Claudio Abbado (1933-2014)

Vom 7. Juni bis 14. Juni 2024, 17:00 Uhr, findet die 14. ordentliche Mitgliederversammlung des Capriccio-Trägervereins statt. Mitglieder werden gebeten, sich für die Teilnahme hier zu registrieren.
  • Nun ja, diese nationalen Festlegungen ("Dass ein Italiener Puccini nicht mag, kommt mir komisch vor") zu hinterfragen und die damit verbundenenen Klischees aufzubrechen, wäre doch eine schöne Aufgabe für ein Forum, nicht wahr? Am Ende mochte er auch keine Spaghetti, was dann?

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Mir geht es ähnlich wie dir, lieber Stimmenliebhaber, auch ich habe ihm einige meiner beeindruckendsten Live - Erlebnisse zu verdanken, leider wesentlich weniger als es dir vergönnt war. Der 'Falstaff' in Berlin war dabei, eine großartige Mahler 6 mit den Berlinern (er hat mir diese Sinfonie eigentlich erst nahegebracht) und dann (schade, dass das nicht so dein Ding ist ;)) Rossinis: Il Viaggio a Reims' in der Berliner Philharmonie. Wir hatten in bitterster Kälte stundenlang für Karten angestanden, dann aber nur noch drei hinter dem Orchester bekommen können. Am Tage der Aufführung kam ich vormittags aus London, duschte kurz und dann ging es sofort weiter. Zum Glück musste ich nicht fahren, aber Lust hatte ich überhaupt nicht mehr. Und dann gab es diese Aufführung mit einer Parade grandioser Rossini - Sänger, einem zu jedem Spaß aufgelegten Orchester und einem Dirigenten, der alles sichtlich genoss und diesen überbordenden Jux ja auch initiiert hatte. Und ich saß da nur und dachte: Rossini macht glücklich! Und Abbado ist genau richtig dafür!

    Neben Mahler sind es überhaupt v.a. die Opernaufnahmen, die mich immer wieder begeistern. Für mich eine absolute Referenz:

    Dazu natürlich sein 'Simone Boccanegra' (gibt wieder kein Bild bei JPC) oder Scala - Aufnahmen aus den 70igern. Nicht zu vergessen:

    Den kenne ich allerdings nur von der CD her.

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Danke. Suchen müsste man können.😄

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Am Ende mochte er auch keine Spaghetti, was dann?

    Er verzichtete bestimmt nur auf Kohlenhydrate...:jaja1:

    "Interpretation ist mein Gemüse." Hudebux

    "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation." Jean Paul

    "Manchmal sind drei Punkte auch nur einfach drei Punkte..." jd

  • "Er war der beste Live-Dirigent, den ich jemals erlebt habe"

    Ein Orchestermitglied über Claudio Abbado, soeben gehört in der von SWR ausgestrahlten Wiederholung des grandiosen Filmportraits von Beatrix Conrad, die den Maestro bei seinen Konzerten in Luzern zeigt, aber auch seinen Rückzugsort hoch oben in der Einsamkeit der Schweizer Berge beschreibt. Und dazu Mahler 2. Eine TV-Sternstunde!

    "Von Herzen möge es wieder zu Herzen gehen"

    Ludwig van Beethovens Inschrift auf dem Manuskript zur "Missa Solemnis"

  • Ein Orchestermitglied

    Darf ich nur kurz zwischenfragen, in welchem Orchester er/sie Mitglied war/ist? Danke!

    Bernds Info ist falsch. In dem Film schwärmen natürlich etliche seiner Weggefährten über Abbados Dirigierkunst, aber die Bezeichnung „bester Live-Dirigent“ stammt nicht von einem Orchestermusiker, sondern von dem Journalist und Musikkritiker Kai Luehrs-Kaiser !!

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    Was ist heute Kunst ? Eine Wallfahrt auf Erbsen. (Thomas Mann, Doktor Faustus, Kap. XXV)

  • In dem Film schwärmen natürlich etliche seiner Weggefährten über seine Dirigierkunst, aber die Bezeichnung „bester Live-Dirigent“ stammt nicht von einem Orchestermusiker, sondern von dem Musikkritiker Kai Luehrs-Kaiser !!

    Tut mir leid, ich hatte das so in Erinnerung, dass es sich um ein Orchestermitglied handelte. Danke für die Info und bitte entschuldige, dass ich auf Deine Frage nicht geantwortet hatte. Habe das eben erst gesehen.

    "Von Herzen möge es wieder zu Herzen gehen"

    Ludwig van Beethovens Inschrift auf dem Manuskript zur "Missa Solemnis"

  • Danke für die Rückmeldung, lieber leverkuehn

    "Er war der beste Live-Dirigent, den ich jemals erlebt habe"

    Abgesehen davon finde ich diese Aussage so derartig subjektiv, dass sie mir hinfällig erscheint.

    Ich habe unter Abbado am ROH auch mal Pelleas und Melisande gespielt. War gut, sicher eines der eindrucksvolleren Erlebnisse meiner 8-jährigen professionellen Orchestertätigkeit, wobei ich nicht (mehr?) weiss, ob das an der Musik oder an ihm oder den Sängern oder einem glücklichen Zusammentreffen vorteilhafter Umstände lag. Genügend Vergleich mti anderen Dirigenten hatte man ja schon und da war Abbado einer von mehreren sehr guten live Dirigenten - aus meiner Erinnerung heraus zumindest. Solti war ein anderer. Ich persönlich fand Solti noch um einiges eindrucksvoller. Aber wer weiss, woran das nun wieder lag, und die Empfindung eines Orchestermusikers, aus der eigenen Perspektive, muss sich nicht unbedingt mit dem künstlerischen Gesamtergebnis decken.

