WDR3-Moderatorin nach Kritik entlassen

  • WDR-3-Klassikforum heute morgen: Zunächst Chopins Minutenwalzer, dann Moderatorengeschwätz darüber, dann endlich mal wieder der allseits beliebte Hummelflug, dann Moderatorengeschwätz über Geschwindigkeitsrekorde, dann die Hymne "Fahrrad, ja du grenzenloses Ding....";( :boese: :cry: :stern: - nach den ersten Takten Schreikrampf meinerseits, Überlegungen, ob ich das Radio aus dem Fenster werfe...dann Griff in die CD-Sammlung, Schumanns "Gesänge der Frühe" in den Player geschoben



    ....langsam geht es mir wieder etwas besser.....


    Ob ich es heute ein weiteres Mal riskieren soll, das Radio anzuschalten, weiß ich noch nicht....


    :wink:


    Bernd

  • Naja, es gab immerhin einen roten Faden.
    Dabei gibt es von Dehmel so ein schönes Fahrrad-Gedicht!

    This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
    playing in good Taste doth not confit of frequent Passages, but in expressing with Strength and Delicacy the Intention of the Composer (F. Geminiani)

  • Zitat

    Dabei gibt es von Dehmel so ein schönes Fahrrad-Gedicht!


    Ich habe ja grundsätzlich nichts gegen Fahrrad-Gedichte, wenn sie nicht gar so extrem flachsinnig ausfallen. Und meinetwegen kann man auch zwischendurch gerne mal eine Minutenpiece zur Auflockerung bringen. Aber am Anfang gleich drei Nullnummern nacheinander...was zu viel ist, ist einfach zu viel! :boese:


    Ich habs dann übrigens zwischendurch noch mal über mich gebracht, mir ein paar weitere Moderationsbeiträge des oben so gerühmten Jörg Lengersdorf anzuhören. Ab und an gab es auch mal einen Satz mit einem gewissen Informationsgehalt, aber zu 90% handelte es sich um absolut belangloses Kaffekränzchengeplauder :sleeping: . Wenn dieses launige Geschwätz der Maßstab für die deutsche Klassikmoderatoren-Szene sein soll, dann gute Nacht! ;(


    Viele Grüße


    Bernd

  • Dabei kann der arme Chopin-Walzer aber auch gar nichts dafür, dass er mit diesem unseligen "Minuten"-Etikett versehen wurde ...


    Gruß
    Mb


    :wink:

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Dann schreib ich mal, wie ich es mache, im Rundfunk eigentlich immer die Musik zu hören, die ich hören will. Ich zeichne die Radioprogramme mit der Tobit.Software auf (im Moment für den WDR und hr2-kultur zu haben). Dabei werden mir die Inhalte der Sendungen, die ich aufzeichnen will, angezeigt (Wunschsendungen mal ausgenommen). Über die Woche schneide ich mit, was mich interessiert und lade es dann in ein Verzeichnis, das ich auf eine SDK speichere. Und die stecke ich dann in mein Tablet, das bei mir an der Anlage hängt. Sauberer Klang und freie Wahlmöglichkeit, was ich gerade hören will (im Moment eine Sendung über Strauss "Alpensinfonie" und Strawinsky "Histoire du soldat" - und ihre Bezüge zum 1. Weltkrieg - spannend!)


    So höre ich zwar die Sendung im Abstand einer Woche, aber das macht mir im Regelfall nichts (da findet halt die Karwoche eine Woche später statt - in "Eben gehört" wird sie ja meist viel früher reflektiert, das gleicht sich aus). Es hindert mich nichts daran, was Dringendes gleich runterzuladen und dann zu hören. Aber dass ich abhängig bin von einer gerade laufenden Sendung, das passiert mir nicht. Und wenn mir gerade was nicht passt, wechsele ich zur nächsten Sendung. 9 GB kommen bei mir im Normalfall zusammen (auf dem Desktop kann ich noch das Klassikprogramm vom SWR herunterladen), das ist eine Menge von Musik, die ich auch nicht komplett hören muss. Ich habe ja noch andere Möglichkeiten.


    Ach ja, und kosten tut das nichts, man wird über neueste Einspielungen informiert, manches hört man, bevor es auf Tonträger zu haben ist.


    Es sind natürlich "nur" MP3-Dateien, dafür ist das Verfahren wenig aufwändig - und ich fühle mich gut versorgt. Wie etwa von der Sendung zu Arbeiterlieder am 1. Mai, die mir Ideen gab, die "Lieder der Malocher" fortzusetzen.


