WDR3-Moderatorin nach Kritik entlassen

  • WDR3-Moderatorin nach Kritik entlassen

    Die WDR3-Moderatorin Christine Lemke-Matwey hat in einem Artikel in der "Zeit" den Kahlschlag in den öffentlich-rechtlichen Klassik-Programmen kritisiert. Der WDR hat ihr daraufhin wegen "Illoyalität" gekündigt. Den Zeit-Artikel findet man unter http://www.zeit.de/2014/19/kla…lich-rechtlicher-rundfunk, den NMZ-Artikel über die Kündigung unter http://www.nmz.de/online/wdr-3…ey-die-zusammenarbeit-auf


    Christian

  • Langsam glaub ich's nicht mehr. :wut2: :wut2: :wut2:
    Wer, wenn nicht der öffentlich-rechtliche Rundfunk sollte denn solche (Selbst-)kritik aushalten können? Es ist ja nicht so, dass die wirtschaftlich arbeiten müssten und durch solch einen Artikel gefährdet wären.
    Das Problem ist freilich, dass solch ein Junta-Gehabe dazu führen wird, dass wieder mehr Stimmen nur Einschränkung, Kürzung, Abschaffung des ÖR Rundfunks laut werden. Nicht unberechtigt, denn wenn diese Institutionen ihrem verfassungsmäßigen Bildungsauftrag nicht nachkommen, sondern die Gelder aus der erhöhten Zwangsgebühr dazu nutzen, Karrieristen sechsstellige Gehälter zu verschaffen, verlieren sie ihre Legitimation. Nur würde es natürlich nicht besser, wenn man sie ganz abschaffen würde.
    Man könnte sich vielleicht einfach mal darauf besinnnen, wofür diese Sender da sind und womit ihre öffentliche Finanzierung begründet wird.

    Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
    (B. Pascal)

  • Der WDR gehört ja an sich noch zu den Sendern, wo auch noch komplette Werke gesendet werden. Die meisten anderen haben sich davon längst verabschiedet, und bringen nur noch ein Häppchenprogramm a la Klassik Radio, also ein ähnliches Format wie die Pop-Dudel Sender, nur mit anderem Inhalt. Offenbar glaubt man den Hörern keine längeren Musikpassagen mehr zutrauen zu können. Im Fernsehen ist es ja ähnlich: Tatort und dümmliche Spielshows, und natürlich Sport in Fülle, zu überhöhten Kosten. Der ursprüngliche Gedanke des Bildungsauftrags verschwindet hinter der Jagd nach der Quote.
    Es wird allgemein der Schwund von Klassikhörern und Konzertgängern beklagt. Aber wo soll sich denn die nachwachsende Generation kundig machen? In den Schulen hängt das sehr vom Engagement der Lehrer ab. In den Familien spielt Hausmusik nur noch eine rudimentäre Rolle. Und im Radio gibt es kaum noch Möglichkeiten sich umfassend zu informieren. Dabei war genau das der ursprüngliche Gedanke bei der Gründung der öffentlich rechtlichen Sender.


    Der Artikel von Frau Lemke-Matwey ist mutig, und trifft den Nagel auf den Kopf. Klassik-Liebhaber sind eine zu vernachlässigende Größe, und somit irrelevant für die Entscheidung der Technokraten, die in den Sendern das Sagen haben. Nur war zu erwarten das sie damit ihren Job aufs Spiel setzt, denn wer lässt sich schon gern als Manager von untergeordnetem Personal kritisieren.
    Das einzige was hilft, ist die komplette Abschaffung des öffentlich rechtlichen Bereiches. Dann haben wir zwar bald so gut wir gar keine Kultur mehr im Radio, aber das hätten wir in einigen Jahren ohnehin nicht mehr. Es ist ein ständiges Ärgernis, das wir für ein verhältnismäßig hohes Entgelt eine so miese Qualität erhalten. Und die Tatsache, das jetzt die Abgabe zwangsweise für jeden erhoben wird, hat den Charakter einer Sondersteuer. Und die ist verfassungsmäßig nicht erlaubt. Es gibt bereits Initiativen die darauf gerichtet sind die Struktur des öffentlich rechtlichen Rundfunks zu beseitigen. Ich hoffe inständig, das sie bald Erfolg haben werden. Dann wird den arroganten Intendanten schon der Hochmut vergehen. Und ich kann die gut 200 € in Konzerte oder Tonträger investieren. Oder aber in ein qualitätvolles Klassik-Bezahlprogramm.


