BADARZEWSKA-BARANOWSKA: Gebet einer Jungfrau - ein Gipfelwerk?

  • Das Lied ohne Worte op. 30/3 in E-Dur von Mendelssohn fängt mit einer ähnlichen Skala an.

    Das ist falsch. Es beginnt mit einem arpeggierten Akkord.

    "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
    "Mir nicht."
    (Theodor W. Adorno)

  • Gut, das Gebet beginnt mit einer fallenden Tonleiter, op. 30/3 mit einer Kadenz in E-Dur. Beides extrem simple Eröffnungen, die signalisieren sollen: aufpassen, jetzt geht es los.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Merke: Eine Skala ist ein gebrochener Akkord ist eine Kadenz. Und eine Einleitung zu einem Stück ist immer irgendwie dasselbe, weil sie das Stück einleitet.

    Das wäre ja schon mehr als Du hier an Wahrheitsgehalt gebracht hast.

    Nun ja. Dass diese Einleitungstakte bei Mendelssohn eine Skala sind, ist jedenfalls gänzlich falsch. Und ich habe immerhin für dieses Stück die Bezeichnung »Schund« verwendet, was unbestreitbar eine passende Qualifikation ist. Ich glaube, vorläufig geht die Partie an mich.

  • Und jetzt analysieren wir bitte noch die Schlagzeugintro von "Live is Life".

    :jaja1: :jaja1: :jaja1:

    This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
    playing in good Taste doth not confit of frequent Passages, but in expressing with Strength and Delicacy the Intention of the Composer (F. Geminiani)

  • Offenbar war 1985 das Gehaue auf das Schlagzeug noch unmittelbar geil in die Magengrube gehend und das absteigend Hämmernde von unbezwingbarer Wirkung. Die Einfachheit und Isoliertheit wurde nicht als Mangel empfunden, vielmehr wurde durch nichts davon abgelenkt.

    Nun, etwas mehr als hundert Jahre vorher verhielt es sich im Musiksalon mit elementaren Elementen pianistischer Praxis ähnlich (Tonleiter, Arpeggio, Kadenz, wurscht). Ein unmittelbarer Wirkungsträger. Das Emotionale der Hausmusikjungfrau.

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    playing in good Taste doth not confit of frequent Passages, but in expressing with Strength and Delicacy the Intention of the Composer (F. Geminiani)

  • Es lohnt sich auch da, genau hinzuschauen: Dann stellt man als erstes fest, dass der arpeggierte Akkord mit der folgenden 5-1-Kadenz keine bloße Einleitung ist sondern das Stück einrahmt. Das Arpeggio steht in bewusstem Kontrast zum Lied, dessen akkordische Struktur dadurch betont wird. Der melodische Höhepunkt das Arpeggios fällt nicht mit dem metrischen Schwerpunkt zusammen sondern in die Taktmitte, wodurch das 4/4-Metrum erst allmählich Kontur gewinnt (zunächst klingt es wie 3x2 Viertel, dann wie ein 4/4-Volltakt). Sowohl klanglich als auch metrisch setzt sich diese Passage also von dem stabilen Lied ab. Sie wirkt einerseits wie ein improvisiertes Hereinfinden in den tonalen Raum, hat aber andererseits formbildende Funktion. Das ist jedenfalls alles andere als simpel.

    "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
    "Mir nicht."
    (Theodor W. Adorno)

  • Sowohl klanglich als auch metrisch setzt sich diese Passage also von dem stabilen Lied ab. Sie wirkt einerseits wie ein improvisiertes Hereinfinden in den tonalen Raum, hat aber andererseits formbildende Funktion. Das ist jedenfalls alles andere als simpel.

    Dass das 1000x besser gemacht ist als das Gebet steht für mich außer Frage, aber es soll eben simpel wirken. Jedenfalls ist es ein ähnlich abgesetztes kurzes Statement vor Beginn des "eigentlichen" Stückes. Ähnliches gibt es auch in op. 53/5 - natürlich auch nicht qualitativ mit dem Gebet vergleichbar.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Gemeinsamkeit mit der Jungfrau: Einrahmung, Kontrast, Improvisationscharakter, also formbildende Funktion.

    Unterschied: mehr Komplexität (durch Schwerpunktverschiebung)

    This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
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  • Dass das 1000x besser gemacht ist als das Gebet steht für mich außer Frage, aber es soll eben simpel wirken. Jedenfalls ist es ein ähnlich abgesetztes kurzes Statement vor Beginn des "eigentlichen" Stückes.

    Es ist aber keine Skala. Und außerdem ein zartes Harfen-Arpeggio und nicht ein aufgeplusterter punktierter Rhythmus, der irgendeine Bedeutung ankündigt, die das folgende banale Geklingel beim besten Willen nicht haben kann. Ich finde, wenn Du schon ein Arpeggio nicht von einer Tonleiter unterscheiden kannst, sollte Dir wenigstens der Unterschied von absichtsvoller Einfachheit und töricht aufgeblasenem Nichts aufgehen.

  • Gemeinsamkeit mit der Jungfrau: Einrahmung

    Nein, da wird nichts eingerahmt.

    Nicht? Ich hab jetzt nicht in die Noten geschaut, aber hier im Thread stand irgendwo, dass am Schluss die Tonleiter wiederkommt.

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