Eben gewälzt

  • Liebe Rosamunde, ich muss gestehen, ich habe 'Anthony and Cleopatra' noch nie vollständig gelesen, kenne das Stück eigentlich auch nur aus einer sehr gekürzten Hörspielfassung mit Vivien Leigh und Peter O'Toole. Die hat mich allerdings immer sehr fasziniert, aber damit kann ich natürlich gar nichts über das Stück sagen, weil 'abridged' eben sehr relativ ist.


    Eine interessante Verfilmung ist mir bislang auch noch nicht untergekommen, vielleicht greife ich irgendwann mal zur BBC-Verfilmung oder der von Trevor Nunn.


    Trotzdem Dank für deine Vorstellung und deine Eindrücke hier. Sie haben mir mal wieder Lust auf Shakespeare gemacht. ^^


    :wink: Wolfram

  • BBC-Verfilmung oder der von Trevor Nunn.

    Ah danke - das ist ja schonmal was !
    kannst Du mir nochmal aushelfen....ich suche schon seit Tagen nach dem Wort für so Filme wie Ben Hur, Moses usw.....Liz Taylors Cleopatra würde doch auch dazu gehören. Ihr hattet hier so einen witzigen Begriff dafür...sword-and-sandal epic auf Englisch.

  • Sandalenfilme, wobei man dabei eher die italienischen Massenproduktionen der 50iger und 60iger Jahre meint. Eigentlich sagt man immer eher Monumentalfilme, wobei das natürlich auch nicht so richtig trifft, weil das v.a. die Machart, weniger den Inhalt beschreibt. Kolossalfilme geht in die selbe Richtung. So einen richtigen Begriff für diese Historienschinken gibt es eigentlich nicht.


    :wink: Wolfram

  • Korrektur, bei der sehr gekürzten Hörfassung ist nicht Peter O'Toole an Bord sondern Peter Finch. Es gibt aber wohl auch vollständige mit Kenneth Branagh und mit Anthony Quayle. Wer die dazugehörenden Damen sind, weiß ich allerdings nicht. Nun ist eine Hörfassung natürlich kein Ersatz für eine Verfilmung, ich liebe sie aber trotzdem sehr, weil große Stimmen große neue Einsichten bedeuten können. :)


    :wink: Wolfram


  • Bei mir Glaesers Erstling, von dem ich mir wahrlich mehr versprochen habe. Ich finde ihn schon recht plakativ, bin auch überhaupt kein Anhänger von Absätzen, die aus einem Satz bestehen und empfinde ihn, Neue Sachlichkeit hin oder her, oftmals doch als zu schlicht. Andererseits Hut ab vor der offenen Darstellung von Sexualität und ihrem unterschwellig Vorhandensein.


    :wink: Wolfram

  • [...] bei JP habe ich die Hoffnung allerdings komplett fahren lassen [...]

    Das ist aber wirklich bedauerlich. Hat Du es mit »Siebenkäs« probiert? Das Buch ist zwar auch nicht leicht zu lesen, aber wenn man erst mal drin ist, kann es gewaltigen Spaß machen. Man muss beim ersten Mal ja nicht alle Zusatztexte lesen. Die Geschichte ist jedenfalls wunderbar komisch und traurig und glänzend erzählt. Vor allem die Darstellung des schleichenden Niedergangs der Ehe, der unaufhaltsam ist, obwohl beide sich größte Mühe geben, ihn zu verhindern (und darin die sensationell komische Episode mit dem von den Hausarbeiten der Gattin gestörten Titelhelden) gehört bestimmt zum Besten, was die deutsche Literatur zu bieten hat. Das sollte man sich nicht entgehen lassen.

  • Hat Du es mit »Siebenkäs« probiert? Das Buch ist zwar auch nicht leicht zu lesen, aber wenn man erst mal drin ist, kann es gewaltigen Spaß machen.

    in der Tat.

    Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
    daß Alles für Freuden erwacht

  • Ich lese gerade in Plutarchs Lives - The Life of Marc Antony, Shakespeares Vorlage für Antony and Cleopatra. Dieser Text ist für sich selbst schon ein Juwel. Mit seinen Charakterbeschreibungen und ausmalenden Anekdoten wird er für mich zu einer Quelle der Faszination und Inspiration, und mir wird so ermöglicht, die Faszination Shakespeares mit der Person des Marcus Antonius und seiner Lebensgeschichte nachzuvollziehen. Besonders interessant ist aber auch mitzuverfolgen, welche Passagen Shakespeare als wertvoll für sein Vorhaben erachtete und welche Details er wählte, um sein Drama zu konstruieren. (Achtung: dieser Text hier ist nicht genau Shakespeares Vorlage, also nicht Sir Thomas Norths Übersetzung von Plutarch).


  • Christoph Meckel (1935 - 2020)



    Flop:
    Einzelne Gedichte nicht nach Seiten getrennt (nämlicher Scheiß geht einen auch einen beim Reinziehn in einigen Hölderlin-, Trakl-, Celan -, Heine – George- und Brechtversequälerei-Ausgaben tierisch auf den Sack). Am nervigsten kommt das beim Reinziehn von Meckels 3er-Zyklus < Komödien der Hölle > rüber…


    Bei den Balladen des Thomas Balkan fehlt Meckels Vorwort. Und da wurde bei Versequälerei-Beginn das Motto („ Dem Traum folgen, und abermals dem Traum folgen“) nicht vom Anfang des 1. Gedichtes sauber getrennt, sodass es als dessen integraler Bestandteil rüberkommt, was natürlich Mist ist, weil Motto eben nicht an Meckels Vers-Beginn „Das hör ich oft“... andockt.


    Es fehlt Meckels Zeitgespräch in 10 Sonetten, dass er in Rede/Gegenrede mit Volker von Törne fabrizierte.


    => Zwischen-Bilanz bereits am Weekend:
    Mega-lieblos zusammengefensterte Ausgabe :thumbdown: :thumbdown: gesammelter Versequälereien Christoph Meckels.

    Und diese zusammengehauene Chose scheint nicht mal annähend komplett.. :neenee1: .


    Top:
    Zerstreute Einzelversequälereien endlich mal zugänglich :thumbup: , wie z.B. < Landschaften, die sie durchfahren ..> und das bildet wichtigster Shopping-Grund für diesen Band :jaja1: …. und letztlich ist es doch nicht uncool, wenn einen bei erneuten Reinziehn manche Pathetik seiner Versequälereien inzwischen etwas strange rüberkommt. Trotzdem Fetzigkeits-Level beim Einschmeißen. :top: Denn der geile Meckel-Sound der machts :thumbup: .. und < Komödien der Hölle > (die kommen meinen Brägen bisher am geilsten rüber) vergleichsweise auch viel lakonischer im Tonfall …


    Handliches Format inklusive zerstreuter Versequälereien :top:
    => bequemer, gechillter als mit seinen isolierten, größer-formatigen Einzelbände lassen damit Meckel-Sound-Versequälereien in Straßenbahn, beim Kacken oder in irgendeinen Warte-Saloon sich einschmeißen :jaja1: :thumbup:

    „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann

    4 Mal editiert, zuletzt von Amfortas09 ()

  • :megalol: :megalol: :megalol: :megalol: :megalol: :megalol: :megalol:


    :cincinsekt:


    :)

    "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
    (Shunryu Suzuki)

  • Ich nehme mir gerade mal wieder den Dostojewskij vor. Mein Liebling ist immer noch das für den Autor völlig untypische "Weiße Nächte". Das ist so wundervoll zart und flüchtig.


    Im Moment aber dies hier:



    Keine Ahnung, warum das bei Amazon so teuer bzw. nicht mehr verfügbar ist, ich hatte kürzlich für die Reclam-Geier-Übersetzung die üblichen ca. 5 Euro in der Buchhandlung bezahlt.

  • Oder in der Übersetzung von Swetlana Geier:


    bzw.