    Eusebius

    "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)

    Einmal editiert, zuletzt von Eusebius ()

  • Abgabe zwangsweise für jeden erhoben wird, hat den Charakter einer Sondersteuer.

    Das wird wohl in der Literatur hier und da behauptet, findet aber bislang keinen Rückhalt in der Rechtsprechung.

  • Ein Problem ist, dass die verheerende Politik auf vielen Gebieten öffentlicher Infrastruktur in den letzten Jahrzehnten diese Institutionen derart in Verruf gebracht hat, dass nun nach Abschaffung und Privatisierung gerufen wird. Wie zB Verkehrs- oder Wasserinfrastruktur in England zeigen, wird damit aber alles noch teurer und v.a. schlechter. Es wurde ja nicht zuletzt dadurch schlechter, dass man meinte, sich möglichst eng an privatwirtschaftlichen Strukturen orientieren zu müssen. Also zB Bahnvorstände inkl. Vorstandsvorsitzenden, die mehr als zehnmal so viel verdienen wie der Präsident einer Staatsbahn.
    Im Falle klassischer Musik ist es aber leider so, dass es ohne die ÖR nur noch so etwas wie Klassik-Radio gäbe, fürchte ich.
    Deswegen ist es genau der falsche Weg, auf Abschaffung und komplette Privatisierung zu dringen, sondern Institutionen, die von den Bürgern per Steuern und Zwangsgebühren finanziert werden, müssen "zurückerobert", entsprechend kontrolliert und anders geführt werden. Aufgrund der weitreichenden Gehirnwäsche auf allen möglichen Ebenen (Politiker, Presse, Bürger) ist es leider eher unwahrscheinlich, dass das insgesamt gelingen wird, aber vielleicht sind ja einzelne Verbesserungen möglich.

    Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
    (B. Pascal)

  • Zweifellos eine wenig souveräne Reaktion des WDR auf den Artikel von Frau Lemke-Matwey, dessen Aussagen ich weitgehend teile. Ein paar zusätzliche Informationen wären allerdings wünschenswert, um den konkreten Fall besser beurteilen zu können: War Frau Lemke-Matwey Redakteurin oder nur freie Mitarbeiterin beim WDR? Meines Wissens letzteres (fest angestellt ist sie seit 2012 bei der "Zeit") - das würde heißen, dass es sich nicht um eine Kündigung handelt, sondern dass Frau Lemke-Matwey einfach nicht weiterbeschäftigt wird. Dass man sich mit öffentlich getätigten negativen Aussagen über seinen Arbeitgeber rechtlich in eine gefährliche Zone begibt, dürfte auch klar sein: die deutlich auf WDR-Intendant Buhrow gemünzte Aussage "steckt nicht in jedem Liftboy ein kleiner Revoluzzer?" ist nicht ganz ohne. Aber das ist eher ein Fall für Arbeitsrechtler, ich kann das nicht beurteilen. Unter diesen Aspekten ist Lemke-Matweys Artikel jedenfalls als mutig zu beurteilen, ganz ohne Ironie.


    Aus diesem Fall die Abschaffung der öffentlich-rechtlichen Sender abzuleiten, ist wirklich absurd, um nicht noch schärfere Begriffe zu gebrauchen. Die derzeitig diskutierten Fälle sind mehr als besorgniserregend, aber von einer Abschaffung des Klassiksektors in den nächsten Jahren kann keine Rede sein. Die öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland investieren zusammen schätzungsweise ca. 160-200 Millionen Euro pro Jahr in den Klassikbereich - eine Summe, die vier- bis fünfmal so groß ist wie der gesamte jährliche Umsatz mit Klassik-Tonträgern (einschl. Downloads) hierzulande. Gelegentlich habe ich den Eindruck, dass manch einer meint, der "Kulturauftrag" der Sender bestünde überwiegend daraus, dass Moderatoren im Studio CDs auflegen und ein paar Worte dazu sagen...


    Hier gibt's noch einen Artikel zum Fall WDR/Lemke-Matwey:


    "http://www.sueddeutsche.de/medien/kuendigung-nach-klassik-beitrag-fack-ju-mozart-1.1957090"



    Viele Grüße


    Bernd

    .

