Smetana - Mein Vaterland -- Zyklus sinfonischer Dichtungen

  • Smetana - Mein Vaterland -- Zyklus sinfonischer Dichtungen

    In letzter Zeit trifft dies zu: Immer wenn ich eine neue CD bekomme ist kein entsprechender Thread vorhanden. Das muss bei Capriccio angepasst werden !


    Mein Vaterland ist ein Zyklus von 6 Sinfonieschen Dichtungen, die in den Jahren von 1872 - 1979 von Smetana komponiert wurden.
    Der Zyklus besteht aus drei Zweiergruppe, deren Erste den Blick in die nationale Vergangenheit bietet; die Zweite ein Bild der gegenwärtigen böhmischen Landschaft und des Lebens darin repräsentiert; und der Dritten in die glanzvolle Zukunft des tschechischen Volkes weist.


    1. Vysehrad (1872-74)
    2. Vlava - Die Moldau (1874)
    3. Sarka (1875)
    4. Aus Böhmens Hain und Flur (1875)
    5. Tabor (1878)
    6. Blanik (1879)


    Die Moldau ist natürlich die bekannteste und meistgespielteste Sinfonische Dichtung aus dem Zyklus. Ich finde es aber interessant alle zusammen zu betrachten und zu hören.



    Jetzt möhchte ich zuerst auf verschieden Aufnahmen von mein Vaterland eingehen.
    Die TOP-Aufnahmen (oder welche ich als diese empfinde) zuerst und die Ärgernisse in den nachfolgenden Thread´s .


    Meine Hörerfahrung beruht bei solchen TOP-Werken, wie dem Zyklus Mein Vaterland meist immer aus der LP-Zeit.
    So hatte ich zuerst die wunderbar gestaltete Supraphon-Doppel-LP mit Prager Motiven mit Karel Ancerl / Tschechische PH - man war das eine Aufnahme.


    Was Durchhörbarkeit der einzelnen Instrumentengruppen (auch die Harfe), oder die Wahl des Tempos angeheht, so halte ich diese für eine absolute Spitzenaufnahme von Mein Vaterland.
    Diese Aufnahme von 1963 gehörte schon damals zu den klangbesten Platten, die ich hatte. Schon immer habe ich mich bei der Wahl der Interpretation in die Richtung orientiert, wo das Werk seinen Ursprung hatte und ich glaube, da habe ich meist sehr richtig gelegen.
    Karel Ancerl bringt seinen Landsmann in einer ungeheuer spannenden Version,die Ancerl mit vollem Nationalstolz präsentiert; nichts geht unter und alles wird plastisch präsentiert.


    Auf CD habe ich mir diese Supraphon-CD 2007 als Ersatz für die Doppel-LP zugelegt:

    Tschechische PH, Karel Ancerl
    Supraphon, 1963, ADD, Remastering 2005


    Leider ist das tschechische Remastering nicht einwandfrei gelungen, sodass der Klang auf CD etwas steril wirkt - man hat das Rauschen der Aufnahme völlig eliminiert - da nützt auch für dem Klang das 24Bit-remastering diesesmal nichts --- aber die Interpretation :faint: .
    Bevor ich diese Supraphon - CD kaufte, hatte ich eine Menge über die unangemssene digitale Aufbereitung gelesen. Da ich die Aufnahme aber unbedingt auf CD haben wollte, habe ich trotzdem zugegriffen.
    Ancerl schlägt in jeder sinf.Dichtung ein angemessenes Tempo an (nirgendwo zu langsam), die Aufnahme packt ungemein, wie schon damals auf LP.



    Rein zufällig, weil ich die Ancerl-Aufnahme zuerst nicht auf CD bekommen konnte, hatte ich in den 90er-Jahren dann zu dieser Aufnahme mit James Levine / Wiener PH gegriffen: Damals bei DG als Doppel-CD mit noch anderen Smetana Werken.


