Eben gewälzt

  • zum Beispiel vor einem halben Jahr den „Process“ des allgemein überschätzten Franz Kafka.

    Hier scheint ein geschichtlicher Prozess wirksam zu werden (behaupte ich in unzulässiger Verallgemeinerung).

    Beide Söhne von mir können mit Kafka rein gar nichts anfangen. MIT KAFKA!!! Ich kann das nicht verstehen. Für mich schon immer (ich war jünger als meine Söhne) eines der ganz großen literarischen Genies.

    Aber schwupps: Die jetzige jung-erwachsene Generation (keine Ahnung: twentyagers) sieht es offenbar anders.

  • Hallo Rosamunde!
    Nein, "Das Chasarische Wörterbuch" von Milorad Pavić kenne ich nicht. Bzw. ist mir Pavić völlig unbekannt.

    Hallo Knulp!
    Ich kann mit Kafka fast nichts anfangen (ich finde ihn mühsam und belanglos – Werke anderer, durchaus bekannter, "großer" Autoren sprechen mich viel mehr an) und habe einige Freunde/Bekannte (Alter zwischen 22 und 40) gefragt, sie alle fangen mit ihm nichts an.
    Natürlich war "des allgemein überschätzten Franz Kafka" subjektiv gemeint und gegen seine aus meiner Sicht ungerechtfertigte Sonderstellung in der Literatur gerichtet, aber das ist ja bei einer Buchbesprechung selbstverständlich.

    Wegen der im Mai 2023 in Kraft getretenen Forenregeln beteilige ich mich in diesem Forum nicht mehr (sondern schreibe unter demselben Pseudonym in einem anderen Forum), bin aber hier per PN weiterhin erreichbar.

  • Es ist ja alles so gre/äulich , da muß ein Gegengewicht am Bett liegen . Durch das Erscheinen der Corfu Triology konnten die Einzelbände verschenkt und wichtiger Raum für was-auch-immer geschaffen werden . Auf - und manchmal auch erhellend .

    Good taste is timeless "Ach, ewig währt so lang " "But I am good. What the hell has gone wrong?" A thing of beauty is a joy forever.

  • King Richard von Shakespeare.
    Erst vor ein paar Jahren zu Grabe getragen war er einer der wenigen, die an der Front gekämpft haben. Unter modernen Feldherren eher eine Rarität.

    Gib dich nicht der Traurigkeit hin, und plage dich nicht selbst mit deinen eignen Gedanken. Denn ein fröhliches Herz ist des Menschen Leben, und seine Freude verlängert sein Leben.

    Parsifal ohne Knappertsbusch ist möglich, aber sinnlos!

  • King Richard von Shakespeare.
    Erst vor ein paar Jahren zu Grabe getragen war er einer der wenigen, die an der Front gekämpft haben. Unter modernen Feldherren eher eine Rarität.

    Shakespeare ist natürlich interessant, deshalb würde mich interessieren welchen Richard Du meinst ? Und welchen Feldherrn? Und was ist der Zusammenhang?

    Ich habe vor ein paar Jahren den hier gesehen - Richard 3rd - war beeindruckend.
    https://www.youtube.com/watch?v=HOWfQkFphI8

  • Aber nicht im 15. Jhd., oder? Ich bin nun kein Militärhistoriker, aber wenig vorher, im hundertjährigen Krieg, haben praktisch alle Fürsten an der Front mitgekämpft und noch 200 oder fast 300 Jahre nach Richard III. haben Gustav Adolf und Prinz Eugen an der Front gekämpft (als es aufgrund Artilleriebeschuß sicher weit gefährlicher war als im Mittelalter, als man sich noch mit einer Leibwache recht gut absichern konnte) und ich vermute, dass es das auch im frühen 19. Jhd. noch vereinzelt gegeben hat.

    Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
    (B. Pascal)

  • Ach - jetzt sehe ich, dass ich das missverstanden habe. Richard ist der Feldherr, den VonHumboldt meint. Sorry !
    Ist dann wohl Richard III gemeint ?

    Dennoch verstehe ich es nicht ganz......Wurde der denn erst vor ein paar Jahren "zu Grabe getragen"?

  • Ich bin wieder im Wallace:

    Es ist bereits die dritte Lektüre dieses überbordenden (und gelegentlich auch überfordernden) Werkes innerhalb weniger Jahre. Das erste Mal war faszinierend, aber oberflächlich - es ging nur darum, irgendwie durchzukommen und nicht in dieser Flut unterzugehen. Interpretationen, Zusammenfassungen, Fanseiten aus dem Internet haben sehr geholfen. Die Zweitlektüre war unvollständig, so 1000 von den 1500 Seiten mit gelegentlichen Überblätterungen und ohne die Fußnoten.

    Diesmal ist es das schiere Vergnügen, ich muß sagen, ich bin diesem Roman (wenn es denn einer ist) nun völlig verfallen. Das kann auch erst nach mehreren Durchläufen so sein. Erst jetzt weiß ich jederzeit wie die Dinge miteinander verknüpft sind und wo ich stehe im Lesen. Ein Wunderwerk!