  • Eigentlich müsste es ja reichen, die Verantwortlichen auf die Inhalte aus den jeweiligen Staatverträgen zu verpflichten. Da ist ja eindeutig geregelt, dass eben nicht die kommerzielle Verbreitung von Kultur, sondern die von wirtschaftlichen Zwängen weitgehend befreite "Grundversorgung" stattfinden soll. Die Mittel indes werden ständig zweckentfremdet. Anstatt eine Gruppe von Fussballprofis zu päppeln wäre das Geld besser in Projekte zu investieren, die die Allgemeinbildung fördern. Durch das ständige starren auf die Quote entwickelt sich das Programm allerdings immer mehr in Richtung privater Sender. Der Rundfunkrat, der über die Einhaltung der Verträge zu wachen hat ist mit seiner Aufgabe vollkommen überfordert. Dort gelten ganz andere Prioritäten, nämlich die des Proporzes von gesellschaftlichen Gruppen und Parteien.
    Ich glaube also nicht das der ÖRR in seiner jetzigen Form noch relevant ist. Er nähert sich immer stärker seinen Konkurrenten aus dem privaten Bereich an. Entweder er wird gründlich reformiert, oder abgeschafft. Die Finanzierung über Zwangsabgaben in der jetzigen Form ist jedenfalls ein Ärgernis.


    Eusebius

    "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)

  • War Frau Lemke-Matwey Redakteurin oder nur freie Mitarbeiterin beim WDR? Meines Wissens letzteres (fest angestellt ist sie seit 2012 bei der "Zeit") - das würde heißen, dass es sich nicht um eine Kündigung handelt, sondern dass Frau Lemke-Matwey einfach nicht weiterbeschäftigt wird.


    WDR3-Moderatoren werden heute nicht mehr unter Vertrag genommen, sondern sind freie Mitarbeiter. Ich weiß natürlich nicht, ob Frau Lemke-Matwey - die ja schon lange für den WDR gearbeitet hat - in früheren Zeiten noch einen Vertrag bekommen hat, aber die im NMZ-Artikel gewählte Formulierung "kündigt die Zusammenarbeit auf" deutet für mich darauf hin, dass sie einfach keine weiteren Aufträge mehr bekommen wird.


    Ansonsten finde ich in Frau Lemke-Matweys Text nichts, was nicht schon hundertmal gesagt worden wäre. Sie kritisiert zunehmende Missachtung "klassischer" Musik, sieht aber Handlungsbedarf nicht etwa bei denen, die diese Musik angemessen vermitteln müssten (also bspw. bei sich selber), sondern bei denen, die kein Interesse mehr aufbringen können. An die eigene Nase packen wäre mal was gewesen. Die Sendung, die Frau Lemke-Mattwey bei WDR3 moderiert hat, ist nämlich ein mehr als anspruchsvolles Format, dass drei Stunden lang nur aus trockenem Wort und Musik besteht. Die Konzeption erfolgt durch die Moderatoren selber, die also freie Hand haben und dafür auch fürstlich entlohnt werden (überhaupt ist glaube ich vielen nicht klar, was schon der normale Klassik-Sendebetrieb des WDR an Geld verschlingt...). Das alles richtet sich an bereits gründlich vorgebildete Hörer, die - wie Lemke-Matwey ja selbst bemerkt (ohne allerdings Grund zum Handeln zu sehen) - wenige sind und immer weniger werden.


    Alles beim Alten also, wo bleibt die nächste Petition?


    Zwei Punkte sprechen für mich dennoch für die Journalistin: Dass sie ihre Kritik, auch wenn ich sie nicht teile, so offen ausspricht und dass der WDR so unsouverän reagiert.

  • Das alles richtet sich an bereits gründlich vorgebildete Hörer, die - wie Lemke-Matwey ja selbst bemerkt (ohne allerdings Grund zum Handeln zu sehen) - wenige sind und immer weniger werden.


    Und Du bist also der Meinung solche Sendungen sollten zu Gunsten leichter verdaulicher Sendungen abgeschafft werden?
    Ist das nicht gerade das wogegen sich Frau Lemke-Matwey stemmt?
    Hudebux

  • Sie kritisiert zunehmende Missachtung "klassischer" Musik, sieht aber Handlungsbedarf nicht etwa bei denen, die diese Musik angemessen vermitteln müssten (also bspw. bei sich selber), sondern bei denen, die kein Interesse mehr aufbringen können.


    Nein, sie sieht die Verantwortung bei denen, die die Macht haben Kürzungen vorzunehmen und dies auch tun. Und die haben offenbar häufig kein Interesse an klassischer Musik, wären aber eigentlich in der Verantwortung, der Vermittlung einen gehörigen Platz im Programm einzuräumen.


    Hudebux

  • Die Sendung, die Frau Lemke-Mattwey bei WDR3 moderiert hat, ist nämlich ein mehr als anspruchsvolles Format, dass drei Stunden lang nur aus trockenem Wort und Musik besteht.