    ..
    Wiener PH, James Levine
    DG,1986, DDD


    Eigendlich hätte ich es Levine gar nicht zugetraut, aber was er auf die CD bannte ist große Klasse. Da kommt gar kein Gedanke an falsches Tempo oder nichthörbare Harfen auf.
    Um es kurz zu machen:
    Diese Aufnahme kommt zwar in ihrer böhmischen Aussagekraft nicht an Ancerl-Aufnahme heran, ist aber Klasse gelungen und bietet eine spannende Sicht ohne jegliche Langeweile; von den Wiener PH glänzend gemeistert.
    Was den Vergleich der Moldau mit meiner DG-CD mit F.Fricsay Dvorak: Sinf.Nr.9, auf der sich Die Moldau auch in einer der wichtigsten Interpretationen befindet, so kann ich feststellen, daß sich Levin und Ancerl in bester Gesellschaft befinden.

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    Gruß aus Bonn


    Wolfgang

  • Smetana - Orchesterwerke mit Theodore Kuchar

    Um alle Smetana-Orchesterwerke zu haben, sollte man für 6,99Euro (bei 2001) aber unbedingt die 3CD-BRILLANT-Box besitzen.
    Diese gehört zu den CD-Käufen in 2009 und war eine voll positive Überraschnung.



    Mein Vaterland; Wallensteins Lager op. 14; Hakon Jarl op. 16;
    Richard III op. 11; Ouvertüre & 3 Tänze aus "Die verkaufte
    Braut"; Doktor Faust-Ouvertüre; Venkovanka; Nasim Devam;
    Festsymphonie op. 6; Festouverüre C-Dur; Festouvertüre op. 4;
    Prager Karneval; March of the National Guard;
    Shakespeare Festival March op. 20; Wallenstein's Camp op. 14

    Janacek PO, Theodore Kuchar
    Brillant, 2007, DDD


    **** Man merkt bei hören von Mein Vaterland gleich, das das Janacek PO kein Spitzenensemble, wie die bekannten großen ist und auch wie verwöhnt man in dieser Beziegung geworden ist.
    Aber das tut der Qualität keinen Abbruch, denn die tschechischen Musiker sind mit großer Spielfreude und Feuer dabei und geben alles.
    :thumbup: Auch Kuchar, den ich auf NAXOS und BRILLANT in den letzten Jahren mehrfach positiv erlebt habe (besanders bei der 3CD-Box mit Schostakowitsch-Suiten und Kurzwerken) ist hier mit Elan und fern jeder Langweile dabei. Die Sinfonischen Dichtungen (neben den Mein Vaterland) kannte ich schon durch die TOP - Kubelik-CD (DG). Diese werden hier mit Kuchar aber ebenfalls eindrucksvoll dargeboten.
    :sparkle: Smetana Orchestral jetzt komplett - da entsteht durch diese 3CD-Box ein ganz neues Smetana - Bild: Welch feurige hochmusikalische Musik war da noch unbekannt. Da geht es "richtig rund" und das wird durch Kuchar und die Janaceker toll umgesetzt.
    Wer kennt die Doktor Faust-Ouvertüre oder die gute Laune - Sinfonie namens Festive Symponie op.6, in der auch die Deutschlandhymne anklingt ?
    Auch die bekannte Ouvertüre zur Verkauften Braut mit den zugehörigen Sätzen - hier wirklich Klasse.
    Kurz: Die Brillant-Box macht einfach Spaß und Laune.
    :D Wenn einer mal schlecht drauf ist - dann dieses !



    Nun zu Mein Vaterland mit Kuchar:
    Schon die Spielzeiten auf dem Cover versprachen anständiges -
    :thumbup: Kuchar benötigt 73:15, ähnlich wie Ancerl 75:15 und Levine mit 76:10.
    :thumbdown: Aber nicht den Reinfall, den ich 02/2007 erlebte, mit Harnoncourt (RCA) der mit über 84 Minuten langatmig dahinplätscherte (lange verkauft).