    Dies Buch ist unter meinen 5 absoluten All-Time-Favourites in der Literatur (und unter denen das einzige welches nach 1925 rausgekommen ist).

    Ein Drittel hab ich schon wieder rum, eine Gesamtlektüre dauert bei mir so 6-8 Wochen (je nach Jobbelastung), es sollte also meine Leseerlebnisse 2020 beschließen.


    :)

    "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
    (Shunryu Suzuki)

  • Gerade beendet:

    Klaus Schmidt
    Sie bauten die ersten Tempel
    Das rätselhafte Heiligtum am Göbekli Tepe

    Ein toller Einblick in ein beeindruckendes Monument in der Türkei - ein Ort, der mich sehr fasziniert allein aufgrund seiner Bedeutung in Bezug der Neolithischen Revolution.

    Sehr traurig, daß der Autor und Ausgräber des Tepe leider nicht mehr lebt. Er starb bereits vor sechs Jahren.

    "Interpretation ist mein Gemüse." Hudebux

    "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation." Jean Paul

    "Manchmal sind drei Punkte auch nur einfach drei Punkte..." jd

  • Anregende Lektüre, zuletzt gelesen:

    Thomas Fuchs: Verteidigung des Menschen. Grundfragen einer verkörperten Anthropologie. Berlin, Suhrkamp 2020

    Unserem Werbepartner ist da ein Fehler bei den biographischen Angaben unterlaufen: Es handelt sich hier nicht um den Hörspielautor und Moderator von Kindersendungen, sondern um diesen Herrn: https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/personen/prof-…omas-fuchs-1884

    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz

    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Was hälst Du nun vom Menschen?

    Soweit ich es verstehe, finde ich Fuchs' Argumente recht überzeugend, auch weil er in der alten Körper-Geist-Diskussion eine holistische Position bezieht.

    :wink:

    PS: Noch zwei Links. Eine Besprechung des Buchs: https://www.swr.de/swr2/literatur…ologie-100.html. Und ein Interview mit dem Autor: https://www.brandeins.de/magazine/brand…irn-denkt-nicht

    Es grüßt Gurnemanz

    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Miljenko Jergović: Vater


    Heute habe ich einen ungewöhnlichen Text gelesen, nämlich „Vater“ von Miljenko Jergović (original „Otac“; übersetzt von Brigitte Döbert). Ungewöhnlich unter anderem deshalb, weil sich der 200 Seiten umfassende Prosatext keinem literarischen Genre eindeutig zuordnen lässt: Roman ist er keiner, für einen Essay ist er zu lang, für einen Bericht zu „literarisch“. Es handelt sich um die Familiengeschichte des (in Ich-Form erzählenden) Autors Miljenko Jergović (geboren 1966), die ausgehend vom Tod seines Vaters (mit „Mein Vater ist gestorben“ beginnt der Text) mit besonderer Berücksichtigung des Charakters seines Vaters ein Stück südosteuropäische Geschichte erzählt: die Verstrickungen seiner Familienmitglieder und vieler anderer Leute in verbrecherische Organisationen (Ustaša etc.), der (gesellschaftliche und persönliche) Umgang mit der Vergangenheit, das Leben im kommunistischen Jugoslavien, der Einfluss der Religion, die Schwierigkeiten der Definitionen von Identität etc. Zeitweise generalisiert Jergović etwas zu stark, was er aber so rechtfertigt: „trotzdem steckt darin bei aller Nähe zu Vorurteilen und Stereotypen ein Körnchen Wahrheit. Und selbst wenn nicht, enthielte es etwas nicht minder Wichtiges: allgemein verbreitete Ansichten.“ (p. 101). Hin und wieder zitiert er andere Bücher (u.a. „Der Derwisch und der Tod“ von Meša Selimović, „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ von Milan Kundera und „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams), wobei das durchaus passend erscheint und nicht aufgesetzt.

    Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, wenngleich ich heuer schon Besseres gelesen habe (käme man auf die absurde Idee, Schulnoten für Literatur zu vergeben, bekäme Jergovićs „Vater“ einen Zweier, also ein „Gut“). Zeitweise ziehen sich die 200 Seiten, vielleicht weil es keinen durchgehenden Bogen gibt, sondern verschiedene Episoden teils kurz angerissen, teils ausführlicher erzählt werden und durch ausführliche Reflexionen über die Balkan-(Kultur)geschichte ergänzt werden. Gleichwohl wirkt das Buch keinesfalls potschat zusammengestückelt, sondern man merkt, dass der Autor sein Handwerk sehr gut versteht und sich was dabei gedacht hat, auch wenn ich mich des Eindrucks nicht erwehren konnte, es handle sich um einen eher recht flott geschriebenen Text. Vielleicht müsste ich ihn nochmals lesen, um mich besser zurechtzufinden.