    Nur Musik? Das muss natürlich weg.


    Christian

  • Die Sendung, die Frau Lemke-Mattwey bei WDR3 moderiert hat, ist nämlich ein mehr als anspruchsvolles Format, dass drei Stunden lang nur aus trockenem Wort und Musik besteht.

    Was hast Du denn gegen ein "anspruchsvolles Format"? Auch "Wort und Musik" passen nach meinem Verständnis durchaus in den Rundfunk.


    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Der WDR gehört ja an sich noch zu den Sendern, wo auch noch komplette Werke gesendet werden. Die meisten anderen haben sich davon längst verabschiedet, und bringen nur noch ein Häppchenprogramm a la Klassik Radio, also ein ähnliches Format wie die Pop-Dudel Sender, nur mit anderem Inhalt.


    Mich würde mal interessieren, ob sich dadurch die Einschaltquote überhaupt signifikant erhöht...

    zwischen nichtton und weißem rauschen

  • Zitat

    Die Sendung, die Frau Lemke-Mattwey bei WDR3 moderiert hat, ist nämlich ein mehr als anspruchsvolles Format, dass drei Stunden lang nur aus trockenem Wort und Musik besteht.


    Wenn das jetzt schon ein mehr als anspruchsvolles Format ist, bin ich Albrecht Mayer!


    Mir ist die Sendung, in die ich nahezu täglich hineinhöre, vor allem in den Wortbeiträgen oft viel zu seicht, worüber ich mich oft nicht wenig ärgere.


    Zitat

    Auch "Wort und Musik" passen nach meinem Verständnis durchaus in den Rundfunk.


    Ja, denn Bilder sind über das Radio nur schwer zu übertragen.... :D


    Und sowohl bei der Musik als auch beim Wort halte ich ein gewisses Mindestniveau für wünschenswert. Michael Stegemann zeigt mit informativen Beiträgen, wie es laufen kann. Der Dampfplauderton anderer Moderatoren (ich nenne mal bewusst keine Einzelnamen) geht mir schon lange bannig auf den Keks. Substanzloses Herumgelabere interessiert mich nicht - da ist mir dann eine Abfolge von Musikwerken mit nackten Ansagen deutlich lieber.


    Eventuell werden die intellektuellen Bedürfnisse des Publikums, das freiweillig einen Klassik- und Kultursender hört, von den "Machern" der Programme erheblich unterschätzt.... :pfeif:


    Viele Grüße


    Bernd

  • Nenn doch mal Zahlen...


    Ich weiß nur, was ein Moderator verdient, was ein Beitragsmacher verdient und ich weiß, wie viele fest angestellte Redakteure und Techniker dahinter stehen (Popwellen sparen sich übrigens den Techniker, da muss der Moderator Unterleger, Beiträge und Musik selbst fahren). Allein das ist beeindruckend. Was ich noch nicht kenne, sind die GEMA-Gebühren, die Gebühren fürs Senden des Programms, die Kosten für online-Auftritte usw..


    Nein, sie sieht die Verantwortung bei denen, die die Macht haben Kürzungen vorzunehmen und dies auch tun. Und die haben offenbar häufig kein Interesse an klassischer Musik, wären aber eigentlich in der Verantwortung, der Vermittlung einen gehörigen Platz im Programm einzuräumen.


    Die Vermittlung hatte und hat viel Platz! Für die Vermittlung selbst sind aber nicht die Programmplaner, sondern die Redakteure und Moderatoren zuständig. Und wenn Frau Lemke-Mattwey behaupten würde (sie tut es ja meines Wissens nicht), dass sie für Vermittlung viel getan hätte, kriege ich noch eher einen Herzinfarkt, als es dieses Thema eh schon provoziert.


    Was hast Du denn gegen ein "anspruchsvolles Format"? Auch "Wort und Musik" passen nach meinem Verständnis durchaus in den Rundfunk.


    Nur Musik? Das muss natürlich weg.


    Ja, denn Bilder sind über das Radio nur schwer zu übertragen....


    "trockenes Wort" meint Wort ohne Unterleger, Einspieler o.ä. Außerdem werden selten Interviews oder Beiträge verwendet. Die Anmutung so eines Formats ist gelinde gesagt nicht unbedingt das, was man unter Radio für junges Publikum versteht. Es ist nicht besonders aufwendig zu produzieren ist und klingt auch so.