    Die Janacek PO scheint nicht ganz die Präzision zu haben und bei wuchtigen Einsätzen fehlt etwas die Schlagkraft, so wie bei der Tschechischen PH und den WPO in Mein Vaterland gewohnt. Da man den Musikern aber ihre Spielfreude anmerkt ist dies zu verschmerzen und es entstand eine emotionsgeladene und an keiner Stelle langweilige Interpretation, die voll zufriedenstellt.
    Diese Brillant-Box zeigt Musiker, die ihren Smetana unbedingt in positivsten Bildern zeigen wollen - TOP gelungen - fabelhafte CD´s - tolle Ergänzung zum vorhandenen.
    Und dann für diesen Geschenktpreis.

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    Gruß aus Bonn


    Wolfgang

  • Harnoncourt

    Die angekündigten Ärgernisse kommen jetzt !


    :thumbdown: Mehr ein Reinfall war der Kauf der Harnoncourt- Aufnahme auf RCA, die ich mir zu zufällig Karneval Februar 2007 zulegte.
    Harnoncourt scheint wiedermal nicht "mein Dirigent" zu sein.



    RCA, 2005, DDD


    Was mir aber bei den Dichtungen unter Harnoncourt mißfällt, ist das ungewöhnlich langsame Tempo, das für meinen Geschmack dazu führt, dass ständig die Spannung abreisst.
    Kein Wunder das für den Zyklus hier bei RCA zwei CD´s benötigt werden.
    Seine RCA-Mein Vaterland-Aufnahme hat schöne Momente (zum Beispiel in Sarka kurz vor dem Schluß), die großartig wirken - aber nur im ersten Moment. Es stellt sich durch das ungewöhnlich langsame Tempo nichts ein, dass ein für die einzelnen Dichtungen zu packen vermag. Man muß sich zwingen die Sätze zu Ende zu hören; die Musik kommt nicht in den Gang.
    * Die 6Dichtungen dauern bei langatmige Harnoncourt 84Minuten, gegenüber meinem Favorit Ancerl mit 75Minuten.


    Die Moldau ist bei Harnoncourt trockengelegt, die Musik fließt nicht; es fällt auseinander in Belanglosigkeit - obwohl Ancerl auch 12:29 braucht ist es bei ihm überall spannend; noch besser Fricsay mit 11:01 ohne irgendwo gehetzt zu wirken; Harnoncourt mit 12:54 schießt den Vogel ab, der in die trockene Moldau fällt.
    Wie man Tabor so emotionslos und belanglos dirigieren kann ist mir ein Rätsel - 14:25 Minuten Langeweile.


    Kurz und bündig: Mein "Worst Buy 2007" - habe ich lange verhökert !

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    Gruß aus Bonn


    Wolfgang

  • Mein Vaterland mit Dorati

    Am Samstag habe ich die recht neue Decca-Eloquence-CD (C 2010) mit Dorati / Royal Concertgebow Orchestra Amsterdam (Decca, 1986, DDD) erhalten und gleich mit Erwartung gehört.
    Die gleiche Aufnahme ist sogar schon länger bei Philps und jetzt ganz neu auch beim Label NEWTON erschienen:


    Also auf 3CD-Label - da ist meine Erwartung natürlich hoch ... Gleich vorab - bei aller Kritik empfinde ich auch diese Aufnahme der Harnoncourt-Aufnahme (gem Vorbeitrag) als haushoch überlegen.



    Dcca, 1986, DDD

    Die Klangqualität ist erwartungsgemäss wirklich sehr gut - vorbildlich.