    Beim Lesen ist wohl zumindest grundlegendes Hintergrundwissen über die Geschichte des ehemaligen Jugoslaviens notwendig, weil die Übersetzerin bedauerlicherweise darauf verzichtet hat, in Fußnoten die Informationen hinzuzufügen, die Jergović bei seinem Zielpublikum voraussetzen durfte, über die aber ein durchschnittlicher deutschsprachiger Leser nicht verfügt. Das soll aber nicht abschreckend klingen; es handelt sich zweifellos um ein gutes und interessantes Buch, das dem Leser (freilich subjektive) Einblicke in Ereignisse und Kulturen vermittelt, die üblicherweise hierzulande nicht in dieser tiefgehenden Form thematisiert werden.

    Wegen der im Mai 2023 in Kraft getretenen Forenregeln beteilige ich mich in diesem Forum nicht mehr (sondern schreibe unter demselben Pseudonym in einem anderen Forum), bin aber hier per PN weiterhin erreichbar.

  • Shakespeare ist natürlich interessant, deshalb würde mich interessieren welchen Richard Du meinst ? Und welchen Feldherrn? Und was ist der Zusammenhang?
    Ich habe vor ein paar Jahren den hier gesehen - Richard 3rd - war beeindruckend.
    https://www.youtube.com/watch?v=HOWfQkFphI8

    Ach - jetzt sehe ich, dass ich das missverstanden habe. Richard ist der Feldherr, den VonHumboldt meint. Sorry !
    Ist dann wohl Richard III gemeint ?

    Dennoch verstehe ich es nicht ganz......Wurde der denn erst vor ein paar Jahren "zu Grabe getragen"?

    Richard III in der Tat, zu empfehlen ist der Film mit Ian Mckellen.

    Zu deiner Frage zu Grabe getragen:

    https://www.youtube.com/watch?v=38nodTfpro4

    Das Altenglische ist nicht ganz einfach, hat aber einen umheimlichen Drall im Klang und in der Wucht.

    Gib dich nicht der Traurigkeit hin, und plage dich nicht selbst mit deinen eignen Gedanken. Denn ein fröhliches Herz ist des Menschen Leben, und seine Freude verlängert sein Leben.

    Parsifal ohne Knappertsbusch ist möglich, aber sinnlos!

  • Vielen Dank auch an Dich, @garcia , denn ich habe mich - von Dir inspiriert - endlich wieder mal an Dickens herangewagt. Und wie es sich lohnt !

    Schon nach vier Kapiteln bin ich entzückt und verstehe nicht, wieso ich früher nie über das erste hinausgekommen bin.

    Hier also nun 900 + Seiten Bleak House, welches ich sogar in unserem winzigen Buchladen im Dorf erstanden habe...... und ich müsste eigentlich ständig Vokabeln nachschlagen, bin aber die Hälfte der Zeit zu faul. Die andere Hälfte reicht gerade noch, um dennoch den ausserordentlichen Witz und die irren sprachlichen Wendungen geniessen zu können.

    Vorher habe ich mich etwas schlau gemacht:

    Auch sehr zu empfehlen.

  • Erik Schilling: Authentizität. Karriere einer Sehnsucht

    Es sind ja immer wieder Modewörter im Umlauf, die unterschiedlich genutzt werden. "Narrativ" fällt mir spontan ein. Oder "authentisch". Alles oder jeder ist plötzlich i-wie authentisch. Bis ein neugieriger Zeitgenosse die Frage
    stellt, was denn eigentlich "authentisch" bedeutet:



    Erik Schilling ist Literaturwissenschaftler und hat hier eine sehr lesenswerte Abhandlung über "Authentizität" geschrieben. Zunächst wird der Begriff definiert: Eine Person oder Sache ist dann authentisch, wenn die Erwartung eines Beobachters mit dem übereinstimmt, was er beobachtet. Wenn man also sagt, etwas oder jemand sei authentisch, dann sagt das nix über die Sache oder Person aus - und alles über die beobachtende Person.

    Von dieser Definition ausgehend wird das Thema sehr kritisch diskutiert, auch alternative Ideen werden entwickelt. Ein sehr gut lesbares und gehaltvolles Buch. Starke Leseempfehlung.


    :wink:

    Jean

    "You speak treason" - "Fluently"
    "You've come to Nottingham once too often!" - "When this is over my friend, there'll be no need for me to come again!"

  • Romeo and Juliet
    Shakespeare

    http://www.hundsness.com/plays/index.php

    Original Text
    "Shakespeare's complete original script based on the Second Quarto of 1599, with corrections and alternate text shown from the First Quarto of 1597, Third Quarto of 1609, Fourth Quarto of 1622, First Folio of 1623, and later editions. This script be downloaded from http://www.hundsness.com and used freely for education and performance. David Hundsness, editor, 2004. "

    Das Amazon Bild nur als Alternative:

    Interessant, das erneut zu lesen. Mir erschien Romeo wieder als ein impulsiver Jugendicher, unausgereift und kurzsichtig. Er tötet zweimal im Affekt, und seine Liebe zu Julia ist ebenso hitzig, verblendet und pubertär. Er ist unfähig seine Situation in der Gesamtheit zu erfassen und seine Handlungen anzupassen, um auf ein wohlbedachtes Ziel im Rahmen der Gegebenheiten hinzuwirken. Dies, obwohl er sehr gut vom Friar und von Benvolio beraten und begleitet wird.

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