    Mich würde mal interessieren, ob sich dadurch die Einschaltquote überhaupt signifikant erhöht...


    Zumindest ist Klassik-Radio in der Lage, ohne Zuschüsse aus dem Rundfunkbeitrag zurecht zu kommen..


    Substanzloses Herumgelabere interessiert mich nicht - da ist mir dann eine Abfolge von Musikwerken mit nackten Ansagen deutlich lieber.


    Und der Traum wäre doch, ein originelles [EDIT: und anspruchsvolles] Programm zu machen, das trotzdem nicht klingt wie von vor 30 Jahren. Das ist etwas, was ich diesem ständigen Empören mal entgegesetzen würde: ein Blick auf beide Seiten der Medaille.


  • Mich würde mal interessieren, ob sich dadurch die Einschaltquote überhaupt signifikant erhöht...


    Es ist je gerade der Sinn der Einrichtung des ÖRR dass man sich nicht an Einschaltquoten orientiert, also unabhängig vom Publikumsgeschmack agieren kann. Dafür gibt es die Erträge aus den Gebühren. Das wäre ja so, wie wenn eine öffentliche Bibliothek alle Bücher rauswirft, die nicht mindestens ein Mal im Monat gelesen werden.
    Der Teufelskreis besteht ja darin, dass das Programm ausgedünnt wird, dadurch die Hörer immer weniger kennenlernen, und dann auch nur noch den spärlichen Rest nachfragen, oder in Konzerten hören wollen.


    Eusebius

    "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)

  • Und der Traum wäre doch, ein originelles [EDIT: und anspruchsvolles] Programm zu machen, das trotzdem nicht klingt wie von vor 30 Jahren. Das ist etwas, was ich diesem ständigen Empören mal entgegesetzen würde: ein Blick auf beide Seiten der Medaille.


    Dazu braucht es aber einen Sender der das zulassen oder fördern würde. Den sehe ich aber im Quotendschungel nicht, weil es keinen Verantwortlichen zu interessieren scheint. Insofern kann man gerne etwas einfordern und vorschlagen, aber es wird nicht umgesetzt.

    "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)

  • Meines Wissens ist Radio, alles zusammgenommen, relativ billig (verglichen mit den Millionen, die für Mist im ÖR Fernsehen verpulvert werden, zB McDonalds vs. Burger King, für so etwas reicht eigentlich bloßer Rausschmiss der ZDF-Verantwortlichen nicht, man sollte sie teeren und federn, wenn sie so mit den Gebühren umgehen) und das meiste davon dürften, wie aus Duderinos Aufstellung hervorgeht, konstante Kosten, weitgehend unabhängig von der konkreten Ausgestaltung des Programms, sein.


    Der Bock, den man dem BR vorwirft, geschossen zu haben, ist doch, einen UKW-Platz für ein Programm für Jugendliche, die typischerweise weit digitalaffiner sind als die Klassikhörer älteren Semesters, zulasten der Klassik aufzugeben. Die potentielle Hörerschaft des Jugendradios Puls dürfte weit eher mit den digitalen Empfangsgeräten ausgestattet und vertraut sein als die meisten BR-Klassik-Hörer.
    Das wirklich Skandalöse daran ist m.E. weniger der Affront gegen die Klassik als gegen die älteren Herrschaften ("ageism" ist der einzige erlaubte ism). Ich kenne die Bayern-Programme nicht und sicher ist ein eigenes Klassik-Programm ein gewisser Luxus (der HR hatte es nach recht kurzer Zeit wieder eingestellt, aber dafür läuft auf HR 2 wohl weit mehr Klassik als (inzwischen) auf Bayern 2). Warum es aber zwei Unterhaltungs/Pop-zentrierte Programme geben muss (1 und 3) bzw. warum nicht eines davon Inhalte des Jugendradios aufnehmen kann, ist mir nicht ganz klar.


    Vor 30 Jahren habe ich noch kaum Radio gehört. Ich hätte aber überhaupt nichts gegen ein Kulturradio, das so ähnlich wäre wie der HR-2 vor 20-25 Jahren, den ich damals vergleichsweise regelmäßig gehört habe. Ich sehe nicht so recht ein, in welcher Hinsicht man hier etwas aktualisieren muss. Meiner Ansicht nach krankt die Debatte (wie fast alles heute von der Bildung bis zur Politik) daran, dass man meint, Verpackung sei wichtiger als Inhalt und überhaupt müsse alles alle paar Jahre "reformiert" werden, nur um irgendwas anders zu machen.

    Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
    (B. Pascal)

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