    Aber was nützt das alles: :S So richtig wollte sich gleich von Anfang an bei Vysehrad keine Spannung einstellen.
    Auch bei der Moldau kam eher Verwunderung bei mir auf - wie die Moldau um die Felsklippen fegt, habe ich mit Fricsay (DG), Karajan (DG) und in meine GA mit Ancerl (Supraphon), Levine (DG) und Kuchar (Brillant) wirklich anders gehört.
    Sarka kam dann wirklich angemessen.
    Bei Aus Böhmens Hain und Flur ist auch soweit ganz gut, aber ohne das es mich wirklich angesprochen hat.
    Tabor sprüht doch nur so vor berstender Spannung - der Lento-Anfang lässt aufhorchen; aber ab dem Grandioso Molto vivace elininert Dorati das alles und liefert hie ein seichtes Softpiece. Die saftigen Paukenstellen werden einfach mit breiten Akzenten (auch in den Streichern) ausgedünnt und spannungslos dargestellt. So harmlos habe ich das noch nie gehört. Bei Tabor sehe ich das als "Chance verpasst".
    Blanik muss so packend anfangen, wie Tabor aufgehört hat - bei Dorati als langezogenes Hauptthema teee teee teee tääää (statt te te tää tä); danach einen schön ausgehörten Mittelteil, die auch durch den TOP-Sound verwöhnen. Aber insgesamt: Ne, hat mir nicht gefallen.
    *** Ansonsten - und bitte nicht falsch verstehen - bietet Dorati schönen Stellen in allen 6 Dichtungen ; aber da wo es packen sollte kommt einfach wenig !!!

    Insgesamt war ich am Ende mehr entsetzt als erfreut, wie man das Werk besonders bei Tabor und Blanik so belanglos herunterbuchstabieren kann. Auch die lange Spielzeit, bei der jede der 6 Dichtungen je 1 -2 Minuten länger dauern ist nicht gerade förderlich für eine straffe Sichtweise Spielzeiten: 13:32 - 13:04 - 10:37 - 12:18 - 13:57 - 15:23 Summe = 78:58 .
    ---> Die Antwort finde ich eventuell in Doratis Alter - er war zum Zeitpunkt der Aufnahme bereits 80 !


    :-OOOO- Mit Sicherheit liegt mein Eindruck auch an meiner Prägung. Meine erste Aufnahmen, die immer noch mein Favorit bleibt ist
    Karel Ancerl / Tschechische Philharmonie (Supraphon).
    Spielzeiten: 14:16 - 12:29 - 9:49 -12:14 - 13:45
    Leider ist das 24BIT-Remastering bei Supraphon auf CD gehörig in die Hose gegangen, denn von dem sagenhaft guten Klang der Aufnahmen (auf der Supraphon-Doppel-LP), ist auf CD durch totale Rauschunterdrückung ein seltsam technisch-blechern klingendes Ergebnis zurück geblieben. Dem Paukenklang hat es zum Glück nicht geschadet.
    Man höre aber den Int-Vergleich, wie unsagbar fetzig die Streicher akzentuieren und die Pauken mit Gänsehautfeeling agieren --- wo ist das bei Dorati ?
    * Es ist von der Ancerl-Aufnahme eine ältere CD-Ausgabe im Handel ! Ich habe gerade nachgesehen: Die ist vorhanden aber zum Megapreis !

    Auch meine weitere GA mit Levine / Wiener PH (DG) ist aus ganz anderem Holz geschnitzt - packende Spannung von Anfang bis Ende, herausragende Paukenstellen mit den glänzenden Wiener PH.
    Es ist richtig, das Levine hier eine recht eigenwillige Sicht vorlegt, die auch nicht gerade böhmisch klingt; aber die Wiener PH klingen fabelhaft in jeder Beziehung. Jedenfalls produziert er keine Langeweile und liefert einen ganz excellenten Tabor mit Saft und Kraft.


    Selbst die in Beitrag 2 empfehlenswerte Smetana: Complete Orchesterworks auf 3 CD mit der Janacek Philharmonie / Kuchar (Brillant) ist hier vorzugsweise zu nennen, obwohl das Orchester nicht so perfekt und mit etwas zuviel Hall klingt, wie die o.g.TOP-Aufnahmen, aber mit Hingabe gespielt.


    :wink: Ich bin mal gespannt, wie ihr Capriccios das beurteilt !

