehr subjektiv, jeglicher Witz in Szene wie in Musik; ich hörte die eine oder andere wirklich gute Sequenz, aber von der auch in professionellen Kritiken geschriebenen Begeisterung blieb ich doch ziemlich entfernt.

  • Diese Aufführung in Salzburg - ich spreche absichtlich nicht von der Regie - fehlte für mich, sehr subjektiv, jeglicher Witz in Szene wie in Musik; ich hörte die eine oder andere wirklich gute Sequenz, aber von der auch in professionellen Kritiken geschriebenen Begeisterung blieb ich doch ziemlich entfernt.

    Ich kopiere hier nochmal hin, was ich eben in "Stream" gechrieben habe.


    Cosi fan tutte in Salzburg kann man immer noch als Stream ansehen und hören, wenn man auf der Salzburger Festspiele website die Streams sucht. Ich würde empfehlen es sich anzusehen !
    Ich habe mir gestern die erste Hälfte angesehen und fand es wirklich erfreulich. Die Oper ist sowieso nicht tot zu kriegen, herrliche Musik, mit einem Hit nach dem anderen.


    Musikalisch finde ich den ab und zu ziemlich aggressiven Ansatz von J Mallwitz interessant und auch mehr oder weniger gelungen. Die Inszenierung gefällt mir auch, und musikalischer Ansatz und Inszenierung passen gut zusammen, denn beide bringen für mich eher die eigentlich respektlose, zynische und zerstörerische Haltung des Don Alfonso heraus. Aber man merkt in dieser Inszenierung eben auch, warum er diese Haltung hat, nämlich weil er selber Unglück in der Liebe hatte. Die Inszenierung ist deshalb wegen ihrer differenzierten Darstellung durchaus vielschichtig und befriedigend. Alles nur durch Personenführung - eine grosse Leistung Loys und der Sänger ! Und sehr gut unterstützt durch die musikalische Interpretation von Mallwitz. Mozart klingt hier nicht nur wie Engelgesang, sondern hat Kante an den passenden Stellen.
    Ich habe mir immer gewünscht, das Stück mal als ziemlich respektlose Anmassung gegenüber den Frauen (die dann zur psyschologischen Quälerei "berechtigt") inszeniert und musiziert zu sehen, denn ich dachte immer schon, dass es unter anderem auch so gemeint ist. Hier also endlich mal so, meine ich, immer mit dem Vorbehalt, dass ich den 2. Teil noch nicht gesehen habe.


    Wie auch immer dies empfunden wird, es lohnt sich schon allein wegen der Sänger.
    Der Tenor Bogdan Volkov singt sehr schön ! Un'aura amorosa ist wunderbar gesungen und alles andere, was er anbietet ebenso, auch ganz besonders im Ensemble. Ich werde versuchen ihn in anderen Rollen zu hören.
    Der Bariton Andre Schuen war auch sehr gut und auf jeden Fall jemand, den ich wieder hören möchte.


    Von Elsa Dreisig als F war ich nicht ganz überzeugt, besonders ihre Arie im ersten Akt war etwas enttäuschend. Auch im Ensemble sang sie ab und zu haarscharf zu tief. M Crebassa als Dorabella war in diesem ersten Teil Spitze, sehr erfreulich !
    Don Alfonso fand ich stimmlich nicht ganz überzeugend, aber schauspielerisch gelungen (siehe oben), was dann alles andere bei ihm wieder gutmacht. Ich bin durch Thomas Allen in Covent Garden etwas an diese Kombination von alternder Stimme + vortrefflichem Schauspiel gewöhnt - es gefällt mir deshalb fast schon wieder, so etwas hier auch zu finden.


    Also noch schnell ansehen, wenn man Zeit hat !

  • Aber man merkt in dieser Inszenierung eben auch, warum er diese Haltung hat, nämlich weil er [Don Alfonso] selber Unglück in der Liebe hatte.

    Du meinst, die Inszenierung stellt das so dar? Im Libretto findet sich m. W. kein Hinweis darauf, daß Don Alfonso "Unglück in der Liebe hatte".


    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Du meinst, die Inszenierung stellt das so dar? Im Libretto findet sich m. W. kein Hinweis darauf, daß Don Alfonso "Unglück in der Liebe hatte".

    Ich habe es auch nicht so verstanden, dass die Inszenierung das so darstellt. Was mir bei der Darstellung Don Alfonsos aufgefallen ist, war das schlechte Gewissen, dass ihn zunehmend ergreift, je länger das Experiment dauert und je ernster es wird. In Blicken und Gesten zeigt sich, dass dieser Don Alfonso genau sieht, was er und seine jungen Freunde da anrichten - und dass es ihm zutiefst leid tut. Die Konsequenz, alles abzubrechen, zieht er allerdings nicht. Das war für mich ein interessanter Gegenentwurf zu dem zynischen, materialistischen, distanzierten Lehrer und Experimentator als der Don Alfonso sonst meistens gezeigt wird.


    Ob man seine Verzweiflung am Leben und an der Liebe, die die Verzweiflung, die die jungen Paare über sich bringen, schon sieht bevor sie sie selbst sehen, nun auf eigene schlechte Erfahrungen zurück führen soll: Kann sein, kann auch nicht sein...

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

  • Du meinst, die Inszenierung stellt das so dar? Im Libretto findet sich m. W. kein Hinweis darauf, daß Don Alfonso "Unglück in der Liebe hatte".


    :wink:

    Ja, ich meinte nur, dass die Inszenierung es so darstellt.

    Ich habe es auch nicht so verstanden, dass die Inszenierung das so darstellt. Was mir bei der Darstellung Don Alfonsos aufgefallen ist, war das schlechte Gewissen, dass ihn zunehmend ergreift, je länger das Experiment dauert und je ernster es wird. In Blicken und Gesten zeigt sich, dass dieser Don Alfonso genau sieht, was er und seine jungen Freunde da anrichten - und dass es ihm zutiefst leid tut

    Darauhin sehe ich es mir nochmal an......eventuell wird das klarer, wenn ich mir den 2. Teil noch ansehe. Ich finde, was Du hier sagts durchaus plausibel, nur bekam ich einen anderen Eindruck, aber der kann sich noch ändern, wenn ich den 2. Teil sehe.
    Nur stellt sich mir dann die Frage, warum er es dann nicht abbricht......das wäre doch die logische Konsequenz der ehrlichen Reue. Diese Möglichkeit ergibt sich allerdings von vorne herein nicht und deswegen würde ich dazu tendieren, dass es nicht so gemeint sein kann, dass es ihm leid tut. Aber eventuell gibt es im Leben auch immer wieder Situationen, wo Menschen genau wissen, was sie anrichten, aber es trotzdem nicht aufgeben. Obwohl mir das bei ehrlicher Reue nicht untergekommen ist. Bei ehrlicher Reue versucht man doch, es wieder gutzumachen.
    Wie dem auch sei, diese Diskussion zeigt, dass die Inszenierung zu Gedanken anregt und nicht einfach eine aufgewärmte Nummer ist. Das allein finde ich für mich sehr gelungen.

  • Ja, ich meinte nur, dass die Inszenierung es so darstellt.

    Dann bin ich beruhigt.


    :D

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

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