Sollten Laien schwerer, als sie können?

  • Du hast sicher Verständnis dafür, dass mich dein erneuter Versuch, MICH hier zum Gesprächsthema zu machen, herzlich wenig tangiert.

    Wenn Du versuchst, mit DEINEN Urteilen etwas zu begründen, was aus einem ganz anderen Kontext stammt, werden DEINE Urteile Thema sein. Daß Du andere Erwartungen hast und schlampig oder laienhaft gespielten Rock akzeptierst, weil

    da zählt das Auftreten mehr

    , ist das Deine Sache. Die Frage ist, ob das tatsächlich funktioniert. Das Schaffen eines K.Richards mag technisch nicht die Höhe des Möglichen darstellen - eine Coverband, die einen Stones-Titel nicht drauf hat und trotzdem spielt, wird nicht lange im Geschäft bleiben.
    Sondern, und da sehe ich keinen soo großen Unterschied zur Klassik, nur für nähere Freunde interessant bleiben. Vielleicht liegt die Latte nicht ganz so hoch, aber den deutlichen Unterschied zwischen Laien und Profis - oder zumindest leidenschaftlich übenden Amateuren - gibt es überall, und auch die Grenze, unter der das Ergebnis für Menschen, die in keinem persönlichen Verhältnis zu den Ausführenden stehen, einfach mal keinen Hörgenuss mehr bietet.
    Insofern sind wir uns da einiger, als Du denkst.

    Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
    daß Alles für Freuden erwacht

  • Wenn es nach den Begeisterungsausbrüchen des Publikums geht würde ich mal die These aufstellen, dass der mangelnde Enthusiasmus an der Art der aufgeführten Musik liegt .

    Oder daran, wo man auftritt (das schöne Rheinland ist hier durchaus dankbar, wie kürzlich erst wieder erlebt ;+) )und wie viel Wein/Champagner o. ä. das Publikum schon intus hat. :stumm:

    "Die Verpflegungslage ist für den Kulturmenschen eigentlich das Wichtigste" (T. Fontane)


    But that's the beauty of grand opera. You can do anything as long as you sing it (Anna Russell)

  • Wenn Du versuchst, mit DEINEN Urteilen etwas zu begründen

    Ich denke nicht, dass das nur mein Urteil ist. Ich wette mit dir, wenn ich nach einem AC/DC Konzert 50 Leute frage, ob sie die zwei verpfuschten Töne in einem Solo, die deutlich zu hören waren, gestört hat, wird mir jeder einzelne eine Antwort geben wie "Das ist doch egal, da gehts um die Stimmung, sowas hört ja keiner, die machen geile Musik, Fehler gehören dazu, das ist ja kein Klassikkonzert" etc.

    eine Coverband, die einen Stones-Titel nicht drauf hat und trotzdem spielt, wird nicht lange im Geschäft bleiben.

    Die Frage ist, wie man das draufhaben definiert.

    Ich kenne eine österreichische Coverband von AC/DC die seit ca. 2004 existiert. Die spielen ganz passabel, aber lange nicht so wie das Original, besonders die Soli vom Cover-Angus sind ziemlich steif und alles andere als spritzig. Man merkt, dass der Gitarrist sehr am Original hängt, beim Improvisieren tut er sich schon schwerer und klingt langweilig.
    Trotzdem hat die Band ihre eigene Homepage und wird überall in Österreich bei verschiedenen Festivials etc. engagiert.

    Bekommen Fans bei einem Livekonzert, wo es eh nur noch laut ist, überhaupt mit, ob die Rhythmusgitarre fetzt oder nicht?

  • Im Prinzip wollte ich nur den Link nachreichen, nachdem die erste Version damals gelöscht wurde. Ein paar Mitglieder meinten nämlich, dass sie das Video nicht mehr sehen können, deswegen der Hinweis auf den neuen Link.

  • leider wurde das Video wieder gelöscht


    nix wurde gelöscht. Sucht doch einfach in youtube nach "Clacton Concert Orchestra". Das liefert noch viele andere Treffer, die, so wie es aussieht, mehrheitlich erst seit sehr kurzer Zeit im Netz stehen.

    wobei ich gerne zugebe, dass umgekehrt seitens der musizierenden Laien als Pendant eine gewisse Profilierungssucht hinzukommt


    Das ist, glaube ich hier wohl der eigentliche Kritikpunkt - daß dem Ensemble eine gewisse Hybris unterstellt wird im Sinne von "Wir sind so toll, daß wir das allen zur Kenntnis bringen müssen".

    Nur: kennen wir die Motive, warum das veröffentlicht wurde? Doch eher nicht, oder? Und da sind außer "wir sind so toll" durchaus auch noch eine ganze Latte andere Beweggründe denkbar, bis hin zum Versuch, dem Ensemble seine wahre Leistungsfähigkeit eindrücklich vor Augen zu führen...