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    Gruß aus Bonn


    Wolfgang

  • Deiner Beurteilung der Harnoncourt-Aufnahme kann ich überhaupt nicht zustimmen.


    Während die meisten Dirigenten ordentlich auf die Tube drücken und nur auf krachigen Bombast wertlegen (Kubelik, Boston), nimmt Harnoncourt das Tempo heraus und legt dieses Mal wirklich die vielzitierten Details frei. Alleine Sarka oder auch Aus Böhmen Hain und Fluren sind hier wahre Ohrenöffner. Zudem gelingt ihm ein Spannungsaufbau in den letzten beiden Sätzen, der sich bei anderen Dirigenten mit keinem noch so straffen Tempo einzustellen vermag. Und wenn ich plötzlich Details hören kann, die in schnelleren Einspielungen nicht mal andeutungsweise vorhanden sind, dann erfindet der Dirigent entweder was dazu oder das Tempo ergibt doch einen sinn.


    Allerdings halte ich das reine Schielen auf die Spielzeiten für völlig zinnfrei, weil ich ja auch kein Gericht auf eine gewisse Kalorienanzahl hin koche.


    Zugegeben, die Vereinigung der kalten und der warmen Moldau ist bei Harnoncourt zu schaumgebremst, aber spätestens bei den Stromschnellen ist da ein Farbenreichtum da, den ich sonst noch nirgendwo gehört habe. Zudem spielen die Philharmoniker in dieser Aufnahme wahrlich gottvoll und das Beiheft ist eine ausgesprochen gute Hörhilfe (den Hand aufs Herz, wer kennt die Gesichten hinter den einzelnen Sätzen, außer bei der Moldau?). Ich hatte das ausgesprochene Vergnügen die ganze Darbietung vor eine paar Jahren auch live zu erleben, wo sich der unglaublich positive Eindruck nur verfestigt hat.


    Seitdem kann ich mit den rumsenden Knall- und Krachorgien nichts mehr anfangen, die manche Dirigenten glauben veranstalten zu müssen. Eine "Int" packt mich nicht nur, wenn alles laut, krachig und schnell ist. Auch wenn ich das Gefühl habe, hier wird mir mit der Musik etwas mitgeteilt, ist das packend.



    Kuchar ist für sich nicht schlecht, er geht einen erkennbar eigenen Weg mit deutlicher Spielfreude der Musiker. Kubelik mit Boston finde ich sowohl interpretatorisch als auch klangtechnisch beliebig. Das wabert so dahin, hin und wieder wird es laut. Neumann/GOL habe ich abgebrochen, weil die Aufnahmequalität unterirdisch war und ständig übersteuert hat. Vielleicht müsste ich das aber nochmal mit meiner neuen Anlage überprüfen.

    Wenn ich F10 auf meinem Computer drücke, schweigt er. Wie passend...

  • Neumann/GOL habe ich abgebrochen, weil die Aufnahmequalität unterirdisch war und ständig übersteuert hat.

    Gerade mit dieser Aufnahme bin ich ziemlich zufrieden, unterirdischer Klang wäre mir wahrscheinlich aufgefallen. Aber auch da gehen die Geschmäcker natürlich auseinander. Krachend finde ich Neumann gleichfalls nicht, ich finde schon, dass Kraft, Spannung und lyrische Momente sich ausreichend die Waage halten. Insgesamt liegt bei mir das Vaterland aber ganz selten auf, und ich habe entsprechend wenig Vergleichsmöglichkeiten. Deine Beschreibung von Harnoncourts Version könnte mich irgendwann dazu bewegen, hier nochmal nachzulegen.


    Ach ja, noch ein Bildchen vom Neumann:



    Edit: Wie ich sehe, gehen auch bei den Amazon-Rezensenten die Meinungen zum Klang weit auseinander. Vielleicht gibt's mangelhafte Exemplare?

  • RE: Harnoncourt

    Hallo Harnoncourt-Fan,


    das Du der Harnoncourt-Aufnahme noch etwas abgewinnen kannst, kann ich mir bei Dir als H-F gut vorstellen. Du hast es ja auch klar dargelegt warum.