    Liebe Grüße Peter

    .
    Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
    (Hermann Bahr)

  • Zitat

    Dabei kann der arme Chopin-Walzer aber auch gar nichts dafür, dass er mit diesem unseligen "Minuten"-Etikett versehen wurde ...


    Nee, kann er nicht. Und er kann auch nichts dafür, dass er reichlich abgenudelt ist, ebensowenig wie der Hummelflug etwas dafür kann. Aber der Moderator kann etwas dafür, wenn er nach zwei solch dermaßen abgewetzten Kurzkloppern in direkter Folge dann noch mit "Fahrrad, ja du grenzenloses Ding, du stehst rum und bringst mich überall hin..." (oder so ähnlich) kommt.


    Viele Grüße


    Bernd

  • Jetzt bin ich aber doch mal neugierig geworden: Minutenwalzer und Hummelflug sind mir einigermaßen vertraut, doch wo kann ich mir denn - ohne mir eine CD kaufen zu müssen -, die Hymne an das grenzenlose Fahrrad schnell mal, ähm, reinziehen? (Ich vermute, der Komponist heißt nicht Ernest Chausson? ;( )


    :|

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Nee, der Komponist der fabulösen Werks heißt laut WDR-3-Website Wolfram Oettl. Wo man sich den Käse anhören kann, weiß ich aber leider auch nicht...


    Viele Grüße


    Bernd

  • Nee, kann er nicht. Und er kann auch nichts dafür, dass er reichlich abgenudelt ist, ebensowenig wie der Hummelflug etwas dafür kann. Aber der Moderator kann etwas dafür, wenn er nach zwei solch dermaßen abgewetzten Kurzkloppern in direkter Folge dann noch mit "Fahrrad, ja du grenzenloses Ding, du stehst rum und bringst mich überall hin..." (oder so ähnlich) kommt.


    Willst du nicht einfach mal eine freundliche Mail an Klassikforum@wdr.de schreiben? Jörg hat ja auch eine eigene Homepage mit Kontaktformular, da könntest du deine Kritik auch sinnvoll anbringen. Die wird, auch wenn man das bei einer solchen Riesenanstalt erstmal nicht glauben kann, gelesen und eigentlich auch beantwortet.


    Ich hab die Sendung nicht gehört, aber nur als Anregung: kurze Stücke = viele Stücke = viele Moderationen = viel Arbeit + intensive Höreransprache. Mit langen Titeln könnte man sichs da deutlich leichter machen. Und was du als "Geschwätz" wahrnimmt, ist für jemand anderen vielleicht ein angenehm entspanntes Hörerlebnis. Aber wie gesagt: klär das doch direkt!

  • Zitat

    Aber wie gesagt: klär das doch direkt!


    Eventuell mache ich das sogar, wenn ich nach Feierabend noch die Energie dafür aufbringe.


    Viele Grüße


    Bernd

  • Eventuell mache ich das sogar, wenn ich nach Feierabend noch die Energie dafür aufbringe.


    Mach das mal! Man hat zwar beim Moderieren schon eine grobe Vorstellung, für wen man das macht. Aber wenn täglich zwei Nachrichten reinschneien würden, dass man den Hörern ruhig mehr zutrauen dürfe, dann käme jeder Moderator ins Grübeln.
    Ich bekomme leider immer nur Lob oder Kritik, Komponistennamen richtig oder falsch ausgesprochen zu haben. Da fällt eine inhaltliche Orientierung nicht leicht.

  • Fürs Fahrradfahren hätte man auch zu einer Arie aus Giordanos "Fedora" greifen können, dort wird diese edle Kunst gepriesen...

    Einzelne giebt es sogar, auf deren Gesicht eine so naive Gemeinheit und Niedrigkeit der Sinnesart, dazu so thierische Beschränktheit des Verstandes ausgeprägt ist, daß man sich wundert, wie sie nur mit einem solchen Gesichte noch ausgehn mögen und nicht lieber eine Maske tragen (Arthur Schopenhauer)

  • Mir wäre da Satie eingefallen. Hat der nicht alle möglichen Transportmittel in Klavier-Aphorismen vertont?