    Und nicht zu vergessen: Das ganze ist eine Charity - Veranstaltung. Im angelsächsischen Raum hat das, verglichen mit hierzulande, einen ganz anderen Stellenwert, da gelten ohnehin völlig andere Kriterien. Ich habe jedenfalls auch bei uns noch nie erlebt, daß bei einschlägigen Aktivititäten irgend jemand ausgeschlossen worden wäre, nur weil er einem (ansonsten ja durchaus gerechtfertigtem) Qualitätsdenken nicht entsprochen hat. Da finden sich auch beim Frauenbund Hintergraswachshöring auf dem Weihnachtsmarkt handgesägte Plätzchen mit Trockenfuttergeschmack, ohne daß sich daran jemand stören würde, daß die ja nun kaum so schmecken, wie die von Aldi, geschweige denn wie die von Leuten, die das wirklich können. Da zählt eindeutig das Engagement und nicht das Ergebnis, das honoriert wird (in GB, USA etc. noch deutlich ausgeprägter als bei uns!). Spenden sammeln an sich könnte man ja nämlich auch durchaus ohne jegliche "Gegenleistung".

    Wer wird denn gezwungen, für ein Laienkonzert Geld auszugeben


    Eben. Oder eine Charity-Organisation nur gegen Gegenleistung zu unterstützen. Wenn überhaupt.

    Und diese Szene ist fundamental wichtig für unsere Kultur, wahrscheinlich sogar wichtiger als Opernhäuser oder Profiorchester


    Genau! Wieviele spätere Stars am Profihimmel haben als Jugendliche genau in solchen Ensembles ihre ersten Gehversuche jenseits der Musikschule gemacht?

    Kennt Ihr „Kinshasa Symphony“? Wie klingt wohl Cello mit Fahradbremszug als Saite? Es gibt auch Ausschnitte daraus und verschiedene Trailer im Netz. Vermutlich aus Profilierungssucht. Leider wird da nur das als Encore gegebene "Oh Fortuna" gezeigt. Da kommt das Orchester nicht so zur Wirkung.
    Für mich ist das der bewegendste Musikfilm überhaupt.

    viele Grüße

    Bustopher


    Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buche?
    Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher, Heft D (399)

  • nix wurde gelöscht

    Im ersten Beitrag habe ich auf diesen Link verwiesen: "

    Externer Inhalt www.youtube.com
    Inhalte von externen Seiten werden ohne deine Zustimmung nicht automatisch geladen und angezeigt.
    Durch die Aktivierung der externen Inhalte erklärst du dich damit einverstanden, dass personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu haben wir in unserer Datenschutzerklärung zur Verfügung gestellt.
    "

    Wenn du darauf klickst wirst du feststellen, dass er nicht mehr funktioniert, weil das Video entfernt wurde, bzw. nicht mehr verfügbar ist.

  • Bekommen Fans bei einem Livekonzert, wo es eh nur noch laut ist, überhaupt mit, ob die Rhythmusgitarre fetzt oder nicht?

    Eine nicht "fetzende" Rhythmusgitarre kann schon auf die Dauer ein echter Minuspunkt sein. Ob da nu jeder hört, worans liegt? Jeder merkt, daß was fehlt...

    Ich wette mit dir, wenn ich nach einem AC/DC Konzert 50 Leute frage, ob sie die zwei verpfuschten Töne in einem Solo, die deutlich zu hören waren, gestört hat, wird mir jeder einzelne eine Antwort geben wie "Das ist doch egal, da gehts um die Stimmung, sowas hört ja keiner, die machen geile Musik, Fehler gehören dazu, das ist ja kein Klassikkonzert" etc

    ob die "2 verpfuschten Töne" wirklich vergleichbar sind mit dem Orchesterfiasko? Immerhin müssen dann ja ziemlich viele Töne gestimmt haben. In einem Solo kann schon mal das eine oder andere als künstlerische Freiheit durchgehen. Eine hakende Rhythmusgitsarre dagegen kann dem Erfolg einer Band schon ernsthaft im Wege stehen.
    Daran erkennt man die Profis, daß sie wissen, woraufs ankommt, und das auch draufhaben. ohne Üben eher nicht so leicht zu erreichen.

    Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
    daß Alles für Freuden erwacht

  • Natürlich ist es nicht vergleichbar, aber das war auch nicht meine Absicht. Mir ging es darum, dass "man" nicht nur "merkatz" ist, weil das Rockmusik-Publikum keine Höchstleistungen erwartet. Natürlich erwartet es auch nicht dass keiner sein Instrument beherrscht, aber verpfuschte Töne etc. werden da eher hingenommen als in einer Oper oder im Konzert.

  • Mir ging es darum, dass "man" nicht nur "merkatz" ist, weil das Rockmusik-Publikum keine Höchstleistungen erwartet.


    Das kommt wohl auf Musiker und Publikum an. Bei den Toten Hosen wären meine Ansprüche eher geringer, bei Prince oder David Gilmour deutlich höher.

    LG :wink:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

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