    Aber überlege mal, was in den Sinfonische Dichtungen dargestellt werden soll. 8o Da ist böhmisches Temprament mit Nationalbewustsein und Nationalstolz gefragt - das hört man dann natürlich deutlich in den von tschechischen Dirigenten gemachten Aufnahmen, wie Ancerl, Neumann und Kubelik. Das Böhmische in den Dichtungen geht Harnoncourt in der gesamten Einspielung völlig ab und übrig bleibt ein zwar detailreiches aber völlig belangloses und für mich absolut langweiliges Bild zurück.


    Alle die die Ancerl-Aufnahme (Supraphon) kennen, werden diese auch schätzen. Ich hoffe hier bei Capriccio sind welche dabei ?
    Die ist sowas von mitreissend packend, dass Harnoncourt dagegen im Vergleich wie ein armes Häuflein Elend rumdümpelt. Bei der Moldau hast Du es ja bereits eingeräumt. Ganz schlimm und absolut unangemessen tönt bei ihm Tabor und Blanik; wo es zur Sache geht; gehen sollte !
    Wenn Du damit gut zurecht kommst, dann akzeptiere ich das und wünsche Dir weiterhin viel Hörfreude mit der RCA-Doppel-CD; kann dies aber für mich keinesfalls teilen. Mich lässt die Aufnahme spannungs- und ratlos zurück.


    Du hast Recht, wenn man nicht nur auf reine Spielzeiten abheben sollte - denn auch die Dorati-Aufnahme ist relativ breit genommen, aber dennoch - Dorati (Decca) hat hier etwas zu sagen, wenn auch etwas altermilde.

    ______________


    Gruß aus Bonn


    Wolfgang



  • Definiere böhmisch? Wie genau klingen "Nationalstolz" und "Nationalbewusstsein"? Laut? Schnell? Basslastig? Pauken im Hirn statt am Trommelfell? Warum kannst du besser beurteilen wann etwas böhmisch klingt als Harnoncourt? Bonn ist weiter weg von Prag als Wien, sowohl hinsichtlich Distanz als auch Kultur. Kannst du mir da genaueres mitteilen?


    Vaterland à la Solti? Sein untrügerisches Gespür lyrische Stellen zu killen und dürfte zusammen mit der Perversion, was die Decca der 60er und 70er als Klang definiert hat, zumindest was darstellen. Was auch immer das ist.



    Im übrigen bitte ich davon Abstand zu nehmen, mich als hirnloser Fan à la "na, klar dass dir das gefällt" hinzustellen. Ich brauche auch keine altvaterischen Ratschläge, als ob ich zu blöd wäre, zu erkennen worum es in der Musik geht und ich armer Tor, deshalb mit einer inferioren Doppel-CD vorlieb nehme.


    Diese 6 Dichtungen erzählen recht unterschiedliche Dinge, welche Smetana unter einem Überbegriff subsummiert hat (nicht zuletzt sind ja nicht alle Dichtungen zeitgleich entstanden). Das sagt alles erstmal herzlich wenig über die Art und Weise, wie diese Musik gespielt zu werden hat, aus. Hätte Smetana bloß Nationalistisches Gedöns komponieren wollen, hätte er 2 Stunden Böhmische Volkslieder im fff vertont.

    Wenn ich F10 auf meinem Computer drücke, schweigt er. Wie passend...

  • Der Ancerl konkurriert bei mir seit Jahrzehnten mit diesen beiden Aufnahmen : Talich und Sejna. Und immer grad der, den ich höre, liegt vorn. The winner : in jedem Fall das Orchester.


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    Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Not really now not anymore" "But I am good. What the hell has gone wrong?"

  • Mein persönlicher Favorit ist Kubelik, in dieser Einspielung mit dem Bayerischen Rundfunk-Sinfonieorchester, bei Orfeo ersschienen:

    Ich kann gar nicht genau festmachen, warum — ich fühle mich bei dieser Aufnahme einfach wohl.