  • Abgesehen davon finde ich diese Aussage so derartig subjektiv, dass sie mir hinfällig erscheint.

    Hallo Rosamunde. Die Frage war ja von Dir. Also muss ich mich bei Dir entschuldigen für die Nicht-Antwort. Ich habe nur (wenn auch mit falscher Zuschreibung) zitiert, natürlich ist die Aussage subjektiv - das Porträt indes war sehr aussagekräftig, oder nicht?

    da war Abbado einer von mehreren sehr guten live Dirigenten - aus meiner Erinnerung heraus zumindest

    Sicher eine kompetente Aussage, da Du "unter" ihm gespielt hast.

    "Von Herzen möge es wieder zu Herzen gehen"

    Ludwig van Beethovens Inschrift auf dem Manuskript zur "Missa Solemnis"

  • "unter" ....sagt man so und in meinem Fall war das ja auch richtig, also solange man sass. Im Graben stand der Dirigent ja auf seiner Kiste um einiges erhöht. Nur war dann nach der Probe bei so manchem Pultstar von "unter" nichts mehr zu bemerken, wenn er sich an den stehenden Bratschisten vorbeidrängeln musste. Da gab es einige Hochgewachsene, mich eingeschlossen. Dazu gibt es eine sehr feine Anekdote....aber die kann ich hier nicht zum Besten geben. Mal beim Stammtisch, wenn ich es mal wieder hinschaffe.

  • schade, hätte gerne diese Anekdote gehört.

    "Von Herzen möge es wieder zu Herzen gehen"

    Ludwig van Beethovens Inschrift auf dem Manuskript zur "Missa Solemnis"

  • ach man erlebt viele witzige Momente da unten im Graben, viel mehr davon als man je auf einer Konzertbühne haben könnte. Einen Einblick in das Theaterleben gewinnt man ja in dem beliebten Zitateraten Thread hier im Forum.

  • sicher habe ich es überlesen, welches Instrument hast Du gespielt und "unter" wem außer Abbado noch?

    "Von Herzen möge es wieder zu Herzen gehen"

    Ludwig van Beethovens Inschrift auf dem Manuskript zur "Missa Solemnis"

  • Der Bezug aufs „Live-Dirigat“ rührt sicher daher, dass Abbado bekanntermaßen nicht der große Probenliebhaber war und dabei auch sehr wortkarg. Er vertraute immer darauf, dass dann im Konzert der Funke richtig überspringt.
    Wobei die Hardcore-Fans immer von der GP in Luzern zur Mahler 2 von 2003 schwärmen, deren Intensität danach nicht mehr erreicht worden sei, was ich aber nicht beurteilen kann, da ich nicht dabei war.

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    Was ist heute Kunst ? Eine Wallfahrt auf Erbsen. (Thomas Mann, Doktor Faustus, Kap. XXV)

  • dass dann im Konzert der Funke richtig überspringt.

    Ernsthafte Frage: Was/wie passiert (es), wenn der "Funke überspringt"?

    "Von Herzen möge es wieder zu Herzen gehen"

    Ludwig van Beethovens Inschrift auf dem Manuskript zur "Missa Solemnis"

  • Abbado und Sibelius? Da habe ich ehrlich gesagt keine Aufnahme auf dem Schirm.

    Sibelius hat Abbado offenbar tatsächlich nicht dirigiert, aber von ein paar solcher merkwürdiger Lücken (Schumann zum Beispiel) abgesehen, doch eigentlich fast alles. Man muss einfach sehen, dass in der Hochphase seiner Karriere der Mann in Europa und Nordamerika fast allen großen und wichtigen Institutionen und Orchestern vorgestanden hat, teilweise parrallel - und das genau in der Zeit, in der die Schallplattenindustrie auf Hochtouren lief. Die 1970er/1980er Jahre waren ja gerade die Zeit, in der die großen Schallplattenkonzerne wirklich am Fließband produziert haben. Dadurch dürfte Abbados Diskographie eine der umfassendsten von allen Dirigenten sein.

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

  • Der Bezug aufs „Live-Dirigat“ rührt sicher daher, dass Abbado bekanntermaßen nicht der große Probenliebhaber war und dabei auch sehr wortkarg. Er vertraute immer darauf, dass dann im Konzert der Funke richtig überspringt.

    ak ok...ich kann mich nicht mehr an die Proben erinnern, allerdings hat Abbado sicher ungefähr so viele Proben gehalten, wie alle anderen auch, das ist bei Oper immer etwas anders als bei Konzerten. Der einzige, der da rausfiel aus dem Muster war Rozhdestvensky, der auch bei uns kaum geprobt hat. Die Proben waren angesetzt, aebr er schickte uns jedesmal sehr bald nach Hause. Hatte ich ja mal erzählt. Allerdings kam es dann auch zu keiner Aufführung.

    Aber wenn ich nachdenke, kann ich mch tatsächlich nicht an Abbados Stimme erinnern, was aber nicht unbedingt heissen muss, dass er wenig gesagt hat. Ich meine allerdings, dass das tatsächlich so gewesen ist. Aber so richtig viel schwatzen tat ja keiner. von den Dirigenten.

  • Sibelius hat Abbado offenbar tatsächlich nicht dirigiert

    Doch, bei seinem Antrittskonzert in Luzern:

    Claudio Abbado | Lucerne Festival

    Debut bei LUCERNE FESTIVAL (IMF) am 20. August 1966 mit dem Schweizerischen Festspielorchester und Werken von Hindemith, Sibelius und Mendelssohn.

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

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