    Lucius Travinius Potellus
    Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety. (B.Franklin)

  • Ich habs dann übrigens zwischendurch noch mal über mich gebracht, mir ein paar weitere Moderationsbeiträge der oben so gerühmten Jörg Lengersdorf anzuhören. Ab und an gab es auch mal einen Satz mit einem gewissen Informationsgehalt, aber zu 90% handelte es sich um absolut belangloses Kaffekränzchengeplauder . Wenn dieses launige Geschwätz der Maßstab für die deutsche Klassikmoderatoren-Szene sein soll, dann gute Nacht!


    Das meinte ich mit meiner Kritik an der Neuverpflichtung von Jörg Lengersdorf. Allerdings fand ich die heutige Ausgabe weniger schlimm. Immerhin, wie oben schon gesagt, gab es einen recht ordentlich gewobenen Roten Faden und einige gut recherchierte Infos, und außerdem ist Dies ja auch richtig:

    Ich hab die Sendung nicht gehört, aber nur als Anregung: kurze Stücke = viele Stücke = viele Moderationen = viel Arbeit + intensive Höreransprache. Mit langen Titeln könnte man sichs da deutlich leichter machen. Und was du als "Geschwätz" wahrnimmt, ist für jemand anderen vielleicht ein angenehm entspanntes Hörerlebnis.


    Nichtsdestotrotz ist die (von mir dreist unterstellte) Tendenz, Typen wie Frau Lemke-M. gegen Typen wie J. Lengersdorf auszutauschen, ein Schritt in Richtung NDR "Kultur" oder Klassik-Radio.


    Ich habe jetzt ein Internet-Radio. Glücklich macht das auch nicht - Überangebot und Rechercheprobleme. Mühsam. Gerade höre ich Radio France mal quer. Nicht übel!

    Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere.

  • Zitat

    Ich habe jetzt ein Internet-Radio. Glücklich macht das auch nicht - Überangebot und Rechercheprobleme.


    Jaja....viel hilft nicht unbedingt viel... . --


    Ich habe es übrigens eben getan - ich habe Jörg Lengersdorf direkt über seine Homepage kontaktiert, um meine Auffassung mehr oder minder geschickt zu äußern. Vermutlich minder geschickt, da es gerade beim direkten persönlichen Umgang ganz besonderer Formulierungskünste bedarf, um Kritik so an den Mann oder die Frau zu bringen, dass es nicht automatisch zu drastischen Abwehrreaktionen kommt. Mir fehlt es angesichts meines heftigen Arbeitsalltags einfach an der für das genaue Abwägen jedes Worts erforderlichen Kraft und Zeit..


    Welche Antwort ich erhalte, wenn ich denn eine erhalte, wird sich zeigen.....



    Viele Grüße


    Bernd

  • So, Jörg Lengersdorf hat mir heute morgen schon vor seinem nächsten Klassikforum eine längere Mail geschrieben, und ich muss sagen, dass ich von der souveränen Art seines Umgangs mit meiner Kritik sehr positiv überrascht bin! Ich zitiere wenigstens mal den den Anfang seiner Antwort:


    Zitat

    vielen Dank für Ihre Post, die mich sicher zurecht befürchten lässt, dass es doch einige wdr3 Hörer gibt, die Ihre Kritik teilen. Natürlich ist es immer eine moderative Fehlleistung, Hörer zu verärgern, und selbstverständlich nehmen meine Kollegen und ich jede Anmerkung, welche zur Qualitätsverbesserung der Sendung führen könnte, ernst......


    Chapeau, der Mann hat Format! :thumbup:


    Viele Grüße


    Bernd

  • Sieht eher nach vorformatiertem Blabla aus ...
    "Die Zufriedenheit unserer Kunden ist unser erstes Anliegen ..."

    Alles, wie immer, IMHO.

  • Sieht eher nach vorformatiertem Blabla aus ...

    Dieses strenge Urteil würde ich zurückhalten, bis ich wüßte, was Herr Lengersdorf konkret auf arundo donax' Kritik entgegnet hat.


    Dürfen wir mehr darüber erfahren? ;+)


    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Dann zitiere ich noch einmal einen Satz aus der Mail:


    Zitat

    ....Unglücklicherweise mag diese meine vermeintlich "ignorante" Haltung des Musikhandwerkers gegenüber dem Musikkommentierer dazu führen, dass ich ab und an auf die Suche nach "Originalität" gehe, nach jenen absurden nichtfachlichen Informationen, wo Sie zurecht den Kalauer hören.....


    Das sieht mir überhaupt nicht nach vorformatiertem Blabla aus, sondern nach einer beachtlichen Fähigkeit zur Selbstreflexion.


    Viele Grüße


    Bernd

  • Stimmt.


    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

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