    Lucius Travinius Potellus
    Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety. (B.Franklin)

  • Mein Lieblings-Kubelik ist die folgende Einspielung



    Es ist ein Livemitschnitt von 1990, nach der Öffnung der Grenzen für den Emigranten Kubelik - eine überaus intensive Interpretation. Ansonsten Talich und Sejna, die hier schon genannt wurden. Aber den Kubelik möchte ich ans Herz legen.


    Liebe Grüße Peter

    .
    Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
    (Hermann Bahr)

  • Mein Lieblings-Kubelik ist die folgende Einspielung


    Ich habe noch einen anderen Kubelik:

    Die Aufnahme stammt von 1959, es spielen die Wiener Philharmoniker.


    Meine Güte, wie oft hat er das Stück denn aufnehmen dürfen?

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

  • Es war ein Stück, zu dem Kubelik eine besondere Beziehung hatte. Im Netz findet man eine Auflistung


    Ma patrie
    1937 - Philharmonie tchèque - Lys (extraits)
    1952 - Chicago - Mercury
    1959 - Vienne - Decca
    08/6/1967 - Vienne
    23/1/1969 - Chicago
    5-6/3/1971 - Boston - DG
    15/3/1971 - Boston
    23/5/74 - SOBR
    28/5/75 - SOBR
    09/6/75 - SOBR
    09/12/76 - Cleveland
    27-29/10/1983 - Chicago
    3-4/5/1984 - SOBR - Orfeo - MediciArts
    12/5/1990 - Philharmonie tchèque - Denon ou Supraphon
    2/11/1991 - Philharmonie tchèque - Altus - DVD - NHK
    Tabor - CSO
    Moldau
    NYP - 1958
    SOBR -1976


    "http://vagne.free.fr/kubelik/Smetana.htm"


    Liebe Grüße Peter

    .
    Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
    (Hermann Bahr)

  • Nabend,


    ich werfe mal die bei mir vorhandene Einspielung in den Raum, die angeblich unter Fachleuten als gut gilt (was immer das heißen mag), mit dem Czech Philharmonic Orchestra unter Vaclav Smetacek. Mir reicht es aus, diese eine in der Sammlung zu haben.

    Helli

  • Mein erster vollständiger Zyklus war der von Dorati (10/1986):



    (P) 1987 Philips Classics


    Den habe ich erst im letzten Februar erworben: hat mir klanglich sehr gut gefallen, doch das Tempo empfand ich eher als zu langsam - speziell Tabor klingt mit seinen 13'57" so ausgewalzt, daß ich verwundert bin, was Dorati damit erreichen wollte.



    [Eben in einen anderen Thread bereits genannt:


    Das Philharmonic Orchestra London unter Janos Sandor braucht für Tabor 10'58". Für mich eine straffe Interpretation ohne Längen.]



    Im Oktober erhielt ich einen zweiten Zyklus:



     
    (P) 1982 Supraphon


    Das Czech Philharmonic Orchestra unter Václav Smetácek: eine frühe Digitalaufnahme, bereits im September 1980 entstanden. Die gefiel mir auch Anhieb besser. Smetácek braucht 74 Minuten und läßt das Orchester sehr farbig und pointiert aufspielen. Sein Tabor ist wuchtig, aber sehr raffiniert rhythmisiert. Da wirkt selbst Sandor etwas zu leichtfüßig. Hier hängt nichts durch wie langgezogener Kaugummi.


    Klanglich soll die Aufnahme zu den besten DDD-Einspielungen der damaligen Zeit gehören. Im Beginn des Vysehrad empfinde ich das auch so, wenn die Harfe beginnt und die anderen Instrumente dazutreten, aber wenn das Orchester richtig tutti spielt (Finale von Moldau), habe ich das Gefühl, daß der Raum durch seine Färbung das Orchester etwas diffus erscheinen läßt. Allerdings reicht es immer noch zu einer guten Aufnahmequalität; nur würde ich es nicht als audiophil bezeichnen.


    motiaan, du hast keine unüble Einspielung in deiner Sammlung... :thumbup:



    jd :wink:

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    "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."