    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Oder in der Übersetzung von Swetlana Geier:


    bzw.


    :wink:

    Die Reclam-Ausgabe ist auch die Geier-Übersetzung.

    Da stimmt irgendwas mit den Daten nicht, 1986 kann nicht sein bei Reclam.


    Hier der Link zu Reclam:

    Dostojewskij, Fjodor / Dostoevskij: Aufzeichnungen aus dem Kellerloch
    In den Aufzeichnungen aus dem Kellerloch von Nietzsche als »wahrer Geniestreich der Psychologie« bezeichnet - stellt sich ein kranker, verbitterter…
    www.reclam.de

  • Die Reclam-Ausgabe ist auch die Geier-Übersetzung.

    Oh, das wußte ich nicht. Bei Im Wikipedia-Artikel zur Übersetzerin (https://de.wikipedia.org/wiki/Swetlana_Geier) wird nur die Übersetzung von 1984 genannt, das ist wohl die Reclam-Ausgabe. Gut möglich, daß die von mir angeführten Ausgaben Neuauflagen der älteren Übersetrzung sind; wäre verständlich, da ihre Dostojewskis-Übersetzungen der großen Romane in ihren letzten Lebensjahren (sie starb 2010) viel besprochen und gerühmt wurden.


    Ich habe Swetlana Geier mal an einem Vortragsabend erlebt, so um 2005. Das war eine sehr eindrückliche und berührende Erfahrung.


    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
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    Helmut Lachenmann

  • Habe gerade Bram Stokers "Dracula" beendet. Diesen Klassiker wollte ich doch zumindest einmal gelesen oder zumindest zu lesen begonnen haben. Aber nein, ich habe ihn, entgegen meinen ursprünglichen Erwartungen, vergnügt zu Ende gelesen.


    Das Buch hat mich atmosphärisch nahezu durchgehend gefesselt. Den Anfang, nämlich Harkers Reise zum Schloss Draculas und seine Erlebnisse dort, habe ich sehr intensiv wahrgenommen. Das war schon äußerst kurzweilige und verdichtete Erzählung. Aber auch die weitere Geschichte empfand ich immer als intensiv und keinesfalls abfallend. Lediglich zum Ende des Mittelteils, nämlich als die fünf "Vampirjäger" ihre Überlegungen und Pläne besprochen hatten, empfand ich einige kleine Längen. Dennoch gab es keine atmosphärischen Löcher. Kurzum: Der Roman war eine positive Überraschung für mich. Die Sprache ist fein, weder trivial noch abgehoben.


    Wenngleich die Verfilmungen die Intensität des Romans nicht annähernd treffen, finde ich Coppolas Interpretation, die ich vor mehreren Jahren gesehen habe, dennoch ziemlich gut. Ich glaube, dass der Film, obwohl sehr gerafft, einigermaßen nahe am Buch dran ist.


    Ich habe die Geschichte insbesondere als Ausdruck der Faszination oder gar der Erotik des Anderen bzw. Unbekannten wahrgenommen.



    Uwe

    Wenn alle ein klein wenig verrückter wären, dann wäre die Welt nicht so durchgedreht.

  • Ja, unbedingt. Dracula ist eines meiner Lieblings-Sujets. Sei es als Buch (was natürlich großartig ist!) oder als Film mit Keanu Reeves, Gary Oldman und Winona Ryder. IMO die würdige Umsetzung eines genialen Stoffes.


    Dracula ist der Inbegriff des Vampirs, aber auch des unendlich tief und verzweifelt Liebenden. Das hat auch mit Erotik und Unterwerfung zu tun, mit Seele und Körper.


    Ich liebe das Buch sehr.


  • Ein Beitrag zur Diskussion über die Autorenschaft, geschrieben bereits 1909 und bester Mark Twain. Witzig, polemisch, satirisch, ironisch, intelligent und wunderbar formuliert. Egal wie man zu der ganze Sache steht, das ist einfach auch, nicht nur, aber auch, ein großer Lesespaß.


    :wink:Wolfram

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