    Jean Paul

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    jd

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  • rumsenden Knall- und Krachorgien

    ... finde ich ein bisschen arg pauschal.

    Bonn ist weiter weg von Prag als Wien, sowohl hinsichtlich Distanz als auch Kultur.

    ... trifft sicher zu, aber die erwähnten Herren Ancerl, Kubelik, Neumann, Smetacek, Sejna, Talich etc. waren doch mit einem wie auch immer zu definierenden tschechischen Idiom sicher nicht weniger vertraut als Harnoncourt.
    Ich kenne Harnoncourts Aufnahme ja nicht, kann sie mir anhand Deiner Schilderung, lieber Harnoncourt-Fan, und anhand von Hörerfahrungen mit ihm bei Dvorak aber vielleicht einigermaßen vorstellen. Er wird sicher eine eigene hörenswerte Harnoncourt-Sicht bieten, aber doch sicherlich gleichfalls keine allgemeingültige.

  • Das Czech Philharmonic Orchestra unter Václav Smetácek: eine frühe Digitalaufnahme, bereits im September 1980 entstanden.
    [...]
    Klanglich soll die Aufnahme zu den besten DDD-Einspielungen der damaligen Zeit gehören.

    auf alle Fälle gehört sie zu den ganz wenigen (echten) DDD-Aufnahmen der damaligen Zeit.
    Supraphon hat als Co-Produktionen mit DENON seit Mitte der 1970er Digitalaufnahmen gemacht, mithin die ersten Digitalaufnahmen in Europa (Sony's Premiere war 1978 in München). Und diese Aufnahmen wurden auch digital in Tokyo geschnitten, besser gesagt, möglichst wenig geschnitten, weil das damals noch ziemlich abenteuerlich zuging.
    Was ja kein Nachteil sein muss.

  • Die enge Verbindung zwischen Denon und den Tschechen führte noch zu einer weiteren sehr guten Aufnahme:


    Spielzeiten: 14:19 - 12:14 - 9:47 - 12:49 - 12:27 - 13:55
    (ohne Applaus; Zeiten in der Trackliste sind teilweise ganz daneben)
    Gesamtdauer 76 min incl. 10 Sekunden Applaus


    Konzertmitschnitt am 5.11.1982 in Tokyo, exakt 100 Jahre nach der kompletten Uraufführung. Was das für die Orchestermitglieder und den Dirigenten bedeutete, hört man dieser Aufnahme an.


    Auch technisch ist diese immer noch frühe Digitalaufnahme auf dem Höchststand.

  • Das Czech Philharmonic Orchestra unter Václav Smetácek

    Mit Verlaub : es scheint fast keine Rolle zu spielen, wer dirigiert - solange nur das Tschechische Philharmonische Orchester spielt. Vielleicht sollte ich mal...?

    Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Not really now not anymore" "But I am good. What the hell has gone wrong?"

  • Ein Kuriosität, die nicht unerwähnt bleiben sollte

    Hallo,
    bekanntlich emigrierte Ancerl nach der "Beendigung des Prager Frühlings" durch die Warschauer Pakt Staaten nach Kanada und übernahm das Orchester in Toronto.
    1969 dirigierte er mit großem Erfolg "Ma Vlast" beim Tanglewood Festival "Open Air" das Boston Symphony Orchestra.
    Die Aufnahme ist erhalten und überrascht durch ein herrliches Gewitter, dass die Natur zu "Aus Böhmen Hain und Fluren" beisteuert.
    Man kann das Ganze bei Youtube finden.


    Gruß aus Kiel

    Schäffer beißt in einen Veggieburger:

    "Ohne Fleisch? Schmeckt aber fast wie Fleisch, da kann man es auch gleich aus Fleisch machen" (Mord mit Aussicht Staffel 2, Folge 5)

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